Beiträge von Titus Duccius Vala

    Darius
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    Noch ein letztes Mal die Nackenmuskulatur lockern. Darius rollte einmal mit den Schultern. Er fasste noch einmal den Speer etwas lockerer, prüfte das Gewicht in seiner Hand. Ganz ruhig atmete er durch, konzentrierte sich. Sein Blick glitt einmal die Zuschauerränge entlang, ehe er sich seinem Gegner zuwandte.
    Am gestrigen Tag hatten sie beide noch miteinander trainiert, Bewegungen einstudiert, einander einzuschätzen versucht. Jetzt waren sie Gegner und jeder würde versuchen, den anderen zu besiegen. Möglichst, ohne ihn dabei umzubringen, und im Vertrauen, dass der andere das genauso sah.


    Der Jubel verebbte und machte einer greifbaren Stille Platz. Darius atmete noch einmal tief und ruhig durch. Dann setzte er sich in Bewegung. Mit präzisen Bewegungen fing er an, um seinen Kontrahenten herumzugehen. Dieser drehte sich mit ihm mit, ebenso langsam und bedächtig. Darius wartete auf den Moment, wenn die Spannung der Zuschauer greifbar über ihnen schwebte, diesen kurzen Moment, ehe sie in Langeweile überging.


    Sein Speer zuckte vor, hoch gezielt und gerade. Er hörte den Aufprall auf dem Schild seines Gegners, zog den Schaft sofort zurück und ließ ihn mit einer Drehung aus dem Handgelenk so über den Kopf seines Kontrahenten sausen. Das war zwar nicht wirklich effektiv, hatte aber bei den Zuschauern Wirkung. Er hörte das hastige Luft einziehen, und danach den Jubel und die Anfeuerungsrufe. Kurz zuckte es um seine Mundwinkel, ehe er auch schon zum nächsten Angriff ansetzte, der dieses Mal nicht nur gut aussehen sollte.

    "URSUS HAT GEWONNEN!!!", brüllte der Mann über den Platz, sobald ihn die Nachricht aus dem Theatrum erreicht hatte. Der Applaus von drinnen war nicht zu überhören gewesen, ein Ende des ersten Kampfes hatte sich abgezeichnet.


    "WETTET JETZT AUF DIE FABELHAFTEN STREITER DER NÄCHSTEN KÄMPFER!!! NOCH IST ALLES MÖGLICH!!! WERDET REICH BEI NUR 100 SESTERZEN EINSATZ!!!!"


    Sim-Off:

    Gewinne werden nach jedem Kampf ausgeschüttet, kostet mich sonst zuviel Steuern. ;)

    Nachdem kurz die Spuren des Kampfes grob beseitigt worden waren, ertönte erneut die dumpfe Tuba. Ein Tor öffnete sich langsam und die nächsten beiden Kämpfer traten heraus in die Arena. Dieses Mal ein Murmillo, der gegen einen Hoplomachus antrat.
    Die beiden Kämpfer wandten sich der leeren Kaiserloge zu und hoben zum Gruß ihre Rechte mit der Waffe, sprachen im Chor ihre Formel an den abwesenden Kaiser, ehe sie sich wie schon ihre Vorgänger dem Publikum präsentierten und einen Moment in der Menge badeten.

    Schweigen legte sich über die Menge, als Lucius Vocasius Pancras wieder in der Arena erschien und zu den beiden Gladiatoren hinüberblickte. Überlegend legte er gut sichtbar seine Hand ans Kinn. Er rieb sich dort leicht, als würde er grübeln.
    Schließlich hob er beide Arme in Richtung Publikum. “VOLK DES WUNDERVOLLEN ROM!“ erschallte seine Stimme wieder, und Jubel brandete ihm als Antwort entgegen. “Diese Männer haben gut gekämpft. Tapfer gekämpft! Ursus ist unser strahlender Sieger. Doch wie steht es mit Seuthos? Nun lasst hören, ob auch er tapfer genug war!“ Und mit einem leichten Bewegung seiner Arme nahm das Publikum die Aufforderung auf und johlte und jubelte ihren Helden in der Arena zu. Die Stimmen tosten wie stürmische Brandung über alle in der Arena hinweg, bis der Schauspieler, der hier als Veranstaltungsherr diente, mit einer neuerlichen Handbewegung Ruhe gebot.


    Ein angespanntes Schweigen breitete sich aus, als alle darauf warteten, wie das Urteil nun ausfallen würde. Der Besiegte kniete, eine Hand gegen seinen Gegner erhoben, vor diesem im Staub der Arena, und wartete auf das letzte Wort. Pancras sah noch einmal erhaben über die Zuschauerränge. “MISSIO!“ verkündete seine donnernde Stimme, gefolgt von einem Fanfarenstoß und dem tosenden Jubel der Zuschauer.


    Ursus nahm sein Schwert von der Haut seines Gegners, und nickte ihm einmal knapp zu. Er nahm den Ölzweig des Siegers entgegen, hielt ihn einmal deutlich sichtbar nach oben und ließ sich lächelnd vom Publikum einen Moment feiern. Sein Geld würde er draußen in Empfang nehmen.
    Der Retarius kam auch wieder auf die Füße. Bei den ersten Kämpfen zu sterben war selten, denn meist war das Publikum dann noch nicht so blutrünstig, solches einzufordern. Außerdem waren es fröhliche Festtage. Dennoch verließ er sichtlich erleichtert die Arena, wenn auch nicht so stolz wie der Sieger des ersten Kampfes.

    Ursus
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    Eigentlich hatte Ursus gehofft, dass sein Gegner nach dieser heftigen Attacke seine Chancen realistisch einschätzen würde und die Waffen streckte. Ohne sein Netz hatte der Retarius kaum eine Chance, aber er kämpfte dennoch weiter. Eigentlich wollte Ursus ihn ungern ernsthaft verletzen. Sie saßen immerhin im selben Boot. Das hier war ihre Arbeit, sie hatten eine Familie damit zu ernähren. Ernsthafte Verletzungen waren eine Bedrohung der Existenz, und deshalb waren normalerweise alle Beteiligten so vernünftig, rechtzeitig zu signalisieren, dass man aufgab. Vielleicht folgte dann noch ein wenig Geplänkel für die Zuschauer, aber man zog sich rechtzeitig zurück.
    Doch nicht so sein Gegner, der den Dreizack mit beiden Händen packte, brüllte und noch energischer Angriff. Ursus musste sich kurz zurückziehen, wehrte die Hiebe mit Schild und Schwert nach Möglichkeit ab. Er hatte nicht vor, sich selbst bei diesem Wahnsinn verletzen zu lassen. Und eine Weile sah es nun so aus, als würde Seuthos ihn so vor sich hertreiben, Stück für Stück.


    Ursus parierte, blockte und wich aus. Eigentlich hatte er so etwas vermeiden wollen, aber Seuthos ließ ihm keine Chance. Er wartete einen weiteren Angriff ab und drehte sich dann schnell seitlich. Der Dreizack glitt am Schild entlang, und er selbst verkürzte den Abstand zu Seuthos. Mit einer Drehung auf den Fußballen schwenkte er zu ihm herum und hieb ihm mit der flachen Seite der Klinge einmal auf den nur unzureichend geschützten Arm. Er wollte ihm selbigen ja nicht am Ende noch abhacken. Aber auch so reichte die Wucht seines Angriffes, seinen Gegner in die Knie zu zwingen. Während noch ein erschrockenes Raunen durch die Zuschauer ging, sah Ursus den Dreizack fallen. Er drängte mit seinem Schild noch nach, um nicht noch eine unliebsame Überraschung zu erleben und stellte seinen Gegner schließlich, indem er ihm das Schwert an die blanke Brust setzte und auf das Urteil des Schiedsrichters und die missio wartete.

    Ursus
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    Ursus traf, fühlte den Aufprall und den druck auf seinem Schild. Der Helm schränkte seine Sicht ein, so dass er nicht sehen konnte, wie gut er getroffen hatte. Aber Seuthos stolperte zurück, fiel auf den Boden. Ursus gab ihm keine Gelegenheit, aufzustehen und sich bereit zu machen. Ritterliches Abwarten war nicht Teil einer Gewinnstrategie. Er hatte einige Mäuler zu stopfen, und mit dem Sieggeld konnte er das zumindest für die nächste Zeit. Das würde er sich nicht wieder entreißen lassen.
    Er setzte dem Retarius unverzüglich nach und versuchte ihn dazu zu zwingen, aufzugeben. Doch schaffte der Mann aus Massilia es, einen Gegenangriff anzubringen. Ursus wich dem zuckenden Dreizack mit einem hastigen Sprung aus und gab Seuthos damit leider Gelegenheit, auf die Beine zu kommen. Doch wollte er diesen Umstand nicht lange aufrecht erhalten, und setzte dem schon einmal Gestrauchelten nach. Mit dem Schild wehrte er noch einmal den Tridens ab und er attackierte heftig und unnachgiebig das Netz mit dem Schwert. Ein Hieb, ein zweiter Hieb, ein dritter Hieb.
    Er wollte seinen Gegner nicht ernsthaft verletzen. Doch er würde sich den Sieg nicht mehr entreißen lassen und dem Retarius keine Chance mehr geben, das Blatt noch zu wenden.

    Q. Claudius Lepidus
    Villa Claudia
    Roma | Italia



    Lepidus!


    Gratuliere zur gewonnenen Wahl! Hast du dir redlich verdient, auch wenn ich mich frage, wie du es geschafft hast als patrizischer Hansel gleich das beste Ergebnis einzufahren. Komm schon, da steckt Geld dahinter, mir kannst du es erzählen.


    Als fauler Wahlkämpfer erwarte ich nicht viel als Gegenleistung, ich denke eine Amphore Wein die ich mit dir und Sermo köpfen kann, das wäre schon ein adäquates Entgegenkommen.


    Ich erwarte einen Terminvorschlag!


    Vale,


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    I. Quintilius Sermo
    Curia Civitatis
    Ostia | Italia



    Sermo!


    Meine herzlichsten Glückwünsche zur gewonnen Wahl zum... Magistraten von Ostia. Ein kleiner Schritt, aber sicherlich nicht dein letzter. Wir hätten wetten sollen, dass du es schaffst. Um Wein. Viel Wein.


    Gehe ich recht in der Annahme, dass du einen ausgibst, sobald du dich mal wieder in Rom zeigst? Natürlich gehe ich das... achja, solltest du es nicht wissen: Lepidus hat die Wahl ebenfalls gewonnen, sogar mit dem besten Ergebnis der diesjährigen.


    Ich denke, da wird viel Wein und Weib fällig sein.


    Lass von dir hören.


    Vale,


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    WETTEN!!!!!, brüllte der Mann weiter über den Platz, um noch mehr Leute für das Spiel mit dem Geld zu begeistern, WETTEN!!!!! MEHR ALS 1500 SESTERZEN SIND SCHON IM POTT!!! TAUSENDFÜNFHUNDERT!!! LASST EUCH DIESE CHANCE NICHT ENTGEHEN!!!! GEWINNE GEWINNE GEWINNE!!!!! WETTET AUF DIE STARKEN GLADIATOREN UND GEWINNT ODER VERLIERT MIT IHNEN!!!


    Sim-Off:

    Noch ist der erste Kampf nicht vorbei, noch kann man für alle Kämpfe wetten!!! :)

    Ursus
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    Zufrieden nahm Ursus zur Kenntnis, wie einige Maschen des Netzes unter seinem Hieb einrissen. Wenn er das noch ein paar Mal wiederholen konnte, war es wohl nicht mehr stabil genug, ihn zu halten. Nur musste er jenes zunächst einmal bewerkstelligen. Ursus vertraute nicht auf sein Glück.
    Als sein Gegner zurückwich, setzte er ihm nach. Er nahm das Straucheln war, versuchte einen weiteren Hieb, und verfehlte. Danach musste er seinen Angriff unterbrechen und selbst in die Defensive wechseln. Sein Gegner zielte gut, und er hatte die höhere Reichweite. Ursus machte einen Satz nach hinten, außer Reichweite des Dreizacks. Um das Gleichgewicht zu halten, musste er die Arme etwas ausstrecken, und sofort nutzte der Retarius diese kleine Schwäche. Das Netz flog und legte sich diesmal um das Schwert. Ursus blieb keine Zeit, ein Ruck, und er hätte seine Waffe verloren. Mit wenig Kunstfertigkeit aber viel Kraft kam er Seuthos zuvor, indem er einfach auf diesen zustürmte. Der Dreizack wurde mit dem Schild beiseite gefegt, bevor eben jenes kurzerhand dazu benutzt wurde, den Gegner frontal zu rammen. In jedem Fall erhoffte sich Ursus, so die nötige Spannung von dem Netz zu nehmen, um sein Schwert freizubekommen, wenn nicht gar, seinen Gegner zu treffen und so außer Gefecht zu setzen.

    Sim-Off:

    Entschuldigt die lange Wartezeit


    Ursus
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    Das erste Raunen ging durch die Menge, als der Retarius den erwarteten Angriff wagte. Verhalten zunächst, auf die Schildseite von Ursus gezielt. Aber es ging los, und die Spannung in den Zuschauerrängen wuchs. Bald schon würden die ersten anfangen, jeden einzelnen Schlag im Geiste mitzuführen, jede Gefahr mitfühlen, jedes Ächzen, jede Anstrengung miterleben.
    Ursus blockte den Dreizack, indem er das Schild etwas absinken ließ, ließ den trident des Retarius daran abgleiten, ohne Schaden anzurichten. Danach zu schlagen war sinnlos, denn nicht hier lauerte die eigentliche Gefahr. Diese lag ganz unscheinbar in der anderen Hand seines Gegners, wartete darauf, ihn einzufangen, einzuwickeln, ihm das Schwert unbrauchbar zu machen, sein Schild wegzureißen oder ihn ins Straucheln zu bringen. Das Netz war es, auf das Ursus mehr Konzentration verwendete. Konnte er dieses seinem Gegner abnehmen, war er schutzlos gegen den schwer gewappneten Secutor.


    Ursus machte nur kleine Schritte. Nur nicht verausgaben, nicht zu schnell die Beweglichkeit zeigen. Sollte der Retarius ruhig glauben, er wäre ihm überlegen, sollte er sich doch ruhig in Sicherheit wiegen. Ursus drehte sich mit, ließ ihn nicht aus den Augen, wartete. Das war das schwerste an seiner Aufgabe, das warten. Nicht ungeduldig zu werden und einen Fehler zu begehen, sondern auf die richtige Gelegenheit zu warten.
    Und da kam das Netz, fächerte im Flug auf und wollte ihn einfangen. Eine schnelle Bewegung zur Seite weg, so dass der Retarius nicht noch die Richtung des Netzfluges abändern konnte, ein Hieb gegen das Maschenwerk, um vielleicht ein Loch hineinzureißen, es zu zerstören. Schnell zog er sein gladius zurück, um es nicht durch einen plötzlichen Ruck zu verlieren.
    Für die Menge setzte er dem Retarius nach, führte einen vorsichtigen Angriff auf dessen ungeschützte Brust. Natürlich so, dass sein Gegner ausweichen konnte, es wollte ja keiner den anderen ernsthaft verletzen. Aber die Menge sollte es denken, und sie belohnte auch diesen Vorstoß mit lauten Anfeuerungsrufen.

    "Titus Duccius Vala.", fügte der junge Germane milde lächelnd hinzu, ohne korrigierend zu wirken, "Ja, selbstverständlich tun sie das, ehrbarer Consul Tiberius. Und zwei von ihnen... der ehrenwerte Consular und ehemalige Legat in Germania, Marcus Vinicius Lucianus und sein Bruder, der ehemalige Proconsul von Hispania sowie aktueller Legat in Germania, Marcus Vinicius Hungaricus haben sich des Gesetzesvorschlags ebenfalls angenommen, und die erwähnten Passagen auch für gut befunden. Es geht ja nicht darum, den Civitates das starre Konstrukt aufzudrücken, sondern darum, einen flexiblen Rahmen vorzugeben, der unseres Erachtens nach durchaus seine Daseinsberechtigung in der Lex Provincialis hat."

    "Mit Verlaub..", insistierte Vala, "..das tut es nicht. Gerade in... gerade FÜR die grenznahen Provinzen wäre eine Rahmenordnung von Vorteil, da auch durch die dekaden währende Präsenz römischen Rechts das römische Vorbild immernoch ein Abstractum ist, dessen Realität die wenigsten erfahren. Man könnte den Passus umformulieren und als Rahmenempfehlung deklarieren, doch seine Präsenz in dem Gesetzesentwurf ist nicht zuletzt ein Kerninhalt dessen Entfernung das ganze Konstrukt gefährdet."


    Man konnte Vala deutlich ansehen, wie unangenehm dies alles war. Allerdings sah er sich eher in der Pflicht, den Sinn des Gesetzesvorschlags in seiner jetzigen Form zu verteidigen, denn als sich hier dezent und unauffällig zu geben.

    "Es war von ihm?", zog Vala eine Augenbraue hoch, und sah Axilla kritisch an. Nicht, dass er nicht schon wusste, dass das kleine ungeborene Ding ins Gras gebissen hatte bevor es es überhaupt zu sehen bekam, aber kausale Aneinanderreihung war wichtig, um nicht irgendwann im Carcer zu landen, bevor man die Mittel hatte, sich aus diesem frei zu kaufen.


    "Und dennoch will er dich heiraten?", murmelte Vala, scheinbar mehr zu sich selbst als zu seiner Gastgeberin, "Das ist interessant. Anscheinend hat Silanus ihn wirklich überzeugen können. Oder weiß er etwa noch nicht davon? Das wäre ein heikles Spiel, was du da treibst."
    Was er ihr so garnicht zutraute. Seine Meinung von Axillas Intelligenz war.. nun, sie hatte viel zu lernen. Wie er wahrscheinlich auch. Wie er sicherlich auch. Nur während er sich im Dreck der dunklen Seite der Menschlichkeit suhlte, sonnte sich Axilla in der künstlichen und doch schützenden Sonne menschlicher Naivität. Vala fragte sich insgeheim, ob er irgendwann auch mal wieder die Sorglosigkeit erfahren würde, die er schon vor so vielen Jahren in den blutgetränkten Sümpfen seiner Heimat verloren hatte. Einen kurzen, verschwindend kurzen Augenblick war Valas Blick beinahe Wehmütig, und ein Gefühl machte sich bemerkbar, dass er schon lange verlernt glaubte: Heimweh.


    Als Axilla sich dann erschrocken zeigte, und nach seiner Hand griff um ihm auch auf die körperliche Art und Weise klarzumachen, erwischte sie ihn gerade in diesem schwachen Moment. Die Wirkung war desaströs. Als Vala realisierte, dass sie ihn wieder losließ, griff er blitzschnell mit der Hand nach der ihren, und hielt sie fest im Griff. Sonst machte er nichts. Er hielt ihre Hand einfach nur fest, und starrte gedankenverloren auf diesselbe. Was dabei in seinem Kopf vorging, blieb auch dort.
    Irgendwann hob er wieder den Blick, und sah ihr direkt in die Augen, mit einem Blick, der so ganz unvalahaft war. Verletzlich, schutzlos, welpenhaft.
    Es brauchte einen weiteren Moment, damit der Wolf sich wieder sein Revier zurückerkämpfen konnte, und den Welpen auf seinen Platz in einer düsteren Ecke verwies. Valas Züge wurden härter, die Hand wurde losgelassen, und schließlich lehnte er sich wieder zurück, eine gewisse Distanz schaffend.


    "Richtig.", sprach Vala eine Spur härter, als er es eigentlich gewollt hatte, "Er muss ja nicht alles wissen."


    Er schwieg sie einen weiteren Moment an, in dem nur die alltägliche Geschäftigkeit eines römischen Bürgerhauses zu vernehmen war, bis er sich schließlich aufraffte, und sich gegenüber der Iunia knapp verneigte.


    "Werte Iunia. Es tat gut zu sehen, dass es dir den Verhältnissen entsprechend gut geht. Wenn du mich jetzt entschuldigst?", sprach er mit der für ihn typischen warmen wie auch distanzierten Art. Dabei übersah er völlig, was er auf der Kline hatte liegen lassen: eine kleine, grob geschnitzte Figur der Göttin Frigg. Eine sehr germanische Figur, keine feinen Züge, wie sie so oft bei den mediterranen Figuren zu sehen waren, nur eine grob erkennbare Menschlichkeit mit eindeutig weiblichen Zügen. Und sie war aus Holz.

    Wer war Vala, dem Konsul Roms zu widersprechen?


    "Selbstverständlich geht dies überein.", konstatierte er schließlich, und gab dem Konsul im Punkt der Finanzverwaltung Recht. Auch wenn es sich dabei seiner Meinung nach nur um eine Lappalie handelte, die das Reformprojekt nicht allzu tiefgreifend verändern würde.


    Was die Struktur der Civitates betraf, kam er allerdings nicht umhin, doch noch Kritik zu üben: "Natürlich wird es jeder Civitas freigestellt, ihre Ämter nach Bedarf zu besetzen oder zu erweitern. Der Passus der Struktur ist eher als Rahmen gesetzt, der schließlich von nichts anderem als dem Vorbild der Stadt Rom gebildet wird. Wenn eine Civitas nur die Notwendigkeit sieht, einen Duumvir, und damit einen Dictator, einzusetzen, so ist das freilich ihr überlassen. Allerdings sollte der Rahmen immer der gleiche bleiben. Er ist es ja schon bereits jetzt in einigen Belangen, wir reformieren die Gemeindestruktur ja nur in Fällen, wo eine umfassende Struktur vonnöten ist, nach unten hin ist sie allerdings offen und damit für die jeweiligen Bedürfnisse der Civitates durchaus anpassbar. Durch die Leges Municipales, die auch schon im Vorschlag ihre Erwähnung finden und von dir so präferiert werden."

    Als der Consul so sprach, trat Vala einen Schritt näher an den Caecilier und flüstert diesem etwas zu. Als er von diesem die Erlaubnis bekam, wandte er sich schließlich selbst an den Tiberier: "Consul Tiberius, wenn du erlaubst. Mein Name ist ... Titus Duccius Vala, ich unterstütze den ehrenwerten Caecilius .... in dieser Sache."


    Zu einem Senator wie dem Vinicier, und/oder dessen Bruder zu reden war eine Sache. Hier aber stand er vor einem der Consules Roms, das war dann schon wieder was ganz anderes. Und so wurde Vala, der sich sonst immer betont kühlem Bluts gab, doch einen Moment von seiner Nervosität übermannt und stockte mehrere Sekunden, bevor er wieder zur Sprache zurückfand.


    "Natürlich ist die letztendliche Benennung der Legati Iuridici, wie du sie genannt hast, letztendlich nur eine Detailfrage, an der das Projekt nicht scheitern darf und dürfte. Aber dass sie vom Kaiser ernannt werden, oder vom Senat, impliziert ja nun schon die Inhabe eines Imperiums. Das widerspricht also nicht dem vorgelegten Gesetzesvorschlag.


    Caecilius Metellus spricht allerdings wahr, wenn er die Hauptlast der Steuerverwaltung auf die Civitates verteilen möchte. Es ist ja erklärtes Ziel der Reform, die Civitates viel stärker in die Verwaltung mit einzubeziehen, und das beinhaltet nunmal auch die Steuererhebung. Natürlich ist es im Interesse Roms, diese Erhebung nicht der Willfährigkeit und dem guten Willen der Civitalverwaltungen zu überlassen, aber dafür hat der Statthalter ja schon seinen Mitarbeiterstab. Wenn du darauf bestehen solltest dem Statthalter einen Finanzverwalter zur Seite zu stellen sollte allerdings darauf geachtet werden, dass dieser nicht zu sehr in die Belange der Städte eingreift, sondern die Kasse nur verwaltet, anstelle sie selbstständig zu füllen.


    Was die Ordnung der Städte angeht, muss ich dir leider widersprechen. Städte, die so klein sind, dass sie nur aus einem Oppidum bestehen werden von unserer Struktur genauso abgedeckt wie große Städte. Allerdings sind Orte, die nur aus einem Oppidum bestehen schon jetzt meißt in größeren Civitates zusammengefasst. Und die Belegung der Posten ist vom Gesetzesvorschlag ja schon abgedeckt. Die Civitates geben sich ja nicht nur selbst Gesetze, wie in dem Vorschlag erwähnt, sondern versorgen ihre Ämter ja selbst. Eine wie von dir angesprochen kleine Civitas könnte diese Ämter garnicht stemmen, und von daher hat man ja schon erwähnt, dass die Civitates sich da selbstregulieren. Und bei nur einem Oppidum sind die Decuriones nichts anderes als die Magistri in einem kleineren Vicus."


    Sim-Off:

    Ich steige hier jetzt mal ein, um das ein wenig voranzutreiben. Afaik ist das Projekt ja schon fast 2 Jahre alt.

    Um es in Neulatein auszudrücken: Bam(us)!!!!
    Da war er, genau DAS Einbrechen der in jahrelang durch soziales Geplänkel trainierten Maskerade, das es brauchte um Geheimnisse zu verraten. Ihr Gesichtsausdruck, ihr Wegschauen, selbst ihre Gesichtsfarbe! Er hatte sie.
    Und reagierte sofort: gerade noch den Becher mit Wasser zu den Lippen führend hielt er mitten in der Bewegung inne, und starrte sie einen Moment lang gekonnt perplex an. Dann setzte er betont langsam den Becher wieder ab, und sah sie wiederrum einige Sekunden lang stillschweigend an, mit einem Ausdruck, der zunehmend kritisch wurde.
    "Ist das dein Ernst?", flüsterte er schon fast, als hätte sie gerade erzählt, dass man Valhalla aufgrund von Sanierungsarbeiten geschlossen hatte. Er ließ ihr Zeit zu schweigen und ihn weiterhin zu fixieren, bevor er sich zu einem schalkhaften Lächeln durchrang.
    "Iunia Axilla. Ich bin überrascht... nein, schon fast beeindruckt.", er lachte sie an, offen und beinahe ehrlich, "Das hätte ich nicht erwartet. Vielleicht ist die junge Frau vor mir nicht halb so bieder, wie man es von den römischen Frauen gemeinhein so mitbekommt. Ich bin wirklich fast... nein, ich BIN beeindruckt. Stellt sich allerdings die Frage: ist es von ihm?"


    Vala, immernoch leise lachend, nahm den Becher mit Wasser wieder an sich und genoss sachte den Kopf schüttelnd einen Schluck, während er im richtigen Moment an seiner Gastgeberin vorbeisah. Hatte Corvus also recht gehabt. Nicht, dass es ihn in Wirklichkeit entsetzen ließ. Vala hatte in seinem bisher doch recht kurzen Leben genug Dinge gesehen, die ihm alle Tugend und Moral und die damit verbundenen Traditionen als Staffage um die grässliche Fratze der Menschheit zu verschleiern erscheinen ließ, als hölzerner Käfig um eine uralte Bestie einzusperren. Für Vala war das alles vollkommen normal, und hinter jeder noch so trickreich zusammengekleisterten Fassade vermutete er einsturzgefährdetes Mauerwerk.


    Als Axilla ihm jedoch tatsächlich beschrieb, dass Archias ihn nicht auf der Hochzeit haben würde, gab Vala sich erst überrascht... und dann unsäglich betroffen: "DAS hat er gesagt? Wieso.. ich meine... warum? " Der Becher in seiner Hand avancierte mittlerweile zum bedeutungsschwangeren Instrument seines Schauspiels, mit nichts ließen sich plötzliche Emotionen besser orchestrieren, als mit einem Alltagsgegenstand, der genau im richtigen Moment in der Luft stehen blieb.


    War der Aelius also zu seinem Mädchen gerannt und hatte sich ausgeheult. Er fragte sich immer mehr, ob er jetzt die Frau oder den Kerl in dieser interessanten Konstellation zum Feind hatte. Ein spöttisches Lächeln schlich sich auf Valas Züge bevor er es realisierte, und als er es tat, blieb ihm nicht viel mehr übrig, als damit zu arbeiten.
    "Bewahre dich, Freundin, vor Eifersucht, dem grüngeäugten Scheusal, das besudelt die Speise, die es nährt.", zitierte Vala frei mit Schalk in den Augen gleich mal 1500 Jahre in die Zukunft einen britannischen Dichter, "Ich hoffe, das wird nicht zwischen uns stehen. Ich wäre wirklich untröstlich, wenn ich dich auf einmal nichtmehr sehen dürfte, nur weil dein Zukünftiger es nicht erträgt, wenn sich auch andere an deinem schönen Gesicht und den Gesprächen mit demselben ergötzen dürfen."

    "Das tut es, Senator.", antwortete Vala erst knapp, um dann doch etwas ausführlicher auf seine Pläne einzugehen, "Mein Vater war Quaestor des Kaisers, ich werde es ihm gleichtun. Das kann ich allerdings nur in Rom, und deshalb bin ich hier."


    Vala lächelte matt, sah er doch, wieviel Arbeit da noch vor ihm lag.

    Auch wenn das römische Bürgerrecht in der Subura nicht das verbreiteste Privileg war, so gab es auch hier einige Verbindungen nach oben. Und das machte sie für den Wahlkampf interessant. So interessant, dass Vala sich entschieden hatte, genau hier Wahlkampf für den Claudier zu machen, auch wenn es seltsam anmuten musste in der Unterschicht Werbung für einen aus der hauchdünnen Elite Roms zu machen. Aber: wer nichts wagt, der nichts gewinnt.




    Die DACHDECKER EMPFEHLEN


    - QUINTUS CLAUDIUS LEPIDUS -


    FÜR DIE WAHL ZUM VIGINTIVIR!
    EIN EHRBARER MANN FÜR EIN EHRBARES AMT!

    Ursus
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    Das hier war einer jener Momente, für die er seit Jahren trainierte. Ursus stand in der Arena, um ihn herum das stille Raunen einer gespannten Masse, vor ihm ein vermeintlich Unbekannter. Jeden Moment würden sie aufeinander einschlagen, jeden Moment würde es in dieser riesigen Arena nur so tönen vor Gebrüll und Geschrei der Massen, die ihren jeweiligen Favouriten anfeuerten, jeden Moment würde die Zeit verschwimmen, wie in einem Fluss.
    Vor ihm der Retiarius, Schwert und Schild gegen Dreizack und Netz, der jeden Moment auf ihn losspringen würde, um ihn mit beidem zu überwältigen. Natürlich war ihm der Mann nicht unbekannt.. sie hatten sich am Tag zuvor getroffen und gemeinsam trainiert. Auch wenn der Sieg nicht abgesprochen war, wie es so oft war, wenn jemand mit Wetten viel Geld verdienen wollte, und auf die richtigen Leute an diesem Geld beteiligte, sie waren sich nicht fremd. Das gemeinsame Training galt eher dem Ziel, schwere Verletzungen zu vermeiden, dafür zu sorgen, dass sich der Dreizack seines Gegners nicht aus Versehen in seinem Schädel wiederfang, und sein Schwert sich aus den Inneren des Retiarius raushielt.
    Aber dennoch: es würde spannend werden. Gestern hatte er natürlich nur mit halber Kraft gearbeitet, um dem Gegner nicht alle seine Stärken sofort zu offenbaren, und er ging davon aus, dass der genau dasselbe getan hatte.
    Unter seinen Sandalen konnte er beinahe den Sand knirschen hören. Ein paar Ungeduldige riefen Aufforderungen in die Arena, aber ansonsten war es gespenstisch still. Auch die Posaunen und Bläser, die die Kämpfe normalerweise musikalisch untermalten, schwiegen. Das Getöse würde erst losbrechen, wenn jemand den ersten Schritt tat. Und das war normalerweise eben der Retiarius, der mit Dreizack und Netz nicht eben defensiv ausgestattet war. Für den Retiarius gab es nur einen Weg: dran, drauf, drüber.


    Und dies erwartete Ursus dann auch. Mit lockerem Griff hielt er den Schild so, dass der Retiarius ihn nicht mit seinem Netz beim ersten Wurf würde zu packen bekommen, das Schwert mit dem anderen Arm halb hinter dem Rücken, um es mit Schwung hervorschnellen lassen zu können... den Retiarius ließ er nicht aus dem Blick. Nicht eine Sekunde. Nicht einen Augenblick.