Beiträge von Titus Duccius Vala

    Wie zu erwarten wurde Vala vom Brautpaar höflich lächelnd weggefloskelt, nur Axilla genoss ein paar längere Sekunden die Aufmerksamkeit der Braut. Nachdem sie gratuliert hatten machten sie schon folgenden Gratulanten Platz, und würgten damit unbeabsichtigt eine Anfrage einer nebenstehenden Dame ab, von der Vala erfahren später erfahren würde, dass sie Calvena aus dem Haus der Germanici war, gingen ein paar Schritte und blieben etwas abseits stehen, mit gutem Blick über die nach und nach ankommenden Gäste. Seine Begleiterin bestellte sich etwas zu höflich bei Cimon ein Getränk, und Valas Blick folgte dem schwarzen Mann leicht skeptisch, aber er behielt es für sich etwas dazu zu sagen. Irgendwie hatte er das Gefühl, selbst dafür zuständig zu sein, dass Axilla sich an irgendeinen Becher klammern konnte, bekam dabei aber gleichzeitig den Eindruck, sich hier wohl noch an Brauchtum festzuhalten, das er wohl erst bei seinem nächsten Besuch in Mogontiacum am rechten Ort pflegen konnte.


    "Entschuldige meine Unaufmerksamkeit.", sprach Vala seine Begleiterin schließlich an, als er sich daran erinnerte wie die Braut sie angesprochen hatte, "War dir nicht wohl in den letzten Tagen, dass die Braut dich besonders darauf ansprach?"
    Und tatsächlich, erst jetzt fiel dem, was weibliche Selbstdarstellung anging, notorisch ignoranten Vala auf, dass die Blässe in Axillas Gesicht eindeutig nicht von zermahlener Kreide herrührte. Ein Becher Wasser wanderte unauffällig initiiert in Valas Hand, und er blickte die junge Römerin fragend an, während er den Grund für die Antwort schon längst vergaß. Natürlich interessierte es ihn nicht ob Axilla krank gewesen war, putzmunter oder dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen war. Solange sie hier war, und ihre Funktion für ihn erfüllt.


    Mitten in Axillas Antwort erreichten sie dann auch Decima Seiana und Aelius Archias, die wohl kurz nach ihnen eingetroffen waren. Valas Begleiterin stellte sie einander vor, nicht wissend, dass man sich bereits getroffen hatte. "Das haben wir.", erwiderte Vala, dessen Aufmerksamkeit eine Sekunde lang vom eintretenden Senator Germanicus Sedulus abgelenkt wurde, der immerhin eine der wichtigen Personen von Rang war, die Vala hier in Rom zuerst auf dem Forum gesehen hatte, bei einer Entschuldigung, die ihm auch bis jetzt noch keiner so richtig hatte erklären können.
    So entging ihm auch vollkommen die Kühle in der Stimme des Aeliers, dessen Verlobte er mit einem leicht süffisanten Lächeln wie selbstverständlich zuerst grüßte: "Decima. Aelius."
    Vala mochte die Decima. Sie war starr, puppengleich und in ihrer Masquerade absolut beherrscht, was sie zu einem Schloss machte für das man nicht einen Dietrich brauchte, sondern zehn. In elf verschiedenen Formen und zwölf verschiedenen Legierungen plus jeweils dreizehn Arten sie einzusetzen. Wo Axilla für ihn nur ein Mittel zum Zweck war, etwas ihm vollkommen vertrautes, so stellte die Decima etwas dar, an dem Vala seine Unerfahrenheit mit dem römischen Charakter abschmiergeln konnte. Und er würde diese Chance nutzen.
    Das Eintreten des Senators Vinicius Lucianus lenkte ihn wiederrum für einen Augenblick ab, der jedoch nicht lang genug war um zu übersehen, dass sich die Aufmerksamkeit des Aeliers seit ihrem zusammentreffen nicht einen Moment lang von Vala entfernt hatte, was dem Aelier einen offen fragenden Blick einbrachte.
    "Entschuldige, ich war abgelenkt, habe ich etwas verpasst?", fragte Vala daher verschmitzt lächelnd, aus dieser Aufmerksamkeit nur einen Schluss ziehend.


    Sim-Off:

    @alle: Danke für den Tipp mit den Namen. Man lernt doch nie aus.. :)

    Sich seine eigene Unzulänglichkeit bewusst zu werden war nicht jedermanns Stärke. Selbstverständlich brauchte es große Überwindung sich seinen eigenen Makeln zu stellen, besonders wenn Testosteron im Spiel war. Von letzterem wusste Vala natürlich nicht, allerdings von der zerstörerischen Wirkung von Verdrängung.
    So sah er sich direkt mit seiner eigenen Unzulänglichkeit konfrontiert, als er Axilla für das heutige Ereignis abgeholt hatte. Sie als umwerfend zu bezeichnen fiel nicht schwer, auch wenn er noch große Schwierigkeiten hatte der römischen Haute Couture etwas abzugewinnen, und es hatte einige nicht gespielte Sekunden gedauert bis ihm eine Floskel eingefallen war, die ihr ein mädchenhaftes Lächeln entlockt hatte.
    Die erwähnte Unzulänglichkeit bestand darin, dass Vala sich neben ihr fühlte wie das hässliche Nacktmulchen. Er selbst hatte sich zur Prämisse gemacht sich nicht besser darzustellen als er war, eher im Gegenteil. Was dazu geführt hatte, dass seine Gewandung an diesem Tag unscheinbarer nicht sein konnte (Balbus hatte nur milde lächelnd den Kopf geschüttelt), und er neben Axilla verblasste wie ein dunkler Klumpen Weltraumgestein neben einer Supernova.


    An der Villa Aurelia angekommen wurden sie auch relativ rasch hereingeleitet, und Vala mutete es seltsam an sie zum ersten Mal als Gast zu betreten. Am Tag zuvor war er noch eilig Dokumente für Corvinus zusammensuchend durch diese Gänge gehuscht, hatte sich mit anderen Scribae gestritten und war von älteren, erfahreneren Mitgliedern des aurelischen Stabes zurechtgewiesen worden. Jetzt stand er hier an der Seite Axillas und wartete darauf zum Brautpaar vorgelassen zu werden. Zu einem Brautpaar, dessen Bekanntschaft er seltsamerweise noch nicht gemacht hatte. Andererseits war die Villa auch groß genug um zwei Legionen durch sie hindurch zu schleusen, ohne dass sie einander auch nur hörten.
    Überrascht zog Vala eine Augenbraue hoch als er bemerkte, dass er und Axilla tatsächlich zu den ersten Gästen gehörten. Das störte ihn in nicht geringem Maße, hatte er doch eigentlich vorgehabt still und im Hintergrund seine ersten Schritte in der Feiergesellschaft von Rom zu tun, aber so war er auf den Präsentierteller gezwungen, und würde sich so in der Öffentlichkeit schlagen müssen. Die geringe Anzahl an Gästen führte dann auch dazu, dass Valas Standardfloskeln sich sofort als nutzlos erwiesen, und er ein wenig improvisieren musste.


    "Senator Aurelius.", grüßte Vala den Bräutigam während Axilla sich der Braut zuwandte, "Meine Glückwünsche. Möge die Götter eure Zeit mit Gesundheit und Kindern segnen."
    Die Braut wurde von ihm mit einem anerkennenden Nicken bedacht: "Werte Tiberia, auch dir meine Gratulation zu diesen glücklichen Tagen. Mögen sie der Beginn einer erfüllten Ehe sein."

    "Bei mir bist du sicher, das verspreche ich dir. Ich lasse dich nicht alleine, Axilla.", log Vala ohne mit der Wimper zu zucken, und zeigte sich dabei so eiskalt boshaft, dass er sich Jahre später noch mit einem Lächeln in den Mundwinkeln an diesen Moment zurück erinnern würde.
    Sie kam auf ihn zu, und der junge Germane überlegte (wieder einmal) ob er sie nicht noch einfach mit in eine der dunkleren Ecken der Casa Prudentia nehmen sollte. Den Gedanken schüttelte er jedoch ab, bevor er sich in eine ernstzunehmende Erwägung verwandeln konnte, hob anstelle dessen nur die Hand und streichelte ihr über die rechte Wange, sie dabei verschmitzt anlächelnd: "Auf bald, Axilla."


    Als er die Porta hinter ihr schloss, fielen seine Mundwinkel nach unten und sein Blick verdüsterte sich wieder. Den fragenden Blick eines Sklaven quittierte er mit einem vernichtenden und schickte ihn damit schnell Weite suchend ins innere des prudentischen Anwesens.
    Wieso war er eigentlich so anders? Der Rest seiner Sippe: alles ehrbare und ideologisch irgendwo konsequente Männer und Frauen, die sich ihren Platz in der römischen Gesellschaft durch ihre menschlichen Qualitäten verdient hatten. Und Vala? War nicht dumm genug um sich selbst anlügen zu können, er war ein Bastard, ein Mörder, ein Intrigant, dem Menschen nur soviel bedeuteten wie sie ihn weiterbringen konnten bevor er sie wegwarf.


    "Und warum?", fragte er sich selbst, als er sich auf den Weg zurück zur Arbeit machte, "Warum bist du das, Alrik? Weil du sie alle übertrumpfen wirst."

    "Das verdient meinen Respekt.", floskelte Vala als Erwiderung auf die bodenständige Selbstbetrachtung des Aeliers, "Ich kann nicht behaupten mich mit den Laufbahnen in und um Rom herum besonders gut auszukennen, doch brauchte es nicht lange um festzustellen, dass Qualifikation an einer geringeren Priorität leidet. Deiner Laufbahn scheint es nicht geschadet zu haben, gehe ich richtig in der Annahme, dass du noch nicht am Ende deines Weges angekommen bist?"
    So kurz Vala den Aelius auch nur kannte, er konnte sich nicht vorstellen, dass sein Gegenüber sich mit dem Posten in der kaiserlichen Kanzlei zufrieden geben würde. Auch wenn der Großteil der Bevölkerung die vierzig Sommer nie erreichte war es gut vorstellbar, dass dieser Mann mit etwas mehr Zeit für sich und seine Pläne rechnete.


    "Er klagt nicht. Er schmiedet Pläne.", fasste der junge Germane auf seine Art und Weise zusammen wie es dem Senator ging. Ein Becher Wein wurde gereicht, und Vala gab sich etwas ungelenk darin ihn zu ergreifen. Einen Moment lang schüttelte er lachend den Kopf, und stellte den Becher dann auf einem nahen Tischchen ab. Er würde es nie lernen sich bedienen zu lassen. Linus hatte es einmal treffend beschrieben, in dem er feststellte aus einem Findelkind wohl einen großen Politiker schleifen zu können, allerdings daran scheitern würde Vala klarzumachen, dass man sich nicht alles mit der bloßen Hand erobern zu können. Mit einem Becher Wein fing es da schon an...
    "Also.. er erfreut sich bester Gesundheit, was vor einiger Zeit eben nicht so gewesen ist. Ich habe das Gefühl, er will die Zeit der langen Sieche nun damit ausgleichen in dem er sich mit jeder Faser seines Seins in die Arbeit wirft. Und mich gleich mit.", lächelte Vala matt, der das Gefühl hatte seine vorige Antwort auf die Frage Decima nicht ausführlich genug gestaltet zu haben. Die Dame schien eh sehr reserviert zu reagieren, was Vala per se neugierig machte, und ihn innerlich die Frage stellen ließ, mit was er es hier wohl zu tun hatte. Dabei wusste er die Antwort längst: Rom, Junge, das hier ist Rom.

    Die Überraschung, diesen Namen aus dem Munde von jemanden zu hören, der nicht zu den eigenen Begleitern gehörte, stand jedem des ungleichen Trios ins Gesicht geschrieben, als sie sich beinahe synchron zu dem Fremden umdrehten. Linus rückte unwillkürlich zwei Schritte von Damio und Vala ab, als er bemerkte, dass der Rufer nicht alleine war.
    "Elender Feigling.", murrte der Römer, nickte den Unbekannten doch freundlich nickend zu während Vala seine Skepsis nicht ganz verbergen mochte: "Der bin ich. Mit wem habe ich die Ehre?"

    Man kann durchaus 'umfassend' sagen, wenn es darum geht die Dinge zu benennen die man auf einem Schlachtfeld lernt. So lernt man dort nicht nur, aus einer Aneinanderreihung von ziellos platzierten Stichen und Hieben, Ausrutschern und Strauchlern, Panikattacken und Wutanfällen irgendwie an einem Stück herauszukommen, sondern auch wie ein Mensch worauf reagiert.
    Am eigenen Leibe hatte der Sohn des Leif zum Beispiel erfahren, wie es war Angst zu zeigen. Ein Cherusker, dem er abseits einer größeren Auseinandersetzung im Wald begegnet war, hatte Schild und Speer weggeworfen als er sah wie Vala, kaum vierzehn Sommer alt, sich einnässte, und den Jungen daraufhin grün und blau geprügelt. Einerseits hatte Vala dieses Zeigen von Angst das Leben gerettet, andererseits hatte er damals kapiert was für Konsequenzen es hatte zu offen Gefühle zu zeigen. Etliche Prellungen und Wunden später hatte Vala gemerkt, dass derjenige am ehesten überlebte, der seinem Gegner NICHTS von dem verriet, was in ihm vorging. Ein Grieche namens Linus sollte ihm das später in wortreichen Vorträgen genauer erklären, für Vala kam die Theorie allerdings Jahre nach der Praxis.
    Ironischerweise war Vala wenig später darauf gekommen, dass Frauen im Bewältigen von Gefühlen noch viel unbedarfter waren, was sie viel anfälliger für Manipulationen machte. Diese Erkenntnis hatte ihm einige Ohrfeigen eingebracht, aber irgendwann hatte er den Dreh raus. Vala verachtete Frauen nicht. Aber er liebte sie auch nicht. Sie waren schwach, und er hatte das Gefühl je südlicher man kam, desto schwächer wurden sie. Das hatte ihm einige ergötzliche Stunden zwischen den Beinen schöner Frauen eingebracht (Gedanken um sein Erbe im Genpool der Antike musste sich Vala auf jeden Fall keine mehr machen).
    Sie fraßen ihm aus der Hand. Genauso wie die hier.


    "Das würde es mich auch.", lächelte Vala die Iunia sein schmalstes Lächeln und führte sie zurück ins Atrium, wo ihr von den Schatten der Casa Prudentia schon benachrichtigte Sklave auf sie wartete, "Aber wo denkst du hin? Du hast mich nicht aufgehalten... die letzten Minuten waren mir eine hehre Freude, ich muss mich für deinen Besuch bedanken. Nein, ich WILL mich für deinen Besuch bedanken."

    "Sehr schön. Lasse mich wissen, wenn die Möglichkeit besteht gemeinsam zu einem solchen Ereignis zu gehen.", rieb Vala sich die Hände, in eine vollkommen andere Richtung denkend. Wenn man es genau nahm, kommandierte er Axilla gerade zu einem Date. Wobei er das vollkommen anders sah: für ihn war das kein Date. Es war ein weiterer Schritt. Ein Mittel zum Zweck.
    Axilla bewegte sich in der römischen Gesellschaft, und so wie sie aussah konnte sie ihm durchaus nützlich sein. Warum auch nicht? Sie sah gut aus, war naiv genug um gemocht zu werden. Und das, was Vala im Moment noch fehlte war Erfahrung im Umgang mit der römischen Jetset-Gesellschaft. Axilla konnte der Schlüssel dazu sein, und im gleichen Maße konnte er so auch dem auf den Grund gehen, warum er so reagierte wenn er bei ihr war. Alle anderen ließen ihn kalt, nur sie provozierte solche Reaktionen.


    Vala erhob sich, lächelte unverbindlich und signalisierte, dass er dieses Treffen jetzt zu beenden wünschte: "Es tut mir leid, dich jetzt so hinauskomplimentieren zu müssen, aber du wirst sicherlich verstehen wenn mich meine Pflichten leider davon abhalten dieses mir durchaus Freude bereitende Gespräch fortzuführen. Allerdings würde ich mich über eine Fortsetzung freuen.. bald." Er blickte sie falsch lächelnd an. Vala wollte alleine sein, und die Durchsetzung dieses Verlangens setzte er zielstrebig und nonchalant durch. Er warf sie hinaus, war ihrer auf einen Schlag überdrüssig geworden, und das einzige was ihn keinen Gedanken an eine Szene verschwenden ließ war das unerschütterliche Vertrauen in seine Chuzpe.

    "Verlobt? Entschuldigt, mein Fehler.", hob Vala entschuldigend lächelnd die Hände, um die Decima im selben Atemzug etwas genauer zu mustern, wie ein Hund von der Straße, dem just in diesem Augenblick eine Perserkatze vor die Pfoten fiel. Verlobt. Nicht verheiratet. Interessant zu wissen.


    Der Aelier ging gleich in die Offensive und präsentierte eine Frage, die Vala mit einem hilflosen Schulterzucken und einem falschen Lächeln abtat: "Eigentlich nichts erwähnenswertes. Ich habe mich bisher als Scriba von Balbus verdingt und so meine ersten Schritte in Rom getan. Mittlerweile gehöre ich dem Gef.. dem Stab des Senators Aurelius Corvinus an, der in diesem Jahr sei Aedilat absolviert. Ich möchte ein wenig die Luft der politischen Hinterkämmerchen schnuppern, und erledige dafür Drecksarbeit. Wie gesagt, nichts erwähnenswertes. Man fängt klein an, und das tue ich zur Zeit. Es ist mir schon fast unheimlich, als so kleiner Fisch in einer so illustren Runde von Mächtigen und Schönen zu sitzen. Aber genug von mir.. wie hast du deine Laufbahn begonnen, Aelius?"
    So spielte Vala den Ball zurück, in der Hoffnung wie immer mehr über sein Gegenüber zu erfahren als über sich selbst preiszugeben. Mit einem Ohr hing der junge Germane natürlich an den Gesprächen die sich zwischen dem Prudentius und dem Konsular entwickelten, aber eben nur mit einem.

    Bam. Bam. Bam.


    So kam es dem anonym in der Masse untergehenden Vala vor, als der scheidende Consul Tiberius Durus seinen Rechenschaftsbericht auf dem Forum Romanum in die Menge brüllte. Kaum rhetorische Mittel, kein billiger Schnickschnack, pure Information. Valas Meinung nach stellte die Rede ein präzises Zurschaustellen ohne großes Beiwerk dar. Etwas, was sich durchaus hören lassen konnte. Allerdings wusste Vala auch, dass seine Meinung nicht unbedingt geteilt werden würde.


    "Der hat wirklich einiges geleistet.", murmelte er mehr zu sich als zu seinen Begleitern, die sich jedoch um eine Antwort nicht zu faul waren.


    Linus von Patrae
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    "Findest du, Bursche?", stellte Linus eine seiner heissgeliebten rhetorischen Fragen, "Ich finde das umstellen von ein paar läppischen Gerichtsregelungen hätte auch eben einer der von diesem Tiberius da genannten Bürokraten einfallen können. Der macht aus einem Haufen toter Fliegen einen punischen Kriegselefanten. Lachhaft."


    Lucius Accius Damio
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    "Hör nicht auf dieses alte Lästermaul, junger Duccius. Manius Tiberius Durus ist ein verdientes Mitglied der römischen Gesellschaft und hat mit seinem Konsulat nur zuende geführt, was er vorher schon tatkräftig begonnen hatte. Es gibt absolut keinen Grund, diesem Mann nicht zu applaudieren.", warf Damio einen abschätzigen Blick auf den kleineren Griechen, der sich stets wie ein Fels in der Brandung andersdenkender Meinungen gab.


    "Ist die Reform der römischen Gerichtsbarkeit nicht etwas, dass durchaus beachtenswert ist? Ich meine, das römische Recht ist doch eins der Standbeine des Imperiums..", mutmaßte Vala ins Blaue hinein, und erntete gleichsam zwei kritische Blicke von den ihn begleitenden Männern.


    "Vollkommen richtig, Vala.", pflichtete Damio ihm anerkennend nickend bei, "Ohne das Recht würde in Rom Chaos und Anarchie herrschen, und das Imperium wäre so nie zustande gekommen. Es ist so komplex wie unsere Wirklichkeit es notwendig sein lässt, und es ist eine wahre Herausforderung sich diesem zu stellen."


    "Absoluter Schwachsinn.", spuckte der kleine Grieche aus Patrae schon fast auf den Boden, "Das römische Recht ist auch nur das Recht der Eliten, ihren Willen so durchsetzen zu können, dass dem Pöbel nicht einmal mit Gewalt die Möglichkeit gegeben ist sich gegen ihn durchzusetzen. Wenn unser naiver Freund hier eine seiner idealistischen Phasen hat, junger Barbaros, hörst du am besten garnicht hin. Auch im fantastischen Rom hat nur derjenige Recht, der es sich leisten kann dieses durchzusetzen. Was kümmert die Klage eines Fischers einen Kaufmann, der Geld genug hat einen Richter zu bestechen? Das lässt sich in alle Größenordnungen erweitern... wenn du Geld hast, hast du auch die Möglichkeiten das Recht so zu biegen wie du es brauchst."


    "Lass diesem alten Griesgram seine traurige Welt, Vala, und hör mir zu: auch wenn es Fälle gibt, in denen man garnicht leugnen kann dass es mit unlauteren Mitteln vorgeht ist das römische Recht mit seiner Stärke doch das, was uns unter anderem von den anderen unterlegenen Völkern unterscheidet. Hast du nicht von diesem Projekt erzählt, was du für deinen barbarischen Vetter betreibst?", wischte Damio die Hetzrede seines Freundes mit einer abwertenden Handbewegung beiseite, wandte dabei aber den Blick nicht von der Rostra.


    "Richtig. Er will die Civitates in den Provinzen stärken."


    "Richtig. Und mit was will er das?", blickte Damio ihn dann doch fragend an.


    "Wie, mit was? Mit dem Recht natürlich.", entgegnete Vala, der nicht wusste wohin ihn das führen sollte.


    "Sehr richtig. Mit dem Recht. Und genau deshalb ist das Recht stärker als das Schwert, oder gar das Geld: es bringt Gemeinschaften dort zustande, wo es vorher keine Gemeinsamkeiten gab. Die römischen Generäle wären ständig damit beschäftigt Aufstände nieder zu schlagen, wenn es nicht das Recht gäbe das für alle verbindliche Rahmen setzt."


    "Schwachsinn!", blaffte Linus in das Gespräch herein, "Vollkommener Schwachsinn!"


    "Das Recht..", fuhr der Römer fort, "...ist ein Mittel um die verschiedensten Interessen der Bevölkerung unter einen Hut zu bringen. Die der Patrizier, die der Equestes, die der Handelsleute, die der Bauern. Alle haben sich an die Gesetze zu halten. Dass dies nicht immer durchsetzbar ist, liegt in der Natur dieser Sache, aber Manius Tiberius Durus hat sein Konsulat dazu genutzt, um genau dieses Problem ein Stück weit weniger gravierend zu machen. Heb die Hände und applaudiere dem Tiberier, junger Vala, denn er hat es verdient."


    Aufmunternd nickend hob der Römer selbst die Hände und klatschte dem scheidenden Konsul Beifall, und zum Missfallen des Griechen ertappte Vala sich bald dabei auch kräftig die Hände zusammen zu schlagen, obwohl er das Gefühl hatte, dass der Grieche der Wahrheit doch näher lag.

    Vala, wieder gänzlich in sich gekehrt, hatte die Wut der Iunia vollkommen übersehen. Oder einfach schlichtweg ignoriert, war ihr Gesichtsausdruck doch der eines bockigen Kindes und nicht der einer verletzten Frau. Wobei Vala hier offenbar noch vollkommen in seinen alten Denkmustern steckte: germanische Frauen waren was sowas anging wenig zimperlich. Man konnte ihren Unmut garnicht ignorieren, weil das germanisch sozialisierte Weib keine Skrupel kannte ihren Unmut auch adäquat rabiat auszudrücken. Und wenn es nur Gekeife war, konnte man sich noch glücklich schätzen. Blieb hingegen alles ruhig, war demnach auch alles in bester Ordnung. Axilla hielt die Klappe. Und starrte ihn wütend an. Das war ein Verhalten was er von Kindern kannte, aber nicht von Frauen, und daher war es nicht weiter bedenkenswert.


    "Hmhmh...", murmelte er schließlich, als er seinen Denkfaden zuende gesponnen hatte, "..gut. Ziemt es sich für eine römische Frau an einem solchen Ereignis in Begleitung eines Mannes zu erscheinen mit dem sie weder verwandt noch verlobt oder -heiratet ist?"

    "Decima, sei mir gegrüßt.", hieß Vala zuerst die Dame willkommen, die Vorstellung von Balbus mit einem gekonnten Lächeln beantwortend, bevor er sich an den Konsularen wandte, den er so respektvoll wie knapp begrüßte: "Senator Aelius. Es ist mir eine Ehre.". Er war sich durchaus im Klaren darüber, dass man als letzter auf der Begrüßungsliste auch am wenigsten Zeit dazu hatte, und so hielt er sich wie selbstverständlich knapp und kurz angebunden, um den Schwung des Treffens nicht mit eigenem Kleinsprech auszubremsen.


    "Natürlich habe ich dich nicht vergessen, Aelius Archias.", beschwichtigte er als sie sich niederließen die Frage des Mannes, den er vor garnicht allzu langer Zeit noch auf dem Mercatus getroffen hatte, "Auf den Straßen hört man, du seist inzwischen zum kaiserlichen Beamten berufen worden, meine Gratulation dazu. Im gleichen Atemzug muss ich mich schon fast beschweren, hast du bei unserem vergangenen Treffen doch deine bezaubernde Gattin verschwiegen. Aber eben nur fast, kann ich doch verstehen warum du es getan hast. An den schönsten Juwelen erfreut man sich wirklich am besten alleine, in Sicherheit."
    Manchmal widerte Vala seine eigene Art an. Aber eben nur manchmal, dummerweise waren solch hohle Phrasen immer ein schon fast zu effektives Mittel zum Zweck, und das Lächeln einer Frau war schon der halbe Weg zu mehr.

    "Weil ich gesehen habe, wie Männer und Frauen sich Ehre verdient haben.", meinte Vala und blickte dabei düster geradewegs durch Axilla hindurch. Es waren keine schönen Erlebnisse, die Vala zu diesem Schluss haben kommen lassen, und er teilte sie nicht. Mit niemanden. Diejenigen, mit denen er sie erlebt hatte waren tot oder weit weg, und Vala hielt sich generell mit Informationen über sich selbst bedeckt. Seine Cousine Eila wusste das genau: Wissen ist Macht. Und Vala hatte nicht vor, jemandem Macht über ihn zu verleihen.


    "Ich glaube, du weißt eigentlich garnicht was Ehre ist.", schloss Vala, und signalisierte damit unmissverständlich, dass das Thema für ihn gegessen war. Er fühlte sich schäbig, als hätte er einem kleinen Kind den Lutscher weggenommen. Hatte die Freude, sich endlich mal wieder zünftig streiten zu können, tatsächlich dazu geführt, dass er verbal auf diese Frau einschlug? Das schlechte Gewissen wog bald Tonnen, als er sich daran erinnerte was sein Vater ihm einmal erzählt hatte: ein Mann mit einer Waffe in der Hand ist noch lange kein Gegner, und ein Mann mit bloßen Händen noch lange kein leichtes Spiel. Was hatte er hier gerade eigentlich erreicht? Nichts. Nicht das geringste. Er schoss mit Ballisten auf Spatzen.
    Dieses Wissen vergällte ihm den Geschmack des Sieges, und eine Sekunde lang fühlte er sich versucht sich zu entschuldigen. Aber eben nur eine Sekunde lang. Das letzte Mal, als ihm das passiert war, war er... er hielt inne. Das war gewesen, als er Axilla am Portus getroffen hatte. Warum gerade Axilla? Er blickte die junge Frau an, als sah er sie gerade zum ersten Mal. Er kam nicht darauf, es wollte sich ihm nicht erschließen.


    "Gehst du oft aus? Ich meine, bewegst du dich in der Gesellschaft?", eine unbefangene, offene Frage. Allerdings vielleicht ein wenig zu tückisch, denn Vala verfolgte einen Plan, und es gelang ihm nicht immer dies auch zu verbergen.

    "Achso.", grinste Vala breit, der Axilla schließlich da hatte, wo er sie haben wollte: "Dann kann man im Grunde genommen jeden Kehricht als Ehre deklarieren, solange man weiß wie man die Vokabeln Pflichtgefühl, Tugend, Würde und Notwendigkeit irgendwie wichtig klingend in einem Satz unterbringen kann."


    Er griff nach dem Becher und nahm einen Schluck Wasser, einen Moment der Stille kreierend in dem er seine Gegenüber nicht aus den Augen ließ. Erst als er den Becher präzise wieder auf demselben Fleck abgestellt hatte, von dem er ihn gerade genommen hatte begann er, ihre Argumente fein säuberlich auseinander zu klopfen: "Vercingetorix wurde nach seiner Kapitulation mit großem Aufwand von Cäsar entmannt. Dass ihm die Kleider vom Leib gerissen wurden und er den römischen Adler küssen durfte war ja nur der Anfang. Die Demütigungen nahmen kein Ende. Man hat eigentlich alles getan, um die Würde des Kuningaz der Gallii am Boden zu zertreten. Und dann auch nur das, was von der Kapitulation übrig gelassen wurde. Und doch wird Vercingetorix als eine der ehrenvollsten Gestalten der celti betrachtet. Nur von den Römern nicht.
    Im Gegensatz dazu wird dein erwähnter Brutus als jemand beschrieben der erhobenen Hauptes in den Tod gegangen ist. Mit der Würde eines sich und seiner Herkunft vollends bewussten römischen vir virtutis. Jetzt sag mir, wie geht eine Summe auf bei dem eine Null im Spiel ist*?"


    Ein weiterer Schluck, eine weitere Pause, und Vala fuhr unerbittlich mit der Demontage von Axillas Argumentation fort: "Die Tugend. Soso. Barrus hat seinen Vetter umgebracht, und damit die Tugend des Gastrechts gebrochen, was ihn per se unehrenhaft macht. Schau nicht so, das waren deine Worte. Also, hätte Barrus aber Dareios umgebracht, und letztendlich seine Herrschaft gerettet, so wäre er nicht als unehrenhafter Familienmörder in die griechischen Annalen eingegangen, sondern als ruhmreicher Bewahrer des Friedens in die der Meder. Wo wir schon dabei sind, ein Gegenbeispiel: Romolus und Remus. Romulus erschlägt seinen Bruder, und wird DIE Gestalt der römischen Geschichte schlechthin. Der Mord an Remus wird als konsequente Bestrafung von Rechtsbruch gedeutet. Ich bin mir absolut sicher, hätte einer von Remus Schergen Romulus erschlagen sähe die Sache vollkommen anders aus. Das ist schon wieder eine sehr wackelige Variable in deiner Rechnung, werte Iunia."


    Als Vala erneut zum Becher, und begriff in diesem Moment, dass er gerade nichts anderes praktizierte als schiere Folter. Irgendwie gefiel ihm das. Es war nicht die Macht, die ihn so faszinierte, sondern die Ausübung von etwas, das im nächsten Augenblick wieder verflogen sein mochte. Es war sehr gefährlich, das spürte er. Eine neue Form von Verlangen, das fatale Auswirkungen haben konnte wenn man ihm zu unbedacht nachgab.


    "Und dann das Pflichtbewusstsein. Soweit ich weiß hat der von dir so geschätzte Cäsar beinahe allen seinen Feinden vergeben. Vor allem den einfachen Soldaten, die aus den Heeren seiner Gegner desertierten, kapitulierten und einfach die Seiten wechselten. Aber nicht nur.. auch seinen Gegnern aus der Elite Roms und der der Provinzen vergab er, förderte sie und positionierte sie zu seinen Gunsten. Das ist paradox, ich meine, dass von diesen Leuten im kollektiven Gedächtnis sehr viele als ehrenvolle Vorbilder der mos maiorum Roms enthalten sind. Obwohl sie ALLE das von dir als so wichtig angeführte Pflichtgefühl nicht nur verletzt, sondern gar mit Füßen getreten haben."


    Vala machte eine mitleid ausdrückende Miene, als hätte er ein junges Küken vor sich, das zu früh das sichere Nest verlassen hatte: "Axilla, ich will dir nicht zu nahe treten, aber weißt du eigentlich, was du da redest? Du wirfst Wörter in den Raum und versuchst diese zu Konstrukten verbinden die die Welt in einem Satz erklären und in Gut oder Böse teilen. Dabei ist dieses Konstrukt zu labil, dass ich nur mit einem Finger wedeln muss um es zum Einsturz zu bringen. Aber...", legte er die Maske ab und sah sie mit kaltem und unerbittlichen Blick an, derselbe Blick, der Vala das Fürchten gelehrt hatte, wenn er etwas falsch gemacht hatte, und sein Vater hatte Fehler nicht so schnell vergeben, "..um dir wenigstens einen kleinen Teil deiner Illusion zu lassen: ja, es gibt sie. Es gibt die Ehre, und ja, sie bewegt die Menschen. Aber was sie ist begreifst du nicht einmal im Ansatz. Nicht einmal ich tue das... ich weiß nur, wie sie sich anfühlt. Sie ist kalt. Sie ist dreckig. Sie stinkt. Und sie tut weh. "


    [SIZE=7]* auch wenn die Null eine Erfindung späterer Jahrhunderte ist[/SIZE]

    "Ach, ist dem so?", antwortete Vala kurz, und dachte: Dampfplauderer. Der Quintilier schien darauf bedacht sich und seine Position so groß wie möglich zu machen. Vala hatte schon einige mit dieser Macke kennen gelernt, und sie alle waren in dem Moment verreckt, als sie erkennen mussten, dass sich Vorstellung und Realität in dem Moment in die Quere kamen als es darum ging sich mit der Realität eines Gegners auseinander zu setzen. Vala hatte mehr für die andere Macke über: sich kleiner machen als man wirklich war. Denn dann konnte man sich Herausforderungen gelassener widmen als wenn man sich plötzlich der eigenen Unzulänglichkeit bewusst werden musste, weil man sich sein eigenes Gelaber irgendwann selbst geglaubt hatte. Sowieso: dieser Abend fiel in die gleiche Kategorie. Sie saßen beieinander als könnten sie das Imperium mit einem Fingerzeig ändern, dabei waren sie genau wer? Scribae... kleine Soldaten.. niemand.


    So kam ihm die Gegenfrage des Gastgebers gerade recht. Vala winkte ab, als sei ihm die Frage unangenehm: "Dies und das, alles in allem nicht viel. Ich lerne im Moment noch mich in Rom zu bewegen, verdinge mich als Scriba, stehe bei Projekten der Gesetzgebung in der dritten Reihe. Nichts besonders. Noch."
    Er schmunzelte verschwörerisch. Warum auch nicht einen kleinen Stein ins Wasser werfen, und den Kreisen dabei zusehen wie sie sich ausdehnten?

    "Dann werde ich ihn wohl aufsuchen.", schloss Vala knapp und machte sich eine mentale Notiz, dem Aelier beizeiten einen Gesprächswunsch zukommen zu lassen.


    "Wie gesagt, ich kenne diesen Menschen nicht. Aber es gibt wohl eine Menge Menschen, die durch mehr oder weniger lautere Dinge zu Einfluss und Ansehen gekommen sind. Das sind beides Dinge, an denen man sich nicht messen lassen kann, wenn du mich fragst.", sinnierte Vala, und merkte natürlich nicht wie just in diesem Moment ein Gespräch auf ihn abfärbte, das er eigentlich noch garnicht geführt hatte.
    "Wenn du meine Hilfe benötigst, werde ich sie dir nicht verweigern.", sagte Vala auf sehr germanische Art und Weise dem Angebot zu, für den Aurelier zu arbeiten, "Ich denke ich werde es einrichten können mich zum Anfang den kommenden Iden freizustellen, bis dahin werde ich die größte Arbeit für Balbus erledigt haben, den Rest lässt er mich mit Sicherheit in meiner nicht vorhandenen Freizeit erledigen."


    Innerlich rieb Vala sich die Hände. Ein Schritt näher.

    "Ita sum.", nölte Vala als er in das Officium schlurfte. Eine Frage beschäftigte ihn seit den frühen Morgenstunden: wie schaffte man es bloß, so viele Klienten aus einen Haufen zu verarbeiten? Vala schien der organistatorische Aufwand nahe dem eines Legionshaushalts zu liegen. Was sollte er auch andere denken? Man hatte am Morgen kaum ein Wort von dem verstanden was Klient und Patron zueinander gesagt hatten während im Hintergrund eine halbe Kohorte Wartender sich mit sich selbst beschäftigte.
    Dreimal so lange wie die eigentliche Salutatio hatte das Niederschreiben der verschiedenen Bitten, Abmachungen und Vorschläge gedauert. Vala hatte immer gedacht Balbus hätte viele Klienten gehabt, aber der Aurelier schien ein noch eifrigerer Förderer der seinen zu sein.


    Sein derzeitiger Arbeitgeber schien hingegen bester Laune zu sein, was Vala auf Anhieb suspekt war. Er hatte die Erfahrung gemacht, dass Menschen vor allem dann gute Laune hatten wenn ihnen etwas eingefallen war was ihnen großen Vorteil bringen konnte, und in der Welt von Vala geschah dies meist zum Schaden von irgendjemandem anderes. Warum sollte es in Rom auch anders sein?


    "Du hast rufen lassen.", betonte Vala noch einmal unnötigerweise den Grund für sein Auftauchen. Nicht, dass es ihn störte. Das Niederschreiben von Bitten irgendwelcher Klienten hatte für ihn in etwa den Reiz einer Abrechnung der Jahresration an Talg, die für die Wachstafeln gebraucht wurde.

    Sollte folgender Briefe gehen, die von Vala auf Kosten der duccischen Wertkarte losgeschickt wurden:



    Ad:
    Tiberius Duccius Lando
    Casa Duccia
    Mogontiacum | Germania


    Heilsa Lando.


    Achja, unsere Sache. Der ergeht es gut, der Senator Vinicius Lucianus (ich muss dir nicht erklären wer das ist) hat ebenso seine Unterstützung angekündigt wie Senator Marcus Aurelius Corvinus. Eben jener sprach übrigens nur in den höchsten Tönen von unserer Sippe, ich frage mich was ihr angestellt habt um bei einem Patrizier ein so gutes Bild abgegeben zu haben. Wie dem auch sei, unsere Sache geht voran. Der Praefectus Urbi hat sich die Sache auch schon angesehen und signalisierte Zustimmung. Dieser Potitus Vescularius Salinator ist im Moment woh die meistgehasste wie auch -gefürchtete Person in Rom. Als Günstling des Kaisers schaltet und waltet er nach Gutdünken hier in Rom, bisher hatte niemand ein gutes Wort über ihn übrig, aber etwas tun will auch niemand. Kaum zu fassen, sie haben Angst.
    Noch. Anscheinend arbeitet man an Konstellationen um diese unbequeme Person loszuwerden. Aber noch macht der Mann hier was er will. Interessant, wie ich finde. Ich frage mich, ob es... ach, lassen wir das.


    Ich habe meine Arbeit für Balbus aufgegeben, um mich eben jenem Aurelius zu verschreiben. Ich denke auf dem Weg in die Curia Iulia kann er mir mehr nützen, und ich ihm, als Balbus es vermag. Dass sieht Balbus übrigens genauso, deshalb sind wir in zufriedenem Einvernehmen auseinander gegangen. Wohnen tue ich allerdings immernoch in der Casa der Prudentii. Balbus fragte übrigens nach Callista, wie geht es seiner Nichte?


    Wenn wir schon bei den Frauen sind: Eine junge Dame namens Iunia Axilla wurde hier vorstellig, anscheinend hat Rufus sie in Alexandria kennen gelernt. Wie klein die Welt doch ist, ich frage mich, ob das ein Zufall sein kann.
    Interessante Person, wenn ich das so sagen darf. Wenn alle Frauen Roms so sind, schwant mir böses.


    Habe ich dir schon zu deinem Balg gratuliert? Ach, natürlich habe ich das.. dann gibt es auch nicht viel mehr zu erzählen. Außer: es geht voran. Ich habe einen griechischen Lehrer, ziemlich abgerissene Person, aber wach im Geiste, und das soll mir reichen. Vorerst. Ein befreundeter Römer gibt ab und an seinen Mustard hinzu, zwei sehr gegensätzliche Gestalten. Ich lerne jeden Tag etwas neues...


    Gruß an die Familie.


    Til ars ok frisar.


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    Titus Duccius Vala
    Scriba Personalis M. Aurelius Corvinus
    Casa Prudentia | Collis Quirinalis | Roma | Italia
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    Ad:
    Marcus Duccius Rufus
    Casa Duccia
    Mogontiacum | Germania


    Ragin!


    Ein Vögelchen zwitscherte mir, dass du dich beschwert hättest ich würde dir nicht schreiben. Wie sollte ich auch, wenn du zwischen den Welten tanzt. Ich kann mir vorstellen die Briefausstellung zu Hel hätte sich etwas schwierig erwiesen. Ich bin froh, dass es dir wieder besser geht.


    Nun, deine Freundin Axilla ist ein recht hübsches Ding. Ihre Brüste sind etwas klein, aber man will ja nicht zu wählerisch sein. Ihr Hintern allerdings lässt keine Wünsche übrig. Fest als könnte man damit Korn mahlen. Zu dumm, dass die römischen Weiber sich immer in mehr Tuch hüllen müssen als auf eine Quinquireme passt. Ich bin mir sicher, nähe die Klamotten von fünf Römerinnen zusammen und du segelst ans Ende der Welt.
    Interessant ist, dass diese Axilla in ebenso gleichem Maße belesen wie ein naives Dummchen ist. Ich glaube sie könnte dir immernoch die Ilias rezitieren wenn du sie auf's Kreuz legst.


    Falls es dich interessiert was ich hier so treibe: ich lerne. Meine politische Laufbahn stellt sich als etwas komplizierter heraus als ich erwartet habe. Man muss viele Kontakte knüpfen, den richtigen Leuten die Hände schütteln und heucheln was das Zeug hält. Unfassbar, schmier den Leuten Honig um's Maul und sie fressen dir aus der Hand. Ich lerne gerade griechisch, kein angenehmes, aber wohl notwendiges Unternehmen.


    Ich wäre übrigens froh um ein paar Informationen von daheim, die Lando als nicht erwähnenswert betrachtet: was geht in Mogontiacum vor, wo und wie steht unsere Familie, und was ist machbar? Ich muss nicht erwähnen, dass ich unverzüglich Antwort erwarte.


    Til ars ok frisar.


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    Titus Duccius Vala
    Scriba Personalis M. Aurelius Corvinus
    Casa Prudentia | Collis Quirinalis | Roma | Italia
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