Beiträge von Rediviva Helena

    Ich wiegte leicht den Kopf hin und her. Ich antwortete leise:


    "Wobei ich gerne Cicero nehmen würde, zu Ehren meines verstorbenen Vaters. Andererseits würde ich meinen Sohn so nicht nennen wollen, da ich fürchte, es wäre in der Hoffnung in ihm meinen Vater wiederzusehen. Das wäre nicht gut. Nicht gerecht..."

    Ein Band...? Ich sah zur Seite. Ich musste an Licinia denken, meine Zwillingsschwester, die als verstorben galt, obwohl ihr Leichnam niemals gefunden wurde... Das letzte Mal hatte ich sie in Germanien gesehen.


    "Gut möglich, sie spinnen gerne ihre Fäden... Doch... Ich wüsste zu gern was sie noch für uns bereit halten... Sag, Nova... Wüsstest du einen schönen Cognomen?"

    "Ja, wenn du dich außerhalb deines eigenen Zimmers aufhältst wirst du immer auf Sklaven treffen, die dort herumwuseln. Und wenn ich einmal nicht zuhause bin, in meinem Officum im Tempelbezirk werde ich meistens anzutreffen sein! Ich bin für dich da..."

    Ich sah sie traurig an... Ich fühlte mich so schlecht. Ich zerstörte die Liebe zweier Menschen. Und das nur der Ehre wegen... Nur wegen meiner Pflichten...


    "Du darfst immer zu mir kommen... Wichtig ist dann nur, dass du auch immer ehrlich bist. Ich weiß, du wolltest bald nach Rom. Doch... bleib doch noch ein wenig hier, hier kann ich auf dich achtgeben!"


    Sanft streichelte ich sie den Rücken hinab.

    "Du sagtest eben selbst, das Beste wäre ihr würdet euch aus dem Weg gehen. Und glaub mir, auch wenn diese Worte vom Verstand gesprochen werden, so werden sie doch auch deinem Herzen helfen..."


    Ich bitteren Blickes aufs Meer... Es war schwer, die Mater Familias zu sein. Die Matrone zudem auch noch.


    "Es ist für euch und für die Familie besser... Allen würde Kummer erspart werden. Dir, Vitamalacus und Maximus. Oder glaubst du es würde ihm leicht fallen? Oder würdet ihr die Beziehung lieber geheim führen?"

    Sie begann zu zittern und ich hielt sie fest im Arm, zeigte ihr, dass ich da war.


    "Ich vermute du hast es als Zeichen eurer Liebe von Vitamalacus erhalten. Doch glaube mir, eure Liebe wird keinen Zuspruch finden und wenn ihr euch voneinander lösen sollt, dürf ihr nicht einerseits Bande zwischen euch aufbauen, die ihr eigentlich nicht haben wollt!"

    Ich nahm es in meine Hand und betrachtete es.


    "Es ist hübsch und ich möchte wetten, es hat eine besondere Bedeutung... Doch lass mich dich warnen: Steigere dich nicht in diesen Kummer und diese Liebe hinein, denn umso mehr wirst du leiden. Ihr werdet nicht besonders viel Zukunft haben, so hart es auch klingt. Vielleicht... solltest du... nach einer gewissen Zeit des Verarbeitens das Amulett ablegen..."

    Beängstigend, sie konnte froh sein, dass man mir auch vertrauen konnte. Es fiel mir nicht schwer, Geheimnisse zurückzuhalten. Allerdings befürchtete ich, dass sie nach meinen Worten nicht mehr soviel Vertrauen in mich setzen würde...


    "Du solltest ihn nicht vergessen. Nehmt Abstand voneinander. Da er in der Legio dient, dürfte es nicht allzu schwer fallen. Versuche nach und nach Freundschaft zu ihm aufzubauen, besiege deinen inneren Zwiespalt. Wenn du möchtest helfe ich dir dabei. Wenn du nämlich sagst, du möchtest ihn vergessen, das schaffst du nie. Lerne lieber, einem anderen Mann dein Herz zu schenken, jemand, der deine Liebe erwiedern kann. Es mag hart sein. Für euch beide. Doch es geht nicht anders..."


    Ich streichelte vorsichtig weiter. Ich hatte Angst vor dem, was sie denken könnte. Was sie sagen könnte. Wie sie handeln mochte. Ich hielt sie fest...


    "Die Götter würden es gewiss nicht zulassen!"

    Ich seufzte leise, allerdings nicht traurig. Ich war erleichtert, dass Nova mir so sehr zu vertrauen schien, dass sie mir selbst diese Dinge erzählte. Ich würde es Maximus nicht sagen, solange nichts schlimmes geschah, wofür ich zur Verantwortung gezogen würde.


    "Du fragst mich um Rat? Meine Worte könnten falsch sein oder sehr verletzend... Bist du sicher, dass ich dir einen Rat geben soll?"

    Noch immer streichelte ich ihr besorgt durchs Haar.


    "Hmmm ich verstehe. Und jetzt fällt es euch beiden schwer, da ihr in einer Familie seid? Gut, ihr seid nicht blutsverwandt... und deine Schwester würdest du auch nicht hintergehen. Doch gerade da er adoptiert wurde, nicht zu dem Zwecke dich zu heiraten, sonden ein vollwertiges Mitglied zu sein, würde es die Moral nicht dulden..."


    Ach was erzählte ich von Moral... Ich schrie andere Männer an, schimpfte und umarmte Sklaven. Nein, für soetwas war ich wohl die falsche und wenn ich nicht gerad sprach, gab ich beruhigende Worte von mir.


    "Das ist wirklich hart... Was werdet ihr tun?"

    Ich wandte mich ihr zu und drückte sie fest an mich, sodass mein Kopf auf dem ihren lag. Sanft und doch mit leichtem Druck strich ich ihr durchs dunkle Haar. Ich wollte nicht 'ssht, es ist gut' sagen, denn ich wollte dass sie spricht.


    "Das ist... traurig... Aber... Wie ging das mit der Hochzeit... Ich meine, es wurden ja wohl kaum Verwandte verheiratet!"


    Später, wenn es ihr ein wenig besser ging würde ich mit ihr über Achaia sprechen. Schließlich bin ich dort aufgewachsen und ich fühlte mich auch ein wenig als Eingeborene.

    Langsam kamen wir ans Meer. Ich hob mit jedem Schritt den wir uns näherten genüsslich den Kopf und saugte die frische, salzige Luft begierig auf. Noch immer hielt ich fest ihre Hand und schon bald hatten wir ein stiles Eckchen gefunden, wo wir uns auf den Boden setzen konnten.


    "So, nun komm her!"


    Ich hielt ihr meine Arme offen, damit sie sich an mich anlehnen konnte. Sanftes Lächeln, es musste wirklich schlimmes geschehen sein, dass sie so weinte... Was nur?

    "Wollen wir zum Hafen gehen? Wir sollten nicht in die Villa gehen, dort laufen zuviele Leute herum. Sklaven hören und sehen immer alles und ich möchte kein dummes Gerede über dich..."


    Vorsichtig tastete ich sie nach ihrer Hand und nahm sie fest in meine, nachdem ich sie aus meiner Umarmung entlassen hatte.

    Ich runzelte meine Stirn. Seine Erinnerungen wieder gegeben? Warum weinte sie dann so?`


    "Was... Nova... erzähl... Erzähl alles von Anfang an... Was ist denn nur passiert, Armes?"


    Ich zog sie zu mir und nahm sie in meine Arme, streichelte sanft über ihren Rücken und flüsterte leis:


    "Wollen wir woanders hingehen?"

    Ich schüttelte den Kopf und ging auf sie zu.


    "Viel mehr ist die Frage, was tust du hier? Was? Was ist geschehen?"


    Ich wurde zunehmend besorgter und sah ihr in die Augen. Was war nur geschehen? Selten hatte ich einen Mensch so fertig gesehen und bei ihr hätte ich es mir nicht einmal vorstellen können.

    Gerade kam ich vom Tempelbezirk: ENDLICH. Trotz des langen Tags war ich relativ vergnügt, was sicher auch an meiner Schwangerschaft lag. Als ich zwei Gestalten sah, blieb ich kurz stehen. Das eine war eindeutig Vitamalacus und das andere.. Nova? Sie riss sich scheinbar von ihm los. Ich kniff meine Augen zusammen. Sie kam hierher...


    Nein, sie stürmte hierher.


    "NOVA!"


    rief ich laut, damit sie mich hören konnte... Bestürzt sah ich, dass sie weinte...