Beiträge von Valentin Duccius Germanicus

    Er seufzte. "Nun, ich kann Dir den Weg nennen, wie Du zu dieser Taberna kommst." Als er ihre restlichen Worte hörte schüttelte er den Kopf, wenn auch nur andeutungsweise. Sie schien ihm sehr verstockt. Aber gut, vielleicht war es nur aus der Situation heraus, dennoch schien auch sie mit Vorurteilen belastet zu sein, die sie nicht wahr haben wollen würde. "Nun, ich kann Dir sagen, dass ich nicht alle über einen Kamm scheere, auch wenn Du es vielleicht nicht glauben wirst. Mein Sohn lebte, ehe er zu uns kam ebenfalls auf der Straße und musste sich seinen Lebensunterhalt bitter erstehlen oder hungern. Ich habe selber erlebt, was es heisst zu hungern, wenn auch nur wenige Monate, aber ich denke, ich kann es dennoch nachvollziehen. Ob Du faul bist oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen, ob andere es sind oder nicht ebenfalls nicht, doch denke ich, jeder der eine Arbeit haben möchte, kann diese, mit ein wenig Anstrengung heutzutage finden."

    Er fing den Beutel wieder auf und schmunzelte. "Kleiner Sturkopf," murmelte er. "Vielleicht hast Du an den falschen Stellen gesucht," meinte er freundlich. "Wenn Du Arbeit suchst, versuch es einmal in der Taberna Mogontiaci. Da freut man sich immer über Hilfe und sie bezahlen nicht schlecht." Er zuckte mit den Schultern. "Ich weiss nicht, ob der Händler gelogen hat oder Du wirklich geklaut hast. Letztlich ist es mir egal. Jeder versucht auf seine Weise zu überleben und wenn man dazu meint stehlen zu müssen, dann soll man es tun, sich nur nicht erwischen lassen." Er sah sie an und meinte dann. "Du scheinst jedoch einen Groll, vielleicht auch mehr gegen die zu hegen, die nicht Deinem Niveau, wenn Du mir den Begriff erlaubst, entsprechen. Wo kommt das her und wen meinst Du mit alles nur Kriminelle?"

    Er nickte: "Ich denke, das wird sich arrangieren lassen. Kann ich sonst noch etwas für Dich tun?" Fragte er lächelnd.



    Sim-Off:

    Also ich würde es zunächst mal in der Wiki versuchen mit den Namen der Städte damals. Dann auch Google mit Suchbegriffen Mogontiacum & Tempel, sowie Colonia Claudia Ara Agrippinensum & Tempel. Ich meine zu wissen, dass da einige Seiten zu finden sind, wo auch von nem Kapitolshügel in CCAA gesprochen wird.
    Leider kenn ich mich mit CD und Co. absolut gar nicht aus (weiss gerade noch was die Trias ist :D)

    Für Aussehen und Co. sollten ja theoretisch die Avas herhalten. Zumindest ist das wohl so bei den Meisten ;)


    Und was die Charaktere etc. betrifft, gibt es die Möglichkeit im Tabularium sich die anzuschauen, so sie eingepflegt wurden: Beispiel
    Findest Du im Tabularium bei den betreffenden PErsonen unter Mehr...

    Er wandte sich ihr noch einmal zu. "Was das Theater sollte? Nun, sonst hätte er Dich wohl nicht gehen lassen, ne?" Er schmunzelte. "Irgendwie musste man ihn ja überzeugen." Als sie ihn so fragte musterte er sie eine Weile und nahm dann seinen Geldbeutel vom Gürtel. Er wog ihn einen halben Herzschlag in seiner Hand und warf ihn ihr zu. "Viel wird nicht mehr drin sein, aber ein paar Tage sollte es reichen. Und dann würde ich Dir empfehlen Dir eine Arbeit zu suchen, damit Du nicht mehr stehlen musst. Gibt einige Stätten, die noch Leute suchen."

    Er sah sie an, aber in seinen Augen funkelte nur leichtes Amüsement. "Das haben schon andere versucht," antwortete er auf den Dolch und zog sie einfach mit sich. "Wenn ich Du wäre, würde ich jetzt einfach nur mal 100 Herzschläge lang den Mund halten. Nein, mach 150 drauß! Danach darfst Du so viel reden, wie Du willst." Er zog sie, ungeachtet dessen, ob er ihr weh tat oder nicht, hinter sich her und schob sie dann eine Seitenstraße weiter in eine schmale Gasse zu seiner linken. Dort liess er sie genauso plötzlich, wie er sie gegriffen hatte los und grinste leicht. "Nun denn," meinte er freundlich. "War mir eine Ehre Dich kennen gelernt zu haben. Du solltest Dich in Zukunft von dem Laden fern halten, wenn Du nicht doch noch beim Regionarius landen möchtest. Zumal der nichts von Dieben hält." Er zwinkerte ihr zu. "Vale!" Und wandte sich zum Gehen.

    Zitat

    Original von Quintus Didius Albinus
    "Nungut ich werde dann an dieser Sitzung teilnehmen. Wann ist diese? Auch würde mich interessieren was du über den Kulturaustausch denkst."


    Er sah kurz auf seine Notizen. "Diese Besprechung wird am ANTE DIEM VIII KAL IUN DCCCLVI A.U.C. (25.5.2006/103 n.Chr.) im Besprechungsraum der Curia stattfinden. Einem kulturaustausch stehe ich grundsätzlich positiv gegenüber." Sagte er offen. "Man sollte sich dann entsprechend Gedanken machen, was genau, wann, in welchem Rahmen und so weiter. Aber ich denke, hier kann man eindeutig auf uns zählen!"

    "Warte es ab!" Sagte er nur und griff in seinen Geldbeutel und holte 20 Sesterzen raus. "Hier, da hast Du zwanzig, gleich noch als kleine Entschädigung." Dann griff er nach Hedda ihrem Oberarm und griff feste, aber nicht brutal zu. "Wenn ich Du wäre, würde ich jetzt ruhig mitkommen, sonst wird sich der Regionarius Deiner annehmen und ich bezweifle, dass Du das möchtest," sagte er ernst.

    Er machte ein nachdenkliches Gesicht und nickte plötzlich. "Gut, Lucidus. Ich mache Dir einen Vorschlag: Ich löse sie aus bei Dir und nehme sie mit. Ich weiss, wo sie gut ihre Strafe abarbeiten kann und auch lernen wird nicht mehr zu stehlen und auch wie man sich benimmt. Was hälst Du davon?"

    "Nun, wenn die Legio es nicht hinbekommt, auch sie haben keine unbegrenzten Kapazitäten, werden die Reparaturen voraussichtlich noch vor Ende des Monats stattfinden. Wie gesagt, genaueres kann Dir der Magistratus sagen, sobald er noch einmal mit dem Praefectus Castrorum der Zweiten sprach," lächelte er leicht.

    Er schmunzelte nur und wandte sich wieder dem Händler zu. "Natürlich musst Du auch leben. Wer bestreitet das denn, Lucidus?" Er lächelte ihn sanft an und schaute dann nachdenklich drein. "Mhm, was meinst Du, wie hoch ist der Schaden? Um sicher zu gehen, wie hoch die Strafe sein wird."

    Zitat

    Original von Petronia Marcia
    Marcia schrieb alles ganz fleißig mit, auch wenn ihr schon die Finger weh taten von dem vielen geschreibe heute, aber ihr machte es dennoch immer wieder Spaß. "Alles wie immer. Ist notiert." Sie lächelte ihn an, als sie seine letzten Worte hörte und neigte ihren Kopf zur Seite. "Du stellst mir ziemlich schwere Fragen. Ich denke ich werde den Abend mit einem wundervollen Mann verbringen. Zuminest hoffe ich das" gab sie leise zu und blickte ihm in die Augen.


    Er lächelte leicht. "Ich hoffe, er ist nett und Deiner auch würdig." Sagte er sanft. "Bei Dir oder bei ihm?"

    "Das erste Mal war ich 13. Begann er langsam. "Unglaublich von mir überzeugt und sicher es Leif, Flavius gleich tun zu können. Sicher, dass ich auch ein großer Held des Dorfes wäre, wenn ich mich in den Kampf gegen die Chauken stürzen würde und meinen Mann stehen würde. Ich wollte wie er sein, wie mein Vater, wie mein Cousin. Ich war dumm!" Sein Blick ging wieder in die Ferne. "Nicht wirklich in der Lage zu bestehen, nie bereit gewesen richtig zu lernen, wie man kämpft, mich lieber immer wieder vergraben in meine Gedanken. Aber hier war die Möglichkeit zu zeigen, dass ich doch ein wahrer Krieger war. Und doch war ich nichts anderes als ein Kind. Ich hab mir ein Sax geschnappt und bin mit rausgerannt, als sie uns überfielen, anstatt bei den Frauen und Kindern zu bleiben. Ich war dem Kampf nicht gewachsen und letztlich wohl Schuld daran, das Leif beinahe gestorben wäre, weil er versuchte zu mir zu kommen und mir zu helfen. Es war eher Zufall, dass ich dem Chauken, als ich eigentlich schon so gut wie tot war, das Sax in den Bauch rammen konnte. Es ging so erstaunlich leicht hinein." Er schien wieder damals zu sein und sein Blick wurde ein wenig trübe, als er fortfuhr. "Aber er war ein Riese von Mann und hat mich unter sich begraben, als er stürzte, noch dabei versucht mich zu töten. Studenlang lag ich unter ihm, in seien Eingeweiden und unser beider Blut. Ich weiss nicht mehr, wie und wann sie mich fanden. Auch die nächsten Monate sind nur verschwommen in Erinnerung geblieben. Ich habe Monatelang in einer anderen Welt gelebt, mich geweigert zu reden, etwas zu tun, war nicht mehr ich und habe jede Nacht wach gelegen oder bin schreiend wach geworden."
    Er schwieg einen Moment und schloß eine Sekunde die Augen. Dann hob er sein Hemd und zeigte ihr die wulstigen Narben auf seinem Bauch und seine Seite und die, die von der Brust zur Schulter hochging und schon älter war, während die am Bauch noch nicht so lange bestanden. "Die an der Schulter ist von damals, diese, er fuhr sachte darüber. "Von letztem Sommer. Sie hatten Alrun, Julia entführt und ich bin mit Sextus hinterher. Sie sollte geopfert werden. Ein Opfer Modoroks für das gute gelingen des Krieges. Es gab nur eine Möglichkeit sie davor zu bewahren. Ein Kampf, ein Ehrkampf. Ich wusste, dass ich wohl bei sterben würde. Seit damals habe ich keine Waffe mehr angerührt. Nie wieder wollte ich etwas damit zu tun haben. Deshalb bin ich nach Rom statt wie Leif zum Militär. Der Kerl spielte mit mir, er hat es gleich gemerkt und spielte mit mir. Auch hier hatte ich Glück, der Mut der Verzweiflung vielleicht, aber es hat einen hohen Preis gekostet." Er schluckte und schloß die Augen in Erinnerung daran. Mit leicht zitternder Stimme fuhr er fort: "Der Freund des Mannes, den ich tötete, nahm sich in der Nacht Alrun. Ich weiss nicht, ob er bis zum Ende kam, Sextus kämpfte mit ihm, aber er hat es getan, weil er meinte, er hätte eine Entschädigung verdient dafür seinen besten Freund verloren zu haben an einen nichtsnutzigen Kämpfer, der nicht mal in der Lage ist die Waffe wirklich zu halten." Er sah auf seine zitternden Hände hinunter. [SIZE=7]"Ich hatte geschworen nie wieder eine Waffe zu tragen und zu nutzen. Ich habe den Schwur gebrochen. Ich war mir sicher, dass die Götter es verzeihen würden, es ging ja um eine Sache, die es rechtfertigte. Aber ich war dumm! Einen Schwur auf die Götter bricht man nicht ohne einen hohen Preis dafür zu zahlen.[/size]
    Zum Ende hin war seine Stimme noch einmal leiser geworden.

    "Das hört man doch immer wieder gerne," schmunzelte er. "Und was hast Du momentan so für Obst auf Lager? Und was hat es mit dieser besonderen Frucht auf sich?" Er deutete mit einer freundlichen Kopfbewegung auf die blonde Frau.

    Er war nur wenige Schritte vor ihr gewesen, als ihr Gebrüll ihn aus seinen Gedanken riss. Etwas verwirrt im ersten Augenblick blickte er sich um und sah einen der Obsthändler sich mit einer Frau streiten. Dabei ging es wohl um Diebstahl. Mhm, dachte er, während er die Frau musterte. Sie wirkte gar nicht so. Wer war doch gleich noch mal der Händler? Es war einer der kleineren, von denen es sehr viele gab und an deren Namen er sich nicht alle erinnern konnte. Ah ja, Lucidus, genau. Langsam trat er auf die Szenerie zu. "Salve Lucidus, wie laufen die Geschäfte?" Er sah von ihr zu ihm, noch einmal kurz zu ihr und zurück zum Händler, dessen Blick er festhielt.

    Er schmunzelte. "Doch meine Liebe, musste ich! Ich hab als Scriba in Confluentes begonnen. Damals noch unter Julia." Zum Glück wusste er in diesem Moment noch nichts von der schrecklichen Tragödie die sich auf der anderen Seite des Limes abgespielt hatte, sonst hätte er es nicht mit einem Grinsen gesagt.

    Ein paar junge Germanen hatten sich den Markt angesehen. Auch die Gaukler und kleinen Schauspieler und nachdem sie so einen Eindruck erlangt hatten, beschlossen sie, dass es mal an der Zeit war, dass die Römer ein richtiges Schauspiel zu sehen bekamen. An einem etwas ruhigerem Ort, wo eben noch ein Schauspiel stattgefunden hatten, versammelten sie sich. Einer der jungen Leute, der recht gut Latein konnte, musste sich nach vorne stellen und die leute informieren.


    Römer! Germanen! sprach er in beider Sprachen, erst Latein, zu Ehren der Gastgeber, dann auf germanisch zum Verständnis für die anderen. Kommt und seht! Seht wie die Götter und Helden unseres Volkes bestehen!
    Ein paar Leute, die meisten germanischen Ursprunges, aber auch ein paar Römer blieben neugierig stehen. Und so begann er, nach einer kleinen Weile, als immer mehr auf seine wiederholten Aufrufe stehen blieben mit der Erzählung, während hinter ihm die anderen in Aufstellung gingen. Noch während er erzählte, trat er etwas zurück um das Sichtfeld ganz auf die germanischen "Schauspieler" zu lenken.

    Sim-Off:

    Total vergessen gehabt, entschuldigung!



    Erste Strophe


    CHOR:
    Du fürchte nichts; freundlichen Sinns ist unsre Schar wechselgeschwinden Flügelschlags diesem Geländ
    Eilig genaht; sobald ich
    Des Vaters Herz endlich erweicht, trugen mich her die geschwinden Lüfte.
    Des Hammers weithallender Schlag durchdrang der Meergrotte Gemach, er scheuchte mir
    Scheuen die blöde Scham fort;
    Schuhlos in geflügeltem Wagen kam ich.


    PROMETHEUS:
    Weh! weh!
    Ihr, Tethys' Kinder, der kindreichen,
    Ihr Töchter des rings um die Welt sein Meer
    Schlaflos hinströmenden Okeanos,
    Seht, Mädchen, mich an, o schauet empor,
    Wie gefesselt ich hier, wie mit Ketten beschwert
    Ich am Felsengestad, am zerrißnen Geklüft
    Unbeneidete Wacht muß dulden.


    Erste Gegenstrophe


    CHOR:
    Prometheus, ich seh's! In Entsetzen trübt der vorbrechenden Träne Nebel dichtfallend den Blick,
    Daß ich dich also sehn muß
    Qualvoll dahinwelken am Fels unter der Last diamantener Banden;
    Ach, neue Herrn sind im Olymp am Ruder jetzt, neuem Gesetz gemäß regiert
    Ohne Gesetze Zeus jetzt;
    Das früher Gewaltige, jetzt vertilgt er's.


    PROMETHEUS:
    Hätt unter die Erd in des Hades Reich,
    In des totenbehausenden Tartaros Nacht
    Er hinab mich gestürzt, unlösbar hart
    Mich in Ketten zu fahn, daß nimmer ein Gott
    Noch ein anderer je mein lachte zum Spott!
    Doch ein Spielzeug jetzt hier den Lüften erduld
    Ich den Feinden ergötzliches Elend.


    Zweite Strophe


    CHOR:
    Oh, wer der Götter hegte solch verhärtet Herz, sich des zu erfreun!
    Wer fühlte nicht mit deinem Leid
    Mitleid? Nur Zeus nicht, der in Erbittrung fort und fort,
    In nimmer gebeugtem Übermut
    Uranos' göttlich Geschlecht knechtet!
    Nimmer ruht der, es ermüd ihm das Herze denn, oder entrissen ihm
    Würde mit List die verhaßte Gewalt einst.


    PROMETHEUS:
    Mein, mein noch einst, ob in gliedmarternden
    Erzbanden zur Schmach ich verdammt jetzt bin,
    Mein einst hat not der Unsterblichen Herr,
    Daß den neuen Verrat ich enthülle, der ihm
    Sein Zepter und Reich zu entreißen sich naht!
    Dann nicht von dem honigsüßen Geschwätz
    Der Beredsamkeit ihm erweicht, nicht bang
    Vor dem wildesten Dräun soll je mein Mund,
    Was ich weiß, ihm enthülln, er befreite mir denn
    Von den Ketten den Leib und bequemte sich, so
    Unwürdige Schmach mir zu büßen!


    Zweite Gegenstrophe


    CHOR:
    Du bist zu hart und fügest selbst in diesen bittren Qualen dich nicht,
    Gönnst gar dem Mund zu dreistes Wort.
    Doch meinen Busen zerreißt mir schneidende Angst,
    Denn ich fürchte sehr um dein Geschick;
    Deiner unsäglichen Qual Ende,
    Wann erscheint's, wo du den Hafen erreichst? Denn es hegt ein verschlossenes,
    Streng unerbittliches Herz Kronion.


    PROMETHEUS:
    Wohl weiß ich, wie hart, wie in Willkür Zeus
    Sein Recht ausübt; und doch wird sehr
    Sanftmütig dereinst
    Er erscheinen, wenn so er gebrochen sich fühlt;
    Dann tilgend den unnachgiebigen Zorn,
    Wird wieder zum Bund und zur Freundschaft er
    Dem Bereiten bereiter sich zeigen.


    CHORFÜHRERIN:
    So offenbar uns alles und erzähl es uns,
    Um welcher Ursach willen Zeus denn dich ergriff,
    Daß also schmachvoll und erbittert er dich straft;
    Belehr mich dessen, wenn's dich nicht zu sagen schmerzt.


    PROMETHEUS:
    Ja, wahrlich schmerzvoll ist's, davon zu sprechen, mir,
    Schmerzvoll zu schweigen, bittrer Kummer überall.
    Sobald der himmlichen Mächte Haß entzündet war
    Und helle Zwietracht wechseleifernd sich erhob,
    Die einen Kronos stürzen wollten seines Throns,
    Daß Zeus hinfort Herr wäre, wieder andere
    Sich mühn, daß Zeus der Götter Herrschaft nicht erlangt',
    Da riet ich wohl das Beste; doch besänftigen
    Die Titanen, Gaias Kinder und des Uranos,
    Das konnt ich nicht; sie, meinen friedlich klugen Rat
    Mit Spott verwerfend in des Mutes wildem Trotz,
    Gedachten mühlos sich zu behaupten durch Gewalt.
    Doch hatte mehrfach meine Mutter Themis Gê,
    In vielen Namen stets dieselbe Urgestalt,
    Den Pfad der Zukunft mir vorherverkündiget:
    Nicht durch Gewalt sei, nicht in stolzer Übermacht,
    Es sei in List nur sicher der jetzt Gewaltgen Reich.
    Und als ich ihnen diesen Ausspruch deutete,
    Kaum drauf zu hören hielten sie der Mühe wert.
    Von allen Wegen, die ich damals vor mir sah,
    Schien mir der beste, daß ich nebst der Mutter mich
    Mit Zeus verband, freiwillig dem Freiwilligen.
    So schließt nach meinem Rate jetzt des Tartaros
    Nachttiefer Abgrund ein des greisen Kronos Leib,
    Mit ihm die Kampfgenossen. Und also von mir
    Vielfach gefördert, hat des Götterreichs Tyrann
    Mit diesem Undank bittrer Strafen mir gelohnt;
    Denn anzuhaften pfleget aller Tyrannei
    Auch dies Gebrechen, treusten Freunden nicht zu traun.
    Doch was ihr fraget, welcher Ursach wegen er
    Mich so hinausstieß, will ich euch erklären. Denn
    Sobald er seines Vaters heilgen Thron bestieg,
    Sofort verteilt' er Ehr und Amt den Ewigen,
    Je andern andre, und verlehnt' des weiten Reichs
    Gewalten; einzig für die armen Menschen trug
    Er keine Rücksicht; ganz zu vertilgen ihr Geschlecht,
    Ein andres, neues dann zu schaffen war sein Plan.
    Da trat denn niemand ihm entgegen außer mir;
    Ich aber wagt es, ich errang's den Sterblichen,
    Daß nicht zerschmettert sie des Hades Nacht verschlang.
    Darum belastet ward ich so mit dieser Qual,
    Zu tragen schmerzvoll, anzuschaun erbarmenswert.
    Und da ich Mitleid hegte den Menschen, ward ich selbst
    Des nicht gewürdigt, sondern unbarmherzig hier
    Felsangeschmiedet, schändlich Schaugepräng des Zeus!


    CHOR:
    Der trägt ein Steinherz, und die Brust ist starres Erz,
    Der dir, Prometheus, nicht im tiefsten deine Qual
    Mitfühlt; denn ich - nie hätten meine Augen dies
    Sehn müssen -, da ich's nun gesehn, bricht mir das Herz.


    PROMETHEUS:
    Den Freunden freilich bin ich jammervoll zu schaun.


    CHOR:
    Du bist doch weiter nicht gegangen, als du sagst?


    PROMETHEUS:
    Ich nahm's den Menschen, ihr Geschick vorauszusehn.


    CHOR:
    Sag, welch ein Mittel fandest du für dieses Gift?


    PROMETHEUS:
    Der blinden Hoffnung gab ich Raum in ihrer Brust.


    CHOR:
    Ein großes Gut ist's, das du gabst den Sterblichen.


    PROMETHEUS:
    Und bot zum andern ihnen dar des Feuers Kunst.


    CHOR:
    Die Tageskinder kennen jetzt der Flamme Blick?


    PROMETHEUS:
    Der künftig tausendfache Kunst sie lehren wird.


    CHOR:
    Um diesen Frevel also ist's, daß Zeus dich so -


    PROMETHEUS:
    Mit Schmach und Qual straft und die Qual nie mildern wird.


    CHOR:
    Und auch ein Ziel nicht dieses Leides siehst du je?


    PROMETHEUS:
    Kein andres jemals, als wenn es ihm gefallen wird.


    CHOR:
    Gefallen, wie? Ist Hoffnung? Siehst du nicht, du hast
    Gefrevelt; wie gefrevelt, das zu sagen ist
    Mir keine Freude, Kummer dir; so laß ich's gern;
    Nur find Erlösung irgend dir von dieser Qual!


    PROMETHEUS:
    Leicht ist's, wenn fern dem Leide weilt der eigne Fuß,
    Zu warnen, besten Rat zu weihn dem Leidenden;
    Das alles aber sah ich selbst in meinem Sinn.
    Gern, gern gefrevelt hab ich, gern - ich leugn es nicht -
    Zum Heil der Menschheit dieses Leid mir selbst erzeugt.
    Doch glaubt ich das nicht, unter solcher Strafe Last
    Dahinzuschmachten hoch an luftger Felsenstirn,
    Verbannt in dies einsame nachbarlose Land.
    Darum beklagt mir meine jetzigen Schmerzen nicht;
    Kommt, steigt hernieder, höret mein zukünftig Los,
    Auf daß ihr einseht, wie es sich alles fügen muß.
    Tut's mir zuliebe, tut es, teilt mein Leid mit mir,
    Jetzt Mühbeladnem! Denn in gleicher Weise schweift
    Und sucht die Trübsal andre heim zu andrer Zeit.


    Während des folgenden steigen die Okeaniden hinab auf den felsigen Boden


    CHOR:
    Nicht unfolgsam dem, was du gewünscht,
    Sind wir, Prometheus;
    Mit behendem Fuße verlaß ich den leicht
    Hinschwebenden Sitz, der ätherischen Flur
    Luftpfade der Vögel; das rauhe Gestein
    Fühlt wohl mein Fuß - doch all dein Leid
    Von dir zu vernehmen verlangt mich.


    Okeanos erscheint auf einem Flügelroß reitend


    OKEANOS:
    Von weither komm ich gefahren zu dir,
    Prometheus, endlich am endlichen Ziel,
    Das mein flugkundiger Vogel, gelenkt
    Von dem eigenen Sinn, ohn Zügel sich fand.
    Dein Schicksal, wiß es, bemitleid ich,
    Denn Verwandtschaft wohl kann, denk ich, dazu
    Mich nötigen schon; zum Geschlecht kommt noch,
    Daß ich niemand weiß, auf welchen ich mehr
    Hielte denn auf dich.
    Sehn wirst du, wie wahr das gesprochen, wie fern
    Leer freundlich Geschwätz mir sei. Auf denn,
    Und bezeichne, wie mit dir wirken ich kann;
    Denn du sollst mir gestehn, vor Okeanos sei
    In der Welt kein Freund dir bewährter!


    PROMETHEUS:
    Ha, sieh! Was ist denn? Kamst denn du auch, meinen Schmerz
    Dir anzuschauen? Wie gewannst du's über dich,
    Von deinem gleichgenannten Strom, vom Felsenbau
    Der stillen Grotte fern zum eisenzeugenden
    Berghang zu fahren? Oder kamst du, eignen Augs
    Mein Los zu sehen, mitzufühlen meine Qual?
    Sieh dieses Schauspiel, ich, Kronions Freund und Rat,
    Der seiner Herrschaft mächtgen Thron ich mitgebaut,
    Mit welchem Elend ich von ihm belastet bin!


    OKEANOS:
    Ich seh's, Prometheus, und ich will den besten Rat
    Ans Herz dir legen, bist du selbst schon vielgewandt.
    Erkenn dich selbst; gestalte neu zu neuer Art
    Dich um, denn neu ist auch der Götter Fürst und Herr.
    Doch wenn du so wilde, zorngeschärfte Reden noch
    Ausstößest, leicht vernähme Zeus dich, höher selbst
    Noch thronend, so daß deines jetzgen Ungemachs
    Gesamte Mühsal Kinderspiel noch möchte sein.
    Nein, laß, du Armer, ab vom Trotze deines Zorns,
    Und nur Errettung suche dir von dieser Not. -
    Wie alte Weisheit scheinet dir mein Wort vielleicht;
    Und doch, Prometheus, für des allzustolzen Sinns
    Zu stolze Red ist aller Zeiten dies der Lohn.
    Du, nimmer dich bescheidend, weichst selbst nicht dem Schmerz
    Und wirst dem jetzigen neuen noch vereinigen.
    Doch wenn du mir und meinem Rate folgen willst,
    So löcke wider den Stachel nicht mehr; denn du siehst,
    Daß jetzt ein strenger Herrscher unumschränkt gebeut.
    So geh ich selbst denn zu ihm und versuche, dich,
    Wenn ich's vermag, zu retten noch aus deiner Qual;
    Du bleibe ruhig und enthalt des Trotzes dich
    Ganz. Oder weißest du, vor allen Weiser, nicht,
    Daß deines Trotzens eitler Lärm den Stab dir bricht?


    PROMETHEUS:
    Beneidenswerter, daß du frei bist aller Schuld,
    Da du doch alles mit mir wagtest und begingst.
    Jetzt aber laß nur, laß es unbekümmert gehn,
    Du bewegst ihn doch nicht; unerbittlich kennst du ihn.
    Hab acht, daß nicht schon dieser Weg dir Schaden bringt.


    OKEANOS:
    Viel beßre Lehre weißt du jedem andern denn
    Dir selbst; die Tat, nicht Worte überzeugen mich.
    Doch meinen Eifer hältst du nimmermehr zurück;
    Ich hoffe, ja ich hoffe, mir zuliebe wird
    Zeus leicht gewähren, dich zu befrein von deiner Not.


    PROMETHEUS:
    Das werd ich dir hochpreisen jetzt und alle Zeit,
    Denn alles besten Willens hast du gnug; jedoch
    Laß deine Müh, vergebens wirst du, ohne mir
    Zu nützen, Müh dir machen, falls du dich bemühst.
    Nein, bleibe ruhig, bleibe fern von alledem;
    Denn wenn ich selbst muß leiden, wünsch ich darum nicht,
    Daß mehr und mehren gleiches Los begegnen mag.
    O nein! - denn schon auch meines teuren Bruders Los
    Schmerzt mich, des Atlas, der in den Abendlanden fern,
    Des Himmels und der Erden Säule, steht und stützt
    Mit seinen Schultern eine schwergewaltge Last;
    Und auch den Riesen, der in Kilikias Schlucht gehaust,
    Des Erdgebornen, Hunderthäuptigen wilde Kraft,
    Ich sah voll Schmerz gebrochen und bewältigt ihn,
    Den mächtigen Typhon, der den Göttern allen stand,
    Aus grausem Zahne zischend flammenspeinden Mord,
    Aus jedem Auge schleudernd wutempörten Blitz,
    Als wollt er Zeus' Gewalt vertilgen mit Gewalt;
    Da aber traf ihn schmetternd Zeus' schlaflos Geschoß,
    Der niederfahrende, flammensprühnde Donnerkeil,
    Der alles Trotzes dräunden Übermut in ihm
    Erschlug, indem durchs Herz getroffen seine Kraft,
    In den Staub geschmettert, tote Kohl' und Asche ward.
    Und nun ein kraftlos welkdahingestreckter Leib,
    Liegt er des Meeres ufersteilem Sunde nah,
    Gedrückt vom Fuß des Ätna; auf der wolkigen
    Bergkuppe sitzt und schmiedet sein glutsprühend Erz
    Hephaistos; dorther werden Feuerströme einst
    Herniederbrechen, rings zerfleischen mit wildem Zahn
    Die saatengrünen, selgen Aun Sizilias,
    So wild hervor wird Typhon tosen seine Wut
    In des heißen Auswurfs flammenschloßenden Glutorkan,
    Ob auch von Zeus' Blitzstrahlen selbst schon längst verkohlt. -
    Du aber bist vorsichtig und bedarfst von mir
    Nicht Rat; errette du dich selbst, so gut du kannst.
    Ich aber werde trinken meiner Leiden Kelch,
    Bis einst in Zeus' Herz Haß und Zorn sich lösen mag!


    OKEANOS:
    Hast du, Prometheus, nie bemerkt, wie Worte doch
    Ein rechter Arzt sind für ein zorngereiztes Herz?


    PROMETHEUS:
    Wenn man zur rechten Stunde sänftigt das das Gemüt,
    Das schwellende Herz nicht wider Willen niederdrückt.


    OKEANOS:
    Wenn aber so Teilnahme sich bemüht, ja wagt,
    Siehst du darin Gefahr der Strafe? Sag es mir.


    PROMETHEUS:
    Verlorne Arbeit und ein leeres gutes Herz!


    OKEANOS:
    An dieser Krankheit laß mich kranken; gern erträgt's
    Der Treugesonnene, daß er unbesonnen scheint.


    PROMETHEUS:
    Es würde mein auch diese Schuld geheißen sein.


    OKEANOS:
    Hinweg nach Hause weist mich deutlich dieses Wort.


    PROMETHEUS:
    Damit dir dein Mitleid für mich nicht Haß erzeugt.


    OKEANOS:
    Des neuen Königs auf dem allgewaltgen Thron?


    PROMETHEUS:
    Sehr hüte dich, niemals zu kränken seinen Sinn!


    OKEANOS:
    Dein Los, Prometheus, soll mir ewge Lehre sein!


    PROMETHEUS:
    Geh! Fahre wohl! Bewahre stets so weisen Sinn!


    OKEANOS:
    Bereits zur Abfahrt rüstend hör ich deinen Rat;
    Denn des weiten Äthers Pfade schlägt mein Vogelroß
    Schon wild mit seinen Flügeln; es verlangt ihn auch,
    Daheim den müden Huf zu ruhn auf weicher Streu.
    Okeanos durch die Luft ab


    Erste Strophe


    CHOR:
    Ich klag um dein traurig Geschick, Prometheus, vorperlen die Tränen, meines Auges feuchtem Gestad zitternd entströmt;
    Der Wange Flur netz ich mit reichem Quell; denn das wehret mir keiner. Ach, in wilkürlicher Satzung herrschet Zeus,
    Übergewaltig zeigt er sein Zepter der Urzeit hehren Göttern!


    Erste Gegenstrophe


    Schon hallen Wehklagen in allem Land, der kraftriesigen, heilighehren Urzeiten und dein, deines Geschlechts
    Gewaltges Reich laut zu betrauern; ja, soviel rings in der heiligen Asia weitem Gefild(e) wohnen, dein
    Kummergesättigt bittres Los fühlen sie laut wehklagend mit dir!


    Zweite Strophe


    Kolchis' Volk, die kampfgeschürzten,
    Schlachtenkühnen Waffenjungfraun,
    Und die Skythen, deren Horden
    Nah dem fernsten Geländ der Welt hausen am See Maiotis.


    Zweite Gegenstrophe


    Und Arabias Heldenblüte,
    Und die rings die steile Felsburg
    Nah dem Kaukasus umwohnen,
    Wilde Scharen im Lärm der erzklirrenden Lanzen furchtbar.


    Dritte Strophe


    Nur einmal sah ich so noch einen Gott
    Im Fluch diamantener Banden dulden,
    Atlas so, den Titanen, nur,
    Der ewig auf ihn gewälzter Weltenlasten Unmaß,
    Ewig des himmlischen Pols Last trägt mit seinen Schultern.


    Dritte Gegenstrophe


    Und klagend rauscht der weiten See Wogenschlag, die Tiefe seufzt,
    Fern nachhallt Hades' düsterer Abgrund,
    Der heilgen Ströme rieselnde Quelln beweinen deine Trübsal.


    PROMETHEUS:
    Glaubt nicht, Behagen oder Hochmut lasse mich
    So schweigen; tief nachsinnend nag ich wund mein Herz,
    Daß ich mich selbst muß also tief erniedrigt sehn.
    Und diese neuen Götter mit all ihrer Macht -
    Wer sonst denn ich hat ihnen alles ausgeteilt?
    Doch schweig ich davon, da ich, was ihr selber wißt,
    Euch sagen würde; aber hört, was meine Schuld
    An den Menschen ist, die, Träumer sonst und stumpfen Sinns,
    Des Geistes mächtig und bewußt ich werden ließ!
    Nicht einer Schuld zu zeihn die Menschen, sag ich das,
    Nur um die Wohltat meiner Gabe darzutun.
    Denn sonst mit offnen Augen sehend sahn sie nicht,
    Es hörte nichts ihr Hören, ähnlich eines Traums
    Gestalten mischten und verwirrten fort und fort
    Sie alles blindlings, kannten nicht das sonnige
    Dachüberdeckte Haus und nicht des Zimmrers Kunst;
    Sie wohnten tief vergraben gleich den winzigen
    Ameisen in der Höhlen sonnenlosem Raum;
    Von keinem Merkmal wußten sie für Winters Nahn
    Noch für den blumenduftgen Frühling, für den Herbst,
    Den erntereichen; sonder Einsicht griffen sie
    Alljedes Ding an, bis ich ihnen deutete
    Der Sterne Aufgang und verhülltren Niedergang;
    Die Zahlen, aller Wissenschaften trefflichste,
    Der Schrift Gebrauch erfand ich und die Erinnerung,
    Die sagenkundige Amme aller Musenkunst.
    Dann spannt ins Zugjoch ich zum erstenmal den Ur,
    Des Pfluges Sklaven; und damit dem Menschenleib
    Die allzugroße Bürde abgenommen sei,
    Schirrt ich das zügelstolze Roß dem Wagen vor,
    Des mehr denn reichen Prunkes Kleinod und Gepräng.
    Und auch das meerdurchfliegend lein'geflügelte
    Fahrzeug des Schiffers ward von niemand ehr erbaut.
    So mir zum Elend vieles Rates vielgewandt
    Den Menschen, bin ich alles Rates bar und bloß,
    Mir jetzt zu lösen dieser Qual schmachvolles Los.


    CHOR:
    Du trägst ein schmachvoll Leid, entraten alles Rats;
    Du schwankst; dem schlechten Arzte gleich jetzt selbst erkrankt,
    Verzagst du mutlos und vermagst dir selbst den Trank
    Nicht mehr zu finden, welcher dich gesunden läßt.


    PROMETHEUS:
    Laß dir das weitre sagen und erstaune mehr,
    Wie große Mittel, welche Künste ich erfand.
    Das größte war's, daß, wenn sie Krankheit niederwarf,
    Kein Mittel da war, keine Salbe, kein Gebräu,
    Kein Brot der Heilung, sondern, aller Arzenei
    Entraten, sie verkamen - bis sie dann von mir
    Gelernt die Mischung segensreicher Arzenei,
    Die aller Krankheit wilde Kraft zu stillen weiß.
    Dann gab ich viele Weisen an der Seherkunst
    Und schied zuerst aus, was in den Träumen als Gesicht
    Zu nehmen, tat dann alles Tons geheimen Sinn
    Und aller Fahrt Vorzeichen sorgsam ihnen kund,
    Bestimmte deutlich jedes krummgeklaueten
    Raubvogels Aufflug, welcher traurig, welcher froh
    Nach seiner Art sei, welches Fanges jegliche
    Sich nähren, welcher Weise gegenseitig sie
    Freundschaft und Feindschaft halten und Geselligkeit;
    Wie des Eingeweides Ebenheit den Ewigen,
    Wie der Milz und Leber adernbunte Zierlichkeit
    Und welche Farbe recht und wohlgefällig sei.
    Indem zuletzt ich dann ein Hüftbein opferte,
    Dazu ein Rückteil fettumwickelt, ward ich selbst
    Der schweren Kunst Lehrmeister, nahm vom Seherblick
    Der Flamme fort die Blindheit, die sie zuvor verbarg.
    Soweit von diesem, aber die im Erdenschoß
    Verborgenen Schätze, welche sein jetzt nennt der Mensch,
    So Eisen, Erz, Gold, Silber, wer mag sagen, daß
    Er diese vor mir aufgefunden und benutzt?
    Niemand, ich weiß es, wenn er sich lügend nicht berühmt.
    So ist, mit einem Worte, daß ihr kurz es hört,
    Den Menschen von Prometheus alle Kunst gelehrt.


    CHOR:
    Nicht hilf den Menschen fürder über alles Maß,
    Des eignen Unheils unbekümmert; denn ich bin
    Der festen Hoffnung, daß du einst noch, dieser Qual
    Entfesselt, nicht von mindrer Macht wirst sein denn Zeus.


    PROMETHEUS:
    Nicht so hat Moira mir, die Allvollenderin,
    Mein Los gesponnen. Nein, in tausendfachem Schmerz
    Und Gram gebeugt, so geh ich einst aus dieser Haft -
    Dem Werk der Ohnmacht vor des Schicksals ewger Kraft!


    CHOR:
    Wer lenkt des Schicksals Ruder denn in seiner Hand?


    PROMETHEUS:
    Die Moiren und die allgedenken Erinnyen.


    CHOR:
    Und Zeus ist selbst ohnmächtig gegen ihre Macht?


    PROMETHEUS:
    Dem verhängten Lose kann er nimmermehr entfliehn.


    CHOR:
    Was sonst ist Zeus' Los, als zu herrschen fort und fort?


    PROMETHEUS.
    Das wolle nicht mich fragen, dringe nicht in mich.


    CHOR:
    's ist wohl ein Heilges, was du so bei dir verschließt?


    PROMETHEUS:
    Sprecht andre Dinge; das zu sagen ist die Zeit
    Noch nicht gekommen; sondern bergen muß ich es
    So tief wie möglich. Denn bewahr ich dies getreu,
    So werd ich einst noch meiner Qual und Banden frei! -


    Erste Strophe


    CHOR:
    Nimmer erküre sich Zeus'
    Allgewalt mein Herz zu empörendem Trotze,
    Noch ich selbst sei lässig, mit heiligen Feststieropfern den Göttern zumal
    Fromm zu nahn bei Vater Okeanos' allrastlosem Strom;
    Nimmer auch frevle mein Mund,
    Sondern dies sei fest in mir und schwinde nun und nimmer!


    Erste Gegenstrophe


    Seliges Los, wenn ich still
    Dürfte fernhin leben der freudigen Hoffnung,
    Mein Gemüt zu weiden in sonniger Lust; doch faßt mich ein Graun, wie ich dich
    So in unaussprechlichen Qualen erdrückt muß dulden sehn,
    Weil du nach eignem Rat
    Sonder Furcht vor Zeus zu hoch die Menschen ehrst, Prometheus!


    Zweite Strophe


    Wie verlassen die Liebe der Liebe, du Teurer! Wo ist Heil, sprich?
    Von den Kindern des Tages, welches Heil? Du sahst nicht
    Die verkümmerte, blöde Ohnmacht,
    Die, wie Traumgestalten hinschwankend, das blinde Geschlecht
    Übernetzet der Sterblichen! Niemals wird von der menschlichen Kraft
    Zeus' ewger Fügung vorgegriffen!


    Zweite Gegenstrophe


    Ich erkenn es in deiner unendlichen Schmerzenslast, Prometheus!
    Wie so anders erschallt jetzt dieses Lied denn jenes,
    Das herüber von eurem Brautbad,
    Eurem Brautbett klang in hochzeitlicher lachender Lust,
    Da du unsere Schwester im Brautschmuck, freudig die freudige dir
    Heimführtest, Hesionen!