Sim-Off:Die Iden sind da. Ich hoffe, du hast nichts dagegen, wenn ich davon ausgehe, dass unser letztes Gespräch beendet war. Dein Einsatz ist ja auch gerade in zwei anderen Themen sehr gefragt. 
Die Iden des November waren unaufhaltsam näher gerückt und während Cassius Hemina Maior zusammen mit seinem Sohn am Capitolium Ostiensis die örtlichen Septemviri bei der Ausrichtung der Feierlichkeiten zum Epulum Iovis unterstützte, kam Dives am heutigen Tage im Schatten ebenjener Veranstaltung zum Sacellum des Iuppiter Serapis, um dort ohne großes öffentliches Aufsehen ein Opfer zum Schutze des Praefectus Praetorio Decimus Serapio darzubringen. Gemäß seinem Amt wurde er dabei von seinen vier Liktoren begleitet. Etwa zwei Dutzend Sklaven, darunter zehn Musikanten, zehn Opferhelfer mit je einer strahlend weißen, (noch) glücklichen Gans in den Händen und vier Sklaven mit sonstigen Opfergaben, wie Weihrauch, zehn weißen Dianthus-Blumen und misenischem Landwein, warteten am Sacellum auf ihren Herrn.
Barfuß und in blütenweißer Toga trat Dives an den Eingang des kleinen Heiligtums und während ihm die vier Opferhelfer mit den unblutigen Opfergaben folgten, setzten die tibicines mit dem Spiel auf ihren Doppelpfeifen ein. Unterdessen sorgten die Liktoren dafür, dass niemand dem Heiligtum in den nächsten Augenblicken zu nahe kommen würde, sodass der iulische Duumvir abgesehen von seinen sklavischen Helfern alleine, ungestört und ungehört von dritten zu dem Gott sprechen könnte. Da ihn der Sacellumsverantwortliche darauf aufmerksam gemacht hatte, dass man diesem Gott im graecus ritus opferte, bedeckte der Iulier sein Haupt nicht mit einem Teil seiner Toga, sondern setzte sich einen frischen Lorbeerkranz - Symbol der Gens Decima und Symbol des Triumphators Decimus Meridius, der ein Bindeglied zwischen Serapio und Dives darstellte, - auf den Kopf, bevor er die rituelle Reinung am Wasserbecken vollführte:
"Möge dieses Wasser alle Unreinheit von meinem Körper waschen wie das Verwandeln von Blei in Gold. Reinige den Verstand. Reinige das Fleisch. Reinige den Geist. So ist es."
Sodann betrat der Duumvir das Innere des Sacellums gefolgt von den vier frisch gewaschenen, in reinem Weiß gekleideten Sklaven mit den unblutigen Opfergaben. Derweil hielten die draußen spielenden Musikanten störende Geräusche erfolgreich fern und sorgten gleichsam dafür, dass auch von innen kein Wort den Weg nach draußen fand. So ging der Iulier auf das Götterbild des Iuppiter Serapis zu, welches sich in einer aedicula genannten Niesche des Sacellums befand. Dort, wo in unmittelbarer Nähe auch das kleine Opferfeuer brannte, kontrollierte Dives noch einmal den richtigen Sitz seines Lorbeerkranzes, bevor er die Hände mit nach oben zeigenden Handflächen in die Höhe streckte und sprach:
"Ianus, Gott des Wandels, der du gleichsam am Anfang und Ende aller Dinge stehst!
Gott der Götter, der du wachst über die himmlischen Tore! Gott des Übergangs!
Ich, Marcus Iulius Dives, Sohn des Caius Iulius Constantius, möchte dir diesen Weihrauch zum Geschenk machen!
Bitte nimm dies Opfer an und lass mich damit ein gutes Gebet sprechen!"
Dabei opferte er den ihm von einem seiner Sklaven gereichten Weihrauch, sodass sich ein wohlriechender Nebel ausbreitete. Abschließend wandte er sich nach rechts, womit dieses Gebet beendet war. Damit sollte durch Ianus die Verbindung zu Iuppiter Serapis hergestellt werden können. Nun könnte also das eigentliche Voropfer folgen, wofür Dives sich die weiteren gut vorbereiteten Opfergaben reichen ließ, während die Musiker vor dem Sacellum noch immer spielten. Dann nahm er die Gaben und streckte sie einzeln dem Gott entgegen, sodass jener auch genau sehen könnte, was geopfert werden sollte. Anschließend legte er sie am Altar ab: zunächst die zehn weißen Dianthus-Blumen. Die Zehn stand dabei symbolisch bereits für Decimus, dem das Opfer ja letztlich gelten sollte. Weiß war die Farbe der Himmelsgötter und damit ebenfalls keineswegs willkürlich ausgewählt. Letztlich waren natürlich die auch als Zeus-Blumen bekannten Gewächse mit Bedacht für dieses Opfer an Iuppiter Serapis ausgesucht worden. Es folgten eingie interessant duftende Kräuter, frisches Obst und bester, misenischer Landwein (natürlich vom Weingut seines Onkels Proximus), der in eine entsprechende Öffnung gegossen wurde.
Es schloss sich das erste Gebet zu Iuppiter Serapis an. Dazu streckte Dives abermals beide Hände mit nach oben zeigenden Handflächen in die Höhe und sprach:
"Iuppiter Serapis, Gott der Ewigkeit und König unter den Göttern, der alle Welt und alle Gottheit in sich umfasst!
Orakelgott, von dem für die Seele Weisheit, legendärer Heilgott, von dem für den Leib Gesundheit und in allen Dingen alles Gute kommt; Namenspatron so vieler Sterblicher!
Ich, Marcus Iulius Dives, Sohn des Caius Iulius Constantius, möchte dir mit diesen Opfergaben meine tiefe Ergebenheit zeigen!
Danken möchte ich dir damit für deine Unterstützung deines Schützlings, meines guten Freundes Faustus Decimus Serapio, der bereits in so jungen Jahren zum Praefectus Praetorio ernannt wurde!"
Um dieses Dankesgebet an Iuppiter Serapis zu beenden, wandte er sich nun traditionsgemäß zur rechten Seite um. Das Voropfer war abgeschlossen und mit einem guten Gefühl schritt Dives würdevoll wieder nach draußen, um mit dem blutigen Hauptopfer auch den letzten Teil der Opferzeremonie zu vollführen. In zwei Reihen standen die zehn (symbolisch für: Decimus) Sklaven mit je einem strahlend weißen Gänserich (symbolisch für: Serapis/Serapio) in den Händen da und Tiere wie Menschen lauschten stumm und das (noch) glückliche (symbolisch für: Faustus) Federvieh auch von einigen Mittelchen leicht berauscht dem Spiel der Musikanten. Während der iulische Duumvir dann erneut mit Wasser besprengt und damit abermals rituell gereinigt wurde, gab er ein Zeichen und die Worte "Favete linguis!" ertönten. Augenblicklich wurde es unter den vergleichsweise wenigen Anwesenden zumindest etwas stiller auf dem Vorplatz des Sacellums. Unterdessen wurde dem Iulier eine Schüssel gereicht, in der er nun auch seine Hände nochmals wusch. Anschließend trocknete er sie sich mit einem weißen Tuch, dem mallium latum, ab.
Dann trat er zwischen die beiden parallel verlaufenden Reihen der mit ihrer Front zum Sacellum stehenden Sklaven, drehte sich um und blickte zum kleinen Heiligtum des Iuppiter Serapis. Kurz noch einmal den Lorbeerkranz zurecht gerückt, erhob er seine Hände mit zum Himmel zeigenden Handflächen und sprach:
"Iuppiter Serapis, Gott der Ewigkeit und König unter den Göttern, der alle Welt und alle Gottheit in sich umfasst!
Orakelgott, von dem für die Seele Weisheit, legendärer Heilgott, von dem für den Leib Gesundheit und in allen Dingen alles Gute kommt; Namenspatron so vieler Sterblicher!
Ich, Marcus Iulius Dives, Sohn des Caius Iulius Constantius, danke dir nochmals für deinen bisherigen Beistand für meinen guten Freund Serapio!
Daher möchte ich dir nun diese zehn (!) mit Argusaugen ausgesuchten, schneeweißen Gänseriche zum Geschenk machen!
Und damit möchte ich dich auch bitten, gerade jetzt mit wachsamem Auge und behütender Hand ebenjenem Serapio, deinem Günstling, schützend zur Seite zu stehen! Als Orakelgott wirst du am besten wissen, in welcher Gefahr er sich befindet und was auf ihn zukommt!
Dann will ich geloben dafür zu sorgen, dass dir an dieser Stelle, an der sich aktuell nur dieses vergleichsweise kleine Sacellum befindet, schon bald ein Serapeum erhebt, das deiner wahrhaft würdig ist! Das Kultbild, so gelobe ich weiter, will ich persönlich dir zu Ehren fertigen lassen! Do ut des."
Mit einer Wendung nach rechts symbolisierte Dives, dass er sein Gebet gesprochen hatte und sogleich wurde damit begonnen, den Opfertieren den wenigen Schmuck, den man Gänsen nunmal nur an- und/oder umhängen konnte, abzunehmen. Während sie dann mit mola salsa bestrichen wurden, bekam der Duumvir ein Opfermesser gereicht, mit welchem er zunächst dem ersten Gänserich von Kopf bis Schwanz strich. Er übergab das Messer dem Sklaven, der gleichsam als Schlächter fungierte, und jener stellte die Frage der Fragen: "Agone?" - "Age!", antwortete Dives mit fester Stimme.
ZACK!
So wurde mit einem gekonnten Schnitt der Kopf des Vogels von dessen restlichem Körper getrennt und ein Sklave, der noch zuvor unblutige Opfergaben getragen hatte, eilte sogleich mit einer patera herbei, um einen Teil des reichlich aus dem toten Gänserich austretenden Blutes aufzufangen. Das erste Tier - das erste gute Omen. So folgten nacheinander auch die übrigen Gänseriche dem ersten in den Tod, sodass nach wenig besonderen Vorkommnissen letztlich die zehn Gänse tragenden Sklaven, einjeder von ihnen vom Blut der gehaltenen Gans besudelt, die Innereien der gefederten Tiere entnahmen und sie zur Eingeweideschau auf einzelne paterae legten. Der letzte Akt der Opferzeremonie könnte beginnen und der in Opfern nach griechischem Ritus noch nicht ganz so erfahrene Iulier war sehr gespannt, ob der mächtige Iuppiter Serapis seiner Bitte, die lediglich vom Schutz, nicht aber vom Sieg Serapios sprach, dennoch nachkommen würde...
Sim-Off:Einmal Iuppiter Serapis bitte! 