Beiträge von Tiberius Aurelius Avianus

    Scheinbar schien das Wissen, welches Avianus aus Germanien mitgenommen hatte, nicht auszureichen... zusätzlich dazu konnte er aus anderen Provinzen nichts berichten, da er als Quaestor Consulum nun einmal hauptsächlich in Rom und Umfeld tätig war.
    "Dann fällt Germanien wohl weg. Ich bin mir aber sicher, dass Corvinus einige brauchbare Informationen haben wird."


    Zufälligerweise fiel Avianus jetzt noch ein Thema ein, welches ihm noch auf dem Herzen lag. "Und noch etwas, Macer... ich habe eine zweites Grundstück und somit stünde meiner Aufnahme im Senat nur noch mangelnde Fürsprache der Senatoren entgegen. Hast du mir diesbezüglich Rat, befürwortest du meine Bestrebung?"

    Avianus nickte verstehend.
    "Du hast recht, Consul", kommentierte er und begann ernsthaft zu überlegen. Sicherlich war ein Cursus Iuris für die spätere Laufbahn ein sinnvoller Schritt und wenn er künftig irgendwann Senator werden wollte, würde es ihm nicht schaden, diese Kenntnisse über das Recht zu haben.
    "Ich werde eventuell versuchen, früher oder später die Zeit für den Kurs zu erhaschen... nicht, dass ich davon zu wenig hätte", nickte er. Anschließend schien ihm nichts mehr auf dem Herzen zu liegen. Obwohl... ?


    "Und Tiberius, ich hätte da noch eine Frage... nein, eher eine Bitte. Ich hoffe, du warst in dieser Amtszeit zufrieden mit meinen Diensten. Es geht darum, dass ich die Aufnahme in den Senat anstreben muss, wenn ich weiter kommen will. Habe ich mich deiner Fürsprache als würdig erwiesen?"

    Auch Avianus hatte sich ohnehin schon für die Aufnahme seiner Verwandten ausgesprochen, weshalb es nicht verwunderlich gewesen wäre, würde er der Aufnahme von Imbrex von Cotta zustimmen. Bis jetzt ergriff nur der Flavier das Wort und eine peinliche Stille schwebte in dem Raum... da sich außer Gracchus bis jetzt scheinbar niemand traute, seine Stimme zu äußern, setzte Avianus eben fort und gab seine Zustimmung.


    "Auch ich stimme der Aufnahme zu."

    Es war kein "Herein", welches Avianus aus dem Inneren vernehmen konnte, weshalb er auch brav draußen stehen blieb und sich nun genötigt sah, in den Raum hineinzurufen, so dass man seine Stimme auch im Gang hörte. Aber sicherlich würde Ursus seinen Vettern bald hinein lassen, nachdem er sich in Ordnung gebracht hatte. "Titus", rief er durch die Tür, "Ich bin's, Avianus! Darf ich hinein?" Eine eher rhetorische Frage... würde Ursus allen Ernstes den Kontakt scheuen?



    *Edit: Falsche Schriftfarbe und Anrede... nichts Inhaltlich verändert.

    Eines Mittags suchte Avianus vergeblich in allen Bereichen der Villa Aurelia nach seinem Vettern, welcher sich hoffentlich irgendwo finden lassen würde. Der junge Aurelier stand schon vor dem Cubiculum von Ursus, als ihm bewusst wurde, dass dies nun die letzte Chance war, ihn in diesem Haus zu finden. Er war sich unsicher, was er ihm sagen wollte, war doch die Bitte, die er an ihn richten würde, eher größerer Natur. Es wäre eine Qual gewesen, noch zu warten, bis der Vetter aus der Stadt endlich hier eintraf.


    Avianus klopfte drei Mal sanft auf die Türe und ließ die Ruhe auf sich einwirken, welche hier herrschte. Ob wohl der Bewohner des Cubiculums anwesend war?

    Abends, als Avianus selbst im Hause war und als er mit Sicherheit davon ausgehen konnte, dass sein Onkel ebenso anwesend war, trat er vor das Cubiculum von Corvinus. Eine Flamme nebst der Türe flackerte seicht vor sich hin und spendete Licht, sonst waren nicht mehr viele Leute in den Gängen unterwegs. Die Nächte waren zu dieser Jahreszeit auch in Italien kalt und man verließ die warmen Räumlichkeiten nur dann, wenn man wirklich etwas zu tun hatte.
    Die Geschehenisse in der Curia Saliorum Palatinorum hingen ihm etwas nach - er schätzte die Familie der Flavier und es war nie seine Absicht, jemanden zu beleidigen. Allein schon, weil er durch die Gemahlin von Corvinus an ein Grundstück für seine Karriere kam, stand er eher in der Schuld der Familie. Doch hatte er dies getan, sie beleidigt? Avianus fühlte sich eher fehlinterpretiert. Und enttäuscht, dass von der Familie letzten Endes doch keiner da war, um seinen eigentlichen Willen dem Beleidigten klar zu machen. Es war wohl wie immer die harte, grausame Welt da draußen, an die der junge Aurelier sich schon seit dem Tode seines Vaters gewöhnen musste. Grässlich. Kalt wie Eis. Hart wie Stein. Man war nun einmal alleine im Kreislauf des Lebens.


    Es waren andere Gründe, weshalb Avianus mit seinem Onkel reden musste. Zum Beispiel war da die Bitte seines Patronen. Und die Bitte um Rat.
    Er sah dem Licht zu, während er die bösen Gedanken vetrieb. Und er wartete nach seinem Klopfen, zu seinem Onkel hineingelassen zu werden.

    Auch von Avianus' Seite war das Thema gegessen und er hatte nicht vor, sich auf fruchtlose Diskussionen aufgrund einer Fehlinterpretation einzulassen. Es waren kurze, knappe, aber deutliche Worte, mit denen er die Abstimmung eröffnete. Der eigentliche Grund, weswegen die Sitzung herbeigerufen worden war.

    "Hiermit ist die Abstimmung eröffnet!"

    Es mochte sowohl im alten Rom als auch viele Jahrhunderte nach seiner Zeit so gewesen sein, dass sich jeder die Sandalen oder die Schuhe so anzog, wie sie eben passten. Avianus merkte, wie sich die Augenbraue des Flaviers wölbte und empfand dies nach seinen friedfertig gewählten Worten als eine überraschende Reaktion. Er jedoch blieb ruhig, kommentierte vorerst nicht weiter und dies mit reinem Gewissen, wohl wissend, dass er im Grunde keine bösartigen Reaktionen hätte heraufbeschwören können. "Dies steht außer Frage für eine Familie wie die Flavier. Es ging mir darum, dass die meisten Aurelier nun die Palatini besuchen und hier eine zahlenmäßige Übermacht erlangen. Unser Verhältnis wäre ausgeglichener, wenn man junge Flavier bei uns aufnimmt, die noch nach einer Sodalität suchen müssen. Du verstehst doch, Flavius? Denkst du, wir würden absichtlich das Bild heraufbeschwören, dass unsere Familie nur durch Vetternwirtschaft zum Erfolg kommt? Dem ist nicht so, auch wenn der Schein ein wenig unglücklich trügerisch zu sein scheint. Wir freuen uns über neue Mitglieder aus anderen Familien... und das können meine Verwandten bestätigen."
    Diese Aussage war, wie seine vorherige Argumentation, keineswegs provokant gemeint. Fast schon schlichterisch, wie Avianus empfand. Und da er sich nicht in die Internas anderer Familien einmischte, kam er um einen Zusatz nicht herum: "Doch sind hier einige Dinge, die mich nichts angehen und in eurer Hand liegen... für andere Vorschläge bin ich offen." Avianus war kein dummer Redner - er wusste sehr wohl, was es heißen konnte, sich um Kopf und Kragen zu reden. Egal wo, er vermied es im Grunde, in Fettnäpfchen zu treten.


    Innerlich verstand Avianus nicht recht, was Gracchus wollte. Dieser sprach im Grunde für eine Aufnahme beider Aurelier, im nächsten Moment widersprach er sich jedoch selbst indem er Bedenken an ihrer Anzahl äußerte. Es mochte für alle Sodales eine schwierige Entscheidung sein, doch für Avianus zählte hier Talent und nicht die Abstammung. Er wäre konsquent gewesen, auch einen unfähigen Aurelier, so einen kannte er glücklicherweise nicht, abzuweisen.


    "Gut, gut... ist jeder bereit für die Abstimmung?"
    Anschließend nickte er, denn er hatte im Grunde nichts mehr hinzuzufügen

    "Nicht der Rede wert", nickte Avianus und ließ seinen Patronen im Folgenden gleich auf das nächste Thema zu sprechen kommen.


    Avianus rieb sich das Kinn, während er überlegte, ob die Kontakte, die er in Germanien hatte, für die Bitte Macers ausreichten. Er kannte den Legaten Hungaricus dort als Vorgesetzten, welcher jedoch auch Patron seines Onkels Corvinus war. "Ich könnte sowohl versuchen, Informationen aus Germanien vom Legaten, als auch von Corvinus selbst aufzutreiben. Der Vorteil wäre, dass Corvinus zu Vinicius Hungaricus wegen des Patronates gut in Kontakt steht."

    Zumindest stießen die zahlreichen Ideen des Quaestors teilweise auf fruchtbaren Boden und er freute sich, damit die Arbeiten des Consuls beeinflusst zu haben. Sicherlich würde der Consul sich dazu etwas einfallen lassen und Avianus konnte er nicht schaden, wenn dieser ihn dabei, für die Zukunft, in Erinnerung behielt. Er strebte noch eine Senatsaufnahme an...


    Auf die Frage nach dem Cursus Iuris musste Avianus bedenklich den Kopf schütteln... er hatte schon Kurse absolviert, aber ausgerechnet diesen nicht. Auch fühlte er sich in Sachen Recht an seinen Vater erinnert, welcher Richter war, was ihn das Leben kostete. Er mochte diese Erinnerungen nicht.
    "Nein, ich habe den Cursus noch nicht absolvieren. So es dein Wunsch ist, könnte ich dies nachholen", sagte er und blickte ihn darauf fragend an: "Inwiefern zur Seite stehen?" Immerhin war Hilfe durch Außenstehende unzulässig - oder stand Avianus gerade auf dem Schlauch?

    Scheinbar waren es also diese berechtigten Bedenken des Flaviers, welche Zweifel in die Aufnahme weiterer Aurelier einfließen ließen. Und Cracchus hatte es durch geschickte Formulierung durchaus gut geschafft, eine eher scharfe Frage nur halb so scharf wirken zu lassen, wie sie gemeint war. Zumindest konnte man ihm keine schlechten Rednerkünste vorwerfen. Auf die Frage nach der Verwandtschaft hatte Avianus erst Stellung genommen, als seine anderen Verwandten ausgesprochen hatten, erfreut darüber, dass sich nicht nur ein Teil der Aurelier vorne präsentieren musste. "Aurelius Imbrex und Aurelius Cotta sind entfernte Vettern meiner selbst", gab auch der Magister zur Auskunft.


    Anschließend nahm er Stellung zur "aurelischen Invasion der Palatini":


    "Nun, Flavius, deine Bedenken mögen berechtigt sein und wie du richtig angemerkt hast, gäbe es außer unserer zahlenmäßigen Stärke keinen Grund, die Aufnahme abzulehnen... dennoch frage ich mich - nicht nur als Magister, sondern auch als Angehöriger unserer Gemeinschaft, warum die Flavier nicht gewillt sind, das Verhältnis durch Eintritt der eigenen Familienmitglieder auszugleichen?
    Ich bin höchst überzeugt davon, dass es bei den Flaviern gleichsam wie bei uns Aureliern talentierte Männer gibt, die man aufnehmen könnte. Es würde nichts dagegen sprechen, einige Männer zur Aufnahme hier vorstellig werden zu lassen."

    Eine kurze Pause, bis er fortsetzte.
    "Bis es bei den Flaviern so weit ist, sehen wir uns als Familie angespornt, gute Männer aus den eigenen Reihen aufzunehmen, schieben jedoch keine Riegel für Aufnahme von Mitgliedern aus anderen Familien vor. Im Gegenteil. Die Flavier und andere patrizische Familien sind hier am Zug, um unser Bild nach außen durch die Kooperation der Familien zu fördern! Wenn die Unsicherheit diese Mitglieder davon abhält, anzutreten, so lasst euch gesagt sein: Gute Männer sind willkommen. Mein Wort darauf, als Magister und ich würde durch gebrochene Versprechen nie die Ehre unserer Familie besudeln." Zur Diskussion über Fabius Antistes enthielt sich Avianus, bevor der Politiker in ihm hochkam.

    Avianus runzelte ein wenig die Stirn, denn zu wenig hatte er durchaus nicht zu tun. Er schien einen falschen Eindruck zu machen! "Ich bin so sehr eingebunden, wie ein noch nicht vollwertiger Senator eingebunden werden kann. Ich habe erst kürzlich Vorschläge zu der Arbeit des Consulen erarbeitet... ich muss nur sehen, wie der Tiberier das sieht." Scheinbar ging es im Senat die letzten Tage hoch her und Avianus fühlte sich ein wenig befremdet, als sein Patron ziemlich abrupt das Thema schloss. Aber so sollte es eben sein, er wollte ihn nicht mit Fragen durchlöchern. Sicherlich wusste jedoch auch der Consul, was er tat.


    "Ich werde sehen, ob ich etwas tun kann... lasse die ein oder anderen Reime von einigen Sklaven an gewissen Orten anbringen."


    Sim-Off:

    *Edit: Ja, das kam jetzt Reallife-bedingt ein klein wenig zu spät... tut mir leid! :(

    Avianus schmunzelte lediglich über seinen kleinen Patzer in der Wortwahl. In seinem Übereifer war die Richtigkeit seiner Aussprache scheinbar ein klein wenig untergegangen. Natürlich meinte er: Ersetzt! "Verzeih", sagte er und hörte sich die Meinung seines Vorgesetzten an. Sein erster Vorschlag schien auf positiven Anklang zu stoßen, was den Aurelier zugebenermaßen ein wenig mit Stolz erfüllte. "Danke", nickte er.


    Der nächste Vorschlag brachte den Tiberier zwar ins Grübeln, überzeugte jedoch nicht ganz. "Nun, Consul... man muss das Gesetz weder ändern, noch Schlupflöcher auftun. Man kann es lediglich ausbauen! Sieh her: Jemand, der raubt und seine Opfer tötet, begeht Raub und Mord in einem Verbrechen. Es gibt nach meinem Wissensstand keine konkretere Strafe für solche Fälle, ich möchte nicht mit Räubern anfangen, die Heiligtümer entwenden oder Diener des Kultes bestehlen! Nicht nur Raub, sondern auch Blasphemie! Verstehst du, was ich meine, Tiberius? Es ist zu allgemein gehalten, da mit Raub oft genug andere Verbrechen begangen werden und Hand in Hand gehen! Ich wäre jedoch bereit, auf deinen Wunsch hin Konkretisierungen und Ausweitungen der Gesetze zu entwerfen, welche nicht mehr Schlupflöcher schaffen, als nicht schon vorhanden. Es wären sinnvolle Erweiterungen, die nicht zu tief ins Detail gehen, aber der Rechtsprechung Gutes tun", argumentierte Avianus mit grübelnd gerunzelter Stirn.


    Auf die Sache mit der Entschädigung nickte Avianus zustimmend... da hatte Durus wohl recht und Avianus musste dies so in Kauf nehmen.

    Kurze Augenblicke lang hatte es gedauert, bis Imbrex nach vorne trat und seine kurze Vorstellungsrede eröffnete. Avianus war sichtlich neugierig, wie sich der angehende Kandidat zum Cursus Honorum wohl in der Politik schlagen mochte und lauschte den Worten seines Verwandten schweigend, ebenso wie die anderen Mitglieder der Salier. Imbrex fing damit an, seinen Bruder Cotta zu vertreten und begann mit einem Lebenslauf, wie man ihn präziser nicht schildern konnte. Erst, als er auf die Collini zu sprechen kam, musste der Magister die Zähne knirschen... sicher kannte nicht jeder die Beziehung zwischen dem Magister dieser Gruppe und den Aureliern. Doch Avianus, der dies tat, war auf Fabius Antistes alles andere als gut zu sprechen - so wenig Rechtschaffenheit hatte er nur von korrumpierten Politikern gesehen!


    Doch Imbrex tat seine Sache sehr gut und obwohl die Aurelier bei den Saliern ungewöhnlich zahlreich vertreten waren, war sich Avianus doch sicher, dass Imbrex die Aurelier auch bei den anderen Mitgliedern in ein gutes Licht rückte und von ihren Qualitäten überzeugte. So zumindest sollte es sein, hoffte Avianus. Imbrex machte jedoch eine gute Rede, wusste, wovon er sprach und war nur reif für eine politische Laufbahn. Avianus nahm das Nicken von Imbrex mit einem freundlichen Nicken entgegen, nun war er wieder am Zug. Und er konnte Imbrex´ Bild sicherlich noch ein wenig weiter verbessern.
    "Wie ihr sehen könnt, werte Sodales, wäre Imbrex mit seinen Stärken und Fähigkeiten eine große Bereicherung für uns alle - ich fände es unklug, einen guten Mann einfach gehen zu lassen", ergriff er wieder das Wort und sah auch Ursus und Corvinus in der Gruppe, welchen er kurz zunickte.


    Der Flavier Gracchhus, welcher indes mit einer kleinen, aber charmanten Verspätung aufzutauchen pflegte, ergriff anschließend das Wort, in dem Moment, als Avianus die Abstimmung eröffnen wollte. Avianus stand zwar vorne und realisierte, dass die Frage des Flaviers an die Aurelier allgemein gerichtet war, wollte jedoch als Magister und Vornestehender nicht zu sehr ins Rampenlicht rücken. Stattdessen wollte er zeigen, dass auch die anderen Aurelier gut reden konnten.

    Zitat

    Original von Publius Aurelius Imbrex
    Nach dem Gespräch mit seinem Verwandten Avianus, fand sich Imbrex rechtzeitig bei Sonnenaufgang bei der Porta ein, um gemeinsam mit Tiberius zur Sitzungshalle der Salii palatini zu marschieren. Heute würde die Vereinigung darüber entscheiden, ihn und gegebenfalls auch seinen Bruder Appius in die ehrenwerten Reihen der palatinischen Salier aufzunehmen. Die Mitgliedschaft in einer solchen, religiösen Societas war für jeden Patrizier eine Ehre und noch dazu nur diesen bestimmt. Seinem Stand und seiner ihm auferlegten Würde gerecht, bemühte sich Publius also schon früh darum den Saliern beizutreten. Avianus selbst, amtierender Magister der palatinischen Salier, war noch nicht zugegen, weswegen Imbrex einen Moment bei der Porta der Villa Aurelia verharrte.


    Überpünktlich kam auch Avianus endlich vor der Porta an. Heute hatte er sich für die Salier gut gewandet, wenngleich dies nun keine Abstimmung war, die über ein Schicksal in größerem Ausmaße entschied. Sofort grüßte er Imbrex, welcher sich scheinbar für den heutigen Tag ebenso ordentlich herausgeputzt hatte. "Salve, Publius! Du siehst gut aus", lobte er lachend, "Nur noch ein Siegerlächeln und deine Aufnahme kann niemand mehr vereiteln! Lass uns los!" So wurde es gesprochen und so ward es getan - sie machten sich auf den Weg zur Curia Saliorum Palatinorum.

    Es kam selten vor, dass wirklich alle Mitglieder der Salii Palatini gemeinsam am selben Ort zum selben Zeitpunkt aufeinander trafen. Es war einer dieser Momente, den Avianus einberufen hatte, um über zukünftige Pläne der Salier zu sprechen, aber, was noch wichtiger war, über die Aufnahme seiner beiden Verwandten in die Vereinigung abstimmen zu lassen. Einer von ihnen, Publius Aurelius Imbrex, war sogar anwesend und Avianus hatte ihm vor der Sitzung noch einen Platz gezeigt, an dem er sich setzen konnte. Er selbst jedoch stand als Magister ganz vorne, um eine kurze Rede zu halten und die anderen Mitglieder darüber zu informieren, weshalb sie heute hier waren.


    Energisches, durcheinandergewürfeltes Gerede und Gelächter erschallte im Raum, bis Avianus vortrat und mit hoch erhobener Hand die Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Schnell wurde ihm gewünschte Aufmerksamkeit zuteil, der Raum wurde bald viel ruhiger!


    "Sodales", begann er diplomatisch mit lauter Stimme, "Heute haben wir zusammengefunden und werden als ersten Tagespunkt über die Aufnahme zweier meiner Verwandten in unsere edle Gruppe abstimmen. Einer von ihnen ist Appius Aurelius Cotta, welcher leider aufgrund einer Krankheit heute nicht bei uns sein kann - er wird sich jedoch vorstellen, wenn die Zeit reif ist."
    Avianus lenkte seinen Blick zu Imbrex, welchen er mit einer Handgeste nun nach vorne bat.
    "Der andere, Publius Aurelius Imbrex, wird heute für beide sprechen. Er ist ein ehrbarer, junger und aufstrebender Mann, der bald den Cursus Honorum beschreiten wird. Die Salii dürfen sich glücklich schätzen, das Interesse motivierter, junger Männer anzuregen, die fähig sind, etwas zu leisten. Wahrlich, wahrlich - ich behaupte von meinem Verwandten, dass er sehr fähig ist. In keiner anderen Vereinigung wäre er wohl besser aufgehoben, als in der Unseren. Er hätte sich seinen Platz bei uns ohne Zweifel verdient, dafür stehe ich als Magister! Publius - stelle dich vor!"

    Einen kurzen Moment lang musste Avianus sich Gedanken machen, ob das Geschenk für Titus nicht ein wenig zu ausgefallen war. Er war sich nicht sicher, ob ein Schwert als Geschenk eine gute Idee war - doch dennoch strebte Ursus ein Kommando an und das Schwert soll Stärke symbolisieren und schützen. Das ist das, was sein Vetter sein musste. Stark sein und schützen können. Jeder Zweifel verflog, als Ursus sein Geschenk auspackte und wenige Augeblicke danach freudenstrahlte. Die Freude im Antlitz seines Vettern steckte auch Avianus an, der die herzliche Umarmung erwiderte. "Es freut mich, dass es dir gefällt, Titus. Es war auch schwer, eine solche Sonderanfertigung zu ergattern. Manche Schmiede lassen sich auf so etwas nicht ein oder fordern unrealistische Summen dafür." Avianus nahm wieder auf seiner Cline Platz und wühlte das nächste Geschenk hinaus, welches dieses mal für Imbrex bestimmt war. Er reichte es ihm mit einem freudigen Gesichtsausdruck.
    "Das, Publius, ist für dich." Es war auch etwas Unspektkuläres, aber etwas Schönes, wovon der junge Einsteiger im Cursus Honorum sicher Gebrauch hatte. Ein reich verzierter Briefbeschwerer mit edler Bemalung und eine wunderschöne, aus edlen Stoffen hergestellte Toga Pinguis.

    Avianus nickte... er wollte demnächst ohnehin in der Curia Saliorum hineinschauen und fand, dass es eine gute Gelegenheit war, seinen Verwandten gleich in die Salier mit hineinzubeziehen. Er lächelte höflich: "Du hälst mich nicht auf. Bis morgen, Publius." Und schon war Imbrex weg, verließ auf geradem Wege den Raum des Magisters und überließ Avianus wieder seiner Arbeit. "Na dann... wieder ran an´s Werk", murmelte er und studierte weiter.

    Avianus lächelte. Obwohl Imbrex kein Städtler war und sicherlich auch kaum dauerhafte Erfahrungen im städtischen Leben sammelte, war er klug genug, zu wissen, wie es in Rom zugehen konnte. Wer sich das von vorne herein klar machte, konnte eigentlich kaum schlechte Karten ziehen, da man letzten Endes doch mit allem rechnen musste.
    "Du weißt also, was Dich erwartet... das ist ein guter Anfang", nickte Avianus anerkennend. Er nannte zwar die Plebejer nicht Pöbel, wusste aber, dass man sich auf allerlei Gesindel auf den Straßen einstellen musste.
    "Ich würde sagen, wir treffen uns morgen früh bei Sonnenaufgang vor der Villa und marschieren gemeinsam zu den Räumlichkeiten der Salii."

    Und schon wurden die Themen gewechselt und so recht konnte Avianus nicht den Gedanken abschütteln, die eigentlichen Vorhaben seines Vorgesetzten stark umgekrempelt zu haben. Dennoch berichtete er.


    "Nun, ich habe mich mit dem Strafrecht befasst, in der Tat. Wie du sagtest, arbeitest du darauf hin, die Freiheitsstrafe in gewissen Fällen abzuschaffen und stattdessen die Todesstrafe durchzusetzen. Es gibt Gesetze, die ich in diesem Fall als Ergänzungswürdig erachte oder bei denen ich zu einer Ausweitung der Definition des Strafmaßes raten würde. Ein Beispiel wäre der Codex Iuridicalis, Paragraph 73 zu Mord." Avianus holte tief Luft und setzte seine Ausführungen mit entschlossenem Blick fort.
    "Wenn man lebenslage Freiheitsstrafe durchsetzt, wäre das ganze Gesetz zu verändern. Außerdem muss ich mich fragen, warum es nichts Konkretes für Beteiligte an Mord gibt - Mitwisser, direkte und indirekte Unterstützer des Mordes. Es wäre mein Vorschlag, dass man sich hierüber Gedanken macht, ob man für diese Form von Straftat noch etwas konkretisiertere Gesetze entwirft. Außerdem, Todesstrafe für ein- oder mehrfache Mörder? Weiters möchte ich auf Paragraph 92 eingehen, der sich mit Raub befasst. Obwohl Gesetz 3 Todesstrafe für extrem schwere Fälle vorsieht, erachte ich es auch hier als sinnvoll, zu ergänzen. Es geht mir hier um Verbrechen wie Raubmord oder Raub in großen Stile, zum Beispiel bestehlen von staatlichen Personen oder Institutionen. Ich würde einfach die 'besonders schweren Fälle' genauer definieren und dafür Gesetz 3 herausnehmen."


    Avianus legte eine kurze Pause ein... mit den Gesetzesänderungen war er fertig, nun zu einer persönlichen Überlegung:


    "Wenn die Todesstrafe ausweitet werden soll, brauchen wir ein System, dass weniger richterliche Fehlurteile erlaubt... ich habe kein Wissen über die letzten Senatsdiskussionen, ich hoffe nur, du hast so etwas schon einmal angeregt. Wenn es doch nachweislich zu Fehlurteilen kam und Unschuldige hingerichtet wurden... wäre es eine Idee, ein Gesetz zu entwerfen, dass den Staat zu einer gerechten Entschädigung der Betroffenen verpflichtet?"
    Sicherlich war die letzte Idee ein wenig ungewöhnlich, vielleicht jedoch eine Überlegung wert.