Beiträge von Rediviva Helena

    "Ich denke, wenn ihr beiden noch weiter wollt, könnt ihr das gerne tun! Dann gebe ich dir gleich das Geld fürs Essen. Ich sollte mich allerdings langsam in meinem Officium sehen lassen! Ich möchte mir nicht nachsagen lassen, dass ich meiner Arbeit nicht nachkomme. Außerdem muss ich noch ein Opfer darbringen."


    Ich lächelte.

    Auf dem Boden liegend, regte ich mich erst nicht. Ich begann heftig zu lachen und drehte mich um und sah in den Himmel. Oh dieser kleine Frechdachs! Dann meinte ich, noch immer gluckend, an Pente gewandt:


    "Klar kann ich dir helfen..."

    Ich beobachtete Pentesilea und Minervina lächelnd. Es war fast als wäre Pentesilea nicht nur meine Freundin sondern auch etwas wie meine Schwester. Gerade war es, als seien wir eine Familie.


    "Ich schlage vor wir gehen nachher noch irgendwo was Gutes essen!"


    sagte ich lachend, als ich sah wie Pentesilea sich ins Gras plumpsen ließ. Ich dachte nicht daran, dass es vor Schwindel sein könnte, der weniger positiv zu verstehen war. Ich kniete mich vor Pente und lächelte sie an.


    "Ist alles in Ordnung?"

    "Na komm!"


    zwinkerte ich ihr noch zu und dann liefen wir gemeinsam hinter Minervina her. Ich fühlte mich irgendwie sehr befreit, was an allem lag was ich momentan erlebte. Es gab kaum Dinge die mich bekümmern sollten und gerade meine Tochter sorgte für innere Freiheit. Ich liebte sie sehr.


    "Na du kleines Vöglein!"


    rief ich tief ein - und ausatmend aus, als wir Minervina endlich eingeholt hatten. Allerdings ließ ich Pentesileas Hand nicht los. Ich drehte mich zu ihr um, um ihr zuzulächeln.

    Ich hatte dem Gespräch von Minervina und Pentesilea gelauscht. Es lenkte mich ein wenig von meinen Sorgen ab. Irgendwie war es wie verhext. Ich vermisste Maximus noch immer sehr und hoffte noch immer auf seine Rückkehr. Sein Lächeln fehlte mir so unglaublich. Und dann war da noch Metellus der trotz meiner Trauer mein Herz zum Strahlen brachte und dem ich mehr Liebe entgegen bringe als ich es dürfte. Liebte ich zwei Männer und dann ausgerechnet meinen Cousin und Bruder?


    Erst als Minervina von weit vorne nach uns rief schrak ich wieder aus meinen Gedanken und sah in ihre Richtung. Ich griff Pentesilea an der Hand und nickte in Richtung Minervina. Ich grinste und wollte sie auffordern mit mir die Kleine zu jagen. Irgendwie musste man sie doch von ihrem Kummer erlösen.

    Mein Blick ging über das Meer, während beinahe im gleichen Atemzug der Wind an mir zerrte, in einer heftigen kleinen Bö. Das Gefühl ließ einen kalten Schauer meinen Rücken hinunter jagen und meine Gedanken kurz wieder zu Metellus abdriften. Ich hätte weiter auf ihn einreden sollen, mir war immer noch nicht ganz wohl bei der Sache ihn alleine ziehen zu lassen. Doch was konnte ich schon tun?


    Ich sah auf den Boden vor mir, das Gras erinnerte mich mehr an ein gräsernes Meer. Und soweit ich sehen konnte spielte der Wind mit der Landschaft. Mit meinem Haar. Wie gern würde ich jetzt Metellus' Nähe genießen können. Doch kaum dass ich diesen Gedanken dachte rief ich mich wieder zur Ordnung. Es ging nicht und es würde niemals gehen, so sehr ich es auch wünschte. Die Bande ließen es nicht zu.

    "Suchst du eben nach Minervina? Ich hole uns derweil zwei Schultertücher. Um die JUngs können sich heute einmal andere kümmern!"


    Ich wartete gar nicht erst auf eine Antwort und machte mich auf den Weg in mein Zimmer um eben jene besagten Dinge zu holen. Unten im Atrium trafen wir uns dann und machten uns auf den Weg.


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    Minervina, Pentesilea und ich waren nun also endlich angekommen. es war richtig gewesen für etwas wärmere Kleidung zu sorgen, denn der Wind blies uns recht kräftig um die Ohren. Ich schloss genießerisch die Augen, denn ich liebte diesen leicht salzigen Duft und die frische Brise. Das Gras bog sich ein wenig im Wind. Dämmrig war es noch lange nicht, würde es auf unserem Heimweg aber wohl werden. Ich fragte mich, wie es Metellus ging. Gestern war er abgereist. Na, ich beschloss mir keine größeren Gedanken darüber zu machen.


    "Und? Gefällt es dir?"


    wandte ich mich an die neben mir gehende Pentesilea, auch wenn ich etwas lauter sprechen musste, damit sie nicht nur Wortfetzen verstand.

    Es war schon beinahe abend, als ich in mein Officium zurückkehrte. Doch Marcus und ich hatten einiges besorgen können, was ich brauchte. Selbst Dekorationen. Sämtliche Dinge stapelten sich Nahe des Eingangs und nun, da wir fertig waren, verabschiedete ich ihn. Ich wollte in Ruhe mein Officium einrichten und das allein.


    Ich drapierte einige der Pflanzen auf den Regalen. Ebenso ein paar Statuen. Dies war ein ziemlich kostspieliger Tag gewesen, doch wenn ich hier fertig war, würde es sich gelohnt haben. Einige Schriftrollen, die manches Mal sündhaft teuer gewesen waren, stapelte ich in den Regalen. Ein paar Pergamentbögen legte ich auf meinen Tisch, die restlichen in meinen Schrank. Ebenso wie die Tinte. Ich hatte ein wenig auf Vorrat eingekauft. Das nächste Mal würde ich es aus der Kasse des Cultus Deorums zahlen, doch dieses Mal...


    Nach knapp einer halben Stunde war ich zufrieden und fertig. Ein wenig stolz sah ich mich um. Draußen war es bereits stockfinster und nur eine Öllampe spendete mir nun noch Licht. Am liebsten würde ich die Nacht hier verbringen, doch es half alles nichts. Nach diesem zermürbenden Tag freute ich mich nur noch auf mein Bett und ich machte mich auf den Weg nach Hause.

    "Dass du meine Freundin bist? Sicher weiß sie das! In ihren Augen bist du glaube ich etwas wie eine zweite Mutter, aber so liebevoll wie du dich um sie kümmerst ist das völlig natürlich!"


    Ich beobachtete sie. Es gefiel mir nicht, dass sie sich nun als eine Sklavin ansah, es war einfach nicht so. Es stand nur auf dem Papier, mein Herz sagte etwas anderes. Und sonst wusste ebenfalls niemand, beinahe niemand, dass sie eine Sklavin war.


    "Dann würde ich sagen, wir gehen am Meer entlang. Es ist zwar ein recht frischer Wind dort, doch außer ein paar Paaren werden dort nicht viele sein. Und die Luft ist unglaublich befreiend. Allerdings gehen wir nicht am Hafen entlang, dort ist gerade gegen Abend viel Betrieb. Was meinst du?"

    "So und nun werden wir spazieren gehen. Allerdings kann ich nicht solange. Allerdings können wir für deine Gesellschaft Minervina mtnehmen, falls du noch welche brauchst!"


    Ich lächelte.


    "Möchtest du gerne durch den Hafen? Ist dir der Markt lieber? Oder wollen wir ein wenig vor den Toren Tarracos spazierengehen?"

    Ich las ein paar Schriftrollen nach, doch es gab nicht viel nachzuholen. Entweder war hier wirklich nichts los gewesen oder man hatte sich nicht mehr darum geschert. Ich beschloss, regelmäßig Berichte am Ende einer Woche zu schreiben, wenn sich irgendetwas getan hatte. Da kam Marcus endlich wieder - mit einer Obstschale und einer kleinen Palme fürs Regal.


    "Das hätte nicht sein müssen!"


    zwinkerte ich ihm zu. Dann bat ich ihn an den Tisch und wir begannen gemeinsam zu speisen.


    "Wielange bist du schon dabei?"
    "Ich erst seit wenigen Wochen Herrin."
    "Helena, zumindest wenn wir allein sind! Und wie gefällt es dir?"
    "Bislang gab es immer sehr viel zu tun. Aber meist musste ich immer etwas sortieren, was zwar ganz nett aber sehr langweilig ist."
    "Ja das kann ich verstehen. Ich werde auch von Anfang an in meinen Aufgaben Ordnung halten. Dann erspare ich mir das."
    "Verzeih bitte."
    "Was denn?"
    "Na, dass der Raum noch nicht vor dem Einzug fertig war!"
    "Als ob du etwas von meinem Einzug hättest wissen können!"
    "Auch wahr. Bist du schon lange Priesterin hier? Ich habe dich noch nie gesehen."
    "Ja, schon seit einiger Zeit. Aber einige Monate war ich schwer krank weshalb du mich schlecht kennen kannst, da ich ausfiel. Damals war ich schon Pontifex. Bis heute hat Claudia meine Arbeit abgenommen. Ich schätze von nun an wird sie mir nur noch unter die Arme greifen und eher für die Ausbildung ihrer Schüler sorgen.
    "Sie ist sehr streng.. Ehrlich gesagt habe ich... einigen Respekt vor ihr."
    "Ja, das ist wahr. Zu mir war sie immer sehr erträglich, aber ich kenne einige die auch ihre andere Seite kennen. Im Grunde ist sie aber ein herzensguter Mensch. Glaube ich."


    Ich musste lachen. Fast alle ihr untergebenen Leute hatten Angst vor ihr. Ich mochte sie, aber auch mir war sie zu eitel. Sie bildete sich sehr viel auf ihren Stand ein und ließ es viele spüren - mich zum Glück nicht. Und diesen Marcus.. Ich mochte ihn, er war mir ziemlich sympathisch. Vorallem war ich ihm sehr dankbar dafür, dass er mir unter die Arme gegriffen hat. Als wir fertig gespeist hatten, machten wir uns auf dem Weg auf den Marktplatz - es gab noch einige Besorgungen zu machen.

    "Dann lasse ich dich jetzt auch nicht alleine!"


    Ich nickte verständnisvoll. Sie hätte mir auch jederzeit geholfen wenn ich ihre Hilfe gebraucht hätte und hatte es auch schon bewiesen.


    "Ich meinte nur, dass ich nicht jetzt sofort eine Entscheidung von dir erwarte sondern dir Zeit damit geben möchte."

    "Was für ein Aber? Wir entscheiden für uns selbst und niemand kann etwas sagen. Warum sollte man bei uns Misstrauen schöpfen?"


    ich flüsterte leis. Ich wusste nicht, warum ich meine Worte so wählte, ich tat es einfach. Ich wollte nicht unbedingt etwas Verbotenes tun, sei denn die Nähe zu ihm zu suchen war verboten. Ich wusste nicht, was meine Empfindungen bedeuteten doch für diesen Moment ließ ich sie einfach zu.

    "Das kommt gar nicht in Frage!"


    sagte ich bestimmt. Doch weitere Argumente die dagegen sprechen könnten fielen mir nicht ein. Und so beließ ich es einfach dabei, vielleicht würde er sich ja mit dem einfachen Wunsch dass er nicht 'irgendwo' schlafen musste, begnügen.


    "Wir werden uns schon irgendwie arrangieren."


    meinte ich abschließend zu dem Thema. Ich verstärkte meinen Griff an seiner Schulter ein wenig und lehnte meine Kopf an ihn.

    Ich legte theatralisch einen Arm und seinen Hals und murrend die Zügel in die andere Hand. Eine ungewöhnliche Art der Fortbewegung, den Mann den Pferden vorzuziehen. Ich küsste ihn auf die Wange und grinste kurz darauf wieder.


    "Sag wenn es dir zuviel wird. Mich strengt es ja schon an einfach nur die Arme hochzuhalten, wenn es zulange geht. Dann noch etwas dabei tragen..."


    Mein Blick ging von ihm zum Himmel. Er war so wunderschön. Und die Situation. Der Hain. Ach, an diesem Abend war alles wundervoll. Und vorallem er, womit ich nicht den Himmel meinte.

    Bei seinen Worten musste ich die Augen schließen. Ich spielte einen Schwindelanfall vor und gleichzeitig wurde mir tatsächlich komisch. Es war so ungewohnt und doch zugleich so schön.


    "Ich fürchte ich kann nicht selber laufen. Doch wie du mich dorthin führen möchtest überlasse ich dir, mein Lieber."


    Ich sprach in einem leidenen Tonfall und doch sah ich grinsend auf seinen Hals. Ich wich so seinem Blick aus, denn ich wollte mich nicht verraten.

    Dankbar nahm ich die Hand und während ich aufstand nahm ich noch gleich Metellus' Umgang mit um ihm diesen um die Schultern zu legen. Das erwies sich mit nur einer Hand als ziemlich schiwerig, doch ich schaffte es nachdem er mir gnädigerweise half.


    "Zu gütig!"


    Dann zog ich ihn hinter mir her, ich lachte. Mein Lachen klang mir selbst so weit fort und doch umgab mich ein Schleier der Glücklichkeit. Als wir bei den Pferden ankam machte ich die Andeutung meine Hand fortzuziehen. Ich erwartete und erhoffte Gegenwehr.. Um das Grinsen zu verbergen hatte ich mein Gesicht von ihm abgewandt.