Beiträge von Iunia Serrana

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    Adula



    Eigentlich war Adula es weder gewohnt, noch wusste sie es zu schätzen, wenn jemand sich Umstände machte, selbst wenn es nur darum ging ihr einen Platz auf einer Bank anzubieten.
    In Gegenwart des Germanen war sie jedoch wie bei den früheren seltenen Gelegenheiten ungewohnt milde gestimmt und ließ sich mit einem weiteren Brummen, das so etwas wie Dank signalisieren sollte, nieder, nachdem sie Baldemar eine Weile durch das Haus bis zu der entsprechenden Sitzgelegenheit gefolgt war.


    "Eine Nachricht von Domina Serrana." sagte sie dann knapp und hielt ebendiese in die Höhe. Für wen die Notiz bestimmt war, erwähnte Adula nicht, wem sollte ihre Herrin in diesem Haus auch schreiben sollen wenn nicht der Tiberia?

    Serrana erwiderte den entsetzten Blick ihres Mannes mit aufrichtigem Erstaunen. "Findest du, dass das viele sind? Dabei hab ich doch nur ein paar von den wichtigsten genannt, eigentlich wären da auch noch Alemonia, Candelifera, Edgeria, Nascio, Partula und Quiritis, von Diana ganz zu schweigen." zählte sie an den Fingern ab und sah Sedulus dann wieder abwartend an. "Aber wenn dir das lieber ist, dann fangen wir erst einmal mit Iuno an und sehen dann weiter." Serrana selbst hätte es nicht viel ausgemacht, die Heiligtümer all dieser Gottheiten abzulaufen, da sie sich in einem Tempel fast wohler fühlte als daheim, aber mittlerweile kannte sie ihren Mann gut genug um zu wissen, dass die Dinge bei ihm in dieser Hinsicht etwas anders lagen.

    Serrana sah ein wenig überrascht zu Sabina hinunter, als diese sich beschwerte, ihr sei langweilig. In knapp zehn Jahren würde die Kleine genauso alt sein wie sie jetzt und vielleicht ebenfalls bereits verheiratet oder zumindest verlobt, und dann würden derartige Dinge zu ihrem Alltag gehören und ihr reibungsloser Ablauf selbstverständlich von ihr verlangt werden. Vielleicht war es ein Glück, dass Großmutter Laevina nicht mit auf den Markt gekommen war, die alte Dame hätte vermutlich deutlich weniger Geduld mit Bemerkungen dieser Art gezeigt.


    "Sabina, ich weiß, dass das nicht sehr interessant für dich ist, aber irgendwann mal wirst du einen eigenen Haushalt führen und dann solltest du wissen, wie diese Dinge am besten gehandhabt werden..." setzte sie gerade zu einer Erklärung an, als sie ihren Mann und dessen jungen Verwandten in der Menge entdeckte.


    "Quintus, wir hatten vermutet, dass du nicht genug Zeit haben würdest, uns hierher zu begleiten, und ich musste mich dringend mal ein bisschen bewegen, daher habe ich Abiras gezwungen uns mitzunehmen." sagte sie an Sedulus gewandt und lächelte auch dessen Begleiter zu. "Salve, Aculeo, scheinbar ist unsere halbe Casa heute hier anwesend. Der Sklave dort oben macht auf mich einen guten Eindruck, ich denke er könnte vielleicht ein geeigneter Lehrer für Sabina sein, meint ihr nicht auch?"

    "Oh, natürlich werde ich das, wir werden schon das passende finden." Serranas Eifer war jetzt endgültig geweckt, hatte alle Ängste und Nöte dieses Tages erfolgreich verdrängt, und meilenweit von der Vermutung entfernt, dass es für andere Menschen auch nur ansatzweise spannendere Dinge geben könnte als die Götter und deren jeweilige Vorlieben und Empfindlichkeiten, stützte sie beide Ellbogen auf Sedulus Brust auf, legte ihr Kinn auf die Handflächen und dachte laut über die verschiedenen Möglichkeiten nach. "Zuerst einmal müssten wir uns einigen, wem wir alles opfern wollen. Iuno natürlich, das steht ja ausser Frage. Und was hältst du von Lucina, Carmenta und Ops?" Ein kurzes Stirnrunzeln, dann ging es gleich weiter. "Oh, und Deverra natürlich und Decima, und Nona sollten wir auch nicht aussen vor lassen, wenn wir wirklich sicher gehen wollen. Was meinst du?"

    Ein wenig ausser Atem blieb Serrana neben ihrer Stieftochter und dem Sklaven stehen und warf einen einen prüfenden Blick hinauf auf die Tribüne und den jungen Mann, der dort gerade zum Verkauf angeboten wurde.


    "Ja, du hast Recht." sagte sie schließlich an Abaris gewandt. "Er macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck auf mich, vielleicht sollten wir mitbieten, wenn wir mit dem zufrieden sind, was der Händler über ihn zu berichten hat, und was er uns selbst erzählt. Sabina ist alt genug für einen Hauslehrer, und Volubilis Vitale ist ja leider in Germanien gestorben und wird sie nicht mehr unterrichten können, wie Senator Sedulus und ich das seinerzeit geplant hatten." Mit einem kaum hörbaren Seufzer drückte Serrana das schmerzende Kreuz durch und sah dann wieder gespannt nach oben zu dem jungen Sklaven, um auf weitere Äusserungen zu warten. Als sie aus der Zuschauermenge eine weitere Frage an den Händler hörte, sah sie automatisch hinüber und erkannte ihren ehemaligen Schüler Flavius Flaccus, dem sie aufrichtig erfreut zulächelte. Vielleicht würde sich später ja noch die Gelegenheit ergeben, sich kurz mit ihm zu unterhalten.

    Romanas beschwichtigender Geste zum Trotz spürte Serrana, wie die Verlegenheit wie eine heisse Woge in ihr Gesicht stieg und begann jetzt, an ihren Fingern herum zu zupfen, während sie weiterhin angestrengt nach unten sah.


    "Oh, du darfst nicht denken, dass Quintus nicht für mich da ist, das ist er nämlich immer. Ich...ähm,...ich hab ihm auch gesagt, dass ich Angst vor der Geburt habe wegen der Geschichte mit meiner Mutter, und er hat wirklich sehr lieb reagiert. Aber..ähm...das mit der Leberschau, das weiß er nicht, ich wusste ja selbst die ganze Zeit nicht genau, ob du...ähm...also...ähm ob ich mir etwas eingebildet hab oder nicht." Serrana holte ein wenig zittrig Luft, sah jedoch erleichtert auf, als Romana ihr versprach, Sedulus nichts von der ganzen Sache zu erzählen, und nickte eifrig.


    "Ich danke dir, Romana. Wir können es ihm gern später irgendwann erzählen, falls die Opfer gut verlaufen sollten, aber jetzt lieber noch nicht. Und ein Tag reicht mir auf jeden Fall, um die Opfergaben für Sol zu besorgen, ich werde mich morgen früh sofort auf den Weg machen." Serrana atmete noch ein paar mal tief ein und aus, und ihr Gesichtsausdruck spiegelte das ganze Wirrwarr von Gefühlen und Gedanken wider, die in diesem Moment durch sie hindurch zogen: nach wie vor eine gehörige Portion Angst und Nervosität, aber auch neue Zuversicht und Hoffnung und nicht zuletzt Zuneigung und Dankbarkeit für die resolute Freundin. "Kann ich dir jetzt vielleicht etwas anbieten? Etwas zu essen oder zu trinken, oder irgendetwas anderes?"

    Gewonnen? Als eine Art Wettstreit hatte sie es bislang eigentlich noch gar nicht gesehen, trotzdem huschte unwillkürlich ein kleines zufriedenes Lächeln über Serranas Gesicht. Sie beugte sich vor und küsste ihn, bevor sie in Gedanken bereits das Opfer durchspielte.


    "Meine Unterstützung hast du doch immer. Ich werde dir alles genau erklären und auch mit dir zum Tempel kommen, aber hinein musst du dann allein, weil ich an kultischen Handlungen nicht teilnehmen darf." Bei dem Wort "Getier" legte Serrana überrascht den Kopf schief, musste dann jedoch wider Willen schmunzeln. "Nun, das kommt ganz auf dich an und wie wichtig dir dieses Opfer ist. Du musst den Göttern nicht unbedingt ein Tier opfern, unblutige Gaben gehen natürlich auch. Sie müssten nur zur der jeweiligen Gottheit passen."

    Wegen eines Todesfalls in meinem engsten Famlienkreis kann ich für die nächsten Tage nicht sagen, ob und wie ich etwas schreiben kann. Bitte habt mit Serrana und ihren Neben-IDs in dieser Zeit Geduld.

    "Angestellt? Was heisst denn angestellt?" Serrana stützte sich mit einem Ellenbogen auf, um es ein wenig bequemer zu haben und schüttelte ungeduldig den Kopf, während sie ihren Mann eindringlich musterte. "Du magst vielleicht keine Routine haben, aber du hast keinen Fehler gemacht, als wir damals zusammen im Tempel waren und du mir geholfen hast. Und sowohl Minerva als auch Venus haben unser Opfer damals angenommen, warum sollte es also diesmal schiefgehen?"

    Mit deutlich mehr Faszination als Sachverstand hatte auch Serrana den bisherigen Kampf verfolgt und sich immer wieder mal auf ihrem Platz in die Höhe gereckt, um besser sehen zu können. Als der Retiarius schließlich von seinem Gegner an der Seite getroffen wurde und zu bluten begann, zuckte sie leicht zusammen und verfolgte mit zunehmender Anspannung, wie er zunächst weiter kämpfte, dabei jedoch nach und nach immer schwächer zu werden schien.


    "Was passiert denn jetzt?" fragte sie an ihren Mann gewandt, doch ihr Blick blieb auf dem Gladiator hängen, der mit unbewegter Miene seine Waffe hingeworfen und sich selbst auf die Knie hatte fallen lassen. "Tötet der andere ihn jetzt etwa?" Eigentlich kaum vorstellbar, so ruhig, wie der unterlegene Kämpfer nach wie vor wirkte.

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    Adula



    Es gab vermutlich wenige Menschen in Rom, die derart entspannt in sich selbst ruhten und sich dieses Geschenks so wenig bewusst waren wie Adula. Frei von jener unbehaglichen Nervosität, die so häufig ihre Herrin zu befallen pflegte, wartete sie geduldig auf den dunkelhäutigen Ianitor, der gewöhnlich die Porta der Villa Aurelia öffnete und blinzelte erstaunt, als ihr plötzlich der germanische Leibwächter der Tiberia gegenüberstand, ein Anblick, der sie zu ihrer eigenen Überraschung sogar ein wenig heiter stimmte.


    "Heilsa, Baldemar." brummte sie mit einem Ausdruck im Gesicht, den man mit viel Phantasie sogar als die Andeutung eines Lächelns interpretieren konnte, und trat an ihm vorbei ins Innere des Hauses. Eigentlich ein günstiger Moment, um ihr Anliegen vorzubringen, aber dafür musste sie sich jetzt erstmal wieder sammeln, und er erwartete scheinbar auch nicht von ihr, dass sie auf ihn einredete wie ein Wasserfall.

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    Artanes


    Als der Pontifex den Tempel erwähnte, hatte sich Artanes automatisch zu der geöffneten Porta in seinem Rücken umgedreht, schüttelte dann jedoch schnell den Kopf und machte eine Bewegung hin zu den Bäumen des Hains.


    "Nein, der Tempel selbst ist unversehrt. Der Unwille der Göttin hat ausschließlich den Hain selbst getroffen, vielleicht weil auch der Frevel dort verübt worden ist." Er trat am Flavier vorbei ins Freie und machte ein paar Schritte auf die nächstgelegenen Bäume zu, zwischen denen etliche verhüllte Körper zu sehen waren.


    "Dort vorn haben wir die Leichen derer gesammelt, die durch die Rinderherde zu Tode gekommen sind. Die leichter Verletzten sind zum größten Teil bereits wieder in die Stadt zurück gekehrt, aber von den übrigen befinden sich noch einige im Tempel und werden dort so gut, wie es uns möglich ist, versorgt."

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    Adula



    Seit ihre Herrin von Tag zu Tag rundlicher und damit auch immer unbeweglicher wurde, nahm auch die Zahl von Botengängen und sonstigen Erledigungen, mit denen diese sie beauftragte stetig zu. Adula war das nur recht, Bewegung an der frischen Luft war ihr allemal lieber, als irgendwo in der Casa Germanica auf Abruf bereit zu stehen oder im schlimmsten Fall gar zu irgendwelchen hausfraulichen Tätigkeiten abkommandiert zu werden, zumal derartige Experimente meist für beide Seiten sehr unbefriedigend endeten.
    Heute schien Fortuna der großen Sklavin jedoch hold zu sein, denn sie hatte nicht nur einen Brief der Iunia an Tiberia Septima zu übergeben, sondern danach auch noch einige Besorgungen auf dem Mercatus zu erledigen, die vermutlich einige Zeit in Anspruch nehmen würden. Gut gelaunt hob Adula ihren muskulösen Arm und klopfte schwungvoll an die Porta.

    "Ein Opfer?" Serrana hob den Kopf und sah ihren Mann erst überrascht und dann bedauernd an. "Das wäre natürlich eine Möglichkeit, aber ich darf nicht opfern, solange ich ein Kind erwarte. Schwangere Frauen sind von allen Opferhandlungen ausgeschlossen, deshalb darf ich meinen Schüler auch nur theoretisch unterrichten. Alles, was die Praxis betrifft, hat eine andere Aeditua übernommen." Serrana seufzte leise und wollte sich gerade wieder hinlegen, als ihr ein Gedanke kam und ihre Augen zu funkeln begannen.


    "Quintus, ich kann den Göttern zur Zeit kein Opfer bringen, aber du könntest es! Ich würde dir genau erklären, was du machen musst, und darüber hinaus gibt es in jedem Tempel immer Priester, die einem helfen können, wenn man das möchte. Was meinst du?"

    "Schlau? Ach, ich weiß nicht..." antwortete Serrana abwiegelnd, doch auf ihrem Gesicht erschien jetzt ein unzweifelhaft geschmeicheltes Lächeln. Irgendwie tat es ihr genauso gut, für intelligent wie für schön gehalten zu werden, wenn auch aus ganz anderen Gründen. Und natürlich war es um einiges unverfänglicher! "Ja, mach das, Sedulus wird sich sicher gern Zeit für dich nehmen." nickte sie dann und gleich darauf noch einmal, als Umbricius sich ihr als Begleitschutz anbot. "Das ist sehr fürsorglich und nett von dir. Normalerweise fühle ich mich in der Stadt immer sicher, denn meine Leibsklavin ist so riesig und stark, dass sie es mit fast jedem Mann in Rom aufnimmt. Wenn wir zur Schola gehen, lernst du sie auf jeden Fall kennen, falls du sie nicht schon irgendwo hier im Haus gesehen hast. Sie ist wirklich ziemlich auffällig für eine Frau, weißt du? Sehr groß und muskulös..." Während sie über Adula sprach, hatte Serrana automatisch mit Händen und Füßen geredet, um deren beeindruckenden körperliche Attribute auch deutlich machen zu können. Erst reckte sie sich mit ausgestrecktem Arm ein Stück in die Höhe und deutete dann mit den Händen den Umfang der muskelbepackten Oberarme ihrer Sklavin an. Erst als Umbricius von ihrer Schwangerschaft anfing, ließ sie die Arme wieder sinken, und ihr Blick folgte dem seinen hinab zu ihrem immer noch absolut flachen Bauch.


    "Da geht es mir ganz ähnlich." sagte sie nach einer Weile und strich nachdenklich an dieser Stelle über den Stoff ihrer Tunika. "Es ist ein seltsames Gefühl, so schnell schon schwanger zu sein. Wenn das Kind geboren wird, dann bin ich immer noch sechzehn, und Matrone hört sich so furchtbar alt und erwachsen an, findest du nicht?"

    Flaccus wirkte jetzt aufrichtig irritiert wegen ihrer Nachfrage, und nach kurzer Zeit hob Serrana die Hand winkte lächelnd ab. "Entschuldige bitte, ich glaube, ich habe dich jetzt auf eine völlig falsche Fährte gelockt. Im Grunde wollte ich nur auf das Geschlecht des Opfertiers hinaus, aber das ist vermutlich selbstverständlich." Sie warf einen kurzen Blick auf ihre Notizen, die sie vor sich auf dem Tisch ausgebreitet hatte und hob dann den Blick, um Flaccus wieder anzusehen. "Ich denke, wir sollten an dieser Stelle für heute Schluss machen. Mir ging es in erster Linie darum, dich, deine Einstellung und deine Kenntnisse ein wenig kennenzulernen, damit ich den weiteren Unterricht besser planen und vorbereiten kann. Was hältst du davon, wenn wir uns morgen um die selbe Zeit hier wieder treffen? Dann würde ich gern auf die rituellen Besonderheiten der einzelnen Feiertage eingehen."

    Sim-Off:

    Familienwertkarte bitte




    Ad
    Germanica Calvena
    Casa Quintilia
    Mogontiacum
    Germania



    Liebe Calvena,


    Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich gefreut habe, dass du auch schwanger bist! So wie die Dinge stehen, werden unsere Kinder wohl nur kurz hinter einander zur Welt kommen, und vielleicht wird ihnen ja eine ähnliche Freundschaft zueinander geschenkt werden, wie es bei uns beiden der Fall ist. Ist es nicht seltsam? Vor einem Jahr haben wir noch gemeinsam für unsere Prüfung gelernt, und ich hatte mich gerade in deinen Onkel verliebt und traute mich nicht, es dir zu erzählen. Irgendwie sind die Monate seitdem wie im Fluge vergangen, und plötzlich sind wir beide verheiratet und werden bald Mütter sein. In meinem Fall muss es wirklich bald sein, denn mein Bauch ist inzwischen so dick, dass ich mir kaum vorstellen kann, wie der noch größer werden soll. Septima sieht trotz ihrer Schwangerschaft immer noch elegant aus, aber ich fühle mich allmählich wie ein kleines dickes Fass. Doch ich will mich nicht beschweren, vom meinem Aussehen abgesehen geht es mir nämlich endlich wieder etwas besser und ich habe nicht mehr ganz so furchtbare Angst, wenn ich an die Geburt denke. Calvena, du glaubst gar nicht, wie dankbar ich dir dafür bin, dass du mich nach deiner Abreise zu Romana geschickt hast! Von allein hätte ich mich niemals zu den Vestalinnen getraut, und Romana hat mittlerweile schon so viel für mich getan. Wenn ich allein an all die Stunden denke, in denen sie mit mir die Heiligtümer all der Götter abgelaufen ist, die sich bei der Leberschau so verärgert gezeigt haben. Das war wirklich anstrengend, aber sie war immer geduldig und hat sich große Mühe bei den Opfern gegeben. Wir sind immer noch nicht ganz durch, aber bislang ist alles gut gegangen, und mit jeder Litatio werde ich ein wenig ruhiger und zuversichtlicher.
    Doch auch, wenn es um mich herum wieder etwas heller wird, so scheint doch immer noch der Zorn der Götter über unserer Stadt zu liegen und ständig neue Opfer zu suchen. Der Selbstmord von Axillas Mann war ja schon schlimm genug, aber vor kurzem haben sich auch der Pontifex Aurelius und seine Frau aus heiterem Himmel das Leben genommen. Natürlich gibt es unendlich viele Gerüchte, es gibt sogar Leute, die behaupten, dass Flavia Celerina irgendwie in den Frevel von Nemi verwickelt war, aber das kann doch unmöglich wahr sein, oder? Jedenfalls fällt es mir unglaublich schwer mir vorzustellen, dass die beiden tot sind, schließlich waren sie doch jung und gesund und gehörten zu den mächtigsten Menschen in ganz Rom. Aurelius Corvinus habe ich das letzte mal gesehen, als er mir den Unterricht für einen Schüler übertragen hat, da wirkte er zwar manchmal etwas seltsam, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass er sich bald das Leben nehmen würde. Und ja, du hast richtig gelesen, ich habe tatsächlich meinen ersten Schüler unterrichtet, unglaublich, nicht wahr? Sein Name ist Flavius Flaccus, und es hat wirklich Spaß gemacht, ihn auf die Prüfung vorzubereiten, die er auch problemlos bestanden hat. Wer weiß, vielleicht bekomme ich ja bald einen neuen Schüler und kann den dann auch praktisch unterweisen, das war mir diesmal wegen meiner Schwangerschaft ja leider noch nicht möglich.
    So, jetzt höre ich aber auf zu schreiben und schicke Adula direkt zur Postannahme, damit du meinen Brief auch so schnell wie möglich bekommst. Schreib mir doch bitte, wie es dir und Valerian in der Zwischenzeit ergangen ist und ob es vielleicht Aussichten gibt, dass ihr endlich wieder nach Rom zurückkehren könnt, damit wir uns endlich wieder sehen.


    mögen die Götter über dich, deinen Mann und euer ungeborenes Kind wachen,


    alles Liebe,
    Serrana

    Ein Sohn also. Natürlich wollte er zuerst einen Sohn, im Grunde hätte sie sich diese Frage wirklich sparen können. Serranas Finger glitten über die Wölbung ihres Bauches, als könnte sie auf diese Weise das Geschlecht ihres noch so winzigen Kindes erfühlen, und plötzlich gesellte sich zu der unterschwellig ohnehin immer präsenten Angst noch eine weitere. Wenn bei der Geburt alles glatt lief, und sie eine Tochter bekam, dann würde Sedulus enttäuscht sein, auch wenn er jetzt vom Willen der Götter sprach. Immerhin würde sie die Chance haben, danach vielleicht noch einen Sohn zu bekommen, aber was, wenn sie nun wirklich starb und ihr Kind war ein Mädchen? Dann würde er sich früher oder später eine neue Frau suchen müssen, um doch noch einen Sohn zu bekommen. Serrana biss sich auf die Unterlippe, so schmerzhaft war diese Vorstellung, dass sie nicht eine Sekunde länger darüber nachdenken wollte. Nein, wenn sie schon sterben musste, dann wenigstens als die Mutter seines Erben, diesen Status würde ihr dann niemand mehr nehmen können...


    "Dann wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als uns dem Willen der Götter zu beugen." sagte sie schließlich und versuchte, ihre Stimme so unbeschwert wie möglich klingen zu lassen und starrte wieder einmal den Stoff von Sedulus' Tunika an.

    Als Romana von einer roten Kuh anfing, sah Serrana sie für den Bruchteil einer Sekunde leicht verwirrt an, dann erhellte sich ihr Gesicht jedoch und sie nickte bekräftigend. "Oja, ich bin mir sicher, auf dem Viehmarkt schon Rinder mit einem rötlichen Fell gesehen zu haben. Am besten mache ich mich gleich morgen mit Adula auf den Weg, um ein passendes Tier zu suchen. Eine Statuette mit Mutter und Kind wäre sicher auch passend, und frische Früchte dürfte es zu dieser Jahreszeit noch genug im Angebot geben." Die Wangen der Iunia begannen jetzt erneut zu glühen, diesmal allerdings weniger aus Angst oder Scham, sondern vor Aufregung, weil sie jetzt endlich etwas konkretes zur Rettung ihres eigenen Lebens und dem ihres ungeborenen Kindes beitragen konnte. "Weihrauch hab ich noch jede Menge hier im Haus, das müsste eigentlich reichen. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie ich es schaffe, die Opfertiere und -gaben für all die anderen Götter zu besorgen, ohne dass Quintus etwas davon merkt. Er weiß nämlich nichts von der Leberschau, weißt du, und ich möchte nicht, dass er sich deshalb Sorgen macht, oder mich für hysterisch hält." Serrana starrte ein wenig verlegen auf ihre Finger und wich Romanas Blick aus. Wenn man den Ernst der Lage in Betracht zog, dann waren derartige Überlegungen natürlich albern, aber nichtsdestotrotz gingen sie ihr bereits seit einigen Minuten durch den Kopf.