Wo wir gerade dabei sind: Tiberius Duccius Lando, mach watt, di Postdinges iss full!
Beiträge von Titus Duccius Vala
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"Liktor?", sprach Vala, der überrascht eine Augenbraue hob, "Das bedeutet du prügelst Passanten im Weg deines Patrons aus dem Weg?"
Er kam nicht umhin verschmitzt zu grinsen, konnte er sich den Quintilier irgendwo garnicht als simplen Haudrauf im Fahrwasser eines Senators vorstellen.
"Senator Purgitius Macer wird wohl eine gute Wahl gewesen sein. Ich habe gehört er hat die Wahl mit sagenhaften hundert Prozent gewonnen. Etwas, was laut Acta in der Geschichte Roms nur einmal vorkam. Man kann sagen, dein Patron ist jetzt schon eine Legende."Vala beschränkte sich auf kleine Probierhappen. Was die römische Dekadenz in den Monaten, die er jetzt schon hier war, mit seinem Körper angefangen hatte, machte Vala gegenüber jeder Speise höchst misstrauisch. Natürlich erwiderte der Quintilier seine Frage mit einer Gegenfrage nach Valas Patron, und dieser zuckte hilflos lächelnd mit den Schultern: "In gleichen Teilen ja wie nein. Die Kontakte, die ich durch ihn bekommen habe sind mir äußerst hilfreich. Aber er selbst ist durch seine Abwesenheit weniger eine direkte Hilfe. Aber so kann ich mich auch über genügend Freiheit nicht beschweren, ich bin relativ ungebunden in meinen Aktivitäten hier."
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Vala lauschte andächtig, wie Axilla sich zu erklären versuchte. Er faltete die Hände über dem Kopfende und versuchte ihr zu folgen. Dieses Mal gelang es ihm, doch wirklich begeistert war er nicht von dem, was er hörte.
"Also siehst du Ehre wirklich als das grundlegende der römischen Gesellschaft an?", er runzelte die Stirn und griff nach dem Becher mit Wasser, den er sich selbst wieder füllte. Er winkte nicht nach einem Sklaven als die Schale mit Oliven schließlich leer waren, noch ließ er das jemanden anderen machen als Axillas Becher ebenfalls leer war. Es war auch niemand da. Vala hatte sie weggeschickt, weil er der Meinung war die prudentischen Sklaven hätten besseres zu tun als ihm hinterher zu arbeiten, und er selbst sah es als Verschwendung von Arbeitskraft an, wenn man dies zuließ. Dafür war er von den Sklaven der Casa kurzum für verrückt erklärt worden und als Vernichter von Arbeitsplätzen verschrien.
"Was ist dann mit dem Gesetz? Und wie definierst du Ehre? Fangen wir erst einmal da an.. obwohl, ich weiß es schon. Ehre ist für dich eine Heldentat im Angesicht des sicheren Untergangs. Eine Aufopferung für eine größere Sache, vielleicht für die eigene Liebe, die eigene Familie? Aus reiner Selbstlosigkeit vollbrachte Heldentaten am Gemeinwohl.", er ließ diese Worte sacken und fischte nach einem Stück getrocknetem Obstes bevor er fortfuhr: "Und du denkst es ist die Ehre, die das Wort gültig macht was ein Mann gibt? Ich sage dir, es sind andere Dinge die einen Mann sein Wort halten lassen. Was du als Ehre bezeichnest sehe ich als das komplexe System der Zwänge und Notwendigkeiten an. Ein Mann könnte ohne Probleme sein Wort brechen, wenn er denn nicht mit der Konsequenz rechnen müsste, dass dieser Wortbruch irgendwann einmal negative Folgen für ihn haben wird. Menschen die nichts zu verlieren haben pfeifen auf Ehre, eben weil sie nichts zu verlieren haben. Ein Mann der einen anderen um Geld prellt hofft darauf, dass dieser sich nicht an ihm rächen kann. Wenn er aber um der Ehre willen das Geld zurück gibt, hofft er darauf sich irgendwann wieder Geld von ihm leihen zu können. Das hat mit Selbstlosigkeit und Ehre nichts zu tun. Verschiebe es in die höheren Schichten der Gesellschaft, und du findest ähnliche Handlungsmuster. Selbstverständlich glaube ich an so etwas wie Ehre. Aber nicht als Handlungsmaßstab wie du ihn siehst, sondern als Konsequenz von Aufrichtigkeit der eben losgelöst von diesen Notwendigkeiten ist. Damit ist dann auch dein Mord hinfällig. Das was im Falle des gehörnten Ehemannes zu der Tat regt ist nicht seine verletzte Ehre, sondern sein verletzter Stolz. Ehrenvoll wäre es meiner Definition nach gewesen den verletzten Stolz herunter zu schlucken und den Mann zum Duell zu fordern. So ist das nichts anderes als tumber Mord. Da ist nichts ehrenvolles dran. Ehre ist das Bestehen gegen große Hindernisse, selbst wenn dieses Hindernis man selbst ist."
Er kaute genüsslich auf einem Stück Trockenobst herum, hob den Finger um Axilla daran zu hindern etwas zu sagen, und fuhr nach einem weiteren Schluck Wasser fort: "Nehmen wie Leonidas, der mit seinen Mannen an den Thermopylen den Medern eine einigermaßen effektive Wehr entgegengesetzt hat. Ich habe mich vor kurzem damit befasst, und es ist glasklar: er hat das eben nicht aus heroischem Uneigennutz gemacht, sondern weil ein Rückzug seinerseits die griechische Flotte in einer nahen Meerenge der persischen Artillerie ausgeliefert hätte. Er konnte da garnicht weg, ohne den letztendlich möglichen Sieg der Griechen über die Perser auf's Spiel zu setzen. Nun frage ich dich, was ist ehrenvoller? Dass Leonidas aus keinem erkennbaren strategischen Grund sich und seine Männer geopfert hat, oder um die griechische Flotte zu retten?"
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Er hat.
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Vala stockte. Was hatte sie da gerade gesagt? Er konnte es nicht entziffern. Es war fast, als wäre ihm dieser Redeschwall in einer Sprache entgegengeschleudert worden, die wohl nur Frauen verstanden. Oder Verrückte. Wahrscheinlich beides, für Vala lag das eine nicht so weit vom anderen entfernt, als dass man nicht hin und herwechseln könnte wie beim Twist. Twist. Das war das Stichwort. Deswegen mochten Frauen später diesen Tanz auch so gerne, weil er ihren Geisteszustand auf tänzerische Art und Weise darstellte. Das verpasste dem ganzen eine vollkommen neue Dimension: tanz deinen Namen, hah! Frauen tanzten ihren Geisteszustand! DAS war Können.
Er lehnte sich zurück, und versuchte die Iunia nicht so anzusehen, als hätte er sie gerade für vollkommen übergeschnappt erklärt. Was er ja hatte. Aber das musste er ihr ja nicht auf die Nase binden. Stille kehrte ein, und er versuchte verzweifelt sich auf das von ihr gesagte einen Reim machen zu können. Er wollte sie ja nicht auseinandernehmen ohne verstanden zu haben was sie eigentlich meinte. Aber ihn beschlich immer mehr das Gefühl, dass sie gerade genau das mit ihm versucht hatte.
"Wovon, bei Pluto, sprichst du?", fragte er sie schließlich gerade heraus, und kam dabei nicht umhin als verlegen zu lachen, einfach weil ihm die Situation so absurd vor kam. Gerade noch mitten im tiefsten Streit lachte er sie im nächsten Moment an, einfach weil er keine Ahnung hatte was sie ihm gerade sagen wollte. Er nahm einen Schluck und schüttelte hilflos lachend den Kopf: "Ich habe nicht ein Wort verstanden, Axilla."
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Am liebsten hätte er sie ausgelacht. Doch das hätte wohl zur sofortigen Beendigung dieser Unterhaltung geführt, und im Moment war Vala nicht danach. Im Moment. Sie amüsierte ihn, und das in nicht geringen Maße. So wie sie für die Erhaltung ihrer Mythen von Ehre und Moral kämpfte hatte sie schon fast etwas komisches. Oder wahnsinnig naives. Vala fragte sich, ob es noch mehr dieser Sorte hier in Rom gab. Denn wenn, wäre es ein einfaches Spiel.. Leute, die an etwas glauben WOLLTEN waren nur allzu oft bereit alles dafür zu tun etwas zu bekommen was ihren Glauben bestätigte. Sie machten sich mit so etwas angreifbar. Fehlerhaft. Manipulierbar.
"Dareios war nur so lange Gast seines Vetters, bis dieser selbst in Bedrängnis kam. Alexander musste das Angebot garnicht annehmen, schließlich hatte er eine Macht hinter sich, die Bassos erst dazu getrieben hatte ihm dieses Angebot zu machen. Tradition und Recht gelten nur so lange etwas bis jemand kommt der mächtig genug ist diese zu brechen. Sagte nicht schon Pompeius Magnus 'Hört auf das Recht zu zitieren, wir tragen Waffen.'? Das bringt es auf den Punkt. Recht und Tradition gelten nur so lange etwas wie man in der Lage ist dieses selbst zu schützen. Wenn man es nichtmehr schützen kann, sind sie die ersten Opfer des Krieges. So auch im Hause des Bessos.", wischte Vala mit einer knappen Handbewegung ihre Verteidigung beiseite bevor er mit derselbene eine Olive aus einer Schale fischte.
"Die Staaten der Hellenen sind ein eben solches Lehrstück. Wie lange hielt ihr Zusammenhalt denn? Nur so lange bis eine externe enorme Gefahr ihrer eigenen Interessen gebannt war. Das ist kein Stück von Ehre oder Tugend, das ist reine zweckmäßige Politik. Bevor sie ihre Ambitionen einem dritten externen Sieger opfern, der es verstanden hatte in seinem Machtbereich für eine derartige Einheit zu sorgen, dass eben diese eine Armee ermöglichte mit der er den Hellenen gefährlichen werden konnten rafften sie sich dann doch lieber wieder zusammen. Das Alexander das Werk seines Vaters umsetzte und sein Reich bis nach Indien ausdehnte sprach für sein militärisches Geschick. Aber ein großer Herrscher? Ich bitte dich, sein Reich überstand seinen Tod nicht eine Sekunde lang. Ein wahrhaft fähiger Herrscher hätte sich vorher um eine Erhaltung seiner Macht auch nach seinem Tod gekümmert, denn DAS hätte ihn wirklich unsterblich gemacht.", Vala fühlte sich, als würde er einem Kind erklären warum er ihm gerade das Süßholz geklaut hatte ohne dafür sofort vom Recht erschlagen zu werden.
"Pluto kümmert sich darum WAS ein Mensch getan hat, nicht warum. Warum gibt es nach jedem Krieg wohl ein großes Sühneritual auf dem Campus Martius? Weil die Menschen schiss davor haben, von Pluto eben für die Tötung ihrer Feinde zur Rechenschaft gezogen zu werden. Ein Mann tötet um den nächsten Tag zu überleben oder er tötet aus Habgier. In Plutos Augen sind beides Mörder.", dozierte Vala, der sich da nicht halb so sicher war wie er vorgab. Auf dem Gebiet der römischen Götter stand er immernoch auf dünnem Eis, bei sich zuhause war es anders. Natürlich fuhr man nach Valhall wenn man mit dem Schwert in der Hand starb, aber die Bedingungen waren noch komplexer als man sich das im Allgemeinen vorstellte. Und natürlich hatte das auch viel mit Ehre zu tun, aber Vala hatte im Laufe der Zeit erkannt was Ehre eigentlich war: ein Konstrukt der Nachhaltigkeit. Wenn man sich gut verkaufte war es Ehre, wegen der man sich an einen erinnerte. Wenn man dafür sorgte, dass genug Menschen an einen dachten war das Ehre. Aber die Tat an sich hatte nichts ehrenvolles. Nicht im geringsten. Das Fazit war wichtig.
Natürlich, Arminius. Wut keimte in Vala auf, und wie er nunmal war flammte diese eine Sekunde später deutlich sichtbar in ihm empor. Mit einem Satz war er auf den Füßen und starrte die Römerin funkelnd an: "Wer bist du, dass du glaubst mir erklären zu können ob Arminius ein Verräter ist oder nicht? NATÜRLICH WAR ER DAS! Ihr Römer scheint euch zu denken ihr hättet die Geschichte verstanden, und dass Arminius ein Verräter an eurem Volk war. Aber er war nicht nur das! Was hatte er denn vor? Sicher, die Römer aus Magna zu vertreiben, das hat er geschafft, großartig. Und dann? Das reichte ihm nicht.. er war DER ERSTE der sich gedacht hat: Was Rom kann, kann ich auch. Er vereinigte die Stämme unter sich gegen den externen Aggressor, besiegte diesen und meinte dann so weitermachen zu können. Kommt dir das irgendwie bekannt vor? Ich helf dir auf die Sprünge..", grollte Vala, und zählte an einer Hand die Völker ab, die ähnliches durchgemacht haben, "Die Griechen haben sich einmal gegen die Meder durchgesetzt, nur um dann wieder in ihre kleinen Querelen zu verfallen. Die Meder selbst haben sich gegen die Ostvölker durchgesetzt, nur um nachher wieder zu zersplittern. Als sie sich dann wieder geeint hatten, vereinten sich die Hellenen unter Phillip und Alexander ein weiteres Mal gegen sie. Nur um dann wieder zu zersplittern. Warum wurden sie wohl von Rom geschlagen? Richtig! Genauso die Gallier, die Iberer und irgendwann auch die Stämme, die ihr Germanen nennt. Einigkeit schafft Stärke, und Arminius wusste das. Aber was hat er gemacht? Er meinte das System der Stämme auf einen Schlag ändern zu können, genauso wie Modorok nach ihm. ER WAR EIN IDIOT! Und genau aus diesem Grund ist er irgendwann in den Wäldern Germanias verrottet, weil er nicht begriffen hatte, dass man die Geschichte Roms nicht binnen weniger Jahre einfach den Stämmen aufstülpen konnte. Er hat gekriegt was er verdient hat..."
Vala ließ sich auf die Kline zurückfallen, stopfte sich eine Olive in den Mund und beobachtete zornig die Römerin in ihrem Denken. Kleines naives Wicht. -
Interessanterweise besaßen die Quintilii keinen eigenen Koch, sondern ein Mädchen für alles. Was Vala sehr an das Heim seiner Sippe in Mogontiacum erinnerte. Marga führte die Küche schließlich auch nur als Hauptquartier für ihre uneingeschränkte Herrschaft über den Rest des Anwesens. Als das Essen aufgetischt wurde, stockte Vala, einmal mehr von der römischen Dekadenz überwältigt. Es gab Zeiten, da hatte Vala sich mit seinen Eltern nur von dem ernährt was man im Wald halt so fand, wenn Modorok zu seinen besten Zeiten einfach mal die Felder niederbrannte die zig Menschen das Überleben hätten sichern sollen. Wenn er sich so recht erinnerte, hatte er Dinge gegessen von dem er wohl niemandem erzählen durfte. Und jetzt stand er hier einer Aufreihung von Gerichten gegenüber die er sich damals nicht in den fernsten Träumen hätte ausmalen können. Das was man in der Casa seiner Familie bekam waren meist ordentliche, aber bäuerliche Mahlzeiten. Und hier in Rom wurden ihm Mahlzeiten um die Ohren geworfen für die andere Menschen töten würden. Für weniger sogar noch.
"Wenn das so schmeckt wie es riecht", versuchte Vala sich an einer chalanten Erwiderung, die so garnicht ausdrückte was gerade in ihm vorging, "dann wird das ein Abend der seines gleichen sucht."
Vala ließ sich neben seinem Vetter nieder und rempelte diesen dabei unauffällig an, um ihm danach einen vieldeutigen Blick zuzuwerfen. Das Hochzeitsmahl von Marsus und Callista war noch das Maß der ihm bisher untergekommenen Speisen, aber das so reichhaltiges Essen keinen Seltenheitswert mehr besaß schockierte ihn dann doch.
"Eh, ja.", erwiderte Vala dann ziemlich unbeholfen, als er es dem Quintilier einfach nachtat und sich an einer Taube versuchte. Er fühlte sich unwohl, und versuchte so das Gespräch auf Dinge zu lenken mit denen er sich auskannte: "Sag, Quintilius, wie ist es dir ergangen seit unserem letzten Treffen? Du erwähntest die Suche nach einem Patron, war sie erfolgreich?" -
Sie widersprach. Und überraschte Vala damit vollkommen unvorbereitet. Hatte man ihm nicht erzählt, dass die römischen Frauen eher fügsam und nachgiebig waren? Natürlich hatte man das... zuhause im Kreise der Männer der Gens war es ein laufender Witz, wenn man die Frauen des Hauses mit den römischen Heimchen verglich. Und jetzt hockte er hier, in einem Moment noch mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, im anderen von dieser Frau auf eine Art und Weise zurechtgewiesen, die er von einer Frau der Stämme erwartet hätte, doch nicht hier in der ewigen Stadt!
"Ist das dein Ernst?", blinzelte er einen Moment lang verwirrt, bis er sich wieder fing, und sich genau dort wiederfand, wo er sich am besten auskannte: auf einem Schlachtfeld. Ob mit dem Speer oder dem Wort, Vala genoss es sich zu prügeln. Ein Kräftemessen hatte es schon zu lange nicht gegeben, eigentlich seitdem er Mogontiacum verlassen hatte, und es fehlte ihm. Also warf er sich in diese Auseinandersetzung wie ein hungriger Wolf auf das lahmende Kalb: "Das ist dein Ernst! Wie kann man nur so reden? Zwischen den Zeilen lesen ist nicht so das deine, Frau, oder? Was man später als Frage der Ehre und dem Streben nach Ruhm verklärt hat, ist nichts anderes als knallhartes Segeln im Sturm der politischen Realität! Alexanders hatte es genau wievielen Völkern recht zu machen? Das waren nicht zehn, oder zwanzig, es waren ZWEIHUNDERT! Hätte er Bassos Angebot einer Auslieferung angenommen hätte er sich selbst unglaubwürdig gemacht und sein Streben nach Souveränität, er war immerhin kaum älter als zwanzig Winter, selbst in Frage gestellt! Er MUSSTE Baktrien und Medien erobern, und schließlich nach Indien um die marodierenden Völker dieses fernen Kontinents davon zu überzeugen dass ein Angriff auf seinen Herrschaftsbereich eine enorm schlechte Idee war, und zudem war seine Herrschaft auf militärischem Erfolg aufgebaut, wie sollte er sich selbst legitimieren wenn es niemanden mehr zu besiegen gab? Und DAS war seine Schwachstelle: Alexander war vielleicht ein großer Feldherr, aber ein fähiger Regent wie Phillip? Niemals. Achilles. Geht es vielleicht noch ein wenig unrealistischer? Je größer man ist, desto mehr Mittel braucht es um die eigene Herrschaft zu sichern, und die militärische Idee ist die einzige die Alexander wirklich eingefallen ist. Ich bitte dich, was soll sowas?"
Sein Tonfall war schneidend, seine Augen blitzten angriffslustig, aber er lächelte. Er hatte Spaß. Bei den Göttern, wie hatte er das vermisst? Wie hatte er sich darauf GEFREUT! Und jetzt kam es, das sein erster Gegner in Rom eine Frau war, die den Träumen der Erzählung nachhing. Aber was sollte es? Ein wenig Übung konnte nicht schaden, und bevor er einen wirklichen Gegner in die Knie zwang, konnte er an der hier noch ein wenig üben. Er warf sich eine Olive in den Mund während er ihren Ausführungen lauschte, und kam nicht umhin sie ein Stück zu bemitleiden. Sie war vollkommen in dieser Phantasiewelt gefangen, die die Römer zur Verklärung ihrer Vergangenheit erfunden hatten. Vala verwettete seinen Arsch darauf: den Göttern war letztendlich egal wer was weswegen tat. Es ging ihnen nur um das WAS. Das WARUM war egal. Nur den Menschen nicht."Die Toten sind tot. Ob nun in Valhall oder im Orcus, es zählt WAS man getan hat. Nicht das WARUM. Dem Fährmann ist es egal ob man in Ehre geherrscht oder in Schande geherrscht hat. Das Ergebnis ist das gleiche: man hat geherrscht. Hilfst du einem Bettler, weil dir die Tat Ehre verschafft, oder hilfst du ihm, damit er einen Schritt weiter gehen kann? Ein Sohn trägt den Namen seines Vaters aus Tradition. Und weil er das Werk seiner Sippe und seines Vaters weiterführen und vollenden kann. Das hat mit Ehre nichts zu tun.", er schüttelte den Kopf, nahm einen Schluck Wasser und sah sie lächelnd an. Sie war naiv, das war klar, aber es machte Spaß.
"Ehre und Ruhm sind garkeine Ratgeber. Sie sind Konstrukte, um den einfachen Pöbel zu Dingen zu treiben, die ein größerer Geist als nützlich und fördernd erachtet. Und selbst das greift nicht immer. Kein Soldat ergreift das Schwert nur weil ihm jemand Ehre und Ruhm versprochen hat. Die Legionen sind voll davon, Leute, die ihr Brot verdienen und am Ende ihrer Dienstzeit ihren Kindern eine sichere Basis bieten wollen. Ehre und Ruhm sind Dinge, um die Geschichte zu erzählen weil sich 'Sie zogen aus und schlugen ihre Feinde tot damit sie auf ihrem Ackerland ihre Frauen schänden konnten.' doch ziemlich plump anhört. Es verklärt. Nichts anderes."
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"Manche Reisen?", zog Vala kritisch eine Augenbraue hoch, und versuchte nachzuvollziehen wie sie das gemeint haben konnte. Im Diskurs fiel ihm garnicht auf, dass sie ihn zuschwafelte. Auf jedes seiner Worte kamen fünf von ihr. Allerdings war Vala das auch gewohnt, er kannte es garnicht anders. So Klischeehaft man das sehen mochte, so war es auch gewesen: die Erzählungen seiner Mutter von den Stämmen, der Geschichte ihrer Sippe und den vielen Dingen über das römische Reich. Er hatte immer nur dagehockt und zugehört während ihm seine Glieder schmerzten, denn was sein Vater nicht gesagt hatte, das hatte er durch Schläge mit dem Stock oder dem Holzschwert wieder wettgemacht.
"Das was du meinst, würde ich nicht reisen nennen. Die Geschichte des Imperiums ist eine Geschichte der Feldzüge gegen militärische Aggressoren und politische Feinde. Annaeas war ein auf allen Bereichen geschlagener Herrscher, der um sein Leben floh. Und Alexander ist nicht Herkules oder Dionysos gefolgt, sondern Dareios in der festen Absicht diesen umzubringen um seiner Herrschaft Sicherheit und Macht zu verleihen.", konstatierte Vala eine Spur zu hart. In diesem Moment war klar, dass der junge Germane nicht das geringste für lyrische Verklärung der Dinge übrig hatte, die seiner Meinung nach das menschliche Miteinander prägten: Macht, Sicherheit und Gewalt.
Als sie ihm mit Ruhm und Ehre kam, konnte Vala nicht umhin leicht angewidert das Gesicht zu verziehen. Ein Fauxpax, den er zu spät registrierte um ihn noch verhindern zu können."Ehre. Ruhm.", grummelte Vala, der sich wieder mehr über sicht selbst ärgerte als über das gesagte. Er stellte mal wieder fest, dass sein Temperament sich nicht in allen Punkten mit der von seinem griechischen Lehrer gepredigten ratio vereinbaren ließ.
"Was kümmerts die Toten, ob sie schlafen oder wieder auferstehen?", zitierte er Aischylos, und versuchte sich damit an einer literarischen Umschreibung seiner durch und durch nüchternen Weltsicht. Sonst hätte er ihr wahrscheinlich vor die Füße werfen müssen, dass er für diese Ehren- und Ruhmsache wenig über hatte. Für ihn waren das Mittel, um die einfachen Geister zu Dingen zu bewegen, die sie in ihrer Begrenztheit sonst kaum gewagt hätten."Natürlich war er das. Aber es gibt Dinge, die er hinnehmen muss. Und es gibt Dinge, die ich hinnehmen muss. Er hat es überlebt."
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"Ich denke wir ergänzen uns ganz gut, was Wissen und Unwissen über die Ländereien des Imperium angeht.", schmunzelte Vala, den die Erzählungen seines Vaters immer in Erstaunen versetzt haben, war dieser doch schließlich im Imperium weit herumgekommen, "Allerdings muss ich zugeben, dass sich mein Interesse an fernen Ländern ziemlich in Grenzen hält. Ich durfte vor kurzer Zeit noch feststellen, dass nicht wenige eine eigentümliche Beziehung zu fernen Ländern pflegen. Für mich ist eine Reise auch immer ein Risiko. Ein großes Risiko." Dabei dachte der junge Germane vor allem an seine Gens. Für nicht wenige hatte es den sicheren Tod bedeutet, das Stammesland zu verlassen, und für einige hatte es das gleiche bedeutet, dorthin zurück zu kehren. Man konnte durchaus behaupten, er und seine Sippe hätten ein Problem damit, fremde Erde zu betreten, denn jedes Mal blickte irgendjemand dem Tod ins Auge.
"Das werde ich.", erklärte Vala in einem Tonfall, als hätte er gerade erklärt dass Wasser nass sei, nachdem ihn die Bemerkung der jungen Römerin ins Hier und Wirdnoch zurückgeholt hatte. Für ihn bestand garkein Zweifel daran, dass er weit kommen würde, wenn die Götter ihn nur ließen.
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Ein gewinnendes Lächeln aufsetzend, faltete Vala die Hände und lehnte sich seitwärts auf das hohe Ende der Kline während er ihr zuhörte.
"Dass du überhaupt einen Lehrer gehabt hast, finde ich außerordentlich bemerkenswert. Das macht dich in gewissen Maße besonders, wenn ich das so sagen darf. Oder du musst mich korrigieren, wenn ich damit falsch liege daran zu denken, dass gebildete Frauen eher eine Ausnahme darstellen. Auch als Scriba. Ich weiß wovon ich rede.. meine Tante Dagmar war eine der höchsten Beamten in der germanischen Provinz, meine Mutter selbst auch. Man kann sagen, dass ich mit gebildeten Frauen aufgewachsen bin.. umso sonderbarer erscheint es mir, wenn ich erfahre, dass dies durchaus die Ausnahme zu sein scheint."Als sie von der Politik zu sprechen begann, überbrückte Vala die Zeit mit einem Stück trockenen Kümmelbrots. Er hatte in letzter Zeit seine Ernährung komplett umstellen müssen, der Überfluss machte ihn anfällig, und Enthaltsamkeit war nach Linus Worten der Schlüssel zu einem gesunden Körper, und in einem gesunden Körper wohnte auch ein gesunder Geist.
"Wenn du meinst...", lächelte er wieder, als sie ihre schon etwas verworrenen Ausführungen abschloss, "..ich muss zugeben das ganz ähnlich zu sehen. Rom ist ein Spielfeld, auf dem man viel erreichen kann, aber ebenso schnell untergehen. Vollkommen anders als das, was ich bisher kannte... Mogontiacum ist ein Schafsstall im Vergleich zu Rom."
Vala schweifte einen Moment lang mit seinem Blick ab, als er daran dachte, was er gerade eigentlich gesagt hatte: ein Schafsstall. Rom war die Stadt des Wolfs. Des Wappentiers seiner Sippe. ER war ein Wolf. Das war ein Zeichen.
"Wunderbar..." -
"Er ist von seinem Pferd abgeworfen worden, soweit ich weiß. Die Nornen hatten wohl einen guten Tag, sie haben seinen Faden nicht durchtrennt.", fasste Vala knapp zusammen was er wusste. Er goss sich selbst einen Becher mit Wasser ein, blieb er tagsüber doch dem Alkohol fern, und proteste der Römerin kurz zu, "Das kann man auch ruhig so betrachten. Auf dem Papier besitze ich eigene Betriebe, einen Gewürzhändler, einen Fleischer und auf meinen Namen werden die Forste meiner Familie bewirtschaftet. Allerdings bekomme ich nur von dem Geld etwas zu sehen, das mir regelmäßig übersandt wird. Das geschäftliche erledigt man in dem Handelskonsortium, das meiner Sippe gehört. Dafür vertrete ich die Interessen meiner Sippe hier in Rom, was mir auch schon an Arbeit genug ist."
Vala betrachtete seine Besucherin eingehender.. für nötig halten, ihr das Verhältnis zu seiner Familie zu erörtern tat er nicht. Warum auch? Nur weil sie Ragin kannte?"Nun..", begann Vala, der sich vorstellte wie die ganze Situation eigentlich ins Rollen gekommen war, und unweigerlich sank sein Blick ein Stück weit ihren Körper hinab, als er sich entsann was ihn damals an ihr so gepackt hatte. Sie war eine durchaus betrachtenswerte Frau, das war nicht zu leugnen.. und sie wich seinem Blick aus. Irgendwie schien er zum ersten Mal zu erkennen, hier eine Frau vor sich zu haben, und in seinem Gedanken formten sich eindeutig männliche Vorstellungen, die sich eine halbe Sekunde lang auch in seinem Blick manifestierten. Im nächsten Moment packte ihn seine Selbstbeherrschung wieder am Schopf, und der chalante Gastgeberblick eroberte sich seine Augen zurück: "Na, lassen wir das. Beschäftigst du dich viel mit der griechischen Paedagogik? Erscheint mir recht untypisch für eine Frau Roms."
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Zitat
Original von SPIELLEITUNG- Das Produkt "Balsam" wird dem Gewürzhändler zugeschlagen. Dessen Betriebskosten steigen dadurch auf 270 Sz. und die Kosten pro Stufe auf 450 Sz.
Dembetreffend bitte ich um eine Korrektur. Da nur eine Tylus-Vertretung auf dem Markt vertreten waren, aber unbestimmt viele Gewürzhändler, ist die auf den Markt geworfene Menge an Balsam natürlich jetzt ungleich größer als vorher.
Eine weitaus geringere Menge würde es ebenso tun, um den Bedarf zu decken.
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Die Sklaven des prudentischen Haushalts waren aufmerksam genug, nach Valas Frage schon zwei Bast-Klinen im Peristylium vorzubereiten, da das Triclinium gerade von den Schreibern des Hausherrn belegt war. Man nickte Vala unmerklich zu, und er lud sie mit einer Geste in das gleich nebenan liegende Säulenzimmer ein: "Wenn du mir bitte folgen möchtest?"
Sie kannte also Ragin. Vala ließ sich nichts anmerken, als sie ihm eröffnete schon Kontakt zu seiner Familie gehabt zu haben. Anscheinend hatte sie ihm geschrieben, und dass er geantwortet hatte, ließ eigentlich nur einen Schluss zu: "Also hat er diesen Unfall überlebt? Den Göttern sei Dank..." Was schlecht gespielt war. Vala war so an den Tod von Menschen die ihn umgaben gewohnt, dass ihn das Ableben Ragins kaum aus der Bahn geworfen hätte. Er ließ sich auf einer Kline nieder und griff sich eine Olive, die er sich umgehend in den Mund warf, während er ihr zuhörte.
"Ja, Alexandria war für eine gewisse Zeit lang unser Zweitwohnsitz, so habe ich das Gefühl. Das, was man mir von dort erzählte reicht mir, um es zu einem Ort zu erklären an dem ich mich nicht unbedingt wohlfühlen würde. War eure Beziehung nur geschäftlicher Natur? Na, würde mich nicht wundern... meine Familie gehört, aus welchem Grund auch immer, zu den aktiveren Händlern, die ihre Verbindungen im ganzen Reich haben. Marmor aus Norricum, Pferde aus Mogontiacum, Farben aus Alexandria, Gold aus Magna, Öl aus Hispania, Gewürze aus Africa.", palaverte Vala ein wenig aus dem Nähkästchen, einfach um nicht darüber nachdenken zu müssen was bei ihrem letzten Treffen geschehen war. Jedoch ließ Axilla ihm keine Chance, und hielt ihm ein Buch unter die Nase, weil sie ihn und Linos gestört hatte.
"Na, eigentlich warst du ja nicht schuld..", verlor Vala ein wenig die Contenance, von dem Geschenk kalt erwischt, "..ich weiß nicht, ob ich das annehmen kann. Darf. Immerhin war es eine Situation, die auf meinen Mist gewachsen ist... Sokrates, sagst du? Dabei ist mein griechisch doch... eh... also... Danke."
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Die Theorie der Langeweile war zu dieser Zeit eine der Dinge, über die man sich Gedanken machen konnte wenn man sich um nichts anderes zu kümmern hatte. Für Vala war es vollkommen normal: Mann verdiente seinen Lebensunterhalt, ackerte von früh bis morgens für ein paar Sesterzen in der Tasche und gab sich in einigen ruhigen Minuten dem Spiel oder dem Müßiggang hin. Die Rolle der Frau war ebenso fixiert: sie bekam Kinder, zog diese auf und kümmerte sich um den Haushalt. So archaisch dieses Prinzip auf den modernen Menschen wirken musste: die Archaik war noch nicht so lange her, und aus diesem Rollenverständnis würde sich die Menschheit auch für die nächsten tausendfünfhundert Jahre nicht heraus bewegen.
Dass Calena also schon den Süden gesehen hatte, machte sie zu einer Persönlichkeit die mehr erlebt hatte als geschätzte 90% der Menschheit, die sich selten mehr als eine Tagesreise von ihrem Wohnsitz entfernten.
"Klingt interessant, auch wenn mir das warme Wetter etwas unheimlich ist. Ich muss zugeben, dass Rom für meine Verhältnisse wahnwitzig warm ist. Ich komme aus einer Gegend, wo wir zwar nicht das ganze Jahr über Schnee haben, aber es wird im Winter bedrohlich kalt. Und hier ist es einfach nur nass und grau und... also, Wärme ist mir suspekt.", gab Vala ehrlich lächelnd zu, auf die Frage, was er alles sehen wollte, musste er jedoch erst eine Weile überlegen: "Wo will ich hin? Ich glaube, ich bin nicht so reisefreudig wie man meinen könnte. Ich werde dorthin gehen, wo man mich braucht."Was er meinte war: für ihn waren Reisen immer ein Risiko. Krieg und Übel gab es an jedem Flecken der Welt, und Vala hatte mehr als genug davon gesehen um zu erkennen, dass losgelöste Reiseschwärmerei oft mit einem Messer in der Brust enden konnte. Er hatte kein Interesse daran ferne Gegenden nur um ihrer selbst zu sehen, wenn er plump soldatisch sagte, er würde dorthin gehen wo man ihn bräuchte, meinte er im Endeffekt einfach, dass er jede Chance ergreifen würde, um auf der Leiter der Macht eine Sprosse weiter empor zu steigen.
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Vielleicht sollte man das Prinzip der staatlichen Schule dann aus Gründen der Spielerpartizipation etwas aufweichen: ermöglicht man kleineren Gruppen einen Gladiator aufzustellen, auszurüsten (gegen Geld) und ins Rennen zu schicken, so würde das ganze System davon profitieren.
Sprich: nicht nur eine staatliche Gladiatorenschule, sondern auch eben (unhistorische) Privatunternehmer, die mit eigenem (WiSim)-Kapital Gladiatoren in die Arenen schicken. Mit Wetten und allem drum und dran... das Ergebnis wäre ja immernoch Script-basiert und damit gerecht, weil unparteiisch und unbeeinflussbar.
Das Grundsystem sollte sich also 'nur' um das System der Kämpfe kümmern (Gladiator B mit Werten Iota und Zeta gegen Gladiator D mit Werten Gamma und Lambda gewinnt nach Würfeln einen fundamentalen Sieg), während kleinere Gruppen die Gladiatoren ausstatten, spielen und ins Rennen schicken.
Man könnte das ganze, um die Gefahr von Masseninitiativen und Massen-Inaktivitätsleichen im System zu verhindern auch in soweit reglementieren, dass für eine private Initiative 3-5 seperate IDs (also nicht von ein und demselben Spieler) notwendig sind, und eine gewisse Geldmenge um die Lizenz überhaupt zu bekommen.
Das wäre imho auch eine gute Möglichkeit um WiSim-Kapital ins fließen zu bringen, durch Lizenzkäufe und Wettbewegungen.
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Vala schrieb sich selbst für den Cursus Muneribus Ludis Aleisque - Brot und Spiele ein...
Sim-Off: Überwiesen.
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Ein gesellschaftliches Essen war angesetzt gewesen, wie so oft in letzter Zeit. Den Sklaven des Hauses konnte man entnehmen, dass der Herr desselben nicht oft Gäste zu sich einlud, sondern lieber für sich selbst blieb. Das hatte sich seit seiner Ernennung zum Praetorianerpräfekten schlagartig geändert: mehrmals in der Woche klopfte es an der Porta, wichtige Leute drückten sich gegenseitig die Klinke in die Hand und ließen sich auf den Klinen des Hauses nieder. So auch an diesem Abend.
Wie immer hielt Vala sich im Hintergrund, das prudentische Paar hatte selbstverständlich die Ehre die Gäste als erste begrüßen zu dürfen. Was Vala die Gelegenheit gab, jene gründlich zu mustern. Einen erkannte er natürlich sofort wieder, war er ihm doch erst vor wenigen Wochen über den Weg gelaufen. Die Dame an dessen Seite kannte er nicht, was ihn nicht wunderte. Allerdings blieb die Frage offen, ob sie nun zum Konsularen oder zu Archias gehörte. Oder einfach eine unverheiratete Frau der Gens war, die ebenfalls zum Zirkel der Kaiserverwandten gehörte. Und da war Quarto.. der Bruder des Kaisers. Der Mann strahlte eine Souveränität aus, die man wohl nur erlernen konnte, wenn man von jung auf in den Zentren der Macht wandelte, und mit allen Intrigen und politischen Wirrungen umzugehen verstand. Das würde ein interessanter Abend werden, das spürte der junge Germane.
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"Bedanken?", hob der junge Germane überrascht eine Augenbraue, und sah die Römerin fragend an, "Aber wofür denn? Dass ich dich nach Hause gebracht habe, werte Iunia, war eine Selbstverständlichkeit, die keines Dankes wert wäre. Rom ist eine ebenso große wie gefährliche Stadt, es wäre unverantwortlich gewesen, dich einfach dir selbst zu überlassen."
Was natürlich komplett gelogen war. Die Entscheidung, die Römerin nach Hause zu bringen war so spontan wie unstet gefallen, hatte er vorher doch lange mit sich selbst gehadert. Er hätte keine Sekunde darüber nachgedacht, wenn er sie einfach dort gelassen hätte wo sie waren, in der gefährlichen Subura. Was dann aus ihr geworden wäre, wäre ihm egal gewesen, und im Endeffekt hatte er die Frau schneller vergessen, als der Grund warum das Zusammentreffen so merkwürdig abgelaufen war.
Er hatte mit Linos einen ganzen Tag darüber diskutiert, was ihm da eigentlich widerfahren war, und die Ansicht des Griechen, dass sich sein Verhalten irgendwann auszahlen würde, hatte ihm nicht wirklich eingeleuchtet. Jetzt tat sie es."Dann hast du dir richtig Mühe damit gegeben, diesen Dank zu überbringen. Das ehrt dich genauso sehr, wie es mich beschämt. Darf ich dich auf einen kleinen Bissen einladen?" Vala war ein bescheidener Gastgeber. Was vor allem daran lag, dass er diese Rolle nicht gewohnt war.. normalerweise war es immer anderen überlassen, diese Rolle einzunehmen, und dies war sicherlich eins der ersten Male, dass man Vala dazu zwang sich mit ihr anzufreunden.
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Und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Vala, vollkommen übergangen, nahm den Herrschaften dies nicht übel. Es würde ihn nicht wundern, wenn der Konsul ihn für einen einfachen germanischen Sklaven aus dem Haushalt des Viniciers hielte, Gelegenheit hatte der ehemalige LAPP der Provinz Germania ja sicherlich genug gehabt, eben solche zu erstehen.
Der junge Germane nutzte die Gelegenheit, den Consul eingehend zu mustern.. das letzte Mal, als er diesem so nahe gewesen war, hatte er sich noch um das Amt beworben, das er nun bekleidete. Mit professioneller Souveränität ging der Consul dann auch ans Werk, das Projekt auseinander zu nehmen und Detailfragen zu erörtern, eine Tatsache, die Vala gefiel: warum groß herumreden, wenn man wichtige Dinge sofort klären konnte. Die Fragen gingen dann auch gleich sehr ins Detail.. während sich in Valas Geist Antworten formten, überließ er es dem Caecilier diese auch auszusprechen.