Ich sah ihn ein wenig verblüfft an. Ich musste an meine eigene Kindheit denken. Ich wurde auch gut ausgebildet, doch weniger literarisch als handwerklich, denn ich war Plebejerin. Ich wollte darüber allerdings nicht weiter sprechen.
"Immerhin ist viel Wissen sitzen geblieben... Die Gedichte kann man ja noch nachholen, wenn du magst. Hast du einmal einen freien Tag so komm wieder nach Haus, wir haben eine große Bibliothek. Ich halte mich sehr gerne dort auf. Dort ist es schön ruhig und man kann sich wunderbar mit den Schriften beschäftigen! Dort arbeite ich vieles nach, was ich in meiner Kindheit und Jugend versäumte."
Jetzt hatte ich doch ein wenig verraten. Doch mir halfen meine Stunden in der Bibiliothek sehr und ich merkte auch nach und nach wie ich mich immer mehr dem patrizischem Leben anpasste. Die Gens Octavia war auch sehr bedeutend und schon damals hatte ich im Gegenssatz zu den meisten Mädchen ein schönes und ruhiges Leben gehabt. Beinahe wie eine Patrizierin: Wenn ich nicht so oft in des Betriebes meines Onkels hätte aushelfen müssen.
"Mir fielen - wo du es erwähnst - lediglich ein paar Sätze von Livius ein. Mit dem Militär kenne ich mich kaum aus, was aber wohl für eine Frau etwas normales ist. Und doch höre ich mir gern an, was du mir dazu zu sagen hast, denn uninteressant ist es keinesfalls und lernen immer gut!"
Ich grübelte kurz um wieder ein wenig von Livius zusammenzukriegen.
"Wobei ich es nicht mehr ganz zusammen bekomme... Ärgerlich. Gib mir ein wenig Zeit, ich schaffe es sicher noch. Jetzt ist mir nur eingefallen, 'Es ist nicht aller Tage Abend' was ich auch sehr gut finde. Ebenfalls von Livius. Da wäre noch, was dích vielleicht auch ein wenig interessiert "Zu siegen verstehst du, Hannibal, doch nicht den Sieg zu nutzen". So ähnlich war es jedenfalls."
Ich war stolz, dass doch ein wenig hängen geblieben war. Ich sah zu ihm auf und versuchte noch immer seine Seelenwelt zu ergründen. Ich war gespannt was er als nächstes sagen würde.