Beiträge von Titus Duccius Vala

    "FÜNF LEibwächter?", staunte Vala ehrlich, und sah Axilla kritisch an, "Das ist ja... das ist ja... also, entweder das ist ein Kompliment für dich, weil du ihm soviel wert bist, oder eins an mich, dass er denkt, es würde ganze fünf Leibwächter brauchen, um mich abhalten zu können dich ins Elysium zu schicken... ... ... na, bleiben wir lieber bei ersterem."
    Sprach er, und glaubte an zweiteres. Fünf Leibwächter. Ein wenig stolz war Vala schon auf sich. Ach, was heißt ein wenig stolz? Der Aelier hatte so die Hosen voll, dass er die Luft um seine Ehefrau mit Leibwächtern PFLASTERTE.
    Der Punkt ging eindeutig an ihn. Mal wieder. Der Aelier würde sich einiges einfallen lassen müssen, um das wieder wett zu machen... wenn er es überhaupt darauf anlegte, aus der Schlacht einen Krieg zu machen. Wenn.


    "Werte Iunia.", sprach Vala mit der steten Förmlichkeit, mit der er die Menschem auf Armlänge auf Distanz hielt, "Wenn du so etwas sagst, könnte Mann auf falsche Gedanken kommen..."
    Das war einer jener Momente, in denen ein Flirt nicht mehr zu verbergen war. Aber genau das war die Arena, in der Vala sich bestens auskannte, und so wandte er den Kopf, als wäre ihm just etwas eingefallen, sah der Frau in die Augen, wanderte mit seinem Blick dann schließlich bewusst langsam ihren Körper hinab, jede vom Stoff angedeutete Kontur taxierend, um schließlich fast noch langsamer wieder hinauf zu gleiten, und ihr wieder tief in die Augen zu sehen: "Andererseits stellt sich jetzt die Frage, wie falsch so ein Gedanke schon sein kann?"

    "Ich würde mich über Unterstützung deinerseits sehr freuen, Senator Annaeus.", lächelte Vala leicht, hoffte er doch, dass sich das Interesse des Annaeers an seiner Sippe auch in seinem Wahlverhalten wiederspiegeln würde.


    Der Senator führte das Gespräch auf ein schnelles Ende zu, und Vala war ob der Kürze der Unterredung recht konsterniert. Als er dann noch ein Präsent in die Hand gedrückt bekam, konnte er seine Verwirrung nichtmehr verbergen, und sah den Senator überrascht an, unterließ es jedoch, sie zum Ausdruck zu bringen. Irgendwas würde der Annaeer sich dabei gedacht haben, und irgendwann würde sich der Sinn dessen auch Vala erschließen. Stellte sich nur die Frage, wann.


    "Es war mir eine Selbstverständlichkeit, Senator. Meinen Dank hierfür..", floskelte er noch, als er zur Tür geleitet wurde, und verabschiedete sich mit einem freundlichen Nicken, "Vale bene, Senator Annaeus."

    Es war spät am Abend, und die Dunkelheit verschlang immer mehr für die Arbeit essentielles Licht, als Vala eine der letzten Abrechnungen und Abschlussschriften für die Spiele vollendete und mit einem Seufzen den mit trockener Tinte schon ziemlich verkrusteten Griffel beiseite legte.


    "Senator.", meinte er, nach Monaten der Zusammenarbeit immernoch auf eine gewisse Distanz beharrend, die ein gewisser Grieche für essentiell für professionelle Arbeit hielt, während er sich müde die Augen rieb, "Bevor ich dich nun verlasse, würde ich gerne noch auf zwei Dinge zu sprechen kommen die mich schon einige Zeit beschäftigen. Das heißt, wenn du mir diesen Moment gönnst."

    Lucius Flavius Furianus
    Villa Flavia


    Titus Duccius Vala Consuli Flavio Furiano s.d.


    Ehrwürdiger Consul Furianus,


    mein Name ist Titus Vala aus der Familie der Duccii, und ich möchte mich für die kommenden Wahlen zum Cursus Honorum aufstellen lassen. Ich bitte dich um ein Treffen, um über dieses Vorhaben zu sprechen.


    Ich wäre dir sehr dankbar, könntest du es einrichten mir eben diesen Moment deiner Zeit zu schenken. Bitte lass mich wissen, ob und wann du das einrichten kannst.


    Vale bene,




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    Lucius Aelius Quarto
    Palatium Augusti | Domus Aeliana


    Titus Duccius Vala Consulari Lucio Aelio Quartoni s.d.


    Verehrter Consularis Aelius,


    ich will mir nicht anmaßen zu denken, du würdest dich nach unserem kurzen Treffen am Tische des Prudentius Balbus an mich erinnern. Ich habe dieses Treffen allerdings gut in Erinnerung.
    Ich schreibe dir, um dich um einen Moment deiner Zeit für ein Gespräch zu bitten. Ich möchte einerseits über eine Reform der Lex Provincialis sprechen, andererseits über meinen persönlichen Werdegang.


    Ich wäre dir sehr dankbar, könntest du es einrichten mir eben diesen Moment deiner Zeit zu schenken. Bitte lass mich wissen, ob und wann du das einrichten kannst.


    Vale bene,




    Der Consul zeigte sich sehr hartnäckig, und die durchaus berechtigten Argumente des Caeciliers prallten an ihm ab wie Kieselsteine an der Rüstung eines Centurionen. Vala empfand das Hin und Her zwischen den Männern als interessantesten Moment der letzten Wochen, spielte sich hier doch nichts anderes als als effektiv praktizierte Politik.
    Irgendwann jedoch hatte sich die Diskussion festgefahren, und beide Männer bewegten sich keinen Schritt vor noch zurück. Allerdings sah Vala in einer Anmerkung des Konsuls die Möglichkeit, hier doch noch voran zu kommen.


    "Ich denke, der Vorschlag des Decretums ist durchaus sinnvoll und dürfte uns sehr zur Genüge reichen.", konstatierte Vala, und verpackte eine Bedingung damit als Kompliment, "Eine Empfehlung des Senats dürfte einen nicht geringeren Effekt haben als die letztendliche Festlegung in Form einer Lex. Wenn der Senat denn wirklich ein Decretum herausgibt, und nicht nur einen Kommentar, dürfte das unseren Einwänden ebenso wie deinen entsprechen."


    Es war ein Kompromiss, aber durchaus ein brauchbarer.

    Abrax
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    Leicht würde dieser Kampf nicht. Abrax hatte das auch nicht erwartet. Doch bereits, wie Lobo seinen Angriffen begegnete, zeigte ihm deutlich, dass es ein hartes Stück Arbeit werden würde. Auch wenn der Dimachaerus nur leicht gewappnet war, er bot keine Angriffsfläche. Und seine Technik hatte nur wenig Ästhetisches an sich, war rein aufs Überwältigen seines Gegners ausgelegt und dadurch umso gefährlicher.
    Abrax' Attacken waren kurz und präzise. Die gebogene Form der Sica zwang ihn dazu, seine Angriffe mehr seitlich zu setzen. Wenn er die geraden Schneiden seines Gegners umgehen konnte, hatte er die Chance, ihn zu verletzen oder aber ihm die Waffen zu entreißen. Letzteres allerdings nur mit sehr viel Glück, denn Lobo war kein Anfänger. Und so tat er sein Bestes, eben jenes zu bewerkstelligen, und tatsächlich verhakte sich einen Moment seine Waffe mit einem der Schwerter. Allerdings reichte seine Kraft nicht, dem Dimachaerus die Klinge zu entwinden.
    Stattdessen sprang jener geschickt zurück, machte sich damit frei und ging zum Gegenangriff über. Seine Parma war nicht groß genug, um beide Schneiden zu blockieren, aber auch Abrax war kein blutiger Anfänger mehr. Er fing die untere Klinge mit der Parma ab, so dass sie nur dumpf auf das verstärkte Holz auftraf. Die obere blockte er gleichzeitig mit seiner Sica. Allerdings beließ er es nicht dabei, den Angriff nur abzuwehren. Wie gesagt, um zu siegen, musste er angreifen. Also führte er die Bewegung weiter, drehte seinen Schild so, dass die untere Klinge nach unten rutschen musste. Sein Schwert war zwar blockiert, aber ein Kämpfer bestand ja nicht nur aus jenem. Sein von der Manica geschützter und verstärkter Ellbogen traf den Dimachaerus an seiner ebenfalls so geschützten Schulter. Leider tat Lobo ihm nicht den Gefallen, durch diesen heftigen Stoß das Gleichgewicht zu verlieren. Auch nicht, als Abrax mit Druck auf Schild und sein Schwert nachhalf und seinen Kontrahenten mehr in eine Richtung drängte. So dicht beieinander hatte der Kampf mehr etwas von einem Ringwettbewerb. Lange konnte das nicht gehen, und als Abrax merkte, dass er hier keinen Erfolg hatte, stieß er seinen Gegner mit einem kräftigen Schubser von sich.
    Das hatte Kraft gekostet, und dennoch glaubte Abrax nicht, dass es umsonst war. Er nickte einmal leicht seinem Gegner zu, hoffte, ihn zu provozieren. Seine größte Chance war, dass der Dimachaerus wütend werden würde und dann einen Fehler beging. Jeder machte Fehler, wenn er nur wütend genug war. Und um seinem Zorn noch weitere Nahrung zu geben, ließ er auch gleich einen weiteren Angriff auf Lobos linke Hüfte folgen.

    Abrax [/B]
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    Auch Abrax betrachtet den Fleck auf dem Boden. Allerdings waren seine Gedanken eher düster und schwermütig. Wenn das Publikum einmal Blut geleckt hatte, waren sie wie die Straßenköter. Sie balgten sich um jedes noch so kleine Stück Fleisch, das ihnen präsentiert wurde und kannten in ihrer Raserei kein halten. Oder aber es war noch nicht genug Blut geflossen und sie bestanden auf einen Tod, um ihre Gier zu befriedigen. Deswegen hasste er es, erst so spät in die Arena geschickt zu werden.
    Kurz musterte er seinen Gegner. Er hatte von Lobo bereits gehört. Der nahm keine Rücksicht auf seinen Kontrahenten. Der war ebenso wie das Publikum nicht mehr als ein wilder Hund, der zerfetzen wollte. Entgegen der üblichen Sitte hatten sie beide auch nicht am Vorabend miteinander trainiert. Abrax hatte es sich überlegt, denn jedwedes Training war gut, um die Fähigkeiten des anderen einzuschätzen. Es war gut, seine Bewegungen zu sehen, seine Fähigkeit, Schritte zu setzen, seine Balance zu testen. Allerdings hatte er es dennoch ausgeschlagen. Die Befürchtung, der Ravenner könnte ihn absichtlich verletzen, um ihn zu schwächen, war einfach zu immanent. Und lieber kämpfte er heute mit ganzer Kraft und ein wenig weniger Wissen, als verletzt und um eine Erfahrung reicher.


    Er wand sich der leeren Kaiserloge zu und hob zum Gruß seine Sica, sprach die Formel mit seinem Kontrahenten im Chor und stellte sich dann auf. Er kämpfte nicht gerne gegen einen Dimachaerus. Mit seinen zwei Schwertern kannte der nur eine Taktik: Angriff. Und er musste aufpassen, dass er nicht nur damit beschäftigt war, sich zu verteidigen. Noch widerlicher waren nur Scissores, die ihre Waffen direkt an den Händen trugen und einem damit nahe kamen und zu umklammern versuchten. Nein, er bevorzugte Murmillones als Gegner, da waren Bewaffnung und Reichweite ähnlich, und der Kampf dadurch taktischer und seiner Meinung nach spannender. Nur fragte niemand nach seiner Meinung.
    Kaum hatten die Schiedsrichter das Zeichen gegeben, zuckte auch schon ein Schwert in seine Richtung. Seine Parma blockte den Stoß und gab ein dumpfes Hallen von sich. Abrax unterdrückte seinen Ärger und konzentrierte sich auf den Kampf. Es nutzte nichts, sich hinter seinem Schild zu verschanzen. Um zu gewinnen musste er angreifen. Und genau das machte er jetzt auch mit einigen gezielten Hieben seines gebogenen Kurzschwertes.

    "Oh mann...", seufzte Vala, und ließ theatralisch den Kopf hängen, "...da gibt man sich die größte Mühe, dich nicht in Probleme zu bringen, und du verstehst es nicht einmal. Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal direkt an den Aelier schreiben: Mordversuch hat beim ersten Mal nicht geklappt, bitte schick deine Frau an dem und dem Zeitpunkt in die und die Ecke beim Hafen. Achja, es wäre nett, wenn du davon absehen könntest irgendwelche Gegenmaßnahmen zu treffen."


    Mit einem Satz stieß er sich von den Kisten ab, landete kaum zwei Schritte vor ihr, richtete sich wieder kerzengerade vor ihr auf und strich sich die herumwirbelnden Haare mit einem wölfischen Grinsen auf dem Gesicht. Eine höfische Verbeugung mit einem geschwundenen Handbewegung deutete den Tiber hinauf in die Stadt hinein: "Aber da du ja jetzt da bist, können wir ja auch los. Bereit?"

    Lucius Vocasius Pancras betrat die Arena und schritt würdevoll zu dem Sieger hinüber. “Bravo dem tapferen Sieger!“ schallte seine Stimme durch die Arena, als er dem Mann den Ölzweig reichte. Der Besiegte gurgelte in diesem Moment die letzten Reste seines Lebens in den Sand des Kampfplatzes. Und die Zuschauer jubelten dem Gewinner zu.
    Während Cassius sich feiern ließ und mit immer wieder zum Sieg erhobenen Armen zur Arena hinausschritt, kamen einige Helfer vorbei. Sie tasteten noch einmal nach Lebenszeichen bei dem Hoplomachus und hievten ihn schließlich dann auf eine mitgebrachte Bahre. Ein Tuch wurde über ihm ausgebreitet, wie es Sitte war, und dann nahmen die Burschen ihn mit sich. Für ihn ging es hinaus durch die Porta Libitinaria , das Tor der Venus Libitina, Venus in ihrer Eigenschaft als Göttin der Leichname und der Bestattung.

    Während Vala auf dem Stapel Kisten hockte, und sich Gedanken darüber machte, wie er möglichst viele Senatoren für DAS Projekt begeistern könne, fiel sie ihm auf. Sie war allein. Tatsächlich. Instinktiv fragte Vala sich, ob der Aelier einfach nur einfältig war, oder ob sein kleiner Überfall tatsächlich nur als das wahrgenommen wurde. Und wenn dem schon so sei, wieso ließ er seine Frau dann weiterhin alleine am Hafen rumlaufen? Nun, es war helligter Tag.. oder so gut wie.. und der Hafen war voll mit vor Kraft strotzenden Seemännern die sich für ein Schäferstündchen mit einer schönen Frau wohl in zehn Schlägereien stürzen würden. Und dennoch... Vala roch eine Falle. Automatisch suchte er sämtliche Lagerhäuser ab, die dunklen Gassen die sich zwischen ihnen schlängelten dürften wohl genug Schläger verstecken, um ihm auch den letzten Tropfen Blut aus dem Leib zu prügeln.
    Und dann fiel ihm wieder ein, was die Iunia ihm gesagt hatte. Sie würde ihn gerne wieder sehen... war sie dazu überhaupt in der Lage? Ihm eine Falle zu stellen? Und war ihr Mann überhaupt dazu in der Lage? Bisher hatte Vala sich kein Bild von dem Aelier machen können, was ihn irgendwie Gefahr verheißen hätte.


    Er pfiff, als sie nahe genug an ihm dran war und wieder einem Mann eine Frage stellte.
    "Iunia Axilla.", grinste Vala sie an, immernoch auf dem Stapel Kisten hockend, "Du kommst spät..."

    Darius
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    Darius nutzte die Pause, um kurz zu verschnaufen. Er hatte nicht gedacht, dass er den Murmillo so treffen würde, aber er war auch nicht unglücklich darüber. Wenn es ihm gelang, die Seite noch mehr zu attackieren, ging dem Ravenner früher oder später die Kraft aus, ihn zu attackieren. Und auch die Kraft, sich zu verteidigen.
    Der Schiedsrichter gab den Kampf wieder frei, und Darius fasste den Speer wieder sicherer. Kurz taxierte er seinen Gegner, wie dieser sich aufstellte. Auch wenn er blutete, auch er hatte einen Moment zum Ausruhen gehabt und war nun wohl konzentrierter. Darius atmete erneut durch und griff dann wieder an. Sein Ziel war wieder die verletzte Schulter, aber diesmal war Cassius besser vorbereitet. Der Schlag wurde vom Schild geblockt. Noch in der rückwärtigen Bewegung aber fühlte er den Schlag durch den langen Schaft, mit dem der Murmillo die Waffe zu Boden zwang. Hätte er sie nur ein wenig lockerer gehalten, er hätte sie bei dieser Attacke verloren. So aber war der Murmillo näher an ihm heran und Darius bekam gerade noch rechtzeitig seinen Schild zwischen sich und den Gegner, um das Schwert abzuwehren. Er musste zurückweichen, versuchte beharrlich, seine Waffe wieder einsatzbereit positionieren zu können, aber weitere Schläge hinderten ihn daran, sie zum Angriff einzusetzen.


    Er hörte die Rufe von den Zuschauern, wie sie seinen Gegner anfeuerten, und dazwischen die erschreckten Laute derer, die auf ihn gewettet hatten und ihren Einsatz in Gefahr sahen. Und sie hatten recht, er musste etwas tun. Mit einem kraftvollen Schwung fegte er mit seinem Rundschild das Gladius seines Gegners beiseite, nutzte die entstehende Lücke, um seine Hasta in Anschlag zu bringen, sprang vor der Riposte seines Gegners nach hinten weg und ging wieder zum Angriff über. Sein Ziel war nach wie vor die verletzte Schulter, und sein Speer zuckte zielsicher und gerade vor. Er fühlte den Widerstand der Manica am Schwertarm des Murmillo, aber sein Speer glitt daran ab. Er wollte mit seinem kleinen Schild nachsetzen, als sein Gegner sein Schwert geschickt drehte und nach seiner ungedeckten Brust schlug. Darius wich zur Seite aus, und fühlte noch einen Biss am Hals. Er dachte noch, warum der Murmillo ihn nicht mehr attackierte, und hörte noch das erschreckte Aufkeuchen der Menge, aber es dauerte einen Moment, ehe er den Schmerz fühlte und sich hastig an den Hals fasste. Er fühlte das klebrige Blut dort mit Kraft heraustreten und wollte etwas sagen, aber es kam nur ein Gurgeln heraus. Der Speer fiel auf den Boden, denn Darius brauchte beide Hände für den verzweifelten Versuch, den Blutstrom irgendwie einzudämmen.


    ad
    Unia Acsilla
    Palatium Augusti
    Domus Aeliana


    Werde Domina,
    ik sreibe im Uftrag des Lagercasae Torquatinimi, sexte Strasse Ecke siebte ann die Hängen des Monns Aventinnus, nahe die Hafen. Hier wurde fünf Ballen germanisse Wolle afgegeben, wie scho zuvor, für die Tecstor Uniae, die gehören dir. Alladings wollen nicht schaffen dirkt zu deine Werkstatt, un ic habe nicht die Mann, wie du wissen. Es kossten vil Geld zu bewaren die Wolle hir, drum ich bitten dich zu komm und zu schau ob Wolle dein. Du treffen mi morgen in die achte Stunde, an meine Dock.


    Tiberius Durmius Valens

    ...sollte sie sich vor dem Wolf fürchten. Vala hockte, inneren Gedanken nachsinnend, auf einem Stapel Kisten und blickte auf den unbekümmert vor sich hinströmenden Tiber. Ein Stück Süßholz wurde langsam von ihm kleingekaut, und immer wieder suchte der junge Germane das Treiben am Hafen nach verräterischen Bewegungen ab.
    Es war ein heikles Spiel, dass er hier spielte, aber der Nervenkitzel lag ihm so sehr wie einem Fisch das Schwimmen. Auch wenn er sich hier nicht unbedingt durch Heerscharen feindlicher Kämpfer prügelte, diese Schlacht wurde viel subtiler ausgefochten.


    Er spuckte das zerkaute Stück in den Tiber und zog ein neues hervor, während er das Glitzern der flachen Wellen betrachtete, und sich daran zu erinnern versuchte, ob er den Rhenus jemals mit der gleichen Hingabe betrachtet hatte.

    Linus von Patrae
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    Linus war auf einem seiner inzwischen öfter vorkommenden Stipvisiten bei seinem Freund Damio, was vor allem daran lag, dass die Köchin des Hauses Accia mehr zu bieten hatte als seine eigene Frau. Das erzählte er ihr natürlich nicht, er hatte schließlich ein nicht unbeträchtliches Interesse am Frieden im eigenen Hause. Aber als bekennender Gourmet nahm er sich hin und wieder Auszeiten von seiner stoischen Selbstenthaltung, und gönnte sich einen kleinen Snack.
    Kurz nachdem er eingetreten war hatte es einmal laut gescheppert, und der Sklave, der ihm wie immer einen Becher Wein in die Hand drückte sah auf Nachfrage nur kopfschüttelnd ins innere des Hauses. Und dann wieder: ein laut vernehmbares Bersten, dann ein Schrei, und wieder ging irgendwas nicht gerade leise zu Bruch. Linus, ein recht neugieriger Mensch, ging vorsichtigen Schrittes dem Lärm nach, bis er den immer lauter werdenden Krach zu einer verschlossenen Tür verfolgt hatte. Vor der ein sichtlich gelassen dreinschauender Damio mit einem Becher Wein in der Hand in einem Bastsessel hockte, und die Tür betrachtete.


    "Damio!", machte Linus auf sich aufmerksam, nachdem ein weiteres Scheppern verklungen war, "Was bei Pluto geht da drinnen vor sich?"


    Lucius Accius Damio
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    "Oh... Linus. Schön dich zu sehen.", säuselte der Römer munteren Blickes, "Komm, setz dich und genieße das Schauspiel."


    Zu perplex, um sich zu widersetzen ließ der Grieche sich in einen Sessel fallen, denn ein Sklave herbeigeschoben hatte, und blickte seinen Freund immernoch sehr irritiert an: "Also.. hast du dir einen Mob wilder Kimbern ins Haus geholt? Was soll das? Und wieso bist du so ruhig... was ist dahinter? Die Küche? Oh bitte nicht die Küche!"


    Damio winkte mit lässiger Hand ab, nippte am Wein und schien noch einmal genauer hinzuhören als hinter der Tür wieder wütendes Gebrüll erklang: "Hörst du? Wie interessant... ich war nie bei den Legionen.. aber jetzt weiß ich, wie sich so germanisches Gebrüll anhört. Wunderbar, sage ich dir... was? Ach, nein... das Triclinium. Ich wollte es eh neu einrichten lassen... von daher nimmt Vala mir gerade einen gewissen Teil der Entscheidungsfindung ab."


    "VALA IST DA DRINNEN?", staunte Linus einen Moment mit offenen Munde, bevor sich ehrliche Empörung in ihm ausbreitete: das hörte sich nicht so an, als hätte sein Schüler die vielen Lektionen über Selbstbeherrschung und Eigenkontrolle verstanden. Mit einem Satz, den man dem fülligen Griechen garnicht zutrauen wollte, war er auf den Beinen, und wollte sich schon mit finsterem Blick daran machen das Schlachtfeld zu betreten, als Damio ihn mit einer drohenden Geste in den Sessel zurück zwang: "Dass du es ja nicht wagst, den Jungen bei seinem Tun zu unterbrechen."


    "Wieso sollte ich nicht? Das, was er da drinnen gerade tut ist sicherlich alles andere als griechische Gelassenheit. Und sicherlich auch nicht das Betragen eines zukünftigen Senators, sondern die Barbarei eines germanischen Wilden!", protestierte Linus, bevor er den Becher Wein in einem Sturz leerte und mit wild fuchtelnder Hand nach einem neuen verlangte.


    "Na und? Verkenne die Herkunft unseres Schützlings nicht.. die Germanen haben uns nicht umsonst mehrfach geschlagen. Ich denke, es wäre ein Gutes wenn wir das in unsere Planungen mit einbeziehen.", murmelte Damio während die Tür unter dem Aufprall von irgendwas undefiniertem erbebte.


    "Für was soll das gut sein? Als Abrisskommando? Ich bitte dich.. ein Senator, der wild mordend durch die Curia Iulia marodiert kann unmöglich dein Ziel sein.", gab der Grieche patzig zurück, "...aber warum ist der Junge eigentlich so wütend?"
    "Diese Energie kann man durchaus auch für andere Dinge verwenden, als nur dafür den Senat auszulöschen, werter Linus.", redete Damio weiter, als würde er gerade einem Schuljungen erklären warum es nachts dunkel war, "Er war bei dieser Iunia... dieser Axilla. Ich habe es geschafft ihn zu überreden, sie doch nicht umzubringen. Dafür musste allerdings ihr Leibsklave daran glauben.. ein fairer Kompromis, wenn du mich fragst. Nun... er war bei ihr, um sich zu erkundigen ob sie wirklich ein Kind verloren hatte. Dieser... ehm... dieser.. wie heißt der amtierende Procurator a Memoria noch einmal?"


    "... ... Caius Aelius Archias ... ... ", warf Linus in den Raum.


    "Achja, genau der... nun, der hat die werte Iunia anscheinend schon VOR der Hochzeit auf's Kreuz gelegt. Sie war schwanger.. ein netter Schachzug, wenn du mich fragst, die Iunii verstanden es schon immer vortrefflich sich an der Oberfläche zu halten. Nun... er war da... und da ist etwas passiert...", man konnte dem Römer ansehen, wie sehr ihn das ganze amüsierte.


    "...und was? Hat er sie auch auf's Kreuz gelegt?", riet Linus einfach ins blaue, nicht die geringste Ahnung habend, worauf sein Freund hinaus wollte.


    Der winkte ab: "Sei nicht albern.. viel, viel besser."


    "Oh nein...", ächzte Linus, dem langsam dämmerte, was geschehen war, "...du willst mir nicht sagen, dass er die ganze Arbeit auf sich nimmt, sich mit einem nicht unbedingt machtlosen römischen Beamten anlegt und mitten auf der Straße einen Mord begehen lässt, nur um einen Sklaven zu meucheln, um sich letztendlich in die Frau zu verlieben, oder?" Kraftlos ließ er sich in den Sessel zurücksinken, und griff sich theatralisch an die Stirn.


    "Nein. Wie gesagt: sei nicht albern. Aber da du anscheinend nicht in der Lage bist, selbst darauf zu kommen, will ich es dir sagen: er bereut es.", schmunzelte Damio triumphierend, und prostete seinem Freund aufmunternd zu.


    "Wie, er bereut es?", fragte der alte Grieche, immernoch ratlos auf einer Wasserleitung stehend.


    "Nun...", beugte der Römer sich vor, und dachte einen Moment nach, bevor er das umschrieb, "..bisher ist unser Freund durch's Leben gestapft, ohne eine einzige seiner Entscheidungen zu hinterfragen. Das kann durchaus eine Stärke sein. Aber wenn es um so etwas geht... ein Mord begeht man nicht nur aus gekränktem Stolz. Man begeht ihn, weil man durch diesen Mord einen hohen Gewinn erzielt, den man ohne diesen Mord im Leben nicht bekommen hätte."


    "Du zitierst gerade mich. Danke für diese Lehrstunde.", raunte Linus schmollend, sich hinter seinem Becher versteckend während wieder Gebrüll in dem Zimmer erklang und irgendetwas zu Bruch ging. Linus fragte sich, wieviel zerbrechliche Gegenstände Damio eigentlich im Triclinium aufbewahrt hatte.


    "Umso schlimmer, dass du nicht selbst darauf gekommen bist, werter Linus.", paraphrasierte Damio, um weiter mit seiner Erklärung fortzufahren: "Der Mord an diesem Sklaven war.. nicht weiter erwähnenswert. Aber was unser junger Freund weiß, ist: eigentlich sollte dieser Sklave nicht sterben. Sondern die Frau. Und das treibt ihn gerade zum Wahnsinn."


    "Wieso? Ich meine... sie ist irgendeine... was soll das?"


    "Du begreifst es nicht... aber was erwarte ich das auch von einem Stoiker. Vala glaubte, etwas wegzuwerfen, das ihm nichts bedeutete. Aber jetzt bemerkt er, dass er nichts weggeworfen hätte. Sondern etwas verloren. Und wenn er beginnt Werte von Wertlosem zu trennen, sind wir schon einen großen Schritt weiter von der Barbarei zu unserem letztendlichen Ziel. Wer nichts zu verlieren hat, kommt meist nicht weit. Wer aber etwas verlieren kann, bringt eine Vorsicht mit, die uns alle den Hals retten kann, wenn es zum Fall der Fälle kommt.", erklärte der Römer zuende, und blickte seinen Freund fragend an, als ob er sagen wolle: Hast du es jetzt endlich verstanden, elender Suffkopf?


    "Ah...", ging dem Griechen ein Licht auf, "...das macht Sinn."


    "Natürlich macht es das...", erwiderte Damio gespielt empört, "..und dafür opfere ich gerne ein paar alte Holzmöbel."

    "Ich muss.", flüsterte Vala fast, und als er das bemerkte, riss er sich noch ein Stück mehr zusammen: "Ich muss."
    Ihre Worte gingen an ihm vorbei, er verschloss die Ohren vor ihr. Er hasste solche Momente. Mit ganzem Herzen.. er hasste sie. Sich selbst zu fragen, was das sollte brachte ihn auch nicht weiter, und so blickte er Axilla einen Moment lang unschlüssig an. Wenn das zur Angewohnheit wurde, dass er bei ihr die Contenance verlor, würde er sie wirklich umbringen müssen, einfach nur um sich einer persönlichen Schwachstelle zu entledigen. Und andererseits...
    Und da war es wieder. Mit fassungslos erstarrtem Geist beobachtete Vala sich selbst dabei, wie er einen Schritt an Axilla herantrat, ihr eine Hand auf die Schulter legte und sich elend langsam zu ihr beugte.
    Um sie schließlich auf die Stirn zu küssen, eine sehr germanische Ehrerbietung für Frauen von Stand. 'Nochmal Schwein gehabt, du gefühlsduseliges Weichei.' schalt Vala sich dabei selbst, als er sich letztendlich umwandte und gen Ausgang schritt, ohne sich noch einmal umzudrehen.

    Darius
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    Der zweite Angriff glitt an dem großen Schild ab. Darius versuchte noch, den Speer zurückzubekommen, aber sein Gegner war auch kein Anfänger mehr. Den Angriff des Schwertes blockte Darius mit dem kleinen Schild an seinem linken Arm und schlug die Klinge damit beiseite, von ihm weg.
    Im Moment war die Entfernung für ihn suboptimal. Er stand zu nahe an seinem Gegner, um die Reichweite seiner Hasta vernünftig ausnutzen zu können. Also sprang er zurück, gab Cassius die Gelegenheit, ihm einen kunstvollen wie wirkungslosen Schlag hinterher zu werfen und positionierte sich besser. Er umgriff seinen Speer fester und leitete eine weitere Reihe von Angriffen ein. Er musste nur einen Weg an diesem Schild vorbei finden. Eine kleine Unachtsamkeit würde schon genügen.