Beiträge von Titus Duccius Vala

    "Sehr gut, dann werde ich da mal vorbeischauen.", murmelte Vala mehr zu sich selbst, als zu seinem Oheim. Als sein Blick über die Tabulae und Schriftrollen auf dem Tisch glitt, dachte er darüber nach, wie er eigentlich die nächsten Schritte in seiner Laufbahn bewerkstelligen wollte. War er einer der Strebsamen, die mit Patron, Geld und Energie im Rücken nach oben drängten? Wohl eher nicht... er musste zugeben, für diese Art von Mensch wohl zu stark zu taktieren, als dass er einfach nach vorne preschte. Andererseits konnte sich das als Hemmnis erweisen, vor allem wenn er auf den Rat seiner Mentoren verzichten musste.


    "Sag.. jeder Politiker hat seine Berater, Menschen, die im Hintergrund arbeiten, sich kaum sehen lassen, dafür aber viel bewerkstelligen... kannst du mir da jemanden empfehlen? Der dafür auch nicht allzu viel Geld haben will? Ich muss das immerhin noch bezahlen können... aber gleichzeitig kein Neuling, sondern jemand mit etwas mehr Erfahrung. Hättest du da jemanden im Sinn?"

    Und wieder gab Vala einmal zwei Briefe auf Kosten der Familienwertkarte auf:


    Ad:
    Duccia Venusia
    Castra Classis
    Misenum | Italia


    Privat


    Heilsa Dagmar,


    ich hoffe du und deine Kinder sind wohlbehalten in Misenum angekommen. Ich muss sagen, der Süden hat ob der Wetterverhältnisse, die allein schon hier in Rom herrschen einiges an Faszination für mich verloren. Da du allerdings schon Aegyptus gewohnt bist, glaube ich, dass du wohl mit den neuen Zuständen zurechtkommen wirst.


    Wie du vielleicht schon gehört hast, hat Elfleda Lando eine Tochter geboren. Nicht der Optimalfall, aber da die Mutter die Geburt anscheinend gesund überlebt hat, bleibt ja die Hoffnung auf kommende Schwangerschaften, mit denen sie dann ihrem Mann einen männlichen Nachfolger schenken kann. Ich habe ein kleines Opfer an einem der wenigen Bäume hier dargebracht, ich hoffe Balbus sieht es mir nach, dass ich mich an seinem Hortus vergehen.


    Der Grund, warum ich dir schreibe ist folgender: ich wurde bei einer kleinen geselligen Runde auf eine Frau namens Duccia Clara angesprochen. Ich bilde mir ein, den Namen schon einmal gehört zu haben, kann ihn allerdings nicht vollends zuordnen, was mir ehrlich gesagt ziemlich peinlich ist. Soweit ich weiß, gibt es keine andere plebeische Gens mit demselben Namen, zumindest was die Register des Reiches angeht. Kannst du mich da aufklären? Ich habe die selbe Frage auch an Lando gestellt, aber ich denke, eine zweite Meinung kann nicht schaden.


    Gruß an deine Bälger.


    Til ars ok frisar,


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    Titus Duccius Vala
    Scriba Personalis Tib. Prudentius Balbus
    Casa Prudentia | Collis Quirinalis | Roma | Italia
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    Ad:
    Tiberius Duccius Lando
    Casa Duccia
    Mogontiacum | Germania


    Privat


    Heilsa Lando,


    ich beglückwünsche deine Frau und dich herzlichst zur Geburt eurer Tochter. Das Glück, das unserer Familie beschienen ist, ist anscheinend auch dir und deiner Frau zuteil geworden, was mich und unsere Freunde hier in Rom ebenso glücklich stimmt. Die Namen klingen nach einer guten Wahl, anderes habe ich von euch auch nicht erwartet.
    Richte deiner Frau meine herzlichsten Grüße und Glückwünsche aus. Euch zu ehren habe ich Frigg bereits ein kleines Opfer dargebracht, auch wenn es in einem römischen Hortus war, hoffe ich doch, dass sie es annimmt.


    Dagmar hat Rom mittlerweile verlassen und ist zu ihrem Mann, der zum Praefekten der Classis in Rom bestellt wurde, gereist. Dort wird sie die nächste Zeit verbringen. Nur damit du es weißt, ich glaube mittlerweile erkannt zu haben, dass die Gute es mit dem Briefeschreiben nicht unbedingt so hat.


    Auch schreibe ich dir aus einem anderen Grund: ich wurde kürzlich auf eine Duccia Clara angesprochen. Der Name kommt mir bekannt vor, aber es will mir nicht einfallen warum. Du kennst dich mit unserer Familiengeschichte wahrscheinlich besser aus als ich, der ich mit meinen Eltern so lange abseits unserer Sippe gelebt habe, ich bin mir sicher, dass sie irgendetwas mit uns zu tun hat, kannst du mir sagen, was?
    Und vor allem: warum taucht sie nicht im Stammbaum auf? Ich bin mir sicher, dass sie da nicht aufgeführt ist. Das kommt mir alles etwas obskur vor, und du kannst mir glauben: es ist nicht schön, zugeben zu müssen, dass mein Wissen über unsere Familie seine Grenzen hat. Ich erwarte ausführliche Antwort darüber!


    Wie dem auch sei, ich hoffe, eure Tochter erfreut sich bester Gesundheit, und wird die Zeit überstehen, in der die Asen sie prüfen werden!


    Mit besten Wünschen für unsere Sippe.


    Til ars ok frisar,


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    Titus Duccius Vala
    Scriba Personalis Tib. Prudentius Balbus
    Casa Prudentia | Collis Quirinalis | Roma | Italia
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    Doch Vala als bekennender Anhänger der schönen Weiblichkeit wollte sich nicht so leicht vom Thema abbringen lassen. Natürlich nur so lange, bis er erfuhr, dass die Quintilia dick und hässlich, oder gar noch ein Kind war, aber bis dahin konnte er ja noch frei in der Wunde herumstochern: "Ich bin versucht mich beleidigt zu geben, dass du uns nicht die Ehre zugestehst deine Schwester kennen zu lernen, Quintilius. Was für ein Wesen muss sie sein, wenn du sie vor uns versteckst?"


    Die folgende Frage ließ Vala hingegen stutzen, und erwischte ihn auf dem kalten Fuß. Eine Duccia Clara? Von der wusste er nichts... beziehungsweise: gab vor, nichts zu wissen, als er die Frage trocken zur Seite wischte: "Nein. Zumindest nicht, dass ich wüsste. Wahrscheinlich gehört sie einer anderen plebeischen Gens mit demselben Namen an."


    Er überlegte angestrengst, wusste jedoch nicht, wie er den Namen einordnen sollte. Vala war sich allerdings sicher, ihn schon einmal gehört zu haben, und das machte ihm klar, dass er wohl nicht genug über die eigenen familiären Zustände bescheid wusste, wie er glaubte. Oder sich so präsentierte. Er würde da an anderer Stelle nachhaken müssen, um Gewissheit zu erlangen.

    Zitat

    Original von Potitus Vescularius Salinator
    Der Scriba schaute sichtlich überrascht drein. "Das klingt nach einem längeren Gespräch." Er blickte in seine Wachstafeln, wobei seine Stirn tiefe Runzeln bildete. "Wie wäre es mit übermorgen? Zur fünften Stunde?*"


    "Ich werde da sein...", antwortete Vala, bedankte sich und verschwand wieder in Richtung des Praetorianertrakts.


    Zwei Tage später stand er zur verabredeten Zeit wieder im Officium des Schreibers, und meldete sich knapp selbst an.


    "Titus Duccius Vala, ich habe einen Termin beim Stadtpraefekten.", wer wusste schon, ob der Mann sich bei all dem Durchgangsverkehr hier jeden Namen merkte, oder es überhaupt vermochte?

    "Sehr gut.", meinte Vala, bevor er sich auch an den Kleinigkeiten verging, "Wann glaubst du, kann ich mit der Sache vorsprechen?"


    Er wollte weniger drängeln als einfach die Möglichkeit ausloten, seinen Terminplan entsprechend zu gestalten.

    "Schwester?", zog Vala unweigerlich eine Augenbraue hoch, bevor er es schaffte arglos und unschuldig zu wirken. Betont unauffällig blickte er in die Runde, konnte aber keine Frau erkennen, die nicht als helfende Hand irgendwo wirkte, und sah seinen Gastgeber gespielt vorwurfsvoll an: "Du unterschlägst uns deine Schwester?"


    Als Vala auf die Bemerkung über sein Arbeitspensum mit einer flapsigen Bemerkung antworten wollte, sah er an der Aufmerksamkeit der anderen Anwesenden, dass wieder jemand eingetreten war, und tatsächlich: sein Oheim hatte sich auch zu der illustren Runde gesellt.


    "Prudentius.", grüßte Vala den Praetorianerpräfekten knapp, hatte man sich kurz zuvor ja noch persönlich unterhalten.

    "Meine Arbeit hat mich bisher nur in den Kerngebieten der Stadt verkehren lassen, das stimmt.", gab Vala freimütig zu, und beobachtete interessiert wie die Köchin das Essen servierte. Zuhause war die Küche durch und durch traditionell gestimmt, römisches Essen kam kaum auf den Tisch, und wenn dann nur ausnahmsweise (mal von der Begeisterung für Oliven abgesehen, die einige in der Gens teilten). Und Valas Erfahrung mit Lebensmitteln war eh eine sehr eigentümliche: er war froh, wenn es überhaupt was zu essen gab. So kam ihm alleine schon dieser Gang vor wie ein Festmahl, weigerte sich sein durch Hunger und Entbehrung geprägter Geist standhaft, derartiges als Normal zu betrachten.


    "Eh, ich muss zugeben: nein. Als ich abgereist bin, steckte Vinicius Hungaricus gerade in den Vorbereitungen zu einer umfassenden Rundreise durch sein neues Herrschaftsgebiet, ich denke, das wird ihn einige Zeit lang beschäftigt halten."

    Und da kam es auch schon... auch wenn die junge Frau sich selbst zu rechtfertigen suchte, und sich gegen das Barbarentum als Status an sich aussprach, so rutschten die beiden doch in die ewig gleichen Unterhaltungen, die man führte, wenn einer von beiden kaum aus den eigenen vier Wänden herauskam. Vala bekam das Gefühl, in einem Käfig zu stecken und sich beglotzen lassen zu müssen.
    Aber sollte er es ihr anlasten, dass sie so war? Vielleicht war dieses Gefühl, das Vala beschlich, auch einfach nur übertrieben. Aber vielleicht auch nicht.


    "Ob es schön dort ist? Es ist anders... vollkommen anders. Ich weiß nicht, ob ich von Schönheit sprechen kann. Immerhin kann das, was man als schön bezeichnet auch ganz schnell das eigene Schicksal besiegeln. Es gibt einige, die von falscher Abenteuerlust und einer emotionalen Stimmung getrieben in meiner Heimat ihr Ende gefunden haben.", murmelte Vala, während sie weiter in Richtung Mercatus gingen, und versuchte nicht allzu angegriffen zu klingen, "Wenn ich mir Italia angucke, kann ich verstehen warum ihr Römer denkt, das Land das ihr Germania nennt sei ein einziges riesiges Stück Wald. Und tatsächlich ist es so, dass der Großteil der Stammesgebiete von Wald bedeckt sind, aber es gibt auch großflächige Sümpfe, und sumpfige Wälder, aber auch große Haine und Wiesen. Gefährlich? Natürlich sind sie das. Aber so wie ich es mitbekomme, sterben hier in Rom mehr Menschen an ihrer Stadt als wenn sie draußen leben würden. Man kommt damit zurecht, das ist der Lauf der Dinge. Wir sind Teil der Natur."


    Damit fasste Vala mal sehr, sehr knapp die Einstellung eines Angehörigen der germanischen Stämme zum Leben zusammen: es war Leben und Sterben, geben und nehmen, und das von und durch die Natur, die allgegenwärtig war. Natürlich begriff Vala, dass die Römer sich schon vor langer Zeit aus diesem Kreislauf herausgearbeitet haben, was aber für ihn nicht bedeutete, dass er das gleiche tun würde.


    "Das hängt davon ab, wie groß eine Sippe ist.", erläuterte er folgend die Lebenswelt in der Gemeinschaft, "Unsere Winter sind sehr kalt, über Monde hinweg hat man nur Eis und Schnee auf dem Dach und vor der Tür. Da tut man alles, um sich gegenseitig warm zu halten. Ihr habt eigene Zimmer, bei uns wärmt man sich, denn nur in der Gruppe überlebt man. Hätte man in einer einsamen Hufa draußen ein eigenes Zimmer, würde man sehr privat und sehr einsam im Winter erfrieren. Die Tiere leben meist mit im gleichen Haus, das stimmt, aber aus demselben Grund: sie halten das Haus mit warm, und erfrieren selber nicht. In größeren Dörfern gibt es auch Häuser, in denen kein Vieh lebt, weil die Gruppe an Menschen groß genug ist. Aber das ist eher die Ausnahme. In den Stammesgebieten im Reich sieht es dann wieder ganz anders aus: viele leben noch wie früher, aber in den Städten passen sich die Menschen schnell den anderen Lebensweisen an. Was nicht allen gefällt..."
    Wobei er vor allem an den erzkonservativen Albin dachte.

    "Wieso? Hast du es dir mit diesem Mann verscherzt?", hakte Vala nach, als Balbus ihm tatsächlich riet, ihn nicht bei einem Gespräch mit dem Mann zu erwähnen. Als Balbus über die weitere Karriereplanung des jungen Germanen nachdachte, konnte Vala es schon beinahe in seinem Kopf arbeiten hören, und schließlich rückte er mit zwei Namen heraus, von denen er den einen sogar mit einem Gesicht verbinden konnte.


    "Bei Senator Aurelius Corvinus bin ich sogar schon vorstellig geworden. Ich gehe mal davon aus, die beiden sind miteinander verwandt?", mutmaßte Vala ins blaue hinein. Zwar beschäftigte er sich immer mit einer Person, bevor er sie aufsuchte, hatte jedoch noch nicht die Muße gehabt die genaueren Verwandschaftsverhältnisse der Aurelii zu durchforsten.

    "Oh ja, das kann ich. Auch wenn ich jetzt froh bin, es doch so gemacht zu haben, wer weiß, wofür ich die Bude noch brauchen kann.", zog Vala ein eher positives Resumee aus dem ganzen Ärger, "Ich darf sagen, dass ich Rom mittlerweile viel besser kenne als bei unserem letzten Treffen, wobei ich immernoch das Gefühl habe, mich ständig verlaufen zu können. Und irgendwie haben alle Menschen, die ich treffe, irgendwas mit einem enorm hohen Tier zu tun. Man kann hier quasi garkeine unwichtigen Leute treffen. Was ich schon ein wenig merkwürdig finde."

    "Danke, dass ich so zeitig vortreten darf, Senator.", floskelte Vala gekonnt, als er in den Raum geführt wurde, und ließ sich wie angeboten auf einer Kline nieder. Der Versuch, seine Überraschung ob des Essens zu verbergen, gelang ihm nicht ganz. Was einfach daran lag, dass er sich immernoch nicht an die stete Verfügbarkeit von Nahrung gewöhnen konnte. Zeit seines Lebens hatte Vala mehr gehungert als gelebt, und jetzt auf einmal wurde er von allen Seiten mit Mahlzeiten bombardiert, die an einem Tag das in ihn hereinzwängen wollten, wofür er früher in einer Woche dankbar gewesen wäre.


    "...natürlich, vielen Dank.", holperte Vala dann nichtmehr ganz so eloquent durch die nächsten Worte, woran auch die Erwähnung der Renovierung nichts änderte. Er überlegte erst, ob er sich wirklich rausreden wollte, entschied sich dann aber für die nackte Wahrheit: "Um ehrlich zu sein, es war eine absolute Katastrophe. Ich habe mein Finanzvolumen gründlich überschätzt, und die Penetranz der Handwerker unterschätzt, wenn man so will. Das Heim meiner Familie war für ganze zwei Wochen besetzt, von Menschen, die durchaus einen Anspruch auf Vertragsgemäße Bezahlung hatten. Ich musste mir Geld von meinem Oheim leihen, um diese peinliche Situation zu lösen, aber mittlerweile ist alles wieder in Ordnung. Man kann in der Casa wohnen, ohne dass man Gefahr läuft, von herabfallenden Mauerstücken erschlagen zu werden. Und ich bin um die Erfahrung schlauer, dass Renovierungen in Rom genauso viel kosten wie ein ganzes Domus in Mogontiacum."

    Etwas perplex war Vala dann doch, als der Sklave ihn betont freundlich grüßte. War das nicht der gleiche Sklave gewesen, der Vala bei seinem ersten Besuch hier so so angeblafft hatte? Egal, er war wegen anderem hier. So steckte Vala dem Sklaven einen Dupondius zu, wie er es mittlerweile immer tat, wenn er irgendwo zu Gast war, und trat mit dankendem Nicken ein...

    Das war eine gute Frage, und so mussten Vala und Venusia kurz überlegen. Selbstverständlich kam es darauf an, auf welchen Zeitraum man das festlegte. Wenn man die letzten vier Menschenalter einrechnete, konnte man es mit viel Mühe auf ein Patt festlegen. Allerdings hatte das Familienglück seit der Leistung Landogars einen neuen Kurs genommen, auch wenn die Abkömmlinge Wolfriks stets weniger wurden. Die Ereignisse der letzten Zeit, Hochzeiten, Geburten, Rückkehren sprachen eigentlich eine deutliche Sprache.


    "Ich denke, wir können uns glücklich schätzen, das Fortuna uns seit einiger Zeit wohlgesonnen ist.", zog er schließlich das Resumé.

    Mit der Vorliebe der Patrizier für bissige Sklaven im Hinterkopf klopfte Vala am vereinbarten Tag zur vereinbarten Zeit an die große Porta der herrschaftlichen Villa, und machte sich auf eine neue Konfrontation mit den Haussklaven gefasst.

    "Das habe ich auch so verstanden...", lächelte Vala, auch wenn er vor garnicht allzulanger Zeit noch in der Acta gelesen hatte, dass die Hürde für den Cursus Honorum wohl höher war, als bislang angenommen.


    "Nun, da ich recht unangemeldet hier erschienen bin, möchte ich dich auch nicht über Dauer aufhalten. Vielleicht kannst du mir in den nächsten Tagen das Pferderennen näherbringen, das würde mich freuen. Vielen Dank für deine Zeit, Annaeus Varus. Vale bene!, komplimentierte Vala sich schließlich selbst aus dem Gespräch, er hatte die Zeit des Annaeers schon zu lange in Anspruch genommen, und auch andere Aufgaben und Termine warteten auf ihn selbst.

    "Der Senator Vinicius Lucianus weiß bereits davon. Prudentius Balbus selbstverständlich auch. Man hat mir auch aufgetragen, den Praefectus Urbi zu der Sache zu befragen, der Senator Aurelius Corvinus gehört auch zum Vertrauenkreis meines Patrons, und ist damit auch einer der ersten Ansprechpartner. Ist das von Belang?", hakte Vala nach, "Ich denke, du könntest mir einen Termin beim Konsul organisieren, und ich denke, es hat mehr Gewicht, wenn ich mit dir zusammen vorspreche, als wenn ich alleine als Niemand vor ihm auftauchte."

    Was er auch jetzt nicht würde... allerdings fragte Vala sich schon, warum er so verschwiegen tat, immerhin war seine Familie in Rom so gut wie unbekannt. Wenn man von ihrer Existenz wusste, dann wahrscheinlich in den Steuererhebungslisten, oder in den Soldlisten, die regelmäßig zur Rechtfertigung der Legatentätigkeit von Mogontiacum nach Rom geschickt wurde, also, was hatte er zu verlieren?


    "Meine Familie...", begann er, "..ist die Fortsetzung eines alten nubischen Adelgeschlechts. Selbst die Kartager hatten Angst vor unseren Vorfahren, und gar die Trojaner. Geboren wurde ich in einem riesigen Palast aus Elfenbein, doch das Glück meiner Familie stand unter einem bösen Stern: mein Vater hatte einen Bettler drei mal abgewiesen, welcher ihn daraufhin verfluchte. Was folgte, war Krieg und Verderben, wer Reich ist, hat Feinde, und so wurde meine Familie aus ihrem Heim vertrieben, von riesigen Elefanten wurde unsere Heim in tausend Stücke gerissen. Meine Eltern starben, und auch ich war kurz davor, von einem solchen Tier auf die Größe eines Sestercus..", er fischte in seiner Tasche herum, und zog eine kleine Münze hervor, die er gestenreich vor das Gesicht der Römerin hielt, um seine Bilder zu unterstreichen, "..zerdrückt zu werden. Gerettet wurde ich von einer Harpyre, eines jener geflügelten Monstrositäten, mit denen schon Iason es zu tun gehabt hatte. Aber mir gegenüber war es nicht feindlich gesinnt, es rettete mich aus den Klauen meiner Mörder, und flog mit mir nach Korsika, wo ich von einer Familie von Satyren aufgenommen wurde. Als ich alt genug war, sollte ich mich wieder unter Menschen begeben, und so machte ich mich auf den Weg... und ehe ich mich versah, war ich in Rom. Und traf dich. So gesehen, bist du das erste menschliche Wesen, dass mir seit Ewigkeiten unter die Augen gekommen ist."
    Vala wandte sich ab, und legte seine Hand nachdenklich an das eigene Kinn: "Sollte ich es als Gesinnungswechsel der Götter deuten, dass es gleich ein so hübsches ist?"


    Als er sich ihr wieder zuwandte, ließ er einige Sekunden verstreichen, um seine kleine Geschichte wirken zu lassen, bevor er zumindest annähernd mit der Wahrheit herausrückte, und das im krassen Kontrast zu seiner Erzählung auf sehr trockene Art und Weise: "Meine Familie gehörte einmal zu den Völkern, die ihr Barbaren nennt. Germani. Wir waren Bauern, mittlerweile sind wir es nicht mehr. Zumindest nicht alle."

    "Quintilius Manus war also euer Onkel? Das reicht mir, um zu verstehen... dann seid ihr mit Freya... entschuldigt... mit Sara näher verwandt als ich selbst.", schmunzelte Vala seine Gastgeber an, "Was allerdings nicht weiter verwunderlich ist. Unsere Sippe ist weitverstreut und gering in Zahl, da rücken auch entferntere Verwandte zusammen. Dann kann man das hier fast als kleines Familientreffen bezeichnen."


    Schließlich wurde Vala doch noch offiziell Willkommen geheißen, und er quittierte dies mit einem beifälligen Lächeln: "Ich muss für die Einladung danken, werte Quintilii.", während Valerian sich dem Claudier zuwandte, nahm Vala den von Sermo angebotenen Faden auf, "Nein, ich bin ihm noch nicht begegnet. Was allerdings daran liegen mag, dass ich eigentlich ständig unterwegs bin. Was mir auch die Möglichkeit nimmt, mich näher mit den Thermen zu beschäftigen. Und ich muss zugeben: schade finde ich das nicht."

    Von den Soldaten hergelotst, betrat Vala das Vorzimmer des Officiums des Stadtpräfekten nach kurzem Anklopfen, und stellte sich dem wartenden Scriba knapp vor: "Salve Scriba, mein Name ist Titus Duccius Vala. Ich bin gekommen um die Möglichkeit eines Gesprächstermins mit dem Praefectus Urbi zu erfragen. Es geht um ein Reformprojekt für die Provinzen."

    Soviel zum Thema Dezens und Unauffälligkeit. Vala wurde von einem Unbekannten, dessen Namen er nicht kannte, noch sich daran erinnerte auf der Einladung darauf hingewiesen worden zu sein. Oder vielleicht doch... der Vetter des Quintiliers wurde nicht explizit mit Namen erwähnt. Dann musste er dies allerdings sein.


    "Eh.. danke.", antwortete der ziemlich überrumpelte Germane, "Du musst entschuldigen wenn ich nicht sofort weiß, welche Gelegenheit du meinst."


    Hilflos zog er die Schultern hoch, und blickte den Römer entschuldigend an, während er sich zu erinnern versuchte, wie genau die Verwandtschaftsverhältnisse aussahen. Er wusste, dass ein Quintilier es in den duccischen Stammbaum geschafft hatte, in dem er eine Tochter Goswinis geheiratet hatte. Allerdings waren die Sprößlinge genau wie ihre Eltern bereits verstorben, soweit Vala sich erinnerte, was ein nicht allzu seltenes Schicksal in diesen Tagen war.


    "Also, wenn wir miteinander verwandt sind, musst du mich darüber aufklären, Quintilius, auf unserem Stammbaum in der Casa ist nur ein Quintilier verzeichnet, nicht aber die Verwandschaftsverhältnisse innert seiner eigenen Gens."


    Vala grüßte den Claudier währenddessen in dem er sehr unrömisch dessen Unterarm ergriff: "Schön, dass du es auch hergeschafft hast, Claudius."