Beiträge von Titus Aurelius Ursus

    Nachdem Ursus erfahren hatte, wo er untergebracht war, schickte er seine Sklaven vor, um den Wagen abzuladen und das Haus wohnlich herzurichten. Es war kaum von dem zu unterscheiden, das er in Germanien bezogen hatte, nur daß es ein wenig offener war wegen des milderen Klimas. Als Ursus von seinen Antrittsbesuchen zurückkehrte, war bereits alles eingerichtet und ein herrlicher Duft verhieß ein gutes Abendessen. Nachdem er sich den Reisestaub vom Körper gewaschen hatte, durchwanderte er das ganze Haus und besprach die eine oder andere Veränderung in der Einrichtung mit seinen Sklaven, bevor er sich dann im Triclinium das Essen servieren ließ.


    Centurio Potitus Lucretius Luscus
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    "Ihr Götter! Was für ein Waschlappenverein! Nun greift doch mal richtig zu! Seid ihr kleine Gören oder was?!" Der Centurio ging die Reihe der Kämpfenden ab, hier und da setzte er seinen Stock ein, um einen allzu zögerlichen Kämpfer anzuspornen. "Ihr umarmt hier nicht die liebe Großmutter, sondern euren Gegner! Zu Boden mit ihm, egal wie! Und laßt euch nicht umwerfen, steht wie ein Fels! Was ist das denn hier? Willst Du erst ein Schläfchen halten oder was?" , brüllte er den am Boden liegenden Antonius an. "Auf die Füße mit Dir und jetzt will ich einen ordentlichen Kampf sehen! Sonst mache ich euch Beine!" Der Gerechtigkeit halber erhielten beide einen kräftigen Schlag zur Aufmunterung. "Schaut euch eure Gegner an. Erkennt ihre Schwächen. Der andere ist größer und stärker? Na und? Macht es durch Klugheit und Schnelligkeit wett! Das macht den ausgebildeten Soldaten aus! Es gibt keinen stärkeren Gegner! Für jeden Gegner die richtige Taktik, das ist das Geheimnis des Überlebens!"






    "Es werden keine Grundstücke mehr zum Verkauf angeboten, das sollte Dir doch bekannt sein. Nein, ich habe nicht nachgefragt, da auf eine solche Frage unweigerlich ein Nein folgen muß. Wo sollte ich denn nachfragen, wenn allgemein bekannt gegeben wurde, daß keine Grundstücke mehr zum Verkauf stehen? Und es tut mir leid, nein, ich verstehe Dich ganz und gar nicht. Wenn ich so viel Grundbesitz hätte wie Du, würde ich durchaus einen Klienten fördern, bei dem ich davon ausgehen kann, daß er einmal weit kommen kann. Solche Klienten können sehr nützlich sein, vor allem wenn sie einem so sehr zur Dankbarkeit verpflichtet sind. Nein, verstehen kann ich es nicht. Nur Deine Entscheidung respektieren. Und das tue ich. Ich habe Dich gefragt, weil Du mein Patron bist und ich der Meinung bin, daß ich vor allem Dir verpflichtet sein sollte. Doch nun... werde ich anderweitig mein Glück versuchen. Ich werde eines Tages einen Sitz im Senat haben, daran zweifele ich nicht. Es dauert nur weit länger, als ich gehofft hatte. Irgendwo hier in Rom wird es einen Mann geben, der erkennt, daß er weit mehr bekommen wird, als er gibt, wenn er mir ein Grundstück verkauft." Sein Tonfall besaß Selbstsicherheit und er blickte seinen Patron offen an. Es wäre ihm lieber gewesen, seine Verpflichtungen nicht aufteilen zu müssen.

    Die Enttäuschung war Ursus deutlich anzusehen. Er versuchte nicht einmal, sie zu verbergen. "Es geht nur um ein Grundstück, nicht um zwei. Denn eines besitze ich bereits. Ich finde es nicht recht, nur für die Zeit der Ernennung eines zu erwerben und es dann wieder zurück zu verkaufen. Es hat etwas von Unehre und der Erschleichung der Voraussetzungen, die ja sicher einen Sinn haben. Auf solche Weise möchte ich nicht weiterkommen. Es mag naiv und dumm sein, altmodisch gar. Aber es fühlt sich falsch an, so eine Möglichkeit zu wählen. Dazu kommt, daß mir so etwas im Senat mein ganzes Leben lang vorgeworfen würde. Ich habe bei vielen Debatten zugehört und Du weißt wie ich, daß man noch so kluge Dinge sagen kann, aber völlig untergeht, wenn man von gewissen Personen wegen solcher Formalitäten zerrissen wird. Geld? Ich habe in der Woche ganze 50 Sesterzen Ertrag aus meinem kleinen Stück Land. Du weißt, daß öffentliche Ämter unentgeltlich sind. Die einzige Zeit, in der ich Geld verdiente, war während des Tribunats. Meine Arbeit an der Schola wird nur entlohnt, wenn ich Kurse halte. Als ich den Kurs über Tiberius hielt, hatte ich ein Amt inne. Um keine Probleme wegen bezahlter Nebentätigkeit zu bekommen, verzichtete ich auf die Entlohnung. Du siehst, über wenig Geld weiß ich Bescheid. Ohne meine Familie könnte ich gar nicht existieren. Nein, ich möchte kein Geld von Dir. Ich habe gespart, ich habe Geld. Geld genug gar für zwei Grundstücke. Wenn es nur irgendjemanden gäbe, der bereit wäre, sich davon zu trennen. Er würde nicht nur dafür den Kaufpreis erhalten, sondern könnte sich für den Rest meines Lebens meiner tiefen Dankbarkeit sicher sein. Aber wie ich eingangs schon sagte: Je mehr Grundstücke jemand hat, umso schwerer trennt er sich davon. - Ich danke Dir dafür, daß Du mich angehört hast."

    Auch die beiden Männer machten sich schon auf den Weg ins Stadion. "Ja, es ist schon viel zu lange her", erwiderte Ursus die Herzlichkeit Quartos. "Neptun scheint bestens gelaunt, so rasch und problemlos, wie das Opfer abgelaufen ist." Kaum hatten sie ihre Pläzte eingenommen, da startete auch schon das Rennen.


    "Um nichts in der Welt würde ich mir an solch einem Tag ein Rennen entgehen lassen. Auch wenn es nur ein Übungsrennen ist. Heute ergibt sich ja eine einmalige Gelegenheit, nach vielversprechenden Talenten Ausschau halten. Patroklos ist zwar ein hervorragender Fahrer, aber sehr lange wird er nicht mehr aktiv sein können." Seine Augen folgten dem Geschehen auf der Rennbahn.

    Ursus war gar nicht zum Lachen zumute, doch er lächelte höflich, da er seinen Patron nicht vor den Kopf stoßen wollte. "Wer trennt sich schon gerne von Ländereien? Je mehr Land jemand besitzt, umso schwerer trennt er sich davon, habe ich inzwischen erkannt. Du kannst Dir denken, wie schwer alles ist, wenn einem nur ein kleines Stückchen Land zur Verfügung steht und die meisten Geschäfte einem aufgrund des Standes untersagt sind. Ich habe eisern gespart, ich kann den üblichen Preis ohne weiteres zahlen. Dein Angebot ist sehr freundlich, doch ich muß gestehen, daß solch eine Abmachung einen leicht bitteren Beigeschmack hat. Erst vor kurzer Zeit wurde gerade dies im Senat diskutiert. Letztendlich wurde beschlossen, es dem Kaiser zu überlassen, welche Vorraussetzungen ein Senatssitz haben sollte. Doch gerade das zeigt, wie schnell solch ein Gesetz geändert werden kann. Wenn die Senatoren, die diese Diskussion angestrengt haben, dem Kaiser entsprechend zureden, kann sehr schnell der permanente Landbesitz von zwei Grundstücken Voraussetzung sein." Er atmete tief durch. Natürlich hatte er sich erkundigt, wer wieviel Land besaß. Sonst hätte er noch weniger gewagt, seinem Patron solch eine zugegebenermaßen enorm große Bitte vorzutragen. "Siehst Du wirklich keine Möglichkeit, Dich auf Dauer von einem Fleckchen Land zu trennen? Es braucht nicht besonders fruchtbar zu sein, die Lage ist ebenfalls nicht von Belang."

    Auch Ursus hatte sich schon früh eingefunden, um dem Opfer beizuwohnen. Und natürlich auch dem anschließend stattfindenden Rennen der Nachwuchstalente. Die Aurata konnte einen weiteren jungen Fahrer gut brauchen und dies war eine gute Gelegenheit, mal nach Talenten zu schauen. Zu befürchten war nur, daß die anderen Factiones ähnliche Pläne hatten.


    Einige Gäste hatten dem Wein schon gut zugesprochen. Ursus grinste. Er selbst wollte lieber noch nichts trinken, sonst würde nur sein Urteilsvermögen getrübt. Er bemerkte Quarto in der Menge und drängelte sich langsam zu ihm durch. "Salve, Aelius Quarto. Ein schöner Tag für das Fest, nicht wahr? Dieser Trubel ist einfach herrlich." Zwar war er nicht immer dafür empfänglich, aber heute genoß er es einfach, sich zwischen all diesen fröhlichen Menschen zu bewegen.

    Dann war der Brief vielleicht doch zu spät in Germanien angelangt. Zumindest mußte Ursus nun davon ausgehen. "Nun, unter anderem berichtete ich Dir davon, daß ich immer noch nicht in den Senat berufen werden konnte. Und zwar aus dem einzigen Grund, daß mein Landbesitz nicht ausreichend ist. Im Moment ist es mehr als schwer, Land zu erwerben. Und ich wollte Dich fragen, ob Du vielleicht bereit bist, mir gerade so viel Land zu verkaufen, daß es für eine Berufung in den Senat ausreichend ist." Es fiel ihm nicht leicht, solch eine große Bitte zu äußern. Doch zu wem ging man, wenn nicht zum Patron?

    Während des Berichtes musterte Ursus den Centurio der jeweils angesprochenen Centurie. Straßenbauarbeiten also. Aber abgeschlossen. Also waren die Männer nach einer gewissen Erholungsphase, in der sie auch ihre Ausrüstung auf Vordermann bringen konnten, für weitere Sonderaufträge bereit. Ausbesserungsarbeiten im Lager? "Um was für Ausbesserungsarbeiten handelt es sich? Größere Baumaßnahmen oder nur kleinere Instandsetzungsarbeiten? Und wie ist der derzeitige Stand dieser Arbeiten?" Bevor allerdings der Centurio antworten konnte, wandte sich Ursus nochmal kurz an Centurio Iulius. "Den Abschlußbericht über die Straßenbaumaßnahmen leitest Du bitte auch an mich weiter." Dann war seine Aufmerksamkeit ganz den Centurionen der dritten und sechsten Centurie gewidmet.

    Lachend nickte Ursus. "Eben, ich möchte es auch auf einen Versuch nicht ankommen lassen? Wie lange bist Du schon hier? Hast Du Dich schon eingelebt und in der Truppe etabliert?" Das stand ihm noch bevor und er ahnte schon, daß er es nicht leicht haben würde. Immerhin war diese Truppe mit in Parthien gewesen, hatte also noch relativ frische, handfeste Kampferfahrung. Da konnte er lange nicht mithalten. Doch er war zuversichtlich, sich trotzdem seinen Platz erkämpfen zu können.


    "Aber eine sehr freundliche freundschaftliche Geste. Die ich auch sehr zu schätzen weiß." Land war rar und so gab es auch nur wenige "Freunde" die freimütig solch ein Angebot machen würden. "Du willst die Pferdezucht aufgeben? Schade. Ich hätte mir Deine Tiere gerne mal angesehen. Obwohl ich eigentlich mit einem sehr guten Reitpferd ausgestattet bin. Arbo sieht zwar nicht besonders edel aus, aber er ist zuverlässig und ausdauernd und erträgt klaglos einen Reiter, der viel zu selten im Sattel sitzt." Er zuckte die Schultern und grinste dabei ein wenig schief.

    Ein wenig runzelte Ursus die Stirn wegen der doppelt gemoppelten Vorstellung durch die Angabe der Centurien, doch er sagte nichts. Vermutlich hatte er es hier wieder mit den typischen Berufssoldaten zu tun, nicht einmal ansatzweise in Erwägung zogen, daß ein senatorischer Tribun ein paar Kleinigkeiten dann doch schon wußte. Das konnte er eh nicht mit Worten ändern, dazu bedurfte es Taten.


    Lieber gab er sich noch mehr Mühe, sich die Namen und die dazugehörigen Gesichter einzuprägen, um sie beim nächsten Treffen parat zu haben. "Ist cohors IX zur Zeit mit Sonderaufgaben betraut oder seid ihr für den normalen Wach- und Patrouillendienst eingeteilt?"

    So schnell hatte Ursus nicht damit gerechnet, daß die Offiziere einen Antrittsbesuch bei ihm machten. Als es klopfte, seufzte er leise. Das würde ja einen wunderbaren ersten Eindruck geben. In seinem Bemühen, eine Ordnung hinein zu bekommen, hatte er natürlich erst einmal alles auseinandergerissen. Er hatte bereits ein System und fing gerade damit an, die einzelnen Unterlagen danach einzuordnen, doch im Augenblick sah es einfach nur chaotisch aus.


    Er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen und tat so, als wäre alles völlig normal, als die Centurionen eintraten. "Salvete", grüßte er und erwiderte gekonnt den militärischen Gruß. Er war schließlich kein ganz so grüner Junge mehr. "Nun, ihr wißt offenbar schon, wer ich bin. Und nun würde ich gerne eure Namen erfahren. Fangen wir gleich mit Dir an, Centurio", sprach er direkt den Mann an, der ihm die Meldung gemacht hatte. Vermutlich würde er sich nicht gleich alle Namen und dazugehörigen Gesichter merken können. Aber er würde es zumindest versuchen.

    "Also ist es schon lange her, daß Du ihn das letzte mal gesehen hast? Nun, dann lasse ich mich einfach überraschen." Er wußte ja nur, daß Corvinus nicht viel von diesem Mann hielt.


    "Hat Dich eigentlich mein letzter Brief in Germanien noch erreicht? Ich schickte ihn los, obwohl ich mir nicht sicher war, ob Du schon abgereist warst."

    Danke für die lieben Glückwünsche - und die Torte *mjam* Gefeiert wird aber erst am Wochenende. Dafür dann umso doller *ggg*


    @Corvus: Nur keine Panik, ich werde den Vorsprung halten :D



    Zitat

    Original von Marcus Iulius Licinus

    Sim-Off:

    und wo wir grade dabei sind: richt dir mal ein officium in der castra ein, damit man dich auch wo finden kann ;)


    schon erledigt ;)

    Als Ursus zum ersten mal sein Officium betrat, schaute er sich wenig begeistert um. Es herrschte zwar nicht unbedingt Chaos, doch solch eine Ordnung, wie er sie bei der Legio II vorgefunden hatte, war hier nicht vorhanden. Na, dann hatte er doch wenigstens gleich etwas zu tun. Nämlich alles zu sichten, zu sortieren und sich ein Bild von seinen kommenden Aufgaben zu machen. Seufzend setzte er sich und begann, die vorhandenen Wachstafeln und Schriftrollen zu lesen.

    Es war unglaublich, wie stark der Weiße war. Er konnte seinen Vorsprung weiter halten, niemand, nicht mal Patroklos, konnte ihm gefährlich werden. Was für ein Sieg! Aber der zweite Platz war so schlecht ja nun auch nicht und auch wenn es keine Siegesfeier geben würde, so gab es keinen Grund, nicht trotzdem mit den Fahrern einen Becher zu heben. Gute Leistungen hatten sie beide gezeigt, auch wenn Ursus sich natürlich zum einen einen Sieg und zum anderen für Burolix die Teilnahme am Finale gewünscht hätte. Sicher hätte der Junge keine Chance gehabt gegen diese Konkurrenz. Doch die Erfahrung wäre sehr wertvoll gewesen. Wenigstens waren es nicht die Blauen gewesen, die den Sieg davongetragen hatten.

    "Ja, das ist ganz sicher das Beste. Eigentlich ist es ziemlich still um ihn." Zumindest gab es nur wenige Gerüchte.


    "Die Prima wird von Tiberius Vitamalacus kommandiert. Ich kenne ihn noch nicht persönlich. In zwei Tagen gedenke ich abzureisen, um dort ein zweites Tribunat abzuleisten. Ich habe die Ernennung gerade erst erhalten. Kennst Du ihn näher?"