Beiträge von Gaius Caecilius Crassus

    Auf dem Exerzierplatz dann angekommen ließ Crassus die Kohorten in geschlossener Formation antreten. Müde ließ er seinen Blick über die Reihen gleiten. Man konnte ihnen deutlich die Anstrengungen der letzten Tagen und Wochen ansehen, aber auch die Freude endlich wieder in der Heimat zu sein. Diese Freude hielt sich bei Crassus gerade eher in Grenzen, da er gerade zu viele Sorgen hatte - der Feind im Osten, die Verluste in Spanien, den Verlust seines Princeps Praetorii, den Aufbruch des Kaisers.


    Ich danke euch, dass ihr mir und dem Kaiser diesen Sieg über die schändlichen Rebellen ermöglicht habt. Rom wird uns unseren Einsatz und unsere Verluste nie vergessen und uns dafür mit Ruhm und Ehre danken. Wir haben wieder einmal bewiesen warum gerade wir die Elite des Imperiums sind und wir die Ehre haben den Kaiser zu schützen.


    Crassus machte eine kurze Pause:


    Doch auch wir Römer leben nicht vom Ruhm allein. Und wie ihr alle wisst, hatte unser geliebter Kaiser während unserem Aufenthalt in Spanien Geburtstag. Und wie jedes Jahr gibt es auch dieses Jahr zu diesem Festtag ein Geschenk von ihm. Dieses werde ich euch heute in seinem Namen überreichen.


    einige Prätorianer trugen schwere Schatztruhen auf den Exerzierplatz, wo nachher dann die Donativa ausgezahlt werden sollten.


    Lang Lebe unser geliebter Kaiser!


    stimmte Crassus an, ehe er sich in dem lauten Echo sonnte. Als dieses langsam zu verhallen begann und die Centurionen die Männer in die richtige Ordnung für die Donativaausgabe brachte, ver ließ Crassus langsam und müde den Exerzierplatz und kurz darauf mit vier weiteren Prätorianern das Lager.. nun wollte er auf den Palatin.

    Fast zwei Wochen später staunten die Torwachen deutlicher weniger als eine weitere Abteilung der Prätorianer, die in Spanien war, ihr Tor erreichten. Dieses Mal wurden sie nämlich frühzeitig über die baldige Ankunft der zwei Kohorten informiert. Sie nahmen Haltung an während Crassus und die beiden Tribune das Tor passierten und begrüßten anschließend ihre Kamerden freudig.


    Crassus führte die Männer auf den Exerzierplatz.

    Als die Umrisse der Stadt dann genauere Formen und Konturen annahmen, ließ Crassus einen Linksschwenk machen und Rom in einem großen Bogen umgehen. Das war zwar ein großer Umweg, aber er wollte jetzt nicht direkt und quer durch die Stadt marschieren. Erst wollte er sich selber ein Bild von der Lage und den Umständen dort machen. Erfahren, ob der Kaiser noch in Rom ist und sich über die Krise im Osten informieren.


    Nach einer ganzen Weile dann hatten sie die Stadt zur Hälfte umrundet, womit Crassus dann den Befehl gab direkt auf die Stadt zu marschieren. Denn nun waren sie auf der Via Tiburtina Vetus und konnten so direkt über den Hintereingang in die Castra hineinmarschieren....

    Und fast zwei Wochen später kamen noch einmal zwei Kohorten Prätorianer aus Spanien in Ostia an. Wie auch schon die Centurie vor ihnen wurden sie wieder von der Numerus Hispanus transportiert.
    Kurz nach ihrem Eintreffen wurden bereits die Waren und das Gepäck gelöscht, die Gefangenen unter strenger Bewachung vom Schiff geführt und letztlich auch die Pferde der Turmae behutsam abgeladen. Dies alles dauerte selbstverständlich eine ganze Weile, doch als das geschehen war und die Numerus mit frischen Vorräten ausgestattet worden war, marschierten die Prätorianer geschlossen aus der Stadt, ebenso wie die Schiffe der Numerus den Hafen verließen und nach Carthago Nova zurückkehrten.
    Nun waren sie dem geliebten Rom wieder zu greifen nah...


    Sim-Off:

    Und ich verabschiede mich dann mal in den Urlaub...

    ... Marsch kamen die Prätorianer völlig erschöpft in Carthago Nova an. Einen Tag früher als geplant hatte Crassus den Hafen der Stadt erreicht, was nur aufgrund von kräfteraubenden und quälenden Gewaltmärschen möglich war. Diese waren zwar nicht unbedingt notwendig gewesen, doch wollte Crassus diese Möglichkeit zur körperlichen Ertüchtigung der Männer nicht einfach so ungenutzt verstreichen lassen. Er wurde von dem Kommandeur herzlich empfangen. Dem Kommandeur nach war alles für die Rückreise nach Rom vorbereitet - die Männer waren informiert und die Schiffe überprüft. Nach einem kurzen Vortrag wie schwer es doch war und ss man es nur seinem Können verdanken konnte, dass er dies in der kurzen Zeit ermöglicht hatte, entließ ihn Crassus und schickte die Männer zur Nachtruhe. Denn man wollte am nächsten Tag früh aufbrechen um Rom bald erreicht zu haben.

    Am nächsten Tag ging, so wie alles in der Schlußphase, alles ganz schnell. Die Zelte und Sachen von zwei Kohorten wurden zusammengepackt und es wurde sich von der Kohorte, die noch hier bleiben würde und den Auxiliaren, verabschiedet.
    Dann, immernoch recht früh am Tag brachen zwei Kohorten in geschlossener Marschformation auf in Richtung Carthago Nova. An deren Spitze Crassus mit den beiden Tribunen die ihn Begleiten würde. Crassus wusste, dass er mit Seneca in Spanien einen zuverlässigen und guten Mann hatte, auf den er sich absolut verlassen konnte. Und gemeinsam mit der ihm überlassenen Kohorte und den Auxiliaren hatte er wohl alle Vorraussetzungen um den Wiederaufbau und Reimperiualisierung zu überwachen.


    Schon bald verschwanden die schwarzen Reihen am Horizont...

    Nur kurz nachdem Decius Crassus Zelt verlassen hatte um mit einigen Prätorianern nach Carthago Nova zu reiten, verließ auch Crassus sein Zelt. Er wurde nämlich von seinem Sekretär darüber informiert, dass alles für die Bestattung hergerichtet und vorbereitet sei. Tatsächlich, als Crassus am Ort des Geschehens eintraf waren die übrigen Kohorten schon angetreten und die Toten aufgebahrt. Crassus ließ direkt nach seiner Ankunft die Zeremonie beginnen. Sie verlief ohne jegliche Schwierigkeiten und sehr routiniert. An ihrem Ende sprach Crassus einige lobende Worte über die Toten, wie toll sie doch gekämpft hätten und für welch ausgezeichnete Sache sie gestorben waren. Sie konnten ihnen alle nur ein Vorbild sein. Damit schloß Crassus seine kurze Rede und sah leicht betrübt zu dem qualmenden Haufen. Nach einer ganzen Weile ließ er die Männer abtreten und zu ihren Arbeiten zurückkehren. Ebenso tat es Crassus, doch er bat direkt danach den Tribunen Iulius Seneca in sein Zelt.


    Als sich dieser dort meldete nahm Crassus den Salut ab und bat ihn sich zu setzen. Anschließend klärte ihn Crassus über die Parther-Sache auf und über sein Vorhaben mit zwei Kohorten Spanien wieder zu verlassen und nach Rom zurückzukehren. Und weihte ihn in die Tatsache ein, dass er dann hier mit einer Kohorte das Kommando führen würde. Anschließend wurden noch einige Kleinigkeiten erörtert und Probleme beseitigt. Als dann alles geklärt war, war es schon spät und Crassus entließ ihn, ehe er sich zu Ruhe legte.


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    Gut. damit nahm Crassus den Bericht von Decius entgegen. Wir werden morgen nach Carthago Nova aufbrechen, die Kohorten sind informiert und haben marschbereiftschaft hergestellt. Du kannst wegtreten Decius und dich erholen, damit du den morgigen Marsch überstehen wirst.[/b]


    Crassus entließ seinen Cousin und wandte sich noch den letzten Plänen und Anweisungen für Seneca vor, der dann hier in Spanien Crassus Stellverterter sein würde.

    Gut. Du wirst dann dort bei der Einheit übernachten und überwachen, dass am nächsten Tag die Eskorte auch ablegt. Anschließend kehrst du hier her zurück. Bis dahin werden wir hier hoffentlich alles erledigt haben, sodass wir dann gemeinsam nach Carthago Nova marschieren können. Du kannst wegtreten...


    Crassus sah seinen Cousin aufmunternd zu. Der würde in den nächsten Tagen sicher auch keine Freude mehr am Sitzen haben.... doch nun gab es wichtigeres, um was man sich Sorgen machen konnte. Nämlich die Bestattung der Prätorianer. Die Identifikationen waren schon in der Schlußphase und den Qualm des großen Haufens, der aus rebellischen Kämpfer bestand, konnte man inzwischen schon hinter einem Hügel hevorkriechen sehen...

    Ja, das habe ich. Hier, lies.


    Crassus Ton hatte einen geschäftigen Ton und man konnte wohl deutlich erkennen, dass er gerade in Gedanken ganz wo anders war. Nicht zu letzt daran, dass er den Brief des Quarto einen Meter neben Decius hin hielt. Als dieser ihn gelesen hatte:


    Reite nach Carthago Nova. Informiere dort die Numerus über unsere Abreise. Es soll gleich morgen früh ein Schiff ablegen, die die Eskorte, die in dem Brief erwähnt ist, trägt. Ein paar Tage später werden dann wir mit den Gefangenen nach Rom übersetzen. Allerdings nur mit zwei Kohorten, die dritte bleibt unter Senecas Kommando hier. Fragen?


    Zeitgleich übergab Crassus Decius eine Tabula voller Namen und Nummern. Nämlich die Liste der Männer, die die Eskorte stellen sollte mit ihrer Centurie- und Kohortennummer. Mit dabei Decius Kamerad Maximianus.

    Crassus begann den Tag nach der Schlacht um Corduba so wie jeden anderen auch - nämlich früh. Denn es galt vieles zu erledigen: die Aufräumarbeiten in Corduba mussten überwacht werden und die angefallenen Briefe mussten bearbeitet werden. Außerdem mussten noch die Leichen der Gefallenen verbrannt beziehungsweise übergeben werden. Crassus wollte mit den Briefen beginnen. Und schon nach dem ersten Brief vergas Crassus sämtliche noch zu erledigen Aufgaben. Denn der Magiser Domus Augusti hatte ihm einen Brief geschrieben. In diesem wurde zwar nur wie beiläufig erwähnt, dass der Kaiser offenbar vor hatte Rom zu verlassen, doch gerade das beschäftigte Crassus mehr als der eigentliche Inhalt des Schreibens. Denn davon oder von irgendwelchen Plänen dazu hatte er nie etwas gehört. Crassus Gedanken kreisten und da er zu keinem Schluß kommen konnte, nahm er den Brief auf und las ihn noch einmal - auf der Suche nach einer Anweisung oder einem Hinweis was er nun tun sollte. Er fand keinen. Also lag es nun an ihm etwas zu entscheiden... doch dazu hatte er denkbar schlechte Vorraussetzungen, denn er wusste ja nichts über die Ausmaße und Gefahren des Aufstandes dort im Osten. Er legte den Brief beiseite und rief seinen Sekretär zu sich. Diesen wies er an, seinen Cousin zu holen. Während der Sekretär damit beschäftit war - in der momentanen Lage waren wohl die ganzen Truppen quer über die Stadt und das Umland verteilt - widmete sich Crassus den übrigen Briefen. Die Post seiner Verwandten las er dabei natürlich auch. Doch er erachtete ihre Lage als nicht sehr dringend und beschloß deshalb mit ihren Anliegen zu warten, bis er wieder in Rom ist.


    Als dann sein Cousin gemeldet wurde, ließ ihn Crassus gleich eintreten.

    Als die Kunde von dem nun endgültigen und wohl auch offiziellem Sieg auf dem Vorplatz bekannt wurde, fiel jedem - und vorallem auch Crassus - ein riesen Stein vom Herzen. Nun musste man sich keine Sorgen mehr um Hinterhalte oder Fallen machen, um seine Kameraden oder um sein eigenes Leben. Corduba war wieder in römischer Hand. Damit symbolisch auch wieder die ganze Regio Baetica. Dass der Aufstand jetzt noch eine reele Chance hatte, war wohl auszuschließen. Denn abgesehen von einigen Fanatikern, würde wohl kein Geblendeter mehr an dieser Idee festhalten, die so vehement, wenn auch nicht unbedingt sonderlich schnell, zerschlagen wurde.

    Kurz nachdem also eben diese Kunde auf dem Platz verkündet wurde und die "Roma Victrix!"-Rufe noch erklangen, trat Crassus' Cousin gemeinsam mit einem Miles aus der Curia heraus. In ihrer Mitte hatten sie wohl den obersten Anführer des Aufstandes. Nach Strabos Ausscheiden konnte es sich dabei nur um Helvetius Sulla handeln. Crassus musterte ihn, nachdem Decius bei ihm Meldung gemacht hatte. Offenbar war der Anführer tot oder bewusstlos, zumindest sah er mit seinen blutverschmierten Laken, die seine Wunden abdeckten, nicht unbedingt sehr lebensfroh aus... aber wenn er tot gewesen wäre, hätten sie ihn sicherlich nicht aus dem Gebäude geschleppt.

    Bringt ihn in unser Lager... lasst euch wegen mir auch dabei helfen. Er soll dort von meinem Leibarzt untersucht und betreut werden. Danach könnt ihr mit den anderen unseren Sieg feiern. Abite. Crassus sah einen Moment den Dreien nach, ehe er sich zu den Männern wandte, die in Formation auf dem Platz standen:

    Wir haben für unseren Kaiser einen Sieg errungen auf den wir alle Stolz sein können. Lasst uns deshalb Mars für seinen Beistand danken und unseren gefallenen Kameraden gedenken! Ohne sie hätten wir das heute nicht geschafft.


    Crassus lenkte seinen Blick langsam gen Boden und verharrte so einen Moment. Um eben Mars ein kurzes Dankesgebet zu widmen und seinen toten und verletzten Kameraden zu danken. Anschließend ging er zurück zu seinem Pferd und setzte auf:


    Corduba ist wieder in des Kaisers Hand! Augustus Victor!


    er wartete noch, bis die ersten Victor-Rufe verhallt waren, bevor er dann seinen Kontrollritt durch die Stadt begann. Die Männer wurden dann, als Crassus vom Platz verschwunden war, von ihren Offizieren entlassen oder zu irgendwelchen Arbeiten herangezogen.

    Wehmütig sah Crassus den nach vorne stürmenden Prätorianern nach. Bei ihm lag so ein Sturm oder auch ein wirklicher Kampf schon lange zurück. Das letzte mal als er aktiv in einen Kampf verwickelt war, war wohl damals auch in Spanien gewesen. In dem Feldzug gegen Sertorius hatte er mit der Legio IX ja so einige Schlachten ausgefochten... die meisten erfolgreich, doch auch eine Schlacht war dabei, die mit einem desaströsen Ergebnis endete: eine ganze Kohorte wurde vernichtet. Dieses mal würde es garantiert nicht so enden, dazu war die Übermacht und Vorbereitung zu gut... Er wischte den Gedanken beiseite, als er von einem Optio darüber informiert wurde, dass er nun nachrücken konnte. Denn inzwischen waren die Zugänge zum Curiaplatz gesichert und auch die Häuser um den Platz herum, auf deren Dächern eben noch die Bogenschützen waren, waren nun gestürmt und gesichert. Dort waren die Kämpfe ohne große Verluste verlaufen, denn die Soldaten stürmten mit einer Wucht vor, die wahrscheinlich schon ausgereicht hätte, um eine ganze Armee in Angst und Schrecken zu versetzen.


    Also ritt Crassus mit seiner Eskorte auf den Platz. Sehr langsam, damit sich die Pferde bei den Trümmern der Barrikade nicht noch verletzen würden. Dort auf dem Platz angekommen zeigte sich ihm ein gewohntes Bild: viele Prätorianer und nur noch wenige Rebellen, diese aber entwaffenet und zusammengefercht. Sie hatten sich ergeben, um dem Tod noch einmal zu entgehen. Die Prätorianer hatten sich inzwischen wieder formiert, da sie wegen der Engstelle ihre Formation kurzzeitig aufgeben mussten. Und auch die Soldaten, die die Verfolgung der letzten Rebellen aufnehmen wollten, wurden zurückgerufen und in die Formation eingegliedert. Crassus ließ seinen Blick erst über die Reihen der Männer streifen - bei manchen Abteilungen waren die Verluste eindeutig erkennbar - ehe er zum Curiagebäude sah. Er überlegte einige Momente, setzte dann mit seiner Eskorte von den Pferden ab und ließ einen Centurio zu sich beordern. Gemeinsam mit ihm und seiner Centurio ging Crassus langsam auf das Curiagebäude zu. In einigem Abstand zu den Stufen blieb Crassus stehen:


    Ich will den Anführer lebend. 750 Sesterzen für die Zeltgemeinschaft, die ihn gefangennimmt...


    und er gab dem Centurio das Zeichen die Curia zu stürmen. Crassus selbst blieb mit seiner Leibwache vor den Stufen stehen und wartete ab.

    Ich will, dass die Reihen der Verteidiger überrannt werden! Haltet euch mit ihnen nicht lange auf, stürmt durch die Straße, überrennt die Verteidiger, die zweifellos dort warten werden, und formiert euch dann neu. Die zweite Schlachtreihe soll dann unverzüglich die Häuser stürmen und die Bogenschützen von den Dächern treiben... damit beendete Crassus seine letzten Anweisungen an den Centurio der Centurie, die die Ehre hat, als erstes vorstürmen zu dürfen. Und das auch keinen Moment zu spät, denn im nächsten Moment erschall ein ohrenbetäubendes Krachen, als nämlich die Barrikade endgültig zusammenbrach und der Weg nun mehr oder weniger frei war.
    Angespannt wartete Crassus noch einige Momente, nachdem die erste Barrikade gesplittert war. Der Angriff sollte zwar nicht gleichzeitig erfolgen, doch wollte Crassus noch kurz abwarten, ob noch einige Rebellen aufgeben würden oder irgendeine Überraschung kommen würde. Es schien nicht so. Er hob sein Schwert und senkte dieses mit den Worten: 'Für den Kaiser!'


    Die eben angesprochene Centurie stürmte daraufhin los. Wild, entschloßen und erbarmungslos, bereit den letzten Widerstand zu brechen und zu besiegen, notfalls auch mit dem eigenen Leben.

    Gerade als sich Crassus seinem Cousin zuwenden wollte - einen anderen Optio hätte er garantiert an seinen Centurio verwiesen - wurde Crassus von seinem Sekretär angestupft. Als sich Crassus ihm sofort zuwandte, lehnte sich der Sekretär zu ihm hinüber und flüsterte ihm einige Worte in das Ohr. Im ersten Moment sah Crassus den Sekretär schief an, doch nachdem dieser seine Aussage noch einmal bestätigt und versichert hatte, wandte sich Crassus von ihm ab, nickte seinem Cousin wissend und dankbar zu und meinte dann etwas lauter: Ich meine natürlich die Barrikaden zwischen den Häusern, nicht die Häuser selber. Da hatte er sich eben wohl versprochen.


    Nun wandte er sich aber doch noch an seinen Cousin:


    Decius, informiere deinen Centurio darüber, dass er mit seiner Centurie den Angriff auf einer anderen Straße zu der Curia aus führen wird. Er soll sich dazu bei mir melden, damit ich ihn kurz einweisen kann.



    Nur kurz nachdem Crassus mit der Besprechung mit dem eben erwähnten Centurio fertig war, trafen auch schon die Ballistae ein. Es ging doch deutlich schneller bis die Geschütze postiert und ausgerichtet waren, wie Crassus anfangs befürchtet hatte. Als sie dann fertig geladen waren, schnellte auf ein Zeichen eines Centurios hin, die Geschoße los und damit fast ungebremst in die Barrikaden...

    Durch die schon erwähnten Berichte, die Crassus regelmäßig bekam, hatte er stets einen groben Überblick über den gesamten Schlachtstatus und -fortschritt. Deshalb dauerte es auch nicht sehr lange, bis er erfuhr, dass es im Regierungsviertel offenbar zu einem letzten, vehemten Widerstand kam. Der Platz um das Curiagebäude, sowie natürlich das Gebäude selber, waren anscheinend schwer verbarrikadiert und verhinderten oder erschwerten jedes Vorkommen sehr bis absolut. Seinen Berichten zufolge, konnte nur schweres Geschütz den Weg freiräumen, weshalb sich Crassus dazu entschloss, sich die Front selber zu besehen und dann persönlich ein Urteil zu fällen. Das Heranschaffen von solchem schweren Geschütz würde ja wieder recht lange dauern und war ob der vereinzelten Barrikaden auf den Straßen auch nicht unbedingt einfach, weshalb er fand, dass das eher eine letzte Alternative sein sollte.


    Je näher Crassus dem Regierungsviertel und der Curia kam, desto aufmerksam und angespannter wurde auch er und seine Begleiter. In einer kämpfenden Stadt zu stehen war das eine, wenige Meter vor der Front und noch einigen kleinen Kampfherden zu stehen das andere. Schon aus der Ferne war zu erkennen, dass bei diesen Barrikaden wirklich kein Vorrankommen war und man tatsächlich schweres Geschütz holen sollte. Ein Wegräumen der Barrikaden war aufgrund des Beschusses der Bogenschützen von den Dächern um den Platz herum nicht möglich - zumindest nicht ohne hohe oder zumindest unnötig hohe Verluste.
    Er beriet sich kurz mit einem Centurio und verkündete dann seinen Entschluß:


    Holt die Ballistae und reißt die Häuser um den Platz herum ab.

    Crassus sah dem Augur, der von drei Soldaten begleitet sich aufmachte, um in das Lager zurückzukehren, verwundert hinterher. Er teilte dessen Sorge absolut nicht. Es würde ihn nämlich mehr als nur schockieren, wenn ein Soldat unter seinem Kommando bei diesem Sturm römisches Heiligtum verletzen oder schänden würde. Aber wie auch immer, schlimmer als diese Rebellenbrut konnte es für Corduba ja sowieso nicht mehr kommen. Wahrscheinlich waren selbst die gräßlichsten Babaren besser und aufrichtiger. Crassus verschenkte noch ein, zwei Gedanken an den Augur und seine Sorge, bevor er sein Pferd wandte und mit seinem kleinen Gefolge sich aufmachte, um die bereits befreiten Viertel zu besehen. Das war in dem Regen zwar alles andere als eine Freude, doch das Wetter kann man sich ja schlecht aussuchen. Aber vorallem: lieber Nass bis auf die Knochen, als in mitten einer brennenden Stadt kämpfen zu müssen.


    Immer wieder ließ sich Crassus während seiner Erkundung der bereits eroberten Teile, Zwischenstandsmeldungen der verschiedenen Truppenteile geben. Wie es schien, ging es nun in die Endphase der Schlacht und bald würde auch wieder die Curia in der festen Hand des Kaisers sein - symbolisch für die ganze Region.

    Als Crassus sah, dass der Augur offenbar Schwierigkeiten hatte, sich auf den Beinen zu halten, gab er einem seiner Männer ein Zeichen, um ihn zu stützen. Schließlich war er ja nicht irgendein alter Mann, sondern ein Augur. Crassus hatte zwar einige Schwierigkeiten den Auguren in dem ganzen Lärm zu verstehen, doch mit viel Mühe und Anstrengung verstand er, war der Augur sagte. Mit seiner befehlsgewohnten und lauten Stimme antwortete er überrascht:


    Was denkst du denn von uns? Wir sind doch keine Barbaren, die mordend und plündernd durch Corduba streifen! Wir befreien Corduba nur von dem Joch, unter welches es gezwungen wurde. Du wirst die Tempel begutachten und dich mit den Priestern unterhalten können, sobald die Stadt befreit ist. Rechne damit nicht vor morgen... ich schlage vor, bis dahin ziehst du dich in unser Lager zurück und lässt dich von einem Medicus untersuchen.


    aber Crassus Unterton ließ durchscheinen, dass es keine wirkliche Alternative geben würde. Zum einen da er jetzt sicher nicht noch mehr Zivilisten in der Stadt haben wollte und zum anderen, da er anderes zu tun hatte, als sich mit einem alten Mann zu streiten.