Beiträge von Marcus Decimus Livianus

    Überrascht und auch ein wenig belustigt beobachtete der Decimer wie seine Begleiterin plötzlich vollkommen unerwartet den Wagen bestieg. Im ersten Moment hatte er sogar Sorge sie könnte sich verletzen wenn der Wagen aus dem Gleichgewicht kam, doch sie stellte sich ungewöhnlich geschickt dabei an und auch wenn der eine oder andere Tritt hinauf weniger Damenhaft wirkte, so betonte das enge rote Kleid dabei erneut ihren wohlgeformten Hintern etwas mehr, der sich dem Decimer nun vom Wagen herab entgegenstreckte. Er erwischte sich selbst in diesem Augenblich bei einem wohl treffenden Vergleich mit einem prallen roten Apfel.


    Als Aglaia zu Livianus vom Wagen herausfordernd herab sah und ihm nach ihrem Aussehen fragte, kam er nicht umher ihr strahlendes Lächeln zu bemerken, dass in diesem Moment derart anziehend auf im wirkte wie das herzhafte und einnehmende Lächeln eines Kindes, dem man sich ebenso wenig entziehen konnte. Unweigerlich musste daher auch er Lächeln und auch wenn es aufgrund der am Wagen fehlenden Pferde nicht ganz ehrlich wahr, so kam er nicht umher Aglaia ein Kompliment auszusprechen.


    "Wüsste ich es nicht besser, so würde ich denken, dass die Siegesgöttin persönlich von der Quadriga herabblickt und mir ihre Gust schenken möchte."


    Nachdem sie vorhin sichtlich Mühe gehabt hatte das wackelige Ding zu besteigen, trat er nun an den Wagen und streckte ihr einladend seine Hand entgegen, um ihr beim herabsteigen zu helfen und sie gegebenenfalls auffangen zu können, falls sie doch noch das Gleichgewicht verlor.


    "Lass dir bitte beim herabsteigen behilflich sein."

    Ad
    Marcus Helvetius Commodus
    Casa Helvetia
    Roma


    Ich danke dir für dein Interesse an einer Stelle in der Administratio von Italia. Da ich in den nächsten Tagen vom Kaiser als Curator rei publicae abberufen werde und mein Amt übergebe, muss ich dich jedoch an meinen Nachfolger bzw. an den amtierenden Curator Kalendarii verweisen, der sich ebenso um Personalentscheidungen in den niedrigeren Ämtern kümmert.


    Vale Bene


    MARCUS DECIMUS LIVIANUS


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    "Ich denke die Ausbildung in Archaia wird reichen, um sie als Lehrjahr anrechnen zu lassen. Seit der Zeit in der dein Vater und ich meine Karriere begannen hat sich einiges geändert. Man legt nun sehr großen Wert darauf die Militia Equestris und den Cursus Honorum zu trennen. Willst du den Cursus Honorum beschreiten, so führt dich dein Weg zuerst zum Vigintivirat. Erst danach kannst du um ein Militärtribunat ansuchen. In ganz seltenen Fällen gewährt es der Kaiser auch schon davor. Bist du jedoch eher generell an einer militärischen Karriere interessiert, so wärst du wohl besser im Ritterstand aufgehoben, wo du einen langjährigen und intensiven Werdegang im Exercitus Romanus durchlaufen kannst. Als Senator steht dir irgendwann lediglich der militärische Posten eines Legatus Legionis zur Verfügung. Und das auch nur, wenn gerade einer frei ist. Als Eques hast du hier eine bereitere Auswahlmöglichkeit und wirst vermutlich auch eher an ein Kommando kommen. Allerdings wirst du mit der Politik wenig, bis gar nicht in Berührung kommen. Eine schwierige Entscheidung, die dir aber niemand abnehmen kann und mit denen viele Männer deines Alters zu kämpfen haben."


    Als Spross des Florus würde Minor vermutlich auch die Erhebung in den Ritterstand problemlos vom Kaiser zugesagt werden. Doch die Entscheidung zwischen Militärkarriere und Senat war gewiss keine Einfache, die der junge Annaeer für sich nun ganz alleine Treffen musste.

    Als sie zu ihm auf sah konnte er einen Moment lang meinen, sie würde seine Lippen ansehen. Sie wollte doch nicht etwa...? Die Anspannung die plötzlich in der Luft lag war zum zerreißen gespannt. Wollte sie ihn etwa küssen? Sie war eine vollkommen Fremde und er hatte sie bis vorhin nicht gekannt. Erneut dachte er an das Angebot mit der Vorstellung der Lenkern, an dem sie nicht interessiert gewesen war. Eigentlich war er der Meinung gewesen dies war der Grund für ihr Interesse am Rennsport. Doch da hatte er sich geirrt. Sie konnte sich doch unmöglich statt dessen für ihn interessieren? Bei diesem Gedanken erstarrte Livianus kurz fassungslos. Einerseits erregte ihn der Gedanke daran, dass eine so schöne und im Verhältnis noch sehr junge Frau Interesse an ihm haben konnte, andererseits versuchte er krampfhaft sich diese Gedanken zu verbieten.


    Er tat es damit ab, dass er die Zeichen einfach falsch deutete. Es konnte gar nicht anders sein. Sie war hier um die Rennbahn zu besichtigen und es war reiner Zufall gewesen, dass Livianus Zeit gehabt hatte und ausgerechnet er nun mit ihr hier unterwegs war. Genauso gut hätte es jeden anderen Treffen können, der vorhin in der Runde gestanden war. Innerlich rügte er sich selbst ob dieser dummen Gedanken und beruhigte damit auch wieder sein Gewissen. Dennoch musste er erneut feststellen, welche bezaubernde und eindrucksvolle Ausstrahlung Aglaia hatte. Sie war um einiges älter als seine Vespa, aber ihrer Schönheit tat dies gewiss keinen Abbruch. Zum Glück dauerte der unbehagliche Moment nicht all zu lange an und sie durchbrach die aufgekommene Stille mit einer leisen Antwort auf sein Angebot. Er würde also alles verstehen, wenn sie es ihm erklärte. Nun, darauf musste er wohl bis zum morgigen Abend warten. Er gab sich daher mit dieser Antwort lächelnd zufrieden und nickte verständnisvoll.


    "Dann werde ich mich in Geduld üben."


    Nun wurden von den Sklaven nach und nach auch die Pferde weggebracht, die unmittelbar bei Livianus und Aglaia standen. Der Decimer wollte niemanden von seiner Arbeit abhalten, vor allem da die Rennbahn vielleicht wieder gebraucht wurde. Einer der Wagen war jedoch noch da. Eine passende Gelegenheit die immer noch angespannte Situation zu umgehen und davon abzulenken.


    "Möchtest du dir noch den Wagen ansehen, bevor auch dieser weggebracht wird?"

    Livianus beobachtete wie Aglaias Fingerspitzen sanft, fast zärtlich über die Haut des Pferdes wanderten. Irgendwie hatte der Anblick etwas sehr Sinnliches, ja fast erregendes. Ein erneutes Gefühl, dass er sich im Zusammenhang mit dieser fremden attraktiven Frau nur ungern eingestand. Ihre Antwort auf seine Frage irritierte den Decimer erneut ein wenig. Diese Frau schien immer Geheimnisvoller. Vielleicht war es genau das, was sie so anziehend machte. Ging man von ihrem Kleid aus, dann würde man alles andere als annehmen, dass sie eine Bettlerin war. Warum sollte ihre Wohnsituation also darauf Rückschlüsse zulassen? Das eine normale Wohnung in einer Insulae nicht unbedingt den Status eines Consuls widerspiegelte lag in der Natur der Sache, aber der Decimer war trotz seines Wohlstandes immer am Boden geblieben und würde eine solche Wohnsituation nicht abwertend betrachten. Dennoch konnte er die Bedenken Aglaias durchaus nachvollziehen. Er nickte daher verständnisvoll und zugleich sichtlich voller Vorfreude auf den morgigen Abend. Sie stand nun ganz knapp vor ihm und er kämpfte gegen das plötzlich aufkommende Gefühl an sie berühren zu wollen. Es war wirklich verdammt merkwürdig. Diese Frau raubte ihm den Verstand, erweckte lang unterdrückte Gefühle in ihm und er verstand nicht einmal genau warum. Was hatte sie nur für eine Wirkung auf ihn, die ihm so schwach werden ließ, obwohl sein Herz es ihm verbot?


    "Einverstanden. Morgen Abend. Kann ich dir nicht einmal meine Sänfte schicken um dich abzuholen?"

    Als Aglaia sich von seinem Arm löste, bemerkte der Decimer erst wie nett es gewesen war, wieder einmal mit einer Frau an seiner Seite ein paar Schritte zu spazieren. Das angenehme Gefühl der Nähe und in einer gewissen Weise auch der Geborgenheit war mit einem Mal wieder verschwunden. Statt dessen trat seine Begleitung zu einem anderen Pferd, dass gleich neben dem stand, dessen Flanke Livianus gerade liebevoll abklopfte. Natürlich sah er hinterher um zu sehen wo sie hinging und kam nicht umher ihren sehr graziösen und weiblichen Gang zu bemerken. Auch als sie sich etwas nach vorne beugte, blieb sein Blick unverhofft und recht kurz auf ihrem sehr ansprechenden Rundungen hängen. Dann sah er wieder verlegen zur Seite. War es richtig eine andere Frau anzusehen? Vespas Beerdigung lag nun schon einige Zeit zurück, aber der Decima dachte noch oft an sie. Der innere Kampf flammte erneut in ihm hoch. Einerseits war da das starke Gefühl untreu zu sein und seine verstorbene Frau zu hintergehen, wenn er andere Frauen derart ansah. Andererseits sagte ihm sein Verstand auch, dass Vespa nicht mehr hier war und er sein Leben weiterleben, einen Schlussstrich ziehen musste. Er sah sich kurz um und als er sich unbeobachtet fühlte sah er verstohlen aber doch erneut zu Aglaia und ließ seinen Blick über die Konturen ihres Kleides schweifen. Dieses rote, eng anliegende Kleid, dass ihre Figur dermaßen betonte und ihren wohlgeformten Körper bestens zur Geltung brachte. Bei dem Anblick vergas er sogar darauf das Pferd weiter zu tätscheln. Sie selbst bekam vermutlich nicht mit, was sich hinter ihrem Rücken abspielte und erst als sie sich wieder zu ihm umwandte, sah er ertappt wieder zu seinem eigenen Tier und freute sich zugleich darüber, dass sie offensichtlich wirklich nicht an den Lenkern interessiert war. Doch war ihre Aussage so zu verstehen, dass sie sich stattdessen tatsächlich für ihn interessierte? Vermutlich interpretierte er das falsch.


    "Du scheinst dich mit Pferden wirklich gut auszukennen. Die meisten Pferde stammen aus Hispania und aus unserer familieneigenen Pferdezucht. Aber es gibt auch ausnahmen. Das dort drüben zB ist aus einer bekannten Zucht hier aus Italia und das dort vorne aus Germanien. Bei der Aurata wollen wir die besten Tiere. Das geht auch vor das Familiengeschäft. Auch wenn man hierbei natürlich die Kosten in gewissen Grenzen halten kann. Denn auch gute Fahrer sind nicht so billig zu bekommen. Vorhin erst habe ich einen neuen Lenker für die Aurata aufgenommen."


    Doch eigentlich wollte er wieder weg von dem Thema Pferde und stattdessen etwas mehr über diese neue Frau erfahren, die ihm hier, auch wenn er es sich noch nicht eingestehen wollte, den Kopf anfing zu verdrehen.


    "Du wohnst nun wieder hier in Roma Aglaia? Wohin müsste ich den meine Sänfte schicken, wenn ich dich zum Abendessen einladen möchte?"

    Casinum war gar nicht so weit weg von Rom. Ihre langjährige Abwesenheit hatte also demnach nicht mit einer langen Reise, fremden Ländern oder Abenteuer zu tun. Der Decimer kannte die Stadt von der Durchreise und war sicher, dass man dort gewiss keine Abenteuer erlebte. Bei ihrer Antwort wirkte sie auch nicht gerade erfreut über das Thema und so ging Livianus einmal davon aus, dass diese 15 Jahre mit einem Mann zusammen hingen und ein gemeinsames Leben, dass Aglaia mit diesem Mann in Casinum geführt hatte. Doch ehe er da näher nachfragen konnte, schlug sie ihm gekonnt einen Handel vor. Weitere Informationen für ein Abendessen. Daran sollte es gewiss nicht scheitern.


    "Ein gemeinsames Abendessen? Nun, wenn das der Preis ist um mehr über dich und dein Leben zu erfahren, dann bin ich lieben gerne bereit ihn zu zahlen."


    Ehe sie noch einen Termin für dieses Abendessen vereinbaren oder Livianus herausfinden konnte wo Aglaia wohnte, um ihr eine Einladung zukommen zu lassen, wechselte sie das Thema. Das Abendessen musste also warten, doch der Decimer würde es gewiss in Erinnerung behalten. Stattdessen richtete sich die Aufmerksamkeit seiner Begleiterin wieder der Rennbahn zu, wo die Fahrer und ihre Helfer dabei waren die Wagen und Pferde zu versorgen.


    "Gerne. Lass uns nach unten gehen."


    Livianus wechselte die Richtung und hielt nun auf die Pferde zu, die bereits von den Wagen befreit abseits standen und von Sklaven mit Wasser und Futter versorgt wurden, ehe man sie wieder zurück in die Stallungen brachte. Er nickte den Sklaven zu, die ihren Dominus Factionis natürlich kannten und ihn unbehelligt mit seiner Begleitung am Arm zu den Pferden ließ. Hätte Aglaia es alleine versucht, wäre sie vermutlich freundlich aber bestimmt gebeten worden sich von den Pferden fern zu halten. Fremde Personen sah man nicht so gerne bei den Pferden oder Wagen der Factio Aurata herumschleichen. Dem ersten Pferd an das sie herantraten tätschelte Livianus mit seiner freien Hand liebevoll die Flanke. Nun war es auch der Zeit heraus zu finden ob Aglaia eine von jenen Damen war, die wie anfangs vermutet nur diese Chance nutzen wollte, um die heldenhaften Fahrer kennen zu lernen bzw. näher an sie ran zu kommen.


    "Möchtest du auch, dass ich die Fahrer her rufe und sie dir vorstelle?"

    Eine gebürtige Römerin in mindestens zweiter Generation und offensichtlich trotzdem ohne Bürgerrecht? Das überraschte den Decimer nun aber doch ein wenig. Doch noch ehe er sich lange darüber Gedanken machen konnte, spürte er auch schon ihre Hand in seinen Arm gleiten. Für einen Moment lang war er sichtlich irritiert über diese plötzliche näher der Fremden. Die letzte Frau die mit ihm so vertraut und dicht nebeneinander gegangen war, konnte seiner Erinnerung nach nur seine geliebte Vespa gewesen sein. Im ersten Moment fühlte er sich daher ein wenig unbehaglich in dieser mittlerweile ungewohnten Situation, doch gleichzeitig spürte er das sanfte streicheln auf seinem Oberarm, dass ihn wiederum seltsam vertraut vorkam und irgendwie auch beruhigte. Ihre Antwort riss ihn dann ohnehin wieder aus seinen Gedanken und er sah zu ihr herab. Dabei fiel sein Blick auch unweigerlich auf den ziemlich üppig gefüllten Ausschnitt ihres roten Kleides. Ein wenig peinlich berührt sah er wieder zur Rennbahn, während er weiter aufmerksam ihren Ausführungen lauschte. Doch irgendwie zog es seinen Blick nach wenigen Momenten wieder langsam zu ihr. Er konnte sich gar nicht so recht dagegen wehren, auch wenn er es versuchte. Es war das erste Mal das er die Reize einer anderen Frau seit dem Tod seiner Vespa so ungezwungen wahrnahm. Das erste Mal, dass er überhaupt mit einer anderen Frau wieder so gelöst und offen ein Gespräch führte. Vermutlich auch weil es das erste Mal seit dem Tod seiner Frau war, dass er dies auch zuließ. Ihre Zweideutigen zu verstehenden Aussagen nahm er fürs Erste daher nicht war. Viel zu sehr war im Moment noch mit seinem Gewissenskonflikt beschäftigt, der in seinem Unterbewusstsein tobte. Seine Antwort fiel daher eher nüchtern aus.


    "Das ist wahr. Früher gab es wesentlich mehr Rennen als heute. Auch ich finde das sehr schade. Du musst wissen, dass meine Familie aus Hispania stammt und wir dort zu den bedeutendsten Pferdezüchtern der Provinz zählen. Ja fast des ganzen Reiches möchte ich behaupten. Auch unser Familienwappen ziert ein iberischer Hengst. Du siehst also auch ich bin mit Pferden und damit auch mit dem Rennsport sehr verbunden.


    Du sagtest du warst 15 Jahre weg von Rom? Wo hat es dich hin verschlagen?"

    Nachdem sie sich von den anderen Anwesenden, allen voran Consul Claudius Menecrates und dessen Sohn Gallus verabschiedet hatten, schritt Livianus mit der eben kennengelernten Aglaia die Rennbahn entlang, auf der noch kurz zuvor das Trainingsrennen zwischen der Aurata und der Paesina stattgefunden hatte. Die beteiligten Fahrer waren noch dabei ihre Gespanne zu versorgen, nachdem der eine oder andere Factiolose zuvor noch mit Vertragsverhandlungen beschäftigt war. Livianus Aufmerksamkeit galt im Augenblick jedoch mehr Aglaia, als den Vorgängen auf der Rennbahn, die er in einem Gefühlswirrarr aus Freundlichkeit, ehrlichem Interesse aber auch einer gewissen Hingezogenheit zu diesem Spaziergang eingeladen hatte. Er versuchte jedoch krampfhaft diese letzten Gedanken beiseite zu schieben und sich mehr auf das Kennenlernen der um einiges jüngeren Frau zu fokussieren.


    "Nun Aglaia. Dann erzähle mir doch ein wenig von dir. Ich nehme an du kommst deinem Namen nach aus Achaia? Wie hat es dich hier her nach Rom verschlagen?"

    "Sehr gut Annaeus! Ich freue mich. Und nun verrate mir, ob du schon weitere Pläne geschmiedet hast, bei denen ich dir behilflich sein kann. Hast du dir einen Senator gewählt, bei dem du das obligatorische Lehrjahr ableisten kannst? Es könnte sich dann vielleicht auch ausgehen, dass du schon bei den nächsten Wahlen zum Vigintivirat antrittst."


    Der Decimer musste sich selbst wieder ein wenig einbremsen, schließlich ging es ja um die Wünsche und Ziele des jungen Florus Minor und nicht um seine eigenen. Doch wenn es darum ging Karrieren zu planen und sein gut ausgebautes Netzwerk in Rom wie die Seiten einer Lyra zu bespielen, dann war er ganz in seiner Welt.

    Menecrates stand im also auch nicht zur Seite, wobei ihm das Livianus gar nicht verübeln konnte. Der Mann hatte als amtierender Consul genug um die Ohren, dass wusste der Decimer aus eigener Erfahrung. Und die spärliche Freizeit die dem Claudier blieb steckte er bereits in Wagenrennen und seine Factio. Er nahm kurz war, dass ein weiterer unbekannter Mann sich der Plauderrunde näherte, doch war ihm Moment viel zu abgelenkt von Aglaia, als das er sich näher damit beschäftigen konnte. Gewiss würde sich ein andere, nicht so in dieses Gespräch eingebundene Anwesende finden, der den Neuankömmling nach seinem Begehr fragte. Livianus widmete sich nach dieser höflichen aber deutlichen Abfuhr von Menecrates wieder ganz der bezaubernden Aglaia, die ihm immer noch erwartungsvoll ansah. Doch zuerst wollte er das Gewissen seines alten Freundes beruhigen.


    "Das verstehe ich natürlich Menecrates. Bitte lass dich nicht von uns Aufhalten. Wir sind hier ja soweit fertig. Und wenn es deine Zeit nicht mehr erlaubt, dann werde ich mich natürlich gerne der interessierten Dame annehmen."


    Selbst war der Mann und so lag es wohl an ihm, sich um Aglaia zu kümmern. Denn im Gegensatz zu dem Claudier hatte Livianus sehr wohl noch Zeit, nun wo das Trainingsrennen beendet und der Fahrerkauf von statten gegangen war. Er hatte sich eigentlich den ganze Tag für diese Veranstaltung frei gehalten. Daher wandte er sich wieder freundlich lächelnd Aglaia zu, die ja eigentlich mit dem Wunsch gekommen war mehr über Pferderennen zu erfahren.


    "Ich würde natürlich sehr gerne mehr von dir erfahren und du wolltest doch mehr über den Rennsport wissen. Wollen wir das nicht verbinden und ein Stück gehen und uns dabei die Rennbahn ansehen, während wir plaudern?"

    Livianus hatte mit seiner Frage eher die offizielle Information an die Provinzverwaltung gemeint, als seine eigene Ernennung. Als designierter Legatus konnte er ebenso schon schriftlich im Vorfeld aktiv werden. Er versuchte dieses Missverständnis aufzuklären.


    "Ich denke, dass ich in ein bis zwei Wochen abreisebereit sein kann. Ich werde der Administratio eine Nachricht zukommen lassen, wenn es soweit ist, damit sie mir entsprechenden Dokumente und Urkunden vorbereiten können. Wenn man der Provinzverwaltung schon vorher eine Nachricht zukommen lässt, dann kann ich ebenso bereits schriftlich mit den Verantwortlichen in Kontakt treten."


    Dann ging er auf Sonderaufgaben ein, die ihm der Kaiser gerade offenbart hatte. Die Erste davon klang etwas merkwürdig, daher wollte Livianus hier noch einmal genauer nachhaken.


    "Verzeih mir wenn ich so unbedarft nachfrage, aber soweit ich weiß stammt die Gens Duccia aus Germanien oder sogar direkt aus Mogontiacum. Auch aus meiner eigenen Zeit bei der Legio II habe ich in Erinnerung, dass sie dort sehr verwurzelt und daher gesellschaftlich, aber auch in öffentlichen Ämtern sehr präsent sind. Zusätzlich hast du nun einen von ihnen zum Statthalter der Provinz gemacht und wenn ich richtig informiert bin, dann ist ein weiterer Duccier auch kaiserlicher Procurator in Germanien. Wie sollte es also nicht so sein, dass diese Gens großen Einfluss in der Provinz hat. Den hatte sie bereits davor und durch diese besonderen Ämter hat sich diese Tatsache natürlich weiter verstärkt."

    Auch wenn der junge Florus erst am Beginn seiner Karriere stand, so wusste Livianus sehr genau wie gut die Annaeer in der römischen Oberschicht vernetzt waren. Aufgrund kluger Heiratspolitik und einigen bekannten Persönlichkeiten in ihren Reihen konnte Florus aus gewiss unter einigen prominenten Familien Roms seinen Patron wählen. Das ausgerechnet ihn fragte überraschte, freute und ehrte den Decimer zugleich, der mit einem freudigen Lächeln im Gesicht Florus freundschaftlich seine Hand entgegen streckte, fast so als wollte er damit diesen Pakt besiegeln.


    "Nun Florus Minor. Es wäre mir eine Ehre dein Patron zu sein und eine große Freude dich künftig zu meinen treuen Klienten zählen zu können. Ich werde dich bei deinen Plänen unterstützen wo ich kann und dir bestmöglich Helfen in die Fußstapfen deines Vaters zu treten."


    Dann winkte er eine Sklavin herbei, die schon mit einem Tablett unterschiedlichster Getränke auf die beiden Männer zusteuerten.


    "Lass uns darauf anstoßen! Auf deinen Vater und auf dieses neue Bündnis zwischen den Häusern Decima und Annaea!"


    Sim-Off:

    Klientenanfrage im Suum cuique verschickt. Du kannst bestätigen.

    Zitat

    Original von Aglaia
    ....So aber musste man einfach das beste daraus machen. Und Decimus Livianus war nun wirklich nicht so, dass sie sich überwinden müsste. Für sein Alter sah er noch gut aus, er war weder fett noch offensichtlich krank und hatte auch noch reichlich Haare auf dem Kopf. Von den anwesenden Herren war er nach Helvetius Faustus wohl der zweit-attraktivste.


    “Wie die Grazie, ja. Und die Mutter von Nireus. Und die Mutter des Melampus. Und noch ein paar andere“, bejahte Aglaia also die Frage nach ihrem Namen. Gekonnt legte sie ihren Kopf leicht schief und sah Livianus halb kokett, halb schüchtern an. “Möchtest du denn mehr über mich wissen?“ fragte sie nach seiner Steilvorlage fast schon einladend.


    Der Decimer merkte wie ein ungewohntes und im ersten Moment auch für ihn nicht ganz zuordenbares Gefühl in ihm hochstieg. Irgendwie hatte diese Frau etwas an sich, dass ihn auf eine Art und Weise ansprach und berührte, wie er in den letzten Monaten es tief in sich vergraben glaubte. Seit dem Tod seiner geliebten Vespa, den er immer noch nicht ganz überwunden hatte, war das Thema Frauen für ihn eigentlich abgehackt gewesen. Er fühlte sich weder Einsam und Alleine, noch hatte er bisher groß Interesse gabt andere Frauen kennenzulernen, geschweige denn sich überhaupt über etwas Neues in diese Richtung Gedanken zu machen. Im Gegenteil war er solchen Situationen eher aus dem Weg gegangen und hatte sich in seiner Arbeit als Curator vergraben. Aber irgendetwas an dieser Aglaia sprach ihn an und es fiel ihm schwer zuzuordnen, was genau das war. Es war jedenfalls nicht ihr Aussehen, auch wenn sie auf den ersten Blick eine wunderschöne und auch sehr sinnliche Frau zu sein schien. Es war viel mehr ihre Art, ihre eigenartige Wirkung auf ihn, ihre Erscheinung und ihr ganzes Auftreten. Sie stand hier immerhin vor hohen Honoratioren Roms und wirkte weder verkrampft in ihrer Körpersprache noch besonders zaghaft in ihren Aussagen.


    Er versuchte wirklich angestrengt dieses besondere Etwas an der unbekannten Schönheut für sich zu begründen. Und mit einem Mal ging ihm ein Licht auf. Ihre direkte und unverblümte Umgangsart mit den ihr gegenüberstehenden Männern erinnerte ihn an seine erste Frau Aemilia. Auch sie war eine Frohnatur und hatte eine so einnehmende, aufgeschlossene und offenherzige Art auf Andere zuzugehen, ganz gleich welchen Rang oder Stand sie innehatten. Auch Aglaia schien ein so lebensbejahender Mensch zu sein, der sich nicht besonders viel aus Konventionen oder Protokoll zu machte. Stattdessen fragte sie keck und frei heraus, ob der Decimer denn noch mehr von ihr wissen wollte, als sie die Herkunft ihres Namens bestätigt hatte. Das sich ihre Fragestellung dabei nur auf ihn bezog und die anderen umherstehenden Männer nicht miteinschloss, war ihm erneut etwas unangenehm. Vor allem Menecrates gegenüber, der im Hintergrund bereits irgendetwas mit seinem Liktor tuschelte. Dennoch versuchte der Decimer Contenance zu bewahren und lächelte die plötzliche und für ihn sehr ungewohnte Unsicherheit einfach weg. Vielleicht war es auch an der Zeit selbst ein Kompliment auszusprechen, nachdem er schon einige erhalten hatte.


    "Nun, ich spreche vermutlich im Namen aller hier wenn ich sage, dass es uns natürlich immer freut neue Bekanntschaften zu schließen. Vor allem... ähm... solch bezaubernde Bekanntschaften. Also natürlich würden wir uns freuen... *räusper*.... mehr von dir zu erfahren. Nicht war Menecrates?"


    Fragen hatte er genug, er konnte die Frau jedoch nicht in ein Kreuzverhör nehmen. Hilfesuchend sah er daher zu seinem alten Bekannten, der vermutlich noch schlechter bei solchen Dingen war als er selbst. Denn Livianus war in jüngeren Jahren sehr wohl ein kleiner Lebemann gewesen, der es auch mitunter verstand Frauenherzen für sich zu gewinnen. Er war eben nur eingerostet und aufgrund seiner Schicksalsschläge zermürbt. Menecrates hingegen hatte trotz seiner großen Nachkommenschaft bisher weniger den Eindruck eines besonderen Casanovas oder Frauenlieblings gemacht. Es war einfach nie seine Art, was vermutlich auch mit seiner aristokratischen Herkunft zusammenhing. Dennoch hoffte der Decimer inständig, dass er dieses eine Mal für ihn in die Presche springen würde.

    Zitat

    Original von Narrator Italiae


    Gleich noch einmal ein Drittel drauf. Das war ein sehr ordentlicher Zuschlag, fand Hermippus. Es jetzt noch weiter auszureizen konnte bedeuten, alles zu verlieren und das war es ihm nicht wert. Also nickte er nach einer kurzen Pause. "Einverstanden. Für 8000 Sesterzen stehe ich in euren Diensten."


    "Sehr gut! Es freut mich, dass wir uns so schnell einig geworden sind. Ich denke das beide Seiten von diesem Geschäft profitieren werden. Alles andere wird mein Vicarius Claudius Gallus mit dir klären."


    Er nickte dem neuen Fahrer danken zu und sah dann zu seinem Stellvertreter. Von hier an konnte dieser übernehmen und sich um die Bezahlung und die Eingliederung des neuen Fahrers in die Factio kümmern. Das war ja die wesentlichere und arbeitsintensivere Aufgabe.

    Der Vorschlag des Kaisers kam ihm natürlich entgegen. Er würde nicht darauf verzichten zumindest den Rest des Weges von einer eigenen Garde begleitet zu werden, da dies sein Privileg als Statthalter war und es ihm dabei weniger um den eigentlichen Schutz ging. Aber der Aufwand nach Italia zu kommen fiel für die Truppe so zumindest weg. Damit konnte der Decimer gut leben und nickte daher zustimmend.


    "Das ist eine gute Alternative, die ich gerne annehme. Dann werde ich Mogontiacum entsprechend informieren, sobald alles Offizielle geregelt ist."


    In der Tat war Livianus bereits Legatus der Legio II in Germanien gewesen. Damals noch unter dem Statthalter Marcus Vinicius Hungaricus. Doch es war auch nicht unüblich, dass diese beiden Posten in Personalunion ausgeübt wurden, schließlich lag die Legio II ja in der Provinzhauptstadt Mognotiacum. Auch das war dem Decimer bekannt und es kam ihm irgendwo auch entgegen einen direkten Befehlszugriff zur stadteigenen Legio zu bekommen. Dies würde bestimmt manche Dinge unkomplizierter machen, als einen weiteren Legaten zwischen sich und der Truppe zu haben.


    "Die Legio II habe ich tatsächlich schon Kommandiert. Es sollte daher kein Problem sein, sie in meine Funktion als Statthalter mit einzubeziehen. Außerdem habe ich erfahren, dass du den jungen Vinicium Massa kürzlich zum Tribunus Laticlavius dieser Legio ernannt hast. Ich habe ihn bereits kennengelernt und bin überzeugt er wird mir dabei eine große Unterstützung sein. Wann kann ich mit meiner offiziellen Berufung zum Statthalter rechnen, damit ich auch schon im Vorfeld aktiv werden kann?"

    Die Frau wusste offensichtlich ziemlich genau wen sie hier vor sich hatte und entsprechend beeindruckt zeigte sie sich auch der Herrenrunde gegenüber, als sie die Begrüßung des Decimers erwiderte. Vermutlich hatte sie dieser Liktor bereits vorabinformiert, bevor er sie den Herren vorgestellt hatte. Ein etwas unangenehmer Informationsvorteil für die Frau, von der die Herren bisher nichts wusste, außer ihren Namen. Gleichzeitig waren die Namen Decimus Livianus und Claudius Menecrates wohl auch nicht ganz unbekannt in Rom. Der Decimer lächelte etwas verlegen, als Agalia von der großen Ehre sprach, die ihr hier zu Teil wurde und wusste im ersten Moment gar nicht, wie auf ihre ungewöhnliche Bitte reagieren sollte. Zögerlich reichte er ihr die Hand und erwartete, dass es bei einem Händedruck blieb. Umso überrascht war er dann, als sie plötzlich seine Hand etwas zu sich zog und sie mit einem sanften Kuss bedeckte. Ziemlich verlegen sah er dabei zu den umherstehenden Herren und war zugleich überrascht, dass sie ausgerechnet ihm diese besondere Ehrerbietung entgegenbrachte und nicht etwa Menecrates, der immerhin der amtierende Consul war. Normalerweise machte sich der Decimer auch nicht besonders viel um etwaige Schmeicheleien und war auch für übertriebene Bewunderung seiner Person nicht sehr empfänglich, doch in dieser Art und Weise war es ihm noch nie untergekommen. Hatte er da etwa auch ihre Zunge auf seiner Haut gespürt? Nein, dass konnte nicht sein. Dennoch hinterließ der Handkuss ein sehr sinnliches Gefühl auf seiner Haut. Auch wenn Aglaia gleich darauf ihre Handlung erklärte, so ließ sie damit doch einen leicht irritierten und vor den Anderen sichtlich verlegenen Livianus zurück, der Mühe hatte die passenden Worte zu finden.


    "Ich.... ähm... danke dir für die... die freundlichen Worte. Ich habe gehandelt wie jeder pflichtbewusste Römer handeln würde. Eine so große Wertschätzung ist daher wirklich nicht notwendig.
    Offensichtlich weißt du sehr viel über uns, aber wir nur sehr wenig über dich. Aglaia - etwa wie die griechische Göttin der Anmut?"

    "Nun das war gewiss eine Herausforderung und du wirst froh sein sie hinter dich gebracht zu haben."


    Livianus war selbst oft genug in seinem Leben aus karrieretechnischen Gründen umgezogen und konnte sehr gut nachvollziehen was es bedeutete einen ganzen Haushalt in eine andere Stadt oder gar eine andere Provinz zu verlegen.


    "Und es ist wirklich ausgesprochen freundlich von dir, dass du dir trotzdem die Zeit nimmst mir deine Aufwartung zu machen. Gibt es irgendetwas das ich für dich tun kann, um dir dabei zu helfen in Rom schneller Fuß zu fassen?"

    Natürlich hatte auch Livianus mitbekommen, dass hier etwas dicke Luft herrschte, seit der Prätorianer eingetroffen war. Da er selbst noch weniger mit der Angelegenheit zu tun hatte als die Urbaner, war er ziemlich zurückhaltend, als die beiden Offiziere miteinander sprachen. Er hatte auf das Symbol hingewiesen, dass natürlich auch nur ein reiner Zufall sein konnte, wenn auch ein merkwürdiger und er hatte seine Informationen bereitwillig mit den Ermittlungsbehörden geteilt. Er fand es schade, dass der Tribun das Feld so schnell räumte und den Prätorianern überließ. Als ehemaliger Praefectus Urbi schlug sein Herz natürlich mehr für die römische Stadteinheit als für die Prätorianern, mit denen er bisher zum Glück kaum etwas zu tun gehabt hatte. Daher empfand er es nun auch als guten Zeitpunkt sich wieder zurück zu ziehen und die Ermittlungen den Spezialisten zu überlassen.


    "Ich werde mich nun ebenfalls in die Curie zu den anderen Senatoren begeben. Mehr kann ich euch ohnehin nicht mitteilen. Vale meine Herren."


    Sim-Off:

    Wir kennen uns alle noch nicht. Sehe ich auch so. ;)