Beiträge von Rediviva Helena

    Sie steckte vorsichtig zuerst den Kopf herein und als sie Agrippa bei Valeria sah, musste sie unweigerlich an Metellus denken. Gut, dass sie ihn gelassen hatte, wo er war. Sie lächelte.


    "Da habe ich doch glatt einmal euch beide erwischt!"


    Sie schloss die Tür hinter sich und ging auf Valeria zu.


    "Ich nehme an du bist Valeria?"

    Sie sah verwirrt zu ihm hinunter, ihre Hand ruhte in seinem Haar.


    "Was spricht denn gegen einen Spaziergang? Wenn du mir noch ein Stündchen gibst, kann ich gewiss wieder normal laufen. Und frische Luft tut doch immer gut! Du hast doch nicht etwa Angst mit mir gesehen zu werden, oder?"


    Sie verstand wirklich nicht, was so schlimm sein konnte.


    "Naja, aber erfasst hast du es! Das letzte Mal als ich gelacht habe ist bestimmt ein Jahr her. Zumindest ein ehrliches Lachen. Und das hast du noch geschafft, bevor ich den ersten Wein trank!"


    Ein warmes Lächeln trat in Helenas Gesicht. Es stimmte. Gelächelt hatte sie auch schon länger, doch es war stets das eher pflichtbewusstere Lächeln.

    „Für Patrizierinnen vielleicht. Ich bin aber eine Plebejerin und ich habe nicht vor an alten Gewohnheiten festzuhalten, die ich ohnehin nie sonderlich mochte. Ich hatte damals eine Erzieherin meines eigenen Alters im Rücken sitzen, die versucht hat mich zu zähmen. Jetzt habe ich vor wieder soweit zu verwildern wie damals in der Octavia!“


    Ich zwinkerte ihm zu. Meine ‚Erzieherin’, Claudia, mochte ich noch immer. Sie war halt eine richtige Patrizierin und von plebejischem Standpunkt aus unerträglich, aber so mochte ich sie dennoch unheimlich gern. Gedankenverloren strich ich ihm sacht durchs Haar und besah die Wand.


    „Sei denn, ich störe. Unter diesen Umständen würde ich selbstverständlich gehen.“


    Murmelte ich und sah, wie aus Gedanken aufschreckend, wieder zu ihm.

    „Ich glaube kaum, dass meine Eltern etwas derartiges im Sinn gehabt haben, als sie mir diesen Namen gaben. Aber ich danke dir.“


    Ich hob grinsend eine Augenbraue und wandte mich wieder einem Sitzplatz zu und ließ mich darauf fallen. Stehen konnte und wollte ich beileibe nicht mehr.


    „Für dein Kompliment wie vor allem für deine Hilfe. Ach und auch für die Tunika.“


    Ich strich – wie immer – die Tunika auf meinem Schoß glatt.


    „Erinnerst du dich eigentlich an Sinona? Ich weiß nicht, wann sie in die Matinia gekommen ist, sie war auch einmal eine – allerdings adoptierte – Tochter von Agrippa. Damals ist sie ja verschwunden und genau der Pirat dem ich begegnet bin war auch ihr Entführer! Da hat ein Zufall den nächsten gejagt. Ja, das war schon...“


    Ich grinste verlegen. Ich musste ganz schön nerven. Seltsam. Der Wein löste die Zunge und ließ sie doch auch wieder so schwer werden...

    „Ach du bist wieder komisch“


    Ich zog eine Grimasse, doch er schien in dem kurzen Moment weniger auf mein Gesicht zu achten. Ich hob eine Braue an. Vermutlich würde ich das ganze noch amüsierender finden, wenn ich nicht getrunken hätte. So wie ich mich hier anstellte... Da wurde mir die ganze Situation wieder voll bewusst, doch Metellus war schneller als ich. Ich drehte ihm so schnell es ging den Rücken zu und verschränkte mit einem fast entsetzten Blick und errötenden Wangen meine Arme vor dem entblößten Körper. Verdammt! Da unten lag auch die gesuchte Tunika. Ich beugte mich und riss sie schnell hoch. Beinahe wäre ich wieder umgekippt. Dass ich so verlegen war, änderte leider nichts an meinem Befinden. Mühselig mümmelte ich mich in die Tunika ein und hätte mich am liebsten nach hinten fallen lassen. Als ich mich wieder zu Metellus drehte, hoffte ich sehr, dass die Röte aus meinem Gesicht gewichen war.


    „Tut mir leid...“


    murmelte ich, doch das nächste Grinsen war nicht weit....

    Ich achtete gar nicht weiter auf ihn, was mir eigentlich besonders ähnlich sah. Ich ließ die Tunika zu Boden gleiten und griff ein paar Mal in die Luft, als ich die Tunika suchte, die da doch irgendwo sein musste. Doch ich fand sie nicht. In diesem Moment begann ich mich zu fragen, warum ich mich nicht zu ihm umdrehte: schließlich zog er sich nicht um. Und er sah doch wohl weg. Schwankend und mich noch immer an seiner Schulter stützend wandte ich mich ihm zu und schnappte mir die Tunika. Doch das waren zu viele Anstrengungen auf einmal und ich kippte, musste mich an ihm festhalten. Wo war denn nur die Tunika hin? Irritiert sah ich mich um. ‚Mensch Helena, du trinkst nie wieder’ fuhr es mir durch den Kopf. Es geht wirklich jedes Mal daneben.

    „Ich bin so einiges gewohnt! Stell dir vor, was mir vor ein paar Jahren passiert ist. Naja, vor einigen Jahren. Mein Bruder war schwer verletzt und er wurde verfolgt. Ich weiß, es ist nicht in Ordnung gegen die Cohortes Urbanae zu arbeiten, aber unwissend habe ich ihn damals auf einem Schiff versteckt. Naja. Und kaum dass ich das Schiff betreten hatte, löste doch glatt dieser Vibullius die Leinen! Da trieb ich dann mit wildfremden und meinem schwerverletzten Bruder hinaus in die See. Hätte ich ihn noch einmal gesehen hätte ich ihm den Hals umgedreht. Eine solche Frechheit. Na, aber er schien nicht gewusst zu haben, dass ich auch auf dem Schiff war. Das allerschlimmste geschah aber danach: Wir wurden von so einem komischen Piraten angegriffen. Der wirkte ziemlich neben sich. War ich froh, als uns dann endlich von der Classis geholfen wurde. Du kannst dir gar nicht vorstellen, was für Ängste ich vor allem um Achilles ausgestanden habe!“


    plapperte ich vor mich her, während ich aufgestanden war. Würde er nicht auf eine Reaktion von mir warten, hätte ich noch von Sinonas Wiederkehr und allem erzählt, doch das ließ ich unter diesen Umständen. Sonst redete ich ihn noch gegen die Wand.


    „Gerne. Ich wüsste nur nicht wie du mir helfen könntest. Vielleicht stützen?“


    Ich überlegte ernsthaft. Eine Tunika anzulegen war ja nun wirklich nicht schwer, doch ich merkte wie sich der Boden unter meinen Füßen wieder bewegen wollte und griff mit einem entschuldigenden Lächeln nach ihm um Halt zu haben. Ich löste den Knoten des Gürtels um meinen Bauch, wartend, dass er sich wegdrehte..

    "Bei den Göttern, du willst mich umbringen, nicht wahr?"


    Ich sah ihn mit einem resignierten Grinsen an. Nicht noch mehr Wein. Doch dann musste ich lachen. Was meine Kleidung anging hatte er wahrscheinlich Recht. Ich konnte es selber nicht gut leiden, wenn ich so herumlief.


    "Ich bin gleich wieder da, denn ich glaube kaum dass du eine Tunika für mich hast, oder? Aber ich komme wieder, auch wenns ein wenig länger als normal brauchen wird. In Ordnung? Ich will doch ein anständiges Publikum sein, denn abenteuerliche Reisen bekommt man nur selten zu hören."


    Ich zwinkerte ihm zu und stützte mich am Bett ab. Als ich versuchte aufzustehen drehte sich einen Moment alles und ich sackte wieder zurück.


    “Hmm... Vielleicht hast du doch eine Tunika für mich?”


    Es ärgerte mich, doch ich konnte wirklich kaum stehen und allein schaffte ich es niemals in mein Cubiculum. Das hatte ich davon wenn ich helfen wollte. Genau wie damals mit meinem Bruder. Da hatte dieser Vibullius doch glatt... Argh. Ich schaffte es immer wieder. Nun hatte er sein Ziel erreicht. Mein Blick war eine Mischung aus reiner Zynik, Vorwurf und entschuldigendem Grinsen.

    Ich sah ihn mit einem gespielt ungläubigen Blick an. Hatte ich da grade richtig gehört, oder gaukelte mir der Alkohol etwas vor? Hm, er schien mich doch etwas schnell ‚aufgegeben’ zu haben. Mochte ich vielleicht schon äußerst lustig sein, bei Verstand war ich noch. Er schien anderer Meinung zu sein. Nun, sollte er ruhig.


    „Naja, für gewöhnlich passiert mir das nicht. Wenn man allerdings versucht den Intrigen von jemand anderem zu entgehen, kann man schnell mal in die Grube fallen. Ich habe ganz klar gesehen, dass du die Krüge ausgetauscht hast! Auch wenn du meinst, es nicht getan zu haben. Vermutlich hast du es schon wieder vergessen, aber bei nahezu zwei Amphoren verwundert mich das gar nicht. Ich frage mich immer wieder, wie man soviel trinken kann. Ich finde es einfach unglaublich. Und dann auch noch mir einzureden versuchen, dass ich nicht mehr weiß was ich tue!“


    Ich bemerkte gar nicht, dass ich begann zu schwafeln und mich mehrmals wiederhole. Ich setzte mich wieder auf. Zum Glück war der Weinbecher bereits leer, auch wenn ich es wahrscheinlich nicht bemerkt hätte, wenn er noch voll wäre. Ich setzt mich wieder zu ihm und strich meine Tunika glatt. Mein Blick blieb ein wenig missbilligend an dem Fleck hängen.


    “Vermutlich hast du damals in Achaia geübt. Anders... Erzähle mir doch ein wenig, was du so getrieben hast. Hast sicherlich allerhand interessante Sachen zu erzählen!“


    Daraus würde ich mehrere Vorteile ziehen: Ich würde nicht mehr sprechen müssen und mich nicht in die Gefahr bringen, zu lallen. Ich war erstaunt, aber auch froh, dass ich nach dem Wein noch recht gut bei Sinnen war. Außerdem würde er auch endlich auf andere Gedanken kommen, als zu versuchen mir noch mehr Wein einzuflößen...

    Ich schüttelte grinsend den Kopf. Er wusste ganz genau, dass ich wusste... Ich beendete diesen Gedankengang doch besser schnell. In diesem Moment war er zu verwirrend. Vielleicht ahnte er es ja doch nicht, dass ich hinter seinen Plan gekommen war. Sonst hätte er mich gar nicht so hinters Licht führen können. Etwas hilflos sah ich in meinen Becher und dann wieder zu ihm.


    „Hast du wenigstens einen Schluck Wasser darin gelassen?“


    murmelte ich, während ich mich mühsam nach hinten schob. Ich schrak auf als ich die Wand hinter mir bemerkte, ich hatte nicht mit Widerstand gerechnet. Als ich allerdings sah, wer mich da ‚angerempelt’ hatte, grinste ich nur wieder. Hoffentlich hatte Metellus nichts bemerkt. Ich setzte den Becher wieder an und dieses Mal ging das Trinken doch bedeutend leichter und auch schneller als der erste Becher... Ob es daran lag, dass er verdünnt war? Vermutlich, anders hätte ich es mir nicht erklären können. Dass es daran lag, dass ich schon recht angeheitert war, konnte ich doch nicht ahnen.


    ”Naja, ich wollte dich ja morgen mit den Göttern versöhnen, aber offiziell bin ich ja noch nicht wieder im Amt, also ist morgen nichts besonders.. Warum fragst du?


    Ich sah ihn fragend an, auch wenn ich mir diese Frage hätte schenken können. Nur war ich nicht mehr auf der Höhe, dass ich die Ironie in seiner Frage verstanden hätte.

    Ich musste nun doch unweigerlich über meine tollpatschige Aktion kichern. Das war ja nun wieder wie immer. Ich trete immer notorisch in alle Fettnäpfchen die sich auf meinem Weg zeigen. Doch als er sagte, dass er mir helfen würde, blieb ich brav sitzen und unterdrückte nur mit großer Mühe ein Lachen.


    „Lass nur, ist nicht schlimm.“


    Ich zwinkerte ihm zu und wäre beinahe nach hinten weggefallen, als ich mich entziehen wollte. Gerade so eben konnte ich mich mit meiner freien Hand noch abstützen.


    „Naja, ich schätze doch dass du vielleicht Recht hast. Also... Können ja Becher tauschen, was meinst du? Ich habe mir ja scheinbar Wasser eingegossen und da du die andere Kanne benutzt hat, wird da dann wohl der Wein drin gewesen sein...“


    Ich grinste ihn an. Dieses Mal ‚entwischte’ er mir nicht. Schon gar nicht durch eigenes Verschulden.

    Doch ich bemerkte das Austauschen. Das würde ich mir merken. Ich würde ihm das heimzahlen. Noch spielte ich ahnungslos. Ich musste ein paar Mal die Augen zusammenkneifen, da sich meine Sicht ein wenig verschlechterte. Meine Augen blinzelten abenteuerlustig und ich griff mir den Krug mit dem Wasser.


    “Was dagegen wenn ich mir noch ein wenig nachschenke?“


    Ich tat als wäre dies der Weinkrug und wartete nicht lang auf eine Antwort. Dummerweise hatte ich ganz vergessen, dass er bereits nachgeschenkt hatte. Ich bemerkte es in dem Moment, als ein wenig des nun verdünnten Weines über den Becherrand rann. Ich starrte mit zunehmend verärgerten Blick auf das Dilemma. Jetzt hatte ich mich doch glatt selbst in eine Falle gelockt. Ich sah aus den Augenwinkeln zu Metellus, um zu schauen ob er etwas bemerkte...

    Ich blinzelte ein paar Mal und sah ihn verwirrt an.


    „Betrunken? Nein, noch lange nicht...“


    murmelte ich. Das noch lange nicht, war aber nur deshalb wahr, weil ich notfalls ‚Nein Danke’ sagen würde. Würde ich nach Gutdünken weiter trinken, wäre es wohl nach spätestens zwei weiteren Bechern so weit. Ich hatte auf den Boden gesehen und erst jetzt fiel mir auf, dass er mir die Kanne anbot. Das schien ihm Spaß zu machen. Na, das würde Rache geben! Ich grinste und nahm den Becher entgegen.


    “Ich glaube kaum, dass der so anders schmecken wird, aber dir zuliebe probiere ich doch gerne noch einmal davon...“


    Ich setzte den Becher an und begann zu grübeln. Ich würde nicht mehr viel trinken, sonst würde ich keine Rache üben können. Doch was konnte ich denn tun? Wie immer würde mir erst etwas einfallen, wenn der Moment schon lange vertan war. Ich seufzte und realisierte erst gar nicht, dass ich doch schon wieder trank...

    Ich sah ihn beinahe entsetzt an, doch ich widersprach nicht. Er meinte doch nicht, alles auf einmal ‚leer’ trinken, oder? Ich sah in den Becher und sah dann zu ihm. Dann jedoch murmelte ich ebenfalls ein ‚Zum Wohl’ und trank. Da ich seiner womöglichen Bitte nachkommen wollte, trank ich alles in einigen Zügen aus, auch wenn mir beinahe übel wurde. Ich beschloss, nichts von meinem Fernhandel zu berichten. Nicht davon, dass ich Falernen importierte...


    Hustend und erleichtert, dass der Becher endlich leer war, setzte ich ihn ab und kniff meine Augen zusammen. Ich sah zu ihm. Ich wusste einen Moment nicht so recht, was ich sagen sollte. Doch dann murmelte ich grinsend:


    „Na? Zufrieden?“


    Und reichte ihm den Becher. Ich spürte deutlich die Wirkung des Weines. Schon jetzt. Ich fühlte mich leicht benebelt, aber das lag wohl auch an meinem nüchternen Magen. Meine Wangen glühten, so fühlte es sich zumindest an.


    „Jetzt müsste ja alles gut gehen!“


    stellte ich zwinkernd fest. Doch ich bemerkte bereits, dass meine Zunge ein wenig schwerer wurde. Auch wenn man es noch nicht hörte. Dass Wein aber auch immer so früh und so stark bei mir anschlagen musste...

    Ich musste nun doch grinsen und hob zynischen Blickes eine Augenbraue. Meine Stimme troff nur so von Ironie.


    „Herr, du wirst doch nicht etwa ein armes Mädchen wie mich zum Trinken zwingen?“


    Innerlich musste ich jedoch sehr laut seufzen, auch wenn meine Ironie mir ein Zwinkern zu dem Grinsen abverlangte. ‚Gefügig’ trank ich ihm zuliebe also den Becher bis etwas über die Hälfte aus und hielt ihm diesen mit einem hoffnungsvollen Lächeln hin.


    „Reicht das?“

    Ich sah betrübt in den vollen Becher – dann also nicht. Dann würde ich allerdings äußerst langsam trinken und warten, bis er gar nicht bemerkte ob ich trank oder nicht. Ich mochte Wein zwar sehr gern, vertrug aber fast nichts.


    „Du klingst irgendwie zynisch, aber das bilde ich mir wohl nur ein.“


    Ich zwinkerte abermals und setzte den Becher an um einen Schluck zu trinken. Ich setzte ihn allerdings nicht ab und tat als würde ich etwas länger trinken. Aus den Augenwinkeln beobachtete ich ihn. Dann stellte ich den Becher wieder ab. Der Wein rann mir verdammt warm die Kehle runter. Ich wandte mich ihm nun wieder ganz zu.


    „Hast du mittlerweile mit Agrippa gesprochen, was du nun vorhast?“


    Ich versuchte das Gespräch in eine andere Richtung als Verlobte zu lenken...

    Ich hob bei seinen Worten eine Braue.


    “Nein, ich halte dich eben nicht für einen Egoisten. Ich halte dich eher für ziemlich besorgt, wie du selbst es ja auch sagst. Auch wenn ich deine Mittel ziemlich extrem finde. Möchtest du sie nicht erst einmal selbst kennen lernen, bevor du sie beschatten lässt? Vielleicht tust du ihr Unrecht...“


    Oh ich konnte ihn sogar sehr gut verstehen. Ich hatte meine Mutter nie gekannt, sie starb bei meiner Geburt. Ich hatte stets nur Vater und Onkel gehabt, die mich aufgezogen haben. Umso schlimmer war es für mich, als diese Aurelia Lucia auftrat, die ich allerdings sehr nett fand. Doch erst heute.


    „Ich glaube dir.“


    Fügte ich also nur leise und ein wenig nachdenklich an und legte meine Hand mit einem aufmunternden Lächeln auf die Seine.

    Ich betrachtete ihn und wusste nicht recht ob Grinsen oder Lächeln. So entschied ich mich zu einem warmen Lächeln, wobei jedoch die Mundwinkel manches Mal verdächtig zuckten.


    „Nein, kein Wein. Wasser.“


    Ich schenkte uns beiden von seinem Wein ein, jedoch bei mir bewusst etwas weniger. Doch ich hatte die dumme Befürchtung, dass er nicht mit verdünnen einverstanden war. Na, probieren würde nicht schaden...


    Hm, nein. Heute habe ich jedenfalls nichts besseres zu tun. Und dass sie mit dir Späßchen treiben glaube ich nicht. Aber das werden wir dann morgen sehen. Ich wollte dir noch einen kleinen Rat geben: Bevor du deine Sorgen in Wein ertrinkst... Denke daran dass genau das auch dein Vater tut.


    Ich zwinkerte ihm fröhlich zu.

    Erst einmal aus dem Zimmer lehnte ich mich an die Wand und atmete tief durch. Sicherlich würde er nicht schlafen. Schnell eilte ich los um aus der Küche zwei Becher zu besorgen. Doch allerdings hielt mich eine Bedienstete auf, die noch recht neu war und sich nicht auskannte. Ich half ihr die Gewürze zu finden – über diesen kurzen Stop freute ich mich, da es mir ein wenig davor graute, gleich zu trinken. Was tat man nicht alles für die liebe Seelenruhe der Verwandten.


    Langsam öffnete ich mit den beiden Bechern die Tür und sah Metellus brav da warten, wo ich ihn abgesetzt hatte. Allerdings nicht schlafend. Doch anmerken ließ ich mir nichts und ich setzte mich neben ihn.


    „So, da bin ich wieder. Tut mir leid, dass es solange gedauert hat.“


    Ich lächelte ihn an und reichte ihm einen Becher. Allerdings hatte ich auch eine Kanne mit Wasser mitgebracht, damit ich notfalls ausweichen konnte.