Linus von Patrae
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Linus war auf einem seiner inzwischen öfter vorkommenden Stipvisiten bei seinem Freund Damio, was vor allem daran lag, dass die Köchin des Hauses Accia mehr zu bieten hatte als seine eigene Frau. Das erzählte er ihr natürlich nicht, er hatte schließlich ein nicht unbeträchtliches Interesse am Frieden im eigenen Hause. Aber als bekennender Gourmet nahm er sich hin und wieder Auszeiten von seiner stoischen Selbstenthaltung, und gönnte sich einen kleinen Snack.
Kurz nachdem er eingetreten war hatte es einmal laut gescheppert, und der Sklave, der ihm wie immer einen Becher Wein in die Hand drückte sah auf Nachfrage nur kopfschüttelnd ins innere des Hauses. Und dann wieder: ein laut vernehmbares Bersten, dann ein Schrei, und wieder ging irgendwas nicht gerade leise zu Bruch. Linus, ein recht neugieriger Mensch, ging vorsichtigen Schrittes dem Lärm nach, bis er den immer lauter werdenden Krach zu einer verschlossenen Tür verfolgt hatte. Vor der ein sichtlich gelassen dreinschauender Damio mit einem Becher Wein in der Hand in einem Bastsessel hockte, und die Tür betrachtete.
"Damio!", machte Linus auf sich aufmerksam, nachdem ein weiteres Scheppern verklungen war, "Was bei Pluto geht da drinnen vor sich?"
Lucius Accius Damio
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"Oh... Linus. Schön dich zu sehen.", säuselte der Römer munteren Blickes, "Komm, setz dich und genieße das Schauspiel."
Zu perplex, um sich zu widersetzen ließ der Grieche sich in einen Sessel fallen, denn ein Sklave herbeigeschoben hatte, und blickte seinen Freund immernoch sehr irritiert an: "Also.. hast du dir einen Mob wilder Kimbern ins Haus geholt? Was soll das? Und wieso bist du so ruhig... was ist dahinter? Die Küche? Oh bitte nicht die Küche!"
Damio winkte mit lässiger Hand ab, nippte am Wein und schien noch einmal genauer hinzuhören als hinter der Tür wieder wütendes Gebrüll erklang: "Hörst du? Wie interessant... ich war nie bei den Legionen.. aber jetzt weiß ich, wie sich so germanisches Gebrüll anhört. Wunderbar, sage ich dir... was? Ach, nein... das Triclinium. Ich wollte es eh neu einrichten lassen... von daher nimmt Vala mir gerade einen gewissen Teil der Entscheidungsfindung ab."
"VALA IST DA DRINNEN?", staunte Linus einen Moment mit offenen Munde, bevor sich ehrliche Empörung in ihm ausbreitete: das hörte sich nicht so an, als hätte sein Schüler die vielen Lektionen über Selbstbeherrschung und Eigenkontrolle verstanden. Mit einem Satz, den man dem fülligen Griechen garnicht zutrauen wollte, war er auf den Beinen, und wollte sich schon mit finsterem Blick daran machen das Schlachtfeld zu betreten, als Damio ihn mit einer drohenden Geste in den Sessel zurück zwang: "Dass du es ja nicht wagst, den Jungen bei seinem Tun zu unterbrechen."
"Wieso sollte ich nicht? Das, was er da drinnen gerade tut ist sicherlich alles andere als griechische Gelassenheit. Und sicherlich auch nicht das Betragen eines zukünftigen Senators, sondern die Barbarei eines germanischen Wilden!", protestierte Linus, bevor er den Becher Wein in einem Sturz leerte und mit wild fuchtelnder Hand nach einem neuen verlangte.
"Na und? Verkenne die Herkunft unseres Schützlings nicht.. die Germanen haben uns nicht umsonst mehrfach geschlagen. Ich denke, es wäre ein Gutes wenn wir das in unsere Planungen mit einbeziehen.", murmelte Damio während die Tür unter dem Aufprall von irgendwas undefiniertem erbebte.
"Für was soll das gut sein? Als Abrisskommando? Ich bitte dich.. ein Senator, der wild mordend durch die Curia Iulia marodiert kann unmöglich dein Ziel sein.", gab der Grieche patzig zurück, "...aber warum ist der Junge eigentlich so wütend?"
"Diese Energie kann man durchaus auch für andere Dinge verwenden, als nur dafür den Senat auszulöschen, werter Linus.", redete Damio weiter, als würde er gerade einem Schuljungen erklären warum es nachts dunkel war, "Er war bei dieser Iunia... dieser Axilla. Ich habe es geschafft ihn zu überreden, sie doch nicht umzubringen. Dafür musste allerdings ihr Leibsklave daran glauben.. ein fairer Kompromis, wenn du mich fragst. Nun... er war bei ihr, um sich zu erkundigen ob sie wirklich ein Kind verloren hatte. Dieser... ehm... dieser.. wie heißt der amtierende Procurator a Memoria noch einmal?"
"... ... Caius Aelius Archias ... ... ", warf Linus in den Raum.
"Achja, genau der... nun, der hat die werte Iunia anscheinend schon VOR der Hochzeit auf's Kreuz gelegt. Sie war schwanger.. ein netter Schachzug, wenn du mich fragst, die Iunii verstanden es schon immer vortrefflich sich an der Oberfläche zu halten. Nun... er war da... und da ist etwas passiert...", man konnte dem Römer ansehen, wie sehr ihn das ganze amüsierte.
"...und was? Hat er sie auch auf's Kreuz gelegt?", riet Linus einfach ins blaue, nicht die geringste Ahnung habend, worauf sein Freund hinaus wollte.
Der winkte ab: "Sei nicht albern.. viel, viel besser."
"Oh nein...", ächzte Linus, dem langsam dämmerte, was geschehen war, "...du willst mir nicht sagen, dass er die ganze Arbeit auf sich nimmt, sich mit einem nicht unbedingt machtlosen römischen Beamten anlegt und mitten auf der Straße einen Mord begehen lässt, nur um einen Sklaven zu meucheln, um sich letztendlich in die Frau zu verlieben, oder?" Kraftlos ließ er sich in den Sessel zurücksinken, und griff sich theatralisch an die Stirn.
"Nein. Wie gesagt: sei nicht albern. Aber da du anscheinend nicht in der Lage bist, selbst darauf zu kommen, will ich es dir sagen: er bereut es.", schmunzelte Damio triumphierend, und prostete seinem Freund aufmunternd zu.
"Wie, er bereut es?", fragte der alte Grieche, immernoch ratlos auf einer Wasserleitung stehend.
"Nun...", beugte der Römer sich vor, und dachte einen Moment nach, bevor er das umschrieb, "..bisher ist unser Freund durch's Leben gestapft, ohne eine einzige seiner Entscheidungen zu hinterfragen. Das kann durchaus eine Stärke sein. Aber wenn es um so etwas geht... ein Mord begeht man nicht nur aus gekränktem Stolz. Man begeht ihn, weil man durch diesen Mord einen hohen Gewinn erzielt, den man ohne diesen Mord im Leben nicht bekommen hätte."
"Du zitierst gerade mich. Danke für diese Lehrstunde.", raunte Linus schmollend, sich hinter seinem Becher versteckend während wieder Gebrüll in dem Zimmer erklang und irgendetwas zu Bruch ging. Linus fragte sich, wieviel zerbrechliche Gegenstände Damio eigentlich im Triclinium aufbewahrt hatte.
"Umso schlimmer, dass du nicht selbst darauf gekommen bist, werter Linus.", paraphrasierte Damio, um weiter mit seiner Erklärung fortzufahren: "Der Mord an diesem Sklaven war.. nicht weiter erwähnenswert. Aber was unser junger Freund weiß, ist: eigentlich sollte dieser Sklave nicht sterben. Sondern die Frau. Und das treibt ihn gerade zum Wahnsinn."
"Wieso? Ich meine... sie ist irgendeine... was soll das?"
"Du begreifst es nicht... aber was erwarte ich das auch von einem Stoiker. Vala glaubte, etwas wegzuwerfen, das ihm nichts bedeutete. Aber jetzt bemerkt er, dass er nichts weggeworfen hätte. Sondern etwas verloren. Und wenn er beginnt Werte von Wertlosem zu trennen, sind wir schon einen großen Schritt weiter von der Barbarei zu unserem letztendlichen Ziel. Wer nichts zu verlieren hat, kommt meist nicht weit. Wer aber etwas verlieren kann, bringt eine Vorsicht mit, die uns alle den Hals retten kann, wenn es zum Fall der Fälle kommt.", erklärte der Römer zuende, und blickte seinen Freund fragend an, als ob er sagen wolle: Hast du es jetzt endlich verstanden, elender Suffkopf?
"Ah...", ging dem Griechen ein Licht auf, "...das macht Sinn."
"Natürlich macht es das...", erwiderte Damio gespielt empört, "..und dafür opfere ich gerne ein paar alte Holzmöbel."