Beiträge von Cleonymus

    Cleonymus nickte bedächtig, zu lange von derart traurigen Dingen zu sprechen würde sicherlich seine Laune trüben daher war es wohl ein gute Idee mit dem anderen Gesprächsthema ...


    "Wie du siehst geht es dem Kapeleion besser denn je! Nur mein Töpfer läuft nicht so gut wie er könnte aber das wird sich auch noch einrenken! Was mir fehlt sind zuverlässige Lieferanten, Ton scheint zum Beispiel im Moment kaum vorhanden zu sein!"

    Ein Diener des Kapeleion Archaon hängte in den frühen Morgenstunden einige Plakate in der Stadt auf, unter anderem auch auf der Agora ...


    Vermisst!


    Gesucht wird die Frau des ehrenwerten Pyrtanen Anthimos Bantotakis, Penelope Bantotakis, und dessen Tochter, Panthea Bantotakis.
    Die beiden befanden sich auf der Heimreise von Rom nach Alexandria und könnten Schiffbruch erlitten haben.
    Wer beide lebendig nach Hause geleitet bekommt


    1000 Sesterzen!


    gez. Cleonymus Gymniasarchos der Stadt Alexandria

    Cleonymus nickte zögerlich, fürwahr schlechte Nachrichten, Penelope war eine Freundin und sie war eine auserordentlich talentierte Musikerin und zudem auch noch eine wichtige Handelspartnerin für das Kapeleion, ihr verschwinden oder gar ihr Tod hätten auch auf Cleonymus sehr schlechten Einfluss gehabt und dabei dachte der Ägypter nicht einen Moment über Geld nach ...


    "Ich verstehe deine Sorge mein Freund, sei gewiss das ich gleich morgen eine Gruppe von Getreuen losschicken werde die auf dem Landweg deiner Frau entgegen reiten, sicherlich wird ihre Reise nur dadurch verzögert, oft lässt sich nicht alles was an Bord war retten und vielleicht fehlt ihr nur das Geld für ein neues Schiff, ich werde mich gleich Morgen darum kümmern also sei unbesorgt!"


    Cleonymus mochte kein Engel oder Wohltäter sein der jedem half ohne eine Gegenleistung zu erwarten, aber im Falle der Bantotaken war das anders ... sie gehörten zur "Familie"!

    Als Anthimos und Merula den Garten betraten wäre Cleonymus um ein Haar vor Vergnügen aufgesprungen um sie zu begrüßen, doch zum Glück konnte sich der Gymniasarchos beherschen und erhob sich stattdessen außerordentlich würdevoll und ging dann seinen Gästen entgegen ...


    "Oh schön das ihr gekommen seid! Eine wahre Freude das endlich auch mal wieder ein paar interessante Leute zur Tür hereinkommen!"


    Der zweite Satz war wesentlich leiser ausgesprochen denn wenn auch niemand hier gewagt hätte daran öffentlich Anstoss zu nehmen so hätten sich vieleicht doch beleidigt gefühlt und Cleonymus konnte die meisten von ihnen sicher nochmal gut gebrauchen. Als allerdings Anthimos gestand das er das Geschenk vergessen hatte, war Cleonymus schon etwas verwundert, denn ein lückenhaftes Gedächtnis war nun wirklich nichts das man mit diesem jungen Pyrtanen verband ...


    "Mach dir nur keine Sorgen, es ist schön das du hier bist und ein Geschenk ist auch überhaupt nicht nötig, wobei ich allerdings verwundert bin das du so abgelenkt bist, was ist denn passiert?"


    Cleonymus Auge für Menschen war sein haupsächliches Kapital und bisher hatte es ihn auch noch nie getäuscht ... während der Ägypter nun also seine Frage stellte führte er seine neuen Ehrengäste zu einer reich gedeckten Tafel auf der sie sich mit Getränken und Speisen eindecken konnten, sofern sie wollten ...

    Nachdem nun das zweite Mal geklopft worden war wurde seltsamerweise sofort geöffnet, allerdings lag das hauptsächlich daran das der junge Wächter noch vor wenigen Sekunden nicht auf seinem Posten war, es gab einfach zu viel zu sehen heute als das man an allem vorbeigehen konnte ohne es zu bestaunen ...


    Den beiden Männern eröffnete sich ein wunderschöner Anblick als sie hineingebeten wurden, der Garten war mit Kerzen und Fackeln beleuchtet und weiße Stoffbahnen schmückten die Olivenbäume. Der Bach verströmte eine beruhigende Aura und lud zum verweilen ein. Nur kurz hinter der Pforte warteten bereits zwei hübsche Dienerinnen mit Tabletts auf denen Becher mit teurem Wein und kleine Häppchen presentiert wurden, welche natürlich auch sofort den Neuankömmlingen angeboten wurden, schließlich wussten die Angestellten bestens Bescheid wer da gerade eingetreten war und das lies sich auch sofort feststellen als ein, in eine teure Toga gekleideter, Hellene die Namen der Neuankömmlinge an die bereits Anwesenden verkündete ...


    "Der ehrenwerte Exegetes von Alexandria, Ánthimos Bantotakis!
    Und der ehrenwerte Stationarius des Cursus Publicus für Alexandria, Lucius Iunius Merula! Herzlich willkommen meine Herren!"


    sofort wurden die beiden Ehrengäste von einem Sklaven begrüßt, der einen dermaßen edlen Stoff trug, dass er auch einem Edelmann geschmeichelt hätte, und ins Innere geführt ...

    Mittlerweile war Cleonymus durchaus klar was noch fehlte ... Musik ... aber seinen unvergleichlichen Musiker hatte er ja an das Schicksal verloren und diesem konnte er ja wohl angesichts der letzten Ereignisse kaum böse sein ...


    Also begann die Feier vorerst nur von Laien begleitet, die in den Ohren des unbedachten Zuhörers wohl dennoch wie Meister ihrer Kunst erscheinen mochten, doch für Cleonymus waren sie dennoch nur der schlechte Ersatz für ein wahres Talent ...
    Dennoch schien die Feier gut anzulaufen und die bereits eingetroffenen Gäste schienen sich zu amüsieren. Allerdings war bisher niemand gekommen der Cleonymus interessierte, kleinere Händler und Politiker, einige Handwerker die Cleonymus im Auge behielt und einige mittelmäßige Künstler ... aber keine Talente! Sie beglückwünschten den Ägypter und gratulierten ihm zu der hervorragenden Feier ... nur das dieser nichts darauf gab und mit den verstreichenden Minuten immer stärker der Ankunft der "interessanten" Personen entgegen fieberte ...

    Cleonymus grinste hämisch ...


    "Du kennst mich ... allen meinen Schülern verlange ich Schweis und Blut ab ... und zwar solange bis sie beides Wert sind! Was nun aber dich angeht will ich das du erstmal ein paar Runden läufst damit du wieder einen klaren Kopf kriegst und danach arbeiten wir an deiner Technik ... sofern da noch was zu retten ist!"


    Der letzte Satz war ebenfalls von einem Grinsen begleitet ausgesprochen, obwohl Cleonymus sich fast sicher war das Anthimos nur etwas Übung fehlte was die Technik anging, die wahre Hürde würde hier wohl wiedermal der Geist und nicht der Körper sein ... wo war eigentlich Penelope die hatte der Ägypter auch schon eine Weile lang nicht gesehen ...

    Cleonymus nickte ...


    "Gerne, bei dir weiß ich diese Aufgabe in verantwortungsvollen Händen! Da das nun auch geklärt wäre, denke ich sollten wir uns zum Palast begeben und dem neuen Statthalter unsere Aufwartung machen ... so wie es eben Brauch ist! Es sei denn jemand hat noch etwas wichtiges zu besprechen?"


    Cleonymus blickte in die Runde auch wenn ihn eigentlich nur interessierte ob Anthimos noch einen Vorschlag hatte ...

    Neben seiner Vorliebe für talentierte Männer und Frauen gab es nur wenig was Cleonymus wirklich interessant fand, so war es auch nicht verwunderlich das Zeugnisse von Talenten, in Form von jedweder Kunst egal ob Handwerk oder Malerei stets und ständig in seinen Besitz übergingen ... auf dem ein oder anderen Wege ...


    Und waren sie einmal in seinen Besitz gelangt so landeten sie in diesem Saal des Kapeleion Archaon, rund um die Uhr von wachsamen Augen behütet und nur den exklusivsten Gästen vorgeführt ...


    Vorallem verfügte der Ägypter über eine beachtliche Sammlung von Gemälden aus der Zografia Bantotakia ...


    'Die Sphinx bei Sonnenuntergang' ; 'Orestes von den Furien gehetzt' ; 'Das Tal der Könige' ; 'Die Sphinx' ; 'Das Trojanische Pferd' ; 'Eine Nilpferdfamilie beim Grasen' ; 'Jugendliche bei der Ephebia' ; 'Perseus köpft die Medusa' ;



    Direkt gegenüber der Gemäldesammlung waren Schmuckwaffen und Rüstungen angebracht, allerdings waren hier lediglich Standardsachen untergebracht da Cleonymus bisher noch keinen guten Kunstschmied unter Vertrag hatte ... die einzige Besonderheit war das, auf einem mit kosbarem Samt bedecktem Tisch, ausgestellte Jian des Marcus Achilleos, welches dieser ihm vor seiner Pilgerreise übergeben hatte um es zu verwaren bis er seinen Frieden wiedergefunden hatte. Wer Cleonymus kannte wusste das es nichts gab womit man hier schnelleres Geld machen konnte als dem Ägypter einen wertvollen Kunstgegenstand unter die Nase zu halten ...

    Cleonymus lächelte sanftmütig, Anthimos war eine Helfernatur er hätte selbst Nikolaos aufgeholfen wenn es zum Wohl der Polis gewesen wäre ...


    "Ach nicht nötig, es sind die Epheben ihr Lehrplan und ihr Unterricht scheint nie so perfekt zu sein wie die reichsten Eltern ihn gern hätten ... die hätten mal auf die Art lernen sollen wie ich es gemacht hab in Rhakotis ... aber dann gäbe es wahrscheinlich nichtmehr soviele von ihnen!"


    Dem letzten Satz des Ägypters folgte unweigerlich ein Lächeln, wenn er daran dachte wie diese hochnäsigen kleinen Knaben in Rhakotis einem Erwachsenen entgegentraten und ihm sagten das sie keine Lust mehr hatten ihm zuzuhören ... lag wahrscheinlich daran das soetwas der selben Person nie zweimal passierte ...

    Nachdem Cleonyus zuvor ein paar farblose Vorschläge abwartete war er nun bereit selbst einen zu unterbreiten oder besser gesagt die anderen waren bereit sich wieder einen Entschluss vorkauen zu lassen ...


    "Ich denke wir sollten dem Basileus ein Fest widmen und eine Statue, um ihm so zu beweisen das die Pyrtanen durchaus am selben Strang ziehen wie die römische Verwaltung, nur das wir unsere Fehler auch eingestehen!


    Zum Glück war Anthimos der einzige hier der die ursprüngliche Idee kannte denn die hatte ja etwas anders ausgesehen und Cleonymus würde nur ungern zugeben müssen das er zurückgesteckt hatte ...

    Der nickte nur und wandte sich dann gleich an die Versammlung ...


    "Als erstes sollten wir über die Ehrungen der Pyrtanen der letzten Amtszeit sprechen! Wie üblich sollen die verschiedenen Stufen der Ämter mit den verschiedenen Ehrungen bedacht werden, so für die erste Ebene eine kleine Innschrift, für die zweite Ebene eine große Innschrifft und für die dritte Ebene eine Statue!
    Allerdings beantrage ich hiermit das im Falle Iunia Urgulania eine Ausnahme gemacht wird und sie aufgrund ihres Beispiellosen Einsatzes und ihres letztendlichen Opfers ebenfalls mit einer Statue geehrt wird!"


    Diesmal brauchte es nichteinmal politische Bedrängnis um alle Pyrtanen zu einen den in diesem Thema schienen tatsächlich einmal alle einer Meinung zu sein .... :dafuer:

    Das Cleonymus Nachfolger ein Idiot war war etwas das Cleonymus nicht verneinen konnte, schließlich fragte er sich seit dessen Amtsantritt wie er es geschaft hatte soviele Alexandriner von seiner Kompetenz zu überzeugen ...


    "Nun das sollte ich das vielleicht mal wieder in die Hand nehmen ... auch wenn es mich zur Eile in einigen anderen Dingen zwingt ... ich hasse es einfach wenn Talente verschwendet werden!"


    Und das war Cleonymus voller Ernst sogerne er Talente sammelte so zornig machte es ihn auch wenn sie verblassten oder ihre Fähigkeiten vernachlässigten ...

    "Du bist schlechter geworden!"


    Cleonymus hatte wie auch zuvor schon oft am Rand des Feldes im Schutze des Säulenganges gewartet und beobachtet, er hatte immer schon einen Faible dafür gehabt seine "Schützlinge" zu beobachten ohne das diese es merkten, doch nun da er nicht mehr selbst unmittelbar trainierte gelang ihm das noch viel besser. Jeder hier wusste das Anthimos zwar außerhalb des Gymnasions ein angesehener Pyrtan und ein politischer Freund von Cleonymus dem Gymniasarchen war, doch innerhalb dieser Wände war er für Cleonymus nochimmer einer seiner Schüler, auch wenn Anthimos dabei stets die Rolle gesprengt hatte. Das wussten auch die Trainer und deshalb hielt man sich ihm gegenüber etwas zurück ...


    "Als ich damals angefangen hab dich zu trainieren warst du ein Künstler im Sandkreis, jetzt sehen die Leute dir beim Kämpfen zu und fragen sich wo die Kneipe ist aus der du gerade getorkelt gekommen bist. Verschwende dein Talent nicht indem du Sklaven verhaust!"


    Cleonymus hatte Anthimos in ihrer Athlet-Trainer Beziehung immer für ein ausergewöhnliches Talent gehalten, einen großen Glücksfal für Alexandria, aber im Moment war er nur ein gut gebauter Schläger wie es sie zu hunderten in Rhakotis gab. Entsprechend streng war der Blick den Cleonymus Anthi zuwarf, denn im Moment war er kein Politiker oder ein Freund im Moment war er ein Schüler der vom Weg abgekommen war ...

    Cleonymus nickte nur bestätigend und begab sich sogleich in Rednerposition, wo er kurz wartete bis alle sich gesetzt und ihm zugewandt hatten ...


    "Sehr gut, die Wahl zum Archipyrtanes ist eine enorm wichtige Angelegenheit Kollegen, der Archipyrtan ist unser Sprecher gegenüber Dritten und führt die Sitzungen hier im Tempel der Tyche, wie der wehrte Exegetes es gerade bereits erläutert hat wird es für gewöhnlich mit dem Amt des Exegetes verknüpft und das aus gutem Grund. Als Archipyrtan ruht viel Verantwortung auf den eigenen Schultern und man muss sich mit der Polis und ihren Ämtern auskennen, schließlich kommt es auch oft vor das der Archipyrtan zwischen uns Pyrtanen vermitteln muss wenn wir uns nicht einig werden. Daher unterstütze ich das Gesuch des Exegetes ihm dieses Amt zu übertragen und erwarte das jeder genau darüber nachdenkt wen er vorschlägt oder unterstützt, schließlich ist diese Wahl für die restliche Amtsperiode verbindlich!"


    Es dauerte nicht lang und die Pyrtanen hatten eingesehen das es hier nichts zu gewinnen gab, niemand von ihnen wollte irgendeinen anderen auf diesem Posten sehen als sich selbst und doch konnte keiner von ihnen die Wahl gewinnen da der Exegetes bereits über 2 Stimmen verfügte ... also konnten sie sich entweder für ihn entscheiden oder gegen die beiden mächtigsten unter den Pyrtanen ... und nun mal ehrlich nicht jeder wollte gleich zu Beginn der Feind von irgendjemand anderem sein ...


    "Oh ... sehr schön, einstimmig entschieden! Exegetes ich gratuliere, wenn du dann gerne übernehmen möchtest!"


    Damit spielte Cleonymus den Ball ab und nahm selbst wieder Platz, wobei ihm sehrwohl bewusst war das ihn gerade der ein oder andere zornige Blick traf ...

    Es ist kurz nach Mittag als Cleonymus die Tür zu Lycidas Zimmer öffnet um nach dem Jüngling zu sehen, die meisten der anderen Athlethen waren schon längst wieder auf den Beinen und einige hatten auch schon das Kapeleion verlassen, doch für keinen interessierte sich Cleonymus so wie für diesen einen ... er war etwas besonderes, ein stummer Musiker und doch einer von bewundernswertem Talent.
    Cleonymus hatte ein spezielles Gespür für Talente und er nahm sie mit Freuden in sein Gefolge auf, sofern er Gelegenheit dazu bekam ...


    "Verdammt!


    Zornig warf der Ägypter eine Vase auf den Boden, der Jüngling war weg, das Talent war ihm durch die Finger geflutscht und das passte ihm ganz und gar nicht ...

    Nachdem Cleonymus nun das Zimmer des Gymniasarchen bezogen hatte stellte er fest das es nicht wirklich soviel größer war wie er es sich immer vorgestellt hatte, vorallem war das Zimmer seines Grammateos größer, aber das störte ihn kaum immerhin machte Pryphios hier auch die meiste Arbeit, Cleonymus hatte sein Gehalt erhöht aber wie es schien war der junge Mann dennoch nicht unbedingt zufrieden mit seiner Tätigkeit ... vielleicht sollte sich Cleonymus auch mal einen zweiten Grammateos einstellen ... nun mit dem neuen Gehalt war das ja sicher drin ...

    Nachdem die Ekklesia für beendet erklärt worden war hatten sich die Menschen wieder nach Hause begeben und die Pyrtanen versammelten sich in ihrem "Ratssaal" um die erste Sitzung dieses Pyrtaneions abzuhalten ...


    Cleonymus hielt sich strikt an Anthimos, denn wie es aussah waren sie beide tatsächlich die treibende Kraft im neuen Koinon, da fast alle anderen Ämter von Einzelkämpfern belegt waren die sich vielmehr eingekauft hatten als das sie tatsächlich Vollzeit-Politiker waren ...