Beiträge von DIVUS VALERIANUS

    Valerianus bemühte sich, den Worten des Praefecten aufmerksam zu folgen. Sie waren lang, aber durchaus ein Statusbericht zur Lage der Flotte, wie er sie schätzte. Da sie im Audienzsaal unter Offizieren waren, wandte er sich nur mit einer knappen Antwort zunächst an Annaeus Florus.


    "Danke. Du leistest offenbar gute Arbeit."


    Dann ging sein Blick zu Salinator.


    "Haben wir einen Nachfolger?"

    Valerianus war sich sicher, dass das Gespräch eher den Procurator von wichtiger Arbeit abhalten würde als ihn selber. Immer wieder dachte er bewundernd an die Energie zurück, mit der sein Vater sich der Regierungsarbeit gewidmet hatte. Selber hatte er diese Energie nie aufbringen können.


    "Nein, keine weiteren Anweisungen."

    Fast dankbar ließ Valerianus es geschehen, dass Salinator gleich nach seinem Eintreffen die Führung übernahm und den Gast begrüßte. Valerianus betrat die Halle weniger forsch. Er mochte sie nicht sonderlich und Gespräche hier mochte er noch weniger als jene in seinem Büro. Aber den Pflichten eines Kaisers konnte er sich eben nicht völlig entziehen, auch was das repräsentative Auftreten anging nicht.


    "Salve, Praefectus der Classis Misenensis."


    Mit einer Geste deutete er an, dass der angesprochene sich erheben könne.


    "Wir sprechen nun also über deine Zukunft und jene der Flotte."


    Eine Feststellung, wie sie banaler nicht sein konnte. Aber der Gast würde ohnehin am besten wissen, was er vortragen wollte, dachte sich Valerianus. Wenn es Bitten gab, konnte er sie vielleicht erfüllen. Für alles andere hatte er Salinator an seiner Seite.

    Dass der neue Procurator schon eingewiesen war, sorgte für leichte Entspannung bei Valerianus. Dass der neue Procurator offenbar kurze Besuche und Gespräche schätzte, bemerkte er ebenso positiv.


    "Der Audienzverkehr ist auf das nötigste beschränkt. Alltägliche Aufgaben kann die Kanzlei selber erledigen und in politischen Angelegenheiten kennen sich mein Bruder und der Praefectus Urbi besser aus als ich. Du kannst Anfragen an sie verweisen."

    Wieder endete die Antwort des Procurators nicht mit einer Frage oder Bitte und Valerianus musste sich sichtlich bemühen, nicht schon wieder dieselbe Rückfrage zu stellen.


    "Hast du irgendwelche Zweifel, dass es dann auch so geschehen kann?"

    Im Raum neben der Aula Regia traf Valerianus ein. Da Salinator noch nicht anwesend war, ließ er die Tür noch nicht öffnen, sondern nahm erst noch auf einem Stuhl Platz. Ein Beamter trug ihm die nötigen Informationen vor, die für die Audienz von Belang sein würden.

    Inzwischen hatte Valerianus die ernüchternde Erfahrung gemacht, dass auch ein Kaiser sich sowohl bei neuen als auch bei alten Mitarbeitern mit denselben Problemen Herumschlagen musste, wie jeder andere Vorgesetzte auch. Also stand er auch dem neuen Procurator neutral gegenüber, zumal jede Art von vorzeitiger Gefühlsregung seiner Gesundheit auch weiterhin eher abträglich gewesen wäre. Das Ende des Sommers hatte sich schon genug bemerkbar gemacht.


    "Willkommen. Die Wache an der Tür verhindert zu meiner Zufriedenheit, dass jemand ungelegen kommt. Du wurdest bereits eingewiesen?"

    Mit Vorträgen, die nicht mit einer Frage oder einer Bitte endeten, hatte Valerianus schon immer Probleme gehabt. Meist sah er sich dann genötigt, selber eine Frage zu stellen, wenn er sie nicht ignorieren konnte.


    "Und?"

    Etwas ungläubig blickte Valerianus den Procurator an, als dieser den nächsten Punkt vortrug.


    "Wird das selbständige Arbeiten in der Kanzlei nicht mehr gepflegt? Ich habe den Praefecten nach meinem Gespräch mit ihm sicher nicht zu dir geschickt, damit du mit den aufgekommenen Fragen dann wieder zu mir kommst. Was ich an Wünschen habe, habe ich dem Praefecten bereits mitgeteilt. Muss ich meinen Beamten jetzt wirklich noch selber erklären, dass ein Offizier zur Entlassung eine Hasta Pura bekommt, sich für einen Praefecten der Prätorianer sicher auch ein Platz für eine Inschrift findet und er symbolisch auch noch eine Corona Exploratoria bekommen kann?"


    Damit hatte er sich mehr aufgeregt, als gut für ihn war.


    "Das ist dann alles. Keine weiteren Regierungsgeschäfte heute."

    Wie in alten Zeiten, in denen er noch als Soldat an der Spitze seiner Männer stand und auf dem Marsch oder im Feld eine Staubwolke am Horizont oder ein aufgeschreckter Vogelschwarm höchste Anspannung erzeugten, so schien der Vortrag des Septemvirs nun auch eine solche Wirkung zu erzielen. Valerianus' eben noch träger Blick fixierte plötzlich bestimmte Personen und seine Gesichtszüge wurden schärfer. Aber noch sagte er nichts.

    Genauso wenig wie er die politische Arbeit und die Gesetzgebug mochte, mochte Valerianus die Teilnahme an Abstimmungen überhaupt. Es war zu seinem Vorteil, dass eine Zustimmung in der Regel eine aktivere Teilnahme verlangte als eine Ablehnung und er bei einer Zustimmung das langweilige Prozedere einer Abstimmung gleich durch eine eigene Anweisung abkürzen konnte.


    Diesmal lag aber nichts dergleichen in seinem Interesse und folglich war kein Zeichen der Zustimmung von ihm zu bemerken.

    Valerianus war froh, die komplexe Materie der Gesetzgebung bisher gemieden zu haben. Strich man an einer Stelle etwas weg, kam an anderer also etwas dazu. Dass missfiel ihm und bereitete ihm kein Vergnügen, was er mit einer wegwerfenden Handbewegung zum Ausdruck brachte.


    "Dann formulieren wir es so, wie eingangs von dir vorgeschlagen. Gib es der Kanzlei zur Veröffentlichung."

    Diese Frage konnte Valerianus indes selber nicht beantworten und verwies auf die Kanzlei weiter. Dort war schließlich zu erfahren, dass der ANTE DIEM XII KAL NOV DCCCLVIII A.U.C. (21.10.2008/105 n.Chr.) genehm sei, sofern der Praefectus Urbi keine Einwände hatte.

    Der Verweis auf das Verhalten seines Vaters war für Valerianus immer ein guter Hinweis, wie er seine Entscheidung zu treffen hatte. Insbesondere dann, wenn es um Gebiete ging, in denen er sich nur leidlich gut auskannte.


    "Wenn mein Vater dies gebilligt hat, dann wird es so gut sein und wir brauchen nicht zu regeln, was auch anders funktioniert. Aber trotzdem habe ich noch nicht verstanden, was deine Änderung nun noch sagt, was nicht ohnehin klar ist. Kann man diese ganzen Sätze nicht einfach entfernen?"


    Falls sein Bruder die Fragen bisher für rhetorische Fragen gehalten hatte, so war dieser nun doch deutlich anzumerken, dass es tatsächliche Fragen waren.

    Für die Spitzfindigkeiten der verschiedenen Formulierung und der Anwendung dieses und jenes Paragraphen zur Verhinderung negativer Auswirkungen eines anderen konnte Valerianus keine Freude abgewinnen.


    "Wir wissen beide, dass mein Vater sich gerne und mit Geschick solchen Dingen gewidmet hat und du weißt, dass dies nicht meine Sache ist. Ist nicht ohnehin jedes Gesetz Bestandteil eines Codex? Ist damit nicht bereits hinreichend festgelegt, wer Änderungen vornehmen und neue Gesetze erlassen kann?"