Beiträge von Titus Aurelius Ursus

    Der Händler war ja wirklich eher von der etwas langsameren Sorte. Er wußte praktisch nichts. Außer, daß sie hier gewesen war und mit einem Mann fortgegangen war. Es war zum auswachsen! Ursus trat ein paar Schritte beiseite, um sich wenigstens die Wurst schmecken zu lassen, da wurden sie von einem der Gäste angesprochen. "Du kannst uns helfen?", fragte er überflüssigerweise nochmal nach. "Und darf ich fragen, mit wem wir das Vergnügen haben?" Er lächelte freundlich, doch sein Blick war abschätzend. Eigentlich hatte er keinen Grund, dem Mann zu mißtrauen, doch es war einfach nicht ersichtlich, was er für eine Funktion hatte. Es müßte doch jemand sein, der sich hier quasi ständig herumtrieb. Und so sah er einfach nicht aus. Doch natürlich ließ er sich auch gerne überraschen. Die Antworten auf seine und Louans Fragen würden sicher für Aufklärung sorgen.

    Zitat

    Original von Palatinus
    Kaeso Antonius Hortalus
    Hortalus brummte leicht und nickte dann.
    "Ich werde es entsprechend notieren, aber wie du selbst schon richtig festgestellt hast, werden wir sehen müssen, ob für dich überhaupt ein Posten als Tribun übrigbleibt. Aber ich werde auf jeden Fall einen Vermerk anfügen, dass du nach Möglichkeit in Italia eingesetzt wirst." sagte er.



    Das Brummen ignorierte Ursus einfach. Was hätte er darauf auch sagen können? "Nun, mehr kann ich nicht verlangen und ich danke Dir für Deine Mühen und Deine Zeit, Procurator Hortalus." Ursus erhob sich, denn er hatte alles vorgebracht, was er hatte loswerden wollen. "Ich wünsche Dir noch einen schönen Tag. Vale." Mit diesen Worten verließ er das Officium.

    Der Preis lag im normalen Rahmen, wie Ursus zufrieden bemerkte. Er nickte fast unmerklich dazu und hörte dann zu, wie der Consul auch die weiteren Statuen noch zur Sprache brachte. Es wäre sicherlich gut, diese auch bald in Auftrag zu geben, damit es durch sie nicht zu unnötigen Verzögerungen kam. Als Quarto dann die gewünschten Eigenschaften für die anderen Familienmitglieder aufzählte, hörte Ursus interessiert zu. Die meisten Namen hatte er schon gehört. Auch das eine oder andere Gerücht zu einigen der Namen. Doch das qualifizierte ihn ganz und gar nicht, die Persönlichkeiten zu beurteilen. Trotzdem mußte er sich ein Schmunzeln verkneifen, denn Quartos Hüsteln und die schnell folgende Frage ließen gewisse Zweifel an den guten Eigenschaften der Drusilla vermuten. Indiva war es gewesen, die ihm spontan eingefallen war. Eifersucht...

    Wenn dieses Mädchen der Vorgucker war, dann hatten sie anscheinend wirklich ansprechende Unterhaltung zu erwarten. Sie war unzweifelhaft schön, mit einer makellosen Haut und einer wohlgeformten Figur gesegnet. Lächelnd nahm er den Becher entgegen und nippte leicht daran, um die Qualität des Weines zu prüfen. Auch was diesen anging, wurde er positiv überrascht. Das war ein wirklich guter Tropfen und er nickte dem Kassierer zu, um seine Zufriedenheit damit auszudrücken.


    Allerdings als der Mann von umkleiden sprach, runzelte er allerdings wieder die Stirn. Seine Kleidung war kostbar und er schätzte es eigentlich nicht, fremde Kleidung anzulegen. "Nun, wir folgen Dir gerne. Und die Kleidung schauen wir uns erst einmal an und entscheiden dann." Neugierig folgten sie der schönen Nubierin nach oben und Varro konnte es sich nicht verkneifen, seine Hand über ihre wohlgeformten Hinterbacken streichen zu lassen. "Verrätst Du mir, wie Du heißt, Du Schöne?"


    Sie hörten noch das Klappen von Türen, als sie den oberen Gang betraten, doch sie begegneten niemandem. Es interessierte sie eigentlich auch gar nicht, wer sich hier noch so herumtrieb. Niemals wäre Ursus auf die völlig absurde Idee gekommen, daß seine Cousinen sich hier aufhalten könnten.

    Wieder ließ Ursus Louan die Fragen stellen. Er machte das gar nicht schlecht. Aufmerksam beobachtete er das Gesicht des Mannes, um festzustellen, ob er vielleicht log. Doch er schien sich wirklich die allergrößte Mühe zu geben, um sich zu erinnern. "Dein Essen sieht wrklich gut aus. Mach uns doch bitte zwei Portionen Würstchen fertig, ja?" Vielleicht half die Aussicht auf Profit ja dem Gedächtnis noch ein wenig mehr auf die Sprünge. "Hast Du hören können, worüber sie sprachen? Und kannst Du Dich erinnern, wie der Kerl aussah? Kommt er häufiger hier vorbei? Bitte versuche, Dich zu erinnern. Selbst Kleinigkeiten könnten wichtig sein. In welche Richtung sind sie denn davon gegangen?" Irgendein Kerl, na wunderbar. Es gab ja auch so wenig Kerle in Rom. Wie konnte Caelyn mit jemandem mitgehen, der sie einfach auf der Straße ansprach? Noch dazu, wenn sie derangiert aussah? Hatte sie denn in ihrem Leben auf der Straße gar nichts gelernt? Ursus konnte es wirklich nicht glauben.

    "Der Eingangsbereich war schon mal ansprechender", murmelte Varro Ursus so zu, als wäre es nur an ihn gerichtet, sorgte aber gleichzeitig dafür, daß der Kassierer es hörte. Ursus blickte recht zweifelnd drein. Er war noch nicht davon überzeugt, daß dieses Haus der Klasse entsprach, die er bevorzugte, wenn er denn schon mal solch ein Haus aufsuchte. "Nun denn. Harem des Shah klingt doch ganz ansprechend", sagte Varro schnell, da er fürchtete, Ursus würde einen Rückzieher machen wollen.


    Doch der nickte nur zu der Entscheidung des Freundes. Was der Kassierer aufgezählt hatte, klang ja auch recht gut. "Dann für jeden zwei Mädchen. Dazu das volle Programm mit Speisen, Tänzerinnen und so weiter", bestimmte er und bestätigte so die Häkchen, die der Kassierer längst machte. "Sorgt einfach für einen schönen, erlebnisreichen Abend." Einfach mit einem alten Freund in Erinnerungen schwelgen und sich dabei nach Strich und Faden verwöhnen lassen. Entspannung pur.

    Es war Zufall gewesen, daß Ursus in der Stadt praktisch über einen alten Freund gestolpert war. Sie hatten sich seit ihrer Jugend nicht gesehen und schwelgten schon in wenigen Minuten in Erinnerungen an all die Schandtaten, die sie zusammen begangen hatten, sehr zum Unmut ihrer Eltern. Sie klopften sich lachend auf die Schultern und immer wieder drehten Passanten sich zu den beiden bestens gelaunten Männern um. "Laß uns irgendwo hingehen und einen Wein trinken, alter Freund", schlug Ursus vor.


    "Oh, und ich weiß ganz genau, wohin wir gehen sollten", lachte Fulvius Varro. "Komm, ich kenne ein Haus, in dem die hübschesten Mädchen für uns tanzen werden. Und einen Happen essen könnten wir dort auch." Zielsicher ging Fulvius los und Ursus folgte ihm lachend. "Du hast Dich nicht im Geringsten verändert", stellte er fest, war aber einem unterhaltsamen Abend gegenüber auch nicht abgeneigt.


    Sie betraten schwatzend das Haus und schauten sich um. Ursus runzelte die Stirn. Wie ein Etablissement der gehobenen Klasse sah es nicht unbedingt aus. Vor allem dieser Kassierer, der offen das Geld zählte, war völlig unmöglich. Varro schien ähnlich zu denken. "Nanu? Hier hat sich aber einiges verändert. Guter Mann, ich hoffe, ihr habt noch eure gute Küche und das ausgezeichnete Unterhaltungsprogramm wie es vor fünf Jahren hier noch zum normalen Programm gehörte? Wir möchten einen schönen Abend mit allem drum und dran verbringen." Er schaute den Kassierer fragend an, während Ursus sehr skeptisch dreinschaute. Dies war vielleicht doch eher nicht ganz das Richtige...

    Natürlich hatte Ursus sich über die Preislage kundig gemacht. Doch eher würde er sich die Zunge abbeißen, als der erste zu sein, der eine Zahl nannte. Er erwiderte also den Blick des Consuls ruhig und schaute dann erwartungsvoll zum König. Er hoffte, daß Quarto seiner Miene entnehmen konnte, daß er nicht unvorbereitet auf diese Frage war. Wobei natürlich sowohl die Qualität des Materials, als auch die Kunstfertigkeit des Bildhauers großen Einfluß auf den Preis hatten. Insoweit gab es eine große Spanne der Möglichkeiten. Ursus war wirklich gespannt, auf welche Zahl der König sich festlegen würde.

    Ursus beobachtete, wie Taurus unterschrieb und nickte dann zufrieden. Auch er zeichnete nochmal gegen, damit alles auch wirklich seine Ordnung hatte. Zwei Exemplare übergab er seinem Sklaven, das dritte überließ er dem Bauunternehmer.


    Nun nahm er dankbar einen Becher entgegen. Der Weg hierher war zwar nicht lang gewesen, doch die Last der Verantwortung hatte seine Kehle austrocknen lassen. "Nun, es liegt mir nicht, mich mit fremden Federn zu schmücken, verehrter Statilius. Consul Aelius Quarto hat mindestens soviel Anteil daran, daß das Geld endlich zur Auszahlung gekommen ist, wie ich." Er hob ebenfalls den Becher, um Statilius zuzutrinken. "Aber ich bin sehr froh, daß es nun endlch weitergehen kann. Vor allem auf die Fertigstellung der Kuppel bin ich sehr gespannt. Das wird ein wahres Meisterwerk. Was glaubst Du, wie lange wird es noch bis zur Fertigstellung dauern?"

    Louan verlor keine Zeit, sogleich befragte er einen alten Mann, der hier in der Gasse auf den Stufen eines Hauses saß und offenbar nicht mehr viel Freuden im Leben hatte. Ursus beugte sich zu ihm herunter. "Nein, sie ist keine Diebin. Das Kleid war ein Geschenk. Und sie scheint in Schwierigkeiten zu stecken. Hör zu, guter Mann. Wenn Du etwas von ihr hörst oder siehst, dann geh in den Schneiderladen da vorn und berichte dem Schneider davon. Er wird uns dann eine Nachricht zukommen lassen. - Kannst Du Dich entsinnen, ob jemand in der Nähe war? War da vielleicht jemand, der suchend geguckt hat? Vielleicht wurde sie ja verfolgt und hat sich deshalb so zugerichtet? Um nicht gleich erkannt zu werden? Bitte überlege einen Moment." Er drückte dem Mann ebenfalls eine Münze in die Hand. Geld gehörte zu den wenigen Dingen, die Gedächtnissen schnell auf die Sprünge halfen. Wenn er sich jetzt freigiebig zeigte, würden diese Leute ihre Augen offen halten.

    Zitat

    Original von Palatinus
    Kaeso Antonius Hortalus


    "Hmm..." brummte der Procurator. "Das ist natürlich ein sehr guter Plan." sagte er dann. "Aber wirst du nicht vorraussichtlich bald in die Reihen der Senatoren aufgenommen?"



    Ursus nickte ernst. "Voraussichtlich bald. Sobald ich meinen Grundbesitz habe mehren können. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Und es ist ein weiterer Grund, warum ich dieses zweite Tribunat sehr bald antreten sollte. - Übrigens möchte ich den Wunsch äußern, in Rom oder zumindest in Italia eingesetzt zu werden. Wenn es irgendwie möglich ist. Natürlich weiß ich, daß meine Bitte um ein zweites Tribunat schon nachrangig ist und andere, die verpflichtet sind, ein Tribunat abzuleisten, vor mir berücksichtigt werden. Und ich werde auf jeden Fall dorthin gehen, wohin der Kaiser mich schickt. Aber sollte es möglich sein, hier eingesetzt zu werden, könnte ich eben auch weiterhin die eine oder andere Aufgabe für die Schola Atheniensis übernehmen." Er hatte kaum Hoffnung, daß er in Italia bleiben konnte. Doch wenigstens fragen konnte man ja mal.

    Es kam überraschenderweise gar kein Widerspruch von Louan. Im Gegenteil wartete der Junge nicht einmal, bis Ursus vollständig ausgesprochen hatte, sondern betrat im nächsten Augenblick schon den Laden. Ursus überließ es Louan, die Sachlage zu erklären und hörte dabei aufmerksam zu. Der Schneider machte einen ehrlichen Eindruck auf ihn. "Wir machen uns große Sorgen um sie. Solltest Du also etwas hören oder mitbekommen, dann laß bitte eine Nachricht zur Villa Aurelia bringen. Es soll Dein Schaden nicht sein, wenn Du uns helfen kannst." Auch der Schneider bekam für seine hilfsbereite Art ein paar Münzen, denn sicher würde die Aussicht auf weiteres Geld die Aufmerksamkeit des Schneiders steigern.


    Viel mehr konnten sie hier nicht erfahren und so verließen sie den Laden nach einem freundlichen Abschied wieder. "Dann also in die Gasse. Hier muß ja etwas geschehen sein. Schau Dich nach Menschen um, die hier öfter herumlungern." Sie betraten die Gasse und Ursus fragte sich, warum Caelyn ausgerechnet hier hineingegangen war. Sie war doch nicht dumm! "Ob sie jemand angesprochen hat, als sie aus dem Schneiderladen kam? Was meinst Du?"


    Ursus nahm auf dem angebotenen Stuhl Platz und nickte, erfreut über die erfrischend direkte Art des Procurators. Die meisten anderen, die in der kaiserlichen Verwaltung eine ähnliche Stellung hatten, redeten erst einmal ewig um den heißen Brei herum.


    "Nun, ich habe vor, meine Ausbildung an der Academia Militaris voranzutreiben. Und bin der Meinung, daß ein Jahr praktische Erfahrung ein bißchen wenig ist. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt für mich, noch weitere Erfahrungen beim Militär zu sammeln. Wenn ich erst für die höheren Ämter kandidiere, wird es kaum noch Gelegenheiten dafür geben. Es war für mich selbst eine große Überraschung festzustellen, daß mir das Militär durchaus liegt und daß ein Kommando eine besondere Art der Herausforderung darstellt, die mich reizt. Natürlich wird es vielleicht niemals dazu kommen, daß mir ein Kommando anvertraut wird, auch wenn ich die Ausbildung an der Academia vollständig durchlaufen und weitere praktische Erfahrungen gesammelt habe. Doch ich bin der Meinung, daß ich mir diesen Weg offenhalten sollte. Ein einziges Tribunat kann mich auf eine solche Aufgabe aber keinesfalls richtig vorbereiten, auch wenn ich in Germanien sehr viel habe lernen können."

    Na, das ging ja ebenfalls ziemlich schnell. Ursus nickte dem Primicerius zu und betrat dann das Officium. "Salve, Procurator Antonius", grüßte er den Mann und tat so, als hätte er das Gewisper des Primicerius nicht gehört. "Hab Dank für den schnellen Termin. Ich hoffe, daß ich Deine Zeit nicht über Gebühr zu beanspruchen brauche." Im Gegenteil hoffte er auf eine problemlose Abwicklung der Angelegenheit.

    Welcher Lügner behauptete nicht, die Wahrheit zu sprechen? Ursus kniff die Augen ein wenig zusammen und schwieg, während Louan allzu bald seine Bereitschaft erkennen ließ, eine Belohnung zu zahlen. Der Junge mußte noch viel lernen, sehr viel. Jedoch waren die Hinweise, die der Bettler gab, sehr wertvoll. Wenn sie denn der Wahrheit entsprachen.


    Die Geschichte war merkwürdig. Caelyn war nicht dumm. Warum war sie zerzausst und verschmutzt gewesen? Ob sie da schon in Schwierigkeiten geraten war? Warum war sie dann nicht gleich nach Hause gekommen? Mit einem dubios wirkenden Mann einfach mitzugehen, das paßte doch eigentlich gar nicht zu ihr. Vor allem nach den Warnungen, die Ursus ihr mit auf den Weg gegeben hatte.


    Als Louan den Mann bezahlen wollte, machte Ursus eine abwehrende Geste. "Ich erledige das. Behalte Du Deine paar Münzen." Er suchte ein paar Münzen aus seinem Geldbeutel und gab sie dem Bettler. "Dafür, daß Du noch hier bist, wenn wir wiederkommen. Dann werde ich wissen, was Deine Aussagen wert waren. Entsprachen sie der Wahrheit, wirst Du von mir eine wirkliche Belohnung erhalten." Es war sicher jetzt schon mehr, als Louan hätte geben können. Doch auch noch nicht so viel, daß der Mann kein Interesse an einer weiteren Belohnung haben könnte. Ursus war es im Grunde egal. Wenn der Bettler später fort sein würde, dann sparte er eben Geld.


    Sie entfernten sich ein paar Schritte von dem Mann, erst dann sprach Ursus über das Gehörte. "Laß uns möglichst genau ihren Weg verfolgen. Also erst in den Schneiderladen gehen. Ich möchte wissen, was sie dort erfragt hat. Und vielleicht kann man uns dort sagen, wo sie danach hingegangen ist. Sie scheint ja schon vor Geschichte an der Garküche Probleme gehabt zu haben." Selbst Kleinigkeiten konnten wichtig sein und vielleicht hatten sie später keine Gelegenheit mehr, hier nachzufragen. Also konnten sie diese paar Minunten jetzt auch opfern. Auch wenn Ursus ahnte, daß diese Art der Suche Louan nicht schnell genug ging.