Vala war eine harte Kralle. Um nicht zu sagen: wegen Männern wie Vala entstand überhaupt die Notwendigkeit, einen Terminus wie "harte Kralle" zu finden. Der brachte es dann aber auf den Punkt: Härte und Gewalt.
Dummerweise unterschlug dieser Begriff aber auch, dass Härte und Gewalt sich in manchen Situationen sich nicht mit umfassender kognitiver Intelligenz vertrugen. So zum Beispiel, wenn man aus lauter Jux und Dollerei die Einrichtung des eigenen Lehrers zerlegte.
Was der Grund war, warum Vala sich jetzt auf dem Mercatus befand: er versuchte, Ersatz zu organisieren. Den er selber bezahlen durfte, selbstverständlich. Irgendwo hatte er die Angewohnheit aufgegabelt, seine Finanzen bis ans Limit auszureizen, ohne wirklich viel Geld auszugeben. Zumindest nicht absichtlich. Hier eine Kline... dort ein kleiner Beistelltisch... und das natürlich nicht in der billigsten Qualität, die sich auffinden ließ, nein: Damio hatte gewisse Ansprüche. Seine Frau noch höhere.
Das führte dazu, dass das Geld in Valas Börse schneller schwand als Tiefkühlkost vom bekannten Däagen Hasz vom Stamm der Jüten in einem Flecken nubischer Sandwüste. Dementsprechend war auch seine Laune... die nicht unbedingt dadurch verbessert wurde, dass sich heute wieder halb Rom durch die Marktgassen schlängelte. Keine Sekunde, in dem man nicht aus Versehen jemanden zur Seite rammte, anrempelte oder einfach nur plattlief. Oder zur Seite gerammt, angerempelt und plattgelaufen WURDE. Irgendwann bestand Valas größte Anstrengung darin, Verletzungen bei sich und anderen zu verhindern.
Gerade wich er zum Beispiel dem vollgepackten Brotkorb einer älteren Frau aus, um den er sich mit einer gekonnten und doch unbeholfenen Drehung wand, als genau auf Sichthöhe vor ihm eine Hand auftauchte und gefährlich näher an ihn heranschwang. Dass diese Hand eigentlich mitsamt Arm geschwungen wurde, um jemanden anderes zu schlagen war Vala in dem Moment nicht bewusst, genauso wenig, wem sie gehörte, noch wer jetzt eigentlich alles um ihn herum stand. Das einzige, was Vala warnahm, war die Hand und das Fehlen anderweitiger Bedrohungen, was ihm die Muse gab, sich ganz der Hand zu widmen, die in dem Milisekundenbruchteil, den es brauchte um das hier zu schreiben, noch ein Stück weiter auf seine Nase zubewegt hatte.
Vala mochte seine Nase. Sehr sogar. Es gab nicht wenige Frauen, die dem Glauben anhingen, an der Nase eines Mannes die Größe seines... eh... jüdischen Täufers ablesen zu können. Im zwischengeschlechtlichen Reigen war das ein taktischer Vorteil, den man zu mehr ausbauen konnte. Oder auch nicht. Wie dem auch sei: eine gebrochene Nase war definitiv nicht in seinem Interesse.
Der Rest war Reflex. Er packte die Hand, drehte sie entgegen der normalen Körperwindung und damit den Arm samt angeschlossenem Kerl auf Links, und noch bevor der Mann verblüfft sein, oder schreien, oder die Augen aufreissen oder alles gleichzeitig tun konnte, landete Valas Fuß in dessen Kniekehle und schickte den Kerl mit sanfter Gewalt mit dem Gesicht voran in den Staub.
Als Vala sah, dass der Typ keine Gefahr mehr für ihn darstellte, wollte er schon weitergehen, als er bemerkte, dass sich hinter der Hand eine kleine Gruppe Frauen befand. Mit dem geübten Blick eines Jägers taxierte er jede einzelne von ihnen, bis ihm gefiel was er sah. Dann nickte er ihnen mit einem knapp gemurmelten "Tach die Damen..." verschmitzt schmunzelnd zu, und setzte seinen Weg durch die Massen des Mercatus fort.
Vala war noch weit von dem legendären Status des kerligen Kerls entfernt. Aber er arbeitete hart daran...
Sim-Off:Ich erlaube mir mal die Frechheit... 