Beiträge von Lucius Annaeus Florus Minor
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Sim-Off: Die Res Gestae stehen simON erst NACH der Rede des Kaisers vor dem Senat auf dem Plan. Die Senatoren wissen daher bereits von der gehaltenen Rede und dem geplanten Aquädukt.
Den Papyrus brauchte ich nicht wirklich, hatte ich die Rede doch dutzende Male mit meinem Scriba personalis geübt und dennoch gab sie mir nun etwas Sicherheit. Als ich in der Mitte der Halle angekommen war, öffnete ich sie noch einmal kurz, überflog die ersten notierten Stichworte und begann dann:
Patres Conscripti, ich trete heute vor euch, um Rechenschaft abzulegen über meine Arbeit als Quaestor Principis. Eine Arbeit, welche ihr mir auf Grund von Umständen ermöglicht habt, deren ich hier zwar gedenken möchte, anlässlich des zu frühen Todes meines Vorgängers, die mich jedoch zu keiner Zeit haben verzagen lassen oder mich an der Ausübung der mir übertragenen Pflichten haben zweifeln lassen. Galeo Rusius Cotta übte das Amt vor mir aus und hinterliess seine Arbeit derart gut geordnet, dass ich mich nahtlos über alle notwendigen Themen informieren konnte. Seine Akten waren sauber geführt und geordnet nach Sachthemen und dienten mir daher von den ersten Stunden im Amt als Vorbild für meine eigene Amtsführung.
Lob für einen Amtsvorgänger war zwar nicht üblich, aber in meinem Fall, da ich das Amt ja bloss auf Grund seines Todes überhaupt erhalten hatte, war es mir wichtig ihm zu gedenken und da er nie eigene Res Gestae halten könnte als Quaestor, war es mir ein Bedürfnis, seine Arbeit zu ehren. Und ich konnte zugleich von einem Verstorbenen zum nächsten wechseln:
Neben Rusius Cotta hat und auch Senator Purgitius Macer verlassen. Von meinem Vater und aus meinem Studium der jüngeren Geschichte unseres Imperiums ist mir sehr wohl bekannt, dass Senator Purgitius über viele Jahre eine tragende Rolle gespielt hat. Sei dies als Legatus Legionis, als Kommandant der Academia Militaris, oder als Senator in euren Reihen. Aus diesem Grund habe ich dem Kaiser vorgeschlagen, ein Consilium Ulpianum einzuberufen, um über die Aufnahme des Verstorbenen in die Hallen des Ulpianums zu beratschlagen. Im Zuge dieses Vorhabens legte der Kaiser es in meine Hände, eine Liste möglicher Teilnehmer gemäss dem Codex Universalis anzufertigen und ihm die Namen zu präsentieren. Gemäss Gesetz besteht das Consilium neben dem Imperator Caesar Augustus, der selbst den Vorsitz führt, aus zwei Senatoren, einem Eques, einem Patrizier und zwei Plebejern.
Mit einer kurzen Pause erlaubte ich den Senatoren, entweder ihre Erinnerungen an den verstorbenen Kollegen hervorzuholen, oder ihren Gefühlen zu diesem Punkt Ausdruck zu verleihen. Dann kam der eigentliche Grossteil meiner Arbeiten der vergangenen Amtszeit:
Der Grossteil meiner Arbeit bestand aus drei Themen. Bereits zum Start meiner Arbeit teilte mir der Imperator mit, dass er beabsichtige eine Rede im Senat zu halten, in welcher er über den Zustand des Imperiums und diverse konkrete Themen sprechen wolle. Aus diesem Grund arbeitete ich täglich sowohl mit dem Augustus, als auch seiner Kanzlei und diversen von ihm gewünschten Personen zusammen an den Inhalten dieser Rede. Das Resultat hat euch unser Kaiser vor wenigen Tagen erst präsentiert.
Auch in Bezug auf das dort genannte Aquädukt wurde ich vom Kaiser mit diversen Aufgaben betraut. Er ernannte ein kleines Gremium, dem ich angehören sollte und welches sich um die Findung einer Quelle, sowie um die logistischen und baulichen Herausforderungen kümmern sollte. Ob der Kaiser mich nach dem Ende meiner Amtszeit weiterhin an diesem Projekt mitarbeiten haben möchte, das steht im Moment noch nicht fest. Ich kann jedoch mit Sicherheit festhalten, dass eine geeignete Quelle gefunden worden ist. Der Curator Aquarum und ich haben uns gemeinsam auf die Suche nach derselben gemacht und sind im Südosten der Stadt fündig geworden. Die weitere Erforschung hat ergeben, dass die Quelle mehr als genügend Wasser führt, um die Quartiere im Osten und Süden der Urbs derart mit neuem Wasser zu versorgen, dass auch eine Menge Überschusswasser für die Stadtreinigung und die Vigiles vorhanden sein wird. Ein Ausbau der zur Verfügung stehenden Wassermenge im Fall eines Brandes wird so nach Fertigstellung des Aquäduktes garantiert sein.
Die Koordination dieser diversen Schritte und die Information an unseren Imperator wurde durch mich in täglichen kurzen Sitzungen sichergestellt.
Hier nickte ich nun kurz dem Curator Aquarum zu, der auf Grund dieser Erwähnung von den ihn umgebenden Kollegen wohlwollende Blicke und einzelne anerkennende Schulterklopfer erhielt.
Auch für die kürzlich durchgeführten Wahlen hatte der Kaiser eine Arbeit für mich vorgesehen. Durch eine sehr kurzfristig erfolgte Erhebung in den Ordo Senatorius erhielt ich den Auftrag mit den Consuln zusammen zu sitzen und sicherzustellen, dass alle Kandidaten auch an der Wahl teilnehmen konnten. Diese Arbeit hat mir sehr viele Einblicke in die Abläufe unserer Res Publica ermöglicht, welche ich sonst in dieser Art nicht erhalten hätte. Für diese Chance und die äusserst geschätzte Zusammenarbeit möchte ich mich bei unseren beiden Consuln ganz herzlich bedanken.
Ein weiteres Nicken zu den beiden Consuln hin brachte die nächste kurze Pause. Und nun waren nur noch die üblichen Formalitäten zu nennen:
Fleissig habe ich ausserdem während meiner ganzen Amtszeit die Augen und Ohren offen gehalten, um mögliche Kandidaten für Ernennungen, Erhebungen, Bürgerrechtsverleihungen oder gar Adelungen von ganzen Gentes zu notieren. Diese Listen werde ich morgen unserem Kaiser präsentieren, so wie es für mein Amt vorgesehen ist. Meine Akten sind danach gemäss dem Vorbild meines Vorgängers sauber geordnet und für die Übergabe an meinen Nachfolger bereit. Eine lückenlose Fortführung der angefangenen Geschäfte ist garantiert und ich habe bereits einen Termin für die Einführung meines Nachfolgers in die entsprechenden Akten ausgemacht.
Es obliegt nun dem Kaiser zu entscheiden, ob er mich in eure Reihen erheben möchte. Ausserdem obliegt es euch, patres, zu entscheiden ob ich mein Amt so ausgeführt habe, dass es eines Lobes oder einer Auszeichnung würdig wäre. Ich lege daher meine Arbeit der vergangenen Amtszeit in eure Hände.
So schloss ich meine Rede. Den Papyrus hatte ich in der Tat nicht gebraucht. Nun lag es an den Senatoren. Sie konnten Fragen und Anträge stellen. Ich atmete tief durch und wartete erstaunlich entspannt darauf, wer sich zuerst melden würde.
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In Begleitung des hünenhaften Ianitors der Domus Annaea, Ursus, und des ehemaligen Gladiators Flamma, welcher seit meinem Aufenthalt in Roma als mein Custos Corporis amtierte, und gekleidet in Tuniken, welche zwar einen gewissen Status erahnen liessen, mich aber nicht sogleich als amtierenden Quaestor verrieten, betrat ich die Taberna Palindromos, als gerade die beiden Rednerteams vorgestellt wurden. Mit einer gewissen Zufriedenheit nahm ich zur Kenntnis, dass Annaeus Vindex in einem der Teams reden würde. Damit war zumindest klar, welches Team ich heute Abend favorisieren würde, egal welcher Meinung ich selbst war. Immerhin war es eine beliebte Übung der Rhetoren, ihren Schülern eine Aufgabe zu stellen, welche diese am ersten Tag PRO und am zweiten Tag dann CONTRA vertreten mussten, um zu lernen die Argumente auf beide Seiten zu drehen und zu wenden.
Etwas abseits, völlig unauffällig, setzten wir uns zu dritt an einen Vierertisch und Ursus, dessen Gestalt nicht nur in solchen Situationen von Vorteil war, hatte sofort die Aufmerksamkeit eines Schankjungen, der wenig später Wein, viel Wasser, Nüsse und Oliven zum Knabbern brachte.
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Diese Rede hatte mich vermutlich um einige Jahre altern lassen. Ich hatte tagelang kaum geschlafen, hatte dutzende Papyrusrollen und Wachstafeln zerrissen oder zerbrochen, meinen Scriba personalis beinahe in den Selbstmord getrieben mit immer neuen Ideen oder Wünschen, manchmal auch mitten in der Nacht. Es war die bisher wichtigste Rede meines Lebens. Wenn ich hier und heute komplett versagte, dann wäre meine Karriere selbst mit einer Ernennung zum Senator beendet. Ein weiterer Aufstieg aus den Reihen der Quaestorier wäre in diesem Fall kaum möglich.
So gut ich konnte verdrängte ich diesen Gedanken aus meinem Kopf, als ich den Reden der höheren Magistrate lauschte. Und dann war meine Zeit gekommen. Ich atmete tief ein und trat in die Mitte der Halle, welche ich mir als meinen zukünftigen Arbeitsort wünschte. Ich bemühte mich, Sicherheit auszustrahlen und Staatsmännisch aufzutreten, die Toga feinsäuberlich in perfekte Falten gelegt, die so mühevoll erarbeitete Papyrusrolle in der linken Hand.
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Innert kürzester Zeit veränderte sich der Ausdruck in des Kaisers Gesicht. Er kniff die Augen etwas zusammen, was ihm sofort einen leicht bedrohlichen Ausdruck einbrachte. Wie wenn sich dunkle Wolken vor die Sonne schoben und es aussah, als würde Iupiter persönlich sogleich seine Blitze schleudern.
Servius Annaeus Vindex ist sein Name, mein Kaiser, und ich dachte weniger daran, dass du ihn sofort schon in den Ordo Senatorius erheben könntest, als dass ich dir durch die Nennung seines Namens die Möglichkeit geben möchte, ihn zu beobachten und ihm, falls es ihm gelingt ein Tirocinium Fori zu erhalten und sich einen Namen in Rom zu machen, diese Erhebung zu einem späteren Zeitpunkt leichter zu machen.
Er kommt wie gesagt aus einem Familienzweig, welcher in Pergamon ansässig ist. Sein Vater, Lucius Annaeus Mercator, ist dort ein ziemlich bekannter Geschäftsmann. Vindex reiste in den vergangenen Jahren kreuz und quer durch das Imperium, was ihn auch bis nach Germania brachte, bevor er hier in Rom zur Familie zurückkehrte. Seine genaue Ausbildung kenne ich nicht, aber er absolvierte Teile davon in Athen und absolvierte beim Strategos von Pergamon ein erstes Tirocinium Fori.
Wie gesagt, ich würde mich sehr freuen, wenn du ihm eine Chance geben würdest und dir diesen Namen vielleicht für eine Erhebung zu einem späteren Zeitpunkt vormerken könntest.
Ich wusste nicht, ob dies gelingen konnte, aber es war tatsächlich ein Weg, der offiziell so vorgesehen war. Der Quaestor schlägt Namen vor und der Kaiser entscheidet ob er diese sofort, oder später, oder gar nicht in Betracht ziehen wollte. Später war für mich in diesem Fall bereits ein Sieg, denn es ermöglichte mir und Vindex, bei der Suche nach einem Tirocinium Fori andere Wege zu gehen.
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Ich liess mir das Angebot etwas durch den Kopf gehen, während ich versuchte etwas zu erwidern. Schnell entschloss ich mich, das eben genannte Thema aufzunehmen.
Naja, also einen wirklichen Expansionskurs fährt unser Augustus ja nicht. Es gibt keine Kriege, welche darauf abzielen, das Imperium zu vergrössern, lediglich einzelne Schauplätze, an welchen die Grenze stärker gesichert werden soll. Oder hörst du da in deiner Funktion im Palatium andere Dinge?
Das Thema war durchaus interessant, daher konnte ich mir gut vorstellen, vielleicht am nächsten Abend auf einen Schluck Wein in jener Taberna zu erscheinen.
Wer weiss, vielleicht findet mein Ankleider ja tatsächlich etwas im Schrank, wo ich als amtierender Quaestor unerkannt einfach in eine Taberna sitzen kann.
Das folgende Lachen war ehrlich und offen.
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Nun ging es also um die sprichwörtliche Wurst, was mir sofort wieder in Erinnerung brachte, dass es bald Zeit für das Mittagessen war. Verärgert meldete sich nämlich mein Magen.
Nun, dann möchte ich noch darum bitten, dass du auch meine Gens Annaea in deinen Gedanken erwägst. Vor einiger Zeit hat sich ein entfernter Verwandter bei mir eingefunden, aus einem anderen Zweig der Gens, welcher seit langer Zeit bereits in Pergamon ansässig ist. Er möchte ebenfalls gerne den Cursus Honorum beschreiten und hat in der kurzen Zeit seines Aufenthaltes auch bereits Reden auf der Rostra gehalten um so zu versuchen ein Tirocinium Fori zu erhalten. Leider bisher noch ohne Erfolg. Er würde hierfür aber sowieso noch die Erhebung in den Ordo Senatorius benötigen. Sei versichert, ich würde dir niemals einen Namen aus der eigenen Familie nennen, einfach weil ich mir Vorteile erhoffe. Ich traue diesem jungen Mann wirklich viel zu. Er hat grosse Teile des Imperiums bereist, eine ausgezeichnete Ausbildung in Griechenland genossen und soweit ich weiss, bewirbt er sich bei Pontifex Flavius bereits auch um eine Stelle im Cultus Deorum, da er sich sehr zu Aesculapius hingezogen fühlt.
Zeit kurz Luft zu holen.
Solltest du es dann auch für richtig halten, dass ich ab den Kalenden des Martius zu den Reihen der Senatoren gehören soll, was mich zum letzten Namen auf der Liste macht, dann würdest du hiermit der Gens Annaea die grösstmögliche Gunst erweisen. Ob ich für meine Arbeiten zusätzlich auch eine Auszeichnung oder ein Grundstück verdient habe, wie es früher immer wieder vergeben wurde, das obliegt nicht meiner Verantwortung zu entscheiden. Sollte ich in den Senat berufen werden, so möchte ich dich gerne auch darauf hinweisen, dass ich als Senator beabsichtige Iulia Stella zu ehelichen. Die Verlobung wurde bereits öffentlich gemacht und eingetragen, doch mit der Heirat wollten wir bewusst warten bis meine Amtszeit beendet ist.
So, nun war es also raus. Bei allen Göttern, ich hatte keine Ahnung, warum ich mich immer so schwer damit tat, für mich oder meine Familie etwas zu erbitten. Es war doch in Rom schliesslich völlig normal, dass jeder ZUERST für sich und erst DANACH für die Anderen schaute.
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Ich fühle mich jetzt schon beobachtet

Nööö, das ist nicht Florus, das ist der Supermod, der alles liest.

Gut, dass du noch kein Senator bist.

Noch 6 Tage, dann ...
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Da Vindex teilnimmt könnte Florus sich vorstellen, auch zumindest anwesend zu sein. Aber ein Senator treibt sich eigentlich nicht einfach in einer Kneipe herum, als benötigt er da noch einen Grund

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Das Lob des Kaisers ging mir natürlich wie Honig runter, doch die anschliessende Frage erstaunte mich gleichermassen.
Nein, Augustus, besprochen habe ich das mit ihm nicht. Ich habe mich bei ihm nach seiner Befindlichkeit erkundigt, mich mit ihm über seinen Werdegang und seine Einstellung zu seiner Lebensgeschichte unterhalten, aber nicht konkret über meinen möglichen Vorschlag gesprochen. Natürlich wird ihm nicht unklar sein, warum und weshalb ich mit ihm über diese Dinge gesprochen habe, das habe ich ihm auch gesagt, aber irgendwelche konkreten Zusagen oder Absprachen habe ich nicht getroffen.
Ich schluckte eine "Kröte" hinunter, welche sich in meinem Hals bemerkbar machte.
Ich denke, das steht mir auch nicht zu. Ich mache bloss Namensvorschläge und teile meine Einschätzung von Situationen mit dir, aber die Entscheidungen, was du dann für welche Personen für richtig hältst, die obliegt einzig und alleine dir. Wenn ich da irgendwelche Versprechungen machen würde, wäre das Anmassung einer Position, in welcher ich nicht bin.
Sim-Off: Ja, ich wurde simOFF darüber informiert, in welche Richtung die Gedanken zwischen euch gehen. SimON bleibt es aber bei der privaten Cena in der Domus Annaea, wo ich bloss allgemeine Infos sammle.
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Das ist spannend und öffnet ein wenig den Blick. Scheinbar gibt es doch Funde, wenn auch nur sehr wenige, welche die Form eines Calamus nachahmen. Im Artikel genannt sind bloss etwa ein halbes Dutzend bronzener Funde. Das ist nicht gerade viel und die Datierungen sind nicht angegeben, so dass wir leider aus diesem Artikel nicht erfahren, ob sie aus dem frühen 2. Jahrhundert oder erst aus dem 4. Jahrhundert sind.
Die Schreibfeder aus Bein im Artikel ist in das 3. Jahrhundert datiert und daher etwas zu spät für das IR.
Da der Artikel erschien bevor ich meinen Abschluss gemacht habe, wundere ich mich, dass ich diesen damals nicht gelesen hatte. Vielleicht hat es genau mit der Datierung der Funde zu tun, denn ich konzentrierte mich auf die Schreibmaterialien aus dem späten 1. und frühen 2. Jahrhundert.
Übrigens habe ich gerade eine Cicero-Stelle gefunden, in welcher er über Sepia-Tinte schreibt, also gab es diese auch. Sie war aber gemäss Cicero ebenfalls wasserlöslich.
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Ojeoje, alles Gute!
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Die Alltagstinte war wasserlöslich. Eisengallustinte benutzte man nur für wichtige Schriften, welche zwingend haltbar sein mussten. Also Dokumente oder "publizierte" Bücher. Ich kenne keine Forschung über deren Verbreitung und kann daher keine Zahlen nennen.
Tusche gibt es in der Form als Farbe für die Wandinschriften bei Wahlkampf etc. Ich kenne aber keine Funde auf Papyri oder Pergament mit Tusche.
Calamus ist das lateinische Wort für Schilfrohr, also sind die Calami Schilfrohre und keine Metallgegenstände. Sowohl Gänsefeder als auch Metallfeder reissen beim Schreiben die Oberfläche des Papyrus ganz leicht auf, so dass die Tinte darunter läuft und sich in den Fasern spinnennetzartig ausbreitet.
Ich weiss, dass es Funde gibt, welche von einige Leuten als Metallspitzen für Schreibwerkzeuge interpretiert werden. Es gibt dafür aber keinen überlieferten Namen und diese Interpretation ist bei den meisten derartigen Funden mehr als umstritten. Die mir bekannten Funde sind derart gross und grob, dass es sich kaum um Schreibwerkzeug handeln kann, wenn man sieht, wie klein die Schrift auf Papyrusfunden ist.
Gold- und Silbertinten sowie Purpurpergament sind nach meinem Wissen für unsere Zeit noch nicht nachgewiesen sondern erst im frühen Mittelalter.
Das Wort Codex kommt aus dem Lateinischen "caudex". Dies heisst Holzblock und ist daher ursprünglich eine Sammlung vieler mehrseitiger Wachstafeln, welche zu einem solchen Holzblock zusammengebunden wurden. Ein Codex war nie eine Papyrusrolle! Das Wort wurde nie dafür verwendet.
- Wachstafeln gab es in vielen unterschiedlichen Grössen, bis hoch zu einem Format ähnlich wie A1! Es gibt ein Relief, auf welchem die öffentliche Tilgung von Schulden zu sehen ist, wo Scribae auf ihren Schultern Wachstafeln zur Zerstörung bringen. Diese haben mindestens Grösse A2!
- Auf dem Forum Romanum wurden jeden Tag mindestens einmal die Nachrichten aus dem Imperium ausgehängt. Geschrieben auf Wachstafeln. Die Sklaven der reichen Familien schrieben diese ab und brachten die "Zeitung" zu ihren Herren zum Frühstück.
- Es gibt zwei Zwischenformen, z.B. im Mittelalter das "Rollbuch". Zusammengebundene Seiten, gerollt.
Was meine Arbeit angeht, so ist diese leider nicht gut genug, um publiziert zu werden. Teile daraus vielleicht, aber sicher nicht die Ganze!
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Liebe Matinia Musa, ich habe keine Kritik an dir oder deinen Texten geübt sondern lediglich das Thema zum Anlass genommen, mein Wissen zu teilen. Sonst hätte ich dir nämlich eine PN geschrieben und nicht in der Öffentlichkeit etwas abgesetzt.
Aus über 20 Jahren Kontakt mit Personen an Römerfesten weiss ich, dass die riesige Mehrheit der Menschen annimmt, dass die Römer mit Gänsefedern geschrieben haben und das ist halt nicht der Stand der Forschung.
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Da es in Rom gerade ein Thema gibt und ich vor vielen Jahren meine universitäre Abschlussarbeit darüber geschrieben habe, hier einige Infos zu römischen Schreibwaren:
- Schreibmaterial Nummer 1 waren Wachstafeln, welche mit einem Stilus beschrieben wurden.
- Das Wachs war nur hauchdünn aufgetragen, denn es diente bloss als Kontrastschicht zum Holz. Helles Holz = dunkel gefärbtes Wachs. Dunkles Holz = natürlich gelbes Wachs
- Auf den Tafeln wurden mit Tinte manchmal Adressen oder Nutzungszwecke vermerkt.
- Das Wachs war in der Wärme Italiens ohne weiteres Erwärmen leicht wieder zu glätten.
- Die Anzahl Funde gibt Aufschluss über die Verbreitung. Während man in Germania und Britannia eher wenige Wachstafeln gefunden hat, fand man in den zentraleren Regionen des Imperium sehr viele und in Nordafrika wieder weniger.
- Andere Möglichkeiten waren Papyrus oder (falls es noch teurer sein durfte) auch Pergament.
- Die Tinte wurde nicht aus Tintenfischen gewonnen sondern aus einer Mischung aus Gummi Arabicum, Essig und diversen Farbstoffen wie z.B. Beerensäften (Rezept ohne Angabe von Mischverhältnis oder Mengen bei Plinius zu finden).
- Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass man mit Federn geschrieben habe, ist das nicht überliefert! Die Römer nutzten Schilfrohr als Federn, da dieses leichter zu schneiden war und die Papyri nicht beschädigte beim Schreiben. (Ich habe das selbst mehrfach ausprobiert und es stimmt.) Es gibt keine Malereien, Reliefs oder Texte, wo vor dem 6. Jahrhundert n.Chr. von Federn die Rede ist.
- Die Tinte war wasserlöslich! (Nero zwang einen Autor, dessen Werk er nicht mochte dazu, die Seiten wieder blank zu lecken!)
- Bimssteine wurden genutzt um Tinte von Holz wegzuradieren.
- In Britannien wurden aus Abfallholz von Bauvorhaben der Legionen auch kleine Holztäfelchen hergestellt, welche man in der Mitte zusammenfaltete und mit Schnur zu Leporellos zusammenband. Diese Vindolandatäfelchen wurden bis heute nur in Britannien gefunden.
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Stimmt scheinbar, denn nicht mal ich als Supermod kann abstimmen. Sorry, dass ich das zuvor nicht bemerkt hatte. Mal sehen, ob ich das einfach an den anderen Ort verschieben kann oder ob ich das alles neu machen muss.
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Ich war mir den militärischen Ton zwar durch die lange Dienstzeit in Germania gewohnt, dennoch empfand ich es schon fast als überheblich, von einem Ritter derart kurzangebunden "entlassen" zu werden, zumal er ja auch nicht mein Vorgesetzter war, Praefectus Praetorio hin oder her. Trotzdem machte ich auf der Ferse kehrt und verliess sowohl das Gebäude, als auch die gesamte Castra. Allerdings nicht ohne an der Porta zuerst noch meinen Stilus wieder abgeholt zu haben.
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DAS finde ich mal cool! Her mit den Fakten! Da ich das für ein wichtiges Thema halte, habe ich es mal oben angepinnt.
Ich versuche sie dann jeweils in die Wiki einzubauen, falls sie nicht schon dort stehen!
EDIT: Ist bereits in die Wiki übertragen.