Beiträge von DIVUS VALERIANUS

    Dass ihm sein Procurator den ersten Brief vorzeigte, während er das Thema nannte, ignorierte Valerianus wie immer. Wenn der Brief schon gelesen worden war, sah er keine Notwendigkeit, ihn selber noch einmal zu lesen.


    "Das kann der Senat übernehmen. Dann freuen sich die Herren, dass sie gefragt werden."


    Die zweite Frage war schwieriger, denn hier war seine eigene Entscheidung gefragt. Schließlich traf er seine Entscheidung.


    "Dann soll er eine erhalten. Ich möchte Salinator bei diesem Gespräch dabei haben."

    Nach einer kurzen Pause schüttelte Valerianus den Kopf.


    "Nein, keine Anmerkungen. Nur mein Dank für die Dienste, die du mir und meinem Vater erwiesen hast. Geh' und danke den Göttern dafür, dass sie dir dies ermöglicht haben. Und geh' Rom nicht ganz verloren. Wir brauchen Ritter wie dich."

    In Augenblicken wie diesen kam allen widrigen Umständen zum Trotz ein wenig die Disziplinargewalt eines alten Kommandeurs durch, die Valerianus so lange verkörpert hatte.


    "Was bei allen Göttern ist daran so wichtig, dass es nicht bis morgen zum üblichen Termin hätte warten können?"


    Seine Stimme klang allerdings nicht sonderlich kraftvoll, eher verzerrt und noch zitternder, als sie es meistens schon war.

    Mit diesen Empfehlungen hatte Valerianus genug gehört, um seine Entscheidung zu fällen. Schmerzlich dachte er an den Conventus zurück, in dem wesentlich länger mit weniger Ergebnis gesprochen wurde.


    "Dann soll deinem Wunsch und deiner Empfehlung entsprochen werden. Sprich mit der Kanzlei die Formalitäten und einen Termin für die Übergabe des Postens ab. Das schließt die entsprechenden Ehrungen für dich ein."

    In einem durchaus seltenen Anflug von großer Aufmerksamkeit schaffte es Valerianus, den Inhalt dieses Gesprächs mit dem Inhalt eines weiteren zu verknüpfen, ohne dass ihm ein Beamter dabei Hilfe leisten musste.


    "Ich sprach bereits mit dem Praefectus Praetorio über diesen Mann. Euer beider Empfehlung ist mir Rat genug. Auch wenn du nicht mehr in meinen Diensten als Vorsteher des Hofes stehst, bitte ich dich dennoch, dafür zu sorgen, dass er dieses Amt erhält. Und das Ulpianum soll tatsächlich der Tempel meines Vaters werden. Dies ist mir ein persönliches Anliegen."


    Unabhängig davon, was sein Vater für Pläne mit diesem Bau hatte.

    Die Nennung des Ulpianums führte bei Valerianus wirklich dazu, dass die Lebensgeister in ihm etwas reger zu werden schienen. Unwillkürlich folgte sein Blick der vagen Handbewegung seines Bruders und glitt dann wieder zurück in dem Raum.


    "Sehr lobenswert. Mein Vater hat es verdient, dass dieses Projekt bald zum Abschluss kommt und insbesondere auch mit seinem Namen verknüpft bleibt."


    Selber hatte er mit ihm nie darüber gesprochen, er kannte es lediglich aus Briefen. Doch es war das Projekt seines Vaters, es trug den Namen der Gens und das alleine reichte aus, um es zu einem wichtigen Projekt zu machen.

    Die Wünsche seines Praefectus konnte Valerianus nur zu gut verstehen.


    "Ich weiß was du meinst. Mir bekommt Rom auch nicht, das wissen alle hier. Im Illyricum war es nicht besser, aber am Meer. Suchst du Erholung in Misenum? Dann gehen wir gemeinsam. Meine Frau will auch dorthin kommen. Wer soll dein Amt übernehmen?"

    Valerianus betrachtete den Quaestor schweigend. Er wusste nicht, warum sein Bruder ihm diesen vorstellte, denn er hatte ihn nicht darum gebeten und würde außer bei dieser Vorstellung auch kaum etwas mit ihm zu tun haben. Er hatte einen Quaestor Principis, das reichte ihm schon.


    "Meinen Glückwunsch zu deiner Wahl."


    Mehr als diese höflichen Worte fielen ihm als sinnvoller Gesprächsinhalt nicht ein und so wartete er darauf, dass sein Bruder fortfahren würde.

    Für Valerianus war diese Nachricht ein schwerer Schlag. Sie bedeutete, einen Mann zu verlieren, dem sein Vater vertraut hatte und dem er daher auch vertraute. Und sie bedeutete, einen anderen Mann finden zu müssen, der an seine Stelle treten konnte.


    "Was würdest du tun, wenn ich deiner Bitte nicht entspreche?"

    Auch wenn sein Bruder von einem weiteren Mann begleitet wurde, machte sich Valerianus nicht die Mühe, dem Gespräch denselben Charakter zu geben wie einer Audienz oder einer Besprechung mit seinen Procuratoren. Sein Bruder war gekommen und der war ohnehin der bessere Redner, was er gleich bei der Begrüßung wieder eindrucksvoll unter Beweis stellte.


    "Ja, wir können zufrieden sein und ich bin froh, dich auf diesem Posten zu wissen. Wer begleitet dich?"

    Erst auf die direkte Ansprache hin realisierte Valerianus, dass die Frage an ihn gerichtet war. Trotzdem schwieg er noch einen Moment länger und schaute sich verstohlen um, als könne dort jemand sitzen, der ihm eine Antwort vorgab.


    "Ich werde das prüfen lassen müssen. Geht davon aus, dass es ohne zusätzliche Hilfen gehen muss. Wir haben eben erst einen Krieg geführt."


    Erfolglose Kriege hatten die unangenehme Nebenwirkung, dass sie mehr kosteten, als sie einbrachten.

    Wie der Praefectus es vermutet hatte, bedachte Valerianus die abgelegten Akten kaum eines Blickes. Sie lagen gut dort an der Ecke, wo ein Schreiber sie gleich wieder mitnehmen konnte. Valerianus sah keine Notwendigkeit, sich selber noch einmal mit Dingen zu befassen, die schon einer seiner wichtigsten Praefecten geregelt hatte.


    "Die Entlassung und Auszeichnung ist genehmigt. Welchem Dienst will er sich nun zuwenden?"


    Ein bisschen Interesse konnte nicht völlig schaden und wenn er schon informiert wurde, dann konnte er sich wenigstens in diesem Augenblick um den Fall bemühen.

    Zu den Dingen, die Valerianus neben seiner Krankheit am meisten ermüdeten waren die ewigen höflichen Fragen nach seinem Gesundheitszustand und die ewigen latenten Wünsche nach einer Besserung, die er ewig negativ beantworten musste.


    "Praefectus, solange ich dich noch empfangen kann, hat die Krankheit nicht gesiegt und solange ich dich nicht in deinem Büro aufsuche sondern du mich in meine, habe ich auch nicht gesiegt. Lassen wir den ewigen Kampf also beiseite und kommen zum Tagesgeschäft. Irgendwelche Besonderheiten?"

    Von jenem Pontifex Maximus und reichsten Bürger Roms war indes in diesem Augenblick wieder einmal nicht mehr zu vermerken als der Eindruck, dass er der Debatte nicht ganz aufmerksam folgte. Auch wenn der äußere Eindruck schlimmer war als der tatsächliche Zustand, so betrachtete er die Frage offenbar als nicht an ihn gerichtet und verzichtete folglich auch auf eine deutliche Antwort.