Zitat
Original von Aglaia
....So aber musste man einfach das beste daraus machen. Und Decimus Livianus war nun wirklich nicht so, dass sie sich überwinden müsste. Für sein Alter sah er noch gut aus, er war weder fett noch offensichtlich krank und hatte auch noch reichlich Haare auf dem Kopf. Von den anwesenden Herren war er nach Helvetius Faustus wohl der zweit-attraktivste.
“Wie die Grazie, ja. Und die Mutter von Nireus. Und die Mutter des Melampus. Und noch ein paar andere“, bejahte Aglaia also die Frage nach ihrem Namen. Gekonnt legte sie ihren Kopf leicht schief und sah Livianus halb kokett, halb schüchtern an. “Möchtest du denn mehr über mich wissen?“ fragte sie nach seiner Steilvorlage fast schon einladend.
Der Decimer merkte wie ein ungewohntes und im ersten Moment auch für ihn nicht ganz zuordenbares Gefühl in ihm hochstieg. Irgendwie hatte diese Frau etwas an sich, dass ihn auf eine Art und Weise ansprach und berührte, wie er in den letzten Monaten es tief in sich vergraben glaubte. Seit dem Tod seiner geliebten Vespa, den er immer noch nicht ganz überwunden hatte, war das Thema Frauen für ihn eigentlich abgehackt gewesen. Er fühlte sich weder Einsam und Alleine, noch hatte er bisher groß Interesse gabt andere Frauen kennenzulernen, geschweige denn sich überhaupt über etwas Neues in diese Richtung Gedanken zu machen. Im Gegenteil war er solchen Situationen eher aus dem Weg gegangen und hatte sich in seiner Arbeit als Curator vergraben. Aber irgendetwas an dieser Aglaia sprach ihn an und es fiel ihm schwer zuzuordnen, was genau das war. Es war jedenfalls nicht ihr Aussehen, auch wenn sie auf den ersten Blick eine wunderschöne und auch sehr sinnliche Frau zu sein schien. Es war viel mehr ihre Art, ihre eigenartige Wirkung auf ihn, ihre Erscheinung und ihr ganzes Auftreten. Sie stand hier immerhin vor hohen Honoratioren Roms und wirkte weder verkrampft in ihrer Körpersprache noch besonders zaghaft in ihren Aussagen.
Er versuchte wirklich angestrengt dieses besondere Etwas an der unbekannten Schönheut für sich zu begründen. Und mit einem Mal ging ihm ein Licht auf. Ihre direkte und unverblümte Umgangsart mit den ihr gegenüberstehenden Männern erinnerte ihn an seine erste Frau Aemilia. Auch sie war eine Frohnatur und hatte eine so einnehmende, aufgeschlossene und offenherzige Art auf Andere zuzugehen, ganz gleich welchen Rang oder Stand sie innehatten. Auch Aglaia schien ein so lebensbejahender Mensch zu sein, der sich nicht besonders viel aus Konventionen oder Protokoll zu machte. Stattdessen fragte sie keck und frei heraus, ob der Decimer denn noch mehr von ihr wissen wollte, als sie die Herkunft ihres Namens bestätigt hatte. Das sich ihre Fragestellung dabei nur auf ihn bezog und die anderen umherstehenden Männer nicht miteinschloss, war ihm erneut etwas unangenehm. Vor allem Menecrates gegenüber, der im Hintergrund bereits irgendetwas mit seinem Liktor tuschelte. Dennoch versuchte der Decimer Contenance zu bewahren und lächelte die plötzliche und für ihn sehr ungewohnte Unsicherheit einfach weg. Vielleicht war es auch an der Zeit selbst ein Kompliment auszusprechen, nachdem er schon einige erhalten hatte.
"Nun, ich spreche vermutlich im Namen aller hier wenn ich sage, dass es uns natürlich immer freut neue Bekanntschaften zu schließen. Vor allem... ähm... solch bezaubernde Bekanntschaften. Also natürlich würden wir uns freuen... *räusper*.... mehr von dir zu erfahren. Nicht war Menecrates?"
Fragen hatte er genug, er konnte die Frau jedoch nicht in ein Kreuzverhör nehmen. Hilfesuchend sah er daher zu seinem alten Bekannten, der vermutlich noch schlechter bei solchen Dingen war als er selbst. Denn Livianus war in jüngeren Jahren sehr wohl ein kleiner Lebemann gewesen, der es auch mitunter verstand Frauenherzen für sich zu gewinnen. Er war eben nur eingerostet und aufgrund seiner Schicksalsschläge zermürbt. Menecrates hingegen hatte trotz seiner großen Nachkommenschaft bisher weniger den Eindruck eines besonderen Casanovas oder Frauenlieblings gemacht. Es war einfach nie seine Art, was vermutlich auch mit seiner aristokratischen Herkunft zusammenhing. Dennoch hoffte der Decimer inständig, dass er dieses eine Mal für ihn in die Presche springen würde.