Beiträge von Rediviva Helena

    "So, habt ihr das..."


    Ich musste mich räuspern, irgendwie wollte meine Stimme gerade nicht so richtig. Was war nur los? Warum fiel es mir so schwer, weiterhin unbeschwert zu wirken? Und warum, verdammt, fiel mir nichts ein was ich darauf antworten konnte.


    "Ja, die Götter schlagen sehr seltsame Pfade für uns..."


    meinte ich nur stumpf und wunderte mich, warum mir das so bekannt vorkam? Hatte ich ähnliches nicht vor wenigen Augenblicken 'gelauscht'? Ich sah Metellus nicht an, sondern ging zu Minervina und nahm sie an die Hand.

    Ich hatte gelauscht, auch wenn ich es eigentlich nicht gewollt hatte. Nachdem ich hinausgelaufen war, hatte ich mich erschöpft an die Wand gelehnt. Noch immer war ich voller Angst, dass ihm etwas geschehen könnte und das würde sich bis zu seiner Rückkehr sicher auch nicht mehr verändern. Ob er wirklich genauso fühlte? Und ich hatte nach Agrippas Ansprache, wegen des Glückes welches ihm geschenkt ward, gehofft eine Antwort zu finden. Nagut, zugegeben. Ich hatte doch absichtlich gelauscht.


    Doch besonders gut hatte mir das Gespräch nicht gefallen - aber was erwartete ich auch? Etwa dass Metellus damit rechnete dass ich zuhörte und in Schwärmerei ausbrach? Wohl kaum. Ob sich überhaupt etwas ergeben würde? Ich hörte, oder spürte ich es, die tiefere Bedeutung seiner Worte, als Metellus vom Willen der Götter sprach. Vielleicht sollte ich zum Orakel nach Rom? Nein. Ich konnte niemandem davon erzählen, besonders dem Priester dort nicht. Der war damals schon so anzüglich gewesen....


    Seufzend stieß ich mich von der Wand ab und trat doch wieder in den Hortus. Mein Aufbruch war etwas auffällig gewesen, vorallem weil ich Minervina dort sitzen lassen hatte. Schließlich waren wir hier nicht in einem Theater wo es auf Dramatik ankam. Und ich hatte mich mal wieder so benommen... Schnell setzte ich mein Lächeln auf, ehe die beiden etwas merkten. Und doch wär ich beinahe stehen geblieben - was sollte ich nun sagen? Ich hätte doch gehen sollen, aber jetzt war es zu spät...

    Er würde was? Ich drehte mich zu ihm um und beobachtete ihn während er sich anzog. Das hieß also im Klartext dass wir uns einige Monate nicht sehen würden. Ich stand allerdings dann auch wieder auf und striff mir die Tunika über und fuhr mir notdürftig ein paar Mal mit den Händen durchs Haar. Ich merkte, dass ich doch ziemlich angetrunken war, denn sonst hätte ich zumindest an eine kleine Möglichkeit gedacht, wie ich mir zumindest die Haare ordentlich frisieren konnte. Na, was sollte es. Ritt ich halt wie jemand nach Haus, der tagelang an stürmischen Klippen gestanden hatte. War ja auch nur halb gelogen, eine leichte Bö war es sicherlich nicht gewesen. Ich musste wieder grinsen, auch wenn die Aussicht auf die nächsten Monate ziemlich düster war. Ich versuchte, ihn nichts anmerken zu lassen und fragte in einer völlig anderen Sache:


    "Wohin müssen wir jetzt? Am besten du führst..."

    Ich hob eine Braue und sah ihn skeptisch an.


    "Da versteht ja jemand meinen Körper noch besser als ich selbst..."


    Irgendwie fühlte ich mich anders als die letzten Wochen. Irgendwie so.. befreit, sorglos und glücklich. Ich lächelte, es tat unheimlich gut. Und ich glaubte nicht, dass es an der 'Nacht' lag, sondern eher an den Gefühlen. Aber die getraute ich mich nicht auszudrücken. Vielleicht wäre es ihm zuviel. Ich wollte ihn nicht bedrängen.


    Dann schwang ich meine Beine über die Bettkante und setzte mich hin. Wo hatte ich denn in der Nacht nur... Ah da! Ich bückte mich und begann damit, mich anzuziehen. Ich hoffte, dass niemand fragen würde - erst angekommen würde ich unfrisiert, ungeschminkt und in der Tunika von Metellus sein...

    "He.."


    Ich musste leise lachen, zu laut getraute ich mich wegen des Hausverwalter nichts. Flüsternd zischte ich zu ihm hinunter:


    "So erhältst du nie eine Antwort, du lässt mir ja keine Sekunde zum Denken!"


    Ich kroch ein bisschen von ihm weg und grinste ihn an.


    "Doch. Frühstück hört sich gar nicht schlecht an."

    Metellus war auch wach? Ich hatte mich gerade aufrichten wollen um zu ihm hinabschauen zu können, als er zu mir hochrückte. Ich lächelte sanft, als er begann zu sprechen, auch wenn mein Mund versiegelt war. Doch seine Worte machten es einfach unmöglich weiterhin ernst zu schauen oder überhaupt auf trübe Gedanken zu kommen. Er hatte Recht, auch wenn es traurig war, dass ich dieses Glück mit niemanden teilen konnte, außer mit ihm. Und genau das war wieder eine Sache, die dennoch schön war: Wir hatten ein Geheimnis, eines, was uns niemand nehmen konnte.


    Als er aufhörte zu sprechen, kam ich gar nicht zu einer Antwort. Ich ließ mich einfach entspannt zurücksinken und genoss den Kuss. Was sollte ich dem auch noch hinzufügen? Ich strich ihm kurz durchs Haar und sah ihn an. Was ich sagen wollte, blieb verschwiegen. Vielleicht war es besser.

    Bei seinen Küssen krallte ich mich in die Laken und so sollten sie auch am nächsten Morgen aussehen. Zum Trotz aller Ziemlichkeiten hatten wir uns geliebt und es war eine sinnlichere Liebe als man mir besonders in dieser Zeit zugetraut hatte. Eine Liebe die mehr einschloss als nur das Fleisch Metellus'. Eine Nacht, in welcher sämtliche Familienbande vergessen wurden.


    Das Morgenlicht des nächsten Tages erhellte die ineinander verschlungenen Leiber derer, die sich geliebt hatten...


    Ich öffnete langsam meine Augen, als mich lautes Vogelgezwitscher weckte und schloss sie sogleich wieder: Das helle Sonnenlicht blendete und außerdem fühlte ich mich wie gelähmt. Ich tastete an meiner Seite entlang und öffnete die Augen abermals. Nicht wenig überrascht sah ich Metellus an, entsann mich allerdings der letzten Stunden und schloss sie entspannt wieder, mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.

    Ohne jegliche Gegenwehr ließ ich ihn meine Hände greifen und mich zurückziehen. Wenn ich es recht betrachtete, so war es doch an seiner Seite noch viel wärmer als hier... sehr viel wärmer. Und beinahe unerträglich heiss wurde es bei seinen Worten und seinem warmen Körper unter mir.


    "Das hoffe ich doch..."


    gab ich spielerisch nach dem Kuss als Antwort und lächelte lasziv, während ich seinen Hals hinunter bis zu seiner Brust streichelte. Doch dort ersetzte ich meine kraulenden Finger recht bald durch meine Lippen und fuhr mit meiner Hand seine Hüften hinunter...

    Ah, er schien auf mich einzugehen. Abenteuerlust blitzte in meinen Augen auf und ich war wie ausgewechselt. Was waren "Zweifel"? Ich wollte nichts mehr von Anstand oder Ziemlichkeiten hören. Ich wollte ihn. Plötzlich war mir gar nicht mehr unbedingt nach fortlaufen, ich würde einrichten dass er mich möglichst bald fangen konnte, wollte nicht warten...


    "Nein, verdient hast du ihn bereits.. Nur holen musst du ihn noch."


    Nein, von Anstand wollte ich jetzt wirklich nichts mehr hören. Ich rutschte noch ein wenig weiter nach hinten. Bis ich mich mit den Füßen auf den Boden gleiten lassen konnte, von wo aus ich das letzte Kleidungsstück hinuntergleiten ließ. Ich sah ihm in die Augen, ohne dass ich es gemerkt hatte, war mein Lächeln reiner Lust gewichen.

    "Es kommt wieder einmal darauf an, was du für einen Preis verlangst..."


    Ich grinste und wehmütig schob ich mich von ihm weg - na, lange würde ich seine Berührungen nicht missen müssen. Ich hatte, vor diesem Moment, nicht gedacht dass ich die Größe des Bettes Willkommen heißen würde. Ich setzte ein verlockendes Lächeln auf, während ich mich auf die Knie setzte und zu ihm sah.


    "Aber ich schätze für den Hauptgewinn wirst du mich erst fangen müssen!"


    Es fiel schwer das Lächeln nicht wieder durch ein verlegenes Grinsen zu ersetzen, doch es gelang...

    "Ja.. doch..."


    Ich wechselte immer wieder zwischen Lächeln und Grinsen, doch alle möglichen Gefühle verdrängten meine Zweifel, weshalb ich ihnen sehr dankbar war. Keine Zweifel sollten mich bremsen, nicht jetzt. Ich wollte meine Gefühle nicht mehr verleugnen, nicht jetzt. Jetzt kam es nur noch auf ihn an, auf nichts anderes.


    "Ich kann jedenfalls nicht leugnen, dass ich es als..."


    Doch ich verstummte und schloss einfach nur meine Augen, als die Hand von meinem Bauch abwich. Beinahe noch hätte ich in meinem eigenen Streicheln angehalten, doch ich bemerkte es gerade noch rechtzeitig.


    "Und du...? Wonach sehnst du dich..?"

    Ich zog eine Augenbraue bei seiner Frage hoch - da war er mir ja geschickt ausgewichen und hatte mich zugleich in die ähnliche Lage wie ich ihn gebracht. Und nun stellte auch ich mir die Frage: Ja, was wolte ich? Ohne Frage ihn, aber durfte ich das auch? Nein, vielmehr war die Frage, ób ich es konnte, denn die Frage des Dürfens hatte sich bereits von selbst erklärt. Wie stand er dazu?


    Ich schob diese Gedanken beiseite - gleich wie wir uns nun entscheiden würden, in beiden Entcheidungsmöglichkeiten würde ich am Schluss irgendetwas bereuen. Entweder deshalb, dass ich ihn hatte ziehen lassen, oder aber dass ich etwas Verbotenes getan hatte. Ich beschloss, egoistisch zu sein.


    "Versuche es zu erraten..."


    spielte ich das Versteckspiel weiter und stupste ihm auf die Nase.

    Meine Hand ging von seiner Schläfe zu seinem Rücken und strich sanft diesen hinauf und wieder hinab. Eine ziemlich seltsame Situation, aus der ich allerdings keinen Ausweg sah und ehrlich gesagt auch keinen suchte.


    "soso..."


    meinte ich kurz, ehe ich der Bedeutung, der eventuellen Bedeutung seiner Worte gewahr wurde. Ich stemmte mich also auf die Ellenbogen und sah zu ihm hinab.


    "Was denn zum Beispiel?"


    Ich musste nun auch grinsen, es ging allerdings eher in die Richtung Verlegenheit.

    Früh, sehr früh kam ich am Hafen an. Ich musste meinen Kopf ein wenig frei kriegen und vorallem diese Kopfschmerzen loswerden, sonst würde man heute wirklich wenig mit mir anfangen können. Mir war ein wenig nach einem Ausritt, doch allein war es mir zu riskant und wer war um diese Uhrzeit schon auf? Vorallem konnte ich es mir nicht leisten. Schließlich war ich nicht Pontifex um den ganzen Tag mit nichtstun zu vertrödeln. Sobald die Sonne ein beträchtliches Stück gestiegen war, würde ich auch wieder zurückkehren.


    Mein Blick versank ein wenig in den Bewegungen des Meeres. Obwohl kein starker Wind ging, bewegte es sich ziemlich stark - oder bildete ich es mir nur ein? Es war gleich: Der Anblick war einfach wunderbar und ich merkte mir, dass es im Hafen - wohlbemerkt um diese frühe Zeit - sehr schön war. Ich sann ein wenig vor mich hin und wurde ruhiger...

    Ich betrat mein Officium. Draußen war es gerade hell geworden. Diese Nacht hatte ich nur einen sehr unruhigen Schlaf gehabt, sodass ich viel früher als normal in den Tempelbezirk kam. Ich war müde und das war mir sicher auch sehr deutlich anzusehen, doch ich brauchte Beschäftigung.


    Ich musste wieder an die Nacht vor 3 - oder waren es 4 Tage? - denken. Und noch immer wusste ich nicht, was ich von meinen Gefühlen halten sollte. Ich sollte mich eigentlich mit dem Gedanken anfreunden, dass es nun einmal geschehen war und es mir aus dem Kopf schlagen. Doch so einfach ging es nicht.


    Ich stützte meinen Kopf in den Händen. Mein Kopf hämmerte hart und dröhnte ein wenig. Verfluchte Alpträume. Es konnte kein gutes Zeichen sein, dass ich Maximus in meinen Träumen sterben sah. War er tot? Wollten mir die Götter mitteilen, dass ich einen Fehler begang und auf ihn warten sollte?


    Ich versuchte diese Gedanken beiseite Wünschen. Ich stand wieder auf und warf mir mein Schultertuch über - noch war es lange nicht an der Zeit dass ich hier sein musste und so beschloss ich ein wenig an den Hafen zu gehen. Wie sich die Sonne langsam über dem Horizont erhob musste einen wahnsinnig schönen Anblick darbieten.

    "Ja, mir auch, Prudentius Balbus!"


    Ich zwinkerte ihm zu. Meine Worte waren mit keiner Silbe gelogen, denn es hatte wirklich gut getan, wie Meridius und auch Metellus mir gesagt hatten, einfach wieder unter Menschen zu gehen: Das Leben geht weiter.


    "Und... danke!"


    Ich lächelte ihn an und ging dann mit langsamen Schritten wieder meiner Wege, die mich in die Thermen führen sollten...