Holla, der ging aber ran! ´Nen Kuss wollte Probus und seine Gesichtsröte nahm wieder gefährlich zu. ´Nen Kuss auf die Wange oder auf den Mund? Ich hatte ma gesehen, diese Mundküsserei war das reinste rumsabbern. Nich besonders appetitlich! Meinte er so ein Küssen? Naja, notfalls konnte man sowas ja auch rausfinden!
Ich kam ihm immer näher und schloss dabei meine Augen. Nur ein Lufthauch trennte uns noch. Das sollte doch eigentlich Antwort genug sein. Von dem, wie aufgewühlt ich war, merkte man nich viel. Ich konnt´s kaum erwarten, was er jetzt tun würde. Aber vielleicht traute er sich ja auch gar nicht oder das ganze war nur so was wie´n Spiel für ihn.
Beiträge von Caelyn
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Nee, ich war nich nur´n billiger Zeitvertreib für ihn. Da steckte mehr dahinter. Das spürte ich und das konnte ich auch aus sein´n Worten schlußfolgern. So was nettes hatte noch nie einer zu mir gesagt, das ich jemanden glücklich mache.
Probus kam noch´n bisschen näher an mich herangerückt, so dass wir jetzt ganz dicht beieinander saßen. Eigentlich hätt´ nich ma mehr´n Stückchen Papyus zwischen uns gepasst. Das war schon´n seltsames Gefühl, so dich bei ´nem Mann zu sein. Aber schön war´s.
Verlegen fragte er mich, wie´s jetzt weiter geh´n sollte. Gute Frage, diese Frage, nächste Frage! Ich hatte echt keinen blassen schimmer! Tief in mir drinnen, sagte ´ne Stimme, na los küss ihn, aber ich wusst nich, ob das so gut kommt, wenn ich die Initiative ergriff. Andererseits wusste ich auch nich, wie weit man beim ersten Treffen überhaupt geh´n durfte. So was hatte mir eben niemals einer richtig erklärt. Ab und zu hatt ich ma so Pärchen beobachtet, wie die sich in aller Öffentlichkeit abknutschten. Nee! Also so was wollt ich jetzt auch nich! Dann lieber hier in der Küche!
Nach vielem hin und her, zuckte ich mit den Schultern und antwortete Probus mit ´ner Gegenfrage.
"Was würdest du denn jetzt gerne machen?" Vielleicht hatte er ja ´ne bessere Idee und ich war fein raus, da ich nich den ersten Schritt machen musste. -
Jetzt hatte ich aber echt die Faxen dicke! Ursus´ Worte ignorierend, verfinsterte sich mein Blick und ich sah meinen Bruder scharf an. "Sag ma, so bescheuert, wie du, kann doch einer alleine gar nich sein! Hast du eigentlich ´ne Ahnung davon, dass es nur sein´m guten Willen zu verdanken is, dass du jetzt hier bei mir bist? Aber gut, wenn dir das alles ja so furchtbar egal is, dann verzieh´ dich doch einfach wieder! Na los, die Gosse hier is garantiert genauso schön, wie die in Augustodunum! Aber glaub ja nich, dass du mich dann noch einma seh´n wirst! Du bist so dumm! So dumm, ach..." Mir tat das selber so weh, mit ihm so sprechen zu müssen. Mein Frust musste aber auf einma raus! Ich hatte mich so aufgeregt, das mein Geischt ganz rot war und mir die Tränen die Wangen herunter kullerten.
Das Elend konnte ich mir nich länger geben. Ich drehte mich auf der Stelle um und wollte schon wieder abdampfen. -
Erleichtert atmete ich auf und erwiderte sein Lächeln. Klar wusste ich, das es ganz schön mächtig in die Hose gehen könnte, wenn Ursus davon erfuhr. Der Ärger, den Probus sich damit einhandeln würde, lag schon auf der Hand. Aber das wollte er alles auf sich nehmen, sonst wäre er spätestens jetzt aufgestanden und gegangen. Das tat er aber nich!
Als er mich dann fragte, ob ich ´n Problem damit hätte, das er ´n Römer war, musste ich grinsen. "Och weißte, es gibt schlimm´res! Nee, hab ich natürlich nich!"
Von den gewissen Einschränkungen, die so ein Legionärsleben einfach mit sich brachten, hatte ich nur wenig bis gar keine Ahnung. Woher auch? Ich fühlte mich gerade einfach total glücklich und dachte nich im geringsten an etwas, was mir, ihm oder uns im Wege stehen könnte. Das war ein unbeschreibliches Gefühl, dass von innen heraus, direkt aus dem Herzen zu kommen schien. Es war schön, neben ihm zu sitzen und ich fragte mich, wie´s wäre, noch ´n Stückchen näher bei ihm zu sein. -
Auch von mir alles Gute! Feier schön!
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Jetzt begriff ich gar nix mehr! Wieso nix? Ursus wollte ihm doch was anbieten! Das hatte er doch gesagt. Ich hatte ja überhaupt nicht mit dem Sturkopf meiness Bruders gerechnet. Mir wa ja bereits am Abend zuvor aufgefallen, dass Louan so seine Probleme mit Ursus hatte. Er sah in ihm sowas wie ein Konkurrent. Einer der ihm seine Schwester wegnehmen wollte.
"Das musste mir jetzt aber ma erklären!"
Ich trat einen Schritt näher an die Tür heran und sah Urus. Der saß noch en seinem Schreibtisch. "Hey! Was geht denn hir ab? Hast du dir angehört, was er dir anbieten möchte?"
Langsam schwante mir, dass er sich rein gar nix angehört hatte.
Ich wurde richtig sauer und wollte schon loslegen. Dann hielt ich mich aber doch vorerst zurück. -
Das hatte Probus aber wirklich schön gesagt! Dabei hatte er auch meine Hand leicht gedrückt. Da war ich aber echt beruhigt, dass ich nich der einzige Grünling hier war. Ich warf ihm ´nen schelmischen Blick zu und rückte mit mein´m Stuhl noch etwas näher an seinen heran. Das Essen war ja sowieso zur Nebensache degradiert worden.
"Macht´s dir auch nix aus, dass ich ´ne Sklavin bin?" Und wenn, dann hätt ich´s auch nich ändern können. Mir machte´s ja auch nix aus, dass er ´n Römer war und dazu auch noch ´n Legionär. Wenn das mein Großvater gewusst hätte, der hätt´ sich im Grab rumgedreht, wenn er gekonnt hätte. -
Das Letzte, woran ich gerade dachte, war Ursus. Der war morgen früh erst wieder dran!
Probus war hier und jetzt gegenwärtig und dass er auch noch seine Hand auf meine gelegt hatte, änderte nichts an dem Durcheinander, was in mir herrschte.Ich war so gar nich über meine Gefühle im Klaren. Aber eins stand fest, ich hatte mich nich gewehrt, so wie früher, als er mich berührt hatte, auch wenn´s nur an der Hand war. Damals hatte ich jeden, der Interesse an mir gezeigt hatte, erbittert in die Flucht geschlagen. Deshalb hatt ich wahrscheinlich auch noch nie´n Freund gehabt. Die Jungs hatten einfach keine Chance bei mir. Bei Probus war das was völlig anderes! Schon auf dem Fest war mir´s aufgefallen, dass ich in seiner Nähe so´n komisches kribbeln fühlte. Ich zerbrach mir nur mein Hirn, ob Probus das so ähnlich wahr nahm oder ob er nur auf ´ne schnelle Nummer aus war. Das Letztere wurde allerdings immer unwahrscheinlicher, sonst hätt er´s längst schon gemacht. Es konnte natürlich sein, dass ich ihm zehn passus am Allerwertesten vorbei ging und er überhaupt kein Interesse an mir hatte. Daran glaubte ich allerdings jetzt weniger, denn schließlich war Probus immer noch rot im Gesicht. Also schlußfolgerte ich, musste ein gewisses Interesse seinerseits vorhanden sein, das er allerdings nich mit Gewalt durchsetzen wollte. Da war ich jetzt ma echt gespannt, ob das stimmte!
"Weißte, warum ich kein´n Freund hab? Ich die Typen immer verjagt, die was von mir wollt´n. Desweg´n hab ich noch nie´n Freund gehabt. Aber bei dir is das anders. Ich find´s schön, wenn du bei mir bist." Mannomann! Jetzt hatt ich aber Mut bewiese´n! -
Aha! Also nur so! Da ging´s ihm ja genauso wie mir! Eigentlich wollt´ er´s ja gar nich wissen, aber in Wirklichkeit interessierte ´s ihn doch brennend. Und wir hatten noch was gemein! Er war auch, einfach nur so, froh, dass ich keinen Freund hatte. Ach ja, noch was verband uns: wir war´n beide mittlerweile so rot, dass wir locker als Krebse hätten durchgeh´n können.
Ich tat´s Probus gleich und nahm noch ´nen Schluck. Dann stellte ich meinen Becher wieder ab und ließ, aus unerfindlichen Gründen, meine Hand auf der Tischplatte liegen.
Probus versuchte der Situation gegenzusteuern. Er fragte mich was. Aber ich war gerade wo ganz anders.
"Was? Wer? Achso der! Ja, der is ganz nett!" -
"Ja, ´ne! Die schmeckt total gut!" Ich wunderte mich nur noch über mich, was ich für´n Schwachsinn laberte! Probus musste ´nen völlig falschen Eindruck von mir bekommen. Aber halt! Jetzt fiel´s mir erst auf, dass Probus noch gar keinen Bissen von der Wurst gegessen hatte.
Oh Mann, jetzt schaute der mich auch noch so an! Da wurde ich ganz verunsichert. Dann stellte er mir auch noch so ´ne Frage, warum ich das mit der Freundlin wissen wollte. Meine Wangen mussten jetzt garantiert feuerrot sein. Wie sollte ich nur da wieder raus kommen.
"Och, nur so!"antwortete ich und tat so, als wär´s völlig nebensächlich. In Wirklichkeit war das ganz und gar nicht nebensächlich! Ich fand Probus irgendwie süß! Aber ich traute mich nich, was zu sagen. -
Ach herrje! Jetzt hatt er sich auch noch verschluckt! Oder war´s nur´n schlimmer Husten? Bei den klimatische Bedingungen in Germanien, konnt man da nich immer sicher sein.
Vielleicht war´s aber doch meine Frage, die ganz schön direkt war und für die ich mich bereits schämte. Zumindest wusst ich aber jetzt, dass er keine Freundin hatte. Das war doch auch was wert.
Er konterte sogar mit ´ner Gegenfrage, ob ich ´n Freund hätte.
"Ich??? Nö, wieso?" Wenn ich hätte ehrlich sein müssen, hätte ich sogar sagen müssen, dass ich noch nie einen hatte. Aber sowas gab man ja nur ungern zu.
"Schmeckt dir die Wurst?" fagte ich ihn gleich, um ´n bisschen abzulenken. Aber dieses Gesprächsthema war auch nich so wahnsinnig prickelnd. -
Zum Glück war´n die Ohren noch dran geblieben. Nich auszudenken, wenn´s anders gewesen wäre!
Sie war´n zwar rot, aber das war nur´n Zeichen für ne gute Durchblutung. "Puh, da bin ich aber beruhigt!" Ich gab ihm seine Lorica und er stellte sie dann zu seinem and´ren Zeug. Ich fragte mich, wie man noch kämpfen sollte, wenn man so viel Zeug mit sich rum schleppen musste!
Komisch, irgendwie wirkte Probus mit einem ma so...verkrampft. Der schämte sich doch jetzt nich etwa, weil er "nur" mit ´ner Tunika vor mir stand. Oder war da noch mehr im Spiel? Ich wusste ja auch nich so genau, wie man sich in Gegenwart von ´nem jungen Mann verhielt, wenn man nur zu zweit war. Da hatt´ich einfach noch nich so die Erfahrung. Aber das hätt ich natürlich nie im Leben zugegeben!
Probus setzte sich wieder an den Tisch. "Oh ja, essen wär ´ne prima Alternative!" antwortete ich grinsend und griff zu meinem Becher und nahm ´nen Schluck Wein.
"Sag ma, hast du eigentlich ´ne Freundin, oder so was?" Ich hätt mir glatt in den Hintern beißen können, nachdem ich diese dämliche Frage gestellt hatte. Aber jetzt war´s zu spät dafür. -
Zum Glück hatte sich mein Bruder beruhigt. Wie´n kleines Kind lag er in meinen Armen und wenn man´s richtig bedachte, war er ja fast noch ´n Kind mit seinen sechzehn Jahr´n. "Willste nix essen? Das Zeug is echt gut!" flüsterte ich ihm ins Ohr aber er schüttelte nur den Kopf. Er wollte lieber in mein´n Armen lieg´n. Da ging´s ihm gut.
Ich hörte den beid´n Männern gut zu, wie sie von der Suche nach Louan erzählt´n und ich kam aus dem Staunen nich mehr heraus. Das war ja was ganz neues! Louan hatte Iustus in sein´m Laden geholfen."Echt? Du hast bei Iustus gearbeitet? Wie geht´s ihm denn so? Ich hoff doch gut, oder?" Louan sagte nix. Er nickte nur.
Mit off´nem Mund hörte ich dann auch, wie Maecenas erzählte, Louan sei entführt worden. "Stimmt das?" Louan nickte wieder. "Wer war´n das? Was für Banditen? Hat da etwa Bran, diese Mistkröte dahinter gesteckt?" wollte ich wissen. Das sah diesem Drecksack mal wieder ma ähnlich! Sich immer nur an den kleinen und schwachen vergreifen.
Plötzlich stand Ursus auf und ich sah ihm noch nach. Ich wunderte mich schon, was er jetzt machte. Aber als er wieder kam und dem beiden Männern je ´nen Beutel mit Münzen überreichte, war mir alles klar. In dem Moment war´s mir ´n bisschen peinlich, dass ich den beiden nix geben konnte. Aber bedanken konnt´ ich mich wenigstens.
"Vielen Dank, dass ihr mir meinen Bruder zu mir gebracht habt." -
Kurz bevor ich das triclinium verlassen konnte, wurde ich am Handgelenk festgehalten. Ursus war es, der mich zurückhielt. Erschrocken blickte ich mich um und mein Blick musste wirklich Bände sprechen. So hatte ich mir das Wiederseh´n mit meinem Bruder nich vorsgestellt. Ich wusste, dass er sehr impulsiv sein konnte und manchmal war er´n richtiger Dickkopf. Früher hatt ich mich immer um ihn gekümmert und war nach Mutters Tod so was wie´n Ersatz für ihn geword´n. Jetzt, als er es erfahren hatte, was ich war, musste das für ihn wie ein weiterer Verlust gewesen sein. Kaum hatte er mich gefunden, hatte er mich auch schon wieder verloren.
Ich kehrte wortlos mit Ursus zu den Klinen zurück. Dann ging ich zu meinem Bruder und nahm ihn tröstend in den Arm. In gallischer Sprache, damit niemand sonst uns verstehen konnte, sprach ich leise zu ihm, was ihn wieder auf den Teppich bringen sollte.
Dann strich ich ihm übers Haar und gab ihm einen Kuß auf die Wange. Beide nahmen wir auf der Kline Platz. -
Ich hatte mich beeilt, damit ich so schnell es ging, ins triclinium kam. Auf einigen Tellern hatte ich dünne Schinkenscheiben, Oliven, Käse und getrocknete Feigen angerichtet. Ich hatte alles auf ein Tablett gepackt und noch ´nen Krug mit Wein und Becher dazugestellt. Dann lief ich los.
Von weitem hörte ich schon, dass man sich unterhielt. Ich kam der Tür zum triclinium immer näher. Dann hörte ich Louans Stimme. Ich blieb im Türrahmen stehen und lauschte. Louan war laut geworden. So wie´s aussah, hatte ihm einer gesteckt, dass ich jetzt ´ne Sklavin war. So´n Mist! Louan klang ganz verzweifelt. Dann rief er meinen Namen und sah schließlich in meine Richtung.
Ich selbst schaute ihn fassungslos an. Keinen Schritt konnt´ ich mehr tun. Nichts konnt´ ich mehr sagen. Dass mir die Worte fehlten, kam auch nich alle Tage vor.
Louans Blick lastete eine Zeit lang auf mir. "Ja, es is wahr!" sagte ich bestimmt. Man sah mir nich an, was in mir vor ging. Ich wär am liebsten weggerannt. Aber das war nich gut und Ursus gegenüber wär es nicht fair gewesen. Also trat ich mit dem Tablett näher und stellte es auf ein Tischchen ab, um das die Klinen standen. Dann schenkte ich vier Becher Wein ein und verteilte sie.
Das konnt ich mir jetzt echt nich geben! Nachdem ich alles vom Tablett auf das Tischchen gestellt hatte, machte ich kehrt und wollte wieder in der Küche verschwinden. -
Ich musste mich ja echt zusammen nehmen, damit ich nich rum gickelte, wie ´n kleines Mädchen mit blonden Ringellöckchen.
"Ja, ich find das Ding total schwer!" ...und auch so unnütz! Na gut, man war nich gleich tot, wenn einer mit ´nem Schwert oder ´ner Axt auf auf einen losging. Aber das dauerte ja ewig, bis man das an oder aus gezogen hatte! Aber Probus war das anscheinend auch ganz recht, dass es so lange dauerte. Er grinste, wie´n Honigkuchenpferd
Aha, jetzt musste ich die ganze Chose auch noch über seinen Kopf zieh´n. Er beugte sich dazu mit sein´m Oberkörper zu mir nach vorn und ich zog, so wie er´s mir gesagt hatte. Wieso hatt ich nur das dumpfe Gefühl, dass Probus dabei was im Schilde führte? Ich zog und wollte dabei natürlich auch vorsichtig sein, damit ich ihm nich weh tat. Zum Glück sah uns dabei keiner zu, denn der hätte garantiert was zu lachen gehabt. Nach ´nem kräftigen Ruck hatte ich das Ding über seinen Kopf gezog´n. "Na, sind die Ohren noch dran?" fragte ich grinsend. Jetzt hatte ich seine Lorica, oder wie das hieß, in der Hand. Wohin damit, fragte ich erst mich und dann ihm. "Wohin damit? Kann ich´s einfach auf den Boden legen?" -
Ich konnt mein Glück nich fassen! Mein Bruder stand leibhaftig vor mir. Wie immer kam´n mir bei solch´n Gelehgeheiten die Tränen. Aber das machte ja nix. Wenn man geglaubt hat, man würd den eig´nen Bruder nie wieder seh´n, dann durfte man auch ´n paar Tränen verdrück´n. Die beiden anderen Männer beachtete ich gar nich mehr. Nur Louan war noch wichtig. "Was glaubst du, wie froh ich erst bin, dass du jetzt da bist!" schluchzte ich und drückte ihn noch fester an mich. Als er mich nach ´nem Typen fragte, der da war, drehte ich mich automatisch um und sah Ursus. Ach ja, der war ja auch noch da! Den hatt ich gar nich bemerkt. Ich löste meine Umarmung, gab Louan noch ´n Küsschen auf die Backe und verschwand im Haus. Ursus Anweisungen war´n klar, auch wenn Louan sie nich verstanden hatte. Hatten die beiden Männer ihm nich erzählt, weswegen ich hier war?
Bevor ich in der culina verschwand, blickte ich nochmal zur Tür zurück. Dabei sah ich, wie mein Bruder und die zwei Männer eintraten und ins Triclinium gingen.
Ich fragte mich, was Louan sagen würde, wenn er erfuhr, dass seine Schwester jetzt ´ne Sklavin war. Das verursachte mir ganz schön viel Bauchschmerzen. Aber das bewahrte mich nich davor, für die Gäste ´n kleinen Imbiss zu richten. Mit Louan konnt ich auch später noch sprechen, wenn wir unter uns war´n. Ich hoffte doch, er dürfe hier bleiben. Wenigstens die ersten Tage. -
"Ach ja?" fragte ich ginsend, als ich das Brot auf schnitt. Ich glaubte ihm ja kein Wort. Wer half ihm denn sonst immer, wenn er seine Lorica auszog? Oder schlief er etwa in dem Ding? Seinen Helm hatte er ja alleine abzieh´n können und was darunter zum Vorschein kam, war gar nich so übel!
Aber ich war ja gar nich so! Also ging ich zu ihm hin und half ihm mit seiner Rüstung. "Puh, das is ja ganz schön schwer! Wie kann man nur den ganzen Tag mit so was rum laufen?"... und dann auch noch die halbe Welt erobern?
Zwangsläufig war ich Probus dabei näher gekommen. War´s das, was er beabsichtigt hatte? Ich musste ja gesteh´n, mir war´s nich so unangenehm. Im Gegenteil. Ich fand´s seltsam schön.
"Ich komm aus Augustodunum. Das is ´ne Kleinstadt in Gallia Lugdunensis. Naja, da hab ich bis vor ungefähr´nem Jahr gewohnt. Und dann is was blödes passiert," begann ich zu erzählen auch wenn ich darüber eigentlich jetzt nich wirklich sprechen wollte. Schließlich wollt ich ihm nich gleich erzählen, dass ich ma ´ne Diebin war. "Mein Bruder und ich, wir hab´n auf der Straße gelebt, nachdem uns´re Mutter gestorben war. Wir hatten kein Zuhaus mehr und wir musst´n uns so durchschlag´n. Naja und irgendwann is mir dieser blöde Sklavenhändler zum Verhängnis geworden. Der hat mich nach Rom gebracht. So bin ich zu Ursus gekomm´n. Und jetzt bin ich hier." Mir war das ja schon ´n bisschen peinlich.
Endlich hatte ich die ganzen Lederriemchen auseinander gefriemelt und konnte ihn jetzt von diesem Ding befreien. -
Mensch, wer war das denn schon wieder? Hier ging´s heut zu, wie im Taubenschlag. Schon wieder war einer an der Tür. Also ließ ich alles steh´n und lieg´n und ging nachseh´n. "Ja, ja! Ich komm ja schon!"
Ich war schon´n bisschen genervt, wegen der vielen Klopferei. Dementsprechend unfreundlich öffnete ich die Tür. "Ja, was gibt´s?" Zuerst sah ich den Typen, der vor einiger Zeit bei Ursus im officium war, dann viel mir noch ein anderer Fremde ins Auge und dann... galubte ich ´nen Geist zu seh´n. Zuerst stieß ich ´nen spitzen Schrei aus, weil ich nich anders konnte. Dann brauchte ich ´nen Augenblick, bis ich endlich begriff, dass das kein Traum war. "Louan!" schrie ich und viel meinem Bruder um den Hals. -
Hoffentlich konnte er diese schicksalsbehaftete Begebenheit, die Wurst ohne Brot essen zu müssen, mit ´nem ordentlichen Schluck Wein runterspühlen.
"Ich kann ja noch ma nachseh´n. Vielleicht find ich ja doch noch ´n Krümelchen Brot!" Armer Kerl, jetzt hatte der den ganzen Tag Dienst schieb´n müssen und bekam nich ma was ordentliches zu beißen.
Jetzt fing er auch noch an zu drängeln. Ich sebelte ja den Schinken schon so schnell, ich konnte. Zwei Teller stellte ich auch schon bereit, auf die ich dann je zwei Würstchen und einige Scheiben vom Schinkens legte.
"Ja, ja! Ma langsam mit den jungen Pferden! Ich mach ja schon! Willste nich erst ma dein ganzes Zeug ablegen? Könnt mir ja vorstell´n, dass das total unbequem in so ´ner Rüstung is, oder?", sagte ich grinsend.Irgendwie fehlte da noch aus auf´m Teller. Das war´n einfach zu viele Proteine und zu wenig Grünzeug! Hatt´n wir nich noch irgendwo ´n paar Oliven vergraben? Ich humpelte noch ma in die Speisekammer und sah nach.
Kurze Zeit später kam ich mit ´ner Schale Oliven und ´nem halben Brot zurück. "Probus, der Abend ist gerettet! Ich hab´ noch Brot gefund´n," rief ich ihm euphorisch zu. Dann, endlich hatte ich ma Zeit, mich zu ihm zu setzen. Ich griff nach mein´m Becher und prostete ihm zu. "Auf den Abend!" ....und darauf, dass keiner zu früh nach Hause kommt und rumnervt, dachte ich noch.Ich nahm ´nen kräftigen Schluck von dem lecker Stöffchen. "Mhm, auch nich schlecht. Ist zwar keiner aus der Gegend wo ich her komm´aber is durchaus trinkbar," sagte ich fachsimpelnd, obwohl ich eigentlich von Wein nich die große Ahnung hatte.