Beiträge von Marcus Iulius Dives

    Ostianus, der Vorzimmerbeamte des Duumvir Iulius, saß an seinem Platz und knabberte mittlerweile seit einer guten halben Stunde gedankenverloren an einem Keks. Er stellte gerade die gefühlt hundertste Vermutung darüber an, was der Duumvir mit dem Hafenverwalter - oder umgekehrt - zu besprechen hätte, da kam Ocella vorbei.
    "Salve! Du hast einen Termin, oder? Noch ist der Hafenverwalte Sulpicius drin... immernoch. Aber ich kann ja mal schauen, wie lange es noch dauert!", sprach der Beamte und war auch schon aufgesprungen, um seine eigene Neugier endlich zu befriedigen. Kaum war er jedoch drin, da kam er auch schon wieder heraus.
    "Kannst gleich rein. Die wollen sich eh gerade verabschieden.", verkündete er etwas niedergeschlagen. Warum war der Helvetius nicht früher gekommen?! Ostianus sackte unter enttäuschtem Stöhnen auf seinen Platz zurück. ... Aber letztlich könnte der Scriba mit seinem Termin wohl am wenigstens dafür.


    Nachdem der Hafenverwalter Sulpicius sichtlich erschöpft - ob vom Gespräch oder seinen sonstigen Aufgaben am Portus Romae, ließ sich nicht genau sagen - das Officium Duumvirorum verließ, wurde Ocella sogleich mit einer stummen Geste des Ostianus in ebenjenes herein gebeten...

    "Die Societas Claudiana et Iuliana steht jedem ..." Weiter kam er nicht mehr, denn nun zog der Tiberier wieder alle Aufmerksamkeit auf sich. Apoll hatte das Opfer tatsächlich angenommen! Ob er wusste, wer mit dem 'wahren Kaiser' gemeint war? Immerhin konnte ja auch so ein Gott der Weissagung nicht die Gedanken des Opfernden lesen... Davon zumindest ging der Iulier aus. Wahrscheinlich aber könnte er besser als jeder andere Anwesende eins und eins zusammenzählen. Denn Apoll wusste - im Gegensatz zu vielen anderen hier - wohl sicherlich, dass der Opferherr ein patrizischer Tiberius war...


    "Ja, es ist vollbracht! Und ich denke, es war alles in allem eine sehr gelungene Sache, T..atsächlich." Beinahe hätte Dives im Überschwang der Gratulation etwas Falsches gesagt. Denn auch wenn das Opfer selbst ja nun geschafft war, so könnte es dennoch mit Sicherheit auch nachträglich noch zu Empörungen kommen, würden die falschen Leute hören, wer das Wort an sie gerichtet hatte.
    "Darf ich dir übrigens Iulius Crassus hier vorstellen? Er ist, wenn wir das gerade richtig ermittelt haben, ein Cousin von mir.", lenkte der junge Decurio das Thema schnell weiter. Hoffentlich fiel es nicht allzu sehr auf, dass der Tiberier unvorgestellt blieb. Immerhin könnte das auch in gewisser Weise heißen, dass man ihn eigentlich kennen müsste. Dem war zwar aus Dives' Sicht nicht so, aber Crassus hatte ja erzählt, dass er gerade erst in Roma angekommen sei, sodass man durchaus daruf pokern konnte, dass er eine Nachfrage aus Scheu vor einem Fettnapf auslassen würde.


    "Crassus will übrigens ebenfalls der Societas beitreten...", interpretierte Dives die interessierten Nachfragen des Iuliers sodann. "... Vielleicht könntest du ihm ja erzählen, wie es dir bisher so in der Kultvereinigung gefällt?", gab er dann das Wort wieder an Lepidus ab. Nebenbei wäre es auch für den vertretungsweisen Magister eine wissenswerte Einschätzung...

    Zitat

    Original von Gnaeus Coriolanus


    Irgendwie war dem Iulier allein durch die Anwesenheit des Aedilis Mercatuum die Lust und Laune am weiteren persönlichen Verteilen der sportulae vergangen. Wer wüsste schon, wer hier vielleicht noch alles wagte aufzuschlagen?! Und Dives hatte sich während seiner Quaestur ganz sicher nicht nur einen Decurio Ostias zum Feind gemacht. Er überreichte noch eine Hand voll Körbchen mit immer wieder ähnlichen Danksagungen für die Anwesenheit der Korbempfänger. Einer jener Gabenempfänger bedankte sich dafür sogar besonders wortreich, sodass der Duumvir für einen winzigen Moment tatsächlich mit dem Gedanken spielte es vielleicht doch noch ein wenig länger hier auszuhalten.
    "Mögen unser aller regelmäßige Opfer die Götter gnädig stimmen, auf dass uns allen Ordnung und Frieden wenigstens innerhalb unserer geliebten Civitas Ostia erhalten bleiben!", sprach der Iulier zur Antwort. Denn die Götter würden, wenn sie schon den offenen Kampf zwischen Römern - nein, römischen Legionen, riesigen römischen Heeren (!) - zuließen, dann doch hoffentlich wenigstens dafür sorgen, dass das ganze irgendwo passierte, wo man sie nicht so fromm verehrte! Zwar würde ganz sicherlich kein Gott sich direkt vor die Civitas stellen, um diese zu verteidigen, und ganz sicher würden auch keine Götter zum Mauerbau von Iuppiter abkommandiert werden, wie einst Neptun und Apoll die Troianischen Mauern erbauten, doch es reichte ja vielleicht schon, wenn dem Haruspex, welchen jeder Feldherr bei sich hatte, ja eventuell eine grobe Richtung eingeflüstert werden würde... Aber es wäre müßig, jetzt weiter darüber nachzudenken. Dives war schließlich nur ein Sterblicher, der den größeren Sinn einer Sache nicht unbedingt sehen können musste.


    Sim-Off:

    Sportula: siehe WiSim


    Zitat

    Original von Iunia Axilla


    So schnappte sich der Iulier seine vier Liktoren, die ihn als Duumvir begleiten durften, krallte sich noch schnell einige weitere sportulae und bahnte sich dann einen Weg durch die Menge. Das hieß: Genaugenommen bahnten ihm die beiden Liktoren rechts und links vor ihm einen Weg, während sich die Menschen hinter den beiden hinteren Liktoren wieder zusammenschoben. Immer mal wieder reichte Dives auf seinem Weg dann einen Korb nach links und dann mal wieder einen nach rechts weg ohne genauer wahrzunehmen, wer der Empfänger der Gaben sein würde. Durch die Massen durch, waren seine Körbe weg und er hielt stattdessen mehrere kleine Täfelchen in den Händen, die man ihm zugesteckt und zugestreckt hatte. Daran müsste er sich erst noch gewöhnen, wie ihm schien. Immerhin hatte er noch ein bisschen süßes Gebäck bei sich, mit dem er sich auf dem Rückweg bei erfolgreicher Opferung belohnen wollte, während die sportulae kontinuierlich weniger werden und irgendwann alle sein würden. Dann aber wäre er schon längst nicht mehr hier, denn er wollte als der Geber wahrgenommen werden - und nicht als der, bei dem es nicht gereicht hätte (was es objektiv gesehen wohl nie wirklich konnte).
    So holte der Iulier also das in ein weißes Tuch eingepackte Gebäck heraus und just als er sich das erste Stück gönnen wollte, fiel sein Blick auf eine junge, schwangere Frau, die dazu schon ein Kind hatte. Sie sah alles andere als besonders arm oder bedürftig aus, aber dennoch bekam der Duumvir ein schlechtes Gewissen und ließ sich und seine Liktoren folglich in Richtung des kleinen Jungen laufen. Der würde sich bestimmt freuen. Und vielleicht würde der Iulier sich auf diesem Weg ja gleich noch einen Decurio zum Freund machen? Verkehrt könnte das gewiss nicht sein...


    "Halt!", stoppte der Duumvir seine Liktoren bestimmt und stante pede kamen die auch etwas mehr als zwei Ruten vor dem Jungen und seiner vermuteten Mutter zum Stehen. Der Abstand war bewusst etwas größer gewählt, da Dives ja niemanden ängstigen wollte und gerade bei fremden Kindern wusste man nie so genau. Dann trat der Iulier aus seiner Schutztruppe heraus und nährte sich dem Jungen mit bedauerlichem Blick.
    "Salve! Na, du? Tut mir Leid, aber die Körbchen, die ich vom Opfer mitgenommen habe, haben die Leute mir schon alle aus den Händen gerissen..." Er kniete sich etwa einen passus vor dem Kleinen hin, denn auf Augenhöhe sprach es sich mit Kindern stets leichter. "... Aber ein paar Kekse hab ich mit rausschleusen können. Aucc ainn?", präsentierte er das Gebäck auf dem Tuch, das im Gegensatz zu Dives' Toga noch immer strahlen weiß war. Vor allem der Togensaum hatte sich unten ziemlich mit Blut vollgesogen. Bei seinem Angebot an den Jungen streckte er diesem die Hand mit den Leckereien entgegen, nahm selbst eine (weshalb er etwas nuschelte) und blickte dann fragend zu der vermeintlichen Mutter.


    Sim-Off:

    Angebotene Kekse: siehe WiSim

    Zwischen den Unterlagen auf Ocellas Schreibpult fand sich eines Morgens auch die folgende, eher dezent platzierte Tabula:


    Ad manus Scribae T. Helvetii Ocellae



    Salve,


    Der Duumvir Iulius erwartet dich morgen gegen Ende der achten Stunde, direkt im Anschluss an seinen Termin mit dem Hafen-verwalter Sulpicius, mit Schreibzeug gerüstet in seinem Officium.


    Im Auftrag des Duumvir,
    P' Asinius Celer

    | Cito


    Nachdem Dives am gestrigen Tage einen interessanten Archivschreiber einer ostiensischen Bibliotheca zu Gast in der Villa Iuliana hatte, konnte er sein ursprüngliches Vorhaben doch noch umsetzen und Serapio zum Equus october, an dem jener ja bedauerlicherweise nicht teilnehmen konnte, einen Brief schreiben - einmal mehr überbracht durch seinen unauffälligen Cursor Cito:


    [Blockierte Grafik: http://i662.photobucket.com/al…epunkt/Payiosbreit1-1.jpg]
    Ad
    Praefectus Praetorio
    Faustus Decimus Serapio
    Casa Decima Mercator
    Roma, Italia



    Salve Praefecte Decime,


    Viel zu lange bin ich dir diesen Brief schon schuldig geblieben, sodass ich hoffe, dass du mir ob dieses Umstandes nicht allzu sehr zürnst. Doch auch ich habe, wie du wohl verstehen können wirst, als quasi frisch inaugurierter Duumvir der Civitas Ostia aktuell alle Hände voll zu tun. Ich bitte dich also um Nachsicht und Entschuldigung für mein Verhalten.


    Als nächstes möchte ich dir, stellvertretend auch für deine zahlreichen Verwandten, meinen ganz persönlichen Dank aussprechen für euer aller Erscheinen zu meiner Theatervorführung am Festtag des Vulcanus. Wenngleich die Inszenierung selbst unglücklicherweise als einigermaßen misslungen zu bezeichnen sein dürfte, so hat doch allein eure Anwesenheit all dies wieder wettzumachen vermocht und letztlich den Tag zu einem äußerst befriedigenden Ende führen können. Danke!


    Abschließend möchte ich dir zum heutigen Equus october ein bescheidenes Geschenk überreichen, um zu zeigen, dass es mir auch tatsächlich ernst ist mit dem, was ich dir schreibe.


    Mögen die Götter, möge Fortuna eine schützende Hand über Dich legen.
    Vale bene!


    http://imperiumromanum.net/ima…el_gens_Iulia_Papyrus.png
    SCITUM PER SIGNUM DUUMVIRI:

    MARCUS IULIUS DIVES
    DUUMVIR - OSTIA


    In die Schriftrolle eingerollt war eine zusammengeklappte, versiegelte kleine Tabula. Äußerlich trug sie auf beiden Seiten einen hoffentlich als solchen erkennbaren Pferdeschwanz, um den es traditionsgemäß am heutigen Tage wohl nicht nur in der Hauptstadt kleinere Straßenkämpfe geben würde. Das weiße Siegelwachs trug eine Nelkenblüte.



    Betörender Duft


    Ich rieche den betörenden Duft
    von heißen erotischen Spielen.
    Er liegt ganz fein in der Luft,
    verzaubert von Gefühlen.


    Ich fühl Deine zärtliche Hand,
    knistern auf meiner Haut.
    Meine Augen Dir zugewandt
    Vertrauen aufgebaut.


    Ich spür Deine Zunge verwegen,
    genieße die Leidenschaft in mir.
    Mein Körper zuckt Dir entgegen,
    Mein Herz, es fliegt zu Dir.


    Ich bin Dein stolzer Reiter!
    Im Gleichklang sich bewegen,
    jagen wir uns weiter,
    dem Höhepunkt entgegen.


    (anonymos)



    Nachdem der Cursor seine Nachricht pflichtbewusst und selbstredend ungelesen übergeben hatte, machte er sich so unauffällig, wie er gekommen war, auch wieder auf den Rückweg nach Ostia...




    CURSOR - MARCUS IULIUS DIVES

    "Vale, Helvetius!", verabschiedete sich sodann auch Dives und war doch einigermaßen erstaunt, wie schnell der Scriba wieder verschwand. Hatten seine Worte verbunden mit der Position, die er derzeit ausfüllte, eine solch verschreckende Wirkung? Hoffentlich doch nicht! Aber dann dachte er daran, dass Ocella ja dem Aedil Herennius zuarbeitete und folglich sicherlich einfach nur noch etwas zu erledigen hatte...


    Von diesem Gedanken wieder etwas beruhigt ging der iulische Duumvir nun also weiter ins sudatorium, in welchem ihm allerdings kein allzu langer Aufenthalt gewährt wurde. Die dortigen Gesprächsthemen waren allesamt unangemessen, unangebracht und uninteressant! Nichts, worüber Dives sich jetzt oder in absehbarer Zeit Gedanken machen wollte. So wechselte er relativ rasch weiter ins frigidarium, wo er sich wieder etwas abkühlen konnte und anschließend möglichst unauffällig in einer Ecke sitzend - damit ihn niemand gleich erkannte und unnötig belästigte - die heutige Zeitung studierte.
    Sollte ihn niemand hierbei stören, bevor er fertig wäre, würde er hernach stante pede den Weg in die Umkleiden in Angriff nehmen und anschließend den Heimweg antreten. Andernfalls müsste und würde er sich wohl oder übel freundlich dem/den Anliegen des/der Störenden annehmen...


    Sim-Off:

    Falls also noch irgendjemand den Duumvir hier abpassen will...

    Sehr schön! Der Helvetier besaß tatsächlich auch gute Schreibfertigkeiten, wenn er keine Wiederholung des Satzes benötigte. Zwar hatte Dives auch nicht ganz so schnell gesprochen, wie bei seinen üblichen Amtsdiktaten irgendwelcher Post, doch so für das erste Mal (zumindest dem Duumvir gegenüber) war das wirklich nicht schlecht!
    "Dann gib mal her.", forderte er Ocella auf und griff nach der Tafel. Der Iulier war ja mal gespannt, wie es nun um Kenntnisse der Rechtschreibung und natürlich auch der äußere Form des Ganzen aussah. Er begann zu lesen: 'Zu Händen des Quaestors...'


    Ad manus Quaestoris


    Der Scriba Ostiensis Titus Helvetius Ocella, dessen Großvater Helvetius Gracchus eins bereits das Duumvirat der Civitas Ostia bekleidete, verdient aufgrund dessen - von seinem ersten Arbeitstag als Scriba an - den Satz von CL Prozent des Schreibergrundgehaltes, das heißt XXX Sz. pro Woche.


    Marcus Iulius Dives
    DUUMVIR - OSTIA



    "Gut!", befand der iulische Duumvir letztlich und setzte anschließend sein Signum unter den Text. Kurz überlegte er, ob er den Helvetius noch nach etwas Wachs fragen sollte, entschied sich aber dagegen. Der Sklave hatte schon die Schreibutensilien erst holen müssen. Eh der jetzt also erst noch losging, um auch noch Siegelwachs zu besorgen, verzichtete er lieber darauf. Er hatte ja jetzt schon langsam schrumplige Finger...
    "Hier.", reichte er das Schriftstück zurück und erhob sich.
    "Gibt es sonst noch etwas zu besprechen?", erkundigte er sich und beschloss gedanklich schonmal, dass der Helvetier ihm dann eben ins sudatorium folgen müsste, wenn er noch ein Anliegen hätte. Im Wasser könnte der Duumvir jetzt jedenfalls nicht mehr bleiben!

    Und wieder war Dives auf der Suche nach den richtigen Worten. Was sollte er sagen? Was sollte er tun? Den Caelier einfach rausschmeißen lassen und damit Gefahr laufen, dass der erst recht zu verbreiten begann, was nicht verbreitet gehörte? Das Risiko konnte und wollte der Iulier nicht eingehen. Er sollte wohl am besten herauszufinden versuchen, was genau Caldus alles wusste - wobei das allem Anschein nach nicht übermäßig viel sein könnte, wenn der davon ausging, dass Aculeo derjenige welche war. Konzentrieren müsste er sich daher wohl vor allem auf die unbeantwortete Frage: Was wollte er? Niemand tat doch für einen praktisch Fremden etwas aus reiner Nettigkeit! Irgendetwas gab es mit Sicherheit, das der Scriba Logei damit bezweckte oder haben wollte.


    "Mir helfen, ja?" - "Ja." - "Wieso? Ich meine, was hast DU davon?! Du tust das doch nicht nur, um mir zu helfen, oder?!" Angespannt blickte der Duumvir dem Caelier direkt in die Augen und versuchte irgendetwas darin lesen zu können, irgendeine kleine Bewegung wahrzunehmen, ein winziges Zucken, das eventuell verriet, was diesen Mann hierher geführt hatte, welche Intention er mit diesem Besuch verfolgte. Kurz wurde es still und letztlich löste Caldus den Blickkontakt mit einem leichten Kopfschütteln.
    "Du hast die Wahl, Iulius: Wir können uns jetzt lang und breit über meine vermuteten Absichten für diesen Besuch hier unterhalten und erörtern, weshalb ich mich nicht schon vor einer Woche um einen Termin bei dir bemüht habe oder warum nicht auch erst in drei Tagen. Wir können diskutieren, weshalb ich dir nicht damals in der Taverne schon erzählt habe, was du offenbar so schnell wieder erfolgreich verdrängt hast. Und wir können herauszuarbeiten versuchen, aus welchem Grund du mich erst wochenlag gesucht und, als ich aufgetaucht bin, dann doch nur nicht erkannt hast. ... Oder du kannst dir von mir helfen lassen und dir ansehen, was ich mitgebracht habe...", zog der Caelier eine einfache Umhängetasche, die bislang neben seinem Stuhl auf dem Boden stand, auf seinen Schoß herauf und begann mit interessiertem Blick darin zu kramen. Man konnte das unverkennbare Klappern mehrerer Tabulae hören. Mistkerl!


    "... Na schön! Zeig her, was du da hast!", antwortete Dives, der diesem Caelier zwar noch immer nicht einen digitus über den Weg traute, sich aber andererseits dem Ziel gerade so nah fühlte, dass er einfach wissen musste, was auf diesen Tafeln geschrieben stand. So wurden nacheinander alle sechzehn Tabulae - einige größer, andere kleiner - auf dem duumvirischen Schreibtisch ausgebreitet und gemeinsam gelesen, um anschließend für gut oder weniger gut zu gebrauchen befunden zu werden. In der ersten Runde schieden sieben Tafeln aus und beinahe unbemerkt, wechselte Caldus die Seite des Tisches, um besser lesen und beraten zu können, wie er meinte. Dem zweiten Lesen fielen hernach immerhin fünf Tabulae zum Opfer und dem dritten Durchgang drei, sodass letztlich nur noch eine einzige Tafel auf dem Tisch lag: Der Verfasser des Werkes war unbekannt und auch das Gedicht selbst hatte der Iulier logischerweise noch nie zuvor gehört.
    "Gut, das nehm' ich.", sprach Dives und noch ehe er mehr zu sagen in der Lage war, hatte der Caelier den Weg bis zur Tür des Officiums zurückgelegt, den Kopf heraus gestreckt und einen Sklaven herbei gerufen. Eine Kanne des besten Weins wurde bestellt, um - so erzählte er dem Diener - auf den erfolgreichen Geschäftsabschluss anzustoßen. Nachdem die Tür wieder zu gefallen war, lauschte der Leibeigene noch einen kurzen Moment an ebenjener: Irgendjemand oder irgendetwas stieß hörbar einmal gegen den großen Schreibtisch, aber ansonsten war alles ruhig, beinahe gespenstisch still. Der Sklave holte den Wein und stand keine uncia später wieder vor dem Officium des Iuliers. Die Tür jedoch stand offen, Dives saß nachdenklich auf dem Boden an eine Wand gelehnt und der Besucher war weg. In diesem Moment fiel, wie zur Bestätigung, die große Porta der Villa ins Schloss. Stumm stellte der Diener das silberne Tablett mit Wein und Wasser in die Tür und verschwand möglichst geräuschlos. Was da wohl passiert war in so kurzer Zeit? Er schüttelte im Weggehen leicht den Kopf...


    Sim-Off:

    Edit: Link eingefügt.

    Ja, auf der Suche nach den richtigen Worten war Dives schon eine ganze Weile, genaugenommen praktisch seit er sich vorgenommen hatte Serapio zu schreiben. Es war so einfach gewesen sich vorzunehmen, dass er ihm schreiben würde und so ungleich schwieriger dann auch tatsächlich etwas Brauchbares zu Papyrus oder wenigstens einen ersten Strich auf eine Tabula zu bekommen. Zunächst hatte der Iulier es mit gewöhnlichen Briefen versucht, die aber alle bereits an der ganzen Förmlichkeit der Anrede und solchen Dingen gescheitert waren. Etwa anderthalb Wochen später folgte die Phase, in der er sich dazu entschloss irgendetwas Poetisches zu schaffen, was er wiederum eine Woche darauf dann auch begann, jedoch noch in der selbsen Woche auch gleich wieder aufgab. Dazu war er irgendwie einfach nicht in der Lage. Es folgten zwei Wochen des Belesens in der hauseigenen Bibliotheca - und sogar aus der Casa Iulia in Roma hatte sich der Duumvir (natürlich stets unter irgendwelchen scheinheiligen Vorwänden) diverse Literatur besorgt. Aber auch das Heraussuchen passender, bereits existierender Werke erwies sich als deutlich aufwändiger als gedacht, sodass der Iulier letztlich - er wusste schon gar nicht mehr, wie viele Wochen seit der letzten Begegnung mit Serapio nun mittlerweile ins Land gegangen waren - einfach nur noch eins tun konnte: Hilfe beschaffen!
    Einem Duumvir standen dazu natürlich gerade in der von ihm verwalteten Stadt vergleichsweise viele gute Optionen offen. Welche Buchhandlung oder Bibliotheca würde sich schließlich nicht einem der beiden Stadtobersten empfehlen wollen, in der Hoffnung daraus vielleicht gleich noch gut Profit zu schlagen durch irgendwelche Vergünstigungen? So bekam die Bücherei von Portus von höchster Stelle einen besseren Standplatz auf dem Platz der Corporationen zugewiesen, während der Curator Libris der Bibliotheca am Tibris für sein Buch 'Historia Ostiensis' eine Woche lang exklusiven Zugang (allerdings unter Aufsicht) auch in die Bereiche des städtischen Archivs bekam, die der breiten Öffentlichkeit sonst nicht so einfach zugänglich waren. Das Werk würde vor seiner Veröffentlichung dafür jedoch noch einmal durch eine duumvirische Zensur gehen, wo zumindest die pikantesten Details garantiert gestrichen werden würden. Die Buchhandlung in der Nähe des Forums hatte Dives mit einer 'bescheidenen' Spende für sich gewinnen können und den Buchverleih in den Claudiusthermen schlichtweg mit Erpressung. Doch die von allen vorgelegten Ergebnisse waren allesamt unbrauchbar. Teils große Namen mit teils tollen Werken, die aber kaum bis gar nicht den Anlass trafen. Was sollte der Iulier beispielsweise mit einem Gedicht, welches davon handelt, wie Cupido die weiblichen Reize entdeckt? Es war klasse geschrieben, wie er fand, doch es passte einfach nicht zur Sache...


    Da kündigte sich ein Archivschreiber der Bibliotheca Marinae, die gleich hinter der Porta Marinae gegenüber dem Forum Marinae gelegen war, an. Der Duumvir konnte sich zwar nicht erinnern, dass er auch an diesen Betrieb irgendwelche Versprechungen gemacht oder gar irgendwelche Geldbeträge gespendet hatte, doch wahrscheinlich hatte man dort einfach davon gehört, dass der Duumvir Iulius spezielle Literatur suchte. Innerhalb einer Branche wäre es schließlich ganz normal, dass derlei Informationen - zumal innerhalb des Stadtgebietes - die Runde machten. So dachte sich Dives auch nichts weiter dabei, als er jenen Herrn in die Villa Iuliana einlud.


    | Caius Caelius Caldus
    SCRIBA LOGEI - BIBLIOTHECA MARINAE


    Es war schon eine ganze Weile her, seit er den Duumvir Iulius Dives, wie der sich neuerdings schimpfte, in einer Taverne getroffen hatte. Noch ein ganzes Stück länger zurück lag sein letzter (bezahlter) Besuch der Villa Iuliana, über den der Caelier noch heute gut schmunzeln konnte. Vor allem, dass der Iulier ihn in der Taverne nicht erkannte hatte, nachdem er doch in gewissen Kreisen - wie auch Caldus zu Ohren gekommen war - nach ihm gesucht hatte! So hatte sich der Scriba Logei also heute aufgemacht zur Villa Iuliana und war gespannt, ob sich der Duumvir heute an ihn erinnern könnte. Jetzt hatten die beiden schließlich nicht nur eine nächtliche Begegnung miteinander, sondern auch eine bei... nunja, immerhin Tavernenlicht.
    Zügig wurde der Caelier von der Porta der Villa ins Privatofficium des Duumvir Iulius Dives geführt, wo man sich gegenseitig kurz begrüßte und dem Iulier sogar auffiel, dass er seinen Gegenüber bereits irgendwo her kannte. Doch vorerst hielt er diese Erkenntnis noch unter Verschluss...


    "Also... Caelius, was führt dich zu mir? Wie hast du erfahren, dass ich die Hilfe eines belesenen Mannes brauche? Und vor allem: Hast du eine Vorstellung davon, was ich suche?", stellte Dives seine Fragen, denn so ganz genau gesagt, worum es ging, hatte er bislang niemandem - was wohl auch der Grund dafür war, dass er noch immer mit leeren Hände da stand.
    "Zunächst: Nenn mich ruhig Caius. Ich denke das wäre durchaus angemessen. Dann: Die Bibliotheca Marinae arbeitet, wie du vielleicht weißt, eng auch mit dem Buchverleih in den Claudiusthermen zusammen. Nach deiner so... zuvorkommenden Anfrage an diesen kannst du dir sicherlich vorstellen, dass auch die Bibliotheca Marinae entsprechend eindringlich informiert wurde. Daher weiß ich, dass du nach spezieller Literatur suchst.", beantwortete Caldus zunächst nur die ersten beiden Fragen, wenngleich ein wissendes Lächeln bei Erwähnung der speziellen Literatur gleichsam schon so eine Andeutung darstellte.


    "Wer bist du und was willst du?! Ich weiß, dass ich dein Gesicht kenne, aber ich kenne ganz sicherlich keinen Caelius!", sprach Dives eindringlich und lehnte sich vor auf seinen Schreibtisch, den Caelier mit kaltem Blick fokussierend. Der getroffene Hund bellte.
    "Haha, Iulius! Du erinnerst dich wirklich nicht? Du erinnerst dich nicht an den Tag, an dem wir uns wie lange unterhalten haben, nachdem dich dein Freund für ein leichtes Mädchen hat sitzen lassen? Eine Stunde? Zwei? - Komm, enttäusch mich nicht! Ich bin's, Caius! ... Oder erinnerst du dich jetzt vielleicht an Venus' Tag der Launenhaftigkeit? Den Tag, an dem man aufpassen muss, was man einander glaubt; den Tag, an dem wir beiden Süßen..." Genau das war der Grund gewesen, weshalb sich Caldus so auf diesen heutigen Tag gefreut hatte! Wie ein Fisch hatte der Iulier an besagtem Abend angebissen und versuchte sich nun nach Kräften von der Leine zu reißen - vergebens.


    "JA! Ja... Ich meine, vielleicht kann ich mich erinnern. Was willst du?!", beendete Dives diesen Vortrag seines Gegenübers. Er konnte sich das nicht mehr länger mit anhören, wenngleich er sich so gänzlich daran wirklich nicht mehr erinnern konnte. Das zweite Treffen in der Taverne, ja. Das war jetzt wieder einigermaßen präsent. Aber hatte er tatsächlich mit diesem Caelius..? Viel gesehen hatte er damals nicht. Er müsste Caldus fühlen, um zu sehen, inwiefern das stimmen könnte...
    "Was ich will? Warum so misstrauisch, Iulius? Ich will dir helfen, dass du deinen Freund wieder aus den Fängen dieses Mädchens befreist. Darum geht es doch, oder? Deshalb hat dir doch bisher niemand weiterhelfen können, nicht wahr?!", triumphierte der Scriba Logei sichtlich ob der gezogenen Schlüsse. Jetzt müsste sich Dives erklären...

    Na super! Jetzt lachte Serapio ihn also auch noch aus. Das hatte ihm ja gerade noch gefehlt, dass er nur noch als eine Witzfigur wahrgenommen werden würde... Naja, aber vielleicht war es andererseits auch gar kein allzu schlechter Abschluss und es würde eventuell den Weg zurück auf das Fest, zurück unter die Leute etwas erleichtern. Und ein gewisses Maß an Humor war schließlich so ganz allgemein gesehen auch gar nicht so verkehrt... hoffte Dives. Tatsächlich versuchte der Decimer ihn im nächsten Augenblick wieder etwas aufzubauen und das komische Moment galant zu übergehen. Seltsamerweise war das wirklich ein bisschen tröstlich.
    So beschloss der junge Decurio also das Gesagte wenigstens für die kommende Fahrt zurück zum Fortunafest zu verdrängen und sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Beispielsweise wäre sein Blumenkranz beinahe wieder in diesem herabhängenden Weidengestrüpp hängen geblieben und nur ein zügiger Griff mit der rechten Hand auf seinen Kopf verhinderte Absturz des Kranzes. Dives hörte zu, wie Serapio dann begeistert über das Bigafahren erzählte und wie enttäuscht er doch war, dass er nicht beim kommenden Equus october mitfahren könnte. Ach, da konnte der Praetorianerpraefect einem wirklich fast ein bisschen Leid tun.


    "Ich hätte dich gerne fahren sehen.", ließ der Iulier ihn wissen und hoffte, dass diese Anteilnahme soetwas wie der Ausgleich zu den aufbauenden Worten Serapios nach der unfreiwilligen Reit-Komik wäre. Beim Factio-Thema hingegen war der junge Decurio angriffslustiger und erwiderte etwas in der Richtung, dass man eben immer gut aufpassen müsste, wenn man es mit einem Blauen zu tun hätte. Und gewonnen hatte der Decimer dereinst auch sicherlich nur, weil die Venetae ja in der Regel alles ganz nette Kerle waren... genau! Das konnte man mit einem Augenzwinkern so stehen lassen.
    "Vale... und: mach's besser!", verabschiedete sich Dives, nachdem er abgesetzt wurde, ebenfalls mit einem seiner Standardsprüche für Freunde. An ein 'Pass auf die auf!' oder 'Halt die Ohren steif!', dachte er erst, als der Praefectus bereits wieder außer Reichweite war. Dabei wären diese Wünsche angesichts der innenpolitischen Lage wohl die besseren gewesen. Dennoch bei weitem nicht unzufrieden, begab sich sodann auch der Iulier wieder mitten hinein ins Getümmel...

    Ein Tempeldiener übernahm die Eingeweideschau... und kam ganz schön fix voran, wie der Iulier fand. Er selbst beobachtete aus wenigen Schritt Entfernung, wie erst die patera mit dem Herz des ersten Ochsen untersucht wurde. Ein prüfender Blick, ein kurzes Abtasten und das Organ wurde mit einem leichten Nicken wieder zurück gelegt. Es folgte das nächste Organ: Ansehen, Abtasten, Nicken, Zurücklegen, das nächste. Nicht, dass der Duumvir nicht froh war, dass es bisher so gut lief, kamen ihm bei dieser Geschwindigkeit dann aber doch ein paar Zweifel. Er hatte ganze zwei Aurei für ein der Öffentlichkeit präsentierbares Ergebnis gezahlt - aber musste der Tempeldiener das so offen zur Schau stellen?! Nicht, dass das noch Schlagzeilen machte, wenn das rauskäme (obwohl das ganz sicher viele machten)! Drum erlaubte sich der Iulier leise eine kurze Zwischenfrage:
    "Sag mal, muss das da so dunkel sein? - Und das? Ist das ein Huckel, ein... Knoten?", mischte er sich ein und hoffte, dass sich der Tempeldiener dies noch einmal genauer ansah und anschließend verneinen würde. Stattdessen jedoch setzte der Mann einfach nur seine Arbeit fort und sagte gar nichts. Erst als sich der Duumvir ein weiteres Mal zu räuspern begann und abzusehen war, dass er sich erneut einzumischen gedachte, riss ihm der Geduldsfaden.


    "Denk nicht mal dran, Iulius!", zischte er ohne aufzublicken. Zwei Ochsen zur gleichen Zeit passierten ihm auch nicht alle Tage! Da wollte er sich auch ein bisschen konzentrieren können, um auch in einer angemessenen Zeit damit durch zu sein!
    "Ich weiß schon, was ich tue, keine Sorge. Und bisher ist wirklich alles bestens.", fügte er dann mit einem leicht genervten, aber nicht allzu säuerlichen Gesichtsausdruck hinzu. Immer diese jungen Möchtegern-Politiker, die das bisschen Anspannung nicht ertragen konnten und am besten schon drei Tage vor dem Opfer mit Sicherheit wissen wollten, dass auch ja alles in Ordnung wäre... Dafür hatte der Iulier doch bezahlt! Was machte er sich also Sorgen?!


    Sich nach außen - für die Öffentlichkeit - nichts anmerken lassend, nahm der Duumvir die Worte des Tempeldieners so hin und lächelte dazu, als wäre ihm gerade bestätigt worden, dass das erste Tier makellos sei. Kurze Zeit später dann bekam er das finale Zeichen und er baute sich für jedermann gut sichtbar auf den Stufen des Tempels auf.


    "LITATIO!"


    , verkündete er lautstark und riss die Hände dabei dramatisch nach oben. Und ein Teil des Publikums schien sich davon tatsächlich sogar anstecken zu lassen und begann zu applaudieren. Zusammen mit dem restlichen Fleisch des Opfertieres wurden die Eingeweide anschließend in die Tempelküche gebracht. Dort wurden die Iuppiter vorbehaltenen vitalia gekocht, bevor man sie feierlich auf dem Altar verbrennen und so dem Göttervater, dem höchsten aller Götter, zuführen würde.
    Der für die Menschen bestimmte Teil hingegen wurde in viele kleine Teile zerlegt und sodann in kleinere und größere sportulae verpackt. Jene wiederum wurden sodann wieder nach draußen transportiert, um an die Opfergesellschaft und anwesende Schaulustige verteilt zu werden. Etwas seitlich der Stufen, die zum Tempelinneren hinauf führten, bauten sich die iulischen Sklaven mit den Körbchen auf und begann diese zu verteilen. Die größeren Körbe gingen dabei natürlich an Mitglieder des Ordo Senatorius (Senatoren selbst konnten ja aufgrund der noch immer andauernden Ausgangssperre aus Roma nicht unter den Anwesenden sein), Equites und Decuriones. Sportulae durchschnittlicher Größe wurden an einfache Bürger verteilt, während die kleinsten Körbchen an Peregrini und Freigelassene gingen. Eventuell mochte sich in letztere Gruppe auch der eine oder andere Sklave unbemerkterweise gemischt haben, was aber letztlich auch keinen Beinbruch bedeutete.


    Für den Anfang stellte sich auch Dives selbst mit an diesen Platz und half beim Verteilen. Diese Geste sollte noch einmal unterstreichen, von wem die Gaben hier am heutigen Tage kamen, wem die Bürger dieser Civitas das zu verdanken hatten!
    "Salve, Asinius! Schön, dass du da warst!", überreichte der Iulier seinem Klient einen mittleren Korb. Dann drängten schon die nächsten nach vorne.
    "Salve, Sulpicia! Schön, dass du da warst!", bekam dann die Schwester des Hafenverwalters ihren Teil. Doch auch bei ihr reichte der Blickkontakt nicht einmal für einen kurzen Gruß an ihren vielbeschäftigten Bruder, der heuer wohl kaum Zeit hierfür hatte.
    "Sal... Salve! Schön, dass du da warst!", wandte der iulische Duumvir sich dann an einen unbekannten Mann und überreichte diesem einen Korb. Da besaß doch tatsächlich der Aedilis Mercatuus die Frechheit hier aufzukreuzen! Aber der bekam jetzt von einem Sklaven seinen Korb... einen der kleinsten, wohlbemerkt.

    Das Kompliment seines Cousins lächelte Dives bescheiden weg. Er war sich in diesem Punkt ja nicht ganz so sicher - vor allem, ob er es auch schaffen würde den Cassius auch nur ansatzweise zu dominieren, sollten sie beide tatsächlich gewählt werden. Ein Duumvirat wie Caesars erstes Consulat, soetwas bräuchte er! Dereinst, so hatte der junge Decurio gehört, sollen die Bürger gar vom Konsulatsjahr der Konsuln Iulius und Caesar gesprochen haben! 'Das Duumvirat von Iulius und Dives.', ging es durch seinen Kopf, woraufhin er diesen fast unmerklich schüttelte. Nein, das klang schon nicht richtig. Dazu noch, dass Cassius' Vater sicherlich im Zweifelsfall nicht untätig bleiben, sondern seinem Sohnemann schon Beine machen würde...
    "Du solltest am besten nur einfach einen Boten vorausschicken, der dich ankündigt. Das wäre ganz gut. Nicht, dass ich am Ende gerade an dem Tag Überstunden in der Curia machen muss...", erklärte der blonde Iulier dann. Zwar könnten natürlich auch die Sklaven Crassus das Anwesen zeigen und ihn ein wenig herum führen, doch spätestens bei der Cena wären sie wohl kein angemessenes Substitut für Dives.


    "Du bist kein Anhänger irgendeiner Factio?! Das kann doch nicht sein! Ich meine, 'irgendeiner Factio' solltest du natürlich eh nicht angehören. - Wenn, dann bitte den Blauen, der Veneta! Der gehören auch Cousin Centho und Tante Helena an... und ich natürlich. Schau allein auf die bereits unzähligen errungenen Siege unserer Aurigae. Ich muss dich unbedingt mitnehmen, wenn unsere Gespanne mal wieder irgendwo an den Start gehen - wenngleich ich befürchte, dass das wohl noch ein Weilchen dauern könnte, bis es soweit ist. Das letzte Rennen, an das ich mich erinnere, lag vor meiner Quaestur in Ostia. Damals war ich gerade wieder nach Roma zurückgekommen..." Ja, Brot und Spiele waren nicht gerade etwas, womit der Fettwanst groß von sich Reden gemacht hätte. Den Eindruck zumindest hatte Dives. Nichtmal zu seiner Inthronisation oder so hatte es ein Schreiben an die Veneta gegeben. Und davon, dass es den anderen Factiones in diesem Punkt anders gegangen wäre, hatte der junge Decurio auch nichts gehört.
    "Aber ich bin überzeugt davon, dass uns der Kaiser nach Beendigung dieses Bürgerkrieges mit imposanten Spielen belohnen wird - zu denen dann sicherlich auch Wagnrennen gehören werden.", stellte der Iulier zuversichtlich in Aussicht. Denn wer auch immer dann Kaiser sein würde und den Machtkampf folglich für sich entschieden hätte, der müsste die Bevölkerung ja zumindest etwas für die jetzige Zeit entschädigen, um sie auf seine Seite zu ziehen...


    "Hoffen wir also, dass Apollo dieses Opfer wohlwollend annimmt und hilft ein baldiges Ende der Kämpfe herbeizuführen.", fügte er mit Blick auf den Tempel hinzu. Hoffentlich würde keiner der venetischen Aurigae mit unter die Räder geraten. Gerade der talentierte Tolimedes war ja leider recht arrogant und schätzte so manche Situation dadurch vielleicht nicht ganz richtig ein. Wie schlimm sich die Situation für den Rennstall tatsächlich entwickeln würde, ahnte Dives zu diesem Zeitpunkt noch nicht...

    Während der Helvetier für Schreibzeug sorgte, machte der Duumvir erneut die Augen zu und legte seinen Kopf entspannt nach hinten. Dabei überlegte er sich spontan einen kleinen Text, der auch gleich eine nicht ganz fadenscheinige Rechtfertigung für das zu zahlende Gehalt enthielt. Als Ocella bestätigte keine Vorlage dabei zu haben - was ja ganz logisch war, wenn er schon das Schreibmaterial erst holen lassen musste - begann Dives zu diktieren:


    "Dann schreib links oben: Ad manus Quaestoris. Dann eine Zeile frei und dann den Text. Der Scriba Ostiensis Titus Helvetius Ocella, dessen Großvater, Helvetius... und einmal dessen Cognomen hinzufügen, einst bereits das Duumvirat der Civitas Ostia bekleidete, verdient aufgrund dessen; Bindestrich; von seinem ersten Arbeitstag als Scriba an; und noch einen Bindestrich; den Satz von einhundertfünfzig; das kannst du auch gerne mit CL abkürzen; Prozent des Schreibergrundgehaltes. Komma. Das heißt dreißig; das kannst du wieder abkürzen; Sesterzen pro Woche. Punctum.", diktierte der Duumvir in aus seiner Sicht angemessenem Tempo. Dabei saß er unverändert entspannt mit zurückgelegtem Kopf und geschlossenen Augen da. Auf die Idee selbst den Griffel zu schwingen, wäre er nicht gekommen. Gerade in seiner jetzigen Position hatte er an den meisten Dokumenten mal gerade einen Anteil von drei Worten: Marcus Iulius Dives. Und manchmal kam vielleicht noch sein Siegel hinzu...
    "Hast du das oder brauchst dus nochmal? Wenn dus hast, dann ließ bitte noch einmal vor." Zwar laß auch der Iulier erst noch einmal durch, was er am Ende unterzeichnete, doch könnte man so ja schon einmal vorab hören, ob nicht vielleicht auch noch irgendetwas fehlte. Davon wollte Dives zwar nicht ausgehen, aber Fehler passierten jedem mal.

    | Potitus Asinius Celer


    "Gut. Dann meld dich einfach, wenn etwas sein sollte. Ich wünsch dir einen guten ersten Arbeitstag. Vale!", verabschiedete sich Celer nun also freundlich und zog ab. Auf dem Weg zu seinem eigenen Pult gab er noch zwei anderen Schreibern Anweisungen verschiedene Akten zu holen. Als Scriba eines der Duumviri stand der Asinier hier schließlich nicht ganz am Ende der Nahrungskette...




    KLIENT - MARCUS IULIUS DIVES

    [Blockierte Grafik: http://i1294.photobucket.com/a…IR/Home/Avas/STsuniro.jpg| Tsuniro


    Hm... Offenbar sah der Gast die ägyptische Schönheit nicht und die Sklavin wäre beinahe wieder wütend abgezogen, als ihr plötzlich ein Lichtlein aufging. Hier so im Schatten und vor allem hinter den Säulen... da hätte sie sich wahrscheinlich selbst nicht gesehen! Vielleicht sollte sie einfach mal 'ganz zufällig' ans impluvium gehen? Eventuell mit irgendeinem Gefäß in den Händen, mit dem sie dann Wasser schöpfte? - Damit es auch den Anschein erwecken würde, dass sie eine tüchtige Dienerin der Casa war. War sie das? Nun, sie gab sich zumindest stets die größte Mühe gut auszusehen und auf die Besucher des Hauses einen guten Eindruck zu machen.
    Gerade begann ihr Plan grobe Züge anzunehmen, da tauchte auch schon der Herr Proximus auf. Jetzt nochmal schnell durchs Bild zu huschen wäre wohl keine so brilliante Idee. Nicht, dass der am Ende noch irgendeine Aufgabe für sie hätte und sie wegschicken würde... an die Arbeit! Nein, manchmal, das wusste selbst Tsuniro, musste frau auch mal ein bisschen sparsam im Vorzeigen der eigenen Schönheit sein - nur um sich zu geeignetem Zeitpunkt dann noch größer in Szene zu setzen, verstand sich.


    Während Proximus auf den weiblichen Gast zu ging, nährte sich die Ägypterin im Schutze des Schattens und der Säulen des Atriums den beiden. Wenn sie schon vorerst nicht gesehen wurde, so wollte sie doch wenigstens wissen, wer das war und was sie hier wollte! Und diese Informationen würde die Sklavin dann natürlich sofort weitergeben: an die Keltin Breda, damit sie sich mal deren hübsche Ohrstecker ausleihen könnte und natürlich an den mürrischen Cellarius Alexander, den sie ja irgendwie schon ganz nett fand (vielleicht würde ja mal etwas aus ihnen werden?), und selbstredend auch an Phocylides, damit der sie auch in Zukunft bei der Verteilung neuer Aufgaben gerne mal 'übersah'. Nicht zu vergessen müsste sie es natürlich auch der alten Hexe Locusta berichten. Vielleicht könnte die Ägypterin dann ja mal wieder einen dieser herrlichen, kleinen Honigkuchen kosten... Bei den Göttern, hoffentlich erzählten die sich untereinander nichts...
    Kurz verzog Tsuniro das Gesicht bei diesem Gedanken, bevor die unbekannte Frau zu reden begann. Also doch! Sie hatte es ja sofort gewusst! Die wollte zu Centho. War ja auch ganz logisch! Sie hatte ja eben selbst noch gedacht, dass alle Frauen auf Karrieremänner standen, Politiker ihn ihren besten... gut, die allerbesten Jahre waren das jetzt sicherlich nicht unbedingt. Oder spekulierte die blonde Besucherin etwa genau auf diesen Gesundheitszustand Centhos?! Das wäre ganz schön gerissen! Das hätte Tsuniro ihr bei ihrem Aussehen ja gar nicht unbedingt zugetraut... Schöne Mädchen hatten schließlich bekanntlich nur wenig im Kopf, genau! Halt! Nur die blonden natürlich. Die Ägypterin nahm kurz eine Haarsträhne in ihre rechte Hand und betrachtete sie. War sie selbst blond? - Nein. Gut, dann konnte diesen Gedanken so stehen lassen.


    Dann wandte Tsuniro ihren Blick wieder zum Gespräch zwischen Proximus und dieser Aemilia C..enis oder so, die die Cousine von irgendeinem Aemilius Klassi-Kuss war. Letzteren Name hatte sie schonmal irgendwo gehört. Zwei Fragen drängten sich der Sklavin spontan auf: Konnte der wirklich so gut küssen, wie der Name sie vermuten ließ? Und: Was war überhaupt so ein Klassi-Kuss? Dieser iulische Haushalt brauchte unbedingt wieder einen weiblichen Zuwachs, mit dem sich Tsuniro über solche wichtigen Fragen unterhalten könnte!
    Gebannt hing die Ägypterin nun abwechselnd an den Lippen der beiden. Was würde sie wohl als nächstes herausfinden? Oh, sie konnte den Honigkuchen von Locusta schon beinahe schmecken!




    SKLAVE - CASA IULIA

    | Potitus Asinius Celer


    Es dauerte einen kurzem Augenblick, bis der Asinier wieder völlig bei Ocella war.
    "Äh... ja, genau den. Und wenn du die Frau siehst, die das macht, also das mit Blumen schmücken, dann gibt mir bitte schnellstmöglich Bescheid." Ja, lange würde sie das sicherlich nicht mehr schaffen, sich immer klammheimlich hier reinzuschleichen und ihm unbemerkt das Grünzeug auf den Tisch zu legen. Spätestens unter Mithilfe seiner Kollegen - natürlich nur der netten und einigermaßen vertrauenswürdigen - würde sie auffliegen. Und dann... ja, dann wäre er erst einmal sehr interessiert daran, wer soetwas tat. Einer sittsamen Römerin würde er das nämlich nicht unbedingt zutrauen...


    "Griffel sind da vorn im ersten Regal. Oben die längeren und unten die kürzeren, falls jemand darauf Wert legt...", grinste Celer über seinen Witz. Wonach und wozu die überhaupt sortiert waren, entzog sich allerdings seiner Kenntnis. Unsinn und pure Beschäftigungstherapie, wenn man ihn fragte. Aber andererseits: Irgendwelche niederen Strafarbeiten musste es ja geben, bei denen der Bestrafte keinen Schaden anrichten könnte.
    "Direkt daneben findest du die Tabulae. Auf manchen steht vielleicht noch etwas darauf. Das ist dann aber nicht mehr wichtig und kann glatt gestrichen werden. Die kannst du also trotzdem getrost verwenden. Dennoch lautet eigentlich die Regel: Erst glätten, dann zurücklegen. Der Rest auf dieser Seite sind beschriebene Tafeln, also von dort bis dahin. Die solltest du folglich nicht einfach glattstreichen und wiederverwenden. Ähm... Dann... Die Papyri lagern dort, auf der anderen Seite. Unten sind die leeren und in den kleinen Fächern im oberen Bereich die beschriebenen. Das kannst du auch ganz einfach dadurch auseinanderhalten, dass alles Beschriebene in der Regel als Rolle aufbewahrt wird, während die unbeschriebenen Seiten... eben nicht gerollt sind." Hm... Ja, den Nachsatz hätte er sich jetzt irgendwie auch schenken können. Aber gut, weiter im Text:
    "Öllampen stehen dort... und dort in den Ecken bei den Fenstern. Da findet man sie schließlich bei Dunkelheit noch am ehesten. Sollte dir das Öl mal ausgehen, dann nimm einfach eine neue vom Tisch. Die werden regelmäßig aufgefüllt. Du kannst aber natürlich gerne auch selbst nachts runter in den Keller gehen. Beklag dich dann aber nachher nicht, wenn du dann von irgendwelchen schauerlichen Lemuren verfolgt wirst..." Wieder grinste der Asinier. Ja, nachdem er Blumen bekommen hatte, war er immer einige Zeit besonders gut gelaunt...


    "Sonst noch Fragen?"




    KLIENT - MARCUS IULIUS DIVES

    Dann war das also abgemacht. Sehr schön! Diesem Herennius würde es Dives schon noch zeigen! Dass sich sicherlich früher oder später nun auch der Helvetier für den Konflikt zwischen den beiden gewählten Beamten beginnen würde zu interessieren, war dem Duumvir klar. Aber es beunruhigte ihn nicht wirklich, da er in der Öffentlichkeit stets bemüht war ein gutes Bild abzugeben... zumindest solange er nicht direkt auf Serapio traf, erinnerte er sich an das Fortunafest zurück, wo er seine frisch kennengelernte Cousine (?) Nasica einfach so für ihn stehengelassen hatte. Ihr sollte Dives wohl mal schreiben... Ob sie ihm böse war?
    Fakt war: Man müsste schon ziemlich genau wissen, wo man zu suchen beginnen müsste, um fündig zu werden, denn aus den Streithähnen selbst wäre wohl kaum etwas rauszukriegen. Der Asinier könnte ein Liedchen davon trällern; er hatte es nämlich nicht nur einmal unter diesem oder jenem Vorwand versucht...


    "Hast du Schreibzeug dabei?", erkundigte sich Dives also in dieser Hinsicht ganz unbeschwert.
    "Du brauchst das doch sicherlich schriftlich für den Quaestor, oder?" Andernfalls könnte schließlich jeder kommen und einfach seine Gehaltswünsche äußern. Zumindest während seiner eigenen Quaestur hatte der Iulier stets auf einen Vorgesetzten-Schriebs wert gelegt. Nicht, dass der amtierende Quaestor da jetzt etwas einreißen ließ... während Dives' Duumvirat!

    Hermes?! Offenbar hatte der Iulier während seines Geflüsters etwas verpasst! Wie Massa wohl auf Hermes zu sprechen gekommen war? 'Suche die Verbindung zwischen beiden Themen und du hast die Lösung. Genau!' Nur war das einfacher gedacht, als getan. Und so völlig entfernt hatte sich das Thema ja auch nicht von den Amazonen. Während sich der Decimer langsam nährte, verfiel Dives ganz leicht in Panik: Während sein Kopf nach der Lösung des Problems suchte, bediente sich sein Oberkörper kräftig am Weinbecher und auch sein Unterkörper verfolgte scheinbar unbeeindruckt vom Gebet ganz eigene Ziele. Immerhin war das Weinkippen so kurzfristig durchaus eine passable Übergangslösung, denn so konnte er sich um eine Antwort auf diese Hermes-Amazonen-Sache drücken. Langfristig gesehen war sie allerdings wohl eher kontraproduktiv... Verdammt, was machte er hier?!
    Dann begann Massa einige Verse in sein Ohr zu flüstern und bei jedem einzelnen hielt der Iulier den Atem an, der, so flatterig und aufgeregt wie Dives gerade war, sonst wohl die seichten Worte lautstark übertönt und sie damit ungehört im sie umgebenden Wasser versenkt hätte. Eins musste man(n) diesem Decimer echt lassen: Er wusste, wie man(n) schwach wurde... Aber das sollte nicht... das durfte nicht... Nein, so hatte sich der junge Decurio diesen Abend wirklich nicht vorgestellt! Er merkte, wie nun nicht nur seine Gedanken, sondern auch das Blut in seinen Adern immer schneller zu rasen begann... und... und sein Atem war gefühlt mindestens so laut wie drei Marktschreier, die ihre frischen Fische anprisen und sich dabei gegenseitig immer stärker zu überbieten versuchten. Langsam und ziemlich wackelig auf den Beinen (was das Wasser zum Glück einigermaßen kaschieren konnte) drehte sich Dives wieder zu seinem Gast um, der ja mittlerweile hinter ihn getreten war.


    "Ja.. Jam..as, Dec.. Tax..iarcho..os De..cimus.", erwiderte er mit zittriger Stimme, worüber auch das Wasser, in dem sie sich befanden diesmal nicht hinwegtäuschen konnte. In einem Zug leerte er seinen Becher, in dem aber eh nicht mehr so viel drin war, wie er eigentlich erwartet hätte. In seiner Nervosität musste er doch deutlich mehr getrunken haben, als ihm lieb war. Er lächelte vorsichtig, doch seine Gedanken drehten sich nur noch um eins: Er musste hier weg! Jetzt. Sofort.
    "Ine... Tha echo avrio... mia poly, poly kourastiki mera... Sygnomi...* ", sprach er bröckelig weiter und merkte nicht, dass er einmal mit griechisch angefangen noch immer in dieser Sprache redete. Und selbst wenn er es gemerkt hätte, wäre es ihm wohl just in diesem Moment vollkommen egal gewesen. Er wollte weg, wollte hier raus. Das war nicht richtig, das durfte er nicht tun, das sollte er nicht tun. Sofort sollte er jetzt das Becken verlassen, sollte wieder rein schwimmen in die Villa und sich am besten bis morgen früh in seinem Cubiculum einsperren! Ja, das sollte er tun. Jetzt. Sofort... doch noch immer stand er wie angewurzelt mit einem gequält-entschuldigenden Lächeln vor Massa.


    Sim-Off:

    * soll mangels besseren Wissens in etwa heißen: "Es ist... Ich werde morgen... einen sehr, seeehr langen Tag haben... Entschuldigung..."

    Na also! Ocellas Worte waren zwar kein enthusiastisches 'Ich würde alles tun!', doch nur für ein paar Sesterzen mehr in Aussicht, hätte Dives diesen Satz wohl auch nicht so einfach herausposaunt. Insofern konnte der Duumvir mehr als zufrieden mit der Reaktion des Helvetiers sein. Ein Siegerlächeln, ob einem voraussichtlich neuen Trumpf in der Hand gegen diesen Aedil Herennius, unterdrückend, schaute der Iulier den neuen Scriba gespielt etwas schockiert an. Dann schüttelte er leicht den Kopf. Nein, nein, nein.
    "Also das Officium Duumvirorum hat ganz gewiss nur Interesse an den gewichtigeren Informationen...", begann Dives langsam und spannte seinen Gegenüber auf die Folter, "... Jedoch mein Privatofficium in den Villa Iuliana... nun, sagen wir so: steht diskret übermittelten Nachrichten aus aller Welt jederzeit offen.", ergänzte er mit aussagekräftigem Lächeln. Der Kampf tobte schließlich zwischen Iulius und Herennius und so ein Fähnchen im Wind des eigenen überaus dominanten Vaters, wie den Cassius, konnte Dives da wirklich nicht brauchen! Außerdem hieße das ja auch, dass der in irgendeiner Weise früher oder später in den Konflikt eingeweiht werden müsste - und das wollte der Iulier in keinem Fall! Nichtmal Asinius Celer wusste, worum es eigentlich ging und der war immerhin ein sehr enger Getreuer... Und solange der ehemalige Duumvir (dessen Gentilnomen an dieser Stelle wissentlich verschwiegen sei) Stultus noch lebte, würde das Geheimnis wohl auch ein Geheimnis bleiben...


    "Gesetzt den Fall, dass also in regelmäßigen Abständen diese oder jene Abschrift einer größeren Aufgabe, die du zu bewältigen hast, oder eine Kopie einer erledigten Aufgabe oder auch irgendwelche anderen Dokumentenduplikate, die... sagen wir, nicht uninteressant sein könnten, den Weg in mein privates Officium finden... ja... dann wärst du wohl wirklich bereits jetzt ein besonders verdienter, engagierter und verantwortungsvoller Scriba. - Und mehr als das! Ich denke für so einen diskreten Dienst sollte auch der Spitzensatz von 150 Prozent des Grundgehaltes drin sein, womit du dann in der gleichen Liga wie auch mein Klient Asinius spielen würdest...", erklärte Dives und hoffte, dass das über den zuvor genannten Rahmen hinaus gehende Angebot vielleicht noch eine zusätzliche Motivation für den Helvetier darstellen würde, das Angebot auch wirklich anzunehmen. Wenn selbst ein guter Klient des Duumvirs nicht mehr bekam...
    "Was hälst du davon?"

    Dives war einigermaßen schockiert, dass jemand offenbar nichts mit dem Cassiern anzufangen wusste! Er hatte sich immerhin nicht umsonst mit dieser altehrwürdigen, plebeischen Gens gut gestellt - was sich ja in dem bereits vor den Wahlen von beiden Seiten favorisierten gemeinsamen Duumvirat von Hemina und Dives ausgedrückt hatte. Die Gens Cassia hatte zahlreiche Konsuln in der Geschichte des römischen Imperiums gestellt und sogar eine nicht ganz unwichtige Straße in Italia - die von Roma nach Arretium führende (was gut drei Viertel der Wegstrecke von Roma nach Genua ausmachte!) Via Cassia - ging auf diese Gens zurück! Dass der Zweig des Cassius Hemina Minor vielleicht nicht der bedeutendste unter den vielen war, wie auch Iulius Dives bei weitem nicht dem berühmtesten Iulier-Zweig angehörte, tat dabei nichts zur Sache. Ein Name war zunächst erst einmal ein Name und da der Decimer Hemina ja ganz offensichtlich nicht kannte, konnte er wohl auch kaum wissen, wie es um dessen Verwandtschaft zu den großen Konsuln bestellt war. Der cassische Duumvir genehmigte sich auf diesen Schreck erst einmal einen Becher verdünnten Wein - und bot dem Decimer ganz sicher keinen Tropfen davon an! Zurückgelehnt wartete er das Kommende ab.
    Dives indes fand nach dem kurzen Schock seine Fassung wieder, wurde aber von der Giftigkeit des Decimers gegenüber Aculeo sogleich wieder etwas überrascht. WAS WAR HIER LOS?! Erst diese Bemerkung gegenüber dem Duumvir, dann gegenüber einem Decurio, wenn man mit den Ämtern mal gänzlich in Ostia blieb. Nur gegen Dives selbst hatte er noch nicht aufgemuckt, was wohl nach diesem Auftritt aber nur noch eine Frage der Zeit sein könnte. Für einen einfachen Primicerius war der Decimer nach Ansicht der Iuliers ganz schön pampig. Vielleicht sollte er da mal mit seinem Anverwandten, Pompeius Imperiosus, reden? Dives' Tante Iulia Paula war schließlich mit Pompeius' Bruder Pompeius Rufus verheiratet gewesen. Und diese Ehe war - gemessen an der Zahl der aus ihr hervor gegangenen Kinder - absolut mustergültig gewesen! Schade, dass Centho gerade kränkelte, sonst hätte wohl mitunter auch ein kleines Briefchen an jenen gereicht...


    "Ich denke, wir sollten uns alle erst einmal wieder etwas beruhigen nach dieser überaus hitzigen Begrüßung.", fand der iulische Duumvir schließlich doch noch ein paar einigermaßen neutrale Worte. Er, der er noch nicht ansatzweise so lange im Amt war, wie die Ankündigung der Kanzlei hier in Ostia weilte, wusste nicht, dass nie ein Antwortschreiben an die kaiserliche Administration gegangen war. Woher auch sollte er das wissen? Zusammen mit Aculeo, dem letzten Quaestor und einigen anderen Decuriones hatten sie sich der Aufgaben, welche die Kanzlei erfüllt sehen wollte, gestellt. Dass die Duumviri der letzten Amtszeit sich um eine Antwort gedrückt hatten - das konnte von ihnen hier niemand wissen und letztlich konnte auch niemand von ihnen etwas dafür! Und in Roma wusste man doch wohl, wann hier in Ostia Amtsüperioden begannen und endeten, oder?! Gerade wenn man sich auf einen Besuch vorbereitete, was der Decimer hier ganz offensichtlich getan hatte! Andernfalls wäre er nämlich sicherlich nicht mit den Worten 'Duumvir Iulius' in das Officium getreten.
    "Etwas Wein die Herren?", schob Dives mit sichtbar aufgezwungenem Lächeln an Aculeo und Varenus gewandt nach, um wenigstens die Unhöflichkeit das Cassiers wieder zu neutralisieren. Der Iulier holte drei Becher hervor und würde - je nach Wunsch - entweder nur seinen oder zwei oder auch alle drei Gefäße mit verdünntem Wein befüllen.


    "Zu welchem Zweck, wenn ich nach diesem etwas missglückten Start einen Neuanfang wagen darf, führt denn die Kanzlei eigentlich eine Kassenprüfung durch? Also ich meine: Warum schickt sie Leute in jede einzelne Civitas, um das zu machen, statt einfach auf die unterlagen des Curator Rei Publicae zurückzugreifen, der schließlich meines Wissens nach für die Finanzaufsicht über die Städte Italias verantwortlich ist?", baute Dives das Gespräch dann erneut in diese Richtung auf. Obwohl er durchaus der Meinung war, nichts verstecken oder verheimlichen zu müssen, blieben die entsprechenden Unterlagen zunächst unbeachtet auf seinem Tisch liegen. Die könnte er dem Decimer nach dessen Antwort und vor allem, wenn der sich mal wieder etwas abgekühlt hätte, immernoch reichen.
    "Oder handelt es sich um eine gezielte Prüfung der ostiensischen Finanzen?", erkundigte sich Dives stattdessen konkret nach dem aus seiner Sicht naheliegendsten, wenngleich ihm völlig schleierhaft war, weshalb soetwas gesehen sollte - wo dies doch die Stadt war, die der Vescularier (nach Roma) wohl am besten im Griff hatte! Immerhin waren hier bis vor kurzem die Urbaner stationiert, jetzt waren es die salinatortreuen Soldaten der Classis Misenensis und zu guter Letzt war der Fettwanst noch immer der Stadtpatron dieser Hafenstadt!


    "Weshalb sollte unser Stadtpatron soetwas anordnen?!", brachte der cassische Duumvir dann auch sogleich Dives' Gedanken zur Sprache - nicht ohne Salinator auch noch einmal als Stadtpatron deutlich hörbar hervorzuheben. Hemina schaute den Decimer dabei erwartungsvoll-auffordernd an, was der dazu meinte, wenngleich seine Frage rein formal eigentlich an Dives gerichtet war. Denn mit diesem grauhaarigen Wicht aus der Kanzlei würde er ganz sicherlich nicht direkt sprechen! Nicht, bevor der sich nicht entschuldigt hatte! So offen, wie der kundgetan hatte die Gens Cassia nicht zu kennen, glich sein Verhalten schließlich einer der schlimmsten Beleidigungen überhaupt! Wie würde wohl Varenus reagieren, wenn man dessen Ahnen so deklassieren würde..?!