Beiträge von Lucius Aelius Quarto

    “Mmh.“, machte Aelius Quarto da.
    “Wir, du und ich, wir sind Freunde. Aber wir hängen widerstreitenden Farben an. Bisher glaubte ich, die Grünen seien die Erzfeinde meiner Blauen. Aber in letzter Zeit scheint es so, als würden sich vor allem die Goldenen dadurch hervortun, am lautesten gegen die Veneta zu rufen. Ich weiß nicht, ob unsere Anhänger solche freundschaftlichen Vergleiche gut aufnehmen würden.“

    Zitat

    Original von Titus Aurelius Ursus
    (...)
    "Nun, ich denke schon. Zwei der Fahrer kommen in Frage. Aber ich möchte erst mit ihnen sprechen, bevor ich mich festlege. Und wie sieht es bei Dir aus? Möchtest Du einen weiteren Fahrer für die Veneta verpflichten?"


    Quarto wiegte den Kopf hin und her.
    “Naja.“, meinte er, die Stirn in Falten legend.
    “Der eine oder andere zeigt bestimmt gute Ansätze. Vielleicht haben wir hier sogar einen zukünftigen Sieger gesehen. Aber für die Veneta fahren zurzeit drei aurigae, die ebenfalls noch recht jung und noch lange nicht auf dem Zenit ihres Könnens angelangt sind. Und von denen da hat mir keiner stärker ausgesehen, zumindest noch nicht.“

    “Die Form der Verehrung ist verschieden und manche Völker haben Riten, die uns fremd erscheinen. Auch die Bilder, die wir uns von den Göttern machen, unterscheidet sich bisweilen. Aber jeder vernünftige Mensch weiß, dass bei all dem, die Götter immer dieselben sind.
    Und wir Römer, wir haben unsere Form der Verehrung und daran sollten wir festhalten. Denn zum Andenken unserer Ahnen gehört es doch auch, ihre Gebräuche weiter zu führen und in Ehren zu halten. Was aber währen wir ohne diejenigen, deren Fleisches wir sind und von denen wir abstammen? Nichts.
    Deshalb ist es wichtig, dass wir daran festhalten, ja.“

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    Original von Titus Aurelius Ursus
    Ursus schaute Quarto offen an und machte aus seiner Dankbarkeit keinen Hehl. Natürlich wußte er, daß er sich Quarto verpflichten würde, doch weit lieber ihm, als einem ihm Unbekannten. Von wem auch immer er ein Grundstück erhielt, er war demjenigen dann etwas schuldig. Sei es sein Onkel, sei es sein Patron - oder Aelius Quarto. Von diesen dreien besaß sein Patron am meisten Land und Quarto am wenigsten, das war ihm ebenfalls bekannt. "Auf dieses Angebot komme ich sehr gerne zurück. Wenn mein Patron mir morgen eine abschlägige Antwort erteilen sollte, dann werde ich zu Dir kommen." Er hatte zwei Jahre mit diesem Mann eng zusammengearbeitet und glaubte zu wissen, daß er guten Gewissens hinter ihm stehen konnte.


    Aelius Quarto nickte und sagte schlicht: “Du bist mir willkommen.“


    Während sie gesprochen hatten, war das Rennen weiter gegangen und jetzt war es vorüber.


    “Und?“, fragte Quarto: “War da jetzt ein auriga dabei, den du für die factio Aurata verpflichten wirst?“

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    Original von Titus Aurelius Ursus
    Ursus fand ja nicht, daß das besonders ermutigend klang. Anscheinend gehörte dieser Mann tatsächlich zu jenen, die gerne ihren Reichtum zählten, aber sich auf keinen Fall von einem Teil davon trennen wollten. "Sollte mein morgiges Gespräch mit meinem Patron nicht erfolgreich sein, kann ich Senator Matinius ja mal aufsuchen. Allerdings weiß ich nicht, ob es gut ist, sich einem Mann gegenüber zu Dankbarkeit zu verpflichten, den man so gar nicht einschätzen kann." Ursus war nicht bereit, jeden Preis für das fehlende Grundstück zu zahlen. Er mußte es mit seinen eigenen Überzeugungen wenigstens so halbwegs vereinbaren können.


    “Nein. Wenn deine bisherigen Bemühungen scheitern sollten, dann lass dir von mir helfen. Ich habe es dir doch bereits angeboten, als wir schon einmal über dieses Thema sprachen.“


    Aelius Quarto sagte das in freundlichen, fast väterlichem Tonfall. Er mochte den jungen Aurelier sichtlich. Trotzdem war klar, dass er für seine Großzügigkeit eine Gegenleistung erwarten würde. Denn in der Politik gab es selten, eigentlich nie, etwas umsonst. Zweifellos sah der dreimalige consul hier eine gute Gelegenheit, sich die Unterstützung eines jungen, aufstrebenden Senators auf Dauer zu sichern.

    “Das wichtigste ist, dass wir sie nicht vergessen. Man muss mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen und mit offenem Herzen. Dann wird man der Götter in all ihrer Pracht und Schönheit gewahr werden. Doch viele Menschen sind heutzutage blind für die alten Götter und wenden sich neuen zu. Aber ich bin mir nicht sicher, ob diese neuen Gottheiten wirklich immer verehrenswert sind. Manche davon sind, so fürchte ich, Trugbilder der Verirrung.
    Oder die Menschen lassen ihren Glauben ganz vertrocknen und verkümmern.“

    “Aus dem Senat natürlich, ja. Aber besonders gut, nein, besonders gut kenne ich ihn nicht. Er war lange Statthalter in Hispania. Aus dieser Zeit rührt wohl auch sein enormer Reichtum. Seit seiner Rückkehr ist es eher ruhig um ihn geworden. Mit großen Reden im Senat oder in der Öffentlichkeit tut er sich nicht hervor. Er war ein guter Freund des verstorbenen consulars Cicero Octavius Anton. Zu meinen Freunden kann ich ihn nicht zählen. Aber auch nicht zu meinen Gegnern.“

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    Original von Titus Aurelius Ursus
    Ursus seufzte und zuckte mit den Schultern. "Um den geht es auch noch immer. Meine Verwandten sind zur Zeit nicht greifbar und mein Patron hat zunächst abgelehnt, mir ein Grundstück zu veräußern, will es sich aber nun wenigstens nochmal überlegen. Morgen werde ich ihn wieder aufsuchen und dann wohl seine endgültige Entscheidung erfahren. Und die daran geknüpften Bedingungen. An ein Grundstück zu kommen ist zur Zeit nahezu unmöglich." Es war wie verhext.


    “Ja, dass ist wahr. Land ist teuer geworden. Vor allem fruchtbares und lohnendes Land ist knapp. Andererseits gibt es Männer, denen gehört sehr viel. Matinius Agrippa ist der reichste von allen und der größte Grundbesitzer. Man munkelt, ihm würde inzwischen halb Italia gehören.“

    “Nun ja, wir alle müssen dem Leben Tribut zollen und den Dingen, die wir zu sehen bekommen und zu erleiden haben.“


    Ganz kurz merkte man ihm sein Erstaunen darüber an, dass Decimus Verus so offen über diese 'Dinge' redete. Gewöhnlich sprach ein römischer Mann nicht darüber. Quarto selbst hatte keine Vergangenheit als Soldat. Aber er war als Zivilist mit der römischen Armee in Parthien und dort nicht blind für den hundertfachen Tod gewesen und das Elend des Krieges, obwohl er nicht selbst gekämpft hatte.


    “Die Götter schenken uns Trost und Hoffnung. Bei ihnen ist die Lösung aller Seelenpein.“

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    Original von Titus Aurelius Ursus
    "Hm, vom Namen her ist es wohl am ehesten dieser Perikles, wenn es nicht ein völlig abwegiger Spitzname ist. Auf jeden Fall hält er sich wacker." Interessiert verfolgte Ursus die weiteren Manöver des Favoriten. Der Fahrer auf der zweiten Position machte sich allerdings auch gar nicht übel, er gab "Pepe" ordentlich zu tun.


    “Ja, durchaus, er hält sich wacker.“, bemerkte Aelius Quarto.


    Während er scheinbar mit aller Aufmerksamkeit weiter dem Rennen zusah, fragte er wie nebenbei: “Du bist jetzt bei der Legion in Mantua, ja? Schon dein zweites Militärtribunat, wenn ich mich recht entsinne.“

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    Original von Titus Aurelius Ursus
    (...) "Da hat einer schon einen Haufen Anhänger mitgebracht", grinste er und deutete auf den kleinen Spanier. Er behielt den Burschen mal im Auge, er machte sich gar nicht schlecht und hatte die Fehler der anderen geschickt für sich zu nutzen gewußt. Aber würde er seine Position weiter halten können?


    “Ja. Erstaunlich! Was rufen die da? Pepe? Ein seltsamer Name. Vielleicht ein Cilicier oder ein Cappadocier?“, riet Aelius Quarto, obwohl er selbst nicht ganz überzeugt zu sein schien.
    “Ich habe auf jeden Fall noch nie von ihm gehört.“

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    Original von Titus Aurelius Ursus
    Auch die beiden Männer machten sich schon auf den Weg ins Stadion. "Ja, es ist schon viel zu lange her", erwiderte Ursus die Herzlichkeit Quartos. "Neptun scheint bestens gelaunt, so rasch und problemlos, wie das Opfer abgelaufen ist." Kaum hatten sie ihre Pläzte eingenommen, da startete auch schon das Rennen.


    "Um nichts in der Welt würde ich mir an solch einem Tag ein Rennen entgehen lassen. Auch wenn es nur ein Übungsrennen ist. Heute ergibt sich ja eine einmalige Gelegenheit, nach vielversprechenden Talenten Ausschau halten. Patroklos ist zwar ein hervorragender Fahrer, aber sehr lange wird er nicht mehr aktiv sein können." Seine Augen folgten dem Geschehen auf der Rennbahn.


    “Patroklos? Mmh... ja, ein erfahrener Mann, zweifellos. Er hat wohl mehr Rennen bestritten als jeder andere aktive auriga in Rom. Aber viele Siege waren glaube ich nicht dabei. Ich kann mich an keinen erinnern.“
    Aelius Quarto grinste spitzbübisch.


    Inzwischen hatte das Rennen begonnen. Es gingen ausnahmslos Fahrer ohne factio-Zugehörigkeit an den Start; junge Männer, die noch nie bei einem wirklich großen Rennen gefahren waren. Für sie ging es um viel, auch wenn das Rennen selbst vollkommen unbedeutend war. Sicher hofften sie auf eine Anstellung bei einem der sechs großen Rennställe und auf eine glanzvolle Rennfahrerkarriere, dazu ein finanziell sorgenfreies Leben. Doch zunächst mussten sie sich hier und heute hervortun, um die Aufmerksamkeit der maßgeblichen Leute zu erregen. Quarto selbst war als princeps der factio Veneta einer davon. Sein Gesprächspartner Aurelius Ursus ebenso, denn der war der princeps der Aurata und Quarto erkannte etwas weiter entfernt auch Purgitus Macer von der Russata und Annaeus Florus von der Albata.


    “Immerhin hat er sich bei den ludi Apollinares ganz ordentlich geschlagen, der Patroklos. Ein zweiter Platz ist aller Ehren wert.“

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    Original von Titus Aurelius Ursus
    (...) Er bemerkte Quarto in der Menge und drängelte sich langsam zu ihm durch. "Salve, Aelius Quarto. Ein schöner Tag für das Fest, nicht wahr? Dieser Trubel ist einfach herrlich." Zwar war er nicht immer dafür empfänglich, aber heute genoß er es einfach, sich zwischen all diesen fröhlichen Menschen zu bewegen.


    “Salve Titus Aurelius Ursus! Wir haben uns schon einige Zeit nicht mehr getroffen. Umso mehr freue ich mich“, erwiderte Aelius Quarto den Gruß sehr herzlich, denn er schätzte den jungen Patrizier spätestens seit dessen Zeit als quaestor consulum. Obwohl dieser eindeutig der falschen factio anhing, wie Quarto fand, ja, er war sogar ihr princeps.


    “Ja, wirklich, die Menschen sind sehr ausgelassen. Aber es ist auch ein schöner Tag und ein passender Anlass. Willst du auch nachher auf die Rennbahn, um das Nachwuchsrennen anzusehen?“

    Lucius Aelius Quarto gehörte zu denen, die dem Opfer aus gebührender Distanz beiwohnten. Er sah, wie der Stier starb. Das Blut floss reichlich. Alles schien ihm fehlerlos zu sein und wie es sich gehörte.
    Die Neptunalia war ein heiteres Fest, ein Volksfest, dass sehr beliebt war und, wie Quarto wusste, schon seit Jahrhunderten gefeiert wurde. Menschen jedes Standes tummelten sich auf dem weiten Campus Martius. Da waren Gaukler, Musiker und Zotenreißer. Familien nutzen diesen Tag für einen Ausflug, und die Trinker hatten schon sehr früh damit begonnen, den Gott auf ihre Art zu ehren.
    Quarto hatte an diesem Tag noch keinen Wein angerührt, wenn man einmal von dem reichlich verdünnten, kleinen Schluck am Morgen, gleich nach dem Aufstehen absah. Aber der zählte nicht, fand er. Denn dieses morgendliche Quantum diente – rein medizinisch versteht sich – der Belebung von Körper und Geist, und der Mundhygiene.

    “Ich grüße dich, Senator Annaeus Florus und ich beglückwünsche dich, als den Princeps der facto Albata, zu diesem großen Sieg!“, sagte Lucius Aelius Quarto, als der Gemeinte bei ihm war.


    Inzwischen brachten die Helfer den Siegeskranz und den Palmzweig für Felix, den Sieger des Rennens. Ein weiterer trug eine schmucke Holzschatulle.


    Aelius Quarto überreichte Felix den Kranz und den Palmenzweig, lobte dabei noch einmal seine großartige Fahrt und beglückwünschte zu seinem Sieg.


    Dann wandte er sich wieder Annaeus Florus zu:
    “Ein großer Sieg muss belohnt werden. Dem Sieger waren 250 Denarii, also 1000 Sesterzen von meinem eigenen Geld als Siegespreis versprochen und hier sind sie. Bitte nimm es im Namen der Albata als den gerechten Lohn für die siegreiche Fahrt deines auriga.“


    Nachdem er das gesagt hatte, trat der Rennhelfer zu Florus um ihm die Schatulle zu überreichen.




    Sim-Off:

    per WiSim überwiesen

    “Bitte, wir wollen uns setzen.“, sagte Aelius Quarto und lächelte, während er auf die Bank wies.
    “Es ist ein schöner Tag, nicht wahr? Die Götter meinen es gut mit uns. Ich lasse uns etwas Wein und einen Bissen zu essen kommen.“