Beiträge von Titus Aurelius Ursus

    "Nun, wie wäre es mit übermorgen? Ich werde auf jeden Fall da sein. So kurz vor einem wichtigen Rennen möchte ich mich eben selbst davon überzeugen, daß alles in bester Ordnung ist." Er zuckte leicht mit den Schultern, als gäbe es etwas zu entschuldigen. "Also wenn Du Lust und Zeit hast, komm einfach vorbei." Den Weg zum Rennstall würde Livianus ja gewiß noch finden.

    Ursus war dem Mann gefolgt und was er nun sah, erfüllte ihn geradezu mit Abscheu. Unwillkürlich strich er sich über die Toga, als müßte er Schmutz abstreifen. Dabei war er ja noch gar nicht eingetreten. "Am liebsten wäre es mir, sogleich zum Leiter dieses Etablissements zu gehen und Caelyn zurückzufordern." Auf Katz- und Mausspiele hatte er eigentlich überhaupt keine Lust.


    Nachdenklich starrte er das Haus an. Sie waren zu wenige. Zwar konnte er einen der Sklaven an die Hintertür schicken, damit Caelyn nicht schnell herausgebracht werden konnte, doch ihre Kräfte zu teilen, war auch nicht gerade schlau. Nein, sie durften zunächst einmal nicht zu offen vorgehen. "Na, schön. Dann tun wir eben erst einmal so, als wären wir Kunden", preßte Ursus zwischen seinen Zähnen hervor. Er war von einer kalten Wut erfüllt, wie er sie noch nie gespürt hatte. Und er hatte Angst. Große Angst um Caelyn. Wenn sie ihr auch nur ein Haar gekrümmt hatten, dann...


    "Ich werde spezielle Wünsche äußern, die so genau auf Caelyn passen, daß sie sie mir hoffentlich anbieten werden. Alles weitere muß sich ergeben. Wir könnten wir genau planen, wenn wir nicht wissen, mit wievielen wir es zu tun haben und wie es drinnen aussieht?" Er schaute Louan prüfend an. "Versuche, nicht zu impulsiv zu sein. Du könntest mehr schaden als nützen, wenn Du zu früh losschlägst." Das würde für den Jungen schwer sein, schließlich ging es um seine Schwester. Und dazu kam noch, daß Ursus nicht einmal wußte, ob er selbst sich genügend unter Kontrolle haben würde.

    Damit war wohl soweit alles besprochen. Ursus legte den Entwurf fort, den er noch immer in der Hand gehalten hatte. Und schaute nun den König von Tylus ebenso fragend an. Wie lange die Fertigung dauern würde, interessierte ihn natürlich auch. Zum Glück war ja auch noch ausreichend Zeit. Die Arbeiten an der Baustelle gingen zwar nun zügig voran, doch es war auch noch immens viel zu tun. "Ja, vor allem die große Statue. Sie wird doch sicher als erstes in Angriff genommen?"

    Ein Nachzügler kam mit hochgerafftem Gewand angerannt, sein Instrument in der einen Hand zwischen den Stofffalten. Er hatte nicht mehr mitbekommen, wo er hinmußte und brachte durch seine orientierungslose Suche nach seinem Platz alles durcheinander. Beschimpfungen prasselten auf ihn herab und bald waren seine Ohren so rot wie sein Gewand. Endlich hatte er seine Gruppe gefunden und ließ sein Gewand los, so daß es bis auf seine Füße herabfiel. "Das verdammte Ding ist zu lang", raunte er atemlos seinem Nachbarn zu, "ständig trete ich auf den Saum. Vor allem, wenn es bergauf geht." Er hoffte nur, daß er nicht der Länge nach hinfiel, wenn er wieder einmal darauftrat. "Geht's jetzt los? Geht's jetzt los? Was hat der Magister gesagt? Oh, guckt mal, die Ledermasken sehen ja genial aus." Erst ein kräftiger Stoß in die Rippen brachte ihn zum Schweigen. Er strich nochmal ordnend über das Gewand und machte sich dann mit seiner Flöte bereit. Dabei versuchte er, seinen Atem wieder etwas mehr unter Kontrolle zu bringen. Denn er brauchte ihn noch.

    Als Livianus versprach, seine Augen offenzuhalten, strahlte Ursus vor Freude. Wenn er nur halb soviel Pferdeverstand hatte wie Meridius, und er ging davon aus, daß er ihm in der Beziehung in nichts nachstand, dann würde er gewiß gute Pferde ausfindig machen. "Ich danke Dir für Deine Unterstützung. Und ja, es wäre schön, wenn die Factio wieder ein wenig aktiver würde. Das würde sicherlich auch unsere Fahrer motivieren." Auch er war von seinem Vater früh an den Rennsport herangeführt worden. Seine Begeisterung dafür war nie versiegt und eine andere Factio als die Aurata war für ihn ebenfalls nie in Frage gekommen. Doch er ahnte nichts von den Gedanken des Senators und so blieb das Gespräch bei dem Gespann und dem folgenden Angebot des Decimers.


    "Das ist ausgesprochen großzügig von Dir", staunte Ursus und er nickte natürlich. Immerhin ging es um die Factio, da wäre falsche Bescheidenheit fehl am Platze. "Nein, es macht mir gar nichts aus. Ganz im Gegenteil. Und ich danke Dir im Namen der gesamten Factio dafür. Ein weiteres Gespann wird für frischen Wind sorgen. Dazu müssen wir damit rechnen, daß Patroklos nicht mehr ewig aktiv bleiben kann und Burolix rechtzeitig aufbauen. Ich hoffe, er ist den Anforderungen bei einem großen Rennen gewachsen. Im Training erzielt er sehr gute Ergebnisse. Hast Du vielleicht Interesse daran, mal beim Training zuzusehen?" Da Ursus momentan nicht viele Verpflichtungen hatte, war er häufiger beim Training dabei. Natürlich sah das bei Livianus vermutlich bald anders aus, wenn er sein Amt erst angetreten hatte.

    Ursus grinste breit. Das konnte er sich gut vorstellen, daß es eine Menge Kunden gab, die gerne in diese Rolle schlüpften. "Was könnte so ein Großkönig denn haben, was wir nicht auch haben? Ich würde es vorziehen, ein geehrter Gast des vielbeschäftigten und deshalb gerade verhinderten Großkönigs zu sein, dessen Haushalt ganz um unser Wohlergehen bemüht ist. Und ja, ihr gefallt uns sogar sehr." Er konnte mit Gefangenenspielchen nicht so viel anfangen, wohingegen Varro murmelte: "Och, diese Beutegeschichte wäre aber auch nett gewesen. Nein, nein, es ist alles gut so. Sehr gut sogar." Er zog die vollbusige Germanin in seine Arme und ließ sich mit ihr in die Kissen fallen. "Umziehen lohnt sich doch wirklich nicht." Er hatte schließlich nicht vor, seine Kleider anzubehalten.


    Lachend machte Ursus es ihm nach. Die mandeläugige Syrerin war seine erste Wahl. Sanft zog er sie mit auf die Kissen und begann, mit den Klimperplättchen an ihrer Kleidung zu spielen. Wobei es natürlich viel wichtiger war, die zarte Haut darunter zu berühren. "Willst Du mir nicht etwas Wein anreichen, meine Schönheit? Benicé war Dein Name, ja? Ein wenig Tanz zum Essen fände ich sehr schön. Niobe? Tanzt ihr alle oder gibt es unter euch Expertinnen?" Er sprach sie an, da sie eine etwas gehobenere Stellung inne zu haben schien.

    Leider waren die meisten Mitglieder der Aurata zur Zeit schwer beschäftigt oder auf Reisen, so daß es für Ursus ganz ungewohnt war, einen wahrhaft interessierten Gesprächspartner zu haben. Anscheinend hatte er hier jemanden gefunden, er ähnlich wie er selbst an diesem Sport und vor allem an dieser Factio hing.


    "Es freut mich zu sehen, daß es außer Deinem Verwandten Decimus Verus und mir doch noch Mitglieder der Aurata gibt, die mit Herz und Seele an der Factio hängen. Deine Hilfe können wir auf jeden Fall gebrauchen. Finanziell sieht es momentan noch sehr gut aus, wir werden noch recht lange von den bisher geleisteten großzügigen Spenden der Mitglieder zehren. Was wir aber dringend brauchen, ist ein gutes Gespann. Sonst hat uns Meridius stets mit guten Pferden versorgt. Aber das ist ja leider nun nicht mehr möglich. Wenn Du also die Augen nach einer guten Zucht offenhalten könntest, wäre der Factio sehr geholfen. Und ich hoffe natürlich, daß Du beim Rennen dabei sein wirst, um unsere Gespanne kräftig anzufeuern." Er grinste breit, denn wie er bei der sichtlichen Begeisterung für Wagenrennen vermutete, würde es eher schwer sein, Livianus von diesem Rennen fernzuhalten.

    An den
    Princeps Factionis der Factio Veneta
    Lucius Aelius Quarto
    Roma




    Salve Lucius Aelius Quarto!


    Für die Einladung zum Wagenrennen anläßlich der Ludi Apollinares danke ich Dir herzlich. Die Factio Aurata nimmt sehr gerne an diesem Rennen teil. Und zwar möchte ich hierfür zwei Gespanne anmelden. Gelenkt werden sie von den Fahrern Patroklos und Burolix.


    Ich freue mich schon jetzt auf die bestimmt spannende Begegnung. Wie sieht es mit einer kleinen privaten Wette aus?


    Vale,


    [Blockierte Grafik: http://img81.imageshack.us/img81/8400/siegeltauwj6.gif]


    Roma, ANTE DIEM V ID IUN DCCCLIX A.U.C. (9.6.2009/106 n.Chr.)

    Anscheinend war seine Sorge, das falsche Thema getroffen zu haben, völlig unbegründet. Im Gegenteil zeigte die Miene seines Gegenübers ehrliche Freude und das breite Lächeln war ganz sicher nicht gestellt. Offensichtlich war Livianus nicht nur aus Prestigegründen Mitglied einer Factio, sondern sein Herz hing tatsächlich an der Aurata.


    "Oh, es sieht eigentlich gar nicht so schlecht aus. Nachdem wir sehr lange Zeit keinen Erfolg verbuchen konnten, haben wir bei einem Rennen in Misenum den Sieg davongetragen. Die Classis Misenum hatte zu diesem Zeck eigens eine Rennbahn errichtet. Du kannst Dir vorstellen, wie das die Moral in der Factio gestärkt hat. Denn Meridius fehlt uns natürlich sehr." Und gefeiert hatten sie, das war nicht von schlechten Eltern gewesen.


    Ursus berichtete bereitwillig weiter, was in der Factio noch so alles los war. "Auf der letzten Versammlung hatten wir beschlossen, die alten Fahrer langsam gegen jüngere auszutauschen. Vor einigen Monaten ist es mir gelungen, einen vielversprechenden jungen Fahrer unter Vertrag zu nehmen. Burolix, ein Gallier, der Pferdeblut in den Adern zu haben scheint. Allerdings hat er noch kein richtiges Rennen gefahren, wir werden sehen, wie er sich unter Rennbedingungen macht. Die Veneta hat zu einem Rennen im nächsten Monat eingeladen und ich beabsichtige, ihn zu melden. Zusammen mit Patroklos, von dessen Erfahrung der junge Burolix sicher profitieren wird. Als nächstes sollten wir dann ein neues Gespann anschaffen und trainieren. Außerdem müssen wir damit rechnen, daß Patroklos vielleicht eines Tages nicht mehr so leistungsfähig ist. Von daher wäre es auch nicht dumm, die Augen weiterhin nach jungen Talenten offenzuhalten. Du siehst also: Es gibt reichlich zu tun. Und Du hast das große Glück, daß so bald wieder ein größeres Rennen stattfindet. Noch dazu hier in Rom."

    Ursus hätte vor der Wahl auch keine brauchbare Schätzung abgeben können über das mögliche Ergebnis. So etwas war leichter, wenn man den Kandidaten kannte. Und die Senatoren hatten sich in der Öffentlichkeit auch nicht großartig darüber ausgelassen, wie sie zu dieser Kandidatur standen. Natürlich hatte Ursus von der Diskussion im Senat gehört, als sich Livianus als Kandidat präsentiert hatte. Ausgerechet Sedulus hatte Bedenken geäußert und sogar Anschuldigungen vorgebracht. Was da wohl dahinter steckte?


    "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt", sagte Ursus zustimmend. Gerade denen, die etwas wagten, schienen die Götter ja besonders gewogen zu sein. Wie sich auch in diesem Fall wieder zeigte. "Ja, es ist sicher von Vorteil, wenn man ohnehin gerade Stadtgespräch ist. Und Du hast wirklich reichlich Stoff geliefert. Allerdings muß ich feststellen, daß die Schilderungen, die auf dem Forum die Runde machen, im Gegensatz zu sonst eher noch Untertreibungen zu sein scheinen." Die sichtbaren Narben und frisch verheilten Wunden jedenfalls erzählten eine ganz eigene Geschichte. "Aber ich möchte Dich keinesfalls mit Fragen über Deine Gefangenschaft quälen. Mit Sicherheit wirst Du zur Zeit ständig danach gefragt." Nicht, daß er nicht neugierig wäre. Aber er konnte sich vorstellen, daß es Livianus irgendwann zum Halse heraushing, daß ihn alle darüber ausfragten. Und so wechselte er jetzt lieber das Thema.


    "Wenn ich Dir nun nicht zufällig begegnet wäre, dann hätte ich Dich sicherlich bald aufgesucht, da Du ja auch ein Mitglied der Factio Aurata bist. Ich bin zur Zeit Princeps Factionis und möchte in naher Zukunft eine Zusammenkunft einberufen. Ich hoffe, Du hast weiterhin Interesse an der Factio?" Nach solchen Erlebnissen, wie Livianus sie unübersehbar hinter sich hatte, schienen ihm vielleicht Dinge wie Wagenrennen nebensächlich.

    Mit einem dankendem Nicken kam Ursus der Aufforderung nach und lehnte sich neben Livianus an den Beckenrand. Das warme Wasser umspülte seinen Körper und wirkte wunderbar entspannend. "Nein, bisher hatten wir noch nicht das Vergnügen. Als ich hier in Rom das politische Parkett betrat, ging der Parthienfeldzug gerade los." Von daher hatte es nicht wirklich Gelegenheit gegeben, sich kennenzulernen.


    "Herzlichen Glückwunsch übrigens zur gewonnenen Wahl zum Praetor. Vor allem wenn man bedenkt, wie wenig Zeit Du vor der Wahl hattest, ist das Ergebnis doch wirklich sehenswert." Da war so mancher gescheitert, der vorher eine Menge unternommen hatte, um die stimmberechtigten Senatoren von sich zu überzeugen.

    Das war der Vorteil, gerade kein Amt innezuhaben: Man hatte Zeit, die Thermen aufzusuchen. Schon vor ein paar Wochen hatte der Aurelier sein morgendliches Training wieder intensiviert, um sich, falls seinem Ansuchen um ein zweites Tribunat stattgegeben wurde, vor den Soldaten nicht zu blamieren. Umso mehr genoß er es, später die Thermen aufzusuchen, um seinen gequälten Muskeln wieder Entspannung zu gönnen. Ja, irgendwie war es doch zu merken, daß er bald sein dreißigstes Lebensjahr erreichte. Es wurde etwas mühseliger, seinen Körper fit zu halten. Oder lag es einfach daran, daß er bequemer geworden war?


    Es war noch nicht sehr viel los, wie Ursus feststellen konnte. Er fand einen Bekannten, mit dem er ein paar Neuigkeiten austauschte und sah einen Mann eintreten, dessen Narben schon die Blicke aller auf sich zogen. Sein Bekannter konnte Ursus die Vermutung, es handele sich um Decimus Livianus, bestätigen. Ein Wunder, daß der Senator nicht gleich von unzähligen Neugierigen belagert wurde. Und eine gute Gelegenheit für Ursus, den Mann kennenzulernen. Er beendete das Gespräch mit seinem Bekannten und ließ sich in das warme Wasser gleiten.


    Noch immer war Livianus allein und so hatte Ursus auch keine Scheu, sich zum ihm zu begeben und ihn anzusprechen. "Salve, Senator Decimus. Titus Aurelius Ursus ist mein Name. Darf ich mich ein wenig zu Dir gesellen?"

    Eigentlich bin ich da. Aaaaaber... Die Telekom will morgen meinen Anschluß auf DSL umstellen. Wenn alles klappt (*hoff*), dann bin ich am späteren Abend auch online. Wenn allerdings nicht alles klappt, dann könnte es sein, daß ich ein paar Tage nicht da bin. Dies hier also nur zur Vorsicht.


    Betrifft neben Ursus auch noch Lucius Quintilius Valerian und Bashir.

    Diese Sache begann, immer abstruser zu werden. Ursus hatte keinen Zweifel mehr daran, daß dieser Mann Caelyn tatsächlich gesehen hatte. Doch er war sehr unsicher, was die Beteiligung dieses Mannes an der Angelegenheit anging. Liefen sie in eine Falle? Spätestens als Louan den Anhänger fand, den Ursus ihr damals beim ersten Marktbesuch geschenkt hatte, war es unzweifelhaft, daß hier Gewalt angewandt worden war. Niemals hätte Caelyn diesen Anhänger zurückgelassen.


    Ursus winkte die beiden Sklaven, die bisher Abstand gehalten hatten, etwas näher heran. Leise flüsternd gab er ihnen Anweisungen. Sie nickten eifrig und während Ursus sich wieder ganz dem Fremden zusandte, hatte einer der Sklaven sich einen Jungen gegriffen und mit ihm gesprochen, bevor der Junge losflitzte. Dann folgten die beiden Männer mit geringerem Abstand.


    "Du kannst Dir kein Lupanar leisten, das heruntergekommen ist? Solche Läden bieten doch normalerweise auch Dienste für den ganz kleinen Geldbeutel an." Ein riesiger Nubier. Das sollte alles sein? Ursus konnte sich das kaum vorstellen, doch er war wie Louan der Meinung, daß sie etwas tun mußten. Eigentlich war es wider jede Vernunft, einfach dort hinzugehen, doch er wollte Caelyn nicht eine Sekunde länger in den Händen eines solchen Schmierlappens von Lupanarbesitzer lassen, als unbedingt nötig. Wie sehr ihm das naheging, durfte er aber auf keinen Fall zeigen. Er mußte den gefühllosen Sklavenbesitzer mimen, sonst wurde er erpreßbar. Außerdem fühlte sich Ursus relativ sicher. Kein kleiner Lupanarbesitzer würde es wagen, sich mit den Aureliern anzulegen. Mit einem Verwandten eines amtierenden Aedils.


    Ah, er antwortete doch noch auf seine Äußerungen zu den Cohortes Urbanae. Und seine Miene verfinsterte sich nur noch mehr. Wenn dem so wäre, würden sie keine Verbrechen aufklären, da sie nie Hinweise bekommen würden. Nein, dieser Mann hatte Dreck am Stecken, deshalb war er natürlich nicht zu den Urbanern gegangen. Besser, er ging auf die Worte des Fremden nicht weiter ein. "Was weißt Du über den Besitzer des Lupanars?", fragte Ursus, während er sich den Weg merkte und dem Fremden ansonsten zügig folgte.

    Bei dieser Antwort mußte Ursus unwillkürlich lachen. So viele Wenns und dann immer noch nur ein unbestimmtes "zügig vorangehen". "Schwammiger hätte ich es auch nicht ausdrücken können", lachte er immer noch. "An Dir ist wahrhaftig ein Politiker verloren gegangen."


    Er nahm noch einen Schluck aus dem Becher und fragte dann einfach noch einmal. "Natürlich hängt so etwas von vielen Faktoren ab und ich möchte Dich auch nicht auf ein paar Monate mehr oder weniger festlegen. Eher eine ganz grobe Einschätzung, wie lange es mindestens noch dauert."

    Ursus holte die dreißig Sesterzen hervor und reichte sie dem Burschen. "Also, dann erzähl uns mal, was das für ein Lupanar ist. Mit wievielen Gegnern haben wird dort zu rechnen? Während Du uns das berichtest, kannst Du uns schon mal an den Ort führen, wo die Entführung stattgefunden hat. Und ich würde gerne sichergehen, daß Du sie wirklich gesehen hast und uns nicht an der Nase herumführst. Was hatte sie an?" Dann schaute er Louan beschwörend an. Der Junge zeigte viel zu viele Emotionen. Besser wäre es, wenn er sich dieses Gesicht ordentlich einprägen würde. Genug, um es anschließend zeichnen zu können. Nur für den Fall der Fälle.

    Die erste Bedingung wäre Ursus ja noch bereit einzugehen. Doch die zweite war einfach lachhaft. "Eintausend Sesterzen? Nein." Er antwortete schnell, bevor Louan etwas dazu sagen konnte. Und in sehr bestimmtem Tonfall. Ursus war immer gerne bereit, hilfsbereiten Menschen eine angemessene Belohnung zukommen zu lassen. Doch das hier war völlig überzogen!


    "Ich biete Dir 30 Sesterzen sofort. Und wenn Deine Information etwas taugt, eine weitere Belohnung nach meinem Ermessen, denn auch der Zustand des Mädchens hat darauf Einfluß. Denn wenn Du so viel weißt und von Befreiung redest, was für mich bedeutet, daß sie in Gefahr ist, dann bist Du an einem Verbrechen beteiligt." Das war für ihn eine ganz klare Angelegenheit. "Denn was immer Du weißt, hättest Du längst den Cohortes Urbanae mitteilen müssen."


    Er blickte den Mann weiterhin abschätzend an. Prägte sich sein Gesicht und seine Kleidung gut ein. Er hoffte, daß Louan so klug war, genau das auch zu tun. "Überlege Dir genau, was Du sagst und was Du forderst. Ich lasse mich nicht erpressen."