Frohes neues Jahr!
Beiträge von Titus Duccius Vala
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Für Frauen: Three Wolf Moon
Für Männer: Star Wars 9/11
Gegen Frauen: Adam and Eve in Friendszone..
Gegen Männer: N00b Boyfriend
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Lieber Imperator Augustulaus,
wie jedes Jahr bekommst du von dem kleinen Alrik eine kurze und bescheidene Liste mit Wünschen, weil ich so brav und tadellos gewesen bin, dass es dir sicher nicht schwer fällt, mich zu beschenken!
I. Ich wünsche mir von dir zu Jul einen riiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeesigen Haufen Minenrechte!!
II. Ich wünsche mir, dass der Steuerprüfer auf dem Weg zu mir erfriert (ja, ich weiß, ich bin in Rom. Aber ich bin mir sicher: du kriegst das hin!)
III. Und wenn du schon gerade dabei bist, kannst du die Steuereinnahmen aller anderen zukommen lassen? Das wäre echt nett!Die Liste ist durchaus hierarchisch zu verstehen, es wäre zwar schade, wenn du mir Wunsch II. und III. nicht erfüllen kannst, aber es wäre zumindest kein Ragnarök.
Viele liebe Grüße,
der kleine Alrik -
"Caligulae... du weißt schon, Gaius Caesar Augustus Germanicus.", zitierte Vala aus seinem Gedächtnis das, was er über Caligula gelesen hat, und warum man ihn letztendlich umbrachte, "Der Kaiser, von dem heute niemand mehr etwas wissen will, weil er dem Senat zu sehr auf die Füße getreten ist, und seine Schwester zur Imperatorix machen wollte."
Er folgte ihren Anweisungen, hielt sie souverän dort, wo sie war und steuerte sie beide ohne größere Kollisionen durch die Menschenmenge, die sich irgendwie IMMER durch Rom zu schlängeln schien. Nach einer Weile begann er, ein kleines Lied zu summen, der Groll der Vorstunde war vergessen, die Selbstkritik wie weggeblasen, hier gab es Perspektive!
"Weib, sowas würde ich nicht allzu leicht versprechen... besonders nicht einem Mann gegenüber, den du kaum eine Stunde lang kennst. Sowas kann übel ausgehen...", wies er die junge Dame schließlich zurecht, ohne auch nur eine Sekunde daran zu denken sie herunter zu lassen. Das Liedchen wurde weitergeträllert, und schneller als sie sich versahen, waren sie auch schon da."So, dieses Haus hier?", fragte Vala, während er die junge Frau wieder auf ihre Füße stellte. Er hatte einfach das Haus ausgesucht, das seiner Meinung nach dem Domus einer alten römischen Gens, so wie sie die ihre bezeichnet hatte. Die Römer hatten es sich noch nicht angewöhnt ihre Häuser konkret mit Namensschildern oder Nummern zu versehen, von daher war man als nicht Ortskundiger schnell auf fremde Hilfe angewiesen. Er blickte daran empor, und erkannte eine schlichte Bürgercasa, wie es viele in Rom gab. Keins der pompösesten Gebäude Roms, aber sicher auch keins der erbärmlichsten.
"Nun denn... junge Frau.", er zwinkerte sie an, und verneigte sich lächelnd zu einer spierlischen Verbeugung, "Es war mir eine Freude, aber ich muss mich nun empfehlen. Vale bene, schöne Iunia."
Er wandte sich zum gehen, stockte jedoch ein paar Schritte weiter, als hätte er etwas vergessen, und wandte sich wieder um: "Achso, ich bin übrigens Titus Duccius Vala."
Mit diesen Worten machte er wieder kehrt, stimmte ein neues Lied an, und verschwand in den Straßen der Stadt Rom. -
Vala lief einfach weiter. Sie passierten das Forum Boarium und bewegten sich auf das Domus Caligulae zu, während die Römerin scheinbar überlegte, was zu tun war. Sie ernteten einige fragende Blicke, die meisten Frauen schüttelten den Kopf, die meisten Kerle grinsten Vala breit an. Dass sie zitterte bekam Vala nicht mit, er hatte genug damit zu tun, dass sie ihm nicht von den Schultern rutschte und auf die Nase fiel. Er wollte sie wohlbehalten zuhause abliefern, ohne Schrammen oder schlimmeres... andererseits würde es wohl einen seltsamen Eindruck machen, wenn er sie in der momentanen Lage einfach vor der Tür der Casa Iunia ablieferte. Darüber würde er sich später Gedanken machen, sagte er sich, und setzte den Weg unbeirrt fort.
"Die Chance hast du vertan, Weib.", knurrte Vala vergnügt, der sich soeben umentschieden hatte, und sie einfach die ganze Zeit dort oben lassen würde. So würde er weitere Mätzchen verhindern, und den Weg endlich zu einem Ziel führen. So knurrte er weiter, während er über eine Pfütze am Boden sprang, "Du hattest die Wahl, du hast sie getroffen. Da vorne ist das Domus Caligulae.. wie weiter?"
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"Mit Verlaub..", entgegnete Vala, "..diese Personen sind schon stark. Immerhin organisieren sie das Leben in ihrer Umgebung wie sie es von den Traditionen her gewohnt sind. Erst in den oberen Ebenen der Verwaltung greift das römische System, was im Endeffekt bedeutet, dass das System an einem Großteil der Bevölkerung einfach vorbeigeht, und sich nur durch Steuerforderungen und Marktgesetze bemerkbar. Wenn man die unteren Ebenen institutionalisiert trifft eigentlich genau das Gegenteil von dem ein, was du bemängelst: die Bewohner einer Civitas werden in den Rechtscharakter der Verwaltung eingebunden, nicht mehr nur durch sie verwaltet, sondern gestalten ihr Umfeld dem römischen Vorbild entsprechend mit. Es wäre eine Idee, den Civitates zu gestatten, die verschiedenen Ämter selbst mit Vorgaben zu belegen. Absolvierte Cursu, das Bürgerrecht, die Geschlechterfrage."
Dass der Praefect Valas Familie als Beispiel für eine funktionierende Integration anführte, konnte er nich so stehen lassen: "Du hast natürlich Recht, wenn du die lokalen Eliten als durchaus in den römischen Staatsapparat integriert oder integrierbar ansiehst, allerdings darf es da nicht enden, wenn eine erfolgreiche Konsolidierung und Durchsetzung der Provinzen mit römischem Recht das Ziel sein soll. Zudem ist der Finanzfaktor auch nicht unbedeutend: man kann eine instrumentalisierte Verwaltung mit weniger Geld instand halten, als man eine professionelle Riege von hohen Beamten unterhält, die eh nur totes Land verwalten, da die Civitates ihre eigenen Angelegenheiten meist selbst regeln. Löst man die Regiones auf, und spricht das Land, das nicht in kaiserlichem Besitz ist, den Civitates zu, kann dies nur von Vorteil für die Staatskasse sein."
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"Da bist du mir beim Wissen im Vorteil. Meine Erfahrungen auf den römischen Stadtadel beschränken sich auf einige wenige, und die geben sich eher gelassen im Umgang mit Reichtum. Diese Zurschaustellung..", er nickte mit dem Kopf in Richtung der Patrizierin, die mal eben eine Villa für die Sklavin geboten hatte, "..ist mir fremd. Und ich bin mir nicht sicher, ob sie jemals was anderes für mich sein wird."
Vala wandte sich dem Römer nun vollends zu, und streckte ihm die Hand zum Gruße hin, wurde jedoch von den Geschehnissen auf der Bühne abgelenkt: "Ich bin Vala vom Stamm der Ducc.."
Weiter kam er nicht, als der Sklavenhändler (ein Schelm, der dabei böses denkt :P) einen Mann auf die Bühne ziehen ließ, der wohl dem römischen Klischee des Germanen entsprach. Valas Lippen wurden schmal, als er das Schauspiel betrachtete, und brauchte eine Weile, um sich wieder auf seinen Gesprächspartner zu konzentrieren: "..vom Stamm der Duccii. Ein Aelius, sagst du? Meine Gastgeberin ist Aelia Vespa, vielleicht seid ihr miteinander verwandt?"
Nicht, dass Vala wirklich daran glaubte. Immerhin gab es eine Million Menschen in Rom, und ein vielfaches davon noch im römischen Reich. Und doch hatte er die Erfahrung gemacht, dass Rom in Wirklichkeit ein Dorf war: jeder kannte jeden, und jeder war mit jedem um x-Ecken verwandt. Warum das so war, konnte er sich allerdings nicht erklären."Naja, vielleicht sieht die Dame etwas in der Sklavin, das wir nicht sehen können. Oder hören..."
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"Wenn das mal keine Referenz ist...", murmelte Vala, die Erzählungen über Prudentius Commodus noch im Hinterkopf, "Na dann werde ich diesem Kerl mal einen Besuch abstatten. Wenn du mich jetzt entschuldigst, oder hast du noch etwas, was ich erledigen kann?"
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Zitat
Original von Iullus Quintilius Sermo
Statt dessen zückte er den Zeigefinger und schob hastig nach: "Aber mach dir keine Hoffnungen, sie ist kein Frischfleisch für Beutetiere aus dem hohen Norden!" (:D)Valas schmales Lächeln gefror im Ansatz, als Sermo die Ausführungen über seine Schwester mit diesem Nachsatz abschloss. Der Germane konnte garnicht schauen, so schnell stieg die Leistung seiner Streitsynapsen.
"Beutetiere?", fragte er eine Spur zu scharf, und spießte den Quintilier förmlich mit seinem Blick auf, der von Nanosekunde zu Nanosekunde angriffslustiger wurde. Was fiel diesem Kerl eigentlich ein?
"Sag mir, Quintilius.", grollte Vala, dem immer mehr die Selbstbeherrschung flöten ging, "Ist es deine Art, Leute in dein Haus einzuladen, nur um sie dann zu beleidigen?"Er wollte gerade damit fortfahren, den ersten Streit des Abends zu gestalten, als in seinem Rücken ein weiterer Gast angemeldet wurde. Unwillkürlich wandte Vala sich um, und stockte mitten in der Bewegung: das war sein Vetter Arbjon. Aber in welchem Zustand?
"Na großartig..", fluchte Vala mehr in sich hinein, als er es wirklich sagte, und warf seinem Vetter einen vorwurfsvollen Blick zu. Gerade hatte er vorgehabt, dem Quintilier eine Lektion darin zu erteilen, Germanen nicht per se als Wilde zu betrachten, und da stolperte der Sohn der Ildrun herein, als käme er frisch aus einer Kneipenschlägerei. -
"Ahja... die Feriae.", entsann sich Vala, als der Claudius auf die Festlichkeiten zu sprechen kam, die jedes Jahr das Bündnis der Latiner zelebrierten, "Ich erinnere mich daran, noch nie so viele Menschen auf einem Haufen gesehen zu haben. Das müssen zigtausende gewesen sein. Und wer in den ganzen Staub, der aufgewirbelt wurde, noch etwas erkennen konnte, besonders die Farben der Wagen, der musste echt Argusaugen gehabt haben. Von den Fahrern mal ganz abgesehen.. ich habe jede Sekunde mit einer Massenkarambolage gerechnet."
Dass der Claudius von der ziemlich wortkargen Art war, das hatte Vala schon gemerkt, als ihm das heiße Wasser der Thermen fast die Ohren hatte platzen lassen. Der Patrizier mochte es, Dinge, die er lang und breit hätte erklären können in einem Nebensatz zu verpacken.
"Worin bestehen denn deine weiteren Vorhaben?", hakte Vala nach, um selbst die Zeit zu bekommen sich an der Speise gütlich zu tun, bevor er selbst zu erzählen anfing: "Nun, im Grund genommen lerne ich viel. Ich lese viel in den Archiven, bewege mich viel durch Rom und erledige Botengänge und Schreibaufgaben für Tiberius Prudentius Balbus. Allerdings haben wir uns darauf verständigt, dass ich bald bei einem Senator anheuern werde, um das politische Leben näher betrachten zu können. Etwas, das im Dienst des Praefectus Praetorio etwas zu kurz kommt, wie du dir sicherlich vorstellen kannst."
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Als Antwort erntete sie nur einen Blick, den jemand auflegte, wenn er nicht fassen konnte, dass einer 1 und 1 nicht zusammenrechnen konnte. Hatte er sich missverständlich ausgedrückt? Wahrscheinlich nicht... so sah er die junge Frau eine ganze Weile an, als würde er nicht kapieren, warum sie zögerte. Dass er ihr Vertrauen verletzt haben könnte, kam ihm überhaupt nicht in den Sinn. Sowieso: Vertrauen war für Vala eine Sache, die es nach dem Tod seiner Eltern einfach nichtmehr gab. Er hatte zu oft ansehen müssen, wie Menschen einander für eine Tagesmahlzeit ins Messer laufen ließen, die alten Traditionen von Gastrecht und Zusammenleben aufbrachen, nur damit irgendwer einen kleinen strategischen und politischen Vorteil davon hatte, dass dem Gegner zehn Kämpfer weghungerten. Ergo: Vala vertraute niemanden.
Deshalb konnte er mit dieser Situation so genauso wenig anfangen, als hätte man ihm einen Ford Focus vor die Füße gesetzt, und ihn gefragt welche historischen Entwicklungen dafür gesorgt hatten, dass dieses Gerät in 2000 Jahren tatsächlich als ernstzunehmendes Fortbewegungsmittel gelten würde.
Er entschloss sich letztendlich, diese Sache nicht durch emotionale Konversation zu lösen, sondern durch schlichte germanische Konsequenz. Er verdrehte die Augen, ging die paar Schritte auf sie zu, packte das junge Ding und legte es sich über die Schultern. Als er dafür gesorgt hatte, dass sie ihm nicht einfach so darunter fiel, ging er einfach ein paar Schritte drauflos in die Stadt hinein.
"Du kannst es dir aussuchen: entweder, du bleibst da oben solange, bis ich das Heim deiner Familie alleine gefunden habe... oder du erklärst mir den Weg."
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"Und vor allem steinreich...", murmelte Vala mehr zu sich selbst, als zu dem Mann, der ihn gerade angerempelt hatte. Dann erst wandte Vala, in seinem anfänglichen Gespräch mit dem Sklaven der Edelfrau gestört, zu dem Mann um, der ihn entschuldigend angrinste, und Vala winkte ab. Er hatte gezählt. Ganz genau. Von der Porta Salutaris bis zum Mercatus wurde man durchschnittlich vierhundertzweiundsechzig mal angerempelt. Von der Porta Quirinalis allerdings nur dreihunderteinundneunzig Mal, was ob der längeren Strecke irgendwo keinen Sinn machte, und von Vala als eine der Irrsinnigkeiten verbucht wurde, die Rom so mit sich brachte.
"Dann beantworte du mir doch die Frage..", griff Vala den verlorenen Faden wieder auf, und drückte ihn dem Fremden in die Hand, "..ist es normal, dass man in Rom soviel Geld für eine ungelernte Hand ausgibt?"
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Es gab Menschen, und es gab Menschen.
In den langen Feldzügen, in denen sein Vater sich immer wieder anderen Anführern verschrieben hatte, weil ihr vorheriger aus irgendwelchen Gründen den Kampf gegen Modorok nichtmehr fortsetzen wollte, oder schlicht an den unmöglichsten Dingen gestorben war, hatte Vala schon als kleiner Junge feststellen dürfen, dass es starke und schwache Menschen gab. Das war eine der maßgebensten Erfahrungen in seinem Leben gewesen: zu erkennen, dass man Menschen manipulieren konnte wie es einem beliebte, wenn man es nur richtig anstellte. Menschen waren nur so lange schwach, wie es keinen Schwächeren gab, und Starke Menschen nur so lange stark, und so weiter und sofort. Es hatte ihn einige blaue Augen, viele Wunden und viel Blut gekostet zu erkennen, dass es dabei nicht einfach um ein simples Schwarz/Weiss-Muster ging. Es ging um ein komplexes System an Zwischenmenschlichkeit, das man nur meistern konnte, wenn man die verschiedenen Zwischenstufen beachtete, und genau daran maß sich Stärke: wer es schaffte, das Netzwerk an Stärken und Schwächen zu meistern und für sich einzunehmen, der besaß wahre Macht.
Genau aus diesem Grund war das römische Kaisertum, und der römische Staat an sich, allem überlegen, was es zur selben Zeit bei anderen Völkern zu beobachten gab: es hatte den Zenit der Macht mit dem Kaisertum erreicht. Rom war das perfekte Netzwerk, und das in Gesetze und sakrales Brauchtum gefestigte Kaisertum war DER Starke schlechthin.Das, was sich in diesem Moment vor Vala auftat war ein Abgrund an Schwäche. Der nach unten gerichtete Blick, diese offen zur Schau gestellte Unsicherheit, und das fatale Bestreben sich zu einer Reaktion zu zwingen, die vollkommen dem entgegengesetzt war, was man eigentlich fühlte. Ja, die junge Römerin war schwach. Was Vala zu einer Reaktion verleitete, die er seiner Mutter verdankte: Mitleid, Mitgefühl, Mit... Mitleben.
Vala fand Schwäche nicht per se verachtenswert. Er war keiner dieser Fundamentalisten, die sich in einem "Survival of the fittest" dem überlegen sahen, was in ihren Augen Schwäche war. Schwäche war für Vala das Resultat aus einer vergleichenden Konfrontation. Kein permanenter Zustand, der in Blei gegossen das Hier-und-Jetzt mit dem Wird-noch verwob. In diesem Moment war Vala absolut im Vorteil.. er hatte das Gefühl, die junge Frau an die Wand klatschen zu können wie ein Puppenspieler eine seiner Marionetten. Für viele wäre dies die perfekte Einladung, genau das zu tun: Macht ausüben. Egal wie flüchtig sie war.
Vala dachte etwas langfristiger: wenn man keine Macht besaß, bedeutete das noch lange nicht, dass man es auch nie tun würde. Wenn er sie wirklich genommen hätte, wie er es noch wenige Augenblicke zuvor im Eifer des Rauschs in Erwägung gezogen hätte, oder sie jetzt einfach nur ihrer selbst überlassen.. wer sagte ihm, dass sie nicht in einem Jahr Frau eines wichtigen Senators werden würde, und sich darüber bitter an ihm rächen würde? Und auch wenn man die Rachemöglichkeit außer Acht ließ: es war eine der grundlegensten und wichtigsten Lektionen des Griechen gewesen, die ihm sagte, dass Vernunft und Selbstbeherrschung der wahre Schlüssel zur Macht seien. Was nützt es einem, einen Hund zu treten und ihn zu ersäufen, nur weil man es kann, wenn man ihn gleichsam für die Jagd benutzen kann, die einen lange nährt?Beschwert von diesen Gedanken ließ Vala sich auf den Sims eines der steinernen Brückengeländer sinken, die in die Straße des Ufers übergingen, und sah die junge Römerin müde an. Wie oft würde er sich noch täuschen? Zweifeln, um letztendlich bis zur Wahrheit doch noch viele Schritte tun zu müssen? Er wusste es nicht... allerdings nahm sein Eifer ihm die Möglichkeit, einfach aufzugeben.
"Was mach ich bloß mit dir...?", fragte Vala daher mehr sich selbst als die Frau, die immernoch betreten vor ihm stand. War dies nicht eine einzige Farce, in die er sich letztendlich ohne jedes Zutun der Frau hereingesteigert hatte? Auf einmal kam ihm sein Verhalten unglaublich lächerlich vor.. wie ein Hahn hatte er reagiert, der seinen Stolz von einer Henne verletzt sah. Er raffte sich wieder auf, zu seinem ursprünglichen Plan zurückkehrend. Der Wille, sich weiter mit dieser Frau zu beschäftigen hatte ihn zwar nicht zurück, aber dafür die Möglichkeit, diesen Ausbruch doch noch zu einem guten Ende zu treiben.
"Zeig mir den Weg, Axilla.", er zwang sich zu einem auffordernden Lächeln, und winkte knapp mit der Hand, um hir zu deuten, dass er tatsächlich vor hatte, sie zuhause abzuliefern. -
Vala stand in der Masse, und wunderte sich wieder einmal über die absolute Anonymität, die man in ihr genießen konnte. Er fragte sich, wie die Cohortes Urbanes es überhaupt fertig brachten, Verbrecher und anderes Gesindel in einer solchen Masse an Menschen überhaupt aufzubringen. Andererseits: tat sie das überhaupt? Es verging kein Tag, an dem Vala nicht von mindestens einem Mord in der Vornacht hörte. Und dennoch war es nicht so, als könnte man davon sprechen, dass Rom drauf und dran war sich selbst auszurotten: jeden Tag kamen mehr Menschen nach Rom. Jeder Art. Bettler, reiche Beamte aus den Provinzen, fahrendes Volk, Handwerker, landlose Bauern.. alle suchten ihr Heil in der Urbs Aeterna. Und nur die wenigsten fanden es. Die junge Sklavin auf dem Podest war Teil der weniger glücklichen, die es nach Rom trieb. Ihr Gesang entzückte ein paar potentielle Käufer, gleichzeitig riefen aber ein paar Gehässige bittere Schmährufe nach vorne. Und dann das Gebot... Vala riss vollkommen überrascht den Kopf zur Seite, als wenige Schritte von ihm entfernt ein Sklave den sagenhaften Betrag von achttausend Sesterzen nach vorne brüllte. Achttausend Sesterzen. Dafür konnte man sich in Mogontiacum schon eine kleine Villa bauen lassen. Er hatte die komplette Casa seiner Familie hier in Rom für weniger renovieren lassen, und selbst das hatte ihn beinahe ruiniert.
Tiberia Arvinia war der Name, den der Sklave gebrüllt hatte, und Vala kam nicht umhin sich aus Neugier ein paar Schritte in die Richtung zu bewegen, um zu sehen wer die Patrizierin war, die in einem Satz siebentausendfünfhundert Sesterzen übersprungen hatte. Was er schließlich zu sehen bekam, wunderte ihn schon ein wenig. Erstens: sie saß nicht in einer Sänfte. Irgendwie hatte Vala das Gefühl, dass die römische Nobilitas nicht viel auf Sänften gab. Zwar sah er in den Seitenstraßen und den Hauptwegen Roms immer wieder mal Sänften, aber er hatte noch nicht einen Patrizier in einer solchen gesehen. Zweitens: sie war jung. Und dem Betrag, den sie geboten hatte nach zu schließen ziemlich reich, wenn sie selbst für eine ungeformte Sklavin einen solchen Betrag herausposaunen ließ. Oder aber: Vala war der fundamentale Umfang des patrizischen Reichtums nicht annähernd gewahr.Jedwede Vorsicht fahren lassend, entschloss Vala sich zu der direkten Art und Weise, sein Unwissen durch Wissen zu tilgen: er fragte einfach nach. Da er wusste, dass gewisse Angehörige der römischen Oberschicht auf Annäherungen aus der Unterschicht so allergisch reagierten wie auf Bienenstiche, sprach er einfach den Sklaven an: "Salve. Ist es normal, dass deine Domina soviel bietet?"
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Vala war vollkommen egal, ob ihr Dank ehrlich gemeint war oder nicht. Und eigentlich war ihm die junge Frau auch egal. Das einzige, was ihm in diesem Moment nicht egal war, war ihre sichere Heimkehr nach Hause. Seine Tunika wurde langsam wieder trocken, mit jedem Schritt den er tat blies der Wind den Fluss hinab durch ihre Fasern, und auch seine Haare wurden langsam wieder reger und wirbeltem wie gewohnt durch die leichte Brise. Wie ein Bär, der sicher ging, dass sein Junges ihm auch folgte wandte er sich alle paar Minuten um, warf der jungen Römerin einen prüfenden Blick zu und setzte dann mürrisch schweigend seinen Weg fort. Er führte am Hang des Aventins am Tiber entlang hinauf zum Palatin, zur Brücke in der Nähe des Circus Maximus, an der Vala vor einiger Zeit die erste Frau kennengelernt hatte, Calena, die ihn aus der Fassung gebracht hatte. Dort angekommen hielt er einen Moment inne, und konnte sich nicht entscheiden, wo er sie absetzen sollte.
"Wo ist die Casa deiner Familie?", murrte er die junge Frau schließlich an, ihre Frage nach dem Griechen und dem griechisch vollkommen ignorierend. Er hatte nicht die Muse, sich jetzt von dieser Frau auch noch belehren zu lassen, oder es in Zukunft tun zu müssen. Natürlich musste er Griechisch lernen, das hatte ihm sein Patron schon eingebläut, aber er würde einen Loki tun und es von dieser Frau lernen. Sowieso: seine Lust zur Konversation war dahin. Viel zu sehr war er damit beschäftigt, sich einen Reim zu machen aus dem, was gerade passiert war. Oder anders: er plante bereits die Beseitigung dieses Missstands. Die römischen Legionäre hielten sich in Form, in dem sie jeden Tag den Ernstfall probten, sich mit körperlicher Ertüchtigung und Übungen an der Waffe formten. Was Vala erst jetzt verstand, schließlich hatte er in Germania Magna oft genug die Gelegenheit bekommen, den Ernstfall im Ernstfall zu proben. Seitdem das nichtmehr so war, wurde er anscheinend nachlässig: er hatte zugenommen, und ließ eine Frau an sich rumfummeln, ohne ihr das Genick zu brechen, oder gar nur die Finger.
Das würde sich ändern. Ab sofort. Er führte hier ein Leben in Frieden, obwohl er wusste, dass sich das jeden Moment ändern konnte, wie der Überfall auf seinen Vetter vor einigen Tagen gezeigt hatte.
Aus seinen Gedanken gerissen wurde Vala erst, als er sich der immernoch anwesenden jungen Frau gewahr wurde, die seine Frage noch nicht beantwortet hatte. Er sah sie abschätzig an, als würde er sie gerade zum ersten Mal sehen, und spürte wie seine Bereitschaft, sich überhaupt noch mit dieser Person abzugeben stetig sank: er verlor das Interesse an ihr."Nun?"
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"Dann will ich mal..", seufzte Vala kleinlaut, und sortierte seine Gedanken, um dem Praefekten zu erklären, worum es ging: "..das Projekt dreht sich um die Stärkung der Civitates in den Provinzen, vornehmlich um die in Germania, allerdings wurde festgestellt, dass das Prinzip sich auch auf andere Provinzen übertragen lässt, wo die Bevölkerung zur Selbstverwaltung herangezogen werden kann. Es geht darum, polizeiliche wie infrastrukturelle Kompetenzen aus der Hand der Regionalverwaltung in die Hand der Civitates zu legen, damit diese selbst bestimmen was nötig und was nicht ist, und gleichsam auch selbst für die Bewältigung dieser Aufgabe aufkommt. Das würde die Regionalverwaltung obsolet machen, und ist auch so gewollt."
Er machte eine kurze Kunstpause, um wieder Ordnung in seine Gedanken zu bekommen und den Praefekten zu mustern, welcher sich jedoch zu keiner Mienenregung hinreissen ließ: ein absoluter Profi.
"Den Civitates überlässt man nach dem großen Vorbild Roms also die Aufgaben und die eigene Verwaltung. Man könnte natürlich bemängeln, dass dies die Civitates der Oberherrschaft Roms entziehen und die Abgabenentrichtung und Grenzsicherung auf unsichere Beinen stellen würde, und zugegebenermaßen würde es die peregrine Bevölkerung in den Grenznahen Civitates stärken, aber man muss beachten, dass die Provinzen in sich immernoch durch das Militär und der Provinzverwaltung der römischen Oberherrschaft zugesichert bleiben. Es wäre also eine.. nennen wir es 'Entschlackung' der Verwaltung, während die Nutzbarkeitmachung des Landes, die Verantwortung der Civitates für sich selbst und damit die Optimierung der Verwaltung, und die Durchsetzung der Provinzen mit dem römischen Ideal nur von Vorteil sein können."
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Während er den Tiber hinaufstapfte, brütete Vala über düsteren Gedanken. Die meisten davon hatten damit zu tun, dass er sich verweichlicht, einfältig, unvorsichtig und inkonsequent schalt. Dann kam noch der Ärger hinzu, sich von einer Frau derart aus der Fassung bringen zu lassen, was mittlerweile das zweite Mal war. Vala verzweifelte an sich selbst.
Seine Gedanken zogen immer weitere Kreise, und sein von sich selbst gekränktes männliches Ego wirkte furios als Katalysator einer Wut, die sich zunehmend auf ihren Auslöser richtete: die junge Frau.
Erst in diesem Moment wurde Vala gewahr, dass er von ihr verfolgt wurde. Abrupt blieb er stehen, blaffte sie mir einem grollenden "WAS???" an, und starrte sie mit einem Blick darnieder, der entfernt an einen wahnsinnigen Wolf erinnerte, der des Spiels mit seinem gefangenen Kaninchen langsam müde wurde, und drauf und dran war, es im nächsten Moment in der Luft zu zerreissen. Allerdings manifestierte sich in Vala ein Bild, das in eine ganze andere Richtung ging, denn plötzlich verspürte er den Drang, das junge Ding einfach mit in eine Seitengasse zu schleppen, sie dort an eine Wand zu pressen, ihr die Beine auseinander zu drücken und sich für die Kränkung seines Egos zu rächen. Die Hierarchie wieder herzustellen. Die Selbstzweifel unvergessen zu machen, in dem er seine Männlichkeit im ursprünglichsten und gleichsam gewalttätigsten Akt der Menschlichkeit restaurierte. So wie er es schon einmal getan hatte. Nicht nur einmal. Und doch...
Eine Stimme, die der des alten Griechen auf beängstigende Art und Weise ähnelte, schalt ihn einen Barbaren. Und da wurde Vala sich bewusst, was das eigentlich meinte: Barbar. Wenn er diese junge Frau jetzt nahm, war er weniger als die, die von den Römern Barbaren genannt wurden, er war das wortwörtliche Tier. Und dabei resultierte all der Groll und die Verletzung, die er sich im Endeffekt nur selbst zugefügt hatte, doch daraus, gerade mit diesem Tier konfrontiert zu sein und seine menschliche Selbstbeherrschung fahren zu lassen. Er konnte das nicht. Er DURFTE das nicht.
Die Erkenntnis, dass er sich nur durch die von Linus so gepredigte Selbstbeherrschung retten konnte, traf ihn wie ein Hammerschlag.Er wandte sich wieder um, ging ein paar Schritte und wartete darauf, dass die Römerin zu ihm aufschloss. Was sie nicht tat. Wieder wandte er sich zu ihr um, und blickte sie finster an, in den Resten seines Inneren Kampfes befangen. "Komm.", knurrte er halbherzig hervor. Er würde sie nach Hause bringen. Sicher, unversehrt. Wie ein altes Lebewohl an den Vala, der einen Fehler, ob selbst hinzugefügt oder nicht, als Möglichkeit sah, sich zu verbessern.
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"Danke.", sprach Vala, als er den angebotenen Becher nahm, ließ sich allerdings nicht auf einer der Klinen nieder, und schüttelte entschuldigend lächelnd den Kopf, während er die Sklavin mit interessiertem, aber unaufdringlichem Blick musterte. Irgendwann würde er sich die Namen der Sklaven sagen lassen, schließlich konnte es nur von Vorteil sein.
"Sag, Caecilius.", sprach Vala seinen Begleiter an, mit dem er bisher kaum ein Wort gewechselt hatte, da beide ihre Beziehung als eine rein geschäftige sahen, und dementsprechend auch ihre Aufmerksamkeit auf das, was sie erreichen wollten konzentrierten, "Als du in Mogontiacum abgereist bist, lag dort schon Schnee?"
Für Vala selbst war es höchst irritierend, dass hier in Rom im Winter kein Schnee lag, und er den ersten Winter seines Lebens verbrachte, ohne jeden Tag damit rechnen zu müssen irgendwo in einer schlechten Unterkunft zu erfrieren.
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Vala hatte dem Caecilier den Vortritt gelassen, immerhin war er als Ritter des Reichs der Ranghöhere von ihnen, aber er grüßte den Sklaven mit einem knappen Nicken als dieser ihn bemerkte. Als sie eingelassen wurden steckte er, der er bei solchen Situationen eine gewisse Routine gewann, dem Sklaven wieder einen Dupondius zu, während er dem ehemaligen Comes ins Innere der Villa folgte.
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Vala nahm die Fragen des Senators mit wachen Ohren auf, war dies doch ganz anders als bei Gesprächen, die er zuvor mit Entscheidungsträgern geführt hatte: die meisten hatten sich nicht einmal wirklich dafür interessiert, und hatten ihm Blankocheques ihrer Unterstützung zugesichert, einfach weil er die richtigen Namen nennen konnte. Daher verwunderte ihn die Frage schon, aber gerne ging er ins Detail: "Das römische Optimat besteht in der Herausforderung an unterworfene und verbündete Völker, sich nach dem Vorbild Roms selbst zu verwalten. Dies ist allerdings ungünstig umgesetzt, der Ordo Decurionum repräsentiert zwar den römischen Senat, hat aber kaum Befugnisse das Leben in den Civitates zu gestalten, während die Regionalverwaltung überhaupt nicht dem Leitbild Roms entspricht, und bis auf wenige polizeiliche und verwaltungsrelevante Kompetenzen eigentlich vollkommen an den Bedürfnissen der Civitates und ihrer Bürger vorbeiagiert. An dieser Stelle dürfte anzumerken sein, dass es gerade zwei Beamte der Regionalverwaltung in Germania waren, denen diese Gedanken gekommen waren."
Vala nahm einen Schluck Wein zu sich, während er seine Gedanken sortierte und den weiteren Verlauf der Erklärung vorbereitete: "Es mag seltsam anmuten, dass gerade zwei Beamte der Regionalverwaltung ihre eigene Amtssphäre wegreformieren wollen, aber die Vorteile lagen auf der Hand: die Bürger der Civitates nehmen jetzt schon inoffiziell verwaltende Tätigkeiten in ihren Lebenswelten wahr, ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass dies in ihrer Tradition liegt: Stämme verwalten sich selbst, egal ob jene, die von euch Germanen genannt werden, keltische oder iberische, und sie könnten die Abgabenerhebung selbst organisieren. Immerhin hätte Rom in Persona des Legaten immernoch die Einhaltung der Abgaben im Blick."Ein weiterer Schluck, eine weitere Pause: "Kurz zusammengefasst: das Amtsgefüge müsste nach unten verlagert werden, was kurzfristig mehr Ämter, aber dafür eine optimalere Verwaltung der Ländereien mit sich brächte. Der Vorteil des ganzen: eine stärkere Identifizierung der Bevölkerung mit Rom, und die Basis der römischen Macht in den Civitates und somit in den Provinzen wäre auf eine breitere Basis gestellt. Und all dies auf dem unerschütterlichen Grund des römischen Gesetzes, und weniger durch die Oberhoheit einer ineffektiven Regionalverwaltung. Natürlich hätte dies einen entsprechenden Effekt auf die Provinzverwaltung, aber unserem Patron wurde dies schon vorgelegt, und daher kann ich behaupten: auch dem Legaten liegt etwas an der Reformierung seines Machtbereichs."
Der Aurelier bewies seinen Sinn für prägnante Konversation, und ließ Vala dementsprechend nur zustimmend nicken: "Ja, ich suche einen neuen Arbeitgeber. Allerdings muss ich betonen, dass dies nicht aus Unzufriedenheit mit meinem derweiligen geschieht. Prudentius Balbus hat mir viel beigebracht, ist ein Freund meiner Familie und nicht umsonst einer der Großen in Rom. Dies zu seiner Ehrenrettung..", schmunzelte Vala, während er den dargebotenen Faden aufgriff, "..nun aber zu meinen Vorstellungen. Wie du vielleicht weißt, war mein Vater Quaestor im Cursus Honorum. Hatte aber nie den Stand des Senators erreicht, weil seine Liebe zur Heimat stärker war als sein Drang, Rom zu bewegen. Diesen Fehler werde und will ich nicht begehen. Um präzise zu sein: ich will in den Senat. Ich will den Cursus Honorum beschreiten. Was genau ich dort erreichen will, werde ich entscheiden, sobald ich die Möglichkeiten ausgelotet habe. Allerdings habe ich ein.. wie soll ich es sagen..."
Vala stockte, und legte eine Kunstpause ein um sich wieder dem Wein zu widmen, damit seine trockene Kehle mit dem Getränk wieder leistungsfähiger wurde: "Mich reizen die Ämter des Volkstribuns und des Volksädils. Wie du weißt sind die Wurzeln meiner Gens nicht nur simpel peregrin, sie sind für viele barbarisch. Allerdings baut die Macht Roms darauf auf, dass sich auch die peregrinen Bewohner für den Erhalt des römischen Staats einsetzen. Sie zahlen steuern, sie dienen in den Auxiliares, sie formen ihre Lebenswelten aktiv mit. Ich kann es nicht weit bringen, wenn ich meine Herkunft und die Weisheiten, die mich diese lehrt ausblende und vergesse. Ich bin Bürger Roms, aber ich weiß um die Menschen, die es nicht sind."