Beiträge von Rediviva Helena

    "Eine ähnliche Befürchtung habe ich auch, Marcus. Ich denke auch, dass wir hier bleiben sollten. Uns wird schon niemand vermissen, denn du hast ja auch einen Zettel hinterlassen."


    Doch ich konnte das leichte Grinsen nicht verbergen, was auf meinem Gesicht lag. Aber auch 'nur so' klang sein Vorschlag vernünftig. Ich fühlte mich auch nicht mehr imstande den Weg zurückzureiten. Und die Aussicht die Nacht allein mit Metellus zu verbringen war nicht die schlechteste...


    "Entlässt du mich meiner Fesseln, damit ich dir folgen kann?"


    Ich hauchte ihm einen Kuss auf die Nase und sah zu ihm auf, nunmehr eher verlegen lächelnd als grinsend.

    Ich schloss bei seiner Berührung die Augen. Er war so sanft, es tat gut. Ich wusste, so schön durfte es sich nicht anfühlen, doch ich wehrte mich nicht gegen das schöne warme Gefühl, was in mein Herz strömte und welches von diesem in meinen ganzen Körper ausgesandt wurde und mir eine Gänsehaut verschafft.


    Doch ich erwiderte diese Berührung nach kurzer Zeit des Genusses und legte meine Hand ebenfalls auf seine Wange. Statt nun 'leblos' in seinen Armen zu liegen kuschelte ich mich noch ein wenig näher an ihn heran.

    Während Marcus unterwegs war, begann ich mich um nötige Informationen zu kümmern, die ich schon einmal in meinem Officium sammeln kann. Dazu gehörte eine Liste aller Priester in Hispania. Ich ging in mein ehemaliges Officium - Claudia war wohl gerade mit ihrer Schülerin unterwegs. Ich sammelte meine Unterlagen zusammen wie zum Beispiel die Liste der Priesterschaft Hispanias.

    "Ich folge dir nur freiwillig dorthin!"


    Ich strich kurz über seinen Arm. Ich hätte nicht Lust jetzt lachend fortzulaufen und einfach mit ihm herumzutollen. Doch ich wusste nicht, was er dachte und aus dieser Position kam ich ohnehin nicht so bald heraus. Zum Glück.

    Für die Ecken an der Decke brauchte ich die Hilfe von dem Sklaven, der mich vorhin angesprochen hatte, doch ansonsten hatte ich den Raum perfekt sauber bekommen. Bei dem Stuhl hatte sich tatsächlich Schaden herausgestelllt, auch wenn er nicht erheblich war. Gut, dass der Sklave gleich wieder kommen würde. Da kam mir eine Idee. Wenn Pentesilea bei mir bleiben würde und sie erst einmal frei war, vielleicht mochte sie ja hier ein wenig aushelfen. Ich würde bei Gelegenheit einmal mit ihr darüber sprechen.


    Da holte mich ein Klopfen aus meinen Gedanken. Mein Blick war irgendwo dort im Garten gewesen. Das Wetter war heute ziemlich trübe, auch wenn es nicht regnete. Man merkte, dass nun die kältere Zeit anbrechen würde. Ich drehte mich um.


    "Herein!"


    Und es trat der Sklave von vorhin ein, mit einer richtigen Kolonne hinter sich. Ich kratzte mich kurz am Hinterkopf. Terminlich war er ja gut dran aber...


    "Schnell komm und hilf mir den Tisch und die Stühle dort in die Ecke zu schieben!"


    Und nickte in eine Ecke. Es ging schnell gemeinsam und nun war den Mödelpackern genug Platz um alles irgendwo in den Raum zu stellen - wie ich sie angewiesen hatte. Als sie alle wieder draußen waren, ließ ich mich gegen die Wand sinken. Uff. Müde blickte ich auf die ganzen Möbel. Es waren beinahe zuviele, aber einen Verwendungszweck fand ich schon noch. Ich inspizierte sie und als ich damit fertig war, nickte ich. Ich war mehr als zufrieden.


    "Ich danke dir, besser hättest du es kaum treffen können. Ist Geld übrig geblieben? Behalte es als dein Lohn!"


    Ich hatte gesehen dass er mir gerade das Geld zurückgeben wollte, doch dann sah er mich verbüfft an und ich zwinkerte ihm zu.


    "Vielen Dank Herrin! Kann ich vielleicht noch etwas tun?"
    "Durchaus! Gleich müssen wir die Möbel erst einmal vernünftig verrücken. Bevor wir das tun könntest du allerdings dort die Staubmilden noch entfernen, ich bin zu klein und komme dort nicht an!"


    Ich sah sein Grinsen und erwiderte es. Dann kam er meiner Bitte nach und im Handumdrehen war der Raum - wirklich - sauber. Nun machten wir uns daran alles in vernünftige Positionen zu verschieben und es war fortgeschrittener Nachmittag als wir beide zufrieden unser Werk betrachten konnten.


    "Vielen Dank... Wie heißt du eigentlich?"
    "Marcus, Herrin."
    "Vielen Dank, Marcus."


    Ich musste bei der Aussprache seines Namens schmunzeln. Und mich an eine bestimmte Nacht mit 'meinem' Marcus... Cousin.. Bruder erinnern. Er war schon seit ein paar Tagen fort und ich hoffte sehr auf seine baldige Rückkehr. Obwohl ich das eigentlich nicht tun durfte.


    "Herrin?"


    holte er mich aus meinen Gedanken. Ich lächelte ihn an - was wollte er? Ach, Helena! Du bist schon wieder bei den falschen Gedanken. Ich nickte nur ehe ich sagte:


    "Ja, was gibt es denn?"
    "Kann ch noch etwas tun, oder...?"
    "Ja, hier hast du Geld! Kauf uns beiden ein paar schöne Dinge zu Essen auf dem Markt. Und vielleicht siehst du ja irgendwo noch eine schöne Obstschale die du mitbringen könntest. Für diese besorrge auch gleich Obst. Nachher machen wir dann gemeinsam noch ein paar Besorgungen!"


    Er nickte und als er endlich draußen war ließ ich mich auf meinen PLatz sinken und genoss die neue Ansicht meines Zimmers. Ich war überaus zufrieden. Nun noch ein paar Pflanzen, Bürosachen und vorallem Schriftrollen, Dinge über die Riten und derlei Dinge, dann war ich fertig.

    Ich hatte Claudia mein altes Officium überlassen. Sie brauchte ebenso wie ich eines hier in Tarraco und warum sollte sie dann wieder ihre ganzen Sachen umtransportieren? Genausogut konnte ich einfach einen anderen Raum beziehen. Ich hatte soeben das Schild draußen anbringen lassen und hatte nun die Tür hinter mir geschlossen. Viel gab der Raum wirklich noch nicht her, denn außer einem Stuhl und einem Schreibtisch befand sich hier nichts. Doch dafür war er sehr groß und hatte auch eine schöne Sicht auf den Garten.


    Ich ging auf den Tisch zu und strich mit dem Finger über diesen. Es war eine schreckliche Staubschicht darauf und ich pustete diese von meinem Finger. Da hörte ich ein Klopfen und einer der Tempelsklaven trat ein. Mír ging nur ein 'Fortuna sei Dank' durch den Kopf.



    "Pontifex, Herrin... Kann ich dir irgendwie helfen?"


    Er sah irgendwie nach ein bisschem schlechten Gewissen aus. Ich begann ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Mit einer ausladenden Geste zeigte ich durch den Raum, ehe ich weitersprach.


    "Auf jeden Fall. Du siehst, wie furchtbar es hier aussieht?"
    "Ja, es war eben niemand mehr hier drin."
    "Glaubst du wir können es gemeinsam bewältigen?"
    "Ja, was soll ich tun?"
    "Hm. Hier müssen auf jeden Fall ein paar Möbel rein. Was hältst du davon wenn du dich um einen schönen großen Schrank und ein paar Regale kümmrst? Ich benötige viel Stauhraum! Ach und eine schöne Truhe!"
    "Wielange habe ich Zeit dafür?"
    "Ich würde es begrüßen wenn bis zum MIttag alles bereit ist, oder zumindest der Großteil. Was mit auf die Liste sollte ist auch ein neuer Stuhl, für beide Seiten des Tisches."
    "Ja, Herrin. Ich werde mich unverzüglich darum kümmern."
    "Ach und... Bitte geschmackvoll!"


    Ich zwinkerte ihm zu, was er mir mit einem Lächeln quittierte und schon war er aus dem Raum verschwunden. Ich sah mich seufzend um und besorgte mir ein Staubtuch um mich an die Arbeit zu machen. Ich hätte es auch einem Sklaven auftragen können, doch ich wollte ihnen nicht alle Arbeit aufbürden, ich war stets dagegen gewesen und nun erforderte es auch mein Stand nicht mehr unbedingt.

    Wieder war mir etwas überrascht die Luft weggeblieben. Doch dann entspannte sich mein Gesichtsausdruck und ich lächelte leicht. Dann legte ich eine Hand auf seinen Arm und meinte, dieses Mal ruhiger und geflüstert:


    "Das ist ein schönes Ziel."


    Ich wunderte mich über mich selbst. Irgendwie schien es mich nicht zu bekümmern, dass er mein Cousin war. Ein klein wenig Spielerei war ja nun auch wirklich nicht schlimm. Andererseits.. war es nicht zumindest für mich schon ein wenig mehr?

    "Ach sieh an, zeigt sich da ein weiterer Streiter?"


    Ich musste kichern. Die Geschichte hatte ich schon oft gehört und der Name Helena klang bereits häufig in diesem Kontex in meinen Ohren. Und doch, langsam gefand ich Gefallen daran, wenngleich es mich früher unglaublich genervt hat.


    "Triumphator, wohin geht denn die Reise?"


    frozzelte ich grinsend.

    Ich war überrascht und mein Bauch zog sich kurz zusammen. Ich atmete kurz etwas schneller, was ich wie stets auf anderes schob: Der Überraschungsmoment. Doch dann konnte ich langsam wieder lächeln, auch wenn mein Herz etwas schneller schlug.


    "Soso! Deins.."


    Ich versuchte mich aus seiner Umklammerung zu lösen doch irgendwie wollte es mir nicht glücken. Frustriert gab ich nach ein paar Versuchen auf und meine Gegenwehr erschlaffte.


    "Hm ich fürchte du hast Recht.."


    meinte ich in neckischem Tonfall und mit einem breiten Grinsen auf den Lippen.

    "Wusste ich es doch!"


    Ich stupste ihm auf die Nase und musste grinsen. Unverhohlen Frech, versuchte mich zu täuschen damit ich mich ja um den ach so frierenden Metellus kümmerte. Das rief nach Rache. Ich rückte ein wenig nach hinten und entfernte mich gut ein paar Handbreit von ihm.

    Ich nickte leicht, wuste ich doch darauf nichts mehr zu antworten.


    "Ich verstehe. Ich hoffe du gewöhnst dich recht bald daran. Ich denke ich sollte dir ein wenig Zeit für dich geben, ehe wir weiterhin darüber sprechen, was nun geschieht. Ob du in meinen Diensten bleiben möchtest, in die Familie aufgenommen wirst, ganz selbstständig bist oder davonziehst um dein Volk zu suchen!"

    "Außer an deine Herkunft musst du dich an nichts anderes gewöhnen. Für dich bleibt alles wie es war. Für mich ändert sich nur, dass ich dir nichts mehr verschweigen muss und nicht vergessen darf, deine Freilassung zu verkünden!"


    Nickte ich nur leicht.

    Ich zog eine Augenbraue hoch und sah sie vorwurfsvoll an.


    "Wie oft soll ich denn noch sagen, dass ich nicht deine Herrin bin? Ich überlege es mir noch einmal, wenn du mich weiter so bezeichnest! Du bist meine Freundin und wenn du möchtest mein Dienstmädchen, aber keineswegs meine Sklavin! Du bist ein Mensch, kein Gegenstand und meine Freunde halte ich mir schon einmal gar nicht als Sklaven!"


    Ich zwinkerte ihr zu.

    "Man könnte bei verschiedenen Leuten nachfragen. Ich glaube es gibt ein Volk das so heißt, doch es ist schon solange her dass ich es gehört habe und auch nicht in einem besonderen Zusammenhang - ich bin mir nicht mehr sicher."


    Ich sah sie lächelnd an.

    "Eine Möglichkeit...?"


    wiederholte ich, ehe ich weitersprach.


    "Eine Möglichkeit herauszufinden, was es bedeutet? Oder eine Möglichkeit mich zu fragen? Natürlich! Irgendwie kriegen wir es raus! Um was handelt es sich denn?!"

    "Ich hoffe du hast ihm wirklich die nötige Ehrerbietung entgegen gebracht."


    Ich stand auf und ging kurz zu ihm hin. Sacht legte ich ihm eine Hand auf die Schulter.


    "Gib bitte gut auf dich acht."


    Ich liße meine Hand leicht heruntergleiten und drückte ihm meine Kette in die Hand. Sie war einfach und an ihr war ein Stein gebunden, ein durchsichtiger, leicht violetter. Ich hatte sie mir vor wenigen Momenten unaufällig abgemacht. Dann drehte ich mich weg und verschwand aus dem Garten. Damals hatte ich ein ungutes Gefühl gehabt als Maximus fortzog und scheinbar hatte es sich bestätigt. Ich musste bei der Opferung einen Fehler gemacht haben.


    Ich eilte auf mein Cubiculum zu.

    Ich hatte sein Seufzen gehört und überlegte einen kurzen Augenblick, warum er geseufzt haben könnte? Es klang gar nicht mehr nach einem Frieren, eher nach Glück.


    "Metellus?"


    Das Grinsen auf meinen Lippen war unverhohlen und die Frage leise gestellt. Aber in meiner Stimme war der Schalk gut zu hören.

    Ich sah wieder weg. Ich verstand nicht warum er grinste. 'Helena' rief ich mich zur Ordnung. 'Er passt schon auf sich auf'. Aber hatte ich das damals nicht auch bei Maximus angenommen? Er ist auch nie wieder gekehrt. Auch wenn dies natürlich eine völlig andere Situation war.


    "Ist gut. Ich kann nur wirklich hoffen dass du gut auf dich achtest!"

    Ich sah ihn ein wenig überrascht an, doch dann legte ich mich wieder auf die Seite, meinen Arm sanft um ihn gelegt. Langsam wich die absolute Besorgnis einem Lächeln.


    "Was ist denn los mit dir..?"


    Vermutlich war er äußerst müde. Als er sich so an mich gekuschelt hatte, war ein warmes Ziehen durch meinen Bauch gegangen. Oder ein zumindest warmes im Gegensatz zu dem kalten Schauer über meinem Rücken. Ich strich ihm sacht durchs Haar, wie schon vor wenigen Stunden.