Beiträge von Lucius Aelius Quarto

    “Dein Besuch hat mich sehr gefreut.“, sagte Aelius Quart, nachdem auch er sich erhoben hatte.
    “Bitte richte dem curator aquarum Spurius Purgitius Macer meine Grüße aus, solltest du ihn treffen.
    Und ich werde mich bei dir melden, wenn ich etwas aus Misenum vom Imperator Caesar Augustus höre.“

    “Salve! Oh nein, natürlich nicht, Senator Vinicius Lucianus. Du bist mir willkommen.“, begrüßte Aelius Quarto seinen Gast freundlich.


    Er machte eine einladende Geste.


    “Bitte, wollen wir uns nicht niederlassen? Möchtest du etwas trinken? Einen Wein? Und wenn du Hunger hast, dann lasse ich uns auch gerne eine Kleinigkeit auftragen.“

    “Nun ja.“, meinte Aelius Quarto zunächst scheinbar zögerlich.


    Dann wurde er aber doch konkreter: “Mir liegt es fern, dir Senator Decimus Meridius abspenstig machen zu wollen. Aber wie du richtig sagst, hat er sich aufs Land zurückgezogen und dem öffentlichen Leben offensichtlich den Rücken gekehrt. Für einen ambitionierten Mann ist es aber wichtig, einen Patron zu haben, der am gesellschaftlichen und politischen Geschehen aktiv teil nimmt. Darum verstehe ich deine Überlegung gut und kann dir nicht reinsten Herzens davon abraten. Bestimmt würde Meridius diesen Schritt auch gut verstehen.“


    Er machte eine kurze Pause.


    “Es gibt natürlich keine Alternative zur Seite des des Imperators Caesar Augustus. Opposition ist sinnlos und es gibt auch gar keine Rechtfertigung dafür. Wie du dir denken kannst, stehe ich selbst fest zu ihm und bin ihm in tiefer Loyalität verbunden.“

    “Vespa, meine Liebe!“, rief ihr Onkel aus.
    “Das ist lieb von dir. Aber du, du bist wie der junge Frühling. Lass dich ansehen. Wie schön du bist. Da geht einem alten Mann das Herz auf!
    Erzähle mir, wie ist es dir ergangen? Wir haben uns schon so lange nicht mehr gesehen.“

    “Im October vielleicht. Ich hatte gehofft, die factio Albata oder die factio Aurata würde zu den ludi Romani Rennen veranstalten, aber meine Hoffnung wurde enttäuscht. Gut, von der Aurata wusste ich schon, dass sie es nicht tun würde.
    Darum – vielleicht – im October. Aber vermutlich nur, wenn wir Blauen wieder das Heft in die Hand nehmen, fürchte ich.“

    “Ähm... ich schlage vor, wir setzen uns, Senator. Im Sitzen redet es sich bequemer.“, antwortete Aelius Quarto und bot seinem Gast einen Stuhl an.


    Er schien ehrlich daran interessiert zu sein, was Annaeus Florus zu ihm geführt hatte. Die Stichworte 'Kaiser' und 'Vescularius' ließen ihn aufhorchen. Doch was hatte Florus' Klientelverhältnis damit zu tun? Nun, er würde es sicher gleich erfahren.

    “Unsere aurigae, die Wagenlenker? Na, Dareios, Diokles und auch Rothar, die werden dir doch etwas sagen, wenn du dich für den Wagenrennsport interessierst, oder? Doch, leider, alle haben sie ihre Laufbahn inzwischen beendet. Vielleicht werden wir nie wieder einen wie Dareios haben. Aber er übt jetzt mit unseren neuen aurigae und bringt ihnen bei, was er weiß. Die wir jetzt bei uns haben, sind alle noch jung und wenig erfahren. Doch ich hoffe, sie werden sich mit der Zeit gut machen, wenn wir ihnen die Gelegenheit geben, sich in Rennen zu beweisen.
    Unser bester Mann heißt Mehaf. Ein Aegypter. Noch mehr Hoffnung setze ich jedoch in Tolimedes, unseren Griechen. Er ist noch ein paar Jahre jünger als Mehaf und hat sich gleich bei seinem ersten Auftritt hier in Rom für den Endlauf qualifiziert. Das war schon sehr gut. Er ist ein Naturtalent, will ich meinen.
    Dann gibt es noch Casetorix, ein Gallier. Bei dem weiß ich noch nicht so recht, was ich von ihm halten soll. Schlecht ist er nicht. Aber ob es für den Circus Maximus reicht? Das müssen wir abwarten.“

    An den
    Imperator Caesar Augustus
    Gaius Ulpius Aelianus Valerianus
    Villa Augusta Misenensis
    Misenum, Campania


    Salve Gaius, mein geliebter Bruder!


    Der Sommer geht vorüber. Noch ist die Luft hier in Rom drückend und die Hitze steht in den Straßen der Stadt. Doch hoffe ich auf die kühlenden Winde vom Meer, die im September kommen und Erleichterung bringen.
    Erleichterung – jeden Tag bete ich zu den Göttern, dass sie auch Dir Erleichterung und Linderung verschaffen. Ich bete und hoffe, dass Dir der Aufenthalt in Campania gut tut und wie ersehnt, Heilung von der tückischen, Dich peinigenden Krankheit bringt.
    Doch will ich Dir die Wahrheit nicht verschweigen. Gerüchte machen hier in Rom die Runde. Es wird über Deine Gesundheit spekuliert und darüber, ob Du diese Schwäche je überwinden wirst. Das erfüllt mich mit Sorge. Deine andauernde Abwesenheit und das Gerede könnten das Volk beunruhigen und wenn es in Unruhe ist, dass weißt Du, dann kann dies schlimme Folgen haben.
    Darum hoffe ich auf Deine baldige Rückkehr.


    Aber ich möchte Dir nicht nur von meiner Sorge schreiben, sondern auch von zwei meiner clienten berichten. Der Erste ist Titus Decimus Verus von den Decimern, Sohn des Lucius Decimus Philippus und curator kalendarii von Italia. Der Zweite ist Lucius Iulius Centho aus dem Geschlecht der Iulier. Sein Vater war Tiberius Iulius Maxentius. Er ist aquarius hier in Rom. Beide sind sie, wie gesagt, meine clienten und beide haben den Wunsch, Rom noch mehr und zwar im cursus honorum zu dienen. Bevor sie diesen großen und ehrenvollen Schritt aber tun können, müssten sie den üblichen Traditionen folgend dem ordo senatorius angehören. Denn das tun sie nicht.
    Noch nicht, wie ich hoffe, denn ich bitte Dich, sie in den senatorischen ordo zu erheben.


    Wie geht es Deinem Weib, Livilla Ulpia, und wie Deinem Sohn Publius? Mir wurde berichtet, sie wären bei Dir in Misenum. Das ist gut. Ein Mann sollte seine Familie um sich haben. Ich hoffe, der Junge macht sich gut. Sicherlich wird der Tag kommen, an dem Du ihn zum Caesar und Thronfolger ernennen wirst. Um diese Last zu tragen, wird er starke Schultern brauchen. Die sollten zeitig gestärkt werden.


    Genug der Worte. Ich will Dich nicht ermüden.
    Meine Gedanken und Gebete sind bei Dir.


    Lucius Aelius Quarto



    ROMA - PRIDIE NON SEP DCCCLIX A.U.C.
    (4.9.2009/106 n.Chr.)



    Mit eigener Hand verfasste Aelius Quarto diese Zeilen. Denn keinem seiner scribae wollte er diese persönlichen Worte an den kaiserlichen Bruder anvertrauen und auch nicht die beunruhigenden Gerüchte, die seit einiger Zeit in Rom die Runde machten. Nein, dass schrieb er lieber selbst, auch wenn seine Handschrift nicht die eines ausgebildeten Schreibers war.
    Nach dem letzten Wort las er alles noch einmal. Dann unterzeichnete er und versiegelte den Brief.


    Gerade wollte er nach seinem Leibsklaven Nakhti rufen...

    Nein, in Alexandria, aber dort vielleicht gleich hinter dem Mondtor. :D


    ...herrje, ich weiß, für solche Kalauer kann man auch gekreuzigt werden. :rolleyes:



    Es ist allerdings eine wirklich interessante Marktbereinigng, die Furianus da betrieben hat. Wobei es für einen Plebejer jetzt gar nicht so einfach ist, „sein“ Geld wieder halbwegs sinnvoll auszugeben um der Steuer zu entgehen. :hmm:

    Offenbar war es auch dem Senator ganz recht, dass Thema zu wechseln, denn er ging sofort auf die Frage ein.


    “Ja, ich kann dich gerne bei der nächsten Vollversammlung der Veneta allen vorstellen. Aber wann die sein wird, dass vermag ich noch nicht zu sagen.“

    “Dein Vater war dort? Oh, dass wusste ich gar nicht.“


    Quartos Blick ging in die Ferne und es sah so aus, als würde er sich an Gaius Prudentius Commodus, den Vater, der ebenfalls sein Klient und ein Freund gewesen war. Mehr als zwei Jahre war er inzwischen schon tot.


    “Es gibt also schon eine Liste für Corvus' Nachfolge? Wer hat sie erstellt und welche Namen stehen da drauf?“

    Aelius Quarto ließ die Schriftrolle sinken, in der er ohnehin nur zum Schein gelesen hatte, um Geschäftigkeit vorzutäuschen. Er erhob sich und legte sie weg. Dann trat er auf seinen Gast zu.


    “Salve Senator Annaeus Florus!“, begrüßte er ihn lächelnd.