Beiträge von Titus Aurelius Ursus

    Ursus nickte nur. Ja, es wäre ein großer Schritt. Und keiner, den er als festen Plan ansah. Doch der Gedanke war durchaus nicht abschreckend. Und eines Tages mochte es sich anbieten. Immerhin war er noch jung und er wollte sich so viele Möglichkeiten eröffnen wie möglich. Corvinus schien ja in Richtung Militär keinerlei Ambitionen zu haben. So war eben jeder anders.


    "Einer Verbindung mit der Gens Tiberia würde ich auch durchaus positiv gegenüberstehen. Es ist eine wohltuend traditionsbewußte Gens und ich schätze Tiberius Durus sehr. Er hat Interesse an Laevina gezeigt? Sind die Verhandlungen schon fortgeschritten oder ist es erst eine vorsichtige Anfrage?" Das war ja mal eine gute Nachricht, daß Laevina eine solch gute Partie in Aussicht hatte. Ursus wäre froh, wenn er für seine Schwester ein ähnliches Angebot aufwarten könnte.


    "Deine Hochzeit wird damit gewiß allen lange im Gedächtnis bleiben. Ich bin sicher, sie wird unvergeßlich werden. Allerdings überrascht es mich ebenfalls, daß Deine Verlobte nach ihren Erlebnissen mit dem Schiff einverstanden ist. Da verstehe einer die Frauen. Aber Du hast Recht: Hauptsache es macht sie glücklich." Er war schon sehr gespannt auf diese Hochzeitsfeier. Hoffentlich war das Wetter gut so früh im Jahr.


    "Ich werde mit ihr sprechen. Lieber wäre es mir natürlich, wenn ihr die Idee gefallen würde. Ich möchte nicht, daß sie sich abgeschoben fühlt." So sehr sie sich zurückzog, sie schien aber doch die Nähe der Familie zu wünschen. Das war zumindest das Gefühl, das er hatte, wenn er mit ihr sprach. "Aber zur Not werde ich sie einfach hinbringen."

    Schwan fand Ursus ja nicht so besonders wohlschmeckend, aber es gab ja auch noch genügend anderes. Rebhühnchenschenkel, Rehrücken und vor allem Wildschweinbraten waren absolut nach seinem Geschmack. Etwas still war es am Tisch. Allein Senator Purgitius schien seinen Humor offen zeigen zu wollen. Ursus jedenfalls hatte über den Witz schmunzeln müssen. Die derzeitige Unterhaltung ging ansonsten leider nicht über das Wetter und die auf Hochzeiten üblichen Ehegeschichten hinaus. Doch vermutlich würde es ausgelassener werden, wenn die ganze Gesellschaft zum Haus des Ehemannes zog.

    Ursus nickte. "Ich hatte es befürchtet. Aber schlimm ist es nicht, ich schicke einfach meine Klienten los, die sich kundig machen sollen, damit ich mir Beispiele der örtlichen Steinmetze anschauen kann. - Dein Onkel, ja der wäre auch noch eine Möglichkeit gewesen. Mal sehen, wenn die Zeit noch reicht, dann suche ich ihn vielleicht auf und frage ihn." Auf den hätte er ja eigentlich gleich kommen können.


    Daß Sedulus so zugeknöpft reagierte wegen der Frage nach dem Aedil, wunderte Ursus dann doch sehr. Er runzelte die Stirn, zuckte aber dann mit den Schultern. "Entschuldige bitte, wenn ich ein empfindliches Thema getroffen haben sollte. Das war keineswegs meine Absicht." Ohne dieses Amt würde Sedulus auf dem Cursus Honorum kaum weiterkommen. Aber das mußte er natürlich selbst wissen.


    Der Fremde blickte Avianus mit großen Augen an, als dieser ihm die Geldbeutel überreichte. Schnell ließ er sie unter seiner Kleidung verschwinden. Ein schneller Blick rundum, dann neigte er seinen Kopf dem von Avianus zu und flüsterte ihm etwas zu. Er flüsterte ihm sogar eine ganze Menge zu. Und Avianus würde noch feststellen, daß diese Informationen durchaus umfangreich und wertvoll waren. Irgendwann war der Fremde fertig und seufzte tief. "Mehr weiß ich nicht, Herr..." Er war schon drauf und dran, verschwinden zu wollen, doch er war ehrlich genug, um zu warten, ob Avianus nicht doch etwas fragen wollte.

    Ob sein Onkel ihm das nicht zutraute? Ursus hätte es sich vor seinem Tribunat ebenfalls nicht zugetraut. Und er wußte auch, daß es ihm im Moment dafür noch an Erfahrung fehlte. Doch er traute es sich zu. "Ja, ich könnte es mir tatsächlich vorstellen. Noch nicht jetzt versteht sich." Er hatte sogar schon darüber nachgedacht, sich um ein weiteres Tribunat zu bemühen. Doch das war noch nicht mehr als eine Idee.


    "Ich wäre Dir sehr verbunden, wenn Du die Augen für mich ein wenig offenhalten würdest, Marcus", sagte Ursus dankbar. Dann kam das Thema auf die Hochzeit von Corvinus und Celerina. "So bald schon? Es freut mich, daß es ihr schon wieder so gut geht, daß sie mit diesem Termin einverstanden ist. Auf der Nordwind? Nicht hier?" Das fand er für einen Mann wie Corvinus, den er als sehr mit den Traditionen verwachsen zu kennen glaubte, ausgesprochen ungewöhnlich. Doch eine außergewöhnliche Hochzeit würde es so gewiß werden.


    "Nein, ich habe noch nicht mit Minervina darüber gesprochen. Ich hoffe, daß ich in den nächsten Tagen mal wieder Gelegenheit habe, mit ihr zu sprechen. Dann werde ich versuchen, sie für diese Idee zu begeistern. Ja, ich gebe Dir Recht, sie sollte keinesfalls allein sein. Zwar glaube ich nicht, daß sie zu einer derartig verzweifelten Tat greifen würde, doch ich finde, sie ißt zu wenig und kommt zu wenig an die frische Luft. Ich fürchte einfach, daß sie aus diesen Gründen ernsthaft erkrankt."

    Auch Ursus ließ sich von Nakhti in den ihm schon gut bekannten Raum führen. "Salve, Consul Aelius", trat er nun auf den Gastgeber zu. "Hab Dank für die Einladung, es ist mir eine große Ehre." Außer ihm schienen ja zumindest bisher nur Senatoren anwesend zu sein. Umso stolzer machte es ihn, ebenfalls eingeladen zu sein.

    Es war wahrhaftig ein Grund zum Jubeln. Was für eine schöne Zeremonie! Und wie glücklich die beiden wirkten! Er freute sich wirklich sehr für sie. Er fiel in die Glückwünsche mit ein. Rief zusammen mit den anderen Gästen: "Feliciter!" Und hoffte, daß er Gelegenheit erhalten würde, den beiden noch direkt zu gratulieren.


    Strahlend blickte er zu Prisca, die sich eben bei ihm eingehakt hatte. "War das nicht eine wunderschöne Zeremonie? Woher ich die beiden kenne? Beide traf ich unabhängig voneinander vor langer Zeit in der Stadt und wir freundeten uns an. Was glaubst Du, was ich gestaunt habe, als ich hörte, daß sie heiraten. Ich hatte keine Ahnung, daß sie sich kennen. Stella abeitet für die Schola, für die ich ja auch tätig bin. Und Varus und ich hatten immer mal wieder Gelegenheit, miteinander zu sprechen. - Und woher kennst Du die beiden?" Er freute sich wirklich, Prisca hier zu treffen. Denn er war ein wenig traurig gewesen, daß keiner der anderen Zeit fand, mitzukommen. "Ja, gehen wir gemeinsam zu ihnen, um ihnen zu gratulieren." Natürlich ließ er dabei den Verwandten der Brautleute den Vortritt und wartete geduldig, bis die beiden einen Moment Zeit für ihn und Prisca hatten.

    Aufmerksam hörte Ursus den Worten des Senators Flavius Graccus zu. Es war wirklich freundlich von ihm, den Sachverhalt schon mal darzulegen und eine so deutliche Empfehlung auszusprechen. So war ihm der Weg gut bereitet. Ursus nickte, als Gracchus fragte, ob er das Wort ergreifen wollte. Zwar hatte er so kurzfristig keine Ansprache eingeübt, doch er hoffte dennoch, die richtigen Worte zu finden."Ja, danke, das würde ich sehr gern."


    Er erhob sich also, um besser verstanden zu werden, und ergriff das Wort. "Salvete, verehrte Salii Palatini! - Einige von euch kennen mich vermutlich noch nicht, deshalb möchte ich mich in aller Kürze vorstellen. Ich bin in Rom geboren, als Sohn von Decimus Aurelius Maxentius und Claudia Tusca. Meine Jugend verbrachte ich hier, danach studierte ich einige Jahre in Griechenland und begann anschließend damit, den Cursus Honorum zu beschreiten. Seit ich aus Griechenland zurück bin, bin ich Mitglied der Salii Collini. Und ich war dies immer gerne. Nun, ihr habt gehört, warum ich es nicht mehr bin. Die Salii Palatini und die Salii Collini stehen sich sehr nahe. Für gewöhnlich kommen beide Salierbünde auf den Festen gemeinsam zum Einsatz zur Ehre der Götter. Von daher liegt es für mich nahe, nun bei euch um Aufnahme zu bitten. Denn so würde es mir möglich sein, Salier zu bleiben und sowohl Mars Gradivus als auch Quirinus Ehre zu erweisen. Deshalb bitte ich euch, mich in eure Reihen aufzunehmen."

    "Ein paar fehlen mir noch. Doch habe ich mich bereits eingehend mit einem Großteil der Gesetze befaßt. Schon durch die Arbeit des Consuls. Zwar hat er mich nicht direkt an den Arbeiten zu den Änderungen beteiligt, doch natürlich gingen diese Dinge trotzdem nicht an mir vorbei. Dabei habe ich auch Einblick in Gesetze genommen, die nicht geändert wurden. Dennoch werde ich mich natürlich nochmal neu einarbeiten müssen für den Cursus. Und was das vierte Examen angeht: Es kann nicht schaden, es zu haben. Und warum nicht ein Kommando? Das Militär liegt mir. Merkwürdigerweise, denn damit hatte ich selbst nicht gerechnet, als ich das Tribunat antrat. Ich strebe ein Kommando auch nicht direkt an. Zumindest erst einmal nicht. Aber abgeneigt wäre ich auch nicht. Daher möchte die Vorraussetzungen auf jeden Fall schaffen." Es gab weitaus schlechtere Posten, die man bekleiden konnte, als ein Kommando.


    "Achja, davon habe ich auch munkeln hören, daß Crassus auf Brautschau sei und eine Purgitia dafür gehandelt wird. Und was mich angeht: Nein, bisher habe ich niemanden im Auge. Es ist nicht so leicht, überhaupt die richtigen Damen kennenzulernen. Wenn Du einen guten Rat für mich hast, immer her damit." Er fand ja, daß er noch Zeit hatte. Aber andererseit wußte er auch, daß es so langsam von ihm erwartet wurde. Er war bereits in dem Alter, in dem er eigentlich zur Ehe verpflichtet war. "Minervina. Ja. Sie schaut furchtbar aus. Glaube nicht, daß ich mehr an sie herankomme als Du, sie will ja niemanden sehen. Ich mache mir sehr große Sorgen um sie und hatte schon überlegt, sie zur Erholung ans Meer zu schicken. Aber das muß sie natürlich auch wollen."


    An
    Legatus Legionis Marcus Vinicius Lucianus
    Legio II Germanica
    Mogontiacum
    Provincia Germania



    Salve, mein Patron!


    Beim Lesen Deiner Zeilen musste ich wirklich schmunzeln. Jedoch erinnere ich mich gut daran, wie sehr ich nach Neuigkeiten aus Rom gehungert habe, als ich in Germanien war. Sicher erfährst Du die meisten Dinge, die ich Dir berichte, schon aus anderen Quellen. Doch lieber doppelt als gar nicht, nicht wahr?


    Für Deine Unterstützung bezüglich der Senatorenwürde danke ich Dir sehr herzlich. Und es freut mich zu hören, dass in Germanien alles ruhig ist und es allen gut geht. Ja, den Winter dort habe ich auch noch gut in Erinnerung. Wenn ich an diese Kälte zurückdenke, ertrage ich die trüben Tage in Rom gleich viel besser.


    Hier in Rom ist es zur Zeit auch erstaunlich ruhig, fast als wäre alles in Winterschlaf versunken. Großartige Dinge zu berichten gibt es dieses mal tatsächlich gar nicht. Aber vermutlich ist das eher ein positives Zeichen, denn dann gibt es auch keine Katastrophen zu melden.


    Meine Amtszeit rast mir geradezu davon. Es ist schon erstaunlich, wie lang manche notwendige Wege sich entwickeln. Ich hoffe, dass der Consul und ich es bis zum Ende dieses Jahres schaffen, alle notwendigen Maßnahmen zur Fertigstellung des Ulpianums in die Wege zu leiten. Daß es bis dahin fertig gestellt wird, diese Hoffnung habe ich bereits aufgegeben.


    Nach meiner Amtszeit beabsichtige ich, den Cursus Iuris zu absolvieren. Und auch meine Ausbildung an der Academia Militaris weiterzuführen. Ich denke, dies wird mir gute Grundlagen für meine weitere Zukunft verschaffen. Hast Du vielleicht noch einen Rat für mich?


    Bitte teile mir mit, wenn es etwas gibt, das ich für Dich tun kann.


    Mögen die Götter stets über Dich und die Deinen wachen!


    Vale,


    [Blockierte Grafik: http://img81.imageshack.us/img81/8400/siegeltauwj6.gif]


    Roma, ANTE DIEM VIII KAL FEB DCCCLIX A.U.C. (25.1.2009/106 n.Chr.)





    An
    Decurio Gaius Terentius Primus
    Legio II Germanica
    Mogontiacum
    Provincia Germania



    Salve Decurio Terentius!


    Über Deinen Brief habe ich mich sehr gefreut. Es ist immer wieder schön, etwas von der Legio II zu hören. Auch ich denke noch oft an das Tribunat und „meine Jungs“ zurück. Bestelle bitte Deinem Cousin Lupus meine Grüße und Glückwünsche zur Beförderung.


    Du bist also nun Pferdezüchter? Nun, irgendwie liegt das nahe bei Deiner Affinität zu Pferden. Ich wünsche Dir bei Deinen Geschäften viel Erfolg! Züchtest Du auf eine bestimmte Verwendung hin?


    Die Vermißtenmeldungen sind allerdings erschreckend. Tribun Terentius ist ein Verwandter von Dir, nicht wahr? Und an den Iulier erinnere ich mich auch gut, wir haben gemeinsam trainiert. Ich hoffe, die drei werden bald gefunden und sind wohlauf. Es wäre nett von Dir, wenn Du mich über diese Angelegenheit auf dem Laufenden halten würdest.


    Mögen die Götter euch alle beschützen, insbesondere die drei Vermissten.


    Vale,


    [Blockierte Grafik: http://img81.imageshack.us/img81/8400/siegeltauwj6.gif]


    Roma, ANTE DIEM VIII KAL FEB DCCCLIX A.U.C. (25.1.2009/106 n.Chr.)


    Sim-Off:

    Familienwertkarte

    "Einfach wird er sicher nicht, der Cursus Iuris. Aber irgendwann kommt man ja doch nicht drum herum." Dieser Kurs stand auch noch vor ihm wie ein Berg. Doch fand er, daß er gerade deswegen bald in Angriff genommen werden sollte. "Ich habe die ersten beiden Militärkurse. Es fehlen mir also noch zwei. Das größte Problem wird wohl sein, daß mehrere Teilnehmer zusammenkommen müssen, damit er stattfinden kann." Corvinus hatte das dritte Examen also mit Artorius Avitus gemacht? Das war tatsächlich nicht uninteressant. "Ja, das nenne ich ebenfalls einen raschen Aufstieg. Er war doch auch noch gar nicht lange bei den Praetorianern, soweit ich weiß. Das klingt wirklich sehr danach, als hätte das schon vorher festgestanden." Es war schon erstaunlich, wie schnell manche auf der Karriereleiter weiterkletterten. Man mußte sich unwillkürlich fragen, welche Verbindungen da bestanden.


    "Ein Unternehmen mit so weit entferntem Sitz steht völlig außer Frage. Nicht nur, daß alles viel zu lange dauern würde, wäre der Transport viel zu teuer und zu riskant. Nein, bei aller Freundschaft. Es kommen nur ortsnahe Steinmetze in Frage, darüber waren der Consul und ich uns sofort einig. Wir werden schon den passenden finden. Bis zum Ende der Amtszeit möchte ich erreicht haben, daß alles veranlaßt ist, was für die Fertigstellung des Ulpianums nötig ist. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie sehr das Projekt in den letzten Jahren vernachlässigt wurde." Es hätte schon vor Jahren fertiggestellt werden können, wenn sich jemand dahinter geklemmt hätte.

    Ursus lachte. "Na, dann bin ich wieder mal der erste, der eine Neuigkeit erfährt. Und Du hast also schon vorgearbeitet und die Händler bei Gelegenheit unter die Lupe genommen? Auch nicht schlecht. Ich werde mich nach der Amtszeit mehr in die Arbeit für die Schola hineinknien. Und auch selbst Kurse absolvieren. Ich dachte an den Cursus Iuris. Und ich dachte daran, meine Ausbildung an der Militärakademie weiterzuführen." Der Händler, den Pyrrus da nannte, sagte Ursus gar nichts. Aber er konnte auf den Namen ja mal achten.


    "Die Kuppel wird zur Zeit errichtet. Die Statuen werde ich in Auftrag geben, sobald ein Entwurf genehmigt ist. Sag mal, weißt Du noch einen zuverlässigen Steinmetz in Rom? Ich würde spontan dem "Bildhauer von Rom" den Vorzug geben, das ist der größte Betrieb hier. In Germanien freilich gäbe es Betriebe, deren Inhaber ich kenne. - Raetinus hat inzwischen auch einen solchen Betrieb." Die Statuen waren noch so ein Punkt, der Ursus schwer im Magen lag. Seiner Meinung nach hätten die schon viel früher bestellt werden müssen. Aber wie, wenn das Geld nicht zur Verfügung stand? Ein Wunder, daß der Bauunternehmer das so lange mitgemacht hatte.

    "In Ordnung. Schön, daß Du da auch Zeit hast. Du willst also kandidieren? Ich hatte ja schon so halb damit gerechnet." Es machte Sinn, daß Corvinus jetzt kandidierte. Und Ursus zweifelte auch nicht daran, daß der Senat ihn wählen würde.


    "Das Bauvorhaben geht immerhin endlich wieder voran. Aber es wird sicherlich nicht fertig werden bis zum Ende der Amtszeit. Da müßte schon ein Wunder geschehen, denn manche Wege sind einfach viel zu zeitaufwendig, ebenso wie manche Verhandlungen. Aber wenigstens ist alles wieder in Gang gebracht und die Fertigstellung wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Naja, das ist das Schicksal eines Quästor Consulum. Anerkennung wird die Arbeit, die ich leiste, kaum einbringen. Es ist zuwenig meßbar, was ich mache. Aber das macht mir nichts aus. Wenn das Ulpianum steht, werde ich wissen, welchen Anteil ich daran hatte. Und diese Tätigkeit hat mir wertvolle Kontakte eingebracht und die Einsicht in Geschehnisse, die den meisten anderen nie bekannt werden. Aber genug von mir. - Hast Du schon Pläne für Deine Zeit als Aedil?"

    Ursus schmunzelte, als er ihre Begeisterung über den Venustempel sah. Anscheinend war sie sehr religiös, was sicher kein Fehler war. Ob sie vielleicht irgendwann im Cultus Deorum dienen würde? Drängen würde er sie sicher nicht. Aber freuen würde er sich auf jeden Fall darüber. "Ja, tu das. Leider kenne ich sie noch gar nicht weiter. Aber ich kann mir kaum vorstellen, daß ihr dieser Tempel nicht gefallen würde."


    Nachdem sie sich den Tempel angesehen hatten, gingen sie weiter zur versprochenen Curia Iulia. Die Tore waren geschlossen, was Ursus nicht weiter wunderte. Er wüßte es, wenn der Senat tagen würde. "Nein, gerade findet keine Senatssitzung statt. Aber normalerweise sind die Sitzungen öffentlich. Die Tore der Curia Iulia sind dann weit geöffnet. Und jeder, den es interessiert, kann zuhören. Du kannst Dir sicher vorstellen, daß ich dort sehr oft zu finden bin." Es war ausgesprochen interessant, den Reden der Senatoren zu lauschen. Naja, nicht immer. "Du wirst sicher noch Gelegenheit bekommen, dort zuzuhören."


    "Hier, direkt nebenan siehst Du die prächtige Basilika Aemilia. Auf der anderen Seite, dort schräg rüber an der Rostra vorbei den Tempel der Concordia. Wenn Du Dich für Tempel begeisterst, wird er Dir sicher sehr gefallen. - Vielleicht sollten wir da entlang weitergehen, dann kannst Du ihn anschauen. Und dann gehen wir einmal rund um das Forum. Hier sind lauter wichtige und prächtige Gebäude und auch sonst allerhand Sehenswertes. Wir haben ja Zeit." Er blickte sich nun zum ersten Mal seit langem um. Und - sah weder Tilla noch Caelyn. "Sag mal, weißt Du wo Tilla und Caelyn abgeblieben sind? So schnell sind wir ja nun wirklich nicht gegangen, daß sie uns hätten verlieren können."

    Kurz hinter Avarus und Sedulus hatte auch Ursus die Porta des Domus Aelius erreicht und er nickte Nakhti, der die beiden begrüßte, grüßend zu. Er wollte sich nicht vordrängeln, deshalb wartete er ab, bis die beiden anderen sich zu Nakhtis Frage geäußert hatten. Dann konnte er ja gleich anfügen, daß auch er eingeladen war.

    Zitat

    Original von Lucius Aelius Quarto
    “Ich möchte dir wirklich nicht zu viel und vielleicht auch unwürdige Arbeit aufbürden. Ähm... Aber würdest du vielleicht Erkundigungen einholen, ob dieser Betrieb, den du genannt hast, ob er ein solches Werk herstellen könnte?“


    Ursus legte den Kopf schief. Es sollte nicht so schwer sein, so etwas herauszufinden. Er würde einfach ein paar Klienten losschicken. "Ich werde sehen, daß ich schnellstmöglich an die Informationen herankomme. Soll ich, wenn er sich als fähig herausstellen sollte, gleich Entwürfe von ihm anfordern?"

    Wie immer kam Ursus auch heute zu Fuß. Er erinnerte sich noch gut an seine Wette und hatte nicht vor, ein Dickbauch zu werden, zumindest nicht, bevor er es in den Senat geschafft hatte. Also erledigte er möglichst alles zu Fuß. Das war zwar nicht immer möglich, aber doch meistens. Natürlich kam auch er in Begleitung zweier Sklaven. Denn er wußte ja nicht, wie spät es werden würde und so wollte er doch auf dem Rückweg den Weg von Fackeln erleuchtet bekommen.


    Es kamen gerade Germanicus Avarus und Germanicus Sedulus am Palasttor an. Und dazu kam dann noch eine Sänfte. Anscheinend waren doch noch mehr Personen eingeladen. Ursus war nicht wenig neugierig, wer da alles erscheinen würde.


    "Salvete Senatoren", grüßte er in die illustre Runde und winkte einem der beiden Sklaven, ihn bei den Wachen anzukündigen.


    "Salve. Mein Herr, Quästor Consulum Titus Aurelius Ursus, wünscht zum Consul Aelius vorgelassen zu werden. Er ist eingeladen", sagte der Sklave.

    Ursus grinste breit und nickte. "Ja, das Ulpianum. Es muß endlich mal richtig vorangehen damit. Und auch wenn ich befürchte, daß es auch dieses Jahr nicht fertig wird, so ist es dem Consul und mir doch gelungen, die Dinge wieder richtig anzukurbeln. Es kann nicht mehr lange dauern, bis es fertig gestellt ist. Und es ist wirklich spannend, den Fortgang der Arbeiten zu beobachten." Zumindest, wenn man sich nicht selbst die Hände schmutzig machen mußte und einfach immer wieder dort auftauchen und wichtig aussehen konnte, während man mit kritischem Blick alles betrachtete.


    "Du bist für die Statuen der Kaiser zuständig? Das trifft sich ja gut. Die Statuen für das Ulpianum müssen ja auch noch gefertigt werden. Hast Du vielleicht eine Empfehlung, wer geeignet ist, so einen großen und wichtigen Auftrag zu übernehmen?" Sicher kannte Sedulus sich bei den Steinmetzen aus, wenn er für die Statuen zuständig war.


    Als Avianus ihn so unvermittelt auf Geld ansprach, runzelte Ursus irritiert die Stirn. "Öhm... ja natürlich. Nimm Dir, was Du brauchst", sagte er nur und gab Avianus gleich seinen Geldbeutel. Der sowieso kaum mehr als die hundert enthielt. Dann wandte er sich wieder Sedulus zu, da er auf seine Antwort gespannt war.


    "So uninteressant stelle ich mir die Arbeit des Aedils eigentlich gar nicht vor. Was stört Dich an dem Amt? Außer den hohen Kosten, versteht sich."

    Tatsächlich hatte Ursus die Worte seiner Cousine gar nicht wahrgenommen. Bei dem Trubel eigentlich kein Wunder. Und er hatte ja die Augen auch nicht von der Zeremonie nehmen können. Doch ein Poltern im Hintergrund veranlaßte ihn dann doch, sich umzudrehen. Wegen der vielen Leute konnte er nicht sehen, was geschehen war. Doch er sah etwas anderes. Nämlich Prisca, die direkt bei ihm stand und ebenfalls aufmerksam der Zeremonie folgte. "Prisca! Salve! Entschuldige, ich wußte gar nicht, daß Du hier bist. Als ich die anderen fragte, wer mich begleiten möchte, warst Du leider gerade nicht da." Er sprach sehr gedämpft, da er nicht stören wollte. Doch sein strahlendes Lächeln verriet, wie er sich über ihre Anwesenheit auf dieser Feier freute. Schnell schob er sich neben sie, viel reden konnten sie natürlich nicht, sonst hätten sie die Zeremonie gestört.