Beiträge von Titus Duccius Vala

    Ein weiterer Becher mit Wasser fand sich bald in Valas Hand wieder, und er lud die Decima mit einer stummen Geste ein sich auf einer Bank nieder zu lassen. Einen kurzen, nur allzu flüchtigen Augenblick konnte er sich dem Eindruck hingeben tatsächlich einmal kurz durch den Panzer seiner Gegenüber gedrungen zu sein, und er musste stark an sich halten um nicht selbstzufrieden zu lächeln.


    "Wenn ich dir damit zumindest eine kleine Freude bereiten kann, will ich deine Entschuldigung nicht nur der Form halber akzeptieren.", meinte Vala nonchalant und lehnte sich an einen in sehr römischer Art akurat frisierten Baum an während er die Decima nicht aus den Augen ließ, "Ich will garnicht abstreiten, dass das Geschehene abseits jeder Ordnung und jedes Anstands war, allerdings muss ich die Gegenfrage stellen: wäre es dann nicht genauso an mir, mich zu entschuldigen? Ich weiß nicht, was dein Verlobter dir von unserer Konversation erzählt hat, aber ich kann nicht leugnen ihn in nicht unbeträchtlichem Maße provoziert zu haben. Um genauer zu sein: einen kurzen Moment habe ich es genau darauf angelegt. Allerdings war ich nicht auf seine Reaktion vorbereitet, die uns dann letztendlich der Aufmerksamkeit der Anwesenden versichert hat. Wenn man es so sieht, habe ich nicht nur ein Recht auf Entschuldigung, so wie du es darstellst... ich habe selber die PFLICHT zur Entschuldigung."


    Irgendwo in Vala lachte es. Er selbst hatte natürlich keinen Zweifel an der Falschheit seiner Worte, schauspielerte sie allerdings mit einer Form von Betroffenheit und schelmischen Lächelns, dass man sie ihm einfach abkaufen musste. Auch hegte er keinen Zweifel an der Schuld an dem Vorfall, für ihn war nur allzu klar wem er diesen Augenblick der Peinlichkeit zu verdanken hatte. Und auch wenn er sich arglos gab, er würde sich rächen. Natürlich nicht übertrieben, immerhin hatte der Aelier nur Valas nicht existente Ehre angekratzt. Und das auf eine effektiv sehr weibische Art. Aber nichts desto trotz würde Vala sich für diesen Moment erkenntlich zeigen, an etwas, dass dem Aelier sehr am Herzen lag.


    Er stieß sich von dem Baum ab und nahm neben der Decima Platz, sich leicht zu ihr hinüberlehnend: "Nun, werte Decima. Wenn ich dir also deine Last abnehme, wärst du so gütig, mir die meine abzunehmen?"


    Sehr am Herzen. Sehr.

    "Selbstverständlich, Senator Annaeus.", nahm Vala den ihm zugespielten Ball auf, "Die Einladung war eine Überraschung, aber nicht minder eine Ehre. Wasser bitte."


    Er folgte der Einladung sich zu setzen, und strengte sich gleichzeitig an nicht allzu angespannt zu wirken. Er hasste Situationen auf die er sich nicht vorbereiten konnte, und dies war so eine.

    Einige Minuten lang hatte Vala Schraubzierus nur fassungslos angestarrt, als der ihm eröffnete, dass sich niemand anders als Decima Seiana im Hortus befand und dort auf ihn wartete. Der vor ihm liegende Briefentwurf zur Vorbereitung der Spiele war vergessen, und ebenso weltvergessen lehnte Vala sich im Sessel zurück und starrte aus dem Fenster.


    "Va.. Dominus.", korrigierte Schraubzieris sich selbst, der von dem laxen Umgang des Germanen mit den Sklaven langsam an sich selbst verzweifelte, "Die domina wartet immernoch."


    Vala antwortete nicht. Er starrte weiterhin aus dem Fenster und dachte nach. Dann schlich sich ein Lächeln in seine Mundwinkel, und mit einem Mal schob er sich und den Sessel zurück und stand einen halben Augenblick später neben dem Sklaven: "Na, dann wollen wir sie nicht länger warten lassen, wie? Lass Wasser und Wein in den Garten bringen."
    Damit machte er sich auf durch die langen Gänge und Winkel der Casa zum Hortus gelangen, und als er ihn betrat stand die Decima gerade mit dem Rücken zu ihm, was ihm die Möglichkeit verschaffte, sie einen Moment länger zu mustern. Sein Lächeln kam zurück, und er lehnte sich an eine Ecke, die Decima einfach nur beobachtend. Innerlich schüttelte er den Kopf, wusste er doch, dass es nur einen Grund geben konnte warum sie hier war. 'Zu schade', dachte er bei sich während seine Blicke vergeblich versuchten den Stoff zu durchdringen um zu erkunden was unter dem vielen Stoff lag, mit dem sich die Decima auf physischem Wege gegen die Außenwelt abschirmte. Eine Sklavin erschien in einer anderen Ecke und sah Vala irritiert an, hatte er den Gast doch noch nicht begrüßt, zu deren Erfrischung sie doch gerade Wein und Wasser brachte. Vala wedelte sie einen Moment zurück, und machte sich dann mit einem leisen Räuspern bemerkbar.


    "Decima.", schritt Vala lächelnd auf sie zu nachdem sie sich umwandte und ihm entgegensah, "Welch Überraschung dich hier zu sehen.. eine nicht unangenehme, wie ich zugeben muss.", nun winkte er die Sklavin mit dem Tablett herbei, "Darf ich dir eine Erfrischung anbieten, bevor du mir erklärst wie unangenehm dir das Geschehene ist, und dass du dich entschuldigen willst? Ich hoffe doch, dass nicht für dich selbst. Und auch wenn dem nicht so wäre: es gibt keinen Grund sich zu entschuldigen, noch dunkle Gedanken an die Vergangenheit zu verschwenden."
    Ein allzu offensichtlicher Versuch ihr den Wind aus den Segeln zu nehmen bevor sie überhaupt begonnen hatte, aber Valas Lächeln und seine verschmitzt blitzenden Augen stellten klar, dass er ihre Präsenz keineswegs mit Groll oder Zorn verband. Eine Sicherheit die nur jemand haben konnte, der sich seiner Rache absolut sicher war.

    [Blockierte Grafik: http://img697.imageshack.us/img697/3383/schraubzieris.png]


    Als der Besuch von Vala von 0 auf 1 pro Woche zunahm, hatte er Schraubzieris und die anderen Sklaven, die den Dienst an der Tür versahen gebeten, seinen Besuch bei gutem Wetter in den Hortus zu führen. Der Hortus hatte sich seit seiner Ankunft als Lieblingsort des Ducciers erwiesen, und er pflegte es soviel Zeit wie möglich hier zu verbringen. Heute allerdings büffelte er wieder über gewissen Akten, die der junge Duccius aus dem aurelischen Haushalt mitgenommen hatte um sie hier zu bearbeiten.


    "Wenn ihr bitte hier warten möchtet.", verneigte sich Schraubzieris und überließ es der Decima selbst, ihre Sklaven in die Obhut des prudentischen Haushalts zu schicken während sie sich mit dem Germanen unterhielt. "Ich werde den Dominus Duccius nun rufen."

    Wenig später tauchte Vala dann auch wieder auf. Es hatte nur eine kurze Zeit gedauert sich von der Süßspeise zu befreien und sich eine neue Toga zu organisieren. Einer der aurelischen Sklaven, Vala hatte seinen Namen vergessen, besaß anscheinend genug Kompetenz ihm einfach eine der einfacheren Togen der Herrschaften zu geben, und so sah Vala mit einem Schlag um drei Schritte vornehmer aus als er hier erschienen war. So eingekleidet hatte Vala sich einen Moment in eine Ecke der Villa zurück gezogen und fünf Minuten lang nachgedacht, wie er jetzt vorgehen sollte. Ein Plan ließ nicht lange auf sich warten, und so war Vala entschlossenen Schrittes wieder auf dem Weg zum Atrium.


    Als er dort ankam bemerkte er als erstes die suchenden Blicke Axillas, die anscheinend gerade mit Aurelius Corvinus ins Gespräch vertieft war. Er wartete einen Moment bis er den richtigen Augenblick gefunden hatte das Gespräch zu unterbrechen und räusperte sich dann vernehmbar.


    "Senator Aurelius, sei mir gegrüßt.", begann er förmlich wie immer die Begrüßung, "Ich muss mich für die Unannehmlichkeiten entschuldigen, die diesen schönen Tag entstellt haben. Aber ich muss mich auch dafür entschuldigen, dir deine Gesprächspartnerin für einen Moment zu entreißen. Wir sind sofort wieder zurück." Mit einer leichten Verbeugung streckte er Axilla die Hand entgegen und zog sie zu sich als sie ihm ihre reichte. Einige Schritte weiter hielt er an, drehte sich zu ihr um und sah sie milde lächelnd an.
    "Es wird alles wieder gut.", murmelte er ihr zu und sah sie gewinnend an. Kein Zeichen von Wut oder Verbitterung, Vala zeigte sich sehr überzeugend bester Dinge. Bevor sie weitergingen führte er ihre Hand zu seinen Lippen und küsste sie sanft, bevor er sein Versprechen wiederholte: "Es wird alles wieder gut."


    Dann führte er sie zum Brautpaar, das gerade die anderen Gäste gerade zum Essen geladen hatte, und wartete dort darauf, dass man sie bemerkte.
    "Schöne Tiberia, ehrbarer Aurelius. Ich muss mich für die Entstellung dieses Tages entschuldigen. Ich bin untröstlich, dass meine eigene Dummheit euren Ehrentag befleckt hat, und ich kann garnicht genug sagen, wie leid mir dies tut. Eine Unachtsamkeit im Umgang mit Aelius Archias hat ihm keine andere Wahl gelassen als seine Ehre zu verteidigen, wenn auch in etwas... unorthodoxer Art und Weise. Ich übernehme selbstverständlich die volle Verantwortung für diesen Vorfall und bitte darum, dem Aelius sein Verhalten nicht nach zu tragen, anscheinend habe ich ihn dermaßen provoziert, dass er keine andere Möglichkeit sah. Dies war und ist alleine mein Fehler gewesen. Ich bin untröstlich.", brachte Vala mit überzeugend betroffener Miene das zum Ausdruck, was er sich einige Minuten vorher überlegt hatte. Zwischendurch warf er auch Axilla einen Blick zu, als wollte er sich ebenfalls bei ihr für den Vorfall entschuldigen.


    "Der Ehrentag zweier Persönlichkeiten wie euch sollte nicht durch meine Dummheiten geprägt sein, und doch habe ich es nicht verhindern können. Ich bitte darum, mir dies noch einmal nachzusehen, es scheint mir, als hätte ich noch einiges zu lernen."

    Vala runzelte die Stirn, als er vor dem Lupanar stand. Er war weit heruntergekommenere Zustände gewohnt, doch das hier war nicht unbedingt das, was er erwartet hatte. Hier also sollte der Kerl auffindbar sein? Linos hatte definitiv einen seltsamen Sinn für Humor.


    Als Vala durch die Tür schritt, blickte eine ältliche Frau zu ihm doch, verwirrt einen Mann anzutreffen dessen Tunika so aussah als würde man sie tatsächlich öfter als einmal im Jahr waschen.


    "Dominus!", rief sie ihn herbei, als sie ihre Überraschung ab-, und ein falsches Lächeln dafür aufgelegt hatte, "Tritt näher! Was können wir für dich tun? Gelüstet es dich nach einer Frau, einem Mädchen, oder gar einem Knaben?"


    Sie kam sofort zur Sache, das imponierte Vala. Allerdings hatte er anderes im Sinn: "Ich will Corvus sehen."
    Augenblicklich gefror das Lächeln der Frau, und ihre Mundwinkel sanken langsam nach unten, während sie ihn mit einem Ausdruck des Entsetzens anblickte: "Corvus? Wir haben hier niemanden der Corvus heißt... vielleicht hast du dich im Haus geirrt. Zwei Blöcke weiter gibt es noch ein Lupanar, vielleicht..."
    "Corvus.", insistierte Vala mit regungsloser Miene, "Man sagte, er sei hier."
    Die Frau fasste sich langsam wieder, und ließ ihren voluminösen Oberkörper auf den Tisch sinken vor dem sie saß: "Jetzt hör mal, Junge. Es gibt hier niemanden der so heißt. Du hast dich geirrt. Verstehst du mich? Geirrt! Also, was ist jetzt? Willst du noch einen wegstecken? Du siehst so aus, als könntest du es gebrauchen... wie ich euch Barbaren kenne wollt ihr es wild! Ich habe da genau das richtige für dich!"
    Als Vala schon seinem Ärger nachgeben wollte, erinnerte er sich an den zweiten Teil der Beschreibung des Griechen, die er im ganzen Trubel der Straßengeschäftigkeit wohl vergessen hatte. So schluckte er seine wütende Antwort herunter, und blickte die Frau ernst an: "Gut. Gib mir dieses Mädchen... und zwar schnell."
    Durch diese Worte kehrte das falsche Lächeln der Frau zurück, sie schnipste einmal mit dem Finger und ein alter Mann trat aus einem der Gänge, sich vor Vala knapp verneigend.
    "Ristex. Bring den jungen Herrn doch bitte zu Astrala. Achja, das macht dann zwei Denarii, bitte."
    Vala legte die gewünschte Summe in die fleischige Hand der Frau und folgte dem alten Mann in das Lupanar hinein. Aus einigen Zimmern, die mehr oder minder mit Vorhängen verschlossen waren, drangen eindeutige Kopulationslaute, und Vala überlegte einen Moment lang, ob er nicht einfach etwas länger bleiben sollte als er eigentlich geplant hatte. Er verwarf den Gedanken jedoch, als er von dem Alten in eine Kammer verwiesen wurde in der eine Frau wartete die mit ihrer Hässlichkeit schon neue Rekorde aufstellte. Was für Qualitäten musste diese Frau haben, dass man ihr Gesicht vergaß? Wahrscheinlich jene, in der man es garnicht sah, überlegte er bei sich, als er sich auf der Liege niederließ wo sie mit emotionslosem Blick auf sie wartete. Der Alte verzog sich augenblicklich wieder in den Gängen, und sie waren allein. Vala hockte stumm und regungslos da, wusste nicht, was er tun sollte, und erst als die Finger der Frau sich an seiner Tunika zu schaffen machten stieß er sie grob beiseite.
    "Geh. Hol Corvus. JETZT.", zischte Vala sie an, sie keines weiteren Blickes würdigend. Mit Schreckgeweiteten Augen blickte sie ihn an, schüttelte sachte den Kopf und zog die schmutzige Decke zu sich heran.
    "Ich werde das nicht wiederholen, Frau.", grummelte Vala, doch wieder ging kein Anzeichen von Aktivität von der Frau aus. Irgendwann hatte Vala genug, streckte den Arm aus, nahm das Gesicht der zierlichen Unschönheit in die linke Hand, zog ihn zu sich heran und schmetterte ihren Kopf dann dezent auf Kraft verzichtend gegen die Holzwand dahinter. Er wiederholte seine Frage nicht, sondern blickte die Frau nur auffordernd an als ihr Tränen in die Augen stiegen. Einen Moment später reckte sie ihre Beine über den Rand der Liege und verschwand hinter dem Vorhang.


    Während Vala wartete, zählte er die Flecken an der schmutzigen Wand und verband sie in seinem Kopf zu Mustern. Es dauerte einige Minuten bis sich wieder Schritte bemerkbar machten, und der Mann den Vorhang zur Seite schob, nach dem Vala verlangt hatte.


    http://www.kulueke.net/pics/ir…pezielle/valahelfer03.png "Das wird dich extra kosten, Mann.", waren die ersten Worte, die der Mann an Vala richtete.


    "Du bist also Aulus Amatius Corvus.", folgerte Vala aus der schon fast zu makellosen Erscheinung des Mannes, der in seiner Gestalt und seinem Auftreten wohl das absolute Ideal dieser Zeit vereinte. Auch wenn sein Schönheitsempfinden sich vollkommen auf Frauen konzentrierte, war er doch von der Macht der Erscheinung dieses Mannes stark beeindruckt.


    "Der bin ich. Du hast nach mir... geschickt.", schob der Mann eine künstliche Begrüßung, deren Ironie kaum verhohlen war, mit einer gekonnten Handbewegung durch den Raum.


    "Richtig. Ich bin Titus Duccius Vala, und ich habe Arbeit für dich.", kam Vala gleich zur Sache, für den jeder weitere Moment in diesem Haus einer zuviel war.


    "Ah...", verzog Corvus genüsslich die Lippen zu einem süffisanten Lächeln, "...das neue Spielzeug des fetten Griechen. Ich habe gehört, du strebst nach oben... aber meinst du nicht, es ist etwas zu früh deine Laufbahn durch.. meine Leistungen.. voranzutreiben, junger Duccius?"


    "Das sehe ich durchaus genauso. Noch.", erwiderte Vala, der sich erhoben hatte um dem Mann Auge in Auge gegenüber zu stehen, "Aber sagen wir, ich hätte gerne eine Kostprobe deines Könnens, bevor wir uns größeren Dingen zuwenden. Auch wenn man viel von dir spricht, der du tausend Namen zu haben scheinst, so will ich doch sehen wie brillant dein Werk wirklich ist."


    Corvus verschränkte lässig die Arme, sein Lächeln blieb. Er war es gewohnt, dass neue Klienten erst wissen wollten wie gut er wirklich war, bevor sie ihm die wirklich dicken Fische hinwarfen: "Natürlich. Darf ich erfragen, um wen es sich handelt?"


    Valas Blick verdüsterte sich bei dieser Frage, doch seine Lippen formten ein wölfisches Grinsen: "Ich hoffe du bist nicht allzu enttäuscht, wenn ich dir sage, dass es um eine Frau geht."

    Das Lupanar der geöffneten Schenkel war nicht unbedingt heruntergekommen, aber auch alles andere als eines der Vorzeigeetablisments. An einer der Hauptstraßen der düsteren Gegenden des Aventins gelegen, hatte das Bordell natürlich auch einen Eingang für jene, die nicht gesehen werden wollten.


    Es war ziemlich bekannt, aber nicht unbedingt beliebt, und wurde meist von denen besucht die nicht Geld genug in der Tasche hatten um sich auf einer der belebteren Straßen zu vergnügen.

    Die Tirade hatte er kommen sehen, und Vala musste stark an sich halten um den Aelier nicht mitleidig anzuschauen. Nach ungefahr dreissig Worten hörte Vala dem Mann garnicht mehr richtig zu, nach fünfzig driftete seine Aufmerksamkeit zu anderen Gästen ab, die sich nahebei befanden und das Spektakel mehr oder minder verhohlen beobachteten. Er versuchte sich in einem entschuldigenden Lächeln, ließ den Aelier gewähren und dachte sich kaum etwas dabei. Er kannte diese Reaktion. Gehörnte Ehemänner hatten Vala das eine oder andere mit dem Tod oder anderen Bagatellen gedroht, und so wartete Vala ab, bis sich die Schlägerei ankündigte auf die der Aelier es anscheinend angelegt hatte. Die kam dann allerdings in Form einer Süßspeise, und Vala, der mit Fäusten, Messern, Äxten, Speeren, Schilden, Schwertern gerechnet hatte, war dann doch etwas überrascht mit einer Schüssel angegriffen zu werden. Von einem Mann. Mit einer Schüssel.


    So überrascht, konnte er den Kopf nicht vollkommen wegdrehen, und einen Moment später sah er aus wie der später gegen einen bekannten schwarzen Fledermausmann kämpfenden Zweigesicht. Nur mit Süßspeise. Aus einer Schüssel. Die ihm ein Mann ins Gesicht geschüttet hatte. Ein Mann.
    Er war gelinde gesagt baff, und das zeigte sein Gesichtsausdruck auch. Als der Aelier sich allerdings wegdrehen wollte, griff Vala kurz an die Schulter des Mannes, machte jedoch keine Anstalten ihm eine Faust in die Seite zu rammen, sondern packte sich einfach ein Stück dessen Gewandung und befreite seine süße Gesichtsseite von den gröbsten Teilen der Süßspeise, bevor er den Aelier ein Stück näher an sich heranzog, um ihm ein paar Worte zu sagen, die nur dieser hören konnte: "Du hast sie in genau diesem Augenblick verloren. Nicht nur das. Du hast ihr Grab geschaufelt. Irgendwann wirst du in ihre toten Augen starren dürfen, und wirst dir sicher sein, dass es deine Schuld ist. Du wirst jetzt gehen, damit deiner Verlobten die Peinlichkeit deiner Präsenz wenigstens in der Öffentlichkeit erspart bleibt. Und das nächste Mal, wenn du dich mit mir anlegst, habe gefälligst etwas weniger weibisches in der Hand."
    Er grollte diese Worte nicht. Er knirschte auch nicht mit den Zähnen. Er meinte sie einfach nur todernst. Den Blick, den er dem Aelier dabei zuwarf unterstrich das nur. Es war keine Wut darin, noch Zorn, und auch die Verblüffung war aus seinem Gesicht gewichen. Vala war einfach nurnoch absolut überzeugt von dem was er sagte, und von dem was er dem Aelier soeben ankündigte.


    Eine Sekunde später war er, ebenso lockeren Schrittes wie er zu dem Tisch geschritten war, auch wieder zurück bei den Damen, die er entschuldigend anlächelte: "Wenn die Damen mich entschuldigen.. ich glaube, ich muss mich mal eben kurz frischmachen."
    Mit einem knappen Nicken war er an ihnen vorbei und verschwand in den hinteren, ihm schon einigermaßen bekannten Bereichen der Villa. Irgendwo in den Gängen konnte ein zufällig zuhörender Sklave dann doch ein gegrummeltes "...beste Freundin... SCHÜSSEL!! Gottverdammte römische Schw*chtel." vernehmen.

    Vala blickte Caius irritiert an. Sein Blick wanderte zu Axilla. Dann wieder zum Aelier. Dann wieder zu Axilla. Und schließlich wieder zum Aelier, bevor er die Augen aufriss und sich mit der flachen Hand hörbar gegen die Stirn klatschte: "Ich NARR!!!!! Bei den Göttern, ich verdammter Narr!!! Wie konnte ich das nur übersehen... dank sei dir, Aelius, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast, es wäre mir beinahe nicht aufgefallen, aber jetzt... wo du mich noch einmal darauf hinweist... es fällt mir wie Schuppen von den Augen! Wie konnte ich nur so verdammt blind sein?"
    Vala stützte sich, immernoch vor lauter Selbstvorwurf lachend, laut genug um die Absurdität dieser Situation zu unterstreichen, aber leise genug um die anderen Gäste nicht zu irritieren, am Buffettisch ab und schüttelte den Kopf: "Wie konnte mir das nur passieren? Axilla! Aber natürlich! Axilla! Und ich Narr dachte die ganze Zeit... wirklich, ich schwöre dir bei den Göttern zu denen wir aufblicken... ich wusste nicht... oh mann... ich dachte wirklich die ganze Zeit, ich wäre mit meiner Mutter hier. Aber jetzt..."


    Er stockte, raffte sich auf und warf dem Aelier einen anerkennenden Blick zu: "Jetzt begreif ich auch, warum sie jetzt auf einmal so klein ist. Und dann diese komische Frisur. Und erst das Kleid. Und sowieso: die hat garkeine Haare auf den Zähnen. Und wo ist ihr Bart? Und ihre Haushaltsaxt? Und das Bärenfell, dass sie von meinem Großvater zu ihrem sechsten gefressenen Feind bekommen hat. Mann mann man... was bin ich doch ein Narr."


    Einen Moment lang ließ er die Fassade des Lächerlichen noch stehen, dann grinste er breit und blinzelte den Aelier wölfisch an: "Nein. Und wenn, gäbe es einen Grund warum ich gerade dir davon erzählen sollte? So wie ich das sehe, bist du schon ausreichend ausgestattet, Aelius."

    ...stand sehr bald im Atrium der Casa Annaea, und wartete darauf, dass der ihn einladende Senator erschien. Er hatte, wie immer, dem Sklaven zum Abschied eine kleine Münze in die Hand gedrückt, wanderte nun gemächlichen Schrittes durch den zentralen Punkt der Casa und studierte die Inneneinrichtung während er sich den Kopf darüber zerbrach, warum er eigentlich hier war.

    Valas aufgesetzte freundlich-harmlose Miene wich der Maske, die er immer dann aufsetzte wenn er absolut keine Ahnung hatte was gerade vor sich ging. Nicht zu wissen was vor sich ging war seiner persönlichen Einschätzung zu oft tötlich, um sich nicht zu vergewissern, dass man eben nicht keine Ahnung hatte was vor sich ging.
    Und jetzt stand er hier einem versteinerten Aelius gegenüber, der jedwede Konversation mit dem Stiefel im Matsch zertrat, und wusste nicht wann sich dieser subtile Krieg entfacht hatte, noch woran, noch wie. Verärgerung kroch an seinem Knochen empor, und er knirschte leise mit den Zähnen, als er den beiden genauso irritiert dreinschauenden Damen noch einen kurzen Blick zuwarf, bevor er dem Aelier lockeren Ganges folgte.


    "Nun, Aelius?", fragte Vala betont betonungslos und fixierte den Mann mit einem ebenso betont betonungslosen Blick, der eigentlich doch nur eins betonte: betonte Ahnungslosigkeit.

    Vala bekam einen Stoß in den Rücken, und ein weiterer zwang ihn dazu, seinen Ärger herunter zu schlucken und dem Mann mit zusammengepressten Zähnen zu antworten: "Dann danke ich dir für diese Einladung. Du kannst deinem Herr... dem Senator ausrichten, dass ich ihn morgen aufsuchen werde."


    "Brav.", murmelte Damio hinter ihm.

    Egal wie unaufmerksam Vala auch sein mochte: man ließ ihm keine Chance weiterhin zu übersehen, dass wenige Augenblicke nach ihrem Eintreffen gewisse Dinge im Argen lagen. Die Art und Weise wie der Aelier die Braut anging war für Vala kaum erwähnenswert, war er doch dezent derbere Umgangsformen gewohnt, gerade bei Vermählungen, die außer einen politischen Zweck überhaupt nichts anderes erfüllten. Dem Angleich von Wissensständen, den Vala wohl gerade verpasst hatte, folgten ein paar eiseskalte Floskeln die selbst einen Stein hätten frösteln lassen.
    'Holzauge sei wachsam.', dachte der junge Germane bei sich, als die Decima es verstand das Gespräch in seichtere Gegenden zu lenken, schließlich hatte er selbst nicht die geringste Ahnung was hier gerade vor sich gegangen war.


    Bei Axillas enorm blumiger Beschreibung ihres ersten Treffens zwang sich Vala förmlich ein ehrliches Lächeln auf, das wohl eine Spur zu deutlich zeigte wie belustigt er von dieser Version war.


    "Ja..", begann er schnell, sich selbst zu erklären, "..so kann sich eine kindische Unachtsamkeit doch noch in eine Begegnung der angenehmen Art wandeln. Allerdings waren wir nahe der Subura, kein Mann mit seinen Sinnen bei sich hätte eine Frau schutzlos durch diese Gegend wandern lassen. Es war selbstverständlich sie nach Hause zu geleiten."


    Wie schön war die Kunst, mit vielen Worten absolut nichts zu sagen. Er lächelte Axilla einen Moment lang verschmitzt an, schließlich musste er sie sich eine Zeit lang warm halten, um überhaupt einen Fuß in die Tür zu bekommen die er sich irgendwann weit offen erhoffte.
    Hätte man ihm einige Tagesreisen weiter nördlich jenseits Limes diese Frage gestellt, wäre die Antwort dezent anders ausgefallen. 'Schönes Weib, noch tollere Brüste, dreister Grieche, klar- und rundgemacht, schließlich nach Hause eskortiert.' wäre in etwa seine Kurzfassung gewesen. Allerdings hatte er hier niemanden, mit dem er derartig gepflegtes Stammtischniveau betreiben konnte, noch hatte er die Absicht seine Pläne durch etwaige Primitivitäten zunichte zu machen. Axilla war wichtig für ihn. Noch.

    Derart kühl abgefertigt zu werden war für Vala nichts neues. Man gewöhnte sich einfach dran, und wenn man sich jede unfreundliche Geste zu Herzen nahm wurde man schwermütig und schwach. Sollte Vala das Verlangen verspüren, sich an diese Geste erinnern zu müssen, so würde er den Aurelier zu gegebener Zeit einfach an seinem Hochmut ersticken lassen während er Corvinus einen nüchternen Kondolenzbrief über den plötzlichen Verlust schrieb. Wenn.


    In diesem Moment allerdings nickte Vala nur knapp und konzentrierte sich dann ebenfalls auf die Ausführungen seinen neuen Arbeitgebers. Imbrex enthielt sich zu den anvisierten Terminen, doch Vala hatte da etwas genauere Vorstellungen: "Realistisch gesehen haben wir also die Möglichkeiten, die Planungen bis zu den Equirra zeitlich vollkommen in den Sand zu setzen, oder die zu den Megalesia in etwas bequeremen Zuständen erarbeiten zu können. Mit Verlaub, ich würde die Megalesia wählen."
    Nicht, dass Vala die Arbeit gerne vor sich her schob, aber er machte sich keine Illusionen: es würde noch eine Zeit lang dauern bis er sich vollkommen zurecht fand, und er wollte nicht gleich beim ersten Großprojekt scheitern. Da schaltete er lieber einen Gang runter und arbeitete dafür etwas präziser.


    "Wenn ich etwas zu den Gladiatorenschulen sagen darf..", warf Vala dann noch ein, als Imbrex sich als einfacher Erfüllungsgehilfe anbot, "...die Gloria Et Honor hat in den letzten Jahren enorm gelitten, gerade was ihren Ruf angeht. Ich an deiner Stelle würde versuchen die Spiele mit dem Auftreten einer in Rom vielleicht weniger bekannten Schule zu würzen, denn gerade die Rivalität zwischen den Schulen dürfte dafür sorgen, dass sich die kleineren Schulen umso mehr Mühe geben aus dem Schatten der großen zu treten. Mit der Gloria Et Honor würdest du dem Volk gewohntes, verlässliches bieten. Mit der Schule aus Gallia würdest du jedoch Männer in den Ring schicken, die strebsam sind den Ruf ihrer Schule zu mehren."
    Dass Vala durchaus eigenes Interesse an der Gladiatorenschule in Gallia hatte, musste er dem Senator ja nicht direkt auf die Nase binden.


    "Nein, natürlich habe ich nichts dagegen. Selbstverständlich werde ich dich ebenfalls zur Marktinspektion begleiten.", fügte Vala nach der Erklärung vom Imbrex matt lächelnd hinzu.

    "Aaaaaahja.", murmelte Vala, den die knappe Ausführung mehr als deutlich störte. Aber wer war er, jetzt hier Bedingungen stellen zu können? Dennoch konnte er nicht verhindern, dass etwas von seinem Ärger herausklang: "Hat der Senator dir gesagt, ob und wann er sich Zeit für mich nehmen kann, oder hat er dich einfach nur so in die Stadt Rom hinausgeschickt, einen einzelnen Mann auf dem Forum zu suchen?"
    Hinter ihm tauschten Linos und Damio vollkommen unterschiedliche Blicke: während der Römer mit seinem Blick unverhohlenen Stolz ausdrückte, sprach die pure Sorge aus dem des Griechen.

    Die Bedrohungskulisse fiel augenblicklich in sich zusammen, als die Männer herangekommen waren, und Vala entspannte sich sichtbar bei der Vorstellung des Mannes. Seine Skepsis allerdings blieb: "Dann sei mir gegrüßt, Decimus Fabullus Scaeto. Genau dieser Duccius bin ich. Der Senator hat dich nicht rein zufällig wissen lassen, WARUM er mich sehen möchte?"
    Es irritierte ihn schon sehr, dass ein Senator nach ihm schicken ließ, den er noch nie zuvor gesprochen hatte. Wer war er auch? Ein Scriba, ein Niemand. Aber anscheinend hatte das Gespräch mit dem Praefectus Urbi seine Runde gemacht, und nun wollte man ihn deshalb sprachen... warum auch immer.
    "Na schau mal einer an..", pfiff Damio durch die Zähne, die Überraschung stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Linos allerdings blickte nach wie vor misstrauisch drein.

    "Das hoffe ich doch.", erwiderte Vala matt lächelnd auf die Mutmaßung der Decima, dass er bei dem Aurelier gut aufgehoben sei, wenn es darum ging für die hohe Politik zu lernen. Die Frage nach seinem Weg passte ihm allerdings garnicht in den Kram, die Auskunft, dass er einem Aurelius diente war seiner Meinung nach Information genug. Dass er sich einige Tage zuvor wieder hatte gehen lassen, und der Iunia seine Auffassung von Ehre quasi eingeprügelt hatte, nagte immernoch schwer an dem jungen Germanen, der Selbstbeherrschung als grundlegende Befähigung zu größerem verstand, und gerade deshalb immer wieder mit seiner streitlustigen Natur zu kämpfen hatte. Hier allerdings hatte er nicht vor mehr als nötig über sich selbst zu erzählen: "Richtig. Das habe ich nicht."
    Eine Sekunde später begriff er, dass er damit das Gespräch abgewürgt hatte, was ihn in Zugzwang versetzte, den er mit einem Schluck Wein streckte und schließlich nonchalant lächelnd die Geister in eine andere Richtung lenkte: "Lassen wir doch die Arbeit Arbeit sein. Bei der ganzen Plackerei ist es mir allerdings noch nicht gelungen, mich den großen kulturellen Ereignissen hier in Rom zuzuwenden. Ein Pferderennen war wohl das einzige, das ich hier nennen kann. Dabei soll es soviel mehr geben.. nehmt ihr an den Ludi teil, die hier in Rom das Volk unterhalten?"