Eine Begrüßung hier, ein Händeschütteln dort, ein kleines Geschenk von dieser Person, ein Kompliment von jener, hier ein 'Danke', dort ein 'Bitte'... Dives war wirklich froh, als die Frequenz, in der die Gäste in die Villa kamen, langsam wieder abnahm und sich damit auch allmählich das Ende der persönlichen Empfänge andeutete. Ein Gros der Leute hatte er bereits erfolgreich ins Triclinium geleitet; andere standen noch im Atrium. Aber letztere würden schon noch merken, wo die Musik spielte - die nämlich tatsächlich ebenfalls ins Trcilinium umgezogen war. Das hieß: Genaugenommen waren es zwei verschiedene Gruppen und im Atrium wurde nun gerade eine Pause eingelegt, während dafür im Triclinium mit dem Spiel begonnen wurde. Dabei ging es nun ein ganzes Stück ruhiger - sowohl vom Tempo als auch von der Lautstärke her - zu, ohne dabei jedoch (zumindest für Dives' Empfinden) langweilig und einschläfernd zu wirken.
Der iulische Gastgeber selbst bahnte sich sodann auch den Weg ins Triclinium, in welchem sich bisher scheinbar noch niemand so wirklich getraut hatte sich an der Deko zu bedienen. Andererseits war so ganz offiziell ja auch noch keine Eröffnung gefolgt, was der Duumvir nun zu ändern gedachte. So positionierte er sich also einigermaßen zentral neben einem hüfthohen Sockel, der irgendein Grünzeug trug - und auch mit Weinranken geschmückt war - und räusperte sich vernehmbar. Nachdem dies nicht so wirklich effektiv zündete, ertönte der helle Klang von Metall an Glas... und der Asinier bewies, dass er tatsächlich mittlerweile auch etwas gelernt hatte. Wo genau der jetzt das Glas und dieses Messer oder den Löffel (mit seinem nur flüchtigen Blick vermochte Dives dies nicht so ganz genau zu sagen) her hatte, blieb wohl vorerst Celers Geheimnis. Hauptsache war: Der Iulier bekam zur Eröffnung Aufmerksamkeit.
"Salvete zusammen, salvete!", begann er mit erfreutem Lächeln.
"Ich freue mich wirklich außerordentlich, dass ihr alle heute so zahlreich hier erschienen seid, um diese Jubiläusfeier - auf fünf Jahre manifestierten, aktiven iulischen Einsatz für die Civitas Ostia - gemeinsam mit der Gens Iulia zu begehen." Da rückte Proximus plötzich in das Sichtfeld des Duumvirs.
"Wen ich bisher noch nicht die Ehre hatte persönlich zu begrüßen und hier stellvertretend für meinen Cousin, den Senator und Augur Iulius Centho, auf dessen Anwesen willkommen zu heißen, der möge mir dies bitte an dieser Stelle etwas nachsehen bei der Vielzahl der Gäste. Ich werde mich bemühen dies im Verlaufe dieser Festlichkeiten natürlich noch nachzuholen.", versicherte der Iulier. Das galt jedoch nicht für seinen Onkel Proximus! - Der bekam einmal eine ganz andere Begrüßung:
"Ganz besonders freue ich mich, dass sogar der Interrimskommandeur der gesamten Cohortes Urbanae, mein Onkel Iulius Proximus, heute die Zeit gefunden hat hier zu sein!", verkündete er stolz und ließ eine zeigende Geste folgen, damit auch jeder jetzt wüsste, wo er oder sie hingucken müsste. Eine angemessene Zäsur unterstrich die Bedeutung seiner Worte. Damit sich sein Onkel jedoch nicht genötig sehen musste jetzt und hier aus dem Stehgreif etwas zu sagen (das konnte man schließlich von niemandem ohne Absprache erwarten), setzte er sodann fort:
"In diesem Sinne hoffe ich, dass es uns allen heute eine Ehre... vor allem aber natürlich eine Freude ist hier zusammen zu feiern! An dieser Stelle sei auch einmal explizit auf die spezielle Dekoration hingewiesen...", pflückte der Iulier sich eine Weinbeere möglichst publikumswirksam von dem Rankenzeug neben ihm. An den Wänden des Tricliniums befanden sich, wie bereits eingangs erwähnt, ebenfalls derartige Raumverzierungen.
"... Die ist echt...", hielt Dives die Beere zeigend etwa in Augenhöhe und kam mit seiner Eröffnungsansprache zum Ende.
"Auf dass wir uns in fünf Jahre alle hier wiedersehen mögen!", schloss er und steckte sich die Traube in den Mund. Natürlich spielte Dives ganz unterschwellig damit auch etwas auf den derzeitigen Bürgerkrieg an, der heute natürlich kein Hauptthema werden sollte (das wäre wohl einer DER Stimmungskiller), doch ganz klar zumindest am Rande kurz mit erwähnt werden musste. In der Tat hoffte der Iulier, dass alle Anwesenden möglichst heil aus dieser unheilvollen Geschichte heraus kämen!
Planmäßig würde es jetzt gleich mit dem Essen losgehen. So schnappte sich der Iulier spontan Asinia Celerina, die Schwester seines Klienten Asinius Celer, und führte sie zu einem der Korbsessel am Rande. In einem großen 'U' waren Tische aneinander gereiht und Klienen und Korbsessel zur Wand hin daran platziert. Die Mühe mit zig verschiedenen Mensae hatte sich der Iulier bei den vielen Leuten nämlich nicht gemacht. So würde es auch problemlos gehen. Dives selbst würde sich im weiteren Verlauf natürlich eher zentral auf eine der Klienen in der Mitte des 'U' legen und wäre gespannt, wer sich so alles in seiner Nähe einfinden würde und welche anderen Gruppieren es eventuell gäbe...