Beiträge von Thimótheos Bantotakis

    Er spürte ihre ängstliche Umklammerung und schlang seinen Arm noch etwas fester um sie. Bei ihren furchtsamen Worten schaute er Axilla erst bedauernd an. Er wollte gerade umdrehen und einfach wieder rausgehen, als sie sich straffte und mutig weitersprach.
    "Das ist es allerdings." sagte Timos, kam jedoch nicht zu mehr Worten, da der Besitzer des Ladens sie ansprach.
    "Chaire ihr beiden. Kann ich euch behilflich sein? Besondere Wünsche? Ein warmes Bad? Oder bevorzugt ihr einige gemütliche Stunden in unseren bequemen Polstersesseln?"
    Der kleine, bierbäuchige Mann, dessen Herkunft schwer zu bestimmen war, deutete mit einer ringbesetzten Hand zuerst auf ein Becken, in dem sich bereits einige Männer von Sklavinnen massieren ließen, dann zeigten seine Finger auf zwei freie Sessel, die in einer Ecke zusammen mit einer Cline um einen kleinen Tisch herum standen.
    Timos schaute Axilla kurz fragend an, erwartete jedoch keine Antwort auf die ungestellte Frage, sondern beantwortete sie selbst.
    "Ich denke, wir sind erst einmal mit den Sesseln zufrieden, danke."
    Der Mann führte das immer noch eng umschlungene Paar zu den Plätzen und säuselte: "Die Bedienung kommt sofort, um euren Wünschen gerecht zu werden."
    Timos nickte und sah Axilla dann erwartungsvoll an, während er darauf wartete, dass sie sich langsam von ihm löste. Von der vielen Lauferei taten ihm langsam schon die Füße weh. (:D)

    Thimótheos hatte ein paar Einkäufe erledigt - etwas Brot, eine kleine Amphore Wein, frisches Obst und etwas geräuchertes Fleich - und betrat nun ihre schöne neue Wohnung. Schön...naja. 'Passabel' wäre wohl eine gute Bezeichnung. Timos war andere Standarts gewöhnt.
    Er lud seine Einkäufe auf dem kleinen Esstisch ab und rief laut nach seinen Brüdern. In diesem Moment öffnete er auch die Türe zu Ánthimos' Zimmer...und blieb verdutzt und mit großen Augen im Türrahmen stehen, während seine Kinnlade gen Dielenboden fiel.

    "Lass dich überraschen." sagte Timos schlicht und begann die Treppe hinab zu steigen. Er schmunzelte über ihre Anfängliche Selbstsicherheit, die sich nun langsam abzubauen schien. Dennoch schritt sie mutig neben ihm her. Am Ende der Stufen war ein Vorhang aus Perlenketten, durch den ein schwacher Lichtschein und leise Musik drang. Es rasselte leise, als sie in den nächsten Raum traten. Dies schien eine Art Vorraum zu sein, der von Öllampen erhellt wurde. Es gab eine Theke, wo eine hübsche Bedienung stand und an einer weiteren Tür, durch die ebenfalls Musik drang, stand ein großer dunkelhäutiger Wächter. Timos ging auf die Empfangsdame zu, die offenbar eine Sklavin war und legte das Paket zusammen mit zwei Münzen auf die Theke. "Chaire. Das hier bitte sicher verstauen. Wenn was wegkommt, fällt das auf dich zurück." zwinkerte er ihr zu und verheimlichte Axilla, dass er die junge Frau nach den wenigen Besuchen, die er hierher schon unternommen hatte, bereits kannte.
    Den Türsteher grinste er nur breit an, während er das Beutelchen aus dem Ramschwarenladen hochhielt. Der Hüne nickte nur ernst und öffnete ihnen die Tür.


    Was sich Axilla nun offenbarte war völlig anders, als alles was sie bisher wohl kennen gelernt haben musste. Sie betraten einen großen Kellerraum, der von einigen winzigen Kellerfenstern und einer großen Anzahl Öllampen und Fackeln erleuchtet wurde.
    Die Decke war von Steinsäulen gestützt und die Wände von kuscheligen Sitzecken und Warmwasserbecken gesäumt. Überall standen gepolsterte Sessel, Clinen und kleine, runde Tische mit Süßspeisen und Früchten. In der Mitte des Raumes befand sich eine Bühne, auf einige Sklavinnen mit verschiedenen Instrumenten und ihren Stimmbändern für musikalische Unterhaltung sorgten.


    Auch hier fand man die merkwürdigsten Gestalten vor. In den Sesseln fläzten sich fette Griechen, die Pfeifen rauchten und Wein im Überfluss tranken. In den Sitzecken konnte man Männer dabei beobachten, wie sie sich mit Dirnen oder Lustknaben vergnügten. Der ganze Saal war erfüllt von Stimmengewirr, Lachen und einem ungewöhnlich betörenden Duft, den offenbar die Pfeiffen der Anwesenden verströmten.


    Thimótheos legte Axilla seinen Arm um die Hüfte und streckte den anderen aus, um ihn über die Szenerie schweifen zu lassen.
    "Na, was sagst du dazu?" fragte er keck.

    "Wie du wünschst, Eutheniarchos. Vielen dank." Timos nickte und widmete sich dann den Hafenarbeitern, die bereits dabei waren, die Säcke aufzuladen. Er zählte die Säcke auf den einzelnen Karren und wartete, bis die Kolonne sich in Bewegung setzte.
    Einige Männer der Stadtwache begleiteten den Transport und sorgten mit langen Stöcken dafür, dass Bettler und gierige Passanten dem Getreide Roms fern blieben. Timos genoß die kurze Strecke auf den Getreidesäcken sitzend, während die Aufseher laut brüllend und fluchend neben den Wagen hertrampelten.

    "Na, da hab ich ja nochmal Glück gehabt. Du hast recht, lass uns lieber noch ein paar Abenteuer erleben." Er grinste breit und sagte die letzten beiden Worte mit einem ironischen Unterton. Er hatte da bereits eine Idee...
    "Ich hätte da noch was, das dir sicherlich abenteuerlich genug sein dürfte. Hier entlang."
    Er zog sie etwas enger an sich und bog in eine Gasse ein, in der ein ebenso großes Gedränge herrschte wie auf der Hauptstraße. Er achtete peinlich genau darauf, dass dem Seidenkleid nichts passierte und passte gleichzeitig auf, dass Axilla ihm nicht verloren ging. Hier liefen allerlei merkwürdige Gestalten herum. Zwielichtige Burschen, die nach fremdländischen Duftwassern oder Genussmitteln rochen, noch zwielichtigere Typen, die sich in dunklen Hauseingängen herumdrucksten und noch viel zwielichtigere Gestalten, die Timos mit bösen Blicken auf Abstand halten musste. Seinen Geldbeutel hatte er schon lange zwischen den Falten seiner Tunika, direkt an seiner Brust versteckt.
    Er blieb vor einem herruntergekommenen Obstladen stehen, schenkte Axilla ein breites Grinsen und einen verschwörerischen Blick und zog sie dann hinein. An der Theke, wo praktisch keine Ware auslag, saß ein Greis, der sie nur zur Seite winkte und auf eine Hintertür deutete.
    Timos öffnete die Tür und sie blickten auf eine Kellertreppe hinunter.
    Erwartungsvoll schaute Timos seine hübsche Begleitung an und fragte:
    "Bereit für ein besonders spannendes Abenteuer?"

    Timos grinste frech. "Die spinnen, die Rhomäer. Du hast wohl recht. Schuster, bleib bei deinen Leisten." zwinkerte er.
    "Das war definitiv das letzte Mal, dass ich eine Rhomäerin einfach so Essen ausgegeben habe. Nächstes mal läuft das andersrum."

    Timos grinste verschlagen zurück und streckte beide Arme aus, um ihr das eingepackte Kleid abzunehmen. Natürlich würde er als Gentleman die Einkäufe für sie tragen.
    "Und jetzt?" fragte er beim Weitergehen. "Brauchst du noch was neues? Schuhe vielleicht? Oder Schmuck?" Er kannte die Frauen doch zu gut. Immer noch grinsend schaute er auf Axillas Füße, während er ihr wieder einen Arm zum einhaken anbot.

    Hätte Timos Gedanken lesen können, er hätte vermutlich nicht schlecht gestaunt. Da er es allerdings nicht konnte, schaute er Axilla jetzt dennoch verblüfft an, als sie sich in die Feilscherei einmischte. Der Händler wurde frech und so drehte Timos sich einfach auf dem Absatz um und sagte laut und deutlich zu Axilla:
    "Nun denn, dann müssen wir uns wohl woanders umschauen. Dieser Mann will uns wohl über's Ohr hauen!"
    Er konnte sich das Gesicht des Ägypters in seinem Rücken bildlich Vorstellen, und als dieser dann mit verzweifelter Stimme hinter ihnen herrief, sie mögen doch stehen bleiben, zeigte sich ein gewinnendes Grinsen auf seinem Gesicht.
    "Meisterr, bitte! Ich verrkaufe es euch beiden fürr die hunderrtdrreißig, ist ja gut!" Aufgebracht fuchtelte der Mann mit den Armen in der Luft herum und kam auf Timos zu gelaufen. Dieser streckte dem Ägypter die Hand hin und erwiderte ganz gelassen:
    "Also gut. Hundertdreißig Drachmen."
    Er schaute Axilla erwartungsvoll an. Immerhin hatte sie das Geld, oder nicht?

    Timos registrierte den hypnotisierten Blick seiner Gefährtin beiläufig und grinste in sich hinein. Äußerlich zeigte sich in seinem Gesicht jedoch keinerlei Regung, auch nicht als der Händler ihm das Angebot über dreihundert Drachmen machte. Timos schüttelte gespielt enttäuscht den Kopf und erwiderte gelassen:
    "Erzähl mir doch nichts. Dieses Ding ist doch niemals so viel wert wie du behauptest. Das liegt vermutlich schon ewig hier, weil es sonst niemand haben will. Du solltest glücklich sein, dass wir es überhaupt zwischen den ganzen anderen Stücken bemerkt haben." Er deutete auf die anderen Kleider, die allesamt mindestens doppelt so teuer sein mussten. "Hundertundzehn. So schön ist es ja gar nicht mal."

    Timos nickte nur und hakte Penelope in Gedanken ab.
    "Ja, wir kriegen ein besseres Zimmer."
    Ein verächtliches Schnauben, dann fuhr er mit düsterer Miene fort.
    "Diese arrogante Schnäpfe ist abgehauen, nachdem ich ihr verfluchtes Frühstück bezahlt habe. Hoffentlich ist sie daran verreckt." Ein Zug und sein Becher war geleert.

    "Da hast du ja schon eine ganze Menge gesehen." meinte Timos, während er sich die ganzen Orte in Gedanken vorstellte. Er würde sich die Stadt in den nächsten Tagen auch gründlich ansehen.
    "Und ich sitze hier in diesem verfluchten kapeleion und muss mir die Zeit mit leichten Mädchen vertreiben." grummelte er beiläufig, während er Téssa hinterhersah, die einem Gast gerade eine Bestellung brachte.


    "Penelope wohnt in Rhakotis? Wie ist es dort? Ist das nicht das Armenviertel?"

    Timos tat die Ausflüchte seines Bruders mit einem Schnaufen ab, zog dann allerdings die Augenbrauen hoch, als Ánthimos plötzlich über Arbeit sprach.
    "Ja, klar Rhomär faszinieren mich..." grummelte er sarkastisch. Dann jedoch war sein Interesse geweckt.
    "Eine Stelle beim Eutheniarchos? Und dann auch noch eine rhomäische Frau? Bei Zeus das hört sich irgendwie fordernd an. Ich werde mich morgen direkt dorthin begeben."
    Er bedeutete seinem Bruder nun sich endlich zu setzen und schenkte ihm Wein in einen unbenutzten Becher ein.
    "Aber jetzt mal ehrlich...wo hast du dich so lange rumgetrieben? Hast du schon ohne mich das porneion besucht? Und wo hast du die Schnitte gelassen?"

    Timos beobachtete den Verkäufer, der interessiert zu ihnen herüberstarrte, als Axilla ihm ins Ohr flüsterte.
    "Aber ja. Du wirst ganz bezaubernd darin aussehen." flüsterte er überzeugt zurück und schaute ihr dann eindringlich in die Augen, während er ihr eine Hand auf den Oberam legte. Dann wandte er sich an den Verkäufer und fragte laut:
    "Sag Mann, wie viel würdest du für diesen Fetzen verlangen?"
    Der Verkäufer schaute ihn verdutzt an und kam dann wild in gebrochenem Latein plappernd auf ihn zu. Er nahm das Kleid, breitete es vor ihnen aus und erklärte noch einmal eingehend die Besonderheiten und Vorteile. Am Ende seiner Ausführungen verlangte er ganze 375 Drachmen.
    Timos sah den Mann ärgerlich an und sagte:
    "Nie und nimmer! Dieses Stück Stoff ist höchstens hundertfünfzig wert!"

    Timos grinste schelmisch. "Natürlich wäre das etwas dünn. Das ist ja der Sinn der Sache."
    Abrupt setzte er eine gespielt schuldbewusste Miene auf und legte das Kleid wieder weg. Dafür nahm er ein anderes, dunkelgrünes in die Hand. Es fühlte sich nicht ganz so seidig an und war auch nicht ganz so dünn. Er hielt es Axilla wieder an und fragte: "Und wie gefällt dir das hier?" Er stellte sich Axilla in dem Kleid vor, das ebenfalls recht großzügig sitzen musste und in dem sie bestimmt eine tolle Figur machen würde. Was ein Anblick das wäre...

    Timos fühlte sich in Axillas Nähe wohl. Er genoß es, mit ihr über den Fremdenmarkt zu schlendern und nutzte jede Gelegenheit, ihren Augen mit einem fröhlichen Blick zu begegnen. An einem Stand angekommen, entgegnete er auf ihre Frage:
    "Jap, ist es. Ganz schön teures Zeug." Er fühlte daran. "Fühlt sich gut an, nicht?" Er nahm das Kleid und hielt es ihr an den Körper. "Würde dir bestimmt stehen." zwinkerte er.

    Timos grinste zurück und stand auf, als Axilla bezahlte hatte. Etwas überrascht hielt er kurz inne, als sie sich kurzerhand bei ihm einhakte. Plötzlich kam zu der Wärme, die die Sonne ohnenhin schon verursachte, auch noch ihre Körperwärme hinzu. Im Getümmel der Menschenmenge würden sie ohnehin noch näher zusammenrücken müssen. Oh ja, was für eine Freunde! Ohne sich etwas anmerken zu lassen, fuhr er jedoch fort und ging mit ihr hinaus auf die Straße.
    "Ein Schneider hier am Hafen? Ich weiß nicht. Wir können uns ja mal umschauen." Und ohne zu zögern marschierte er schnurstracks mitten ins Gedränge hinein, die Augen beständig auf der Suche nach einem Schild, das einen Schneider auswies.

    Ohne eine Miene zu verziehen beobachtete Timos die arrogante Rhomäerin, wie sie das Gasthaus verließ.
    Narf. Verdammtes Weibsvolk, warum musst du auch immer auf sie hereinfallen?"
    Timos war wütend auf sich. Er füllte seinen Becher erneut mit Wein und lehnte sich zurück, während er das Treiben im Schankraum ansah. Mittlerweile war dem Wirt und seinem Küchenjungen noch ein unmotiviert aussehender Bursche und eine hübsche, junge Magd zuhilfe geeilt, um vor lauter Kunden nicht den Überblick zu verlieren.
    Das Mädchen weckte Timos' Aufmerksamkeit. Ihr Körper weckte sein Verlangen, genau wie die Rhomäerin zuvor.
    Er winkte das Mädchen heran und säuselte freundlich:
    "Chaire meine Schönheit. Wie ist dein Name?"
    Das Mädchen kicherte verlegen.
    "Chaire. Mein Name ist Téssa. Womit kann ich dir noch dienen?" Sie schaute in den Weinkrug, der noch nicht ganz leer war und sah Timos dann fragend an. Jener tippte sich auf den Oberschenkel und antwortete.
    "Komm, setz dich zu mir." Sie tat wie geheißen und setzte sich auf seinen Schoß. Ihre Wangen waren jetzt vollendes gerötet. Sie wurde still und hörte aufmerksam zu, als Timos ihr ins Ohr flüsterte.
    "Oh ja, wenn du genügend Drachmen in der Tasche hast, ließe sich das einrichten." grinste sie frech.
    Timos nickte und leerte seinen Becher. Er schob das Mädchen von seinem Schoß und stand auf, um ihr ins obere Geschoß der Schenke zu folgen.


    Einige Zeit später kam Timos die Treppe hinunter, das Schankmädchen im Schlepptau. Sie sah ziemlich zerzaust aus und wirkte etwas aus der Puste. Am Ende der Treppe blieb der junge Grieche stehen und drehte sich zu dem Mädchen um.
    "Und das mit dem Zimmer für meine Brüder und mich geht klar, ja?" Das Mädchen schaute ihn verliebt an und sagte stockend:
    "Aber klar...doch. Für den Preis...und die...gute Be...zahlung bekommt ihr eins...der besseren Zimmer."
    Timos lächelte und gab ihr einen Klaps auf den Hintern. "Dann mal wieder ab zur Arbeit." meinte er fröhlich und ging zurück zu seinem Platz, wo bereits eine neu gefüllte Weinkaraffe stand. Dort verbrachte er die restliche Wartezeit, bis seine Brüder auftauchen würden.