Sag was... los, gleich ist er weg, sag was!
“Äh, Caius?... Ich... wollte nur noch sagen... gute Nacht!“
Ihr Lächeln, mit dem sie ihn bedachte, war mehr bedauernd und entschuldigend als aufmunternd. Ihre ganze Gestalt wirkte eher bedauernd und entschuldigend. Verdammt, sie wollte doch nicht, dass er ging. Sie Wollte doch, dass er blieb. Aber sie musste ihn gehen lassen. Hätte sie in diesem Moment bereits gewusst, was Crios bei ihr eine Woche später feststellen würde, hätte sie wohl mehr gesagt. Vermutlich hätte sie ihm alles gesagt, nur damit er nicht wegging. Aber sie wusste es nicht, und sie konnte ihn nicht bitten, zu bleiben.
Sie tauschten noch ein Lächeln, und dann war er aus dem Zimmer und die Tür war zu. Axilla war allein. Sie blieb noch einen Moment stehen und sah zur Tür, ehe sie durchatmete und sich umsah. Irgendwie war ihr kalt, und die Wände kamen ihr näher. Sie rieb sich fröstelnd die Oberarme und bewegte sich ein paar Schritte.
“Warum hast du nichts gesagt? Wär es denn so schwer gewesen? Hätte es denn wirklich einen Unterschied gemacht?
'Caius, ich will heute Nacht nicht allein sein. Kann ich bei dir schlafen? Wir müssen auch nicht miteinander vögeln wie zwei liebestolle Katzen, es reicht mir schon, wenn ich mich an dich kuscheln darf.' Wär das denn so schwer gewesen? Doofe Kuh!“
Frustriert setzte sie sich aufs Bett und stütze den Kopf auf ihre Hände. Sie war nicht wirklich böse, weil sie ihn nicht aufgehalten hatte, noch nicht einmal, weil sie nichts gesagt hatte. Sie war böse auf sich, weil sie es gerne wollte. Ihr Geist war unehrlich genug, es sich zu überlegen, aber ihr Fleisch zu schwach, um es umzusetzen. Oh, wenn sie wenigstens wirklich reuelos sein könnte, oder wirklich tugendhaft. Warum nur musste sie in diesem 'dazwischen' feststecken, wo sie selbst dieses grau doch hasste wie nichts anderes. Schwarz, weiß, kein Larifari, so hatte sie es gern. Aber nein, nichtmal bei sich selbst konnte sie so konsequent sein.
Sie machte schließlich eine wütende, wegwerfende Bewegung und ließ sich rücklings auf das Bett fallen. Schlafen... wie sollte sie jetzt schlafen? Wie sollte sie heute Nacht auch nur ein Auge zumachen?
Nach etwa einer Stunde hatte Axilla sich soweit beruhigt, dass sie es zumindest versuchen wollte. Sie zog sich also aus und legte ihr Kleid fein säuberlich auf den Stuhl im Zimmer. Sie nahm sich sogar die Zeit, an dem Waschtisch die Tinte so gut es eben möglich war von ihren Fingern zu schrubben, und legte sich dann ins Bett.
Inzwischen war es schon stockduster, und Axilla hatte keine Ahnung, wieviel Zeit vergangen war. Eine Stunde? Zwei? Eine halbe? Ob schon Mitternacht war? Sie drehte sich um. Einfach Augen zumachen und schlafen. Konnte ja nicht so schwer sein. Einfach ignorieren, dass Archias keine hundert passus weiter war, warm, sicher, zärtlich. Einfach nicht an seine Haut denken, an seinen geruch, nicht an das Gefühl der Geborgenheit bei ihm. Einfach Augen zumachen und schlafen. Wie schwer konnte das schon sein?
War das ein Vogel im Garten? Welcher Vogel sang denn so spät nachts? Wer sollte da denn schlafen, bei dem Gesinge? Na, eigentlich war es ja ganz hübsch... aber...
Und wieder herumgedreht und in die Decke gekuschelt.
So ging es noch eine ganze Weile, von einer Seite auf die andere, das Kissen neu zerknüllt, verkehrt herum ins Bett gelegt, aufgedeckt, zugedeckt, auf den Rücken gelegt, auf den Bauch, auf die Seite. Allein, es nützte alles nichts. Sie machte kein Auge zu.
“Verdammt. Aber nur dieses eine Mal. Und nur heute, und dann nie, nie wieder.“
Axilla machte sich nicht die Mühe, ihr Kleid wieder anzuziehen. Sie behielt einfach nur die Decke um und öffnete die Tür. Der Gang dahinter war auch dunkel und still, immerhin war es mitten in der Nacht. Leise wie ein Schatten huschte die Iunia also mit ihrer Decke bekleidet dahin, wo sie meinte, sich zu erinnern, dass Archias Zimmer gelegen habe.