Beiträge von Aulus Flavius Piso

    Die Briefe, die Piso begonnen hatte, zu schreiben, hatte er wieder verworfen. Nicht nur deswegen, weil er es wirklich nicht nötig hatte, selber Briefe zu schreiben. Und zweitens, weil er es mit kleinen Mädchen zu tun hatte. Denen schrieb man keine beamtischen Briefe. Man besuchte sie selber. Gab ihnen das Gefühl, das es nun nicht gänzlich ans Eingemachte ging. War freundlich. Das war das mindeste, was er tun konnte.
    Mit sich führte er zwei seiner Calatoren. Der altbekannte Lollius Tubulus war einer davon; ihm kam die Ehre zuteil, anklopfen zu dürfen. Es war das erste Haus, welches Piso und co abgrasten, und er wünschte sich in Gedanken schon einmal viel Glück.

    4 Kandidatinnen, hatte der Senat gesagt. Und 4 hatte Piso gefunden, nach einer Woche des Herumstöberns und Herumfragens.
    2 Möglichkeiten gab es da. Erstens, Mädchen aus einflussarmen Hause zu nehmen, wo niemand einen Zirkus veranstalten würde. Zweitens, Mädchen auszusuchen aus einer Gens, die eng mit dem Cultus Deorum verknüpft war und für die ein Familienmitglied mehr oder weniger im Cultus Deorum auch nichts mehr ausmachte.


    Die Erste hieß Ogulnia Galla. Piso hatte die Information über diese Frau von einem seiner Calatoren, ein Bekannter der Familie. 6 sei sie, und durchaus ihrem Alter voraus. Aus einer kleinen, unbedeutenden, armen Familie. Sicher würde niemand es wagen, sich ob ihrer Aufnahme bei den Vestalinnen bei Piso zu beschweren. Und Piso kritzelte sie drauf.


    Die Zweite war Curatia Secunda, eine Verwandte des Flamen Quirinalis. Wenn dieser protestierte dagegen, dass seine Großnichte als Vestalin einberufen würde, würde er sich lächerlich machen.


    Die Dritte hieß Duilia Vera. Nicht nur, dass ihre Gens viele Aeditui und Aedituae stellte, nein, es war auch keine bedeutende Gens. Perfekt. Sie hatte Piso sich ganz gezielt ausgesucht.


    Die Vierte auf der Liste war Tiberia Caerellia. Eigentlich war es Wahnsinn, eine Verwandte des Vorstehers der Pontifices auszuwählen, aber er wollte nicht den Eindruck erwecken, dass er nur den Schrott der Nation, sondern wirklich nur die Fähigsten heraussuchte. Durus würde ihm sicher nicht böse sein, dass Piso ihm in die tiberische Familienpolitik hineinpfuschte. Aber nun gut, sie hatten eh viele unverheiratete junge Frauen, die Tiberier.


    Er begann, Briefe zu schreiben.

    “Auf unsere Familien!“ Ein guter Trinkspruch, fast so gut wie der Wein, den sich die versammelten Gäste und Hausbewohner nun hinter die Birne kippen konnten. Ganz besonders gut. Der Schenk hatte sich wieder einmal selber übertroffen.
    Da nun die schwierigen Themen, betreffend der Mitgift und der Art und Weise der Eheschließung, abgehakt waren, konnte man dazu übergehen, über Erbaulicheres, weniger Geladenes, Lockereres zu reden. Piso fühlte sich wohl. Denn er spürte in sich drinnen, dass er seine Schäfchen nun ins Trockene gebracht hatte.
    Der Abend zog sich noch ein wenig, bevor die Gäste verabschiedet wurden und auch Piso und Gracchus ihre Schlafstätten aufsuchten.


    Sim-Off:

    Ich erlaube mir, hier mal fertig zu machen. Der Thread ist ja nun auch schon ein bisschen ein Zombie. ;)

    Oh ja, ein Kuss war was Feines. Unerreichbar. Und nun, das wusste er, war er in der Position, davon so viele so oft er wollte einzusacken. Zu haben. Zu erkosten... oh ja, wie schon gesagt. Das lobte man sich. Ein unbändiger Drang kam im Flavier auf, Prisca einfach zu ergreifen, auf seine Arme zu nehmen, aufs Forum zu rennen und dort lauthals zu verkünden, Prisca wäre seine Frau.
    Sie war seine Frau. Wenn sich der leser und die Leserin nun fragen würden, wie oft Piso diese Tatsache noch in seinem Kopf wiederholen würde, wäre die Antwort: noch einige Male. Gleich an der Stelle hätte er es sich noch zehnmal gedacht, wenn nicht plötzlich eine hässliche, krächzende Stimme aus der bedrückend grauen Realität zu ihm schallte. Piso drehte sich um. War das ein Mann? Eine Frau? Es musste ein Mann sein, der Kleidung nach, auch wenn er ihm persönlich sehr weibisch vorkam (ein starkes Stück, dass gerade ein Piso sich dies dachte).
    Eigentlich war der Mann abscheulich, aber er brachte Piso in eine großartige Position. Er konnte sich nun aufspielen als Beschützer. Als der sanfte weiße Ritter, der geradezu vom Himmel gekommen sein musste. Als Mann statt Memme. Er drückte seinen Rücken durch, während er Prisca demonstraiv zu sich zog. Schau an, Mann. Meine Frau. Hättest du auch gerne, was? Denkste.
    “Ich finde es sehr unpassend, einen solchen Mangel von Respekt gegenüber einem Senator und einer Frau zu zeigen.“ Pisos Stimme klang scharf, zurechtweisend. Der Kerl sollte sich dorthin scheren, wo er hergekommen war. Das Prisca dem Alten so aufreizend zuzüngelte, bekam Piso—dem Himmel sei Dank—nicht mit, hingegen ihre Aufforderung, zu gehen, sehr wohl.
    “Weiche Kissen? Das klingt traumhaft.“ Jetzt wollte sie doch nicht mit Piso zum Parther gehen, sondern ins Bettchen? Der Flavier kam jetzt doch nicht umhin, seine Frau fragend anzuschauen. “Weiche Kissen?“, flüsterte er ihr ins Ohr, als er ihr Händchen hielt wie ein verknallter Schuljunge. Häh? Sie hatte ihn gedanklich abgehängt. Was für eine Frau.
    “Meinst du die beim Parther? Oder aber...“ Er zwinkerte ihr unauffällig zu. Das wäre auch noch eine feine Sache. Und zum Vergnügen kam hinzu, dass Prisca, je öfter sie und er... nun, das taten, was sie im Bett taten, eine höhere Wahrscheinlichkeit erhielt, schwanger zu werden. Piso als Papa! Das wäre eine Sache. Oh, er würde einen kleinen Prinzen bekommen, einen Stammhalter, Piso Minor. Oder eine kleine Prinzessin, die in 20 Jahren die selbe Grazie, Anmut und Schönheit hatte wie ihre Mutter. Wie man es auch drehte und wendete, es wäre fantastisch, so wie momentan Pisos Leben an sich. Wiederholt schoss ihm der Gedanke durch den Kopf, dass er ja nun ein besserer Mensch werden könnte. Ein guter Mensch.

    Piso blickte auf Gracchus, dann nickte er schnell. “Vier Kinder. Das wird kein Problem sein. Ich werde es machen und sie euch vorstellen.“ Natürlich musste er sich in dieser Sache wohl wirklich auf sein Glück verlassen. Das Schlimmste war sowieso, dass er sich womöglich mit Vätern herumschlagen musste, die unzufrieden waren damit, dass er ihr jenes Mädchen, welches sie lukrativ zu verheiraten trachteten, wegnahm und sie zu den Vestalinnen steckte. Es war also klar, wie er die Mädchen auswählen musste—entweder die Töchter von notorisch durchsetzungsschwachen Vätern oder aber aus gentes, die sonder Zweifel darüber erfreut wären, eine Vestalin zu bekommen in ihrer Familie. Vorzugsweise Zweiteres. In seinem Kopf gingen schon die Namen von Gentes herum, die ihm einfallen würden. Cornelia sicherlich. Tiberia vielleicht. Claudia... halt, da gab es schon eine, die Lange da. Valeria möglicherweise. Fabia unter Vorbehalt. Vielleicht sollte er sich an no-name-Gentes versuchen. Ogulnia? Cadia? Opiternia? Digitia? Ja, so was in der Art. Er würde den Trick sicher raus bekommen. Er lächelte den Pontifices und auch den Vestalinnen siegessicher zu. Das würde schon werden.

    Piso sah es kommen. Er wollte sich schon instinktiv ducken, vielleicht ein Nein machen. Doch Gracchus erinnerte sich rechtzeitig daran, dass Piso kein mensch war, der es schätzte, mit der Pratze eines auf den Rücken gehaut zu bekommen. Es war ihm nichts unangenehmer als das. Wann er dieses Gefühl der Unangenehmheit entwickelt hatte, wusste er nicht mehr, es musste schon eine Weile her sein.
    Die Worte seines Vetters lösten ein Lächeln bei ihm aus. “Danke, Manius, danke. Danke sowieso für alles. Ohne dich stünde ich nicht hier.“ Und dann kam Gracchus auch noch mit Schmeicheleien daher, die Pisos Grinsen umso breiter machten. Piso war für Schmeicheleien sehr, sehr empfänglich. Untadelig, was für ein Wort. Dass das jemand mal sagte zu ihm... im Zusammenhang mit ihm... ha. Aber er hatte es geschafft, er war ein gemachter Mann. Nun konnte er richtig schon den starken Mann markieren! Denn er hatte den dicksten Streifen, den ein römischer Mann nur haben konnte! Ob man ihn jemals wieder sein Haus verlassen sehen würde ohne die wundervollen Streifen auf seiner Tunika und seiner Toga? Natürlich redete sich Piso ein, dass sie ihm ganz hervorragend standen; und dies war auch war. Solche Streifen würden aus einem lausigen Suburaner eine Persönlichkeit machen.

    Verus hatte scheinends genug gehabt, machte Worte, die mit einer Verabschiedung einhergingen und hielt ihm dann die Hand in, wie zum Abschluss eines Handels. Hatten sie einen Handel gerade gemacht? Wohl war, ein Bund war geschlossen worden zum Fällen des Erzschurken Duccius Vala. Piso ergriff die Hand.
    “Wir sehen uns in der Kanzlei, mein Freund. Möge Fortuna über dich wachen.“ Er schüttelte die Hand leicht. “Vale bene, Titus.“

    Mit seinen Blicken verfolgte er den Segelflug des Flammeums nach unten, gen Erde. Wie elegant und weich es schwebte. Interessant. Es war wunderbar, wieviele Sachen es gab, wievie Ästhetisches, an dem sich Piso nun weiden konnte. Denn ja, sich laben am Schönen, das war sein Begahr. Seinen Augen ein Festamhl zu bescheren, seine Gier nach dem Edlen und Perfekten zu stillen, seine Durst nach dem Vollendeten zu erfüllen—welch höheres und schöneres Ziel konnte es geben? Gar keines. Manche konnten zwar sagen, solch ein Ziel war unerreichbar, denn das Vollendete, das gab es nicht, nicht auf dieser Welt, nicht auf dieser Erde. Aber ihnen würde Piso antworten, der Weg war das Ziel. Der Weg hindurch durch pythagoreische Konzepte, sokratische Philosophien, epikureische Ideen. Piso hatte einen Trauem, und zwar Destillierer zu werden. Nein, nicht in einer Werkstatt, sondern Destillierer mit seinen Augen. Wie man eine Frucht destillierte, sie durch Kolben und Gefässe durchjagte, und schließlich die wahre, die innerste Quintessenz ihr auspresste, wollte er die Welt destillieren auf ihre Ästhetik hin. Er war sich sicher, würde man die Erde in einem Destilliergerät kochen, würde am Ende der notgedrungenerweise großen Röhre das herauskommen, was schön war in der Welt.
    Nun aber war es so, dass man manches nicht sehr gut in das Gefäß schmeißen konnte, und eigentlich besser genießen konnte, wie die Natur es gegeben hatte. Würde man zum Beispiel Vala in eine Destilliereinlage reinhauen, würde wohl kein Tropfen Ästhetik rauskommen. Bei Prisca aber würde es zu kaum einen Materialverlust kommen. Denn Prisca war Ästhetik personifiziert, sie hatte das, was andere viel zu wenig hatten.
    Freilich hatte man das metaphorisch zu sehen. Leider gab es keine Ästhetikdestillieranlage; wenn es sie gäbe, würde Piso alles reinhauen, was es gab. Aber so, so existierte diese Maschine als Konzept. Als Idee. Als philosophische Idee. Herrje, dachte er sich, das müsste er aufschreiben. Auf Pergament. Und veröffentlichen. Vielleicht sollte er es der Acta senden, oder einfach als Buch verkaufen.
    Wurscht. Sein Augenmerk lag auf seiner Frau nun.
    Was nun nicht sehr ästhetisch war, das war der Krampf, in den er Priscas eben noch so feinen Knoten verwandelt hatte. Wie zum Henker hatte er das wieder geschafft? Es musste ein großer Spezialismus von ihm sein, dass er so etwas so dermaßen versaute.
    Sein bittender Blick hatte Wirkung. Aber nicht die, dass Prisca ihn den Knoten herrichtete, sondern, dass sie ihn gleich einmal umschlang. Es war ein klein wenig unerwartet, und so war wohl sie es, die ihn in Richtung Bett schob. Was ihm aber durchaus genehm war.
    Er lachte kurz, als sie von seinem Geschenk an sie zu sprechen kam. Oh ja, sein Geschenk! Ein Geschenk hatte er durchaus für sie; unweigerlich war jenes schon mordsmäßig gespannt darauf, die Freiheit , die mit konsequent durchgezogenem Nudismus einherging, zu erleben.
    Abermals lächelte er, als sie den gordischen Knoten ansprach. Dass es keinen Gordios gab, sondern nur eine Stadt Gordion, sprach er gar nicht erst an; trotz seiner inhärenten Neigung zum Besserwissertum spürte er, dass jetzt nicht unbedingt die Zeit gekommen war.
    Endlich bereitete sie den Knoten her, und führte mit einer sachten Bewegung seine Hand zu der schlaufe hin. Vorsichtig näherte sich Pisos rechte Hand dem Zipfel. Hielt kurz inne. Und begann dann, zögerlich zu ziehen. Es half. Alles, was von diesem einen Knoten zusammengehalten wurde, das fiel auseinander, zu Boden.
    “Ruhm sei Venus“, entfuhr es ihm unwillkürlich, als er sah, was genau er entblösst hatte. Die Tunika Recta war nun nicht mehr, und er sah Prisca, wie er sie noch nie zuvor gesehen hatte. Sie war wirklich wunderschön. Seine Frau. Das war ein Zenit in seinem Leben.
    Er schluckte kurz. Dann schaffte er ein Grinsen. “Alexander zerschnitt den Knoten und bekam ein Weltreich. Ich löste den Knoten und bekam etwas viel Besseres als alle Reichtümer der Welt.“ Der Flavier beugte sich vor und gab Prisca einen leidenschaftlichen Kuss, während er selber überriss, das Prisca seine Kleidung noch gar nicht abgelegt hatte. Er fetzte mit einer Bewegung seiner Linken die Toga rasch von seiner linken Schulter, sodass sie zerknittert am Boden landete, wollte schon sich die Tunika vom Leibe streifen, überlegte es sich dann aber anders.
    “Wenn du dein Geschenk haben willst, Liebste, musst du es schon selber auspacken“, meinte er mit einem schiefen und irgendwie verwegenen Grinsen, als er den Rest ihrer Kleidung von ihren Schultern streifte.

    Ah. Und nun sprach wieder Hungaricus. Der Respekt vor einem Consular hielt Piso davon ab, etwas zu sagen, während der Vinicier sprach, doch umso entschiedener sprach er auf, als der Mann geendet hatte.
    “Ich muss mich unklar ausgedrückt haben, aber sei dir gewiss, ich kenne den Unterschied zwischen Eigentum und bloßen Besitz—wäre das nicht so, wäre die Urkunde, die mir die Befähigung zur Advokatur bescheinigt, nicht das Pergament wert, auf das sie geschrieben ist!“
    Er hüstelte kurz.
    “Ich möchte dir danken, dass du uns die Lex Aquilia und das römische Gewohnheitsrecht rezitierst. Zweifellos wäre es stets falsch von uns, und nicht auf die Mos Maiorum und ihre ewig währende Gültigkeit zu verlassen. Aber ich denke nicht, dass es ein falscher Schritt sein kann, sie zu kodifizieren, um die Rechtssicherheit zu gewährleisten, nicht nur für uns, sondern auch für nachfolgende Generationen!“
    Er nickte suggestiv.
    “Was den Verkauf der gestohlenen Sache angeht, so weiß ich, dass dies eine entsetzliche Situation für den Käufer ist. Doch stelle dir den Beraubten vor! Er weiß, wer nun seine Waren hat, und kann sie nicht zurückerlangen. Er hat ebenfalls nichts in der Hand. Einer der beiden, Senatoren, muss immer den Schaden tragen. Wir müssen die Sache nüchtern betrachten! Der Dieb erwirbt, wenn er Waren stiehlt, keinen Titel daran! Nun aber ist die Frage—wie um alles in der Welt kann er, wenn er keinen Titel hat, einen Titel an den Waren dem weitergeben, dem er die Waren weiterverkauft? Zaubert er sie aus der Luft? Nein, Senatoren, der Titel bleibt trotz allem beim Beraubten! Ihm müssen die Waren zurückgegeben werden, damit Besitz und Eigentum wieder zusammenfallen. Der Käufer--sein Kauf wird alleine durch die Tatsache, dass er Sachen, die dem Verkäufer nicht gehören, kauft, nicht unwirksam, nur wurde beim Kauf kein Titel übertragen!--aber würde, wenn es als vertragswidrig betrachtet wird, keinen Titel zusammen mit dem Gegenstand mitzugeben, den Dieb verklagen können. So schwebt mir dies vor.“


    Sim-Off:

    Ich bitte auf Knien um Verzeihung für mein angelsächsisches Rechtsverständnis. :D
    Zwar weiß ich diese Tatsache genau so gut wie du, Hungi, aber in unserer Spielwelt dürfte so eine Diskussion durchaus Sinn besitzen. Letzterer Punkt (das mit dem Weiterverkauf von Diebesgut) ist übrigens unmittelbar relevant für die Wisim—dort wird oft genug von kostenlosen Angeboten geklaut und dann weiterverscherbelt. ;)

    Hui, dachte sich Piso, diese Frau hat es drauf, als er ihren Hüftschwung betrachtete. Prisca hatte jene fürstliche, geradezu monarchische Ausstrahlung, welche Piso magnetisch anzog. Es war ein Gefühl, wie mit einer Königin, einer Kaiserin verheiratet zu sein. Ach, Prisca, seine Venus. Wenn er nur an sie dachte, wurde er schon ganz kirre im Hirn. Wie hübsch sie ihre Bedankung flötete! Welch Bild von einer Frau, die Verkörperung von allem, was gut und heilig war am Römertum. Von jetzt an konnte Piso eigentlich auf jeden einzelnen auf der Straße in Rom zugehen und ihn auslachen, im Wissen, dass er gewiss keine so hübsche Frau hatte.
    “Aber gerne doch“, brachte er heraus und, trat hinter ihr her und schloss sachte die Türe hinter sich. Und was nun kam, das machte ihn unendlich froh, ine weit geschnittene Tunika anzuhaben. Er fühlte sich unversehens von seiner Frau an seine Säule gedrängt und sah sich auf einmal mit herrlich unanständigen Vorschlägen konfrontiert. “Hä. Hähähä...“, schaffte er zu sagen, bevor er sich beschloss, das mit der Rhetorik und geschliffenen Antworten einfach zu lassen. Jaja. Er würde nichts tun, außer, sie mit herzhaftem Griff zu umarmen und sie leidenschaftlich zu küssen.
    Und ja, es tat gut. Es schmeckte so gut... nach Frau. Oh herrliche Süße! Oh ja, welch andere Frau würde er wollen, mit der er alt werden wollte? Piso ließ dabei die Tatsache außer acht, dass auch eine Prisca altern würde. Nun, daran wollte er erst einmal gar nicht denken. Er würde einfach den Göttern opfern mit der Bitte, dass Prisca sich nicht verändern würde. Das würde dann schon passen. Denn so günstig, wie die Götter auf ihn herablächelten, mussten sie ihn einfach hören. Es ging gar nicht anders!
    Abrupt wechselte Prisca das Thema und Piso war innerlich ein wenig enttäuscht. Och, dabei wäre die Vorstellung, einfach hier, in der Öffentlichkeit, loszurammeln wie die Kaninchen, allzu verführerisch gewesen. Aber es rannte ja nicht davon, auch wenn Pisos arme Eier heute noch ganz blau anlaufen mochten.
    “Ähm. Der Parther?“ Gut, wenn Prisca es wollte. Vielleicht konnte Piso unterwegs ja noch den einen oder anderen interessanten Gegenstand ergeiern. Früher war er gerne über die Märkte geschlichen, das konnte er ja heute noch immer! Aber, und darin war Piso sich ganz sicher, würde der Lustmolch noch einmal eine Bemerkung bezüglich von Priscas „Hugeln“ machen, würde Piso dafür sorgen, dass der Kerl auch einen „Hugel“ bekam, und zwar einen Grabes“hugel“! Ha, der Gedanke war zu befriedigend.
    “Gut, gut. Sicher. Machen wir das. Der Typ wird Augen machen!“, erwiderte er also.

    Der Jüngere der beiden, noch immer etwas verstört durch die abrupte unangenehme Berührung, winkte ab. “Ah wo... ach wo... das geht schon. Das passt schon“, machte er nur beschwichtigend. Was sollte er auch sonst tun? Sich Aufplustern wäre wohl die falsche Strategie.
    Noch ehe der letzte Tropfen der Libatio den Boden berührt hatte, in Tausende von kleinen Untertröpfchen aufsplitternd, als er unten aufkam, um Dea Dia zuteil zu werden, hatte Piso schon den Becher an seinen Mund herangeführt und schickte sich an, daraus seinen ersten Schluck zu nehmen. Und als der Wein sich gleichmäßig endlich auf dem Boden ausbreitete, setzte Piso wieder ab. Er hob die rechte Augenbraue marginal. Wie? Gracchus war froh und entschuldigte sich?
    Seine Stirn glättete sich wieder, wie er die—typisch Gracchus—überaus kompliziert vorgebrachte Erklärung gab für seine Worte. War das Zorn, was Piso da sehen konnte? Piso blinzelte und nahm wieder einen Schluck.
    “Manius... ich kann dich verstehen.“ Er nahm wieder einen Schluck. “Denkst du, ich habe eine hohe Meinung von ihm? Pah.“ Das war nicht wirklich etwas, was man sich von einem Sohn zu sagen erwarten durfte. Aber Piso sprach die Wahrheit. “Mein Vater hat meine Kindheit zu einer endlosen Hölle gemacht“, machte Piso tonlos. “Er hat meine Mutter umgebracht.“ Peng, jetzt war es raus. Aber Gracchus konnte sich vielleicht denken, was passiert war. “Niemals habe ich auch nur einen Funken Liebe bekommen. Oder Anerkennung. Leontia hier, Nigrina da. Aber ich?“ Er schnaufte aus. “Ohne meine Freunde damals in Ravenna, und ohne Vera, hätte ich es nie ausgehalten. Götter, bin ich froh, dass ich aus Ravenna weg bin. Keine hundert Pferde ziehen mich dort wieder hin. Ich habe ja schon daran gedacht, meinen Landbesitz in Oberitalien gegen Landbesitz weiter südlich einzutauschen, um meine letzten Bindungen an Oberitalien abzubrechen.“ Es war kein Zorn, der in ihm sprach, eher Deprimiertheit.
    Das Ende seiner Tirade nutzte er, um noch einmal einen Schluck Wein zu trinken.
    Seine Schwester? Ach ja. Er nickte.
    “Deine Worte sind weise." Wie halt immer. "Nun ist es ja so, dass meine Schwester schon gut erzogen ist. Bis auf ihre eigenen Idiosynkrasien. Aber, Manius, ich glaube nicht, dass es je einen Flavier gegeben hatte, die sich jene austreiben lassen hatte.“ Idiosynkrasie! Piso wurde seinem Vetter auch immer ähnlicher. Würde er in zehn Jahren auch auf seinem Stühlchen in seinem Tabularium hocken und weise Sprüche klopfen? Na, das würde Prisca wohl gigantisch freuen. Nun fein, die gegenwart von Gracchus konnte man sicherlich unter der Kategorie „Vokabelbereicherung“ abhaken. Ja, das war ein besserer Gedanke.
    “Aber auf jeden Fall werde ich moch bemühen. Auf jeden...“ Dann hielt er inne. Messer ins Herz? Seine Gesichtszüge entglitten ihm, und er blickte rechtschaffen dumm drein. Was war den damit schon wieder gemeint? “Ähm. Nein. So weit wird es schon nicht kommen.“

    Mochte es denkbar sein, dass Minimus es nicht schmeckte, dass auch dieser Bereich des Rechtswesens, nun ja, Rechtliches beinhaltete? Piso konnte da nicht sonderlich weter helfen, deshalb blieb Minors Onkel auch relativ ungerührt. Nun, ungerührt, bis die Frage des Kleinen kam. Diese zauberte Piso ein Lächeln auf die Mundwinkel. Er hätte fast losgelacht, doch nicht über Minimus, sondern über den Umstand, dass diese Antwort aus dem Mund von neunundneunzig von hundert Jungen in Rom richtig gewesen wäre. Aber nicht im Falle von Pisos jungem Gegenüber.
    “Nun, so, wie es mein Vater tat!“ Sein Vater, pah. Aber Piso nahm ihn einmal als Beispiel her. “Er heiratete meine Mutter per usum und sine manu. Wie die Meisten. Aber bei deinem Vater ist es anders. Dein Vater heiratete deine Mutter auch sine Manu, aber seine Art der Heirat war die Confarreatio. Weißt du was, das besprechen wir später.“ Er räusperte sich. “Minimus, warst du schon einmal auf einer Heirat? Mit Pronuba, Opfer an die Götter und Brautraub? Mit Hochzeitszug, Hochzeitsfackel und Hochzeitsessen?“, wollte er wissen.

    Piso horchte zu, nickte und legte seinen Kopf schief. Es lag nun an ihm, die Stirn in Falten zu legen. Verus war wieder einmal so schrecklich pessimistisch, dass es zum Davonrennen war. Diesen Menschen musste man auch erst einmal verstehen. Geht monatelang verlustig, sodass Piso bereits begann, sich ihn ausgeraubt und ermordet in einem Straßengraben vorzustellen, dann kreuzt er wieder auf und beginnt Piso vollzujammern. Nun gut, Pech bei den Frauen war ein legitimer Jammergrund. Piso war schon glücklich, dass er mit seiner Heirat einen großen Haken darunter setzen konnte.
    “Du eine schlechte partie? Ich denke nicht. Du bist einer der höchsten Beamten Roms, Titus, einer der höchsten Beamten Roms! Procurator a memoria! So etwas gibt es nicht an jeder Straßenecke! Titus, dich würde jede haben wollen!“ Er überlegte kurz. Heiratswillige Plebejerinnen?
    “Ich weiß auch nicht. Aber, weißt du was? Frag doch mal herum. Erkundige dich, welche angesehene und der Decima freundlich oder zumindest neutral eingestellte Gens zur Zeit ein paar unverheiratete junge Frauen hat. Mach dich schlau. Es wird auf jeden Fall etwas geben“, versuchte er ihm Hoffnung zu machen. “Und welche junge Frau könnte jemanden wie dich nicht mögen? Hab einfach nur ein bisschen Vetrauen in dich selber. Es wird schon klappen.“ Piso lächelte breit und versuchte Optimismus auszustrahlen.

    Piso kniff seine Augen zusammen, als es abermals aus ihm herausgabberte. Es war sehr unappetitlich, der Leserschaft sei aber nicht das Detail erspart, dass es dieses Mal wieder obig erwähnte unschuldige Zimmerpflanze traf. Tjatja. So war das Leben, einmal für Pflanzen, die meistens die Eigenschaft hatten, wehrlos zu sein. In diesem Sinne hatte Piso wohl Glück gehabt, nicht an eine fleischfressende Pflanze geraten zu sein.
    Wie durch einen dicht wabernden Nebel drangen die Worte seiner Schreiberin an seine Ohren. Der Schall war äquivalent zu dickflüssigem Honig. Ebenso wie die Luft, durch die er seinen rechten Arm zu bewegen versuchte, um irgendetwas zu erpacken, wo aber nichts war. “Nie wieder Alkohol“, murmelte er einen Vorsatz, von dem ein jeder wusste, dass Piso unfähig sein würde, ihn auch nur einen Tag lang einzuhalten.
    Weh getan, diese Worte materialisierten sich in seinem dicken und für ihn auf gigantische Ausmaße angewachsenen Kopf. Verletzt? Er hob seinen Kopf und schüttelte seinen Kopf.
    “Äh. Nein... nein, nein, geht schon... danke“, stotterte er heraus und hustete kurz. “Öhm. Ich glaube... ich glaube, ich... sollte ins Bett gehen...“ Er wischte sich, nachdem er sich kurz von Bridhe weggedreht hatte—vor einer Dame machte man das einfach nicht!—seinen verkleckerten Mund ab, und unterdrückte einen Schluckauf.
    “Ja... jawohl. Ich gehe jetzt ins Bett. Morgen.... morgen... mache ich dir zur Calatrix... und dann schauen wir weiter. Dann schauen wir, wie’s weiter geht. Joa. Also dann... hmm... gute Nacht. Schlaf schön und süße Träume.“
    Er stolperte an Bridhe vorbei, rumste gegen die Türe, hebelte sie auf und tappste ungelenk hinaus, mit der Absicht, in sein Zimmer zu torkeln.

    Doch war dies auch Pisos Moment? Der Flavier zauderte. Was die baumlange Vestalin hier sagte, klang ziemlich danach, als ob es keine besonderen Umstände gab, die die Sache besonders schwierig machen konnten. Ja, es war etwas, wo sich der junge Pontifex gleich einmal schon eine goldene Nase verdienen konnte, und das war eine gute Sache. Er kratzt sich unterm rechten Auge, und beschloss dann, seine Stimme zu erheben.
    “Wenn es dem Collegium recht ist, würde ich anbieten, dass ich die Aufgabe der Auswahl einer neuen Vestalin übernehme. Ich werde eine Liste von geeigneten Kandidatinnen erstellen und daraus dann eine herauswählen. Wenn die Obervestalin bis dahin krank ist, würde ich auch anbieten, sie nach Misenum zu begleiten... denn ich habe kaum Hoffnung, dass der Kaiser nach Rom kommt.“ Er versuchte, nicht zu grinsen, als er das sagte. Der Kaiser, wie lange war er jetzt schon in Misenum? Jahre? Ja, Jahre. Piso konnte sich eigentlich gar nicht mehr an eine Zeit erinnern, in welcher ein Zeichen von kaiserlicher Präsenz in Rom spürbar gewesen war.
    Er ließ seine Augen umherschweifen, um zu sehen, ob auch alle damit einverstanden wären.

    Verzeihung, dass ich diesen Thread hochhole, aber das mit den Namen hat mich schon fasziniert. ;)


    Nun ist es aber so, dass es bei Frauen nicht so entsetzlich viele Namen gibt. Florus hat aber nichtsdestotrotz eine tolle Liste zusammengetragen!


    Nun habe ich aber vor Kurzem zwei Damen im British Museum in London kennen gelernt - Büsten aus dem römischen Reich.


    Eine davon war Publia Maximina. Schaut hierher. Zitat: "The Trentham Lady, so-called because it stood for much of the 19th century overlooking the gardens at Trentham Hall in Shropshire, owned by the Duke of Sutherland. It may have been made in Greece originally, in the 2nd or 1st centuries BC, but was later re-used as a funerary statue for one Publia Maximina in the 1st century AD." Maximina lebte also im ersten Jahrhundert nach Christus, in etwa um unsere Zeit.


    Die andere war Claudia Olympias. Schaut hierher. Sie lebte unter der Kaiserherrschaft von Trajan und Hadrian, also auch um unsere Zeit.


    Ich denke, das etabliert ein ziemlich gutes Argument dafür, dass Olympias und Maximina zu den auswählbaren Frauennamen hinzugefügt werden sollten. ;)

    Sim-Off:

    Merci.


    Piso fühlte sich überrumpelt. Mächtig überrumpelt. Zuerst einmal kam da ein Kerle in seine Villa und tobte ihn so dermaßen an, dass es Piso in den Fingern juckte, ihn rauszuschmeißen und ihm ein Verfahren an den Kopf zu werfen. Und plötzlich sprach er mit Engelszungen. Wobei er Wörter einflochte, die Piso noch nie gehört hatte, die aber sein Interesse weckten.
    “Ah. Dontas. Ich erinnere mich. Ja, ich erinnere mich. Aber eine Frage habe ich. Asso-okäj? Was ist das? Klingt irgendwie parthisch oder etruskisch...“, spekulierte der Flavier, der keine Ahnung hatte, was das war. Etruskisch für „untertänigste Entschuldigung bitte“? “In Zukunft mehr Respekt“, mahnte er, auf die Entschuldigung des Mannes nicht eingehend. Mochte sich der Verginier dabei denken, was er wollte; dass Piso über seine Ungehobeltheit hinwegsah oder aber seine Entschuldigung nicht annahm.
    Bewusst in eine Falle laufen? Das klang auch nicht sonderlich netter. Obwohl, wenn Piso damals gewusst hätte, was für ein frecher und unerhörter Kerl das war, dann hätte er ihn zu irgendeinem Typen nach Massilia oder Londinium geschickt, das wäre ihm recht geschehen!
    “So, Tiberius hat dir also nicht weiterhelfen können...“, machte er halblaut und betrachtete den Typen. Absolut ungeeignet für den Cultus Deorum, dieser Knabe Verginius. Aber tja, damals hatten sie auch Aoide mit Kusshand genommen... ihm schoss ein gedanke durch den Kopf. Es war eine geradezu diabolische Idee. Ein Grinsen zeichnete sich auf seinem Mund ab.
    “Weißt du was? Machen wir es kurz. Beenden wir deine Odysee. Ich teile dir einfach höchstselbst einen Lehrer zu. Und zwar...“ Er tat so, als würde er überlegen, bevor er weiterredete. “Germanica Calvena. Sie ist Aeditua der Iuno. Geh zu ihr hin und gib ihr das Schreiben, das, ähhh.... Antiochos!“
    Ein Grieche eilte herbei, samt Pergament und Tinte. Piso diktierte ihm seinen Brief.


    An
    Germanica Calvena
    Casa Quintilia
    Roma


    A Flavius Piso Senator Pontifexque Germanicae Calvenae Aedituae salutem dicit.


    Hiermit weise ich dich an, den Träger dieses Briefes, den Discipulus G Verginius Tricostus, in deiner Funktion als Aeditua auszubilden. Ich selber werde die Septemviri von dieser Aufgabenübertragung berichten. Beginne die Ausbildung so eh wie möglich.
    Den Segen der Götter über dich.


    [Blockierte Grafik: http://img192.imageshack.us/img192/1395/unterschriftsenafp.png]


    Hehe. Die haben sich einander verdient. Piso übergab dem Verginier die Schriftrolle.
    “Also. Geh in die Casa Quintilia und übergib das an Germanica Calvena. Sie wird dich als Discipulus nehmen.“ Und wage dann bloß nicht, wieder zu mir zu kommen und dich aufzuregen, sonst heißt es ab nach Germanien für dich! Oder in die arabische Wüste!


    [SIZE=7]EDIT: Verflixtes Latein.[/SIZE]