Ich las ein paar Schriftrollen nach, doch es gab nicht viel nachzuholen. Entweder war hier wirklich nichts los gewesen oder man hatte sich nicht mehr darum geschert. Ich beschloss, regelmäßig Berichte am Ende einer Woche zu schreiben, wenn sich irgendetwas getan hatte. Da kam Marcus endlich wieder - mit einer Obstschale und einer kleinen Palme fürs Regal.
"Das hätte nicht sein müssen!"
zwinkerte ich ihm zu. Dann bat ich ihn an den Tisch und wir begannen gemeinsam zu speisen.
"Wielange bist du schon dabei?"
"Ich erst seit wenigen Wochen Herrin."
"Helena, zumindest wenn wir allein sind! Und wie gefällt es dir?"
"Bislang gab es immer sehr viel zu tun. Aber meist musste ich immer etwas sortieren, was zwar ganz nett aber sehr langweilig ist."
"Ja das kann ich verstehen. Ich werde auch von Anfang an in meinen Aufgaben Ordnung halten. Dann erspare ich mir das."
"Verzeih bitte."
"Was denn?"
"Na, dass der Raum noch nicht vor dem Einzug fertig war!"
"Als ob du etwas von meinem Einzug hättest wissen können!"
"Auch wahr. Bist du schon lange Priesterin hier? Ich habe dich noch nie gesehen."
"Ja, schon seit einiger Zeit. Aber einige Monate war ich schwer krank weshalb du mich schlecht kennen kannst, da ich ausfiel. Damals war ich schon Pontifex. Bis heute hat Claudia meine Arbeit abgenommen. Ich schätze von nun an wird sie mir nur noch unter die Arme greifen und eher für die Ausbildung ihrer Schüler sorgen.
"Sie ist sehr streng.. Ehrlich gesagt habe ich... einigen Respekt vor ihr."
"Ja, das ist wahr. Zu mir war sie immer sehr erträglich, aber ich kenne einige die auch ihre andere Seite kennen. Im Grunde ist sie aber ein herzensguter Mensch. Glaube ich."
Ich musste lachen. Fast alle ihr untergebenen Leute hatten Angst vor ihr. Ich mochte sie, aber auch mir war sie zu eitel. Sie bildete sich sehr viel auf ihren Stand ein und ließ es viele spüren - mich zum Glück nicht. Und diesen Marcus.. Ich mochte ihn, er war mir ziemlich sympathisch. Vorallem war ich ihm sehr dankbar dafür, dass er mir unter die Arme gegriffen hat. Als wir fertig gespeist hatten, machten wir uns auf dem Weg auf den Marktplatz - es gab noch einige Besorgungen zu machen.