Beiträge von Rediviva Helena

    Ungläubig lauschte ich seinen Worten und war jeder Antwort verlegen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Doch eines wusste ich: Nach diesen Worten würde ich ihn nicht einfach gehen lassen.


    Konnte ich ihm böse sein? Ich wusste es nicht. Ich müsste es eigentlich und doch verspürte ich keinen Zorn. Ich hatte Fragen, viele Gedanken quälten mich. Er sprach von Vitamalacus und Nova. Leise brachte ich hervor:


    "Inzest wird in keiner Region die ich kenne gestattet... Und er wurde als Sohn eines Tiberia adoptiert und hat sich auch als ein solcher zu benehmen...!"


    Ich sah ihm hinterher und... ich folgte ihm. Wollte reden. Ich hatte mein eigenes Bild von allem - oder hatte ich gerade dieses nicht? Als ich zu ihm aufschloss hielt ich ihn fest:


    "Wie meinst du das mit der Hochzeit zwischen mir und meinem Gemahl? Von was für Problemen sprichst du?"


    Und noch während ich sprach begann ich zu verstehen, dass er die Sache mit dem Verweigern auf Nova und Quintus bezog. Fragte jemand nach mir? Ich wurde zornig, doch unterdrückte den Zorn. Noch war nicht die Zeit meinen Emotionen freien Lauf zu lassen. All meinen Gedanken... Nein, was ich dachte und was ich fühlte schien jedem egal zu sein.

    Ich überlegte - wie genau sollte ich es beschreiben...


    "Es gibt einige Collegien, doch um die wichtigsten aufzuzählen: Die Quindecemviri, Septemviri, Haruspicii und die Auguren... Die Quindecimvirii sind zum Beispiel für fremde Kulte zuständig, die Septemviri übernehmen administrative Aufgaben und sorgen für die Spiele... "


    Ich brach ab und sah ihn an.


    "Aber sag doch einmal völlig unabhängig von den Collegien: Was erhoffst du dir für die Zukunft, wie stellst du dir deine späteren Aufgaben vor?"

    Nervös und doch nicht so ganz nervös wie bei meiner ersten Rede schritt ich die Rostra hinauf und sah auf die Menge hinab. Ich munterte mich mit den Gedanken an meine öffentlichen Opferungen auf, an all die anderen Reden und begann:


    "Salvete Bürger!


    Wieder stehe ich hier vor euch, dieses Mal erbitte ich eure Stimmen für das Amt des Aedilis Curules! Damals habt ihr mich in das Amt eines Quaestors gewählt und damals habe ich die Arbeit meiner Vorgänger um ein ganzes Stück vorangetrieben, welche von meiner Nachfolgerin Tiberia Livia vollendet wurde. Doch dies gehört der Vergangenheit an und ich möchte beginnen über die Zukunft zu sprechen.


    Ihr alle wisst, dass die Aufgaben eines Aedilen unter anderem darin bestehen, dass er den Markt überwacht wie auch die Aquädukte, Thermen, das Bauwesen und den Verkehr. Der Aedil sorgt für die Tempel und ist für die großen, rauschenden Feste Roms zuständig. Und genau diese Aufgaben möchte ich – mit eurer Zustimmung – nach bestem Gewissen erfüllen! Um euch zu erfreuen! Um die Götter zu erfreuen!


    Ich habe bereits Termine herausgesucht… Ich habe vor mich um die Ludi Romanii zu kümmern, die seit mehr als 400 Jahren von den Aedilien organisiert werden und ein traditionelles Fest sind. Doch ich werde dies steigern und mich auch um die kleineren Festlichkeiten kümmern wie die Neptunalia im Juli, sollte meine Amtszeit gut beginnen. Ansonsten würde ich mich um die Vulcanalien kümmern. Als nächste größere Festlichkeit ständen die Ludi Consualia an.


    Somit habe ich euch hoffentlich einen Teil meiner Pläne darstellen können. Die Dinge von denen ich bereits vorhin sprach, brauche ich nicht weiter darzustellen, da ich sie als selbstverständlich erachte. Und solltet ihr mir eure Stimmen schenken, werde ich diese Versprechen einhalten. Und nun stellt eure Fragen, Bürger!"


    Als ich geendet hatte sah ich ewartungsvoll in die Menge.

    Ich sah ihn überrascht an, war ziemlich perplex ob seines Vorschlags. War es ernst gemeint?


    "Ich... Nun... Es wäre durchaus eine sehr schöne Sache... doch..."


    Ich atmete einmal kurz durch und sammelte mich.


    "Ein Tempel der Iuno, die ja sehr wichtig für das ländliche Hispania ist, wäre zum Beispiel wäre eine schöne Sache, wenn dies dein Ernst war. Es würde die Götter sicherlich sehr freuen. Doch müsste ich mich zuvor mit dem ehrenwerten Collegium absprechen, bzw mit dem Rex Sacrorum..."


    Ich hatte mich wieder fassen können und lächelte glücklich.


    "Aber sprechen wir darüber ein andern Mal, mir wäre es lieber zum privaten überzugehen...!"


    zwinkerte ich zurück.

    Ich nickte. Wie könnte ich das regeln?


    "Ehrlich gesagt ist es mir bei dem Gedanken ein wenig mulmig, dass ein Discipulus allein zuständig sein soll. Doch einen Marspriester für diese Zeit auszuwählen, liegt nicht in meinem Ermessen sondern in dem des Collegium Pontificium. Ich könnte lediglich einen Vorschlag vorbringen! Mehr?"


    Ich deutete kurz auf die Kanne.

    Ich blieb nun stehen, würde keine Angst mehr zeigen. Scheinbar wusste er, mit wem er sich da anlegte und sollte er sich zuviel herausnehmen würde er auch sicherlich wissen, was ihn erwartete.


    "Nennst du meinen Gemahl abermals einen Narren, werde ich für sehr, sehr schwere Konsequenzen an deiner Person sorgen. Er zieht im Namen des Kaisers in die Schlacht und so gehört es sich! Er tut das, was die Pflicht eines römischen Mannes ist!"


    Und weiter würde ich ihn nicht rechtfertigen. Ich wusste, so war es richtig, wie Maximus es getan hatte. Und doch säten die Worte des Crassus Zweifel in meinem Herzen. Ja, ich war allein...

    Ich sah ihn erschrocken an.


    "Oh, das tut mir leid..."


    ich druckste etwas während ich mich des liebenswerten, älteren Mannes entsann.


    "Richte ihm meine Besserungswünsche aus, wenn du ihn siehst..."


    Mein Redeschwall wurde immer weniger, denn auch mein Vater war zusammengebrochen als er starb. Ich biss mir auf die Lippen und versuchte einen Anfang zu finden.


    "Ich halte Valerius Victor für fähig genug, dass er es zu einem guten Sacerdos schafft!"

    "Es sieht eher so aus, als ob es zuwenig Personal für die Gebäude gibt. Ich weiß nicht genau was mit dem Sacerdos Martialis ist, doch auch für den Marstempel gibt es einen Disicpulus, den meine Schwägerin ausbildet, damit er später an Proximus Seite stehen wird! Weißt du was mit ihm ist?"

    Ich sah ihm in die Augen - was war das? Ich legte meine Hand auf seine Brust und schob ihn sacht von mir. Ich war ziemlich verwirrt. Komplimente war ich gewohnt, doch...


    "Crassus. Falls du dir erhoffst dadurch in meiner Gunst zu steigen muss ich dich leider enttäuschen. Ich hoffe du weißt, dass ich standesmäßig weit über dir stehe. Und ich hoffe du weißt, dass ich ebenfalls ein sehr hohes Amt bekleide und verheiratet bin! Ehrbar!"


    Ich tat unsicher einen Schritt zurück. Er war so selbstsicher und seine Worte so charmant - übertrieben charmant. Ich wollte keine Unsicherheit zeigen, da ich Matrone war und doch gab mir sein ungestümes Verhalten ein Angstgefühl.

    Freudig überrascht war ich doch.


    "Es könnte besser kaum sein. Der Tempelbezirk könnte vielleicht ein wenig mehr Tempel nachweisen doch das ist bereits in Planung. Kehrt mein Gemahl siegreich zurück hat er der Minerva einen Temoel versprochen. Was die Priesterschaft angeht könnte es kaum besser sein. Sie sind alle sehr zuverlässig, flexibel und offenherzig. Sie alle machen es mir sehr leicht!"


    Lächelnd trank ich noch einen Schluck ab.


    "Gab es etwas bestimmtes was es zu erfahren gilt? Oder diente diese Frage nur zur Erkundigung ob etwas fehlt?"

    Verblüfft sah ich ihn an, doch dann erhob auch ich meinen Becher.


    "Ja, auf dass wir beide gewinnen und eine gute Zusammenarbeit haben!"


    Lächelnd stieß ich meinen Becher gegen den Seinen und tat zwei Züge daraus.


    "Doch ich denke bevor wir uns weiter den privaten Dingen widmen... Du hast dich an den Pontifex gewandt. Kommen wir erst zum sachlichen, danach können wir noch über anderes plaudern!"


    Ich sah ihn neugierig an.

    Mit einem freundlich - sarkastischem Lächeln griff ich die Schale und stellte sie wieder auf ihren Platz. Dann antwortete ich mit ebensolcher Stimme:


    "Das ist sehr freundlich von dir, Crassus, doch die Schale stand schon immer hier, stammt sie doch von der Mitgift meines Vaters..."


    'Mitgift' war das faslche Wort doch in diesem Falle durchaus angebracht.


    "Und ja, ich bin Helena. Bist du dir sicher, dass du mir gerade die Wahrheit gesagt hast? Ich hoffe doch sehr, dass du mich nicht belügst..."

    Eine Augenbraue fand neugierig den Weg nach oben während ich ihn musterte. Soso, die 'Damen', nicht die 'Dame'.


    "Nein du langweilst mich keineswegs, da ich sehr gern zuhöre. Doch ich vermute ich langweile dich, denn ich kann da nicht wirklich mitreden."


    Ich nippte vom Wein.


    "Aber um zu deiner Frage zu kommen... Von mir gibt es einiges neues. Auch von der Gens Tiberia, sie scheint wieder zusammenzuwachsen und alte Verluste wett zu machen. Desweiteren werde ich zum Aedilis Curules kandidieren. Ich vermute du wirst auch weitermachen?"


    Ich musterte genau sein Gesicht, befürchtete allerdings etwas zu aufdringlich dreinzuschauen. Kein Wunder, dass er von 'Damen' sprach.

    Ein leises Lachen kam über meine Lippen und ich schüttelte leicht den Kopf.


    "Ja, allerdings sehr naseweise Fragen! Decimus Proximus, so scheint es mir zumindest, sollte auf die Worte meiner Sklaven verlass sein!"


    Ich schenkte uns höchstpersönlich vom Wein ein, wonach ich mich neben ihn setzte. Dann begann ich von dem Wein zu kosten und staunte abermals wie köstlich er doch war. Ich entsann mich des weiteren Kompliments und überlegte, wie ich zurückschlagen konnte...


    "Doch sag, du bist doch sicherlich auch noch heiß umworben, schätze ich? Legat, erfolgreich im Cursus Honorum und zudem gutaussehend..."

    Ich ging durchs Haus, war gedankenversunken. Da plötzlich sah ich den Klientel von Vitamalacus und ging auf ihn zu, wohl merkend dass er scheinbar einen Diebstahl im Sinn hatte. Lautlos gegangen stand ich hinter ihm.


    "Salve!"


    sprach ich mit bestimmten Tonfall.

    Ich legte den Kopf ein wenig schief und grinste ebenfalls.


    "Da gibt es durchaus so einige Verehrer und wie mir zugetragen wurde auch ein Decima. Aber die Entscheidung über eine Heirat liegt bei meinem Manne und bis er vom Feldzug wieder kommt ist wohl oder übel noch eine ganze Zeit hin. Wobei ich mich durchaus schon umhöre..."


    Bald kam ein Sklave mit einer Karaffe unverdünnten Falernen und einem Teller voller Trauben.


    "Ich hoffe er kehrt wohlbehalten zurück, ich wüsste nicht was sonst wäre...!"


    Seine Worte hatten mich ein wenig verunsichert und das sah man mir auch an.

    Ich musste ob dieses Komplimentes einfach lächeln, war ich doch sehr unsicher gewesen und hatte nun seine Worte zu meinem Vorteil deuten dürfen. Ich sah ihn kurz nachdenklich an. Früher hatte ich bei derartigen Bemerkungen immer schüchtern gelacht, doch ich hatte das Bedürfnis etwas zu antworten. Mit einem Zwinkern und leicht scherzender Stimme antwortete ich:


    "Oh, Troianer, gib mir die Zeit zum nachdenken...!"


    Ich musste lächeln. Wie oft wurde ich ob meines Namens schon mit der Göttertochter verglichen. Ich gab dem Sklaven ein Handzeichen, damit er die gewünschten Dinge holte.


    "Doch würde die Spannung wegfallen und damit der Realismus verfehlt, denn mein Gemahl ist auf dem Weg nach Germania!"

    Ein leicht spitzbübisches Lächeln konnte ich nicht verbergen.


    "So? Wer war denn außer Nova hier, den ich nicht bemerkt hätte? War es vielleicht die Tiberia Claudia?"


    Ich zwinkerte ihm zu und rief einen Sklaven herbei, während ich Meridius ansah.


    "Wein? Obst?"

    Eine Sklavin hatte mich von der Ankunft des Quaestors und Freundes in Kentniss gesetzt und so betrat ich das Atrium. Warm lächelnd und doch schon wesentlich sicherer auf den Beinen ging ich auf Meridius zu.


    "Salve Meridius! Jetzt bin ich doch ein wenig überrascht. Wie schön, dass du kommen konntest!"


    Ich sah nur kurz zu Nova, doch noch immer hatte ich ihr gegenüber zwiespältiger Gefühle und wusste nicht so recht, wie ich auf sie reagieren sollte.