Beiträge von Iunia Axilla

    Erhaltungskosten/Stufe


    Sind bei jedem Betrieb angegeben (erste oder zweite Spalte bei der Übersicht, weiß nimmer genau, oder eben wenn du auf deinen Betrieb selber klickst)


    Wenn du die nicht zahlen kannst, kann dein Betrieb auch nichts produzieren. Ist wie in der richtigen Wirtschaft auch. Wenn du den Strom nicht zahlst, passiert nichts, wenn du die Maschine einsteckerst ;)

    1. Wochenwechsel ist am Montag, du kannst nur einmal die Woche produzieren, wenn vor dem Wochenwechsel der Sklave im Betrieb war.


    2. Hattest du genug Geld, um die Betriebskosten zu zahlen?

    Axilla lag schon ein Vortrag auf der Zunge. Sie musste nicht einmal überlegen und hätte alle hier anwesenden nur so zukleistern können mit Worten, Argumenten und Schlussfolgerungen. Paulina bekam ihre Stoffe also von einem Gallier? Etwa so einem Gallier, der noch vor zwei Jahrunderten alles daran gesetzt hätte, ihr die Kehle aufzuschneiden, nur weil sie Römerin war? Von dem Volk, dass nur deshalb nun mehr oder minder friedlicher Teil des Reiches war, weil es mit dem Schwert niedergeworfen worden war und ihr Anführer in einem Triumphzug nach Rom geschleppt worden war? So ein Gallier?
    Und sinnloses Blutvergießen... es gab schlecht vorbereitete Aktionen, aber wirklich sinnlose? Irgend einen Sinn hatte es immer, und Axilla weigerte sich, den Dienst an Kaiser, Vaterland und den Göttern auch nur unter irgend einem Gesichtspunkt als sinnlos zu sehen, oder das Vergießen von Blut als sinnlos anzusehen. Alles hatte einen Sinn und ein Schicksal, und erst recht der Krieg. Es war nie sinnlos, wenn Rom, um seine Grenzen zu sichern, zu verteidigen oder auszuweiten Soldaten in die Schlacht schickte. Manches mal, wie beispielsweise unter Augustus, waren solche Feldzüge nicht gut durchdacht, so dass es in Schlachten wie unter Publius Quinctilius Varus gab, wo dann viele Männer starben. Aber war das wirklich sinnlos?
    So langsam glaubte Axilla, hier unter Christianer geraten zu sein. Diese betrachteten Blutvergehen ja auch als sinnlos, beteten sogar zu einem Gekreuzigten, der sich einfach hatte fangen lassen, obwohl er Aufwiegler war. Sie wusste nicht viel über diesen seltsam intoleranten Glauben, nur, dass diese Leute einerseits Gewalt ablehnten, andererseits aber darauf pochten, dass die Götter nicht existierten. So ein wenig fühlte sich Axilla bei den Worten von Calvena daran erinnert.
    Decima Valeria besaß wenigstens die Größe, sich zu entschuldigen. Wenngleich ihr letzter Satz schon etwas merkwürdig anmutete. Axilla hatte nie behauptet, dass nur ein Mann, der schon einmal getötet hatte, auch so einer wäre. Aber mal Hand aufs Herz, welche Frau wollte nicht einen Mann, der sie verteidigen konnte, und das mit mehr als Worten? Wenn man über Land reiste, was war einem da lieber? Ein Dichter, oder ein Kämpfer? Es war ja nicht so, als ob hier alles immer friedlich wäre. Jeden Tag wurde irgendwo jemand abgestochen. Kaum eine Frau mit Verstand ging ungeschützt durch die Gegend – was Axilla folglich zu einer Frau ohne Verstand machte, weil sie das doch hier und da tat. Einige hatten sogar ausgebildete Leibwächter um sich herum. Und für Axilla selber war ein Mann sowieso nur so einer, wenn er sich auch wie ein Kerl benehmen konnte, was die Fähigkeit zur Gewalt mit einschloss. Mit einem lieben, netten, immer zuvorkommenden und vorsichtigen Mann wäre sie unglücklich.
    Daher konnte sie diesen Einwand auch nicht verstehen und ärgerte sich, dass die Decima einfach wieder das Thema wechselte, als wäre nichts gewesen. Axilla ließ sich brütend zurücksinken und sagte nichts. Was sollte sie schon sagen? Dass ihr das hier alles zu weich und zu süß war? Sie glaubte nicht, dass das jemand hier verstehen würde.


    Und da begriff sie etwas anderes. Diese Frauen hier: Die waren nicht etwa böse oder dumm. Nein. Sie wussten nur nichts. Die Erkenntnis traf Axilla wie ein Blitz. Sie fühlte sich meistens immer unwichtig und dumm, weil sonst Axilla diejenige war, die nichts wusste. Aber in diesem einen Punkt, wenn es um Ehrgefühl und Krieg, die Ehre des Imperiums und Schlachten ging, da wusste sie einfach mehr. Da hatte sie das Glück, von ihrem Vater nicht in Watte eingepackt worden zu sein, nicht fernab von dem, was geschah, aufgewachsen zu sein, nicht in Unkenntnis der Auswirkungen von Blutvergießen erzogen worden zu sein. Sie wusste, warum das geschah, und warum es so wichtig war! Sie wusste, wozu Krieg gebraucht wurde, um seine Bedeutung für die Götter, um die Gefahr von anderen Völkern, die nur zu gern den Reichtum Roms ihr Eigen nennen würden. Sie wusste einfach! Und die anderen hier, die wussten scheinbar nicht.
    Axilla sank wieder auf ihre Steinbank und blieb eine Weile bei ihren Gedanken, hörte dem folgenden Gespräch gar nicht mehr zu. Es interessierte sie auch eigentlich nicht besonders, denn im Gegensatz zu den anderen lag ihre Unkenntnis bei diesen scheinbar weiblichen Themen wie Mode und Zeitvertreib. Nein, sie war ganz gefangen von der Erkenntnis, dass sie zum ersten Mal begriff, was mit ihr anders war als mit vielen anderen, und das war nicht einmal ein schlechtes Gefühl.

    Erst passierte gar nichts. Entweder musste Archias überlegen oder er hatte einfach einen so guten Schlaf, dass er nichtmal merkte, wenn neben ihm jemand ins Bett krabbelte. Dann aber hörte Axilla etwas, das man unmöglich verstehen konnte, es war wirklich nur leises Gemurmel, und sie hatte schon das Gefühl, dass es vielleicht keine so gute Idee gewesen wäre, um diese Uhrzeit nochmal zu ihm zu kommen. Doch dann drehte er sich herum, legte eine Hand auf ihren nackten Bauch und kuschelte sich an sie.
    Axilla lächelte in die Dunkelheit. Vermutlich war er zu müde, um mehr zu machen, als so zu kuscheln, aber sie würde bleiben dürfen. Sie schmiegte sich etwas mehr an ihn, drehte sich leicht, damit es für sie beide bequemer war, und schloss die Augen. Eigentlich wäre jetzt einfach nur einschlafen auch sehr schön. Ganz leicht streichelte sie ihm ein wenig über den Arm und die Hand an ihrem Bauch. Sein Bart kitzelte ihr leicht an der Schulter.


    Moment! Bart? Axillas Körper spannte sich an, und sie war mit einem Mal wieder vollkommen wach. Still blieb sie liegen und achtete noch einmal genau auf das, was sie fühlte. Ja, da waren Haare an ihrer Schulter, die sich nach Bart anfühlten. Möglichst unauffällig streichelte sie den Arm entlang hinauf, drehte sich dabei wieder leicht, um sich nicht zu verrenken, bis zu diesen kitzelnden Haaren. Sie berührte das Kinn des Mannes nur mit Fingerspitzen, aber da war eindeutig Bart.
    Wo war sie? Und wer war das?! Hoffentlich war er wirklich so sehr im Halbschlaf, wie Axilla vermutete. So langsam realisierte sie, dass sie bei einem wildfremden Mann im Bett lag – und zwar splitterfasernackt – der sie so halb in seinen Armen hielt. Und sie bekam Panik. Mit zittrigen Händen streichelte sie ein wenig weiter und hoffte, der Mann schlief genug, dass sie sich wieder genauso unauffällig aus dem Bett herausschummeln konnte, wie sie sich hineingeschummelt hatte. Also versuchte sie, ganz vorsichtig, seitlich aus seiner Umarmung herauszurutschen.

    Er zog sie an sich. Ein Kribbeln ging dabei durch Axillas Rücken, und sie schmiegte sich in seinen Arm. Er wusste, was er wollte, und er nahm es sich, und Axillas Körper reagierte einfach, ohne zu denken. Nicht, dass sie dazu noch in der Lage gewesen wäre. Aber so bestimmt, wie er war, stillte es eine Sehnsucht in Axilla, und nur zu breitwillig ließ sie seine Zunge ihren Mund erobern. Sie schmiegte sich in seine Umarmung, stöhnte, als sie seine Hand in ihrem Nacken fühlte, und rückte mit ihrem Unterkörper leicht mehr auf seinen Schoß. Jeder Gedanke war vergessen, noch ehe er gekommen war. Das bisschen an Verstand, was nicht schon in Wein ertränkt worden war, ersoff in einer Welle an Lust, und nur Axillas Instinkte und Gefühle blieben zurück. Und die waren weinvernebelt genug, Piso alles zu geben, was er wollte.
    Er schmeckte nach Wein. Nein, er schmeckte besser als Wein, er schmeckte nach Mann. Axillas Augenlider flackerten, als stünde sie kurz vor einer Ohnmacht – und allzu weit war sie davon auch gar nicht weg – und atemlos lösten sich ihre Lippen, als sie ihren Kopf in den Nacken warf, um ihm ihren blanken Hals zu präsentieren, während ihre Hände sich in sein Haar verkrallten. Nur am Rande bekam sie die Kommentare mit und schaffte es noch, zu denken, dass sie allein sein sollten, ehe sie weitermachten. Allerdings kam statt einem artikulierten Satz nur ein sehr gelalltes “Warte...“ raus.
    “Wir haben auch preisgünstige Zimmer....“ hörte sie von einer Stimme, die ihr bekannt vorkam, und sie musste kichern. Ja, vermutlich wäre ein Zimmer jetzt nicht schlecht. Bestimmt sogar wäre es nicht schlecht. Dann konnte Piso sie weiterküssen, ohne diese lästigen Blicke hier um sie herum.

    Zehn Sesterzen. Soviel kostete also eine Lüge. Soviel kostete die Ehre einer Frau. Die Ehre einer Familie. Ein Leben, dass sie weiterführen konnte, während ein anderes erlosch. Zehn Sesterzen. Axilla war sich nicht sicher, was sie darüber dachte, dass es nur zehn Sesterzen waren. Wirklich froh war sie nicht. Auch nicht wirklich erleichtert. Aber auch nicht wirklich traurig. Zehn Sesterzen. Es war so... logisch.
    Axilla suchte ihren Geldbeutel und fischte ein paar Münzen heraus. Viel hatte sie natürlich nicht dabei, aber zehn Sesterzen waren auf jeden Fall in ihrem Beutel. Sie zählte den Wert ab und gab es Crios, ohne zu wissen, was sie davon halten sollte. Als er sagte, dass sie einen eventuellen Einsatz von ihm, wenn es zu Komplikationen kam, extra vergüten konnten, nickte Axilla nur stumm. Ja, vermutlich war das am gerechtesten.
    “Du musst noch sagen, wo mein Sklave dich zur Not finden kann. Es wird ja dann... in der Nacht sein. Oder schläfst du hier auch?“
    Wenn es wirklich zu schweren Komplikationen kam, so dass sie einen Iatros brauchte, dann vermutlich nachts, wenn sie doch zu stark blutete, oder vergleichbares. Und diese Taberna hatte ja nicht nachts geöffnet.


    Bei seiner zweiten Frage aber musste Axilla wirklich überlegen. Was sollte er Seiana sagen? Lügen, immer noch mehr Lügen. Ob das wohl jemals aufhören würde? Sie log schon so viel, erst wegen Silanus, dann wegen Timos, jetzt wegen Archias... so viel Lügen, die sie hoffentlich nicht eines Tages noch einholten. Manchmal wusste Axilla ja schon selber nicht mehr, wie die Wahrheit eigentlich war.
    “Nein, sag ihr ruhig, dass ich hier war, und dass wir die Ursache für meine Übelkeit gefunden und behandelt haben.“ Das war zumindest der Wahrheit am nächsten. “Sag ihr nur nicht, was es war...“ Das hatte er ihr zwar schon vorhin versprochen, aber Axilla wollte es gerne noch ein zweites Mal hören.

    Genau genommen hatte Axilla nicht den geringsten Hunger, auch nicht auch Kuchen. Auch wenn der wirklich lecker aussah, Axilla konnte sich selbst nicht davon überzeugen, wirklich was zu essen. So stand sie eigentlich nur hier und genoss es, aus diesem ganzen Trubel herauszusein. Sie war einfach nicht dafür geboren. Urgulania hatte zwar ihr möglichstes getan, dass sie sich in der Gesellschaft zurechtfand. Sie hatte sie sogar ganz allein ein Gastmal geben lassen, nur zur Übung, obwohl der Besuch niemand unwichtiges war. Aber Axilla war nunmal Axilla. Und sie würde jederzeit lieber barfuß durch den Wald rennen, nur mit sich allein, als hier auf so einer feinen Veranstaltung dekorativ rumzustehen und „Sprechen, ohne was zu sagen“ zu üben. Das eben mit Serrana, Romana, Antoninus und nun auch Libo war ihr schlicht und ergreifend auch etwas zu viel geworden. Ihr tat es zwar irgendwie Leid, ihre Cousine da nun stehen zu lassen, aber wenn auch nur noch ein weiterer zu ihrer Gruppe dazugekommen wäre, hätte sie wohl noch geschrien und sich ihren Platz freigeboxt. Als sie sich kurz umdrehte, sah sie, dass dieser jemand Germanicus Sedulus gewesen wäre, und Axilla war ein bisschen beruhigt. Der würde sicher mindestens genauso gut, wenn nicht um Längen besser als sie, auf Serrana aufpassen können. Höchstens, dass Axilla Anstandsdame zwischen den beiden hätte spielen sollen, wäre anzumerken, aber daran dachte die junge Iunia nicht. Sie drehte sich wieder vom Geschehen weg, um sich Alibi-mäßig ein Stück Kuchen zu nehmen. Sie hatte nicht vor, ihn zu Essen, aber wenn sie ohne Kuchen in der Hand hier herumstand, sah das vielleicht komisch aus.


    Allerdings rettete sie das nicht lange vor Gesellschaft, denn der Iulier, der kurz vor ihrer kleinen Flucht zur Gruppe gestoßen war, kam ihr hinterher. Als sie so unvermittelt – und vertraut – angesprochen wurde, hätte Axilla beinahe vor Schreck den Kuchen fallen lassen. Sie drehte sich auf dem Absatz um und schaute ganz verwirrt zu dem Jungen, dessen Namen sie sich jetzt bei der kurzen Begrüßung nicht gemerkt hatte. Und er redete mit ihr, als wären sie alte Freunde. Axilla stand einen Moment der Mund etwas offen vor Verwirrtheit, ehe sie sich gefangen hatte.
    “Ähm... ja“, antwortete sie etwas sehr vage, weil sie vor lauter Schreck nicht so ganz sicher war, was er sie jetzt eigentlich gefragt hatte. Das mit Ägypten, oder Gesellschaft, oder Rom? Er war ungefähr in ihrem Alter, aber Axilla hatte ihn in Alexandria nie gesehen. Naja, vielleicht kam er ja von woanders, Memphis oder Theben oder von einem der Posten weiter im Osten. Ägypten war schließlich größer als eine einzelne Stadt, und auch die war sehr groß. Auch wenn man die römischen Familien dann eigentlich doch kannte, und Iulier wären Axilla neu. Mochte aber auch an der alten Geschichte vor etwas über hundert Jahren liegen.
    “Entschuldige, ich... hab nicht so richtig mitbekommen, wer du warst?“ fragte sie schließlich, ohne sich wirklich von ihrem Schreck erholt zu haben. Auch wenn sie selber meistens einige Schritte übersprang bei einem Gespräch mit jemandem, was Annäherung anging, war ihr dieser Sprung von unbekannt zu dem hier etwas zu schnell und zu nah.

    Septima vertrieb Axilla, wenngleich charmant, von ihrem Platz, so dass die Iunia erstmal im Becken war und sich nach einer neuen Anlehn-Möglichkeit umsehen musste. So beteiligte sie sich nicht so viel an dem Gespräch, das sich entwickelte, bis sie eine neue, bequeme Stelle sich erobert hatte und nun an anderer Stelle am Rand hockte. Allerdings kam sie wohl gerade zum richtigen Wortwechsel wieder dazu, denn ihr blieb geradezu der Mund offen stehen über das, was sie hier hören musste.


    Zitat

    Original von Aelia Paulina
    “Ein Krieg? Ist nicht immer irgendwo Krieg? Und wenn mal überall Frieden herrscht, wird dann nicht einer vom Zaun gebrochen? Ich glaube manchmal, unsere Männer langweilen sich und fühlen sich überflüssig, wenn sie nicht irgendwo auf der Welt kämpfen, oder wenigsten den heldenhaften Beschützer spielen dürfen.“


    Zitat

    Original von Decima Valeria
    "Das stimmt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass man unter Männern nur dann als Mann gilt, wenn man ein Soldat ist oder es zumindest mal war",


    Das meinten die doch wohl nicht allen Ernstes? Was waren das für Frauen, die... die... die... die Ehre der Männer, die für ihre verdammte Sicherheit vor den ganzen Barbarenstämmen, die es da draußen gab, so ins Lächerliche zogen?
    “Mein Vater war auch Soldat. Tribun, um genau zu sein, und er fiel in Nord-Hispania. Meine Onkel Decula und Lucullus fielen in Parthia. Mein Onkel Serenus fiel im Dienst der Legio I.. Flavius Iunius Valentius starb nach seiner Rückkehr vom Feldzug mit dem großen Decimus Maximus an einer Wunde, die sich wohl noch entzündet hatte .“
    Sie schaute die beiden Weiber – denn nichts anderes waren die beiden in diesem Augenblick für Axilla - mit einem Blick an, der wohl deutlich ihre Abneigung gegen solch leichtes Geschwätz in diesem Punkt transportierte.
    “Und sie haben das sicher nicht aus Langeweile gemacht, oder um zu beweisen, dass sie Männer waren. Was seid ihr nur für Frauen?“ schnappte sie wütend. Axilla konnte ja schon immer besser mit Männern als mit Frauen umgehen, aber bei dieser Lästerei trat es im Gegensatz zu meistens offenkundig zutage. Axilla verstand in einigen Punkten keinen Spaß, und die Ehre von Soldaten gehörte dazu. “Sie haben es gemacht für die Ehre, und für die Sicherheit des Reiches. Für diese verdammte Therme hier, damit hier römische Frauen baden können, ohne von Barbaren überfallen und vergewaltigt zu werden. Damit auf dem Markt die Stoffe für eure Kleider sind, das Getreide in euren Häusern. Für den Ruhm der Götter, für Mars und Iuppiter. Um die römischen Tugenden – Virtus, Fides, Pietas – zu demonstrieren und zu leben, im Dienst für den Kaiser. Um die Grenzen zu sichern und zu erweitern, damit Rom noch tausend Jahre steht, blüht und gedeiht. Damit die Kinder hier mit der hohen Kultur und den Werten Roms aufwachsen können, ohne Furcht haben zu müssen, von Wilden mit scharfen Klingen abgemetzelt zu werden. Dafür gibt es Soldaten. Nicht, weil Männern langweilig ist.“


    und weil Axilla grade so schön in Schwung war, gab sie auch noch ihre ehrliche und damit sehr unpolitische Meinung zu Salinator zum Besten. “Und dieser Salinator... Meine Cousine hat Klage eingereicht gegen Terentius Cyprianus wegen einer Morddrohung. Er hat es abgelehnt, einfach so, ohne Begründung. Und jetzt ist sie tot. Reicht das, um zu verstehen, was ich von ihm halte?“


    Oh, da werden Weiber zu Hyänen. Oder zumindest eine Iunia zu einer krallenbewehrten Furie. Aber sie war nunmal in diesem Punkt leicht zu erregen, und auch, wenn es ihr jetzt schon Leid tat – naja, so halb – war sie der Überzeugung, dass es richtig war, die Ehre der Soldaten zu verteidigen vor diesem sinnlosen Geplapper.

    Nun, was auch immer es gewesen sein mochte, Axilla interpretierte es als eine Aufforderung, das Zimmer zu betreten. Ganz vorsichtig und leise schob sie die Tür auf und huschte in den dunklen Raum dahinter, um hinter sich die Tür ebenso vorsichtig wieder zuzuziehen. Hier drinnen war es dunkel, und Axilla hatte Angst, in dem vermuteten Chaos etwas umzuschmeißen, und so bewegte sie sich vorsichtig zum Bett. Aber entweder hatte Archias noch aufgeräumt, oder sie hatte Glück, denn sie stieß nirgends an, bis sie beim Bett angelangt war.
    “Ich kann nicht schlafen. Kann ich bei dir bleiben?“ flüsterte sie ihren einstudierten Satz schnell dahin, als sie ihre Bettdecke neben dem Bett fallen ließ und zu ihrem vermeintlichen Freund ins Bett stieg, ohne die Antwort darauf wirklich abzuwarten.

    Ja, eindeutig flauschig, die Tunika war das flauschigste Flausch, das Axilla kannte. Naja, vielleicht nach Flauschehäschen. Aber nur knapp. Sie kuschelte sich an Piso, und weil in dieser Position seine Knie im Weg waren, legte Axille ihre Beine einfach kurzerhand über seine, so dass sie sich bequemer an seine Schulter seitlich kuscheln konnte. Piso umarmte sie sogar, wie sie mit einem zufriedenen Lächeln feststellte. Dass er weitertrank, störte sie nicht. Sie wollte nur schmusen, und das konnte sie gerade prima. Sie hatte sogar im Moment beide Hände frei, denn ihr Becher stand noch auf dem Tisch. Egal, war eh kein Wein mehr drin. Obwohl sie noch gut einen Becher hätte vertragen können. Aber dafür nun diese bequeme Position verlassen? Niemals!
    Und dann strich Piso über ihre Wange und sah sie an. Es dauerte einen Moment, bis die Frage in ihr vernebeltes Hirn vorgedrungen war, und sie musste automatisch lächeln. Schüchtern nahm es immer wieder ab, um dann noch heftiger zuzunehmen, während sich eine leichte Schamesröte zu der Weinröte hinzugesellte. Axilla streichelte Piso leicht über die Brust und überlegte, mit einem einfach nicht auslöschbaren Lächeln im Gesicht.
    “Ich bin gern bei dir“, antwortete sie schließlich etwas vage und beugte sich dann zu seinem Ohr vor, um zu flüstern. Auf dreiviertel des Weges aber überlegte sie es sich doch anderes und mit einem kurzen, wohligen Laut entschied sie sich doch dazu, ihn jetzt lieber küssen zu wollen. Dass das in der jetzigen Position ohne sein Zutun gar nicht ging – weder das eine noch das andere – war ihr dabei nicht wirklich bewusst. Sie vertraute einfach darauf, dass alles schon klappen würde, und bewegte sich dementsprechend.

    Oh ja, der Wein hier war gut. Der war sogar noch besser als der letzte, den sie mit Piso getrunken hatte. Naja, vielleicht war er auch einfach nur stärker, das konnte auch sein. Auf jeden Fall stieg er ihr ganz schön in den Kopf. Und so fiel ihre Reaktion auf Archias' Lamentieren auch etwas verspätet, ebenso wie die Einsicht, dass er das Ernst gemeint hatte. Wieder glitt ihr Blick zu Piso, der sie dabei erwischte und zurücklächelte. Ertappt senkte sie den Blick wieder in ihren Becher und schaltete die Ohren für einen Moment auf Durchzug. Einfach nur auf den Wien konzentrieren. Wer brauchte da schon was zu essen? Auch wenn es herrlich aussah und herrlich schmeckte, axilla hatte sowieso keinen Hunger. Naja, vielleicht bis auf eine Sardelle. Hmm, dazu der süße Weißwein, den sie getrunken hatten... oder noch besser, was richtig süßes! Irgendwas mit Honig? Wobei, ne, ih, bah, Honig und Salz, allein, dass sie sowas denken konnte erklärte ihre andauernde Übelkeit.
    Als Archias und Piso von den Ställen ihrer Häuser erzählten, musste Axilla mit einem Mal laut loskichern. Sie wusste nichtmal selber so genau, was so komisch gewesen war, aber sie konnte nicht aufhören. Es war furchtbar, sie musste laut lachen. Sie hielt sich mit beiden Händen den Mund zu und gluckste nochmal, aber wirklich aufhören konnte sie erst nach weit über einer Minute.
    “Tschuldigung“, meinte sie betreten, musste aber gleich wieder glucksen und sich den Mund zuhalten, um nicht erneut laut loszulachen.
    “Nur der Kleingeist hält Chaos. Das Genie [size=6]...hicks...[/size] überblickt die Ordnung“ dozierte sie widersinniger Weise, merkte, dass es falsch war, und musste noch mehr kichern. “Andersrum“, gluckste sie, als sie sich einigermaßen gefangen hatte.

    Oh je, das hatte sie schon fast gedacht. Aber wie erklärte Axilla nun, dass sie nicht wollte, dass Seiana dafür bezahlte? Aber sie wollte das wirklich, wirklich nicht. Das erschien ihr nur noch Unrecht zu sein.
    “Nein, nein, du brauchst ihn nicht holen. Es ist nur... das ist meine Sache, verstehst du. Wenn es irgendeine Krankheit gewesen wäre, dann... aber... das ist mein Fehler und meine Entscheidung. Ich will nicht, dass sie...“
    Puh, Axilla musste erstmal tief luftholen und stieß sie langsam und geräuschvoll wieder aus. Ein wenig hilflos hob sie die Hände. Wie erklärte sie es nur, ohne die Wahrheit zu sagen? Und die konnte sie unter gar keinen Umständen sagen. Dann würde Crios ihr vermutlich das Fläschchen sofort wieder wegnehmen. Achwas, vermutlich, bestimmt! Wenn er erkannte, um wen es ging, und auch nur einen Funken Loyalität im Leib trug, würde er sie zum Orcus jagen.
    “Sag mir einfach, wieviel ich dir für deine Dienste schuldig bin, und vergessen wir den Brief einfach. Ich will nicht, dass jemand anderes dafür bezahlt. Für alles andere, aber... nicht dafür.“

    Weder von seinen Blicken, und erst recht nicht von seinen Gedankengängen, bekam Axilla irgendetwas mit. Sie war auch nicht betrunken, nein, nein, sie fühlte sich klar wie selten. Sie hörte Geräusche, von denen sie nichtmal wusste, dass es sie gab! Sie war sich sicher, dass der Holztisch vor ihr ein Geräusch hatte. Ein... holziges Geräusch. Ein geradezu eichenholziges Geräusch! Wunderschön.
    Und Gerüche! Oh, Piso roch gut. Er roch geradezu phänomenal gut. Sie wusste nicht, nach was. Wahrscheinlich Seife. Aber es gefiel ihr, so an seiner Seite zu kuscheln und bei ihm zu sein. Er war warm, und hatte eine geradezu komfortable Kuhle da, wo ihr Kopf an seiner Schulter lag. Und seine Tunika war auch toll. So... flauschig. Ja, genau, flauschig. Schön flauschig.
    Nein, Axilla war sicher nicht betrunken, ganz und gar nicht. Sonst könnte sie das alles ja gar nicht bemerken. Höchstens eine Winzigkeit beschwippst. Aber nur minimal. Und da man auf einem Bein nicht stehen konnte, goss sich Axilla lieber nochmal nach. Sie hatte ja erst.... fünf Becher? Auf jeden Fall zu wenig.
    “Wieso denn? Isch doch schön hier, und wir haben doch noch scho viel Wein übrig. Der scholl doch nich schlecht werden?“
    Warum sollten sie denn gehen? Wie zum Beweis leerte Axilla ihren Becher und schenkte nochmal nach. Sie glaubte, es war diesmal noch vom ersten Krug mit dem Weißwein. Aber das war ohnehin egal. Irgendwie schmeckte sie jetzt keinen Unterschied mehr heraus, es schmeckte nur noch eines: Guuuuuuuut.
    Aber dann kam Axilla eine Idee, warum Piso gehen wollen könnte, und verschwörerisch schaute sie ihn an, ehe sie immer diebischer lächelte. “Flaviusch...ne, Flavius Piso. Willscht du etwa mit mir allein sein?“ Ihr Blick wurde geradezu wagemutig, aber sie hielt ihn nur etwa eine Sekunde, ehe sie freudig grinsen musste und ihm kurzerhand um den Hals fiel. “Das find ich süß von dir“ jauchzte sie dabei und kuschelte sich dann ziemlich dicht an ihn. Oh ja, er roch wirklich gut. Und er hatte so schöne, graue Augen.


    Als Axilla meinte, sie vertrage keinen wein und würde schnell betrunken, hatte sie wohl ein klein wenig untertrieben. Aber das kümmerte sie jetzt auch nicht mehr, ebensowenig wie die Blicke in der Taverne, die teils schon in leise Kommentare übergingen, gefolgt von tiefem Lachen. Für sie war nur interessant, dass Piso sie gern hatte. Zumindest hatte das ihre unbestechliche Logik in diesem Moment so zusammengefasst.

    Vom Gästezimmer hierher war es nicht wirklich weit. Wenn man im Dunkeln aber und nur mit einer Decke bekleidet dahinhuschte wie ein Dieb und eigentlich damit rechnete, an jeder Ecke von einem Prätorianer aufgegriffen zu werden – immerhin war man ja im Palast – kam einem die Strecke wie eine Ewigkeit vor. Zumindest Axilla. Und so war sie nicht nur hellwach, sondern auch durchgefroren und furchtbar nervös, als sie vor dem vermeintlichen Schlafzimmer von Archias ankam. Dass das eigentlich noch ein paar Türen weiter lag, hatte sie im Dunkeln wohl nicht bemerkt. Normalerweise hatte Axilla einen ziemlich guten Orientierungssinn, nur im Moment war der wohl ziemlich verloren gegangen.
    Sie stand vor der Türe und sah sich nochmal nach links und rechts um. Was machte sie hier nur? Sie sollte zurückgehen und Archias in Ruhe einfach schlafen lassen. Sie wusste ja, dass er Seiana liebte, und sie hatte Seiana ja sogar gern. Sehr gern sogar. Was also, bei allen Göttern der Unterwelt, tat sie dann hier nur? Außer, sich vor Unsicherheit fast in die nicht vorhandene Hose zu machen und zittern?
    “Was sag ich ihm überhaupt?“ fragte sie im Selbstgespräch sich leise. Sie wusste es nicht. Ihr Plan war nur bis dahin gegangen, dass sie bei ihm anklopfte. Und dann? Sie konnte ja schlecht nichts sagen und zu ihm ins Bett steigen?
    Wobei... ihn zurückzudrängen ohne Worte, die Decke fallen zu lassen und dann Taten sprechen zu lassen... hätte schon was... aber nein, das konnte sie nicht machen. Auch wenn der Gedanke sie zum Grinsen brachte, das ging auf keinen Fall. “Ich kann nicht schlafen. Kann ich bei dir bleiben?“ Sie überlegte kurz, wie es klang. Nicht perfekt... aber... es würde gehen. Was besseres fiel ihr nicht ein. Sie übte es noch zweimal leise für die richtige Tonlage, und klopfte dann an. Vielleicht schlief er schon? Sie klopfte nochmal direkt hinterher. Lauter. Hoffentlich kam jetzt keiner den Gang entlang. Axilla drehte sich sicherheitshalber nochmal seitlich und schaute den Flur hinunter.

    Sag was... los, gleich ist er weg, sag was!
    “Äh, Caius?... Ich... wollte nur noch sagen... gute Nacht!“
    Ihr Lächeln, mit dem sie ihn bedachte, war mehr bedauernd und entschuldigend als aufmunternd. Ihre ganze Gestalt wirkte eher bedauernd und entschuldigend. Verdammt, sie wollte doch nicht, dass er ging. Sie Wollte doch, dass er blieb. Aber sie musste ihn gehen lassen. Hätte sie in diesem Moment bereits gewusst, was Crios bei ihr eine Woche später feststellen würde, hätte sie wohl mehr gesagt. Vermutlich hätte sie ihm alles gesagt, nur damit er nicht wegging. Aber sie wusste es nicht, und sie konnte ihn nicht bitten, zu bleiben.
    Sie tauschten noch ein Lächeln, und dann war er aus dem Zimmer und die Tür war zu. Axilla war allein. Sie blieb noch einen Moment stehen und sah zur Tür, ehe sie durchatmete und sich umsah. Irgendwie war ihr kalt, und die Wände kamen ihr näher. Sie rieb sich fröstelnd die Oberarme und bewegte sich ein paar Schritte.
    “Warum hast du nichts gesagt? Wär es denn so schwer gewesen? Hätte es denn wirklich einen Unterschied gemacht?
    'Caius, ich will heute Nacht nicht allein sein. Kann ich bei dir schlafen? Wir müssen auch nicht miteinander vögeln wie zwei liebestolle Katzen, es reicht mir schon, wenn ich mich an dich kuscheln darf.' Wär das denn so schwer gewesen? Doofe Kuh!“

    Frustriert setzte sie sich aufs Bett und stütze den Kopf auf ihre Hände. Sie war nicht wirklich böse, weil sie ihn nicht aufgehalten hatte, noch nicht einmal, weil sie nichts gesagt hatte. Sie war böse auf sich, weil sie es gerne wollte. Ihr Geist war unehrlich genug, es sich zu überlegen, aber ihr Fleisch zu schwach, um es umzusetzen. Oh, wenn sie wenigstens wirklich reuelos sein könnte, oder wirklich tugendhaft. Warum nur musste sie in diesem 'dazwischen' feststecken, wo sie selbst dieses grau doch hasste wie nichts anderes. Schwarz, weiß, kein Larifari, so hatte sie es gern. Aber nein, nichtmal bei sich selbst konnte sie so konsequent sein.
    Sie machte schließlich eine wütende, wegwerfende Bewegung und ließ sich rücklings auf das Bett fallen. Schlafen... wie sollte sie jetzt schlafen? Wie sollte sie heute Nacht auch nur ein Auge zumachen?


    Nach etwa einer Stunde hatte Axilla sich soweit beruhigt, dass sie es zumindest versuchen wollte. Sie zog sich also aus und legte ihr Kleid fein säuberlich auf den Stuhl im Zimmer. Sie nahm sich sogar die Zeit, an dem Waschtisch die Tinte so gut es eben möglich war von ihren Fingern zu schrubben, und legte sich dann ins Bett.
    Inzwischen war es schon stockduster, und Axilla hatte keine Ahnung, wieviel Zeit vergangen war. Eine Stunde? Zwei? Eine halbe? Ob schon Mitternacht war? Sie drehte sich um. Einfach Augen zumachen und schlafen. Konnte ja nicht so schwer sein. Einfach ignorieren, dass Archias keine hundert passus weiter war, warm, sicher, zärtlich. Einfach nicht an seine Haut denken, an seinen geruch, nicht an das Gefühl der Geborgenheit bei ihm. Einfach Augen zumachen und schlafen. Wie schwer konnte das schon sein?


    War das ein Vogel im Garten? Welcher Vogel sang denn so spät nachts? Wer sollte da denn schlafen, bei dem Gesinge? Na, eigentlich war es ja ganz hübsch... aber...
    Und wieder herumgedreht und in die Decke gekuschelt.



    So ging es noch eine ganze Weile, von einer Seite auf die andere, das Kissen neu zerknüllt, verkehrt herum ins Bett gelegt, aufgedeckt, zugedeckt, auf den Rücken gelegt, auf den Bauch, auf die Seite. Allein, es nützte alles nichts. Sie machte kein Auge zu.
    “Verdammt. Aber nur dieses eine Mal. Und nur heute, und dann nie, nie wieder.“


    Axilla machte sich nicht die Mühe, ihr Kleid wieder anzuziehen. Sie behielt einfach nur die Decke um und öffnete die Tür. Der Gang dahinter war auch dunkel und still, immerhin war es mitten in der Nacht. Leise wie ein Schatten huschte die Iunia also mit ihrer Decke bekleidet dahin, wo sie meinte, sich zu erinnern, dass Archias Zimmer gelegen habe.

    Naja, wenn Archias sie nicht vorstellen würde, würde es wohl nie passen, weil Axilla Quarto nie kennenlernen würde. Aber es ging ihr ja auch gar nicht darum, ihn kennenzulernen, auch wenn er Senator und der Bruder des Kaisers war. Das war Axilla sogar ziemlich wurscht, ihr ging es wirklich nur darum, dass er hier der Hausherr und sie der Gast war, auch wenn sie sich nach wie vor wie ein Eindringling fühlte. Aber sie sagte auch schon gar nichts mehr dazu, sondern nickte nur stumm und sah sich weiter um.
    Ihr Blick streifte die Blumen und instinktiv berührte Axilla kurz ganz sanft die Blüten, als müsse sie damit bestätigen,d ass sie real waren. Alles hier wirkte etwas unwirklich auf sie.
    “Ja, es ist sehr...“ Was hatte Archias erst vor wenigen tagen bei dem Abendessen gesagt, wie das Leben bei den Aeliern war? “... angenehm und... heimelig.“
    Wirklich überzeugt klang es zwar nicht, aber das hieß nicht, dass es nicht stimmte. Es war nur so, dass Axilla es viel angenehmer und um Welten heimeliger gefunden hätte, die Nacht bei Archias zu bleiben.
    Ob sie noch etwas brauchte? Wie wäre es mit ihm? Vorhin hatte er es ja beinahe angeboten, auch wenn er es nicht ganz gesagt hatte. Und sie wollte es ja auch. Warum also konnte sie es nicht einfach sagen? Störte es sie denn wirklich, dass er sie nicht liebte, oder dass er Seiana heiraten würde? Also, so wirklich wirklich?



    Ja. Tat es.
    “Ich denke, ich habe hier alles. Bett, Decke, Kissen... das reicht doch, um zu schlafen, nicht?“

    Das Gästezimmer war im Vergleich zu Archias Zimmer sicherlich eins: aufgeräumter. Alles hatte sienen Platz und war fein säuberlich hergerichtet. Fast so, als hätten die Aelier erwartet, dass jeden Moment ein Gast hereinplatzen würde. Entweder das, oder die Sklaven waren ziemlich flink gewesen.


    Auf dem ganzen Weg hierher hatte Axilla nichts gesagt. Sie hatte sich nur immer mal umgedreht, um sich den Weg zu merken, und fast sehnsüchtig zurück geblickt. Sie wollte ja eigentlich gar nicht in das doofe Gästezimmer. Aber ihr fiel auch kein einziger Grund ein, warum sie bei Archias bleiben musste und nicht dort schlafen sollte. Also sagte sie auch nichts. Bis sie da waren.
    Axilla betrat hinter Archias den Raum und sah sich um.
    “Sehr hübsch. Ich muss mich bei deinem Vetter dann wirklich bedanken“, meinte sie in Ermangelung einer besseren Aussage. Sie überlegte fieberhaft, was sie noch sagen sollte, oder könnte, damit er vielleicht bei ihr blieb. Wenn ihr nichts einfiel, würde er sicher gleich gehen, und dann war sie allein hier. Und sollte schlafen. Irgendwie.
    Und ihr fiel absolut gar nichts ein...

    Axilla stand auch mit gespielter Müdigkeit und nochmaligem, leichten Gähnen auf und lächelte den Senator möglichst bezaubernd an. Sein Blick an ihr herunter entging ihr dabei nicht, aber was sollte sie schon dagegen sagen? Guck weg? Sie wusste, dass sie nicht hässlich war, da schauten schon ab und an mal Männer. Und solange sie unverheiratet war und keinen männlichen Verwandten dabei hatte, musste sie das wohl einfach ignorieren.
    “Ich danke dir, Senator. Mein Sklave Leander müsste ncoh in der Küche sein, wenn sie ihn auch gleich herausschicken könnten?“


    Natürlich taten die Sklaven das, es war mehr eine rhetorische Floskel. Axilla lächelte also dem Senator noch einmal zu, und wie es üblich war unter guten Freunden – und als Patron ihres Vetters war er sicher so zu behandeln – stellte sie sich zum Abschied einmal kurz auf die Zehen, um ihm den flüchtigen Hauch eines Kusses, ohne ihn aber wirklich zu berühren, auf die Wange zu geben.
    Bevor sie noch feststellen konnte, ob das vielleicht doch unangebracht war, und damit der Senator es zur Not jugendlichem Überschwang zuschreiben konnte, lächelte sie ihm mit einem kleinen Winken einfach nochmal zu und verabschiedete sich so schnell.
    Draußen wartete auch schon Leander auf seine Herrin, bei dem sich die Iunia flink einhakte. Es tat ihr ein wneig Leid, sich nicht mehr von Seiana verabschiedet zu haben, aber die würde Axilla in ein paar Tagen beim Essen bei Pompeius Imperiosus ja wiedersehen, da war das sicher nicht so schlimm.

    Irgendwie reagierte Archias verwirrt, aber das passte auch ganz gut zu der momentanen Stimmung. Axilla fühlte sich auch etwas verwirrt und wusste nicht so ganz, was sie jetzt eigentlich machen wollte. Sie war sich nur ziemlich sicher, was sie nicht machen wollte, und ganz sicher, was sie nicht machen sollte, aber trotzdem wollte.
    “Oh, er weiß...? Oh, dann, gut, dann hat das ja Zeit. Ich will nur nicht, dass er denkt, ich wär undankbar.“ Sie ließ sich von seiner Unsicherheit ein wenig anstecken und kratzte sich verlegen am Unterarm.


    Ihr Blick folgte seinem zu dem Tablett, als er seine frage stellte. Sie schüttelte nur stumm den Kopf. Sie hatte vorhin schon keinen Hunger gehabt, und jetzt hatte sie irgendwie erst recht keinen. Die Oliven hatte sie zwar eine nach der anderen vernichtet, aber wirklich Hunger hatte sie keinen.
    “Nein, wir können gleich das Zimmer anschauen.“
    Auch ihre Stimme klang alles andere als fröhlich und sie betrachtete fast dieselbe Stelle auf dem Boden vor Archias Sandalen. “Ich könnte auch... ich... ähm, genau, Zimmer.“
    Sie wollte ihn fragen, ob sie nicht hierbleiben könnte in der Nacht. Sie wollte nicht allein sein. Sie wollte ja noch nicht einmal vor wenigen Momenten ihn loslassen, und jetzt sich vorzustellen, in einer fremden Umgebung ganz allein zu schlafen, das war... nein, sie wollte nichtmal darüber nachdenken, wie das war. Aber sie konnte ihn nicht darum bitten, das war zuviel. Er war Seianas Verlobter und ihr Freund, sie sollte ihn nicht um sowas bitten. Vor allem nicht, wenn sie wusste, wohin das wohl führen würde, wenn das Licht dann aus und alles still war.