Beiträge von Marcus Octavius Nauticus

    "Ich habe gerade meine Besatzung belogen, damit du bleiben kannst! Wenn das Neptun nicht erzürnt, erzürnt ihn gar nichts mehr! Du schuldest mir einen riesigen Gefallen, und den werde ich auch irgendwann einfordern! Es ist noch eine Offizierskajüte frei, da kannst du während der Expedition wohnen. Außerdem wirst du für die Besatzung kochen. Und wenn es sein muss, wirst du auch helfen, die Segel zu flicken. Und wenn du auch nur ansatzweise meine Autorität oder die Autorität irgend eines Nauta anzweifelst, dann gehst du augenblicklich über Bord! Habe ich mich klar ausgedrückt?"


    Expeditionslogbuch der Fahrt ins Mare Suevicum, Schiffe Tempestas und Aiax,
    ANTE DIEM VI ID FEB DCCCLV A.U.C. (8.2.2005/102 n. Chr.)


    Die Fahrt von Colonia Agrippina bis zur Höhe der Visurgis-Mündung verlief ohne Zwischenfälle.
    Auf Höhe der Visurgis-Mündung wurden zwei Handelsschiffe routinemäßig kontrolliert, wobei eine erhebliche Menge Waffen sichergestellt wurde. Die Waffen stammten von Jütland und waren für einen Römer Namens Tarquinius bestimmt. Die Besatzungen der Handelsschiffe wurden auf dem Festland abgesetzt. Insgesamt 20 Nautae übernahmen die Aufgaben der Besatzungen, die Kapitäne der handelsschiffe blieben an Bord ihrer Schiffe. Die beiden Schiffe fahren zunächst nach Colonia Claudia Ara Agrippinensium und anschließend mit komplett durch Nautae aufgefüllten Besatzungen nach Londinium, um den Mann Namens Tarquinius zu verhaften und zu verhören. Es besteht der Begründete Verdacht, dass die Waffen für Feinde Roms bestimmt waren. Die beschlagnahmten Waffen verbleiben an Bord der Tempestas und der Aiax.
    Der Trierarchus Titus Ferrius Maximus hat um Beurlaubung aus persönlichen Gründen gebeten. Der Urlaub wurde genehmigt und er begleitet die Handelsschiffe bis colonia Claudia Ara Agrippinensium. Das Kommando über die Aiax hat der Erste Offizier.
    Der Nauta Gaius Germanicus Torquatus hat sich bei den Verhören der beiden Handelskapitäne besonders bewährt. Ich erkenne ein gewisses Führungspotential. Er wird weiterhin sorgfältig beobachtet werden und auf eine Eignung für höhere Aufgaben überprüft.
    Die Fahrt wurde fortgesetzt, der Küste folgend. Es weht ein mäßiger Wind aus West-Nord-West. Der Himmel ist wolkig und niederschlagsfrei. Die Geschwindigkeit der Expedition beträgt etwa 6 Kn.


    Nauarchus Marcus Octavius Nauticus
    Nautischer Kommandant der Tempestas
    Kommandant der Classis Germanica

    "Kurs fortsetzen, immer in Sichtweite der Küste. Die Tempestas wird ihrerseits in Sichtweite der Aiax auf See fahren. Die Aiax ist also unser navigatorisches Auge. Da Trierarchus Maximus nun nicht mehr dabei ist, wird Gubernator Varinius das Kommando über die Aiax haben."

    Ich ging zur Reling, wo die Tempestas lag.


    "Fünf Freiwillige zu mir!"


    Kurz darauf standen sogar sieben Mann vor mir.


    "Na gut, sieben sind auch zu verkraften. Ihr geht auf dieses Handelsschiff und sorgt dafür, dass es nach Colonia Agrippina fährt. Weitere Befehle kennt Trierarchus Maximus. Und wenn der zivile Kapitän nicht kooperiert oder woanders hin fahren will, dann werft ihn über Bord. Und vorher fesselt ihr ihn so, dass er nicht mehr schwimmen kann!"


    "Jawohl, Nauarchus!"

    Ich nickte. Dann ging ich zu den beiden Kapitänen.


    "Ich habe ein Angebot. Eure Besatzungen gehen hier an Land, dafür werden auf jedes eurer Schiffe 10 Nautae als Besatzung gehen. Ihr fahrt dann nach Colonia Agrippina, wo eure Besatzung komplett durch Nautae aufgefüllt wird. Dann fahrt ihr nach Londinium, wo euer Auftraggeber festgenommen wird. Wenn ihr nicht kooperiert, verliert ihr nicht nur eure schiffe, sondern auch euer Leben! Nehmt ihr das Angebot an?"


    "Ja."


    "Sehr schön. Und den Trierarchus Maximus nehmt ihr auch mit nach Colonia Agrippina. Ihr könnt wieder auf eure Schiffe."


    Dann flüsterte ich zu Torquatus. "Überwache das Aussetzen der Besatzungen. Sie sollen bis ans Festland gebracht werden, die Frisii werden ihnen schon nichts tun. Und wenn doch, ist das nicht unser Problem."

    Ich verließ meine Kajüte und folgte dem Nauta, der mich unterwegs über die Ergebnisse des Verhörs informierte. Ich gesellte mich zu dem 'Gespräch'.


    "So lange sich die Kelten nur gegenseitig umbringen, schadet es dem Reich doch nicht, oder? Und mit der Legion werden die sich doch nicht anlegen! Ich meine, so blöd kann man doch gar nicht sein, oder?" sagte der Kapitän.


    "Oh doch, so blöd kann man sein!" sagte ich. "Und auch wenn sie sich gegenseitig bekriegen, muss die Legion Frieden schaffen, und das kostet Geld und Legionäre! Also schadet das dem Reich! Ich beschlagnahme die Schiffe."

    War doch eine dumme Idee gewesen, sich auf das Geschäft einzulassen, dachte er sich.


    "Ähm, ich... naja, er wollte Langschwerter, also war's vermutlich für keltische Bewohner Britanniens bestimmt... keine Ahnung, was die damit anfangen wollten... vielleicht... vielleicht sich gegenseitig bekriegen oder so was... denke ich."

    "Wir handeln regelmäßig mit den Nordgermanen. Da klauen wir doch nix! Die werden ja schon richtig gewalttätig, wenn man auch nur versucht, die zu bescheissen! Will gar nicht wissen, wie die reagieren, wenn man die beklaut! Und die haben neuerdings echt schnelle Schiffe. Und wenn ich sage echt schnell, dann meine ich das auch so!
    Und was meint Ihr mit Erkennungszeichen? Auf den Waffen oder bei der Übergabe?"

    "Wir wollten ihn im Hafen von Londinium treffen. Er hat uns nicht gesagt, wofür er die Waffen braucht, deshalb ja der hohe Preis. Er zahlt mehr, damit wir keine Fragen stellen. Er hatte aber Wert darauf gelegt, dass es eine sehr gute Qualität sein sollte. Und es sollten recht viele Langschwerter dabei sein. Und am besten alles aus Eisen. Das war gar nicht so einfach, diese Menge in der Qualität zu kriegen. Die Nordgermanen können ganz schön handeln, vor allem wenn sie merken, dass man Spielraum nach oben hat, wenn's um den Preis geht."

    Der durch den Schlag getroffene schaute recht verdutzt, brachte aber keine Antwort heraus. Der andere schluckte kurz und sagte dann "Ein Römer... Tarquinius, glaube ich. Seine gens kenne ich nicht, er hat mir nur den Rufnamen gesagt. Und er bietet wirklich viel, etwa 50 Prozent mehr als solche Waffen normalerweise bringen. Das Risiko war ja auch nicht hoch, normalerweise findet man im Winter keine Patrouillen auf dem Mare Germanicus. Jedenfalls hatte der Vorgänger des jetzigen Kommandanten so was nie gemacht."