Beiträge von Marcus Iulius Dives

    Und am heutigen Tage war es endlich soweit: Dives würde sein Versperchen an Iuppiter einlösen und diesem zwei prächtige, weiße Ochsen zum Geschenk machen! Die Aushänge, die er zu diesem Zweck eigentlich hatte anfertigen lassen wollen, waren in dem vielen Stress seit seinem Amtsantritt leider untergegangen. Es hatte Neueinstellungen in der Curia gegeben, was zu Beginn einer Amtsperiode alles andere als verwunderlich war. Dazu eine Unterschrift hier, ein Siegel dort und einen ätzenden Marktaedil als Krönung des Ganzen. Nicht zu vergessen hatte der Iulier ja auch noch die Ochsen besorgen müssen, was letztlich bei einem lose befreundeten Händler kein allzu großes Problem gewesen war. Statt also der Aushänge wurden rechtzeitig Sklaven an die strategisch wichtigsten Punkte der Stadt verteilt, die lauthals ankündigten, dass der Duumvir Iulius heuer dem größten und besten Iuppiter zwei Rinder opfern würde - und es vor allem für die Leute kleine sportulae gab!


    Am frühen Vormittag fand sich Dives barfüßig und in strahlend weißer Gewandung flankiert von den beiden ihm in seiner Position als Duumvir zustehenden Liktoren am Capitolium von Ostia ein. Eine Reihe frisch gewaschener, iulischer Sklaven folgte ihm in einfachen weißen Tuniken mit den handlicheren Opfergaben, bevor zu guter Letzt auch die beiden kreideweißen Ochsen - und mit weißem Kreidstaub hatte man hier natürlich sicherheitshalber wirklich ein wenig nachgeholfen - den Tempelvorplatz erreichten, wo sie an den dafür vorgesehenen Stellen angebunden wurden.
    Dann setzten die tibicines mit ihrem Spiel auf ihren Doppelpfeifen ein, was - als wäre dies bei den gewaltigen Ochsen noch nötig gewesen - die Aufmerksamkeit der zufälligen, wie gezielt anwesenden Passanten zusätzlich auf das Geschehen am Capitolium Ostiensis lenkte. Der iulische Duumvir steig die Hälfte der Stufen zum Tempelinnern empor, bevor er sich umdrehte und einen letzten Blick auf die Szenerie warf. Ein dünner Bogen von Schaulustigen hatte sich bereits um die beiden mit chicen dorsulen geschmückten Opfertiere gebildet, deren Hörner und Hufen vergoldet worden waren. Ob es sich wirklich um Zwillinge handelte, wie ihn der Händler Glauben machen wollte? Bei der Prüfung der Opfertiere hatte Dives zumindest nicht Gegenteiliges beweisen können und von hier betrachtet mochte es vielleicht sogar stimmen. Die weißen und roten infulae mit vittae um die jeweilige Ochsenstirn wippten leicht im Wind. Nachdem er sich sicher sein konnte, dass ihn fürs Erste genügend Leute gesehen hatten, drehte sich der Iulier wieder um und stieg die restlichen Stufen bis nach oben. Ganz an der Seite, um unauffällig zu bleiben, folgten ihm einige Sklaven mit den Opfergaben für das unblutige Voropfer.


    Bevor er das Tempelinnere betrat, bedeckte Dives sein Haupt zunächst mit einem Teil seiner blütenweißen Gewandung und vollzog die symbolische Renigung am Wasserbecken:
    "Möge dieses Wasser alle Unreinheit von meinem Körper waschen wie das Verwandeln von Blei in Gold. Reinige den Verstand. Reinige das Fleisch. Reinige den Geist. So ist es."


    Während die Musiker draußen ihre Melodien spielten und damit die störenden Geräusche fernhielten, die vor dem Tempel bei der Opfergesellschaft unweigerlich entstanden, nahmen einige Opferhelfer auch vor dem Tempel eine symbolische Waschung der Anwesenden vor. Unterdessen schritt Dives weiter zum Altar, wo das Kultbild des Iuppiter stand und das Opferfeuer brannte. Er kontrollierte den richtigen Sitz seiner Kopfbedeckung nochmals, bevor er die Hände mit nach oben zeigenden Handflächen in die Höhe streckte und sprach:


    "Ianus, Gott des Wandels, der du gleichsam am Anfang und Ende aller Dinge stehst!
    Gott der Götter, der du wachst über die himmlischen Tore! Gott des Übergangs!
    Ich, Marcus Iulius Dives, Sohn des Caius Iulius Constantius, möchte dir diesen Weihrauch zum Geschenk machen!
    Bitte nimm dies Opfer an und lass mich damit ein gutes Gebet sprechen!"


    Dabei opferte er den ihm von einem seiner Sklaven gereichten Weihrauch, sodass sich ein wohlriechender Nebel ausbreitete. Abschließend wandte er sich nach rechts, womit dieses Gebet beendet war. Damit sollte durch Ianus die Verbindung mit Iuppiter hergestellt werden können. Nun könnte also das eigentliche Voropfer folgen, wofür Dives sich die weiteren gut vorbereiteten Opfergaben reichen ließ, während die Musiker draußen noch immer spielten. Dann nahm er die Gaben und streckte sie einzeln dem Gott entgegen, sodass jener auch genau sehen könnte, was geopfert werden sollte. Anschließend legte er sie am Altar ab: weiße Dianthus-Blumen (denn was wäre wohl passender für Iuppiter als Zeus-Blumen?), eingie interessant duftende Kräuter, frisches Obst und Wein, der in eine entsprechende Öffnung gegossen wurde.
    Es folgte das erste Gebet zu Iuppiter. Dazu streckte Dives abermals beide Hände mit nach oben zeigenden Handflächen in die Höhe und sprach:


    "Iuppiter Optimus Maximus, höchster aller Götter und Herr des Himmels!
    Schwurgott und Gott der Blitze, dem alle Vögel heilig sind und der den Vogelflug lenkt!
    Ich, Marcus Iulius Dives, Sohn des Caius Iulius Constantius, möchte dir mit diesen Opfergaben meine tiefe Ergebenheit zeigen!
    Danken möchte ich dir damit für die gewonnene Wahl zum Duumvir der Civitas Ostia! Ich danke für den günstigen Vogelflug!"


    Um dieses Dankesgebet an Iuppiter zu beenden, wandte er sich nun traditionsgemäß zur rechten Seite um. Das Voropfer war abgeschlossen und mit einem guten Gefühl schritt Dives würdevoll wieder nach draußen und die Stufen hinab, um mit dem blutigen Hauptopfer auch den letzten Teil der Opferzeremonie zu vollführen. Immernoch standen die beiden Ochsen in strahlendstem weiß da und lauschten stumm und von einigen Mittelchen auch etwas berauscht dem Spiel der Musikanten. Während der iulische Duumvir dann erneut mit Wasser besprengt und damit abermals symbolisch gereinigt wurde, gab Dives ein Zeichen und die Worte "Favete linguis!" ertönten. Augenblicklich wurde es zumindest etwas stiller auf dem Vorplatz des Tempels. Unterdessen wurde Dives eine Schüssel gereicht, in der er nun auch seine Hände nochmals wusch. Anschließend trocknete er sie sich mit einem weißen Tuch, dem mallium latum, ab.
    Dann trat er zwischen die beiden parallel mit ihrer Front zum Capitolium stehenden Opfertiere, drehte sich um und blickte die Stufen des imposanten Tempels hinauf, erhob seine Hände mit zum Himmel zeigenden Handflächen und sprach:


    "Iuppiter Optimus Maximus, höchster aller Götter und Herr des Himmels!
    Schwurgott und Gott der Blitze, dem alle Vögel heilig sind und der den Vogelflug lenkt!
    Ich, Marcus Iulius Dives, Sohn des Caius Iulius Constantius, danke dir nochmals für deine große Hilfe!
    Daher möchte ich dir nun diese beiden mit Argusaugen ausgesuchten schneeweißen Ochsen zum Geschenk machen!
    Und damit möchte ich dich auch bitten, mich auch weiterhin auf meinem Weg in die Politik zu unterstützen!
    Dann will ich auch in Zukunft geloben, dir große und prächtige Opfer zu bringen! Do ut des."


    Mit einer Wendung nach rechts symbolisierte Dives, dass er sein Gebet gesprochen hatte und sogleich wurde damit begonnen, die Opfertiere abzuschmücken und sie mit mola salsa zu bestreichen. Dives bekam seinerseits das Opfermesser gereicht, mit welchem er nun langsam erst dem nach Abschluss seines Gebets nun direkt vor ihm stehenden Tier scheinbar von Kopf bis Schwanz strich, bevor er jene Prozedur auch bei dem zweiten Ochsen wiederholte. Bei genauerer Betrachtung würde man jedoch sehen, dass er die Klinge knapp über dem weißen Fell hielt. Das schöne Kreidepuder sollte ja hierdurch nicht abgestrichen werden.
    Dann übergab Dives das Opfermesser dem cultrarius, woraufhin der victimarius mit dem Hammer in der Hand ihm die Frage der Fragen stellte: "Agone?" - "Age!", antwortete Dives mit fester Stimme.


    ZACK! - ZACK! ~~~ ZACK! - ZACK!


    So fand erst der Hammer in perfektem Bogen den Weg auf den Kopf des rechten Ochsen, bevor im Augenblick danach aus der einen Halsschlagader des Tieres zwei halbe wurden. Kraftlos, lautlos und gänzlich unspektakulär sackte das erste Tier in sich zusammen. Auf exakt die gleiche Weise fand nur wenig später auch das zweite Tier ein jähes Ende. Sofort eilten einige Opferdiener herbei, um ein Teil des Blutes in paterae aufzufangen. Dennoch bildeten sich innerhalb von nur wenigen Wimpernschlägen zwei große Blutlachen, die schonmal als gutes Omen gedeutet werden konnten.


    Nachdem beide Rinder ausgeblutet waren, wurde der Bauchraum der Tiere vorsichtig geöffnet, die jeweiligen Eingeweide entnommen und in einzelne paterae gelegt. Die Eingeweideschau könnte beginnen. Dives war gespannt, ob der Größte und Beste sein versprochenes Opfer angenommen hatte...

    Sim-Off:

    Ich bin mal so frei... kann aber auch gerne wieder verscheucht werden.


    [Blockierte Grafik: http://i1294.photobucket.com/a…IR/Home/Avas/STsuniro.jpg| Tsuniro


    'Diese schrullige, alte Kuh!', regte sich die ägyptische Sklavin gedanklich auf. Was fiel dieser unförmigen, iberischen Möchtegern-Matrone eigentlich ein sich so aufzuführen?! Die hatte doch KEINE AHNUNG von Mode - geschweige denn von einem stilvollen Äußeren! Der türkise Lidschatten war gerade TOTAL angesagt! Grrr...
    Tsuniro hätte, wenn sie die Fähigkeit dazu besessen hätte, gerade töten können! Sie war ja viel gewohnt, aber eine solche Ansage hatte sie auch noch nicht erlebt! So stampfte sie hochgradig gereizt durch die Casa auf der Suche nach einem Opfer, an dem sie ihre Wut ablassen könnte. Da entdeckte sie plötzlich eine junge Besucherin im Atrium stehen. Dass die keine Sklavin oder sonstige Bedienstete sein konnte, war ihrer eleganten Aufmachnug sofort anzusehen - zumindest bei einem so geübten Auge, wie dem der Ägypterin.


    'Wer sie wohl ist und was sie hier will?', fragte sich Tsuniro und ihre Wut war augenblicklich der Neugier gewichen. Ob vielleicht sogar einer der Herren bereits ihre Bekanntschaft gemacht hatte? Sie ging in Gedanken die üblichen 'Verdächtigen' durch: Potitus... zu alt, Centho... zu krank, Flavus... in Aegyptus, wo der bestimmt derzeit nicht weg kam, Lucanus... viel zu anständig, um nicht wenigstens vorher Bescheid zu sagen, Saturninus... das selbe in grün, Antoninus und Licinus... beide zu militärisch. Wen kannte sie noch? Hier, der Neue... Crassus... auch unwahrscheinlich, dass der soo schnell, wen kennenlernte. Wie hieß der andere? Italicus... nein, dem hätte sie das auch angesehen. Da fehlten doch noch immer welche. Dives? Nein, das... nein, der war... das passte nicht. Bei dem hatte die Ägypterin einfach ein komisches Gefühl - weibliche Intuition. Dann vielleicht Proximus? Der war zwar auch irgendwie gerade recht oft bei den Urbanern, aber er machte ja groß politische Karriere. Sowas fand doch jede Frau toll! Außerdem... wurde der nicht auch gerade gerufen?
    Unauffällig blieb die Ägypterin am Rande des Atriums bei ein paar anderen Sklaven stehen und beobachtete weiter. Versorgt wurde die Frau ja bereits. Ob sie vielleicht sogar eine Iulierin war? So viele Nichten wie der Herr Proximus hatte? Für die Casa Iulia wäre es sicherlich eine Bereicherung, wenn eine weitere Schönheit sie bewohnen würde und mit der schlanken Figur und dem feinen blonden Haar war der Gast dies ganz sicher. Freundlich lächelte Tsuniro zu ihr herüber. Ob sie vielleicht eine Ornatrix brauchte? Die Ägypterin fand ja schon immer, dass sie ein ganz tolles Händchen dafür hatte...




    SKLAVE - CASA IULIA

    "Unbedingt.", fügte Dives der scherzhaften Bemerkung seines Cousin staubtrocken hinzu. Viel hatten die Langfinger ihm dereinst ja nicht abgenommen und gerade die paar Sesterzen waren eigentlich kaum der Rede wert gewesen. Doch die Kette mit dem octavischen Adler-Anhänger, die damals ebenfalls verschwunden war, die hatte ihn so richtig wütend werden lassen! Auch sie war für den einfachen Bürger nicht übermäßig kostenbar, doch der persönliche Wert, der hinter diesem letzten Geschenk, das er einst von seiner Mutter bekommen hatte, stand, war immens. Er hatte es bekommen, als sie sich das letzte Mal gesehen hatten, damals, bei ihrem Abschied in Mytilene...


    "Ja, was mache ich sonst?", wiederholte der blonde Iulier die Worte Crassus', um etwas Zeit zu schinden und kurz zu überlegen. Die vorherige Frage, die er selbst als eine rhetorische auffasste, übersprang er folglich.
    "Nun, ich versuche den Ruhm und das Ansehen unserer Gens zu mehren... wie wohl jeder. Dafür vertrete ich nicht nur mein.. unseren Cousin hier als Magister, sondern kümmere mich auch ein wenig um sein Gut bei Ostia. Das passt derzeit ganz gut, da ich dort nämlich aktuell für das Duumvirat kandidiere und das - so die Götter mir beistehen - hoffentlich auch mit Erfolg. Du kannst mich ja gerne mal dort am Meer besuchen kommen, wenn du willst, obwohl ich annehme, dass ich als Duumvir sicherlich nicht mehr ganz so viel Zeit haben dürfte...", lächelte Dives. Zumindest ihm selbst kamen die Stadtobersten stets ziemlich beschäftigt vor. Aber vielleicht hatten die Götter ja auch andere Pläne und er würde nicht gewählt - oder spätestens bei der Inauguration abgelehnt. Dann hätte er wohl mehr als genug Zeit für Besuche jeglicher Art...
    "Ach, und ich bin Mitglied und ehrenamtlicher Sekretär in der Factio unter dem Vicarius Germanicus Sedulus, der ein befreundeter Senator auch Centhos ist. Sag bist du auch ein Fan des Wagenrennsports?", erkundigte sich Dives dann und ihm fiel nicht im Geringsten auf, dass er bislang keinerlei Farbe bekannt hatte, derer es in dieser Sportart aber bekanntlich so einige gab...

    | Potitus Asinius Celer


    "Gut, dann ist das von nun an dein Schreibtisch hier.", stellte der Asinier zufrieden fest. Als Scriba eines der höchsten Männer der Civitas, der zudem noch deutlich mehr verdiente als jeder andere in diesem Raum, hatte Celer natürlich auch zusätzliche Pflichten bekommen und koordinierte so beispielsweise in diesem Officium noch diese und jene zusätzliche Kleinigkeit - wie eben die Schreibpultfrage.
    "Nicht alle. Der da vorne, der Aegypter mit den schwarzen Haaren, dessen Namen hier keiner so richtig aussprechen kann, der arbeitet beispielsweise dem Quaestor zu. Der macht den ganzen Tag nichts anderes als Zahlen hin und her zu schieben, um die Bilanzen zu schönen, mit denen der Quaestor am Ende seiner Amtszeit glänzen will. Außerdem ist er es auch, über den die Bezahlung hier läuft. Dem solltest du also in den nächsten Tagen deine von deinem Vorgesetzten unterzeichnete Tabula geben, wo drauf steht, wieviel du bekommen sollst. Ich glaub, in drei oder vier Tagen legt er dem Quaestor seine neusten Vorschläge vor - und im Anschluss daran gibts dann vor dessen Officium das Geld.", erklärte der Asinier gleich mal ein bisschen, was wichtig war. - Und wozu arbeitete man hier, wenn nicht, um am Ende der Woche auch ein entsprechendes Gehalt mit nach Hause zu bringen?!


    "Und die Arbeit mit diesem Herennius geht besser, als du jetzt vielleicht noch denkst. Dein Arbeitsplatz wird zwar immer gut gefüllt sein, aber nachdem du jetzt einmal bei ihm dein Einführungsgespräch hattest, musst du ihn aller Voraussicht nach erst am Ende dieser Amtsperiode wieder sehen, wenn er wissen will, was er in seiner Amtszeit so alles geleistet hat.", zwinkerte Celer dem Neuen zu.
    "Also, das hat zumindest Herennianus *, der Typ da drüben, erzählt. Und als ehemaliger Leibeigener muss der's ja wissen. Mit Fragen, die den Arbeitsbereich des Aedils betreffen, kannst du dich getrost an den wenden. Der ist sozusagen der Draht von hier zum Aedilis Mercatuus. Für allgemeine Fragen bin ich dein Mann. Mein Platz ist der dort... mit..." Was bei den Göttern? Lag da eine Blume auf seinem Platz?! Schnell scannten die Augen des Asiniers das Officium, doch keine Spur mehr von der Dame... Mist! Das war schon die dritte diese Woche...


    Sim-Off:

    * Damit du nicht so allein bist: der NSC Herennianus ist für dich! :)
    Du kannst aber selbstverständlich gern auch noch mehr 'Leidensgenossen' simmen, wenn du willst.



    KLIENT - MARCUS IULIUS DIVES

    Gefasst und möglichst ohne sich etwas anmerken zu lassen, hatte Dives die Reaktion Serapios zur Kenntnis genommen. Er würde wohl noch so einige Schlachten schlagen müssen, um es auch nur annährend mit der Gattin und/oder dem Geliebtem des Praefecten auch nur ansatzweise aufnehmen zu können. Fakt war: Er musste irgendwie kämpfen, wenn er mehr wollte! Dass er dabei mit seinen Anfang 20 noch kaum praktische Erfahrungen hatte, wie man erfolgreich kämpfte und welche Strategien man am besten verfolgte, war eben nicht anders. Doch von irgendetwas abhalten würde das den jungen Decurio sicherlich nicht! Eventuell sollte er den Decimer ja einladen ins... wieder Theater? Wagenrennen, das wusste er selbst nur zu gut, gab es hier in Roma derzeit keine. Womit könnte der Held erobert werden? Briefe? Mit Gedichten? Worauf stand Serapio? - Das war hier die große Frage.
    Dass er irgendetwas tun musste, war aus iulischer Sicht indes sicher. Der Decimer und er kannten sich ja mittlerweile wohl doch etwas mehr als nur flüchtig. Es war schließlich nicht so, dass sie nur betrunken auf einer Orgie übereinander hergefallen waren! Dives war auf jeden Fall stets nüchtern gewesen und der Decmier hatte zumindest keine Fahne gehabt. Und auch eine Orgie - am besten noch verkleidet als irgendwelche Götter und Helden - war weder das erste noch das zweite Aufeinandertreffen gewesen. Nein, es waren stets Faustus Decimus Serapio und Marcus Iulius Dives, die sich getroffen und geliebt hatten, und zumindest für den Letzteren der beiden war dies zusammen mit der Tatsache, dass der Praefect ihm seit einiger Zeit nicht mehr aus dem Kopf ging, Grund genug engagierter zu werden.


    Immerhin: So völlig erfolglos war sein Vorgehen ja nicht. Für DEN Kuss hatte sich diese fast schon etwas lächerliche Aktion wirklich und wahrhaftig gelohnt! Wie ein Würfel Eis in der prallen Mittagssonne hätte der Iulier einfach nur dahinschmelzen können... bis Serapio ihn erneut stehen ließ.
    "Wie könnte ich mich losreißen, wenn solche Küsse auf mich warten, wenn ich es nicht tue?!", rief Dives ihm nach, öffnete seine Augen und blickte direkt auf den Blumenkranz, welchen er vorhin verloren hatte. Er war auf der Krone eines hüfthohen Busches gelandet. Eilig griff der Iulier danach und folgte nun wieder mit kompletten Kopfschmuck seinem Held in Richtung der Biga, wo er anschließend etwas fragwürdig empfangen wurde. Serapio würde ihn doch nicht einfach hier stehen lassen... so ganz allein... das war doch nur eine Retourkutsche... oder? Er wusste, dass er selbst den Factio-Sport nur als Sport und nicht als unumstößliche Lebenseinstellung verstand. Wie der Decimer das sah - da hatte er es wieder -, wusste er jedoch nicht.
    "Das will ich ja wohl hoffen... wo du mich schon einfach so 'entführt' hast...", antwortete Dives nach der positiven Auflösung leicht grinsend und folgte dem Praefect zurück auf die Kanzel der Biga. Die folgende Frage musste der Iulier dann erst einmal kurz überdenken. Hatte er schon jemals so ein Gespann gelenkt? Seit er nach Roma in den Schoß seiner Gens zurückgekehrt war sicherlich nicht. Und davor in Asia? So ganz sicher war er sich da jetzt nicht, was er nicht vielleicht als kleiner Knirps schon so alles mitgemacht hatte...
    "Äh... nein. Aber reiten, reiten kann ich! ... Also auf einem Pferd, mein ich.", fügte er ob der Mehrdeutigkeit seiner Worte etwas peinlich berührt hinzu. Blöder Kommentar! Dives' Wangen bekamen leicht Farbe. Was er jetzt nicht alles für einmal 'unauffällig im Erdboden versinken' geben würde..!

    | Potitus Asinius Celer


    "Salve Helvetius! Dein erster Tag heute? Du arbeitest dem Mercatuus zu, oder?", grüßte Celer erst einmal freundlich und betrieb ein bisschen Smalltalk, während er den Helvetier mit einer Geste zum Folgen aufforderte. Es ging vorbei an so einigen Schreibpulten, aufgeräumten, unordentlichen, übervollen, beinahe leeren und völlig leeren. An manchen wurde gerade gearbeitet, an manchen Pause gemacht, andere waren zur Zeit unbesetzt. Vor einem der leeren, unbesetzten Plätze blieb der Asinier stehen und drehte sich zu Ocella um.
    "Du kannst den hier am Fenster nehmen oder den dort drüben bei den Regalen. Sind beide noch - oder eher: wieder - frei.", stellte er den Neuen vor die Wahl. Celer selbst hätte sich wohl für den Fensterplatz entschieden, weshalb er den Helvetier auch erstmal hierher geführt hatte. Aber letztlich musste das jeder Scriba selbst wissen, wo er am besten arbeiten könnte. Mit einem freundlichen Lächeln wartete er die Antwort ab und spekulierte eventuell auch auf einen kurzen Plausch über den neuen Vorgesetzten des Helvetius.




    KLIENT - MARCUS IULIUS DIVES

    Ja, richtig. So ein Scriba hatte natürlich keine Ahnung von solchen wichtigen Geschäften!
    "Also, Helvetius...", begann der Aedil sodann, "... bist du nun also tatsächlich mein neuer Scriba geworden. Herzlichen Glückwunsch!", gratulierte Herennius als nächstes, wobei niemand so genau sagen könnte, ob sein Lächeln dabei nicht vielleicht auch eine gewisse Ironie übermitteln sollte.
    "Um gleich vorab ein paar Regeln klarzustellen: Du bist MIR unterstellt und machst deshalb auch nur das, was ICH dir sage. Zweite Regel: Ich dulde keinen Widerspruch. - Es sei denn, mir wurden irgendwelche wichtigen Informationen zur Einschätzung einer Situation vorenthalten. Das zieht die dritte Regel nach sich: Ich will stets über alles, was du und deine mir unterstellten Kollegen tun, genaustens informiert sein, damit vorhergenannter Fall nicht eintritt.", legte er dann erst einmal los. Kurz dachte er nach und blickte sich kurz um.


    "Du siehst meinen ordentlich aufgeräumten Schreibtisch?! Genau das soll er auch bleiben. Viertens also: Mein Schreibtisch ist keine Ablage für irgendwelche belanglosen Dinge. Jeder von euch hat einen eigenen Arbeitsplatz im Officium Scribarum. Da ist genug Platz dafür. Fünftens: Über alles, was mit besonders wichtigen Persönlichkeiten der Civitas oder von außerhalb zu tun hat, will ich grundsätzlich zunächst informiert werden, bevor irgendetwas unternommen wird. Manche Probleme lassen sich schließlich auch ganz einfach in einem persönlichen Gespräch aus dem Weg räumen...", denn wozu war er Aedil über die Märkte geworden, wenn nicht, um bei Verstößen hier und dort auch mal ein bisschen abkassieren zu können?!
    "Und siebtens und letztens: Stör mich ja nicht mit irgendwelchen Nichtigkeiten, wenn ich gerade mit wichtiger Post, wie sowas hier...", wedelte er mit dem Brief kurz herum, "... beschäftigt bin. Was ich an dich delegiert habe, kannst du auch selbstständig entscheiden." So, auf sieben Hügeln wurde Roma erbaut - auf diesen verzählterweise sieben Regeln beruhte nun die Zusammenarbeit mit dem Helvetier. Zufrieden mit dem Gesagten ließ er seine Regeln wirken und überlegte unterdessen.


    "Dann zu deinen konkreten Aufgaben. Kümmer dich darum, dass du einen Schreibpult im Officium der Schreiber bekommst. Weiterhin brauche ich jemanden, der den ganzen Kram übernimmt, der in der Zusammenarbeit mit diesem Germanicus, diesem neuen Procurator Annonae, anfällt. Der scheint ganz dicke zu sein mit dem Duumvir Iulius, das heißt: besondere Obacht! Pass auf, dass der nichts macht, was ich nicht auch machen würde." Wer wüsste schon, ob die Freundschaft zwischen denen vielleicht gar so groß war, dass die jetzt zusammen am Stuhl des Herenniers zu sägen wagen würden? Das könnte er natürlich nicht zulassen!
    "Du müsstest dich also in nächster Zeit bei dem Germanicus melden und ihm mitteilen, dass er DICH in derlei Angelegenheiten aufzusuchen hat. Und wenn ich sage 'in nächster Zeit', dann meine ich 'am besten schon gestern'.", stellte er klar. Fehlte ihm ja noch, dass sich der Procurator am Ende wohlmöglich noch hier in sein Officium verlaufen würde! Am besten ja vielleicht noch, wenn er gerade mit dem Händler aus Pontia die Mitgift aushandelte... das heißt, sollte er tatsächlich den Entschluss fassen dessen Tochter zu ehelichen.


    "Noch irgendwelche Fragen? - Ansonsten wars das fürs Erste. Gegebenenfalls wirst du weitere Anweisungen auf deinem Schreibpult finden.", erklärte der Aedilis Mercatuus abschließend und begann sich gedanklich bereits fast wieder nach Pontia zu begeben.
    "Ach, und sprich mit dem Duumvir Iulius über dein Gehalt. Der hat dich schließlich auch eingestellt und kommt sich ja immer soo wichtig vor.", fiel ihm noch ein, wo er gerade wieder so über Geld nachdachte. Sollte der Schwuchtel-Duumvir doch jetzt in seiner Wichtigkeit auch das regeln!



    Wieder überlegte Dives: 'Iulius Subaquatus... Iulius Sub...!' Es dauerte nicht sehr lange, da kam ihm ein solcher Mann in den Sinn.
    "Marcus Iulius Subaquatus hieß auch mein Urgroßvater! Und ich meine mich zu erinnern, dass er auch einen gleichnamigen Sohn hatte. Dessen Tochter war doch die Frau des Triumphators Decimus Meridius, oder?!", erkundigte er sich und man hörte die Zuversicht in seiner Stimme, nun hoffentlich die richtige Verbindung konstruiert zu haben. So aus dem Stehgreif wusste der blonde Iulier jetzt nicht, ob der jüngere Subaquatus nun auch noch einen Sohn Rufus gehabt hatte. Doch ausgeschlossen war das bestimmt nicht.
    "Dann wären wir auf jeden Fall miteinander verwandt, ... Cousin.", fügte er mit einem freundlichen Lächeln hinzu. Den Grad müsste er sich auf einer Stammtafel erst genauer ansehen. So nach dem Motto 'einmal gehört und sofort gewusst' hatte er es nicht drauf das jetzt stante pede mit absoluter Sicherheit zu sagen. Außerdem schuf das ja auch nur Distanz zwischen ihnen, wenn man jedes Mal hinzufügte, dass 'Cousin' hier nicht 'Cousin ersten Grades' meinte. Nähe schuf dies nach Ansicht des jungen Decurios nur, wenn man eben genau letzteres sagen könnte, was er selbst nicht selten in Verbindung mit seinem erstgradigen Cousin Centho tat.


    "Und du bist von der Casa Iulia direkt hierher gelaufen, wenn du eigentlich zu den Thermen auf dem Marsfeld wolltest? Dann hast du aber einen ziemlichen Umweg gemacht. Da sollte ich wohl beim nächsten Mal besser mitkommen... das heißt, wenn ich dann gerade hier und nicht in Ostia bin.", schnitt Dives kurz an. Dann besann er sich auf die ursprüngliche Frage.
    "Also ich kann ja nur für mich sprechen, aber ich war einmal in den Nerothermen und ich sage dir, das Personal da... Puh! Nein, also die Agrippathermen sind vielleicht nicht ganz so modern, weil sie einfach schon ein wenig älter sind und einen anderen Stil und eine andere Raumkonzeption haben, aber da kann man wenigstens noch richtig entspannen und hat vor allem nachher auch noch alles, was man vorher hatte! ... Nicht zuletzt nutzen, soweit mir bekannt, auch viele Equites und Senatoren eher die Thermen des Agrippa.", fügte der junge Decurio letztlich noch hinzu, um dem stark subjektiven Eindruck noch etwas Pseudo-Objektivität zu geben. In den Agrippathermen wurde der blonde Iulier noch NIE beklaut!

    Sim-Off:

    Damit heißt der zuvor namenlose Aedil nun Herennius! ;)


    Der Aedilis Mercatuus ließ sich nicht im Geringsten von dem Mann stören, der da das Officium betrat. Er wusste, dass er keinen geschäftlichen Termin erwartete, denn sein Vorzimmerbeamter pflegte derartige Besuche stets noch einmal anzukündigen, bevor sie zum Herennier hereingebeten wurden. So bemühte er sich nicht einmal wenigstens den Schein irgendeiner Geschäftigkeit zu wahren, sondern verharrte mit seinem Blick auf dem Papyrus, bis er tatsächlich angesprochen wurde. Ein kurzes Lächeln huschte über sein Gesicht, während er dann den Brief auf seinen Schreibtisch sinken lies. Mit festem Blick sah er dem Helvetier anschließend in die Augen:
    "Was hälst du von einer Verlobung mit der Tochter eines vermögenden Händlers aus Pontia? Sie ist..." Er nahm erneut den Brief zur Hand. "... ein junges römisches Mädchen, das einer roten Rose gleich die ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen vermag, und ihrer alten Heimat überdrüssig geworden nun jemanden sucht, der sie pflückt und ihr ein neues zu Hause gibt.", zitierte der Aedil das Schreiben und legte es abermals aus der Hand. Erwartungsvoll blickte er den Helvetius an.


    "Im Klartext ist sie also vermutlich eine Venus mit einem ungebührlichen Liebhaber und ihr Vater will viel Geld dafür bezahlen, dass sie eine standesgemäße Ehe führt - fern ihrer Heimat, auf dass sie nicht einmal in die Versuchung kommen soll ihrer Familie Schande zu bereiten.", fasste Herennius seine Vermutung ob der Hintergründe zusammen. Aber war das etwas, das ihn von der Einwilligung in eine Verlobung mit möglichst baldiger Hochzeit abhalten sollte? Die Vorstellung davon, dass er, Herennius, zu dem Zeitpunkt dann vielleicht schon Duumvir von Ostia, die junge Venus hier in Empfang nehmen würde und sie in Ostia, dem Hafen Romas, auch ihren Ehehafen finden würde, fand er irgendwie... beinahe etwas poetisch. Nun, was sagte 'der Neue' dazu?


    Sim-Off:

    Edit: Farbe hinzugefügt


    Seine Überraschung stand Dives ins Gesicht geschrieben, als ihm Crassus eröffnete ein Cousin von ihm zu sein. Dann begann das Denken: 'Iulius Rufus... Iulius Rufus... Iulius Rufus...' - Nein, da war nichts. An einen Iulius Rufus konnte sich der blonde Iulier beim besten Willen nicht erinnern. Andererseits jedoch war es wohl auch gar nicht möglich (wenn man kein Nomenclator war) ausnahmslos jeden Verwandten im Kopf zu haben. Insbesondere dann nicht, wenn der weder Senator oder Eques war, noch Decurio einer bedeutenderen Stadt oder sonst irgendwie gesellschaftlich hervor stach, wie beispielsweise Großonkel Licinus als Primus Pilus der Prima. So brauchte der junge vertretungsweise Magister einen weiteren Anhaltspunkt zur Bestätigung:
    "Tut mir Leid, aber ein Iulius Rufus sagt mir gerade gar nichts. Ist der mal irgendwie besonders in Erscheinung getreten oder hatte vielleicht Geschwister, die ich kennen könnte? ... Oder: Wer war denn dein Großvater? Vielleicht hilft mir der Name ja auch schon weiter." Immerhin hatte so eine Stammtafel ja zumeist die Eigenschaft, dass sie nach oben hin, also in Richtung des Stammvaters, dünner wurde. In anderen Worten: Dives hatte wohl mehr Cousins als Onkel und mehr Onkel als Großonkel... Darauf nahm er noch einen Schluck Wasser. Kurz schwenkte er mit seinem Blick zum Tempel, wo allerdings noch immer nichts Neues zu sehen war. Scheinbar war es wohl nicht so ganz leicht zu sagen, ob die Eingeweide in Ordnung waren... oder sie waren einfach nur so groß, denn immerhin handelte es sich nicht nur um ein kleines Schäfchen, das heuer sein Leben ausgehaucht hatte. Der blonde Iulier wandte sich wieder zum schwarzhaarigen.


    "Und, du wolltest zum Marsfeld? Ins Odeum? Ins Pompeiustheater? Ins Pantheum? ... Agrippathermen, Kunstmarkt, Nerothermen?", zählte Dives dann nur ein paar mögliche Ziele auf, die man auf dem Campus Martius ansteuern könnte.

    Es dauerte einen kurzen Moment bis der Vorzimmerbeamte des amtierenden Aedilis Mercatuus auf den Helvetius reagierte. Er schien sicherlich gestresst und hatte mehr als nur ein paar Tabulae auf seinem kleinen Schreibtischchen liegen. Wo genau er dort überhaupt noch wirklich Platz zum Arbeiten hätte, wusste wohl nur er selbst. Dann begann erst einmal die Suche nach der Terminliste des Aedils, was ebenfalls wieder einige Zeit in Anspruch nahm. Erst nach etwa anderthalb Stapeln verschiedenster Tafeln wurde der Mann fündig... und winkte den Helvetier anschließend schnell zu seinem Vorgesetzten durch, um sich selbst wieder mit seinen gefühlt tausenden von Aufgaben zu befassen.


    In dem Officium selbst, in welchem seit Beginn dieser Amtsperiode kein Quaestor, sondern die beiden Aedile ihren Amtssitz hatten, war das Bild ein gänzlich anderes. Die beiden Schreibtische der gewählten Magistrate waren groß und weitesgehend leer, der Aedilis operum publicorum hatte einen Außentermin und sein für die Märkte zuständiger Kollege saß mit einem Becher Wein in der Hand entspannt auf seinem Amtssessel und las scheinbar ein wenig amüsiert einen Brief.



    'Ach, der Helvetius!', schoss es Dives durch den Kopf, als jener vom Aedilis Mercatuus und dem ganzen Drumherum erzählte. Der Iulier hatte es gar nicht gleich zur Kenntnis genommen, dass er diesen Mann hier bereits etwas näher kannte. Andererseits: Wer sollte sich auch jeden einzelnen Scriba der Curia mit Namen und dazugehörigem Gesicht merken?! Abgesehen vielleicht von seinem Nomenclator, der allerdings jetzt nicht hier war.
    "Mistkerl!", rutschte es dem Iulier raus bei dem Gedanken daran, dass der Aedil mal wieder alles Mögliche an andere Leute verteilte. Insbesondere, wenn er selbst das 'Verteilungsopfer' war, war dieser Umstand doch etwas ärgerlich. Andererseits bot es aber auch in gewisser Hinsicht eine Chance...


    "Entschuldige, ich meinte nicht dich. Ich... Wie auch immer. Zur Entlohnung gibt es eigentlich nicht allzu viel zu sagen. Jeder Scriba der Curia Ostiensis verdient in der Regel 20 Sesterzen in der Woche; besonders verdiente, engagierte und verantwortungsvolle Scribae 25." Das ließ der Iulier erst einmal wirken. Das war der generelle Verdienstrahmen. Dass Asinius Celer seit Beginn des iulischen Duumvirats sogar 150 Prozent, also ganze 30 Sesterzen Wochenlohn erhielt, verschwieg Dives. Auch ihm war das System der Klientenbevorzugung schließlich nicht fremd.
    "Folglich, da du auch gerade erst ernannt wurdest, sollten wohl 20 Sesterzen ein gutes Einstiegsgehlt sein.", erklärte der Duumvir schließlich sachlich neutral. Dann lehnte er seinen Kopf wieder entspannt zurück, schloss die Augen und wartete ab, ob sich der Helvetius damit begnügen oder ob er Argumente für einen höheren Verdienst vorbringen würde. In letzterem Fall - und darauf spekulierte der Iulier hier - bestünde dann die Chance den Mann doch etwas weiter weg vom Aedil zu drängen und ihn näher an Dives zu binden...

    Zitat

    MID: "... Setz dich zu mir. ..."


    Oha, der Mann arbeitete also in der Curia von Ostia. Dives atmete einmal tief durch. Was wohl so dringend wäre, dass es nicht bis zum morgigen Tage warten könnte, wenn er eh wieder in den Officia der Curia war? Dann hielt er kurz inne. Er hörte gar nicht, wie der Beamte der Stadtverwaltung ins Becken stieg. Notgedrungen öffnete er nun also beide Augen. War es dem Mann unangenehm mit seinem Vorgesetzten - und irgendwie war ein Duumvir ja allen städtischen Angestellten vorgesetzt - in einem Becken zu baden? Es war ja nicht so, dass der Iulier... Wobei, jetzt, wo er so darüber nachdachte, sah der Beamte nicht unbedingt schlecht aus. Naja, vielleicht könnte er mit ein wenig mehr Sport seinen Oberkörper noch etwas besser zur Geltung bringen, aber so alles in allem...
    "Nur nicht so schüchtern. Ich beiße nicht.", sagte er mit einem amüsierten Lächeln, denn so vollkommen wahr war das ja nicht. Prinzipiell biss er schon auch mal ein bisschen oder knabberte zumindest. Beides jedoch in einem wohl etwas anderen Kontext.


    "Also, setz dich zu mir und erzähl mir, um was es geht.", bat er noch einmal und fügte dem noch eine einladene Geste hinzu. Irgendwie hatte er gerade Gefallen an dem scheinbar etwas schüchternen Besuch gefunden...

    In seiner Niesche sitzend und das erste Mal am heutigen Tage wirklich etwas entspannend, hatte der Iulier den Mann aus Luca - nicht jedoch dessen Informationen - bereits wieder vergessen, als jener diese Ecke verließ. Dass er sich durch das wandelnde Weinfass hernach genauso wenig gestört fühlte wie durch die restlichen Badegäste, verdankte er dabei der tollen baulichen Konstruktion der Nieschen des caldariums, in deren einer er sich ja gerade befand. Man hörte den üblichen Badelärm der Thermengäste nur wie durch einen Filter, was geschäftliche Gespräche aus Sicht des Duumvirs auch erst wirklich ermöglichte. Dazu das seine Verspannungen sanft lösende, warme Wasser... Hier würde Dives es noch ein wenig aushalten können.


    Einzig einer dieser Möchtegern-Poeten, der plötzlich in einer unmöglichen Lautstärke das Wort ergriff und die Badenden mit einem seiner geistigen Ergüsse zu begeistern suchte, störte den Iulier wirklich. Kurz hob er seinen Kopf leicht an und blinzelte etwas, um den Störenfried auszumachen. Zufrieden sah er, wie sich eilig zwei gut trainierte junge Männer um dieses Problem kümmerten, sodass er selbst seine Augen wieder schließen und sich entspannt zurücklehnen konnte. Ob die beiden Jungs zur Classis gehörten? Dabei fiel ihm Massa ein... und die eine Cena zu zweit... und Serapio. Letzterem wollte Dives noch schreiben...


    Auf einmal kreuzte ein 'Salve, Duumvir Iulius' wie in einem schlechten Traum seine Gedanken. Darauf reagierte er nicht, ließ seine Augen zu und tat so, als hätte nichts gehört. Das war bestimmt nur Einbildung - oder einer der Weinverkäufer, aber das Fass war ja mittlerweile weitergezogen. Der anschließend folgende Nachsatz hätte Dives dann fast ein kurzes Auflachen abgerungen - nur fast. Wer auch immer es war, der hoffte nicht zu stören, er störte! Reichte es denn nicht, dass er heute keine Massage der guten Sorte bekommen hatte und es keine wirklich neuen Informationen aus Luca für ihn gegeben hatte?! Musste jetzt auch noch ein Geschäftsmann, Bittsteller oder Wurstverkäufer ihm das letzte bisschen Entspannung nehmen?!
    "Salve.", grüßte Dives mit geschlossenen Augen und dem unverändert entspannten Lächeln auf seinen Lippen freundlich zurück. Wenn schon nicht innerlich, so wollte er wenigstens äußerlich entspannt wirken. Mit seinem linken Auge riskierte er dann einen kurzen Blick.
    "Natürlich störst du nicht. Setz dich zu mir. Wie kann ich dir helfen?", antwortete er dann und machte sein Auge wieder zu. Solange wie nur möglich wollte der Iulier den Moment noch genießen, bevor der junge Mann ihn mit seinen Sorgen quälen würde...

    "Ist gut.", sagte Dives, nachdem er den Ring gesehen hatte, und klopfte Antinoos dabei leicht auf dessen linke Schulter. Offenbar hatte der Leibwächter noch immer nicht verstanden, dass Bürger der gleichen Gens nicht automatisch auch mit einander verwandt sein mussten. Doch dem ihn schützenden Sklaven verzieh der junge Decurio natürlich dessen Misstrauen.
    "Und mein Wasser bitte - in einem Becher, wenns geht.", fügte er hinzu. Denn aus einem Krug würde der Iulier ganz sicher nicht in aller Öffentlichkeit trinken. Da mochten seinen Kopfschmerzen noch so nerven. Doch der zweite Custos Corporis hatte sogar gleich drei Becher mitgebracht - anscheinend in der Hoffnung, dass auch die beiden Sklaven nicht leer ausgehen würden. Er hielt Antinoos alle drei zusammen hin, sodass jener eingießen konnte. Unterdessen erkundigte sich Dives an Crassus gewandt:
    "Was ist mit dir? Auch eine kleine Erfrischung bei dem Wetter?" Kurz entschlossen winkte er ihn näher heran.


    "Hier, nimm!", reichte er dann den ersten Becher ungeachtet dessen, ob jener ihn überhaupt wollte, an den schwarzhaarigen Iulier weiter, bevor er den zweiten Becher selbst nahm und die beiden Leibwächter sich einen Becher teilen ließ. Dann nahm er erst einmal einen kräftigen Schluck - das tat gut!
    "Ich bin übrigens Iulius Dives aus der Linie der Iulii Caepiones. Ich bin heute für meinen Cousin, den Senator Iulius Centho, hier als stellvertretender Magister der Societas Claudiana et Iuliana. Und der Opferherr da drüben ist... auch ein Mitglied dieser Kultvereinigung.", führte er dann aus und hätte sich beinahe verplappert. Die Leute rechts und links von ihm und vermutlich auch sein aktueller Gesprächspartner wussten bisher ja nicht, dass es sich bei dem Mann um einen Tiberier handelte. Und gegenüber irgendwelchen Fremden würde Dives das ganz bestimmt auch nicht einfach so herausposaunen. Mit neugierigem Blick erwartete der junge Decurio nun, dass auch Crassus etwas mehr von sich preisgab. Aus welchem iulischen Zweig stammte er? Und was hatte ihn heute hierher geführt?

    ... und wie sein Blick so auf den Herrn vom Palatin fiel, ging dem Iulier plötzlich auf, dass er diesen Mann bereits kannte. Woher? Tja, das war eine gute Frage. So genau konnte er das nicht gleich sagen. Möglichkeiten gab es dafür einfach zu viele. Als sich der kaiserliche Beamte jedoch als Decimer vorstellte, hatte Dives da so eine Idee:
    "Salve, Primicerius Decimus! Du bist doch der Vater der jungen Vestalin Decima..." Wie hieß sie weiter? Stella? Nein, das Sternchen war mit dem Schlauen, Catus, im Theater gewesen. Er kam nicht drauf. Sein Collega versuchte die Situation etwas zu überspielen:
    "Salve, Primicerius Decimus! Ich bin Cassius Hemina Minor, Duumvir von Ostia. Es ist mir eine Ehre.", stellte er sich freundlich, aber dennoch zurückhaltend vor. Zahlen waren nicht so sein Ding und Zahlenjongleure ihm folglich etwas suspekt. Hemina bevorzugte da eher die Geometrie, was man auch nur unschwer auf seinem Schreibtisch erkennen konnte. Alles war feinsäuberlich sortiert und exakt an den Tischkanten ausgerichtet. Und trotzdem fand der Duumvir bestimmte Dinge in seiner Ordnung einfach nicht wieder...


    "Setz dich. Du erinnerst dich an Germanicus Aculeo?", ergriff nun Dives wieder das Wort und zeigte mit zwei kurzen Gesten erst auf einen der beiden freien Plätze, auf denen zuvor noch der Aedil und der Helvetius gesessen hatten, bevor er mit der zweiten Geste den Germanicer in den Mittelpunkt rückte.
    "Er ist Procurator Annonae und als Decurio dieser Civitas ebenfalls in die Bearbeitung der Anfrage der Administratio Imperatoris beteiligt. Er wird dieser Unterredung folglich ebenfalls beiwohnen.", erklärte der Iulier und hielt damit den Anfang für gemacht. Alle waren einander vorgestellt (Gut, der Decimus und der Germanicus müssten sich noch 'Hallo' sagen, aber das mit dem Anfreunden hatte ja schon bei der Theatervorstellung nicht so richtig - zumindest nicht so gut wie bei Dives - funktioniert.) und nun lag es bei Varenus, mit welchem Punkt seiner Agenda er beginnen wollte...

    Ostianus bereitete gerade die Liste aller heutigen Termine des Duumvir Iulius vor, eine übersichtliche Tabelle mit Uhrzeit, den Namen der erwarteten Personen, dem Anliegen und nicht zuletzt hier und dort zusätzlich benötigten Unterlagen. Da tauchte der Helvetius vom Vortag... und dem Tag davor... im Vorzimmer auf.


    "Salve, Helvetius!", grüßte Ostianus zunächst, bevor er dem künftigen Scriba - denn ohne unterzeichnete Ernennnugsurkunde war er ja wohl kaum ernannt - die Unterlagen abnahm. Kurz warf er einen Blick auf beide Sachen, nickte und legte sie bei Seite.
    "Gut, ich reiche sie gleich weiter. Ach, und ich soll dich noch erinnern..." Ostianus kramte kurz zwischen einigen Tabulae. "... soll dich erinnern... HIER! Ich soll dich erinnern, dass dich der Aedilis Mercatuus gleich in seinem Officium erwartet. Amtseinweisung oder so, steht hier." Die Schrift des iulischen Duumvir war manchmal wirklich nicht zu lesen... was aber bestimmt nicht an dem vielen Wein lag, den Ostianus auf der Fest letzte Nacht getrunken hatte. Nein, bestimmt nicht. Die Feier war wirklich gut gewesen; dafür hatte sich sogar das Durchmachen gelohnt - insbesondere, weil dem Vorzimmerbeamten einer aegyptischen Wundercreme sei Dank nichts von der Party anzusehen war!

    IN NOMINE IMPERII ROMANI
    ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI


    ERNENNE ICH
    TITUS HELVETIUS OCELLA


    MIT WIRKUNG VOM
    NON OCT DCCCLXII A.U.C.
    (7.10.2012/109 n.Chr.)


    ZUM
    SCRIBA DER STADT OSTIA


    Marcus Iulius Dives
    _______________________________
    DUUMVIR - OSTIA

    Als Duumvir war man ständig am Arbeiten. Und selbst wenn man, wie der Iulier am heutigen Nachmittag, mal wieder eine der zahlreichen Thermenanlagen Ostias besuchte, so gab es dennoch stets auch geschäftliche Termine, die man sich in diese Zeit legte. Niemand wollte schließlich bis nach Sonnenuntergang über irgendwelchen Personalien, Finanzberichten, Korrespondenzen mit anderen Civitates Italias und sonstigem duumvirischen Alltagskram sitzen. Dazu kamen ja dann auch noch die weniger alltäglichen Probleme, wie aktuell alles, was in Verbindung mit dem Konflikt zwischen Salinator und Palma stand...


    Nachdem Dives also aus dem apoditerium kam, begab er sich zunächst ins tepidarium, wo er nur eine äußerst mäßig entspannende Massage erhielt, weil ihm irgendsoein Idiot den talentierten und wirklich gut gebauten Lusitanier quasi vor der Nase weggeschnappt hatte - nur zu gern hätte der Iulier dessen Gesicht gesehen, um zu wissen, wem er seine Verspannungen zu verdanken hatte! Weil sich ein Wohlgefühl unter den groben Händen des Thrakers nicht so recht einstellen wollte, verließ der Duumvir den Raum bereits frühzeitig wieder ins caldarium, wo in einer der Nieschen bereits seine Verabredung wartete. Natürlich war dies nicht soeine Verabredung - nicht als Duumvir von Ostia in der Öffentlichkeit in Ostia. Außerdem stand Dives ganz sicherlich nicht auf Weinfässer (!) und nichts anderes war ebenjener Mann - sowohl äußerlich, wie bei dem Weinkonsum wohl auch innerlich. Der Iulier lehnte einen Becher höflich ab.


    Etwa eine halbe hora und gefühlte drei Weinkrüge später kugelte sich der Informant aus Luca im Norden Italias wieder. Ob der sich dabei deshalb auf zwei Sklaven stützen musste, weil er bereits so dicht war oder ob es vielleicht auch an seiner äußeren Erscheinung selbst lag, darüber mochte sich jeder Beobachter sein eigenes Urteil bilden. Der Iulier indes war einfach nur froh, dass er jetzt vielleicht endlich mal wieder einen kleinen Augenblick Zeit für sich hatte. Allein in der Niesche sitzend legte Dives seinen Kopf auf den Beckenrand und machte die Augen zu. Nichts wirklich Neues aus Luca: Schärfere Kontrollen an den Stadttoren, erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber größeren Gruppen von Reisenden und Misstrauen gegenüber so ziemlich jedem. Dort oben im Norden hatte offenbar jeder Angst, dass die Prima in ihrer Nähe kämpfen würde - ob nun gegen Palma oder Salinator... auf jeden Fall gegen Römer. Ein Glück war er Duumvir hier in Ostia und Mantua schien gerade ganz, ganz weit entfernt...