"Nein, du kannst nichts dafür." gab Serrana widerwillig zu und begann jetzt eher unbewusst, eine von Sedulus' Schriftrollen auf dem Schreibtisch hin und her zu kegeln, während sie weitersprach. "Ich wünschte nur, ich könnte auch einmal in meinem Leben so anstrengend sein, dass dieser alte Drachen mich freiwillig in Ruhe lässt... "Bei der nächsten Bemerkung ihres Mannes fuhr sie gleich wieder in die Höhe. "Wie ich hier über sie rede? Wie redet sie denn über mich und das schon seit 10 Jahren? Sollte sie jemals versehentlich etwas Freundliches von sich geben, müsste ich ja davon ausgehen, dass sie geistig verwirrt ist oder totkrank, oder beides..." Eigentlich ein ganz angenehmes Szenario, wenn man genauer darüber nachdachte, aber das behielt Serrana lieber für sich. Wer wusste schon, ob ihr Mann dann nicht doch ernsthaft schockiert über die heimlichen Wunschgedanken seiner Gattin wäre. "Ach was, Gerede..." brummte sie schließlich. "Zeig mir nur einen Menschen in ganz Rom, der das nicht nachvollziehen könnte. Ausser Quadrata natürlich, aber die Ärmste steht ja auch schon seit 45 Jahren unter Großmutters Fuchtel." Serrana maulte noch ein Weilchen leise vor sich hin, dann änderte sich ihr Tonfall plötzlich und spiegelte jetzt weniger Ärger als Unsicherheit wider.
"Sag mal, Quintus...." begann sie zögerlich und auch deutlich leiser. "Findest du etwa auch, dass ich aussehe wie ein Ackergaul? So dick und hässlich?" Sie selbst sah sich schon geraume Zeit nicht mehr allzu gern im Spiegel an, und warum sollte es ihrem Mann da anders gehen?
Beiträge von Iunia Serrana
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Dass die junge Fremde sich für Religion, Serranas absolutes Leib und Magen-Thema interessierte, fachte deren Neugier gleich noch ein bisschen mehr an und sie schüttelte schnell den Kopf während sie erst Roxane und dann Aculeo anlächelte. "Nein, schon in Ordnung, ich habe Zeit. Die meisten Pflichten im Tempel kann ich zur Zeit ohnehin nicht wahrnehmen, weil ich als Schwangere von den kultischen Handlungen ausgeschlossen bin. Und mit den Vorbereitungen für die Reise nach Mantua kann ich auch noch später weitermachen." Sie drückte die Hände erneut in ihr Kreuz und wies dann auf eine recht gemütliche Sitzgruppe in einer Ecke der Bibliothek. "Würde es dir etwas ausmachen, wenn wir uns für das Gespräch hinsetzen, Roxane? Ich bin leider nicht mehr allzu gut zu Fuß und es fällt mir schwer lange zu stehen."
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Was sollte sie denn nun mit auf die Reise nehmen? Etwas historisches aus ihrer Lieblingsecke? Oder doch vielleicht eher etwas philosophisches wie Romana ihr geraten hatte? Serrana befand sich schon seit mehreren Stunden in der Bibliothek der Casa Germanica und stöberte in den Regalen auf der Suche nach passender Lektüre für ihre Reise und den vermutlich mehrwöchigen Aufenthalt in Mantua. Eigentlich konnte sie sich nicht vorstellen, dass sie sich in Gesellschaft ihrer Freundin Septima langweilen würde, aber vermutlich hatte die als Ehefrau des Legaten auch viele andere Pflichten. Und wer wusste schon, ob es in einem Castellum auch eine so umfangreiche Bibliothek gab? Ein wenig unschlüssig drehte sie gerade eine Schriftrolle von Cassius Hemina in ihren Händen hin und her, als sich plötzlich die Tür der Bibliothek öffnete. Serrana fuhr herum und lächelte, als sie Sedulus' jungen Verwandten Germananicus Aculeo erkannte.
"Salve, Aculeo, was treibt dich denn in die Bibliothek, hier hab ich dich bislang ja noch nie gesehen..." sagte sie mit einem Augenzwinkern und presste die Hand in ihr schmerzendes Kreuz. Seiit ihr Bauch von Tag zu Tag dicker zu werden schien, tauchten zunehmend auch einige körperliche Beeinträchtigungen auf, aber bislang kam sie damit noch ganz gut zurecht. Jetzt erst bemerkte Serrana, dass Aculeo nicht allein sondern in Begleitung einer jungen Frau etwa in ihrem Alter war und musterte diese neugierig, während sie darauf wartete, dass der junge Germanicus sie ihr vorstellte. -
"Das ist gut." Serranas Stimme war die Erleichterung deutlich anzuhören und sie schnaufte einmal durch. Natürlich war es albern, diese Geschichte vor ihrem Mann geheim zu halten, aber andererseits schien die Vorstellung, er könnte sie für albern halten wenn sie ihm alles erzählte, noch viel weniger wünschenswert zu sein. Nicht so bedrohlich wie ein baldiger Tod im Kindbett aber nichtsdestotrotz ausgesprochen unerfreulich. "Wenn du das sagst, dann wird es sicher stimmen, schließlich genießt du ja die Gunst der Götter." Ein erneutes kleines Schnaufen, nicht weniger erleichtert als beim ersten Mal. Es musste einfach gutgehen, wenn sogar eine Vestalin auf ihrer Seite stand....oder nicht? Am liebsten hätte Serrana Romana in einem der Gästezimmer, oder noch besser, direkt in den Räumlichkeiten neben ihrem Cubiculum einquartiert, um sie von jetzt an so nah wie eben möglich an ihrer Seite zu wissen, aber das war natürlich unmöglich und der Gedanke an sich schon im höchsten Maße kindisch und peinlich. Wie gut, dass Romana keine Gedanken lesen konnte? Oder vielleicht doch? Unsinn, natürlich nicht...Serrana seufzte und sah automatisch zum Eingang des Atriums hinüber. Vielleicht war es doch gut, wenn Romana jetzt ging, bevor ihre überreizte Freundin noch weitere Hirngespinste ausbrüten konnte.
"Ich werde da sein, Romana. Am Tempel des Sol in zwei Tagen mit allem, was für das Opfer nötig ist."sie sah erneut zur Tür hinüber. "Ich kann verstehen, dass du jetzt aufbrechen willst, schließlich hab ich dich schon lang genug aufgehalten. Aber um diese Zeit kann ich dich unmöglich allein zum Atrium Vestae zurückgehen lassen. Adula wird dich begleiten, sie ist genauso stark wie die meisten Männer und sicherlich geeigneter als ein männlicher Sklave." -
"Natürlich reicht dir das. Mir würde es auch reichen, sie nur einmal am Tag zu sehen." maulte Serrana. "Aber du hast ja das Glück, dass Großmutter dich entsetzlich anstrengend findet, zumindest sagt sie das ständig...Deshalb wartet sie vermutlich, bis du morgens verschwunden bist und lauert dann mir auf." Es ertönte ein empörtes Schnauben, während Serranas Füße, der Anmerkung ihres Mannes zum Trotz, weiterhin auf dem Boden umher scharrten und sich ihr Gesichtsausdruck immer mehr dem ihrer Stieftochter anglich, wenn diese kurz vor einem kombinierten Wut- und Heulanfall stand. "Und was heisst hier klare Fronten? Um bei Großmutter klare Fronten zu schaffen, müsste ich sie schon mit einer Amphore bewusstlos schlagen. Aber ich sag dir eins: wenn sie mir nur noch ein einziges, ein EINZIGES MAL sagt, dass ich meine Kleider aus einem anderen Stoff nähen lassen soll, damit ich nicht länger aussehe wie ein trächtiger Ackergaul, dann mache ich genau das, darauf kannst du dich verlassen!"
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Vielen vielen Dank euch allen
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"Nur einige Tage? Dann muss dieses Examen aber wirklich sehr wichtig sein, wenn du dafür eine derart lange Reise auf dich nimmst, noch dazu in dieser Jahreszeit." Serrana, die es bislang gerade einmal von der Campania bis nach Rom geschafft hatte, war aufrichtig beeindruckt,hing dann jedoch sofort wieder begierig an den Lippen des Quintiliers, um alle Neuigkeiten wie ein Schwamm aufzusaugen. "Natürlich kannst du das nicht. Allein bei der Vorstellung, Quintus könnte ohne mich eine derart lange Reise unternehmen, wird mir schon ganz flau..."Sie schüttelte unwillkürlich den Kopf, doch ihr Gesicht erhellte sich wieder sehr schnell, als Valerian ihr anbot, den Brief auch schon in seinem Beisein zu lesen. Vorsichtig öffnete sie das Schreiben und beim Anblick der so vertrauten Schrift entfuhr ihr automatisch ein wehmütiges Seufzen, bevor sie sich erneut an ihre Pflichten als Gastgeberin erinnerte, und einem der wartenden Sklaven ein Zeichen machte, verdünnten Wein zu servieren. Serrana überflog schnell die ersten Zeilen und seufzte dann erneut. "Und ob ich dick bin..." murmelte sie und legte automatisch die eine Hand auf ihren Bauch, bevor sie weiterlas, und auch das " ...ich vermisse dich auch, du glaubst gar nicht wie..." kam ihr eher gedankenabwesend über die Lippen, bevor sie erst nach einer ganzen Weile den Blick wieder hob und Valerian anlächelte, auch wenn dieses Lächeln ein wenig schief ausfiel. "Ich bin wirklich froh, dass es Calvena und dir gut geht, auch wenn ihr so weit weg seid. Glaubst du, es besteht Hoffnung, dass ihr bald wieder nach Rom zurückkehren könnt? Oh, da bist du ja, Quintus..." In Serranas Kehle bildete sich ein Knoten, und sie nutzte dankbar die wenigen Sekunden, in denen Valerian durch die Ankunft ihres Mannes abgelenkt war, um die aufsteigenden Tränen so unauffällig wie möglich wegzublinzeln. Je weiter ihre Schwangerschaft fortschritt, desto empfindlicher schien sie offenbar zu werden, so dass sie manchmal sogar wegen weit unwichtigeren Dingen einen Wutanfall bekam oder auch in Tränen ausbrach.
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Sie versuchte noch Sabina am Aussteigen zu hindern, doch die kleine Germanica war viel zu wendig und flink, während ihre Stiefmutter täglich unbeweglicher wurde. So griff deren Hand nur noch ins Leere, und mit einem Seufzen ließ sich Serrana zurück auf die Kissen fallen, um einfach abzuwarten, wie es mit der gerade begonnenen Reise weitergehen würde. Allzu lang musste sie nicht warten, dann stiegen Septima und eine weitere junge Frau ein, an deren Gesicht Serrana sich noch dunkel von ihrer Hochzeit erinnern konnte. Aber waren das nicht Zwillinge gewesen? Automatisch ging ihr Blick wieder zum Einstieg hinüber, aber weitere Mitreisende schienen nicht zu kommen. "Salvete, Septima, wie schön, dass wir ein Stück zusammen fahren können." begrüßte sie ihre ehemalige Pronuba mit einem aufrichtigen Strahlen. Wie wundervoll die Tiberia wieder einmal aussah, vor allem im direkten Vergleich mit ihr selbst, dachte Serrana nicht zum ersten Mal und auch nicht frei von Neid. Septimas Schwangerschaft war rein rechnerisch schon weiter fortgeschritten als ihre eigene, trotzdem wirkte sie nach wie vor elegant und ihr Körper trotz des Bauches wohlgeformt und schön. Serrana selbst dagegen fühlte sich von Tag zu Tag mehr wie ein dicker Sack Mehl. Alles an ihr schien irgendwie angeschwollen und unförmig zu sein, und selbst über ihre endlich zu nie geahnter Größe angewachsenen Brüste konnte Serrana sich nicht wirklich freuen, denn was brachte der schönste Busen, wenn man aussah wie ein kleines dickes Weinfass? "Verzeih mir, aber würdest du mir bitte deinen Namen verraten? Ich vermute, dass wir uns auf meiner Hochzeit vorgestellt worden sind, aber ich fürchte, ich kann mich nicht mehr erinnern. " bat sie schließlich mit einem entschuldigenden Lächeln die junge Aurelia und achtete darauf, dass ihre angeschwollenen Fußknöchel unter der Decke und damit den allgemeinen Blicken verborgen blieben. Unfassbar, selbst die sahen bei Septima schlank und rank wie immer aus...
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"Ja, du hast Recht, das sind wir wirklich. Aber bleib doch bitte sitzen, ...Valerian." sagte Serrana lächelnd, nachdem sich ihr Gast erhoben hatte und machte eine entsprechende Geste zur Sitzgruppe hin. "Du bist wegen des Examens Tertium hier in Rom? Wie lange wirst du denn dann in der Stadt bleiben? Für Calvena muss es doch furchtbar schwer gewesen sein, dich ziehen zu lassen, nicht wahr? Und wie geht es ihr denn überhaupt? Verläuft ihre Schwangerschaft gut? Und gefällt es euch in Mogontiacum?" sprudelte sie eine Frage nach der anderen hinaus, nachdem sie sich ein wenig schwerfällig und begleitet von einem kleinen erleichterten Seufzer neben ihm niedergelassen hatte und biss sich gleich darauf reichlich verlegen auf die Lippe. "Oh, entschuldige bitte, ich überfalle dich einfach mit meinen Fragen und biete dir noch nicht einmal etwas zu trinken an. Etwas Wein vielleicht, Saft oder Mulsum? Oder hast du Hunger? Ich kann in der Küche Bescheid geben, daß sie uns etwas herbringen." setzte Serrana schnell nach und bemühte sich, nicht allzu sehnsüchtig auf das noch ungeöffnete Schreiben in ihrer Hand zu schauen.
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"Sie meint es nur gut? Pah!" Serranas Flunsch war innerhalb von Sekunden zurück gekehrt, und sie verschränkte mit finsterer Miene die Arme vor ihrer Brust. "Du hast gut reden, du siehst sie ja nur bei den Mahlzeiten, oder wenn du mal was mit ihr zu besprechen hast. Ich dagegen hab sie am Hals, sobald ich morgens zum ersten Mal aus unserem Cubiculum komme." Auf Sedulus Bemerkung hin wurde Serrana schlagartig ein paar Nuancen blasser, dann stampfte sie erneut mit dem Fuß auf und funkelte ihn an. "Willst du damit etwa sagen, dass es nach der Geburt noch schlimmer wird? Oh nein, DAS werde ich NICHT mitmachen, das sag ich dir! Dann bleib ich halt mit dem Kind in Mantua oder ich ziehe mit ihm in den Tempel!"
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Im ersten Moment war sie sicher, sich verhört zu haben. Quintilius Valerian, Calvenas Mann? Hier in Rom? Unter normalen Umständen wäre Serrana die Gänge zum Atrium vermutlich entlang gerannt, aber so schnell kam sie mit ihrem dicken Babybauch längst nicht mehr voran. Und so dauerte es eine kleine Weile, bis sie ziemlich ausser Atem endlich das Atrium erreichte und mit vor Aufregung roten Wangen sofort auf den Besucher zueilte. Ja, das war ohne Zweifel wirklich Valerian, Calvenas inniggeliebter ehemaliger Praetorianer. Obwohl sie wusste, dass es Unsinn war, glitt Serranas Blick schnell und automatisch über den restlichen Raum, in der winzigen Hoffnung, ihre beste Freundin wäre auch dort und Gundrabhan hätte ihr dessen Ankunft verschwiegen, damit die Überraschung größer war. Natürlich war Calvena nicht zu sehen, aber der kleine Stich der Enttäuschung verschwand recht schnell wieder, dafür freute sie sich viel zu sehr auf die zu erwartenden Neuigkeiten aus dem fernen Germanien.
"Quintiliius Valerian, wie schön dich zu sehen. Was treibt dich denn nach Rom?" fragte Serrana mehr als neugierig, nachdem sie die letzten Meter zu ihrem Besucher zurückgelegt hatte.
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"Ah, das ist gut." Serrana stieß einen unüberhörbar erleichterten Seufzer aus und saß jetzt endlich halbwegs ruhig auf ihrem Stuhl, während sie mit der Hand gedankenverloren über ihren inzwischen kugelrunden Bauch strich und ärgerlich die Stirn runzelte. "Du glaubst gar nicht, wie furchtbar es im Moment mit ihr ist. Alles will sie mir vorschreiben: was ich essen soll und was nicht, welche Kleidung ihrer Meinung nach angemessen ist, wie ich mich zu bewegen habe, wie oft ich baden darf und zu welcher Zeit, und alles angeblich nur zum Besten unseres Kindes. Als ob es dem wichtig wäre, welche Farbe meine Palla hat, oder ob ich morgens oder abends ins Caldarium gehe..." Serrana schnaubte empört und schüttelte den Kopf. "Drei Tage sind noch eine lange Zeit, aber ich werd einfach an die Reise denken, sobald Großmutter den Mund aufmacht. Warst du eigentlich schon mal in Mantua? Wie ist es denn da so?"
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Serrana ließ sich nur höchst widerstrebend auf einem der Stühle nieder und wippte auch dann nervös und unübersehbar mit den Füßen. Die Information mit der warmen Kleidung war natürlich wichtig, sobald sie wieder in ihrem Zimmer war, würde sie sich auf die Suche machen oder noch einmal mit Adula zum Mercatus gehen. Dass Aculeo auf das Haus aufpassen würde, hörte sich auch gut an, der junge Germanicus war ein netter Kerl und Serrana hatte ihn mittlerweile ins Herz geschlossen. Sie nickte automatisch, doch dann durchfuhr sie plötzlich ein Gedanke und die Vorfreude wandelte sich schlagartig in Wachsamkeit und Misstrauen.
"Du meinst also, er bleibt als einziger von der Familie hier? Aber was ist denn mit Großmutter? Die will doch wohl nicht etwa auch mitkommen? Ich halte es unmöglich tagelang mit ihr in einem engen Reisewagen aus, da gehe ich lieber zu Fuß!" Trotzig stampfte Serrana mit eben diesem auf und zog einen Flunsch. Bislang hatte sie zwar noch keine besonderen Schwangerschaftsgelüste entwickelt, aber launisch war sie dafür umso mehr geworden und ihre Stimmung konnte innerhalb von Sekunden von himmelhoch jauchzend nach zu Tode betrübt umschlagen.
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"Mantua? Wir fahren nach Mantua? Zu Septima und ihrem Mann? Wirklich? Wann? Nun sag schon, Quintus, wann genau?" Serrana, die mit jedem Wort aufgeregter wurde, stand wild gestikulierend im Officium ihres Mannes und hibbelte herum, wie ein kleines Kind, das nicht still stehen konnte. Mantua war zwar nicht Germanien, aber immerhin: es war ein ganzes Stück von Rom entfernt, und bislang war die Iunia ihn ihrem Leben noch nicht allzu weit gekommen, was das Reisen betraf.
"Wenn es bald losgeht, dann muss ich sofort mit den Vorbereitungen anfangen.....was müssen wir denn bloß alles mitnehmen, das sind ja tausend Dinge....?Am besten fange ich in unserem Cubiculum an, oder doch besser in Sabinas Zimmer...oder...."Serrana drehte sich bei jeder Überlegung einmal um die eigene Achse, was angesichts ihres aktuellen Umfangs nicht allzu schnell und auch nicht besonders graziös gelang. -
"Auf ein derart aufwendiges Sühneritual würden die meisten sicher gern verzichten, aber ich fürchte, es wird einiges nötig sein, um die Pax Deorum wieder restlos herzustellen." murmelte Serrana, ohne den Kopf noch einmal zu heben und schlang stattdessen nur ihren Arm um den Oberkörper ihres Mannes, während sie es sich mit dem Kopf an seiner Schulter bequem machte. Bei den nächsten Worten wurde ihre Stimme sogar noch etwas leiser, bis sie kaum noch zu hören war und dann in tiefe und regelmäßige Atemzüge überging.
"Ja, das ist eine gute Idee..." -
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ArtanesMit äusserlich unbewegtem Gesicht beobachtete Artanes, wie der flavische Pontifex die Reihen der Toten abschritt und sich dann anschließend übergab. Ein wenig zartbesaitet kam ihm diese Reaktion schon vor, aber was ging es ihn schon an, wie ein Patrizier, der vermutlich Zeit seines Lebens von Luxus und Wohlgerüchen umgeben gewesen war, beim Anblick all dieser zertrampelten und bereits in Verwesung übergehenden Leiber empfinden mochte.
"Ja, das kann ich mir vorstellen." entgegnete er daher nur auf die Anmerkung des Flavius. "Weil wir gerade mit der Opferzeremonie beginnen wollten, war der Hain überfüllt mit Menschen, und nur die wenigsten haben es geschafft rechtzeitig zu fliehen, als diese Rinder plötzlich aus dem Nichts auftauchten." Als die Erinnerung an die vorherige Nacht wieder vor seinem inneren Auge auftauchte, glitt Artanes' Blick ein wenig geistesabwesend zwischen den Bäumen hin und her, dann jedoch nickte er mit einem bitteren Zug um den Mund.
"Und ob ich das kann. Nur die Götter wissen, wie lange ich dieses Amt noch innehaben werde, aber diese Stelle werde ganz sicher nie mehr vergessen, die hat sich für immer und ewig in mein Hirn eingebrannt." Er bedeutete dem Pontifex ihm zu folgen und bewegte sich dann ohne zu zögern einige Meter von den übrigen Leichen hinweg, bis sie plötzlich vor einer einzelnen, ebenfalls mit einem Tuch verhüllten Gestalt am Boden zu stehen kamen. "Genau hier ist es gewesen, und wie du siehst, ist sogar der Ermordete noch da, obwohl auch er von den Rindern noch einiges abgekommen hat, was ihn allerdings wohl kaum noch beindruckt haben dürfte. Keiner meiner Gehilfen war dazu zu bewegen, diesen Mann zu berühren und ihn zu den anderen zu tragen, da er ja offensichtlich an dem Frevel beteiligt war."
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Im Inneren des Reisewagens saß Serrana bereits wie auf heissen Kohlen. Ihre erste große Reise, endlich! Aus Sicht vieler Römer zwar nicht wirklich allzu weit, schließlich ging es ja nur bis nach Mantua, aber der Weg von Nola nach Rom war nur halb so lang gewesen. Serrana rückte ein wenig auf den Kissen hin und her, um für sich und ihren immer umfangreicher werdenden Bauch eine halbwegs bequeme Position zu finden, und versuchte sich Sabina gegenüber nicht allzu viel von ihrer Unruhe und Aufregung anmerken zu lassen. Schade nur, dass die Wagen geschlossen waren, und sie auf diese Weise kaum etwas von der vorüberziehenden Landschaft zu sehen bekommen würde... Von draussen drangen jetzt die Stimmen von Sedulus und seinem Freund Aurelius Ursus ins Wageninnere, und Serrana richtete sich hoffnungsvoll auf. Septima würde vielleicht zusteigen? Das wäre natürlich wunderbar, denn dann hätte sie genug Unterhaltung, auch ohne nach draussen sehen zu müssen. Mit Sabina und Sedulus konnte sie sich natürlich auch unterhalten, aber eine andere und noch dazu fast gleichaltrige Frau war natürlich ganz was anderes!
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"Späße? Die Götter? Na, ich weiß nicht." entgegnete Serrana nach wie vor völlig ironiefrei und schüttelte den Kopf. "Ich hab aber auf jeden Fall keinen Scherz gemacht, es hat auch schon früher große Reinigungsrituale gegeben, an denen sich auch die Senatoren beteiligt haben. So etwa in der Art wie bei dem Lustrum auf dem Marsfeld, nur dass die Sänfte mit den Opfertieren eventuell viel weiter getragen werden muss als um die anwesenden Menschen herum. Ich glaube, ich hab mal was von einem Fall aus der Zeit der Republik gelesen, da wurden die Tiere von den Senatoren mehrmals um die ganze Servianische Mauer getragen, stell dir das nur mal vor." Allein durch die Vorstellung eines solchen Zuges, angeführt von den Flamines und den übrigen Priestern, verspürte Serrana schon ein aufgeregtes Kribbeln, wobei es alles andere als klar war, ob sie selbst aufgrund ihrer Schwangerschaft überhaupt würde dabei sein können. Sie seufzte mit unüberhörbarem Bedauern, allerdings erhellten sich ihre Gesichtszüge bei der letzten Bemerkung ihres Mannes und dem darauf folgenden Kuss recht schnell wieder. "Ja, das bin ich auch."
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"Spaß? Man treibt doch keinen Spaß mit den Göttern!" schnaubte Serrana empört und funkelte ihren Mann missbilligend an, wobei ihr die Erleichterung darüber, dass er seine Bemerkung nicht wirklich ernst gemeint hatte, deutlich anzusehen war. Einen besonders ausgeprägten Sinn für Komik hatte sie ohnehin noch nie besessen, und ganz besonders humorlos präsentierte sich Serrana nach wie vor auf dem Gebiet des Cultus, auch wenn sie schon in vielen anderen Bereichen des Lebens viel unverkrampfter geworden war, seit sie ihr Leben mit Sedulus teilte. Dessen nächste Bemerkung entlockte ihr gleich das nächste unwillige Knurren und Kopfschütteln. "Natürlich sind sie noch nicht milde gestimmt, wie stellst du dir denn das vor? Dass Pontifex Tiberius einmal bei Diana um Entschuldigung bittet, und dann ist alles gleich wieder in Ordnung? Es wird noch viel Zeit und Mühen kosten, um die Götter wieder zu besänftigen, und vielleicht werden deine Senatskollegen und du euch auch daran beteiligen müssen." Allmählich spürte Serrana immer deutlicher, wie sehr sie die stundenlange Weinerei und die Streitereien dieses Tages ausgelaugt hatten und unterdrückte nur mit Mühen ein aufsteigendes Gähnen, bevor sie Sedulus kurz über die Brust strich. "Aber lassen wir das, ich weiß ja, dass ich in Fragen, die die Götter betreffen, von dir keine Wunderdinge erwarten kann. Das wusste ich schon von Anfang an, und trotzdem hab ich dich gern geheiratet und das nie bereut." Serrana legte die Hand vor den Mund und gähnte erneut, diesmal etwas lauter und machte es sich dann an Sedulus' Seite etwas bequemer.
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Jetzt war es Serranas Gesicht, auf dem sich plötzlich Entsetzen gemischt mit Ungläubigkeit ausbreitete. "Ausländischen Gottheiten opfern? Oh, gütige Minerva, natürlich nicht, was für eine Vorstellung, wie kommst du denn nur auf so eine Idee?" Die griechischen Götter waren dabei natürlich ausgenommen, schließlich entsprachen diese von den Namen einmal abgesehen im großen und ganzen den römischen, aber die ägyptischem, und noch schlimmer, die germanischen? Die wurden doch schließlich von unzivilisierten Barbaren angebetet! Serrana schüttelte energisch den Kopf und fuchtelte dabei mit den Armen herum, während ihre Stimme leicht kieksig wurde. "Die Pax Deorum ist durch den Frevel von Nemi ohnehin noch gestört, da sollten wir alles tun, um unsere, und ich meine UNSERE Götter milde zu stimmen." Serrana spürte, wie sie allmählich wieder einen hochroten Kopf bekam, etwas, dass ihr nur passierte, wenn sie wegen irgendeiner Sache sehr verlegen war oder begann, sich in etwas hineinzusteigern.