Beiträge von Lucius Aelius Quarto

    “Gut, gut, ich danke dir.“


    Er wollte sich schon abwenden, als er nochmals innehielt.
    “…aähm… und viel Glück bei deinen Aufgaben hier… du wirst es wohl brauchen.
    Mögen die Götter dich schützen. Vale!“


    Dann verließ er den Comes, dass Gebäude und bald darauf auch die Stadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium.

    Quarto, auf dem Stuhl sitzend, sackte kaum merklich ein klein wenig in sich zusammen. Doch dann straffte er sich wieder und nickte ernst.
    “Ich verstehe.“
    Etwas mühsam stand er auf, machte aber eine abwehrende Geste, als sein Sklave ihm dabei helfen wollte.
    “Dennoch erwarte ich, dass man dem nachgeht und sein Schicksal noch nicht gänzlich als besiegelt ansieht. Ich ahne, dass hier viele dringliche Dinge getan werden müssen, aber der Vermisste ist immerhin wie ich ein Bruder des Caesars und künftigen Imperators.
    Ich werde umgehend nach Rom zurückreisen. Sollte sich irgendwann etwas Neues ergeben und sollte es dir gelingen, seinen Verbleib aufzuklären, dann sende mir eine Nachricht. Lucius Aelius Quarto - im kaiserlichen Palast kennt man meinen Namen.“

    So schnell wie der Schwindel gekommen war, so schnell fing der Senator sich auch wieder. Ärgerlich schüttelte er den Sklaven ab.
    “Ahrrrr, lass mich, es geht schon.“
    Dennoch setze er sich auf den dargebotenen Stuhl.
    Der erste Schrecken war gewichen und hatte Zorn Platz gemacht. Mit mahlendem Unterkiefer sann Quarto einen Augenblick lang nach.
    “Vermisst… Ich muss also befürchten, dass er in die Hände von Räubern, oder schlimmer und wahrscheinlich noch: In die Hände aufständischer Germanen gefallen ist…“, sagte er knurrend mehr zu sich, als zu seinem Gesprächspartner.
    Doch dann wandte er sich dem Comes wieder voll zu:
    “Ich will mir nicht viele und trügerische Hoffnungen machen. Also sag mir offen ins Gesicht: Glaubst du, dass ich in der hier herrschenden Lage damit rechnen kann, ihn lebendig wieder zu sehen?“

    “Salve!“, begrüßte Quarto den Mann. ”Bist du der Comes dieses Bezirks?”
    Er wartete die Antwort gar nicht erst ab, denn zu sehr drängte ihn sein Anliegen.
    “Das hoffe, dass du mir Auskunft geben kannst. Eine beschwerliche Reise liegt hinter mir und ich bin nach Colonia Claudia Ara Agrippinensium gekommen, um meinen Bruder zu treffen. Sein Name ist Lucius Aelius Validus und er ist der Duumvir dieser Stadt.
    Aber zu meiner Bestürzung muss ich feststellen, dass sein Haus verlassen und er allem Anschein nach fort ist. Kannst du mir sagen, was geschehen ist und wo ich ihn finden kann?
    Ich sorge mich sehr!
    Selbst in Rom hört man inzwischen täglich schlimme Geschichten über die Lage hier in Germanien und wie ich bei meiner Ankunft gesehen habe, ist auch diese Stadt befestigt worden.“

    STADTWACHE!! (Bei Einfuhr in die Stadt, bitte hier melden) >>>


    Nachdem man Quarto und seine Begleiter in die Stadt gelassen hatte, verabschiedete er sich von den Soldaten, die ihm zum Schutz begleitet hatten.
    Dann begab er sich zusammen mit seinem Sklaven Nakhti zum Haus des Aelius Validus. Doch zu seiner großen Enttäuschung fand er es verlassen und verrammelt vor.


    So kam es, dass sie ihm Gasthaus des Ortes unterkamen, das den schönen Namen „Zum wilden Elch“ trug. Quarto hatte zwar keine Ahnung, was ein ‚Elch’ sein könne, doch das Haus machte einen einfachen, aber ordentlichen und sauberen Eindruck und der Wirt war äußerst bemüht und über alle Maßen freundlich. Das mochte auch daran liegen, dass er nicht sehr oft Senatoren beherbergte.

    Eine beschwerliche Reise >>>


    Endlich! Endlich erreichten Quarto und seine Begleiter Colonia Claudia Ara Agrippinensium. Das Wetter hatte sich endlich gebessert. Sturm und Regen waren gewichen und hatten einem milden Spätsommer platz gemacht.


    So kamen sie nach Tagen des Stillstands doch noch vorwärts und zuerst nach Bonna. Das war ein großes Glück gewesen und sie freuten sich, den Ort zu erreichen. Vor allem Nakhti hatte unter der kalten Witterung gelitten, mehr noch als die Soldaten und Quarto. Aber Bonna hatte nicht nur Erleichterung und Glück bereit gehalten. Denn dort musste er erfahren, dass sein Bruder, den er ja besuchen wollte und welcher der Grund der Reise gewesen war, angeblich verschollen sei.
    So drängte er bald schon auf den erneuten Aufbruch und sie verließen Bonna bereits nach einer Nacht. Aber zum Glück hielt das Wetter sich und sie kamen endlich an das Ziel ihrer Reise, die Hauptstadt des Bezirks Germania Inferior.


    Zuerst mussten sie die Stadtbefestigungen ein gutes Stück umrunden, um zum Tor zu gelangen. Das war ausrechend Gelegenheit um zu erkennen, dass die Stadt sich auf einen Angriff vorbereitet und gerüstet hatte.
    Das Tor war verschlossen.
    Also rief Quarto zur Mauerkrone hinauf: “ICH BIN LUCIUS AELIUS QUARTO, SENATOR ROMS! ÖFFNET DAS TOR!“
    Etwas leiser fügte er hinzu: “Ich suche dem Duumvir dieser Stadt, der mein Bruder ist.“

    Bereits mehr als eine Woche waren sie nun bereits unterwegs. Quarto hatte gehofft, die Strecke zwischen Mogontiacum und Colonia Claudia Ara Agrippinensium rasch und zügig hinter sich bringen zu können. Doch das berüchtigte Wetter Germaniens hatten ihm und seinen Begleitern – eine Ala Reiterei, welche ihm der Statthalter zum Schutz abgestellt hatte – einen Strich durch die Rechnung gemacht. Seit Tagen, kurz nachdem sie Bingium hinter sich gelassen hatten, regnete es heftig und hatte die Wege fast unpassierbar werden lassen.
    Quarto verfluchte das Land, dass Wetter und seinen Entschluss, diese Reise überhaupt zu unternehmen.

    "Meinst du, ich werde Begleitschutz benötigen, Legat? Ist der Weg nach Norden dermaßen unsicher?
    Wenn du es als ratsam erachtest, dann werde ich dein Angebot gerne annehmen."

    Quarto schien vollauf mit dem Wein beschäftigt, als Felicia Germanica so unverblümt sprach.
    “Ein hiesiges Produkt?“, fragte er schließlich interessiert.


    “Ich hoffe noch mehr von diesem Land sehen zu können. So habe ich die Absicht noch nach Germania Inferior zu reisen, denn mein Bruder lebt dort und ich bin ihm schon so lange einen Besuch schuldig.“
    Er schaute zu Adria und suchte ihre Hand.
    “Diese Reise kann ich dir jedoch nicht zumuten, meine Liebe. Man hört, es sei dort in letzter Zeit etwas rau zugegangen.“

    “Felicia Germanica, schön dich kennen zu lernen. Dein Name ist mir schon begegnet, jetzt freue ich mich auch die Person dahinter kennen zu lernen.


    Kinder? Nun, zuerst sollten wir verheiratet sein, nicht wahr.“, meinte Quarto lächelnd.


    Zu Sedulus gewandt:
    “Ich wäre dafür, die Verlobung umgehend bekannt zu machen. Da ich als Pater der Gens Aelia nicht in eigener Sache sprechen möchte, wäre es wohl angemessen, wenn du es tätest.“

    “Ich danke dir, Legatus Germanicus Sedulus. Du machst mich sehr glücklich.
    Wann soll die Hochzeit sein? Nun, wie wäre es, wenn wir unser jetziges Zusammensein nutzen und die Verlobung offiziell machen? Die Hochzeit könnte dann schon bald, nach einer standesgemäßen Verlobungszeit in Rom stattfinden.
    Was meinst du, Adria?“


    Er nahm noch einen Schluck.


    “Germanicus Callidus, du fragst, was man in Rom über deinen Vater spricht? Nun…“, er lächelte ein wenig gequält: “…in letzter Zeit war sein Name tatsächlich in vieler Munde. Allerdings haben nicht alle gut von ihm gesprochen, wie ich leider berichten muss.
    Für mich und für viele Andere ist er ein großer Statthalter und Feldherr, ein Bollwerk gegen die Barbaren des Nordens. Gerade jetzt sollte Rom sich seiner glücklich schätzen und froh sein, dass er hier, an vorderster Front steht.


    Aber mit deinen Worten zur kürzlich stattgefundenen Nachwahl des Volkstribuns hast du Andere auf den Plan gerufen, Germanicus Sedulus. Ich musste im Senat schlimme Vorwürfe gegen dich vernehmen. Man bezichtigte dich, gegen den Willen des Imperators zu reden. Es wurde behauptet, ein anderer Kaiser als Ulpius Iulianus hätte deine Karriere deshalb beendet.
    Aber das ist alles Polemik, wenn du mich fragst. Damit sollen nur andere Ziele gefördert werden, die diese Leute verfolgen. Doch ich bin zuversichtlich das sie scheitern werden.“

    “Ah, Octavius Germanicus Callidus, es ist mir eine Ehre den Sohn des brühmten Statthalters von Germanien kennen zu lernen.“, begrüßte Quarto den anderen Germanicus.


    “Du warst überrascht, Adria? Dabei hatte ich dieses Vorhaben schon so lange im Sinn.“, meinte er lächelnd.


    “Germanicus Sedulus, ich hatte dir meinen Wunsch…, unseren Wunsch, in dem ersten Brief ja schon geschildert. Wir sind hier, weil wir um deine Zustimmung ersuchen möchten, heiraten zu dürfen.
    Ich liebe Adria und will ihr ein guter und treuer Ehemann sein. Ich entstamme einer vornehmen Familie und kann zahlreiche große Römer meine Ahnen nennen, darunter nicht wenige Konsuln. Ich selbst habe dem Imperium und dem Kaiser als Quaestor Principi und Aedilis Plebeii gedient und bekleide zurzeit das Amt eines Praefectus Augusti im Kaiserpalast. Außerdem habe ich vor kurzem auf Wunsch des Imperators meinen Platz im Senat eingenommen.
    Die Verbindung unserer beiden Familien, der jungen und starken Gens Germanica und der alten, traditionsreichen Gens Aelia, wäre zudem, so glaube ich, zum Wohle beider Seiten.
    Ich hoffe deshalb sehr, dass dieses Ansinnen dein Wohlgefallen finden wird.“

    Sedulus Aufforderung folgend, hatten sie sich niedergelassen.
    “Ja… wie eigentlich? Eine gute Frage, Legat. War es nicht gar auf dem Fest, dass Germanicus Avarus damals in einer Villa nahe Rom gegeben hat?“
    Er schaute Adria fragend an.
    “Mir ist inzwischen so, als hätte es nie eine Zeit gegeben, an der ich dich nicht gekannt hätte.“