Beiträge von Rediviva Helena

    "Da ich Fortuna diene wäre es kein Problem wenn wir es dem Zufall überließen, doch wäre ich einem vereinbarten Treffen ebenfalls nicht abgeneigt. Ich überlasse dir die Entscheidung."


    Ich stand ebenfalls auf und strich mir - wie immer - meine Tunika glatt. Sogleich ärgerte ich mich darüber, ich wusste nicht wo ich mir das angewöhnt haben könnte.

    Hatte er über eine Frage nachgedacht? Ich sah ihn ein wenig verwirrt an, aber es gab eben zum Glück auch Menschen die nicht so berechenbar waren. Und dass ich Commodus wohl besser nicht mehr ansprach hatte ich jetzt auch gelernt. Es schien kein besonders geeignetes Thema zu sein, sonst hätte er anders reagiert. Als er seine Frage stellte wich meine Verwirrung allerdings wieder einem warmen Lächeln.


    "Aber selbstverständlich. Sollte es einen Grund geben, dass es nicht so ist? Dann schließe ich daraus, dass du dich langsam wieder deiner Arbeit zuwenden wirst, hm?"


    Schade eigentlich und doch durchaus verständlich. Immerhin hatte er mich vorhin nicht 'errettet' weil ihm langweilig war, sondern weil es seine Pflicht ist. Wohl nicht nur deshalb, aber.. Immerhin hatte er mich hervorragend aus meinen trüben Gedanken geholt.

    "Ja, ich schätze auch! Deine kleine Schwester also..."


    Ich wurde ein wenig nachdenklich. Wie er wohl über die ganze Sache dachte? Was er wohl bei dem Gedanken empfand, dass seine Schwester nun jemanden heiratete, der ihr Vater sein könnte? Vermutlich würden er und Metellus sich beinahe zerfleischen, oder aber sehr einig sein. Es käme darauf an, wie gut Metellus seine Hintergedanken verbergen konnte...


    "Dann ist Commodus dein Vater. Sag, gibt es noch mehr Geschwister mit denen ich rechnen kann? Bislang kam ich ja mit jedem von seiner Verwandtschaft hervorragend aus! Ich denke, er ist ein sehr guter Vater...? Ein guter Freund ist er allemal!"


    Ich folgte seinem Blick - er wirkte sehr gedankenverloren. Dort hinten war jedenfalls nichts, was man so lange beobachten konnte. Ich musste sacht lächeln..

    "Gute Behandlung erhältst du, wenn du dich keinen Wünschen der Familie wiedersetzt und dann wirst du auch ein Teil von ihr sein. Doch du musst dir keine Sorgen machen, wir sind hier in einem humanen Haushalt."


    Ich zwinkerte ihr zu und stand dann auf.


    "Bei Fragen kannst du jederzeit zu mir kommen. Doch nun mache dich auf in die Sklavenquartiere, sie befinden sich..."


    beschrieb ich ihr den Weg und machte mich dann davon.

    Nach diesem anstrengenden Tag war ich sehr froh, endlich allein zu sein. Den Vormittag hatte ich den Sklaven kurze Einweisungen gegeben wie sie sich besser organisierten und den Rest des Tages hatte ich mit Pentesilea und Minervina zugebracht - was nicht minder anstrengend war.


    Doch nun konnte ich endlich mit meinen Gedanken allein sein. Ich stand kurz wieder auf um mich meiner Tunika zu entledigen und meine Haare zu öffnen und dann wieder zu einem lockeren Zopf zu flechten. Rasch schminkte ich mich grob ab, zog mir ein leichtes Gewand über und verschwand in meinem Bett. Draußen war die Dämmerung schon vorbei und darum es hier drinnen finster. Und doch war es ungewöhnlich früh, wie ich zu Bett ging.


    Jetzt, da ich mich fest in meine Decke gekuschelt hatte, drifteten meine Gedanken zu Metellus ab. Was er wohl gerade tat? Hoffentlich war auch er inzwischen sicher in seiner Herberge. Es dürfte nun schon die zweite Etappe sein. Ob er auch an mich dachte? Ich konnte das Lächeln nicht aus meinem Gesicht bannen und sogleich war dieses Lächeln doch ein wenig traurig. Ja, ich liebte ihn, doch ich durfte es eigentlich nicht. Nicht wegen unserer Familienbande und nicht wegen Maximus. Und doch... Dieses warme Gefühl wenn ich ihn sah und diese Angst wenn er nicht da war - was konnte es anderes sein?


    Ich strich kurz über meine Hüften, welche er vor nicht allzu langer Zeit gestreichelt hatte. Es war erst zwei Tage her. Gestern noch ist er fortgeritten und vorgestern hatten wir die Zeit gemeinsam verbracht. Es war eine so schöne Zeit. Hoffentlich käme er bald wieder. Vor meiner Brust faltete ich die Hände wieder und mit einem Lächeln, wenngleich es auch ängstlich war, schlief ich ein.

    Ich fühlte, es bedeutete ihr etwas und so sagte ich nur:


    "Dann sage es jedoch, wenn du gerne aus dem Eid entbunden werden möchtest. Ich werde es nicht gekränkt auffassen und dann hinnehmen, wenn eine gute Begründung besteht!"


    So ließ ich ihr dennoch die Option, jederzeit fortzukönnen. Irgendwie war ich gerührt von ihrem Eid. Und ich lächelte, da sie sich doch wieder mancher Dinge zu erinnern schien.


    "Ich möchte dich allerdings bitten, mich jetzt allein zu lassen. Ich habe gehört, dass Agrippa eine neue Sklavin erworben hat. Du kannst sie bitten sich auch um die Kinder zu kümmern, wenn es dir einmal zuviel wird. Sie soll es sehr gern tun und wird wohl auch als Lehrerin eingesetzt werden."


    Ich nickte nur leicht.

    "Ich fürchte das wirst du müssen."


    lächelte ich sie an.


    "Gibt es noch andere Dinge die du beherrscht oder die du gerne tun würdest? Gibt es Wünsche deinerseits?"

    Ich wollte meine Hand zurückziehen. Doch das tat ich erst als sie geendet hatte. Meine Stimme war ein wenig nervös und fragend.


    "Aber nein, Pente. Ich habe dich doch erst aus meinen Diensten entlassen. Ich möchte dich als meine Freundin hier haben. Du bist frei zu tun und lassen was du möchtest!"


    Ich war schon beinahe verzweifelt. Mit manchen Sitten würde ich wohl immer meine Probleme haben...

    "Na, das hört sich doch schon einmal sehr gut an. Du musst wissen dass ich drei Kinder habe, die eine durchaus mit Alter wo sie unterrichtet werden kann. Und ich könnte dich auch sehr gut als Schreibkraft in meinem Dasein als Pontifex gebrauchen. Häufig wächst mir die Arbeit über den Kopf und da du lesen und schreiben kannst... Kennst du dich gut mit den Göttern aus?"


    Ich beobachtete jede ihrer Bewgeungen. Sie schien nicht nur diese Rolle zu spielen, sondern sie auch zu leben...

    "Bitte bleibe solange bei uns wie es dir möglich ist. Minervina hat dich sehr gern und ich brauche dich bei den Jungen. Eigentlich möchte ich selbst auch nicht mehr auf dich verzichten, auch wenn ich in der nächsten Zeit nur wenig hier sein werde."


    Ich lächelte sie müde an. Metellus...

    'Hm' ging es mir durch den Kopf, 'Viel sprechen tut sie wahrlich nicht'. Na, mit der Zeit würde man ihr diese Verklemmtheit schon noch abgewöhnen können. Agrippa oder Metellus würden es spätestens schaffen, wenn nicht sogar Pentesilea.


    "Was kannst du denn so alles? Kannst du Lesen und Schreiben?"

    "Ja, das sollte ich wohl wirklich. Ich bin sehr erschöpft. Pentesilea?"


    Ich hatte meine Stimme noch einmal fragend erhoben und sah sie mit einem eindringlichen Blick an.

    "Genau. Da ich dir niemals den Ring eines Sklavens umgelegt habe und du aus der Sicht der Meisten ohnehin nicht meine Sklavin bist... Offiziell habe ich dich noch nicht freigegeben und darum bitte ich dich, ein zweites Schreiben davon anfertigen zu lassen und es auf dem Forum anzubringen, damit auch der Regionarius dich für Frei erkennt. Ansonsten war das alles."


    Ich lächelte müde.

    Ich betrat mit meiner neuen "Errungenschaft" die Villa. Sie würde nicht als meine Sklavin hier leben, sondern als meine Dienerin. Die Zeiten der Sklavenhaltung wie sie eigentlich war, waren bei mir vorbei. Ich führte sie ohne Umschweife in den Garten und setzte mich mit ihr. Nun nahm ich ihr auch die Fesseln an den Händen ab.


    "So Kaya, nun machen wir uns erst einmal miteinander bekannt. Ich bin Helena, Helena Matinia. Die Adoptivtochter des hiesigen Proconsuls Publius Matinius Agrippa."


    Seit ich Marcus kannte, betonte ich das 'adoptiert' viel zu häufig, doch in meinen Ohren klang es angenehmer.

    Ich sah Minervina hinterher und stand wieder auf um zum Schreibtisch zu gehen. Ich sagte nichts auf Pentesileas Frage hin, sondern machte mich daran ihre Freilassung zu schreiben. Dann ging ich zu Pentesilea und reichte sie ihr.


    "Bewahre dies gut auf und kleide dich in Zukunft gut bürgerlich, solang du hier bist, damit du als freier Bürger Roms giltst."


    lächelte ich sie, wenn auch ein wenig müde, an.

    Ich sah ihr an, wie unglücklich sie hier war - doch war nicht gerade das ein Zeichen? Eigentlich sollte man keine Sklaven kaufen, die schon beim Händler so unglücklich wirken. Allerdings war sie doch noch so jung und... Naja, kaum jünger als Metellus. Und doch... Noch ehe ich weiteres über sie wusste, wandte ich mich an den Händler.


    "Wieviel soll sie kosten?"


    Und als der Preis bei satten 3500 losging begannen wir bis zu einem halbwegs humanen Preis zu handeln. Dann kehrten wir in die Casa Matinia zurück...

    "So sehe ich das auch! Und wenn du weiterhin murrst werde ich dir noch mehr abnehmen. Also nimm Rücksicht, besonders erpicht darauf bin ich wirklich nicht."


    antwortete ich scherzend und neben ihr laufend. Zum Glück dauerte es nicht mehr sehr lange bis wir an der Villa ankommen würden.