Beiträge von Marcus Iulius Dives

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    Endlich konnte die Ägypterin einen ersten richtigen Blick auf dieses ominöse Schreiben werfen. Erst dabei fiel ihr auf und wieder ein, dass das Lateinische doch nicht ganz so ihre Sprache war. Bis auf ein paar Eigennamen half dieser Schriebs ihr folglich ganz und gar nicht weiter!
    "O..okay.", meinte sie schließlich auf die Anweisung des Herrn Proximus hin, während sie noch mit einem halben Auge den Namen dieses Emils las. Dass sich dessen Cognomen nun eher klassisch statt sinnlich präsentierte, ließ eine gewisse Ernüchterung in die ganze Sache einkehren. Leicht enttäuscht blickte Tsuniro die Aemilia an, bevor sie von einem auf den nächsten Moment vor Freude strahlte. Sie erinnerte sich an ihre Idee Ornatrix zu werden... oder das zumindest mal auszuprobieren. Ewig würde die Aemilia ja sicherlich eh nicht hier bleiben.


    "Na dann, folg mir bitte. Die Jungs da drüben bringen uns dein Gepäck dann hinterher.", zeigte sie in den Schatten einiger Säulen, wo zweifellos irgendjemand stand. Die Ägypterin jedenfalls würde ganz bestimmt nicht schwer heben. Dafür war sie ja auch überhaupt nicht gebaut. Und wer wüsste schon, ob sie sich nicht am Ende vielleicht gar einen Nagel dabei abgebrochen hätte?! - Nein, soetwas konnte eine Schönheit natürlich keineswegs riskieren!
    "Vale, domine.", verabschiedete sie sich dann auch zügig von Proximus, eh der vielleicht noch auf die Idee kam ihr noch mehr Aufgaben aufzuhalsen. Mit kleinen, aber flotten Schritten machte sich die ägyptische Sklavin sodann auf in Richtung Cubiculum hospitale...




    SKLAVE - CASA IULIA

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    Tippel, tippel, tippel... einmal links. Tippel, tippel, tippel... einmal rechts. Tippel, tippel, tippel... und nochmal links. So ging die Ägypterin mit vielen flotten Schritten voraus. Da sie dabei allerdings weder ihre Beine unelegant auseinander riss, noch unförmige Quadratlatschen hatte, kam sie trotz geschwinder Füße nur in normalem Tempo voran. Die Aemilia sollte folglich keine Probleme mit ihrer Verfolgung haben.
    "Da wären wir. Ich darf dich bekannt machen mit... dem Gästecubiculum der Casa Iulia.", stellte Tsuniro der Aemilia deren künftige Bleibe vor, während sie die Tür zum Zimmer öffnete. An der Ausstattung hatte sich seit der Zeit, in der Claudius Imperiosus Iulianus einst hier untergekommen war, nicht viel geändert. Praktisch waren wohl wirklich nur irgendwann die ausgeblichenen Vorhänge gegen neue dunklere ausgetauscht worden. Ach, und natürlich stand seit zwei Wochen in der Ecke eine neue Vase, weil Audata beim Putzen die alte umgehauen hatte. Aber was ließ die sich auch von den spielenden Kindern von ihren Aufgaben ablenken?! Da war sie selbst Schuld! - Tsuniro würde die Jungs niemals zu sehr in ihre Nähe kommen lassen! Viel zu oft hatte ihre Frisur - und damit ihre Schönheit (!) - in der Vergangenheit schon darunter gelitten...


    "Und du bist Aemilia Ceinis?", versuchte die Sklavin dann ein Gespräch zu beginnen. Mit unbekannten Namen hatte sie anfänglich immer einige Schwierigkeiten, aber sie war sich sicher, dass sie erstens gleich korrigiert werden würde und zweitens, dass sie es schon mit der Zeit lernen würde.
    "Darf ich fragen, wie es dazu kommt, dass du jetzt hier wohnst?", schob sie gleich hinterher. Da der Brief ihr ja in dieser Hinsicht nicht allzu sehr weiter geholfen hatte, schien es der Ägypterin nur logisch die Aemilia einfach direkt daruf anzusprechen. Dann wäre auch klar, ob die jetzt mit Centho verlobt war und sich mit ihm verloben wollte oder wie oder was.




    SKLAVE - CASA IULIA

    Na, das sollte in der Tat ausreichen. Für einen Moment fragte sich der Iulier zwar, wo genau der Unterschied zwischen dem Wissen der Sänftenträger und ihrem Wissen lag, denn er selbst vertrat die Ansicht, dass auch beispielsweise Nomenclatores nichts anderes als externe Gedächtnisse waren, womit also deren Wissen faktisch ganz einfach auch seines war. Aber schon im nächsten Augenblick verwarf er seinen Gedanken auch wieder. Es gab Wichtigeres, worüber er nachdenken könnte, sollte und müsste...
    "In der achten Stunde habe ich noch einen Termin mit meinem Collega Cassius. Kommst du zur neunten Stunde, so wird er sicher zum Essen bleiben. Kommst du hingegen zur zehnten, wird er wohl schon weg sein.", erklärte Dives mit einem Lächeln und schob den schwarzen Peter damit also wieder der Unbekannten zu. In seiner Neugier war der Cassier schließlich nur allzu berechenbar, sodass Dives diese Aussage wohl tatsächlich so treffen könnte.
    "Eventuell wird auch noch einer meiner Cousins da sein. Aber das kann ich bei dessen Arbeitszeiten nie so genau sagen... Er ist ein Künstler.", erklärte der Duumvir mit besonderer Betonung der Berufsbezeichnung 'Künstler'. Es klang unweigerlich ein wenig abwertend, wenngleich Dives eigentlich absolut nichts gegen diese Berufgruppe hatte. Im Gegenteil musste es auch Künstler geben! Aber mittlerweile hatte der Kerl ihn schon zweimal in eine irgendwie unangenehme Situation gebracht: Erst das Abendessen zu zweit, über dem Cupido mit seinem Pfeilen schwebte und Dives das Leben schwer zu machen versuchte. Und nicht viel später war es die kurzfristige Absage zur Cena, die letztlich in dem fragwürdigen Pool-Erlebnis mit Massa endete. Der Iulier mochte seinen Cousin, aber es war... dennoch nicht ganz leicht mit ihm, wie er fand. Unbewusst richtete sich der Duumvir bereits darauf ein, etwaige unangenehme Situationen am heutigen Abend ebenfalls auf Sabinus abzuwälzen. Es war doch schön, wenn man immer einen Schuldigen für alles hatte...

    Der Ianitor nahm das Schriftstück an sich und nickte verstehend. Er war natürlich vom Duumvir Iulius instruiert worden in dieser Angelegenheit und wusste, dass es eventuell Post von einem Helvetius geben würde. Zwar hatte er dabei eigentlich den Namen Ofella statt Ocella im Kopf, doch mochte ersteres auch der Kerl mit dem Blumenschmuck für die Jubiläumsfeier gewesen sein... oder der Typ aus Asia Minor, der sich um die Musik kümmern sollte, ... oder aber doch dieser teure Luxusschneider? Egal.


    "Ist gut. Ich leg sie ihm ganz nach oben.", versicherte er ohne rot zu werden. Nein, ganz oben wünschte Dives stets alles Finanzielle zu haben, sodass diese Tafel wohl unter dem Kostenvoranschlag für die Feierlichkeiten ihren Platz finden würde. Aber dann hätte der Duumvir wenigstens etwas, das ihn wieder ein kleines bisschen freudiger stimmte... wenn denn der Inhalt dieses Schreibens des Helvetius tatsächlich gute Nachrichten enthielt.
    "Sonst noch etwas? Ansonsten füllt dir Tara einen Becher verdünnten Wein ein... und deinem Freund da drüben natürlich auch, wenn der will.", meinte der Türwächter mit fester Stimme, nachdem er mittlerweile auch den auf der anderen Straßenseite wartenden Alten mit geübtem Ianitor-Blick als ebenfalls zu diesem Boten gehörig ausgemacht hatte. Unterdessen kam eine junge ägyptische Sklavin - Tara - mit einer Kanne verdünntem Wein ins vestibulum. Ein einfacher Metallbecher hing an einer Kette unauffällig neben der Porta.




    IANITOR - VILLA RUSTICA IULIANA OSTIENSIS

    Mit einer Mischung aus Freude und Überraschung blickte Dives drein, als der Tiberier von der Vereinssatzung zu sprechen begann, denn natürlich freute es ihn einerseits, dass er diesen Fakt noch richtig in Erinnernug behalten hatte. Und auf der anderen Seite war es ebenso erfreulich, dass Lepidus noch immer Interesse hatte sich mit dieser Sache zu befassen. Die beinahe etwas drastische Wortwahl hingegen ließ den Iulier erstaunen. Er hatte schließlich keineswegs vor alles komplett über den Haufen zu werfen. An bestimmten Punkten gedachte er nämlich schon auch weiterhin festzuhalten... Doch es würde sich zeigen, wie weit die Änderungsvorschläge letztlich gehen würde. Und im Notfall würde der vertretende Magister eben einfach die Centho-Karte ausspielen, was dann zwar irgendwie einen erneuten, vorübergehenden Stillstand bedeuten würde, doch noch immer besser wäre als eine übermäßig moderne Satzung. Schließlich hatte ein Kultverein ja auch immer etwas mit Tradition und Altbewährtem zu tun...


    "Gut, dann werde ich dich bei nächster Gelegenheit in die Mitgliederliste eintragen lassen und eine entsprechende Urkunde ausstellen... wohlmöglich schaff ich das ja sogar nachher noch, bevor ich mich wieder auf den Rückweg nach Ostia machen muss.", erklärte der Iulier und ließ dabei deutlich durchscheinen, dass auch er heute noch so einige Dinge zu tun und praktisch also eher weniger Zeit für eine gemeinsame Unternehmung mit Crassus hätte.
    "So ihr beide wollt, wäre es wahrscheinlich am günstigsten, wenn ihr euch in der Satzungs-Sache im Domus Societatis trefft. Einerseits habt ihr da gleich die aktuelle Form der Satzung vor der Nase und sogar eine Abschrift der Lex Communitatis, die ich dafür bereits habe heraussuchen lassen. Auf der anderen Seite stünde euch dort auch ein neuer Sklave zur Verfügung, der das Tagesgeschäft für mich führt und mir alles wichtige auch nach Ostia zukommen lässt.", was absichern sollte, dass Dives auch als Duumvir von Ostia stets ein wachsames Auge auf die Societas Claudiana et Iuliana hätte.


    Kurz ließ er sein Angebot wirken, dann war es auch schon an der Zeit aufzubrechen:
    "Gut. Ich sollte dann auch wieder los... vor allem, wenn ich nachher noch deine Urkunde ausstellen will, Crassus.", meinte er mit einem kleinen, ungewohnt lässigen Augenzwinkern.
    "Wir hören voneinander, Lepidus. Valete bene!", verabschiedete sich der junge Decurio sodann und ging auf direktem Weg zu der Sänfte, mit der er vorhin auch hier erschienen war. Wenig später hatte der Iulier die Veranstaltung verlassen.

    ALS VERTRETENDER MAGISTER
    SOCIETATIS CLAUDIANAE ET IULIANAE


    ERNENNE ICH
    Tiberius Iulius Crassus


    MIT WIRKUNG VOM
    ANTE DIEM X KAL NOV DCCCLXII A.U.C.
    (23.10.2012/109 n.Chr.)


    ZUM
    SODALIS - SOCIETAS CLAUDIANA ET IULIANA



    In Nomine Magistris ordinarii


    Marcus Iulius Dives
    MAGISTER - SOCIETAS CLAUDIANA ET IULIANA

    Der Iulier war sich mehr als sicher, dass er die Schwangere mit seinen Worten (wenn auch irgendwie unbeabsichtigt) beleidigt hatte. Allein die Tatsache, dass er sie für ein Mitglied einer komplett anderen Gens gehalten hatte - und davon musste er, der er weder den Gentilnomen der einen, noch den der anderen Frau kannte, hier schließlich ausgehen - war doch äußerst wenig schmeichelhaft. Und das wurde ganz sicher auch nicht wesentlich besser dadurch, dass die Verwechslung nun mit einer Senatorengattin geschah...


    Umso überraschender für Dives war nun die finale Zusage zu seiner Einladung! Als wäre dem Blitz jetzt auch dessen natürliche Geräuchkulisse gefolgt, blickte er für einen kurzen Moment wie ein Ochse, wenn es donnerte, bemühte sich sodann aber um ein erfreutes Lächeln.
    "Sehr schön!", rang sich der Duumvir anschließend eine erste Reaktion dazu ab. Diese Weib..lichen Wesen würde er nie verstehen! Er versuchte nett zu sein zu ihr und ihrem Kind und bekam dafür irgendwelche Unterstellungen zu hören von wegen er sei auf der Suche nach lupae. Dann beleidigte er sie und sie sagte der Einladung zu. Wo waren da Sinn und Zusammenhang?! Aber gut. Er würde sich nicht weiter mit etwas beschäftigen, was ihn im Grunde eh nicht interessierte.
    "Du kennst den Weg zur Villa Iuliana?", fragte er stattdessen. Wenn sie wusste, dass Centho sein Cousin war und eine Villa hier besaß, dann lag diese Vermutung ja nicht unbedingt fern. Anschließend überlegte er einen winzigen Augenblick lang, ob er ihr noch eine Zeit sagen sollte, entschied sich aber sogleich dagegen.
    "Und: Zu welcher Stunde könntest du es denn einrichten?", erkundigte sich der Duumvir lieber. Denn zumindest ihr Sohn schien ja durchaus bereits Pläne für den Tag zu haben. Und wenn der welche hatte, dann hätte sie ja mitunter auch noch dies oder das vor...

    Der Ianitor öffnete die Porta, nachdem es geklopft hatte, und sah nach draußen. Der junge Kerl, den er sogleich erblickte, war offensichtlich ein Bote. Ob nun ein unbezahlter Sklave oder ein bezahlter Peregriner, da war er sich nicht ganz sicher; doch erschien ihm das auch nicht besonders wichtig. Fakt war: In dem Aufzug käme sicherlich niemand hierher, der in irgendeiner Weise persönlich mit einem Duumvir der Civitas Ostia zu sprechen gedachte. Dazu die Tasche... Der hatte eindeutig nur etwas hier abzugeben.


    "Salve! Du bist ein Bote?", äußerte der Ianitor seine Vermutung sogleich direkt.
    "Was hast du abzugeben? Und von wem?", fragte er dann weiter nach. Das wäre schließlich wichtig, wenn es darum ging, wie schnell dem Iulier die Dinge zuzustellen wären.




    IANITOR - VILLA RUSTICA IULIANA OSTIENSIS

    "Gut. Vale, Helvetius!", verabschiedete der Duumvir den Scriba. Aus dem würde sicherlich noch einmal etwas werden, fand er. Daran könnte sich vor allem sein Klient Asinius mal ein Beispiel nehmen. Wie lange war der jetzt schon als Scriba hier tätig? Über zwei Jahre - und in dieser Zeit hatte er nicht einmal den kleinsten Versuch unternommen, um ein wenig aufzusteigen und vielleicht etwas mehr einen Scriba aus sich zu machen. Das würde sich ändern! Jetzt, wo Dives Duumvir war und folglich mitverantwortlich für die Leitung der kommenden ostiensischen Wahlen, da würde der Knabe mal ein wenig die Karriereleiter hinauf geschubst werden. Es wurde Zeit, dass der Asinier eine Magistratur bekleidete und hernach einen Platz unter den Decuriones der Civitas finden würde!
    Dives nahm eine Tabula hervor und machte sich unleserlich-symbolhafte Notizen: Cassius und er - das Duumvirat; Helvetius - Aedilis Mercatuum; Asinius - vielleicht Quaestor. Einem Quaestor konnten die Duumviri schließlich besonders gut auf die Finger gucken, sodass Celer dort also auch nicht Gefahr laufen dürfte sich als unfähig zu erweisen. Bliebe nur noch die Aedilität für die öffentlichen Bauten zu besetzen. Aber da würde ja vielleicht auch Ocella bei ihrem nächsten Gespräch eine Idee haben, wer für diese Magistratur geeignet wäre. Dann würden alle fünf zum Jubiläum in der Villa Iuliana ihre Kandidaturen erklären und die Sache sollte so gut wie geritzt sein. Mit einem feinen Lächeln im Gesicht legte Dives die Tafel weg und widmete sich wieder anderen Aufgaben...

    Zzzrrr! Deutlich sichtbar schlugen die Worte der Unbekannten wie ein riesiger Blitz in den Baum der divitischen Selbstsicherheit ein. Der größte Ast, der direkte Blickkontakt, brach als erstes und offensichtlichstes und zog viele kleinere Zweige mit sich in die Tiefe. So ein verdammter Mist! Er hätte seine Klappe halten und sich später unauffälliger versichern sollen, wer sie denn nun war. Diese Gesellschaft, die erstens zumindest in Roma einflussreich schien (wenn ihr Mann als Ritter noch immer dort arbeitete) und zweitens als schwangere Frau mit Kind ganz sicherlich ohne diverse Hintergedanken mit ihm zur Cena gegessen hätte, würde jetzt wohl kaum noch der Einladung folgen. Er selbst würde es sich schließlich auch zweimal überlegen, ob er mit jemandem speiste, der ihn beispielsweise als Cassius ansprach oder dergleichen. Und so ähnlich waren die Geschmäcker von Sedulus und den Augurenkollegen Centhos oder dem Pompeius oder einem Aelius oder, oder, oder sicherlich auch nicht, dass man sich auf diese Weise vielleicht rausreden könnte. Dives hatte es schlicht verbockt! Da galt es nun wohl einfach nur noch Schadensbegrenzung zu betreiben und einen einigermaßen würdevollen Rückzug anzutreten...


    "Bitte verzeih diese unangenehme Verwechslung. Ich... weiß auch nicht, wie mir dies passieren konnte.", entschuldigte er sich mit bedauerndem Gesichtsausdruck. Es war wie in der städtischen Politik, wo er ja auch schon hin und wieder mal über das Ziel hinaus geschossen war mit seinen fixen Ideen.
    "Es lag ganz sicher nicht in meiner Absicht Freunde oder Bekannte meines Cousins in irgendeiner Weise zu beleidigen.", fügte der Iulier stetig weiter zurückrudernd hinzu.
    "Verrätst du mir dennoch eure Namen, auf dass ich dazulerne und weiß, bei wem ich mich entschuldige - und vor allem, damit mir dies nicht noch einmal passiert?", fragte er dann mit schuldbewusster Miene. Dabei sah er sich gedanklich bereits im Cubiculum seines Cousins sitzen und wie der sich trotz seiner aktuellen Situation aufregte über Dives und ihn einen Kopf kürzer machte. Verdammter Mist!
    "Meine Einladung gilt selbstverständlich dennoch, sofern ich euch nicht bereits verprellt habe.", erklärte er abschließend. Vielleicht könnte er seine Schuld damit ja wieder gut machen - oder dies zumindest ansatzweise versuchen. Er hatte ja keine Ahnung, wie tragisch die Schwangere das Ganze nahm und nehmen würde...

    Was lachte sie auf einmal? Hatte er irgendetwas Amüsantes gesagt? - Doch eigentlich nicht! Sie machte sich doch nicht etwa lustig über Dives?! Machte sie sich lustig über ihn?? Sein etwas verstörter Gesichtsausdruck ob dieser Vermutung wich einem verstehenden Lächeln und leichten Nicken, als sie erzählte, dass Centho und ihr..e Männer Freunde beziehungsweise gute Bekannte waren. 'Gut gerettet!', dachte der Iulier bei sich. Er mochte es ganz und gar nicht, wenn sich jemand ungewollt über ihn lustig machte!
    Als die Schwangere dann jedoch weiter sprach, überspannte sie den Bogen beinahe. Fremde Frauen einladen... Tse! Als wenn er auf der Suche nach einer lupa wäre. Sie hatte ja sowas von K E I N E Ahnung! Und dann auch noch diese Unterstellung. Der Duumvir atmete einmal ganz ruhig ein und aus. Dabei zeichnete sich ein gewinnendes Lächeln auf seinem Gesicht ab.


    "Wer sagt, dass ich dich nicht kennen würde?", antwortete er ihr dann ebenso mit einer Frage. Natürlich kannte er sie nicht, aber das hatte er zumindest noch nicht offen gesagt, wenngleich es natürlich schon zu einem gewissen Grad zu vermuten war. Dann machte Dives erstmal eine bewusste Pause und schaute ihr mit seinem Siegerlächeln im Gesicht direkt in die Augen. Na, wurde da jemand nervös?
    "Iulius Centho und ich sind nicht nur irgendwelche entfernten Cousins, sondern unsere Väter waren Brüder. Wir stehen uns recht nah und ich kenne viele seiner Freunde.", pokerte er weiter. So ganz stimmte das natürlich nicht. Dives kannte weder Centhos Augurenkollegen, noch deren Frauen. Und auch den Patron Aelius hatte er bisher noch nicht kennengelernt. Während er weiterhin den Blickkontakt hielt, überlegte er, ob sie vielleicht zu einem der anderen Auguren gehörte. Oder vielleicht war sie auch die Frau von einem Verwandten des Aelius? Evenetuell gar vom Aelius selbst?? Nein, letzteres erschien irgendwie sehr abwegig. Was war mit dem Pompeius aus der kaiserlichen Administration? War der verheiratet und wenn ja, war sie seine Frau? Oder der Germanicer Sedulus? Der war ganz sicher verheiratet und hatte auch ganz gewiss Kinder. Dessen Frau, das hatte er erzählt, erwartete derzeit wieder eins. Und nicht zuletzt hatte er sie letztlich hierher nach Ostia schicken wollen... zu irgendeinem seiner Klienten. Ha! Das waren doch nicht alles nur Zufälle! Nur leider kannte der Iulier den Namen der Dame nicht. Irgendetwas mit Serena, Serrana, Seiana, ... Irgendetwas in dieser Richtung hatte er wohl gesagt.


    "Also, was sagst du? Die Freunde meines Lieblingscousins sind schließlich auch meine Freunde!", meinte er ausweichend. So ganz konnte er sich die Äußerung seiner Vermutung dann aber doch nicht verkneifen - zumal er doch eigentlich bereits vorhin Klarheit über ihre Identität haben wollte:
    "Dein Mann hat sogar mit dem Gedanken gespielt euch in der Villa Iuliana unterzubringen, auch eingedenk eures zu erwarteten Kindes, da die Casa Germanica in Roma ihm nicht mehr sicher genug für euch erschien. Jaja... Der Sedulus..." Seine innere Anspannung ob der Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen mit einem breiten Lächeln überspielend erwartete er ihre Reaktion auf das Gesagte.

    Tatsächlich war die Antwort der Schwangeren doch ziemlich ernüchternd. Ihr Mann arbeitete in Roma und war, sonst hätte sie dies sicherlich angefügt, auch kein Decurio Ostias. Zum Knüpfen eines neuen politischen Kontaktes hier in Ostia taugte sie folglich absolut gar nichts. Andererseits stellte sich natürlich schon die Frage, wer dieser Tage noch in Roma arbeitete? Dass ihr Mann nämlich ein einfacher Handwerker oder etwas in dieser Richtung war, erschien beim Anblick dieser Frau doch etwas unwahrscheinlich. Folglich war er vielleicht ein Senator? Dann würde er sicherlich Salinator unterstützen. Oder aber er arbeitete verdeckt gegen diesen, wie auch Centho es täte, wenn der nicht bettlägerig wäre. Oder vielleicht war er ein Eques? Aber auch dann ließe sich wohl kaum eine genauere Aussage treffen. Seine Frau könnte hier sein, weil er Roma für zu gefährlich hielt, während er gegen den Fettwanst intregierte - oder sie könnte schlicht hier sein, weil sie eben, nunja, die frische Meerluft brauchte, wie sie selbst sagte.
    Verabschieden und die schwangere Frau mit Kind eine schwangere Frau mit Kind sein lassen? Oder eventuell doch versuchen herauszufinden, wer sie war (und das meinte nicht nur ihren Namen)? Kurzerhand entschied sich Dives für letzteres, denn wenngleich der Besuch Massas doch auch irgendwie... fragwürdige Momente hatte entstehen lassen, so war doch dessen bloße Anwesenheit andererseits ganz angenehm gewesen. Jetzt wohnte der Decimer wieder unter Soldaten und noch immer bekam der Duumvir nicht sonderlich viel von seinem Cousin Sabinus mit. Ein wenig Gesellschaft am heutigen Abend wäre also mal wieder ganz schön.


    "Nun, wie wäre es denn in diesem Sinne, wenn ich euch beide heute zu einer Cena in die Villa Iuliana einlade?", bot er an. So eine Cena war schließlich auch ein wichtiger gesellschaftlicher Anlass, wenngleich der Kleine wohl bestimmt schon nicht nur eine Cena mit Gästen oder als Gast hinter sich hatte. Aber Übung machte bekanntlich den Meister.
    "Mein Cousin, dem das Anwesen gehört, ist Senator Romas. Es sollte euch dort folglich an nichts fehlen.", schob der Iulier nach. Und je nach Bedarf stünden sowohl Zimmer zur Übernachtung frei, als auch die Möglichkeit, dass die vier duumvirischen Liktoren die beiden Gäste später sicher nach Hause begleiten würden. Dives setzte ein charmantes, wenngleich oberflächliches Lächeln auf und wartete die Antwort der Dame ab...

    Wohlwollend nahm Dives die Zusage Ocellas zur Kenntnis. Inwiefern dies nun die Illusion der Unterstützung der gesamten Gens Iulia bei seinem Gegenüber hervorrief, wusste er dabei natürlich nicht. Immerhin würde aller Voraussicht nach der ranghöchste Verwandte Dives', sein Cousin Centho, fehlen, da wohl kaum davon auszugehen war, dass die Ausgangssperre für Senatoren bis dato aufgehoben werden würde. Und auch bei seinem Onkel Proximus machte sich der Duumvir wenig Hoffnungen, da der als Tribun der Stadtkohorten aktuell sicherlich mehr als genügend Dinge zu erledigen hätte. Letztlich könnte, wer an diesem Abend nicht anwesend sein würde, natürlich auch niemanden unterstützen. Das zumindest war in Dives' Verständnis ganz logisch. Und wo es keine Unterstützung der beiden wohl ranghöchsten Iulier gäbe, da könnte sicherlich auch niemand von der Unterstützung der Iulii im Ganzen sprechen...
    Doch er selbst, das wusste er bereits jetzt, würde sich auf diesen Augenblick der helvetischen Kandidaturerklärung freuen! Er würde sich mit einem Siegerlächeln in Sichtweite des Herennius oder eines dessen Anhängers stellen und deren Reaktion genießen. Hoffentlich konnte Ocella auch gut reden und Reden schreiben (oder hätte zumindest gute Redenschreiber). Ansonsten müsste Dives ihn wohl nochmal darauf stoßen, dass es vielleicht gar keine so schlechte Idee wäre, den Herennier in dieser Rede schlecht aussehen zu lassen, wenn man dessen Amt wollte...


    "In vier Tagen... okay.", nickte der Iulier ab. Es war schließlich noch genug Zeit. Vielleicht hätte sein Onkel Proximus ihm dann auch eine Antwort auf seinen Brief geschrieben - im Optimalfall mit der Aussage, dass der Vescularier in den Krieg zog. Dann bräuchte er sich nämlich nicht mehr um dessen Einladung kümmern. Auf der anderen Seite wiederum wäre es natürlich auch in gewisser Weise ein Opfer für die Seite der Cornelier, wenn der Fettwanst in Ostia feierte, statt seine Soldaten in irgendeiner Schlacht zu unterstützen...
    "Von meiner Seite aus gibt es sonst nichts mehr. Den genauen Termin kannst du mit Ostianus besprechen." Bei den vielen Verpflichtungen und dieser oder jener stadtbekannten Person, die dies oder das von ihm wollte, konnte der Duumvir schließlich nicht ausnahmslos alle seine Termine im Kopf haben. Er war schon froh, wenn er sich am Anfang eines Tages merken konnte, wen er über den Tag verteilt alles treffen würde.
    "Hast du sonst noch einen Wunsch oder ein Anliegen?"

    Dives war vollkommen irritiert davon, dass er sich nicht einen digitus bewegt hatte. Was war los? Was passierte hier? Da berührten Massas Fingerspitzen nur ganz leicht seine Wange und der Iulier musste die Luft anhalten. Was tat der Decimer da? Er würde doch wohl nicht... er hätte doch nicht vor... Als die Hand des Centurios dann seinen Hals erreichte, lief dem jungen Decurio ein angenehmer Schauer über den Rücken. Die Situation fühlte sich von Grund auf falsch an... gleichzeit jedoch auch irgendwie faszinierend aufregend.
    'NEIN! Nein, nein, nein!', rief er sich gedanklich zur Ordnung und empfing den Dank des Gastes völlig regungslos - beinahe einer Salzsäule gleich, die hier im Wasser natürlich sehr aufpassen musste, dass ihre Knie nicht trotzdem weich wurden... So mit sich beschäftigt, merkte Dives auch nicht wirklich, wie es dem Decimer ging, inwiefern der tatsächlich mehr gewollt hätte - oder eben auch nicht.


    "Hm...", gab der Iulier einfach nur geistesabwesend von sich, als sich Massa anschließend für diesen Abend verabschiedete. Ihn beschäftigte nach der sich entfernenden Versuchung viel mehr der Gedanke, was das jetzt überhaupt hieß. Die Salzsäule gab nach und tauchte, um einen kühlen Kopf zum Denken zu bekommen, erst einmal kurz ab. Zunächst hatte er sich ja noch überlegt Serapio zu schreiben, dass er dessen Cousin natürlich und sehr gerne bei sich (beziehungsweise in der Villa seines Cousins Centho) aufgenommen hatte. Nicht zuletzt wäre dies wohl mitunter auch eine gewisse Symbolik gewesen, da doch ebenjener Centho mit der Acta und damit deren Auctrix aneinander geraten war. Jetzt allerdings hielt er das für keine so grandiose Idee mehr. Welcher Decimer würde schließlich gerne lesen, wie schnell er im Zweifelsfall auch wieder Geschichte sein könnte?! Und Dives wollte absolut nicht, dass Serapio schon wieder Geschichte werden würde!
    Ziemlich durch den Wind beendete einige Augenblicke nach Massa auch der Iulier das spätabendliche Bad. Eine unruhige Nacht erwartend zog auch er sich in sein Cubiculum zurück und würde in nächster Zeit wohl versuchen dem Centurio eher aus dem Weg zu gehen...

    [Blockierte Grafik: http://i1294.photobucket.com/a…IR/Home/Avas/STsuniro.jpg| Tsuniro


    Ein Brief! Na, super! Warum konnte der Herr Proximus den nicht bitte laut lesen?! Er war schließlich nicht der einzige, der am Inhalt des Schreibens interessiert war! Sich immer mehr aus ihrer Deckung wagend versuchte Tsuniro verbissen auch nur den kleinsten Blick auf die Nachricht zu werfen. Doch der Iulier hielt das Ding so ungünstig in seiner Hand, dass dieses Vorhaben praktisch unmöglich erschien. Die Ägypterin brauchte einen Plan! Auch auf die Gefahr hin, dass sie jetzt doch mal wieder etwas mehr tun müsste, als nur gut auszusehen (was aber keinesfalls so einfach war, wie es sich anhören mochte), wagte sie sich vor zu Proximus.


    "Domine Proxime.", sprach sie ihn schräg von hinten an, nachdem er praktisch Tür und Tore der Casa für die Aemilia geöffnet hatte, und versucht dabei schon das erste Mal auf den Brief zu luchsen. - Der Adressat. Na, klasse! Als wenn sie den nicht auch vorher schon gekannt hätte. Schnell schaute sie wieder hoch und suchte kurz nach Worten.
    "Äh... Kann ich etwas für dich tun?", fragte sie dann. Etwas besseres fiel ihr auf die Schnelle nicht ein. Sie wartete ab, bis der Iulier ihr seine Aufmerksamkeit wieder entziehen würde und würde hernach erneut ihre Augen auf das Schreiben richten. Die Besucherin beachtete sie dabei nicht weiter.




    SKLAVE - CASA IULIA

    Ziemlich zurückhaltend griff der Kleine sich einen der Kekse. Mochte er keine dieser Leckerbissen? Komisch... Dives' Neffe Manius liebte Gebäcke praktisch aller Art. Andererseits aß der Erstgebohrene Centhos manchmal wirklich wie eine Raupe. Doch soweit, so gut. Letztlich hatte über den Jungen ein Gespräch mit dessen Mutter begonnen. Darauf war es ja für Dives erstmal nur angekommen. Wie er die Schwangere sonst hätte ansprechen sollen, hätte er nicht gewusst. Mit irgendeinem hohlen Kompliment? Wann hatte der Iulier das letzte Mal von sich aus eine Frau angesprochen? Abgesehen von der Bedienung letzte Woche, die eine halbe Ewigkeit auf sich hatte warten lassen, war das wirklich schon sehr, sehr lange her. Ihm fehlte schlicht die Intention dazu.


    "Na, das ..." '... will ich doch auch hoffen!', wäre es ihm beinahe rausgerutscht, während er sich wieder erhob. "... freut mich außerordentlich. Viel wichtiger jedoch ist es, dass die Bürger dieser Civitas sehen, dass die Führung der Stadt die Götter auf ihrer Seite weiß und dafür sorgen wird, dass der Krieg uns nicht direkt erreicht.", erklärte er grob. Dass man indirekt Auswirkungen derzeit in allen Teilen des Imperiums spüren konnte, wusste sie sicherlich selbst. Wem könnte das Schwinden der Nahrungsmittelvorräte auch entgehen? Dann überlegte Dives und versuchte ebendies hinter einem höflichen Lächeln zu verbergen. Was sagte man(n) jetzt?
    "Und..? Du und dein Sohn, ihr wartet hier gerade auf deinen Mann?", meinte er etwas unbeholfen. Das überspielen wollend setzte er sogleich nach:
    "Der sitzt doch bestimmt auch im Ordo Decurionum, oder?" Dann dämmerte ihm, dass er wohl auch einfach sie nach ihrem Namen hätte fragen können - und sollen. Welcher Mann erkundigte sich schließlich bei einer Frau zu allererst nach deren Gatte?! Naja, immerhin wüsste sie jetzt wohl recht sicher, dass Dives nicht das Geringste von ihr wollte - außer eventuell dem Kontakt zu ihrem Mann. Hoffentlich war der kein Anhänger des Herennius oder so...

    Kaum hatte er Lepidus um seine Meinung gebeten, ging dem Iulier auf, dass er diesem mit dem Verschweigen des Namens Tiberius vielleicht auf die Toga getreten sein könnte. Gerade von einem Patrizier erwartete Dives nämlich durchaus hin und wieder ein paar egozentrische Allüren und gerade was den eigenen Namen betraf, war das ja auch irgendwie nachvollziehbar. Doch Lepidus überraschte ihn in dieser Hinsicht doch ziemlich. Eventuell ging er ja auch davon aus, dass der blonde Iulier ihn bereits seinem Verwandten vorgestellt hatte? Immerhin standen sie ja nun doch schon einige Augenblick zusammen, bevor er von der Opferzeremonie wieder zu Dives stieß.


    "Wie du siehst, bin ich nicht der einzige, der einen sehr positiven Eindruck von der Opferzeremonie gewonnen hat.", wandte sich der junge Decurio zunächst an Lepidus. Zwar hätte Crassus durchaus noch enthusiastischer antworten können - denn wer die Ehre hätte im Namen der gesamten Kultvereinigung als Opferherr aufzutreten, war zweifelsfrei keine unwichtige Person -, doch das würde der Iulier sicherlich noch lernen, wenn er sich länger hier in Roma aufhielt.


    "Und das nächste Treffen...", begann Dives sich an seinen Verwandten zu wenden, "... ist wohl recht ungewiss, wie ich schätze. Zwar sind Lepidus und ich heute nicht allein hier, doch fehlen trotzdem nicht wenige Sodales. Das wird, wie ich annehme, sehr an der momentanen politischen Lage liegen. Viele haben da wohl einfach gerade keine Zeit und wenden sich, wenn sie sich mal die Zeit für Opfer nehmen...", was sie zweifellos auch irgendwann mal taten, "... wahrscheinlich eher an Mars der so. Onkel Proximus zum Beispiel hat mit den Stadtkohorten alle Hände voll zu tun und ist wohl deshalb nicht hier. Der Eques Germanicus Aculeo bereitet sich vermutlich darauf vor zum Procurator Annonae ernannt zu werden. Ich sage nur: die Versorgungslage Italias...", führte der stellvertretende Magister aus und versuchte sich so die eine oder andere Entschuldigung aus den Fingern zu saugen. Fakt war eben: Viele wichtige Leute hatte gerade in diesen Zeiten viele wichtige Aufgaben und nur recht beschränkt Zeit sich darüber hinaus besonders kultisch zu betätigen.
    "Doch Lepidus und ich, wir haben uns bereits ausgemacht, dass wir in Kontakt bleiben.", blickte Dives kurz zum Tiberius und war sich ziemlich sicher, dass der schon wusste, wovon der Iulier sprach. Nach einer kurzen Pause sprach er weiter:


    "In die Mitgliederliste kann ich dich natürlich schreiben lassen, wenn du willst, Crassus. Das hat Cousin Centho damals bei mir auch so gehandhabt. Ein Mitgliedertreffen kann ich dir derzeit kaum in größerem Umfang anbieten, als du es hier siehst. Wenn du aber Interesse daran hast, dann kannst du beim Überarbeiten der noch aus Gründungszeiten stammenden Vereinssatzung helfen. Ich glaube Lepidus, du hattest daran doch auch Interesse, oder?", glaubte er sich zu erinnern. Dann wären sie immerhin schon zu dritt. Da würden sicherlich so einige Ideen zusammenkommen. Dafür würde es sich sogar eventuell lohnen wirklich auch während seines Duumvirats - so man ihn denn wählen würde - wieder einen Tagesausflug nach Roma zu unternehmen. Oder er würde die beiden nach Ostia in die Villa Iuliana einladen. Crassus wollte ja eh mal zu Besuch dorthin kommen. Da würde sich gewiss ein passender Anlass finden lassen, sodass sich für die beiden eine Kurzreise auch lohnen würde...

    Na, das hörte der Iulier doch gern! Denn tatsächlich handelte es sich in der folgenden Angelegenheit wirklich eher um eine Abwechslung... für alle. Dives nickte kurz zufrieden und schnitt dann den eigentlichen Grund für ihr Zusammenkommen an:
    "Das freut mich zu hören. Und in der Tat brauche ich dich für eine weniger alltägliche Amtsarbeit. Es geht um eine Festlichkeit, die ich in der Villa Iuliana auszurichten gedenke. Anlass ist der, dass sich dieses Gut bald genau 5 Jahre * im Besitz meiner Gens - speziell: meines senatorischen Cousins Iulius Centho - befindet. Dazu will ich nicht nur einige Verwandte einladen, sondern das Ganze doch etwas größer gestalten.", erklärte der Duumvir erst einmal ein paar allgemeine Dinge.


    "Jetzt brauche ich als nächstes erstmal eine Gästeliste, die irgendwo bei meinem Collega Cassius und dessen Vater beginnt, zumindest nominell auch den Herennius umfasst, wobei ich nicht traurig wäre, wenn der absagen würde. Weiterhin sollten die einflussreichen Familien dieser Civitas natürlich ebenfalls vertreten sein und ich müsste dabei natürlich wissen, wer eventuell auch mit Gattin kommen könnte, das heißt wer von denen verheiratet ist und solche Dinge. Eine Übersicht über Verwandte und Freunde, die ich einladen möchte, erstelle ich natürlich selbst. Die Liste endet dann bei meinem Klient Asinius Celer und anderen so mehr oder minder ambitionierten Leuten, die wichtig sein könnten. Du darfst und sollst dich bitte ebenfalls in den Kreis der Eingeladenen zählen... so du denn Zeit an jenem Abend erübrigen kannst." Davon aber ging der Iulier erst einmal aus. Immerhin war es noch einige Zeit hin (man fing ja auch nicht erst am Vortag mit Planungen an). Da fiel ihm auf, dass er das genaue Datum noch gar nicht genannt hatte.
    "Die Feierlichkeiten sollen übrigens genau am Tag der Jährung, also ANTE DIEM VII ID NOV DCCCLXII A.U.C., stattfinden. Und nebenbei wird es an diesem Abend - das gehört allerdings auf keine der Einladungen - auch mindestens eine Kandidaturerklärung geben... vielleicht auch zwei.", sagte der Iulier mit vielsagendem Blick. Zumindest aus jetziger Sicht war es vermutlich besser, wenn er hier in Ostia noch einmal das Duumvirat anstrebte, statt in der Hauptstadt einer ungewissen Zukunft entgegenzusehen. Wer wüsste schon, wie lange sich der Machtkampf noch ziehen würde? Und falls es doch bereits früher wieder friedlich sein würde, dann gab es ja noch immer die Möglichkeit, dass der Duumvir an jenem Abend eben einfach nichts dergleichen verkündete... Für den Helvetier hingegen sollte dies eine gute Gelegenheit sein vor den wichtigsten Leuten der Civitas seine Kandidatur zu erklären. Die übrigen Gäste (eventuell würde sich Dives auch noch mit Cassius absprechen) wären mit Sicherheit überrascht - und könnten wohl kaum sofort darauf reagieren! Wer zuerst kommt, malt zuerst! Der Iulier zumindest ging in dieser Hinsicht lieber in die Offensive und ergriff die Initiative.


    "Bezüglich des zu absolvierenden Cursus an der Schola brauchst du dir keine Gedanken machen, wenn du den bis dato nicht erfolgreich hinter dich bringen konntest. Nicht nur in Ostia wird im December gewählt werden, sondern wohl auch in Roma. Da wirst du also mit Sicherheit rechtzeitig eine Gelegenheit finden, um diese Voraussetzung noch rechtzeitig zu erfüllen." Dives überlegte kurz. Gut, das war das. Was fehlte jetzt noch?
    "Genau. Nach der Gästeliste - auf der übrigens auch unser Stadtpatron zu stehen hat - ...", wenngleich auch hier der Iulier auf dessen Besuch gut und gerne verzichten könnte. Aber vermutlich und hoffentlich hätte der mit dem Bürgerkrieg jetzt keine Zeit dafür! "... müssten dann natürlich Rundschreiben entworfen werden: Eins für familiäre Gäste, eins für Freunde und eins für die Decuriones. An den Stadtpatron setze ich eine Einladung persönlich auf. Übrige Rundbriefe ergeben sich dann gegebenenfalls nach Besprechung der Gästeliste. Bis wann könntest du die hinbekommen, was meinst du?", fragte Dives abschließend. Celer würde er dem Helvetier noch mit an die Seite stellen; seine restlichen Untergebenen waren mit wirklicher Amtsarbeit beschäftigt. Das war auch der Grund, aus dem der Duumvir sich einfach den Schreiber der Herennius auszuleihen gedachte.


    Sim-Off:

    * berechnet nach diesem Schriftstück, das am Ende von Centhos Quaestur ausgestellt wurde:
    +1 Jahr Pause zwischen Centhos Quaestur und Aedilität (18.11.860 - 20.02.861 A.U.C.)
    +1 Jahr Centhos zurückgezogene Aedilität (20.02.861 - 30.05.861 A.U.C.)
    +1 Jahr Centhos Aedilität (ab 30.05.861 A.U.C.) & Dives' Quaestur in Ostia (24.08.861 - Ende Nov. 861 A.U.C.)
    +1 Jahr Pause zwischen Dives' Quaestur und Duumvirat (Ende Nov. 861 - 16.09.862 A.U.C.)
    +1 (fast) Jahr Dives' Duumvirat (ab 16.09.862 A.U.C.)


    //Edit: SimOff angepasst

    "Salve Helvetius!", grüßte der iulische Duumvir, der tatsächlich gerade ohne seinen Collega im Officium saß, freundlich zurück. Seit der Unterredung mit dem Decimus aus der Finanzabteilung der kaiserlichen Administration war der Cassier nämlich im wahrsten Sinne des Wortes etwas verschnupft. Ein Glück, dass er sich dennoch jeden Tag für einige Stunden in die Curia quälte. Andernfalls hätte wohl ein praefectus aus den Reihen der Decuriones bestellt werden müssen...
    "Wie geht es dir? Hast du dich gut hier eingelebt? Ich hoffe, dein heutiges Erscheinen hier hält dich nicht von wichtigen Aufgaben des Aedilis Mercatuum ab...", begann der Iulier das Gespräch erst einmal etwas lockerer, bevor er auf sein eigentliches Anliegen zu sprechen kommen würde. Andererseits aber er tatsächlich daran interessiert, wie sein Mann im 'feindlichen Lager' sich mitterweile dort, wie auch allgemein integriert hätte.


    "Hat mit dem Scriba Quaestoris alles soweit geklappt? - Aber, setz dich erstmal!", schob Dives gleich noch eine Frage hinterher, bevor er seine Aufforderung zum Setzen mit einer kleinen Geste unterstrich. Es würde eventuell auch eine längere Unterhaltung werden, je nachdem wie sie eben vorankommen würden...