Beiträge von Varia

    Baden? Er wusste nicht was BADEN ist? Der wollte sie doch auf den Arm nehmen?.
    „Baden... Wasser... du … sauber... Ich denken ihr macht das in einem Fluss oder See. Waschen kennst du?“ sie wartete gar nicht erst die Antwort ab, sie setzte das jetzt einfach mal voraus. "Römer tun das in einem Raum hier im Haus. Sie haben ein Becken, da passt selbst du zweimal rein. Das wird dann mit warmen Wasser gefüllt, du steigst rein und wäscht dich. Ist angenehm, wirklich.“ Wenn man nicht gerade in Eisen gelegt in der Wanne liegt, fügte sie in Gedanken noch an. Sie griff sich mal wieder an die Stirn und rieb ihre Schläfen. Warum musste gerade sie, die nicht gerade zur Diplomatin taugte das Riesenbaby beruhigen? Einfach eine drüber und ins Bad schleifen, wäre die einfachste Methode. Sie seufzte leise. „Ich bin dir nicht böse.“ sie ging auf ihn zu und kauerte sich vor ihm hin. „Nein du bist kein Kind, aber Irvin, auch wenn ich dir gern was anderes sagen würde, du bist nicht mehr Herr über dich selbst, von nun an bestimmen andere über den Leben. Du bist Sklave... unfrei... Alle hier in der Küche teilen dein Schicksal. Die Herren des Hause, also der der dich gekauft hat... Varus und Commodus, die haben hier das sagen. Wenn du es so willst, bestimmen sie was wir tun, wann wir es tun und wie...“ Varia erhob sich und reichte ihm die Hand. „Komm mit, ich zeig dir das Bad – Balneum, dann kannst du entscheiden ob du ins Wasser gehst oder nicht.“ Noch während sie wartete, beantwortete sie auch seine letzte Frage. „Ich bin eine Amazone... eine Kriegerin.“

    Als Kind einfacher? Varia schaute Shani ungläubig an. „Ja es ist wohl Glück, das du nicht als Lustsklavin geendet bist...“
    'Was ich für mein Leben geplant habe?' dachte Varia bei sich. 'Nichts, warum sollte ich auch groß planen?' Sie antwortete der Nubierin dann aber. „Ich habe nichts geplant, eigentlich dachte ich immer, ich folge meiner Schwestern in den Tod. So unsicher wie mein Leben ist... war? Warum soll ich da groß planen?“
    Varia erhob sich, denn das Gespräch war wohl so gut wie beendet. Varia hatte bereits gesagt, dass sie es versuchen würde. Warum sollte sie es nochmal wiederholen.
    „Wenn du jetzt was für mich zu tun hast? Ich wäre dankbar, wenn ich mich etwas bewegen könnte. Ich bin es nicht gewohnt, faul auf der Haut zu liegen.“ So schaute sie Shani nun also fragend an und wartete, das die Nubierin ihr ein Aufgabe gab.

    Ein böser Blick traf Hannah, doch schließlich kommentierte Varia ihr Kichern damit, das sie der jungen Frau grinsend die Zunge raus streckte. Sie konnte sich bildlich vorstellen, wie albern ihr Versuch die Balance wiederzufinden ausgesehen haben musste. Das würde dem Germanen noch leid tun, Varia war zwar nicht nachtragend... aber so was konnte sie nicht auf sich sitzen lassen.
    Ein kurze Nicken in Shanis Richtung folgte, bevor Varia an den Vorhang herantrat und ihn beiseite schob. „Ich soll fragen, wo dein Problem ist. Du kannst baden, den Dreck runter schrubben, bekommst neue Kleidung und kannst dann ALLEIN in den Garten – Hortus gehen.“ Varia fragte sich gerade, warum dem hier so eine Extrawurst gebraten wurde. Sie hatte man an ihrem ersten Tag wie ein unmündiges Kind behandelt. Man hatte ihr keinen Moment für sich gegeben, sie wurde in Ketten gelegt und Shani hatte sie geschrubbt und das Riesenbaby durfte machen was er wollte und es wurde ihm gewährt. 'Nicht drüber nachdenken...' Varia schnaubte.

    Da stieß der Germane doch glatt an ihren kippelnden Stuhl. Varia rudertet wild mit den Armen herum, um irgendwie das verlorengegangene Gleichgewicht wieder zu finden. Natürlich siegt die Schwerkraft und mit einem lauten Krachen landete Varia samt des Stuhls auf dem Fußboden. Ihr Blick bohrte sich förmlich in den Rücken, das flüchtenden Germanen. Wenn Blicke töten könnten, würde der dort jetzt leblos zu Boden sacken. Schnell war sie wieder auf den Beinen, da das Riesenbaby sich aber in die Vorratskammer verdrückt hatte, wo er eh nicht weg konnte, bleib sie nun also erst mal stehen. Außerdem würde sie ihm jetzt nach laufen und ihn erwischen, würde sie sich wohl nur mühsam, oder auch gar nicht beherrschen können. So stand sie also mit geballten Fäusten da und schaute zu Shani und fragte „Ich glaube er mag nicht baden... Soll ich ihn da rausholen?“

    Varia lauschte der Erzählung von Shani, als sie zu dem Teil kam wo sie berichtete, das sie als Kind versklavt wurde, ballten sich ihre Hände zu Fäusten. Kinder? Warum versklaven die Römer Kinder? Es ging ihr einfach nicht in den Kopf. Shani war also genau wie Atermas bereits als Kind schon in die Sklaverei geraten. Varia mochte sich gar nicht ausmalen, was es für ein Kind hieß, sich allein unter Fremden wieder zufinden. Ihre Gedanken konnte man ihr deutlich am Gesicht und an ihrer Körpersprache ansehen, man konnte sehen, was sie davon hielt Kinder zu versklaven...
    Lange brauchte Varia um Shani zu antworten. „Es tut mir leid für dich... ich weiß gar nicht... Kinder gehören nicht in die Sklaverei...“ Nun sah Varia ihrem Gegenüber direkt in die Augen. „Ich weiß nicht, ob ich vergessen kann...“ wie sollte sie auch? Ihre Vergangenheit war es die sie zu der Frau machte, die hier saß, die sie geprägt hatte, alles wofür sie lebte. „...ich passe nicht in diese Welt Shani.. und ich weiß nicht ob ich jemals hier her passe. Ich will dir auch nichts versprechen, was ich nicht einhalten kann.“ Varia atmete tief ein. „Ich hoffe es reicht dir, wenn ich dir sage, dass das ich es versuche.“

    Varia lächelte zurück, inzwischen kamen die beiden Frauen miteinander zurecht, Varia hatte akzeptiert, das Shani hier das Zepter schwang. Es machte halt einiges einfacher...
    „Irvin?“ Varia sprach den Germanen direkt an. „Du kannst später in den Garten, auch allein. Aber erst bekommst du ein Bad und frische Kleidung. Was hält du davon?“ Sie konnte nur hoffe, das der Germane ein Einsehen hatte, dann würde das mit dem Bad schnell gehen und er könnte für sich sein.
    Varia selber kippelte immer noch mit ihren Stuhl und kaute eher lustlos auf der Olive.

    So wie Shanis Blick auf ihr ruhte, ruhte Varias Blick auf der Schwarzen. Sie wollte etwas über Varia wissen? Nein genauer gesagt wollte sie scheinbar alles über sie wissen. Varia erhob sich kurz nur um sich gleich wieder zu setzten, diesmal jedoch in den für sie eindeutig bequemeren Schneidersitz.
    Sie überlegte eine Weile, bis sie schließlich zu erzählen begann.
    „Vor 18 Sommern wurde ich geboren. Ich bin die älteste von 3 Töchtern. Meine Mutter war wie ich eine Kriegerin. Als unsere Stammesführerin verstorben ist, wurde meine Mutter ausgewählt ihre Nachfolgerin zu sein und unseren Stamm anzuführen. Ich und meine jüngste Schwestern wurde jeweils im Alter von 5 Sommern ausgewählt es unserer Mutter gleich zu tun und wurde für den Kampf ausgebildet. Meine mittlere Schwestern, wurde dagegen ausgewählt sich um die anderen Belange des Stammes zu kümmern. Unsere Väter kennen wir nicht... so wie wohl keine von uns. Bei uns leben auch nur wenige Männer, dies sind zumeist Gefangene... ich denke ihr würdet sie Sklaven nennen. Aber sie sind nie lang bei uns, nach ein paar Monden, werden sie frei gelassen... Einige jedoch bleiben für immer.. ihnen gefällt unsere Lebensweise.“ Varia suchte nach einer Reaktion von Shani, da es aber scheinbar bis hierher keine Fragen gab fuhr sie mit fort. „Ich wurde also von klein auf an, dazu erzogen, für mein Volk zu kämpfen. Man brachte mir alles bei was man wissen muss um auf dem Schlachtfeld zu bestehen. Im 14ten Sommer meines Lebens stand ich dann das erste mal auf dem Schlachtfeld, dort habe ich dann mein Wissen und Können angewendet und auch das erste Mal einem Menschen das Leben genommen.“ Wieder machte sie eine kurze Pause, sie strich sich mit einer Hand ihre Haare aus dem Gesicht. „Die Narbe auf meinem Rücken, habe ich zwei Sommer später bekommen, ein feiger Angriff von Hinten, gepaart mit meiner eigenen Unvernunft und relativen Unerfahrenheit. Ich habe es überlebt, mein Volk sah das als Zeichen der Göttin und so habe ich einen Sommer später die Verantwortung für ein eigenes Heer bekommen. In diesem war auch meine kleine Schwester. Sie ist während eines ihrer ersten Kämpfe gefallen und starb in meinen Armen, die Göttin hat sie zu sich gerufen.“ Die Pause die Varia nun machte, dauerte etwas länger. Sie schloss die Augen, denn sie wollte nicht, dass Shani dem Schmerz sah, den sie heute noch empfand, wenn sie an den Tod ihrer kleinen Schwester dachte. „So ist der Lauf der Dinge. Gekämpft habe ich mal gegen Angreifer, die unser Dorf erobern wollten, mal gegen Bezahlung für andere Stämme, oft auch gegen Römer. Von einem gefangen genommenen Römer habe ich übrigens eure Sprach gelernt.“ Das Shani offensichtlich keine Römerin war überging sie zu diesem Zeitpunkt einfach. „Nun dann kam der Tag, in dem ich blindlings in einen Hinterhalt gelaufen bin. Zum Glück gelang es mir die Angreifer lang genug aufzuhalten, so dass die anderen sich in Sicherheit bringen konnten. Aber auch wenn uns wohl einige Halbgöttinnen nennen, so haben wir leider keine göttlichen Kräfte... und gegen eine Übermacht von einem Dutzend Männer, komme auch ich nicht an. Warum sie mir allerdings nicht die Ehre erwiesen haben mich im Kampft zu töten, mir den Tod einer Kriegerin verweigert haben, kann ich dir nicht sagen. Das ich mit der Gefangennahme nicht einverstanden war... ich denke, das hast du beim Baden gestern gesehen, sie dachte wohl, dass sie mich mit Schlägen brechen können...“ Bis hier her war die Beantwortung noch recht einfach gewesen. Aber was sie ihr auf die Frage antworten sollte, was sie gerne machte, wusste Varia wirklich nicht. „Ich kämpfe... ich kämpfe weil ich es kann, weil es notwendig ist. Gerne? Ich weiß nicht was ich dir antworten soll.“ Noch viel schwieriger gestaltete sich wohl die Beantwortung der letzten und für Shani wohl entscheidenden Frage. Varia war ja nun wirklich nicht auf den Kopf gefallen und hatte durchaus erkannt, dass sie zur Zeit wohl weder in der Lage war, noch ließ ihr körperlicher Zustand eine Flucht zu. „Ich weiß nicht was ich vorhabe...“ es entstand eine Pause, Varia sah auf ihre Hände. „... ich kann versuche, mich zu fügen, ob es mir jedoch gelingt, Shani, ich weiß es wirklich nicht.“ erst jetzt sah sie wieder auf. „Ich weiß wirklich nicht ob ich es schaffe mich einem Mann unterzuordnen.“ Ein zaghaftes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. „Reicht es dir vorerst, wenn ich sage ich versuche es? Weißt du eigentlich andere nennen uns Amazonen, Walküren, Kriegerinnen und weiß ich wie noch... in unserem Volk aber heißen wir Beschützerinnen, denn wir beschützen unser Volk und unsere Lebensweise. Zu Hause, da werden wir verehrt, wir genießen den Respekt aller.“ Varia stand auf und ging zur Wand mit dem Fenster um sich mal wieder den Hals fast zu verrenken, damit sie den Himmel sehen konnte. „Ich vermisse...ich wäre jetzt gern bei den meinen.“ Sie schaute Shani wieder an. „Wie kamst du hier her? Magst du es mir erzählen?“

    Wäre sie jetzt von sensibler Natur, so wäre Varia jetzt wohl von der Ignoranz von Irvin getroffen. Aber da sie weder besonders emotionslastig war, noch besonderes sensibel, gerade im Bezug auf Männer, war es ihr schlicht egal, dass er sie nicht beachtete.
    Sie fischte sich nun doch eine der Oliven aus der Schale und lehnte sich lässig auf ihrem Stuhl zurück. „Er will an die Luft und allein sein.“ übersetzte sie seine Worte. Sie wusste das man ihn sicher nicht gehen lassen würde. Wie hatte Shani ihr das so schön erklärt, das hier ist kein Wunschkonzert. Je früher er das begriff, desto besser war es wohl für ihn. Sie kippelte mit ihrem Stuhl, für die anderen musste es wohl so aussehen, als wäre sie desinteressiert. Sie verfolgte jedoch jede Bewegung des Germanen, und würde ihn notfalls auch mit Gewalt zwingen zu bleiben, wenn Shani es denn so wollte. „Shani?“ Varia war nun mal nicht der Typ für viele Worte, und hoffte einfach, das die Schwarze, verstand...

    Varia ging mit langsamen Schritten zu ihrem Bett und setzte sich. Reden? Bitte nicht schon wieder ein Vortrag über den Menschenfreund Varus und wie gut es doch war Sklave zu sein...
    Doch war ihre Frage ja eher eine Bitte, Shani holte ihr Einverständnis ein? Nun gut sie wollte reden, dann wird halt geredet.
    „Natürlichen können wir reden. Setzt dich doch, so redet es sich wohl besser. Und Essen...“ ein kurzes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. „... lieber nicht, Hannah hat mich gestern Abend schon gemästet.“
    Natürlich entging Varia nicht, wie Shani die Wand begutachtete. „Ähm...“ Ein verlegenes Kratzen am Hinterkopf folgte. „...nun... ähm... es ist ein gutes Mittel um... ähm... aufgestaute Emotionen... es macht vieles eben leichter.. du verstehst?“ Bei der Göttin, man stammelte sich Varia gerade einen ab. Aber irgendwie, warum auch immer hatte sie das Gefühl, dass sie ihr Tun erklären musste. Shani musste doch denken sie hat es mit einer komplett Irren zu tun... So legte Sie nun also ihre Hände in den Schoss, und schaute Shani fragend an. „Worüber möchtest du reden?“

    Verwundert schaute Varia Esther an, von ihr ja gerade von ihr hätte sie alles erwartet, aber nicht, dass sie so viel Mut aufbrachte sie zurückzuhalten. „Ich bleibe, aber auch wenn dein Essen köstlich ist, so esse ich doch lieber am Abend.“ Varia drehte sich gerade wieder Richtung Tisch, als Shani ihr, eine Mammutaufgabe aufbrummte, ja sie bat drum, aber … verdammt sie war kein guter Lehrer. Varia selbst hatte eine schnelle Auffassungsgabe für Sprachen, sie konnte nur hoffe, das der Germane wenigsten im Ansatz ein Talent für Sprachen hatte. Sie nickte Shani zu und setzte sich wieder an den Tisch. „Wenn du es so willst, dann muss ich das wohl.“ Varia's Begeisterung hielt sich eindeutig in Grenzen, ihr Bedarf an Diskussionen war aber mal wieder gänzlich erschöpft, weswegen sie sich auch nicht dagegen stäubte.
    Aber wenn schon, dann wollte sie auch ihren Spaß haben. „Shani, sag willst du den nachher auch baden?“ fragte sie mit einem Augenzwinkern.

    Varia war angespannt, als Esther nun auch noch dazukam. Wenn der Große sich jetzt wehren würde, könnte das gefährlich werden. Sie beobachtete genau seine Reaktionen, und sah wie er fast förmlich in sich zusammensackte. Er war eben doch ein sanfter Riese. Varia entspannte sich nun auch sichtlich. Seine Worte jedoch, die trafen sie wohl mehr, als wenn er die Hand gegen sie erhoben hätte. Ja warum half sie denen überhaupt? Wütend über sich selbst.. aber wie konnte sie ihm die Wahrheit... er könnte die Wahrheit doch gar nicht vertragen.
    Sie ging setzte sich wieder neben Irvin und sprach leise zu ihm.
    „Ich habe dich nicht angelogen. Ich bin genau so ungern hier wie du und würde lieber heute als morgen hier verschwinden... Aber obwohl ich in der Lage bin mir den Weg zur Not freizukämpfen, habe ich erkannt, das man den richtigen Zeitpunkt abwarten muss. Sollte ich dich sehenden Auges in deinen Tod laufen lassen? Nimm dein Schicksal an, oder füge dich zumindest, so das sie glauben dich zu beherrschen. Solang du hier...“ sie zeigte auf sein Herz „... weißt das du frei bist, wirst du es immer sein. Vielleicht kannst du eines Tages tatsächlich fliehen, oder sie lassen dich frei...aber bis dahin solltest du dich in Geduld üben.“
    Varia sah die anderen an. „Er sagt wir sollen keine Angst haben, er ist kein gewalttätiger Mensch. Er wird etwas Zeit brauchen.. ich denke aber er wird sich fügen.“ Varia erhob sich und legte dem Riesen, die Hand auf die Schulter. „Glaube fest daran, das deine Göttermutter dir eines Tages hier raus hilft.“
    Varia war im Begriff die Küche zu verlassen.

    Varia griff sich an die Stirn und rieb sich mit der Hand die Schläfe. Wie sollte gerade sie ihm erklären, warum man Sklave war, warum er hier war und warum es besser war, dass er seinen Hintern jetzt wieder auf seinen Platz schwang. EIN letztes Mal würde sie es jetzt noch friedlich versuchen. Reden war noch nie ihre Stärke gewesen.
    „Ich weiß was du meinst, aber kennst du Schicksal? Wer weiß schon, warum deine Göttermutter dich hier her geführt hat.“ Bevor sie die nächsten Worte sprach, musste sie fast schon einen innerlichen Widerstand überwinden. „Varus...“ die nächsten Worten gingen ihr wirklich verdammt schwer über die Lippen. „.. Dominus Helvetius Varus, so musst du ihn nennen, ist ein guter Herr, wenn du dich fügst, wird es dir an nichts mangeln. Dann wird es keine Peitschen, Ketten und was weiß ich nicht alles geben.“ Varia konnte nur hoffen, das ihre Worte ankamen.

    Varia konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, war dann jedoch schnell auf den Beinen.
    Ersten glaubte sie nicht, dass auch nur einer der anderen im Ansatz den Mut dazu hätte sich dem Germanen in den Weg zustellen. Zweitens strafte er sie gerade lüge, hatte sie doch gerade noch erklärt, das er zahm wie ein Lämmchen ist. Noch bevor er die Tür erreichte hatte sie ihn eingeholt und versperrte ihm den Weg.
    Was sie ihm nun sagte fiel ihr alles andere als leicht, sperrte sie sich doch selbst noch gegen die Sklaverei. „Irvin, jetzt hör mir genau zu. Du bist hier in Roma, der wohl größten Stadt der Welt, bewacht durch die Legionen Roms. Was meinst du also wie weit du kommst? Ich weiß ja nicht, aber ich denke du hängst an deinem Leben, also setzt dich wieder dahin...“ Varia zeigte auf den Platz den er gerade verlassen hatte. Varia überlegte fieberhaft, was sie ihm noch sagen könnte. Das es sein Dorf und die Leute die dort lebten aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr gab, war wohl keine gute Idee. „...vielleicht hat es die Göttermutter gewollt, das du nun hier bist. Hast du schon mal daran gedacht?“ Varia achtete genau auf jede Bewegung seines Körpers und seiner Mimik, sie selbst war bereit ihn notfalls auch mit Gewalt zum hierbleiben zu zwingen. Schließlich konnte sie den naiven Germanen nicht in sein Unglück laufen lassen. Innerlich seufzte sie, ok er war wirklich naiv, vielleicht sogar etwas langsam im Denken...

    Varia schaute den Germanen verdattert an. „Römer stehen auf Sklaven, die für sie ihre Arbeiten erledigen. Du sollst dich hier nützlich machen. Was genau. Da bin ich überfragt.“ sie war mitten im antworten, als Shani den Raum betrat. Die anderen erstatteten gleich Rapport, Hannah sprang sogar auf. Varia rollte mit den Augen. „Das ist Shani, sie ist hier so was wie die Obere der Sklaven. Sie wird dir wohl deine Aufgabe zuteilen. Aber jetzt iss erst mal tüchtig.“ sprach's und schob ihm den Käse rüber.

    Das Klopfen hatte sie aus ihren Gedanken gerissen, Varia sah Shani an. Wie es mir geht? Blendend! Was ne Frage? Varia wusste nicht wirklich was sie auf die Frage antworten sollte. Sie erhob sich, ganz langsam löste sie die blutverschmierten Bandagen von ihren Händen. „Gut, so gut es die Umstände ebnen zulassen.“ Was hätte sie auch sonst sagen sollen. He, ich wusste nicht wohin mit meinen Aggressionen, da habe ich mal eben die Standfestigkeit römischer Wände getestet?
    Aber Shani hier konnte ja auch nichts für die Situation, in der sich Varia befand. Die beiden Frauen hatten ja auch nicht den Besten Einstand. Und immerhin war Shani diejenige, die hier das sagen hatte.. also drehte Varia sich zu ihr um und fragte sie im eher ruhigen gelassenen Ton. „Hast du was zu tun für mich?“ Sie bewegte sich aber nicht auf die Frau zu, denn sie wollte nicht, das Shani das falsch deuten würde. Varia hatte gestern mitbekommen, dass hier alle scheinbar Angst vor ihr hatten...

    Varia zeigte auf die verschiedenen Spießen, zumindest auf die die sie auch kannte.
    „B R O T.... K Ä S E.... H O N I G....E I E R... P U L S“ bei dem letzten Wort verzog sie das Gesicht, zu deutlich war noch die Erinnerung an das ungenießbare Zeug, welches man ihr auf der Reise nach Rom vorgesetzt hatte.
    Sie fand, dass sie nun dem Germanen gut genug erklärt hatte, was er auf dem Tisch vorfand. Die anderen fingen an zu essen. Als noch schnell ein „Du darfst tüchtig zulangen.“ in Richtung des Germanen, dann goss sie sich ein Glas Wasser ein. Sie hatte keinen wirklichen Hunger, auch wenn Hannah ihr bestimmt böse deswegen wäre, aber sie würde keinen Bissen runter bekommen. Um aber nicht gleich wieder jemanden auf die Palme zu bringen, brach sie sich ein kleines Stück vom Brot ab. Essen tat sie es jedoch nicht, sondern zerbröselte es eher nachdenklich.
    „Der kleine Dieb bekommt nichts?“ Fragte sie schließlich in die Runde? „Wo kommt der eigentlich her und warum wird es geduldet, dass er sich ungefragt bedient?“ Sie wollte einfach von dem anderen Thema ablenken, sie würde sich wohl noch früh genug mit dem Bauern und seinem „Bruder“ auseinandersetzen müssen. Sie fragte sich ja immer noch, was der Bauer sich nur dabei gedacht hatte und Gehorsam... einem Mann gegenüber. Varia schüttelte sich innerlich, allein der Gedanken...

    Varia drückte fest die Hand von Atermas, nickte ihm zu. Dann hatte Esther ihre volle Aufmerksamkeit. „Die Göttin...“ sagte sie mit einem Zwinkern, auf das vielleicht noch lange Leben ging sie nicht ein, denn wer konnte das schon wissen. Varia versteckte ihre Hände nun unter dem Tisch. Wie sollte sie den hier Anwesenden auch erklären... sie kämpfte halt mit ihren inneren Dämonen, und wenn sie ein Ventil brauchte, war das bisher immer ein Gutes gewesen. Lieber glaubt halt eine Wand, Mauer oder ein Baum dran, als das sie ihre Wut an Unschuldigen auslassen würde.
    „... danke, falls es soweit kommen sollte, werde ich auf dich zukommen.“
    Sie nickte aufmunternd Hannah zu. „Er möchte Milch.“

    Sie lauschte den Worten von Atermas, die Hand von Esther drückte sie sanft. Sie sah auf und man konnte in ihren Augen einen unendliche Traurigkeit sehen.


    „Du vertraust also dem Exercitus Romas? Ist es nicht das Motto der römischen Legionen: Honor et fortitudo?“ Varia seufzte, einen letzten Versuch würde sie noch unternehmen zu erklären.. „Bei meinem Volk brechen wir keine Schwüre, weil ich einen Schwur geleistet habe, habe ich so oft es notwendig war mein Leben eingesetzt, um diesen Schwur zu erfüllen.
    Ehrlichkeit, Treue, Ehre sind für mich keine leeren Worte... Atermas, das sind Werte für die ich lebe und sterben würde. Wenn man zusammen kämpft, dann weiß man was es heißt sich aufeinander zu verlassen, es ist überlebensnotwendig, deshalb halte ich an meinen Werten fest. Ich habe dir geschworen, das ich euch nicht angreifen werde...“ Varia reichte ihm die Hand. „Honore veritatis probitatem fidelis.“


    Varia blickt zu Hannah. „Nein noch versteht er nicht und ich glaube er hat mehr Angst vor dir, als du vor ihm.“ Sie schaute zu dem sichtlich verwirrten Irvin. „Möchtest du Milch oder Bier trinken?“

    Mit einem lauten Krachen, wurde die Axt wieder in den Hauklotz gehauen. Varia schüttelte den Kopf, als sie die verängstigten Gesichter und Reaktionen sah.
    Sie ging zum Tisch und setzte sich hin. Ihr Gesicht war ernst und sie war angefressen, was man wohl sehen konnte.
    „Ich weiß nicht was euch Angst macht! Ich habe bei meiner Göttin geschworen euch nichts zu tun. Scheinbar gelten in Rom Schwüre nichts.“ Varia trommelte mit den Finger auf den Tisch herum.
    Zu dem Germanen gewandt. „Setzt dich hin, das Essen ist fertig.“

    Varia sah wohl genau die Reaktion des Jungen, kommentierte sie aber nicht weiter. Falls .. ja falls sie hier bleiben würde, was für Varia keineswegs sicher war, denn sie spielte immer noch mit dem Gedanken an Flucht, ja dann würde der Kleine schon sein blaues Wunder erleben.
    Zu dem Germanen gewandt sagte sie dann. „Der kleine Dieb da ist Serrulus, das dort ist Esther, das dort ist Hannah und Atermas kennst du ja schon. Setzt dich hin, dann bekommst du was zum Essen. Hannah ist eine Küsterin am Herd.“ sie zeigte bei der Nennung der Namen jeweils auf die Personen und sprach wieder in langsamen Germanisch. Man das war nervig. Sollte sie jetzt die ganze Zeit für den hier übersetzen? Varia rollte mit den Augen, sie konnte sich besseres vorstellen.
    Zu allen sagte sie dann. "Er heißt Irvin!"
    Varia stieß sich von der Wand ab.
    „Danke Esther, aber ich sitze mir hier noch den Hintern breit.“ Ja Varia war eindeutig unterfordert, lieber hätte sie sich wieder in den Garten verdrückt um dort weiter zu machen.. ihr Blick fiel auf den Hauklotz und die sich darauf befindliche Axt. Holz zum spalten lag auch genug da... wenn schon nicht der Garten... bevor es überhaupt jemand verhindern konnte war sie auch schon beim Objekt ihrer Begierde angelangt und hatte die Axt aus dem Holz gezogen. Sie war klein, aber äußerst scharf. Varia schwang sie ein paar mal durch die Luft, bevor sie zu dem Holz griff und anfing es zu spalten. „Ich mach mich lieber nützlich >krach< bis das Essen >krach< so weit >krach< ist.“ Man konnte ihr förmlich ansehen, das sie Spaß daran hatte auf das Holz einzuhämmern. Immer wieder landet ein neues Stück auf dem Hauklotz. Varia schlug mal mit der rechten mal mit der linken, mal mit beiden Hände zu...