Beiträge von Alwina

    „ Berengar? Corvinus? Warum siehst du mich so an? Was habe ich....Oooh.“ Ziemlich schnell wurde ihr klar, dass er alles falsch verstanden hatte. Mit so einer Reaktion hatte sie nicht gerechnet. Betreten schaute sie ihn an.„ Du denkst du müsstest mich mit einem anderen Mann teilen? Corvinus, niemals!“ Sie drückte sich an ihn. „ Hör mir jetzt ganz genau zu. Ja?“ Sie sah ihm in die Augen. „ Ingrim läuft auf vier Pfoten, bellt. Er ist der beste Mäusejäger den ich kenne. Sein Revier verteidigt er vor jedem, egal wie stark. Seine gute Spürnase hat ihm viel über dich verraten. Dein Stimme kennt er , weiß wie du mit mir redest. Er muss nur akzeptieren, dass du der erste Mann im Haus bist, deswegen dulde ich keine Eifersüchteleien.“ Sie streichelte Corvinus über die Wange. „ Hast du mich jetzt verstanden? Ingrim ist ein Hund. Einen besseren zweiten *Mann* kannst du dir gar nicht wünschen.“ Alwina war etwas geschockt, dass sie ihm mit ihrer Erklärung zu Ingrim, so viel Kopfzerbrechen bereitet hatte.

    War da ein Fünkchen Eifersucht seinem Verhalten? Berengar du hast keinen Grund dazu, aber du siehst süß aus, wenn du eifersüchtig bist, dachte sie bei sich.


    " Er ist Jäger und ein guter Wächter. Er ist umgänglich, hat eine kräftige Stimme und nimmt es mit den stärksten Männern auf, die es hier in Mogontiacum gibt. Ihr werdet euch aneinander gewöhnen. Er hat vor dir auf mich geachtet und er wird es, wenn du nicht da bist. Ihm reicht eine alte Decke als Schlafstelle. Er trinkt nur Wasser und kümmert sich alleine um sein Essen. Sein Name ist Ingrim. Ich glaube nicht, dass du ihn kennst. Er ist meist draußen im Hof beschäftigt. Ich war mit ihm auch Mal bei den Bienen und im Wald." schmunzelnd erzählte sie von ihrem zotteligen vierbeinigen Freund. " Meinen Garten hat er neulich fast verwüstet. Da hat er was zu hören bekommen. Einen Nasenstüber hat er von mir gekriegt. Ist beleidigt abgezogen." Sie sah sich den Hof nochmals an. " Das wird ihm gefallen. Ihr seht euch, wenn du wieder hier bist. Du wirst mich mit ihm teilen müssen." ein tiefgründiges Lächeln stand auf ihrem Gesicht. Ein beschwichtigender Kuss auf seine Wange. " Ihr werdet euch verstehen. Deinen Geruch und deine Stimme kennt er. Ich habe ihm klar gemacht, dass ich Eifersucht nicht dulden werde. Versprichst du mir, zu versuchen mit ihm klar zu kommen?" sie griff seine Hand und hielt sie fest. " Bitte."

    Die Leidenschaft flammt erneut auf. Ihr Körper reagierte auf die kleinste Berührung von ihm. Sie fuhr mit beiden Händen durch sein Haar. Erwiderte seine Küsse, drängte ihren Körper an seine Hände. Ihr Brustkorb hob und senkte sich unten tiefen Atemzügen. Hitze wallte durch ihren Körper. Ihr Herz schlug schneller. Jede dieser Empfindungen war einzigartig. Wieder waren sie anders als die von heute Morgen. Sie grub ihre Finger fester in sein Haar. Wie in das Fell eines Bären.
    Sie wusste nicht was es schöneres gab, als Berengar bei ihr. Es durfte nie aufhören.

    Ihre Namen standen innen und außen dieser Spruch. Das er seinen Namen benutzt hatte, dagegen hatte sie nichts einzuwenden. Er hatte die ringe machen lassen und sie lebten auf der linken Seite des Rhenus.


    " Eine Schrift wie ihr sie habt, haben wir nicht." sagte Alwina entschuldigend. Sie wusste was sie ihm auf dem Kriegszug mit gab. Zwei Amselei große Bernsteine reichten hoffentlich dafür. Es war nicht das was zu Hochzeiten getauscht wurde, aber es war nützlich und begleitete ihn egal wohin er ging.


    " Ich werde dir was schenken." sagte sie bestimmt. Sie hatte sich vom Hocker erhoben und gab ihm ihre Hand. " Kommst du mit mein Geliebter? Viel Zeit bleibt uns nicht mehr für gemeinsame Stunden."

    Das hörte sich fast an wie zu Hause, Herrin im Haus. Eine eigene Familie, Corvinus und sie. Was kam zwangsläufig ins Spiel, Kinder. Die Familie vergrößern und erhalten. Jungen für Ruhm und Ehre, Mädchen für die Festigung von Freundschaften und familiären Bindungen. Aber darüber befanden die Götter und es wäre angebracht ihnen zu opfern, um bestmögliche Aussichten auf gesunde, starke Kinder zu haben.


    "Dach und Wände dicht. Das wäre das wichtigste von allem und hilft sehr viel weiter. Wenn es klappt wird das Haus bis zum Winter fertig sein." Alwina hatte noch etwas auf dem Herzen. " Hättest du etwas gegen einen Mitbewohner. Er arbeitet bei uns für sein Unterkunft." Bittend sah sie ihn an.

    Eifriges Nicken und den Blick auf den Ring geheftet. Er saß hervorragend, sie streckte die Hand weg und sah ihn mit strahlenden Augen an. " Er passt wie für mich gemacht." Sie musterte die Schrift intensiver. " Sag, was steht da." fragte sie aufgeregt. Einige der Zeichen kannte sie. Was sie zusammen bedeuteten wusste sie nicht.

    Ihr Gesicht wurde rosiger. Ihr Augen folgten seinem Finger, änderten die Blickrichtung, wechselten zwischen seinen Lippen und Augen. Wieder dieses Prickeln unter der Haut. Dieses Anfachen der Glut, was er da eben tat. Wie sich das Feuer langsam in ihrem Körper ausbreitete. Die Begierde wuchs. Ein Kuss, nur ein Kuss, seine Lippen schmecken. Sie fasste ihn im Nacken und zog sich nach oben, küsste ihn mit wachsender Leidenschaft und Lust. " Berengar." seufzte sie leise. Behinderte seine Finger so wenig wie möglich, um ihr Werk nicht zu unterbrechen.

    Die Götter hatten sich durch nichts negativ zu ihrer Verbindung geäußert. Kein Blitzschlag, kein Unwetter, kein umgestürzter Baum. Es war vor den Göttern rechtmäßig. Was brauchten die Römer extra dazu. Es ging auch ohne Gode, man musste die Götter eben selber bitten. Eine Opfergabe an Speisen und Schmuck war angemessen dafür. Der Meinung war Alwina.



    Sie begriff das es kein Kosename für sie war. So hießen die Frauen, die einen römischen Mann und auch wieder keinen Mann hatten. Er hatte es einfach getan. Sie sah ihm in die Augen. " Du hast es ohne mich zu fragen getan und erwartest jetzt von mir, dass ich es so hin nehme." Sie kniff die Augen ein bisschen zu. " Zwingen lasse ich mich nicht." In ihrer Hand hielt sie den Lederriemen, betrachtete den Ring daran. " Ich sage...freiwillig ja." Alwina steckte ihren Finger vorsichtig durch den Ring. Den Lederriemen streifte sie ihm über den Kopf, legte den Ring auf seine Brust. Ein offenes, endgültig alle Zweifel und Ängste vergessende Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

    Sie nickte, ganz waren ihre Ängste nicht aus geräumt. Wie sollten sie nach den Erlebnissen.
    Was er das erste Mal sagte und was ihr mehr Sicherheit gab, war seine Aussage, er sei ihr Mann. Das nächste klang wie der Schwur vor dem Goden. " Ich werde dir zur Seite stehen. Haus und Hof gewissenhaft führen. Ich gehöre zu dir Berengar. Ich bin deine Frau." Sie gab ihm einen langen sanften Kuss.

    Die Reaktion von Corvinus machte ihr Angst. Unerwartet verlor sie den Boden unter den Füßen. Ihr Arme flogen um seinen Hals. Sie juchzte vor Schreck und lachte als sie erkannte, dass er sich wie ein kleines Kind freute. Er trug sie bis in den Hof. Alwina hörte ihm zu, sah alles an. Bei der Kiste rünfte sie die Nase. Weiter ging es durchs Gras. Eine Sichel zum Grasschneiden musste her. Gedanklich hatte sie ein kleine Liste angefertigt. Was an wichtigen Dingen gekauft werden musste. Corvinus setzte sie ab, erleichert ging sie hinter ihm her sah sich den Stall an. Hühner und ihre Eier. Hühner wurden in solchen Ställen gehalten. Alwina kannte die Hühner erst, seit sie hier in Mogontiacum lebte. Bei ihnen gab es nur Schafe, Rinder, Ziegen und Pferde. Eier wurden in der Brutzeit der Enten und Gänse gesammelt. Kleiner Vögel mussten auch dran glauben, mit der Maßgabe, dass mindestens ein Ei im Nest zurück blieb. " Wir hatten keine Hühner. Ich werde Valgiso oder Boduognatos fragen, die können wir da weiterhelfen." Davon ging sie ganz fest aus. Die beiden wussten viel , warum nicht was über Hühner züchten.


    Die Sonne war fast hinterm Horizont verschwunden. Alwina rieb sich die Hände. Es war kühler geworden. Der Sommer wollte dieses Jahr nicht so richtig zum Vorschein kommen.
    Die Sonne musste unbedingt wärmer scheinen, das war wichtig für die Bienen und den Honig. " Hinter dem Lagerhaus steht ein alter Karren. Den bringe ich her zum Schutt wegfahren. Morgen, auf dem Markt werde ich ein paar Dinge kaufen. Übermorgen nach den Bienen, fange ich hier an. Bist du einverstanden?" Corvinus und sie hatten bald ein schönes zu Hause. " Es wird schön. Doch ich glaube wir schaffen das."

    Mitgehen, nicht das wahre. Eine Lupa wollte sie nicht werden und nicht sein. Einen Überfall auf den Tross nicht miterleben. Hier bleiben auf ihn warten, das einzig vernünftige. Beim ihm war es anders. Es ging nicht nach seinem Kopf. Er war Krieger und die folgten ihrem Anführer. Als Angsthase oder Schwächling wollte keiner da stehen. Corvinus ganz bestimmt nicht. Verlieren, nein, an diese Möglichkeit gab es für sie nicht. Er musste zurück kommen. Sein Versprechen war dementsprechend und mehr. Die Briefe zu Mathayus ? Ja, vielleicht hatte sie es bis dahin geschafft, selber ein paar Worte zu lesen. Der Anfang mit Lesen und Schreiben lernen war gemacht. Alwina fasste seinen Oberarm an. „Stark bist du, zärtlich und schüchtern warst du.“ Alwina lachte los. Ihr Bauch zuckte unter seinen Streicheleinheiten. Sie hatte es eine Weile ausgehalten, es ging nicht mehr. Mit ihrer Hand versuchte sie seine weg zu drücken. „Berengar, das kitzelt.“

    " Musst du denn wirklich mit? Kannst du nicht hier bleiben? Oder kann ich mitkommen?" Alwina streckte sich und machte es sich bei ihm richtig bequem. Honig, Brot, Käse. Ein wunderbares Frühstück. Das Wasser schmeckte sehr gut dazu. Sie sah die Blumen, die bewegten ihre Blüten sanft im Wind. Ein lauer Wind strich an ihnen vorüber.


    " Stimmt's, du musst wirklich gehen." Sie strich über sein Kinn. " Versprich mir, dass du wieder kommst."

    Was gab es da zu sagen. Sie sah nach oben, an den Wänden entlang, seufzte hörbar. " Ein kaputtes Dach, kaputte Wände, Dreck überall. Du denkst das ist das Richtige für uns?" Insgeheim hatte sie den Laden vorn in Gedanken schon eingerichtet. Eine Vorstellung von ihrem gemeinsamen Schlafzimmer. Die culina wurde zum Mittelpunkt ihres zukünftigen Hauses und Ingrim konnte mit. Sie hatte die Hütte im Wald selber hergerichtet. Hier brauchte sie professionelle Hilfe. Der Winter war schneller da als man denken konnte, bis dahin mussten Dach und Wände dicht sein. " Du sagtest das erste Jahr keine Miete und nach dem Feldzug könnten wir es kaufen?" Sie drehte sich, sah andächtig nochmals in jeden Raum, schüttelte den Kopf. " Corvinus, weißt du, das Haus..... so wie es aussieht." Nachdenklich sah Alwina ihn an, dann ihr Entschluss. " Wir nehmen es."

    Skeptisch sah sich Alwina um. Unrat, Scherben, Stoffreste. Sie drehte sich zur Front und stellte sich vor wie es hier aussehen könnte. Die Vorstellung zerplatzte mit einem Ruck. Alwina fand sich in einem schmalen Flur wieder. „ Erst hier die Räume. Schließlich wollen wir hier wohnen. Ich hoffe in der culina den Herd haben sie stehen gelassen.“ Erwartungsvoll warf sie einen Blick um die Ecke in die culina.


    Waren die Räume einigermaßen in Ordnung ließe sich drüber reden, dieses Haus zu nehmen. Im Grunde warteten hier die gleiche Arbeiten, wie an der Hütte im Wald, nur umfangreicher. Ohne hilfreiche Hände war es nicht bis zum Winter zu schaffen. " Wieviel will er denn für das Haus haben?" fragte Alwina.

    Entgeistert sah sie ihn an. Er nahm sie gerade gehörig auf den Arm. " Corvinus." Sie boxte ihn leicht in die Seite. 21 Jahre, er war im besten Alter.


    Seine Wegerklärung wurde spätestens beim Intervallum und der Therme für Alwina zu kompliziert. Sie ließ ihn erzählen, er war scheinbar aufgeregt.


    Dieses Haus war es also. Stirnrunzeln und skeptische Blicke. Durch das Vordach schien an manchen Stellen die Sonne. Beim Haus sah es nicht viel besser aus. Die Löcher in den Wänden hätte man als Dunstabzug oder Fenster benutzen können. Wie konnte man ein Haus nur so verkommen lassen. Alwina seufzte hörbar. Wie es wohl drin aussah? Beim Aufsperren löste sich vom Vordach ein Dachziegel und zersprang scherpelnd auf der Straße. Alwina sah Corvinus bedeutungsvoll hinterher als er das Haus betrat. Vorsichtig folgte sie ihm und flüsterte. " Nur ein bisschen Pflege, Zuneigung und Arbeit."

    Wie von tausend Bienen verfolgt sah sie ihn rennen. Die Leute wichen erschrocken zurück. Alwina schüttelte lächelnd den Kopf. Er entfernte sich wegen ihr vom castellum und riskierte ein Bestrafung. Was er nicht alles tat um sie glücklich zu machen." Ach, Berengar." flüsterte sie zu sich. Sie würde ihn nicht enttäuschen. Ihr gegebenes Versprechen galt nur ihm.

    Alwina verstand Boduognatos fragenden Blick, sie zuckte mit den Schultern. Sie wusste nicht was der hier suchte. In ihrer jugendlichen Neugier, platzte es dann heraus. " Was ist ein Magister Vici ? " Woher sollte sie es wissen. Boduognatos konnte es ihr nicht mehr erklären, dieser Mann stand mit einem Mal in der culina. Sehr freundlich war er nicht. Sie hatten sich nicht vorgestellt, das war es. Das ärgerte ihn bestimmt. " Ich bin Alwina, Tochter des Ottger und der Tilrun, aus der Sippe des Ottger." Sie sah ihn freundlich mit leicht schräg gelegtem Kopf an.


    Eine Strafe für was? wollte sie fragen. Boduognatos und sie hatten nichts getan. Es gab keinen ersichtlichen Grund in Alwina's Augen. Besser sie hielt ihren Mund. Massula musste keinen Ärger wegen ihr bekommen. Also hielt sie ihre Frage zurück.

    Aus der Stadt hinaus. Die Via entlang bis zum ersten Abzweig, links. Die Sonne ging bald unter. Sie lief die Seitenstraße entlang. Ihre Schritte wurden schneller als sie Berengar sah, der ihr entgegen kam. " Corvinus." rief sie und rannte zu ihm. Den Peblos mit einer Hand gelupft, so fiel das Rennen leichter. " Wartest du schon lange? Ich habe mich beeilt. Es war einfach zu finden. Von hier ist es noch näher zu den Bienen." Sie sah an ihm vorbei. " Und da geht es zum castellum nicht wahr? " sie atmete durch. Ein flüchtiger aber zärtlicher Kuss. " Welches Haus ist es denn ?"
    Ihr stand die Vorfreude ins Gesicht geschrieben. Ein Haus anzusehen, ihr zukünftiges gemeinsames Haus, wenn es ihren Vorstellungen entsprach.

    An ihn gelehnt genoss sie das Frühstück. Posca nannte man das. Gleich wollte sie kosten. Berengar kam ihr zuvor. Sie tauchte flink einen Finger in den Honig und strich ihn auf seine Lippen. Dann legte sie ihre Hand in seinen Nacken zog ihn zu sich. Seine Lippen klebrig süß, warm, dazu ein feiner Hauch von Garum.


    Für sie vor Wochen unvorstellbar. Hier in den Armen eines Mannes, den sie mochte. Den sie begann zu lieben und fest in ihr Herz schloss.


    Ein langer leidenschaftlicher Kuss. Sie leckte sich über ihre Lippen. Ihre Augen lachten. " Zeig deine Flasche." Sie trank einen kleinen Schluck, verzog ihr Gesicht, hustete, schluckte runter. " Das trinkt ihr? Ich muss es zum Glück nicht." Sie lehnte sich an ihn, sah nach oben in sein Gesicht. Streichelte über sein Wange, seine Nase, die Lippen. " Mir kommt alles wie ein Traum vor."