Lucius Accius Damio
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"Wunderbar. Wunderbar.", schwärmte Accius Damio, der flammender Anhänger der Veneta war, und die Nachwuchsfahrer derselben im Vorlauf mit immer wieder eingestreuten "VORWÄÄÄÄÄRTS TOLIMEDES!!!" und "KA-SE-TO-RIX!!!" anfeuerte, obwohl der Römer dabei darauf achtete, nie die Haltung zu verlieren. Und dennoch: man konnte genau erkennen, dass es ihn kaum auf den Sitzen hielt, so sehr fesselte ihn der greifbare Erfolg seiner Lieblinge.
Linus von Patrae
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Neben ihm saß der alte Grieche Linus von Patrae, der nicht das geringste für Wagenrennen überhatte, und normalerweise bei solcherlei Besuchen mit seinem Freund immer auf die Fahrer setzte, die den Fahrern der Veneta am gefährlichsten wurden. "Vorwärts, Proteneas.", nölte er daher mit offen zur Schau gestellter Langeweile. Für ihn, der er meinte genau zu wissen wofür derlei Spektakel gut waren, war dies eine weitere der großen Barbareien der Nobilitas um den römischen Staat davon abzuhalten, zu Platos perfektem zu werden.
Vala saß neben den beiden Streithähnen, und schenkte dem Rennen an sich kaum Aufmerksam. Die galt vor allem dem Volk, da in Massen um sie herum auf die Rennbahn blickte. Oder eben nicht, und das war es, was ihn interessierte: wofür taugte so ein Rennen? Er hörte die Schlachtrufe der verschiedenen Parteien, wobei die sich vornehmlich mit Blau kleidenden Menschen sich als die stimmkräftigsten hervortaten. Zwischendurch waren Wortgefechte zu hören, wenn Anhänger von Factio A sich bei Anhängern von Factio B über eine Aktion eines ihrer Fahrer beschwerten, wobei diese Wortgefechte schnell in Beleidigungswettbewerbe ausarteten. Und das so gut wie immer. Dann waren da diejenigen, die das Rennen als das nutzten, was Linus in ihnen sehen wollte: die Möglichkeit, sich und ihren Reichtum zu präsentieren. Auch wenn es formell keine Preise gab, da der Konsul die Spiele ausrichtete: die Sitzordnung stellte einen perfekten Spiegel der Gesellschaft dar. Und Vala saß mit den seinen ziemlich weit hinten. Wäre er mit Balbus hergekommen, hätte er wahrscheinlich einen Platz weiter vorne ergattern können, aber der Praetorianerpräfekt hatte irgendeine Ausrede dafür gefunden nicht herkommen zu müssen, und so war Vala alleine mit den Männern gekommen, die Vala spöttisch "seine Raben" nannte.
"Schau es dir an..", giftete Linus auf's neue, ".schau sie dir an. Vollkommen unbedarft und der Wirklichkeit ihrer Res Publica entzogen. Hier krankt das römische Reich am ärgsten, nichts macht ihn weicher im Kern als die Hingabe zur geistigen Zerstreuung anstelle zur Ertüchtigung des Selbst."
Vala wandte sich nicht einmal um, um dem Griechen ins Gesicht zu schauen. Er wartete einfach ab, bis Damio ihm irgendetwas erwiderte, so wie er es jedes Mal tat, weil er die Unsinnigkeiten des Griechen, gerade was seinen Lieblingssport betraf, nicht alleine stehen lassen konnte: "Lass den alten Narr ruhig reden, junger Duccius. Dies ist nicht irgendein Theater um die Masse tumb und taub zu halten, dies ist die Destillation des römischen Wesens: die Verbesserung des Selbst, das Messen an Größen und Größeren, die Perfektion des Wettkampfs, der am Ende den Besten zu dem gemacht hat, was er ist: der perfekte Wagenlenker. Auf genau die gleiche Art und Weise ist die Res Publica groß geworden. Lerne aus deinen Fehlern, begehe sie kein zweites Mal, und lass deine Gegner an den ihren ersticken." Der Römer schloss seine kleine Rede mit einem gebrüllten "VORWÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄRTS CALETORIX!!! SCHICK DIESEN ROTEN BASTARD IN DEN STAUB!!!"
Von dieser ungewohnt emotionalen Art überrascht, blickten Vala und Linus den Römer verdattert an, der fast von seinem Stuhl gerissen betreten dreinblickte, und mit einem gemurmelten "Tschulligung." wieder auf seinen Platz sinken ließ, und zurück in seine gewohnte Selbstbeherrschung fiel.
"Wer ist das dort?", lenkte Vala schließlich die Aufmerksamkeit in die Gruppe der Menschen, die in der Menge vor allem durch ihren Platz als bedeutend ausgewiesen wurden, und deutete auf zwei Männer, die ihre Köpfe zusammengesteckt hatten als würden sie etwas beraten. Genaueres war von ihrer exponierten Stellung kaum zu erkennen, aber Vala wollte die Chance nutzen, die beiden Streithähne abzulenken.
"Du bist witzig, Junge. Wie soll ich mit meinen alten Augen erkennen, wer da vorne sitzt?", murrte Linus, während er dennoch versuchte zu erspähen, wen Vala meinte. Damio ließ sich die Chance nicht nehmen, seinem Freund und Rivalen die Blöße zu geben: "Das ist Spurius Purgitius Macer, kürzlich Praetor Urbanus mit einem sensationellen Wahlergebnis geworden. Man munkelt, es gebe wohl keinen Mann mit einer solch umfassenden Beliebheit im Rücken, und das obwohl er die unseligen Roten anführt. Der Mann neben ihm ist Lucius Aelius Quarto, Consular und Bruder des Kaisers. Dieser Mann führt die glorreiche Veneta, und hat ihr schon zu manchem großen Erfolg verholfen. Der Mann neben ihnen ist übrigens Titus Aurelius Ursus, Anhänger der Aurata, die lange Zeit unter Ferner liefen rangierte, und sich vor einigen Monaten einen bemerkenswerten Erfolg erkämpfte. Achja, nebenher ist er auch neulich in den Senat berufen worden, und tut sich als Liebhaber der Künste hervor. So sagt man zumindest."
"Ahja.", wiegelte Vala ab, befürchtend, dass das Thema zum Rennsport zurückkehren würde, und zeigte wahllos in die Menge der Noblen und Emporgehobenen, "Und jene beiden dort?"
"Das..", dieses Mal ließ sich Linus nicht die Chance nehmen, sich zu revanchieren, "..ist Manius Flavius Graccus mit seinem Sohn Graccus Minor. Es gab eine Zeit, da wurde er zu den Großen und Mächtigen gezählt, mittlerweile scheint ihn aber das politische Tagesgeschäft anzuöden, weshalb er sich seit einiger Zeit eher zurückhaltend zeigt. Für einige Zeit war er vollkommen vom Boden verschluckt, und seine Rückkehr ließ Raum für einige Spekulationen."
Vala nickte nachdenklich, und betete die Hand auf eine Faust, während er die Menge weiter musterte, Unfreie genauso wie die Menschen an den Hebeln des Staates. Seine Gedanken kreisten vermehrt darum, wie er es schaffen konnte, sich selbst in jene Ränge hochzuarbeiten, aber vorerst vor allem darum, was diese Ränge auszeichnete. Es war kein großes Problem die germanischen Eliten zu verstehen, waren sie doch seit einigen Jahrzehnten erst im Begriff sich überhaupt hervorzutun. In Rom war dies vollkommen anders: die Elite zeichnete sich durch eine lange und alte Geschichte aus, und war deshalb eine umso größere Herausforderung an all jene, die sich an und mit ihr messen wollten.