Beiträge von Rediviva Helena

    Eigentlich hatte ich lasziven Blickes und eindeutiger Gestik von meinem Honigbrot abbeißen wollen, soweit gelang es mir auch. Nur vertrugen sich seine Worte nicht recht mit dem Schlucken und ich musste heftig husten. Ich spülte schnell mit ein wenig Wein nach. Irgendwie bekam ich das Gefühl, dass ich die Fäden dieses Gesprächs aus den Händen verlor, genauso wie meine Kontrolle, wenn ich noch viel mehr Wein trinken würde. Zum Glück fasste ich mich recht schnell. Zuerst noch mit erbostem Blick, langsam grinsend und dann lächelnd, während ich mich wieder leicht räkelte, erwiderte ich unschuldig:


    "Das wäre zu freundlich von dir. Aus der Übung gekommen sein mag ich vielleicht nicht, doch ist es noch ein allzu ungewohntes Gefühl welches eingeübt werden sollte. Besonders meiner Ausdauer wegen."

    "Luxus? Was für ein Luxus?"


    Ich grinste leicht, ja, mit Essen aufhören. Warum nicht? Ich verfiel kurz wieder in Gedanken, denn sein Blick war mir unter Garantie nicht entgangen. Doch als ich ihn empfangen hatte, hatte ich in gespielter Unschuld keusch zur Seite gesehen. Mit einem unverhohlenen Grinsen. Das Gespräch von uns wurde wieder zu einer Nebensächlichkeit, die Blicke gerieten in den Vordergrund.


    "Allerdings, der Ritt hat mich ganz schön aus der Puste gebracht."


    erwiderte ich, ihn allerdings nicht ansehend. Und das fiel schwer, ich hätte so gerne seine Reaktion gesehen.

    "Faulenzen?"


    Ich sah ihn ein wenig erbost an. Na, das würde noch Rache geben, da würde ich keine Gnade kennen.


    "Ich finde es gar nicht so einfach notwenide Einkäufe und Organisatorisches zu erledigen! Heute Nachmittag werde ich mich zum Beispiel um den Kauf einer Sklavin kümmern!"


    Ich brachte allerdings nur ein kleines resigniertes Lächeln zustande. Zynischen Tonfalls brachte ich ihm entgegen:


    "Doch, vielleicht. Du könntest meinen Kiefer rauf und runter bewegen, es ist so unglaublich anstrengend."

    "Ich werde mich heute darum kümmern, dass ich morgen startklar bin, mein Officium einzurichten. Ich schätze bis ich soweit bin wird noch einiges zu tun sein."


    Ich war noch immer ein wenig irritiert wegen meiner Selbst. Er war jünger, die Nacht vorbei und... Trotz all dieser Dinge versuchte ich..? Ich schüttelte unbewusst den Kopf. Ein wenig gedankenverloren kaute ich weiter an meinem Brot.

    "Du hast recht..."


    flötete ich ein wenig bedröppelt, versuchte aber, mir nichts anmerken zu lassen.


    "Vielleicht sollte ich wirklich besser an die Sitten denken. Aber um eines möchte ich dich bitten: Patrizierin war ich aus Liebe, habe mich in dem Stand allerdings sehr unwohl gefühlt. Also..."


    Ich zwinkerte und doch war mir die Lust auf dieses Spielchen genommen. Ich mochte das mit der Patrizierin nicht mehr hören, schon gar nicht in Kombination mit meinen Kindern. All dies war wegen Maximus. Doch ich ließ mir nichts anmerken, außer dass ich keine Andeutungen mehr machte sondern recht normal an meinem Brot weiterkaute.

    Ich hätte beinahe den Wein ausgespuckt, den ich gerade trank, als Metellus den Verwalter hinausschickte. Das Grinsen allerdings konnte ich mir unmöglich verkneifen und so stellte ich den Becher wieder ab. Unschludigen und treuherzigen Blickes sah ich ihn an.


    "Ich verstehe nicht ganz... von welchen Regungen sprichst du?"


    Wieder setzte ich mich ein wenig auf und stützte mich mit den Händen hinten ab, sodass ich in einer recht aufreizenden Position war und ihm ein laszives Lächeln schenkte.

    "Ja, sicher. Ich verbringe möglichst viel Zeit mit potentiellen Schülern, opfere auch wenn vonnöten. Doch leider finde ich kaum mehr Zeit dazu. Ich denke ich werde mir noch eine Sklavin kaufen, die mir ein wenig der Arbeiten abnehmen wird. Ich werde sie dann jeden Tag mit in mein Officium nehmen. Du hast Recht, die direkten Dienste an den Göttern vermisse ich schon sehr."


    Ich streckte kurz meinen Fuß ein wenig von mir und reckte während des Streckens ein wenig meine Brust vor - das Gähnen welches diese Handlung verfolgte war völlig unecht. Ich tat müde und rieb mir die Augen.


    "Bei dieser frischen Luft und überhaupt der wohltuenden Umgebung fällt es sehr schwer aus dem Bett zu kommen, ist es doch äußerst angenehm dort. Ganz anders als in der Stadt, dort ist es kaum möglich von Vögeln geweckt zu werden, eher von Kindergeschrei."


    Wieder warf ich ob des 'angenehmen Erwachens' einen Blick zu Metllus.

    "Ich fange erst heute wieder an."


    Lächelte ich leicht. Auch ich verschüttete einen reichlichen Schluck für die Götter, während ich aus den Augenwinkeln zu dem Hausverwalter sah.


    "Aber es sind hauptsächlich Verwaltungsarbeiten, Zusammenarbeit mit dem Collegium Pontificium... Und die Ausbildung von Schülern. In den Tempeln habe ich nur das Wenigste zu tun."


    fasste ich kurz zusammen, würde er mehr wissen wollen konnte er es gerne erfahren. So angenehm liegend legte ich mein eines Bein vor das andere und präsentierte mich beinahe. Ich konnte diese Spielerei nicht lassen und dieses Mal konnte es nicht am Wein liegen.


    "Jetzt in der nächsten Zeit habe ich erst einmal nachzuarbeiten."

    "Solange es nur bei einem Becher bleibt könnte ich sehr gut noch ein wenig des Weines vertragen. Schenk nur ein.."


    Ich nahm eine der Weintrauben und schob sie mir langsam in den Mund, wobei ich Metellus genau beobachtete und ihm in die Augen sah. In meinem Lächeln war der Hauch von Verführung, ehe ich doch lachen musste und grinste:


    "Ach, hast du es noch nicht gewusst? Doch, ich nasche eigentlich schon recht gern..."


    Und biss demonstrativ noch einmal von meinem Brot ab.

    Ich erwiderte seinen Blick und versuchte zu offensichtliche Gedanken aus diesem zu nehmen. Lächelnd antwortete ich nur, wie ich es dachte:


    "Ich weiß. Für Köstlichkeiten sind die Matinia bekannt."


    Ich zwinkerte kurz, ehe ich nach einem Stück Brot griff und dieses in den süßen Honig tunkte und langsam davon abbiss. Es schmeckte wirklich sehr gut, eben Matinia. Ich grinste während des Kauens und sah zu Metellus.


    "Was kannst du mir denn am Meisten empfehlen?"


    Ich deutete über die Speisen, wobei ich Metellus allerdings leicht in diese Bewegung mit einschloss. Auf den Hausverwalter achtete ich kaum, nur soweit, dass er nicht genau bemerkte was ich auch meinen könnte...

    Doch mit der Ruhe kam auch langsam die Angst. Meine Sorgen, welche sich allein um Metellus drehten kehrten zurück. Erwiderte er meine Gefühle? Sollte ich ihn besser aufgeben? Liebte er mich? Alles konnte ich mit einer einzigen Tatsache abschmetten: Alles was geschehen war und alles was ich mir wünschte darf nicht sein.


    Wie eine Träne sich aus meinem Augenwinkel stahl bemerkte ich kaum, bis sie sich den Weg an meiner Wange hinunter zu meinem Kinn gebahnt hatte. Dort wischte ich sie überrascht weg, ehe mein Blick sich wirklich begann zu verschleiern. Diese Ungewissheit tat so weh. Ich wusste eigentlich nichts über Metellus, ich wusste nicht was er für ein Mensch war, wusste nicht wie und was er fühlte, wusste nicht ob er ein aufrichtiger Mensch war. Konnte man jemanden lieben, den man nicht kannte? Ich war mir seiner wahrlich nicht sicher und brauchte mir eigentlich auch gar nicht den Kopf zerbrechen.


    Doch da waren diese Sehnsüchte die ich mit jedem Gedanken an ihn spürte. Vor ein paar Nächten hatte ich mich mit ihm vereinigt. War ich fremdgegangen? Lebte Maximus noch irgendwo? Würde er wollen, dass ich glücklich würde, auch wenn es ein anderer Mann war? Ich würde so vieles geben um ihn einmal wiederzusehen. Um ihn in meine Arme schließen zu können. Und da war wieder dieses hiflos im Meer schwimmen, 2 Ufer waren da, doch keines erreichbar. Langsam schien mir die Luft wegzubleiben, doch ich konnte mich nicht entscheiden. Würde ich untergehen?

    Ich liebte ihn - ohne Zweifel. Und er mochte mich, liebte mich vielleicht auch, doch ich zweifelte daran dass er es mehr als bei Anderen auch tat. Ich gestand mir nur schwer ein, dass er mir sehr viel bedeutete. Und doch war da immer noch Maximus. Ich hatte ihm drei Kinder geschenkt und ihn stets aufrichtig und aus ganzem Herzen geliebt - war das alles nun vorbei? Was würde sein wenn er zurückkehren würde? Ich wischte meine Gedanken beiseite.


    "Ich wünsche dir Glück bei deinen Entscheidungen, Metellus. Und vorallem wünsche ich dir den Beistand der Götter, in allem was du tust und tun wirst."


    Ich erwiderte seinen Blick nicht minder warm und der Hauch eines Lächelns trat auf meine Lippen. Ich sollte reif genug sein um zu begreifen, dass aus alledem nichts werden würde - und doch gab ich die Hoffnung nicht auf. Irgendetwas an der ganzen Sache war richig und ich hoffte sehr, dass dieses Gefühl stimmte. Ich beschloss, mir weniger Sorgen zu machen.


    "Ich danke dir, Metellus. Aber wenn ihr beiden mich nun wirklich entschuldigen würdet? Minervina?"


    Ich griff sie wieder bei der Hand und hielt diese fest, wandte mich zum Gehen. Ich warf Metellus im Vorübergehen noch ein warmes Lächeln zu, ein beinahe verliebtes Lächeln was sagen sollte "Viel Glück, ich bin bei dir". Das 'sofern du es überhaupt willst' verschluckte ich für mich selbst.

    Ich hätte gern seine Hand gehalten, doch auch wenn wir die nächsten Stunden noch genießen wollten, so sollten wir doch langsam wieder Abstand nehmen und ich trottete brav hinter ihm drein. Ich betrachtete seinen Nacken und musste grinsen. Die Nacht war wirklich einmalig geworden. Und doch verspürte ich schlechtes Gewissen. Maximus war kaum fort und ich...??
    ___


    Im Triclinium angekommen tat ich es ihm gleich. Es roch wunderbar, dieses Mal gefiel mir sogar der Geruch des erhitzten Weines. Auf der Clinie liegend betrachtete ich ihn aus den Augenwinkeln. Er sah gut aus. Und ich war sicherlich nicht die erste, trotz seines Alters. Ob ich die letzte war? Sicher nicht. Und dieser Gedanke verletzte ein wenig... War es doch nicht nur Lust gewesen? Ich wusste nicht, ob ich hoffen sollte, dass es für ihn weniger war oder ob auch er so empfand.

    Ich hörte ihm zu, ich lauschte seiner Stimme so gerne. Zu gerne. Es war ein egoistischer Wunsch und eigentlich sollte ich genau das Gegenteil hoffen, doch ich wollte dass er niemanden mitbrachte. Aber was brachte es? Vermutlich würde.. Ich bemerkte dass ich abdriftete und hob meinen Blick kurz, als er von.. ja.. von mir sprach? Ich wusste nicht was ich von allem halten sollte. Ich hatte bei ihm das Gefühl, dass er ziemlich viele Mädchen 'kannte' und wusste nicht, wie es bei mir war. War es vielleicht das, was mich so verunsicherte? Warum hatte ich Angst ihn zu verlieren, wo ich ihn noch nicht einmal hatte, nicht haben durfte?


    Ich bemerkte wieder einmal verspätet, dass ich ihn eine ganze Weile angesehen hatte und jetzt wo ich den Blick auf die Pflanzen richtete, versuchte ich zu erforschen wie mein Blick gewesen war. Sehnsüchtig? Liebevoll? Ängstlich? All das war möglich.


    "Ich werde für dich beten..."


    meinte ich, verkniff mir nur schwer welche Gottheit zuerst mein Ziel werden würde. Doch er konnte es falsch verstehen und ich wollte nicht dass er das glaubte. Er sollte merken, dass ich ihn liebte, auch wenn ich es nie ausgesprochen hatte und es niemals aussprechen durfte. Ich hoffte, er bemerkte es. Und ich hoffte er fühlte sich dadurch nicht eingeengt.

    Ich hätte Agrippa beinahe einen säuerlichen Blick zugeworfen. Ich musste stark an mich halten jetzt nicht schon wieder hinauszulaufen. Doch ich sagte nichts, sondern legte meine Hände in den Schoß. Sie nestelten aneinander herum und ich sprach in Gedanken beruhigend auf mich ein... Dennoch konnte ich mir eine ironische Antwort nicht verkneifen, denn Agrippa hatte, ohne es zu merken, eben dies getan wovon er sprach.


    "Nicht nur die Götter, Agrippa, nicht nur jene..."


    Edit: Beifügung ;)

    Ich bemerkte, dass ich Metellus in Verlegenheit brachte und wollte das ändern. Doch wie konnte ich das? Ich wusste ja selber nicht einmal, warum ich so abweisend war und was los war. Bei Metellus Frage zog es kurz.


    "Vielleicht glaubt Vater ja, dass du auf deiner Reise jemanden mit nach Hause bringst.!"


    erwiderte ich nur kurz angebunden. Soetwas wollte und konnte ich nicht länger ausformulieren. Ich hob kurz den Blick um Metellus anzusehen. Doch ich senkte ihn sogleich wieder, es tat weh ihn anzusehen. Wenn Agrippa nun Recht hatte? Mir wurde schlecht. Aber was konnte ich schon tun? Ich durfte ja nicht einmal etwas sagen.. Ich wandte mich an Agrippa, doch ich fühlte mich so unglaublich müde...


    "Ja, da hast du Recht. Ich wünschte die Götter würden ihre Wege manches Mal deutlicher für uns erkennbar machen und sie weniger schmerzhaft bereiten."