Beiträge von Lucius Aelius Quarto

    “Oh ja, wir müssen ihn gebührend empfangen!“, meldete sich Aelius Quarto zu Wort.


    “Seine Rückkehr ist ein Geschenk der Götter, ein Gunstbeweis, nach einem schweren und schicksalhaften Jahr. Ich erinnere an das Opfer, dass der Imperator Caesar Augustus und die Consuln den Göttern dargebracht haben, um das Böse von Rom abzuwenden. Jetzt geben sie uns Gutes zurück.


    Bereiten wir Senator Marcus Decimus Livianus einen feierlichen Empfang, nehmen wir ihn ehrenvoll wieder in unserer Mitte auf, und vergessen wir keinesfalls die Männer, die seine Rückkehr mit der Hilfe der Götter erst möglich gemacht haben. Auch ihre Rückkehr müssen wir feiern und sie sollten Roms Dankbarkeit und Anerkennung erfahren.“

    “Ja, im Senat, da werden wir uns sehen. Ich wünsche dir auch noch einen guten Tag, mein lieber Medicus Germanicus. Und einen guten Heimweg ebenso.“, verabschiedete sich Aelius Quarto von seinem Gast.


    Dann klatschte er in die Hände, damit ein Sklave ihn hinaus geleitete.

    “Manculus. Ja, natürlich!“, log Aelius Quarto lächelnd, denn in Wahrheit konnte er sich dieses Mannes nicht entsinnen. Aber es gab auch so viele hoffnungsvolle Aurigae, die ihre Karriere aufgrund von Verletzungen oder wegen anderen Gründen vorzeitig beenden und ihre Hoffnung auf Ruhm und Wohlstand beerdigen mussten.


    “Den Samniten da“, er wies auf den Mann, der inzwischen vor dem Starthaus angekommen und von seinem Wagen gesprungen war, während ein Stallknecht die Pferde beruhigte und ein anderer damit begann, dass erste aus dem Geschirr zu nehmen: “den Samniten kannst du mir nicht empfehlen? Nein, dann will ich ihn für die Veneta auch nicht. Dein Rat ist Gold wert, mein Bester. Das weiß jeder und auch ich weiß ihn wohl zu schätzen.“


    Er machte eine Pause, in der er versonnen über die Rennbahn blickte. Nun galt es, dass Gespräch auf das von ihm angestrebte Thema zu lenken.
    Als ob es ihm eben erst einfallen würde, sagte er:
    “Hast du nicht auch gute Beziehungen nach Griechenland? Du bist doch ein Kenner der dortigen Szene, nicht wahr?“

    “Hatte der Senat nicht den Triumvir Maximus Decimus Meridius damit beauftragt? Wenn dir jemand grollen könnte, dann wohl er. Aber ob er das tut? Nein, angesichts des glücklichen Ausgangs kann ich mir das nicht denken, selbst bei einem so stolzen Mann wie ihm nicht. Das wäre doch ein wenig kleinlich, wo uns die Götter dermaßen gnädig waren.“

    “Nun ja“, sagte Aelius Quarto, öffnete die Hände und blickte kurz nach oben, als ob er sich göttlichen Rat erhoffte: “ich möchte wahrlich nicht Partei ergreifen und die Entscheidung liegt natürlich auch nicht bei mir. Doch wenn ich sie zu treffen hätte, dann würde ich finden, dass Tiberius Durus über das Ziel hinaus schießt. Natürlich muss man von einem Senator erwarten, dass er sich seiner Stellung Zeit seines Lebens als würdig erweist und man muss sich wünschen, dass sich an ihm die alten römischen Tugenden zeigen. Auch halte ich viel von Höflichkeit und von würdigem Auftreten.
    Selbstverständlich ist die Curia Iulia ein geheiligter Ort und verlangt danach, dass man dies achtet. Allerdings ist es auch ein Ort engagierter Debatten und manchmal auch heißherziger Leidenschaften. Selbst wenn diese Worte gefallen sein sollten, kämen mir kaum die Konsequenzen in den Sinn, die Durus in seinem Brief fordert. Im Senat muss Platz für ein offenes Wort sein und man muss auch ertragen können, wenn manch einer vielleicht bisweilen über das Ziel hinaus schießt. Jeder Senator sollte Mann genug sein sich selbst zu wehren, mit einer Entgegnung, die den Gegner zu entwaffnen vermag – verbal versteht sich.
    Das ist meine Auffassung. Aber ich muss darüber auch nicht befinden, wie gesagt.“

    “Ich denke doch, der Senat sollte ihnen nicht mit Milde begegnen, sondern viel eher mit Lob und Anerkennung, auch wenn sie nicht im öffentlichen Auftrag handelten. Decimus Magnus ist doch ein Verwandter des Geretteten. Da kann man ihm sein Handeln doch gar nicht vorwerfen.“

    Einer der Gäste auf der Ehrentribüne war der aus Rom angereiste Senator Lucius Aelius Quarto. Der Duumvir Marcus Iulius Proximus war sein Klient und hatte ihn persönlich eingeladen.
    Er blieb in dessen Nähe und unterhielt sich mit anderen Gästen, während er wie sie auf das Eintreffen des Festumzuges wartete. Es wurden keine bedeutenden Dinge erörtert. Vornehmlich ging es um das gute Wetter, dass ohnehin bevorzugte Klima an der Bucht von Neapolis, den vortrefflichen Wein der hier angebaut wurde und die nicht minder guten Oliven, was vor allem Quarto selbst gerne betonte, weil er vor der Stadt ein Landgut mit ausgedehnten Olivenhainen besaß.
    Quarto wurde wiederum immer wieder versichert, welch große Ehre es doch war, dass der Kaiser eine Landvilla nahe der Stadt erworben hatte. Diese Nachricht hatte sich rasch herum gesprochen, wie es schien. Aber das war hier in der Provinz, wo das Leben beschaulicher und ruhiger als in Rom war, auch nicht weiter verwunderlich.
    Ob es denn wohl stimme, wurde der Senator immer wieder gefragt, dass der Kaiser hier den Sommer verbringen wolle? Aelius Quarto gab darauf immer nur launige Antworten, zu denen die Fragenden pflichtschuldig lachten, ohne dass sie wirklich mehr von ihm erfahren hätten.

    Doch ganz umsonst war Musa heute nicht hierher gekommen.
    Als die Gespanne nämlich die zweite meta umrundeten und dann langsam in Richtung des riesigen Starthauses am Kopfende des Circus austrudelten, näherte sich ihm ein Mann in der Toga eines Senators. Eine Hand voll Männer begleiteten ihn.
    Es war Lucius Aelius Quarto, der dreimal das Konsulat inne gehabt hatte, den Kaiser seinen Bruder nannte und außerdem – und deshalb war er hier – der Factio Veneta vor stand.


    Die Männer kannten sich.


    “Salve Galeo Samius Musa! Ein schöner Tag, um den Wagen bei ihren Runden zuzusehen.“, begrüßte er den Mann, dessen öffentliches Ansehen doch so viel geringer war als das seine, ausnehmend freundlich, denn er wollte etwas von ihm.

    “Das ist doch eine ganz ordentliche Summ. Wenn keine andere Factio den Preis in die Höhe treibt, dann sollte sie meiner Meinung nach ausreichen.
    Wenn ihr mir also zustimmt, dann werde ich mich um eine Verpflichtung dieses jungen Tolimedes bemühen, bevor die anderen Rennställe auf ihn aufmerksam werden und genau das passiert.
    Hoffen wir, dass sich bestätigt, was über ihn gesagt wird.“




    Sim-Off:

    Dazu muss Quarto, hab' ich mir überlegt, mit einem gewissen Samius Musa sprechen. Wer mag, kann ihn gerne begleiten und in den Thread mit einsteigen.




    /SimOff angefügt



    [Blockierte Grafik: http://home.arcor.de/gensvaleria/venetaSig.gif]
    PRINCEPS FACTIONIS - FACTIO VENETA

    “Dann solltest du es tun und, nein, es wird sicherlich kein Fehler sein, wenn du deine Präferenzen für einen Posten hier in Rom äußerst. Ob dein Wunsch erhört wird, nun, dass musst du abwarten. Aber ich denke doch, dass man einen Mann wie dich nicht nach Numidia, oder in eine ähnlich abgelegene Gegend schicken wird.“

    “Oh ja, davon habe ich gehört. Man hat ja kaum zu hoffen gewagt, ihn in dieser Welt noch einmal lebend wieder zu sehen.
    Ich war damals dabei, in Parthia, bei den Truppen, als er verschwand und ich weiß noch, wie erschüttert Iulianus war, als er es erfuhr. Wir waren alle erschüttert.
    Es ist ein Wunder. Wir müssen den Göttern danken.
    Und natürlich den Männern, die es vollbracht haben, dass er nun zurückkehren kann.
    Du hast Recht, Decimus Livianus ist ein Held. Aber seine Retter sind es natürlich auch.
    Ihre Namen, kennst du sie?“

    Lucius Aelius Quarto begrüßte den König freundlich und mit einer Geste, die seiner Wertschätzung Ausdruck verlieh, ohne jedoch Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass ein römischer Consul vor einem gekrönten Haupt auch nur einen Anflug von Unterwürfigkeit zeigte, wie es vielleicht ein Untertan des Königs getan hätte.


    “Ich danke dir, dass du mich empfängst.“, sagte er dann.
    “Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir deinen Betrieb in Betracht ziehen. Du bist zu bescheiden. Die Kunstfertigkeit und Qualität der Arbeiten, die aus deinen Werkstätten kommen, sind allseits bekannt und werden allerorten in höchsten Tönen gepriesen. Für das Ulpianum, dass muss ich wohl nicht betonen, ist nur das Beste ausreichend. Außerdem wird es dem verstorbenen Imperator Caesar Augustus, den jetzt als Divus Iulianus Verehrten, sicherlich gefallen, wenn wir dich damit beauftragen.“




    Sim-Off:

    Ja, es geht weiter. Bitte entschuldige die lange Verzögerung, ich bin schuld.

    “Der Kauf und Verkauf von Sklaven, die dem direkten Tätigkeitsbereich eines Vereins dienen, etwa Stallburschen oder Wagenlenker bei einer Factio, nein, dass würde ich persönlich niemals als gewerbsmäßigen Sklavenhandel werten.
    Aber sollte im Gesetz nicht zumindest festgehalten werden, dass Vereinsvermögen künftig besteuert wird? Das war doch der Tenor hier im Saal.
    Ansonsten... mh... ja, da hast du wohl recht, könnten die ersten beiden Absätze auch einfach entfallen, dass stimmt.“

    “Ich wünschte, ich könnte dazu etwas sagen. Aber ich weiß es zu meinem eigenen Bedauern auch nicht.
    Was militärische Fragen angeht, und das Besetzen militärischer Posten, da wird mein Rat nur selten gesucht. Obwohl es bestimmt auch eine politische Frage ist, wem man das Kommando über die Garde anvertraut.“

    “Strebst du langfristig denn ein militärisches Kommando an? An deiner Stelle würde ich das zum Maßstab machen, um diese Frage zu beantworten.
    Wie deine Aussichten sind, dass kann ich nur schlecht beurteilen. Ich befasse mich selbst nur selten mit der Vergabe von Offiziersposten. Es ist gewiss kein Ding der Unmöglichkeit. Allerdings kann ich mich spontan an keinen Tribun patrizischer Herkunft bei den Cohortes Praetoriae oder den Cohortes Urbanae erinnern. Die Stammeinheiten sind nun einmal das traditionelle Refugium der Ritterschaft.“

    Aelius Quarto atmete hörbar aus.


    Er hielt den Brief noch immer in Händen, als er zu antworten begann:
    “Wie du vielleicht weißt, ist Quintus Germanicus Sedulus mein Schwager und mein Klient. Gleichzeitig betrachte ich den Verfasser dieses Schreibens ebenfalls als politischen Weggefährten. Es ist eine höchst unangenehme Situation, wenn sich Freunde in den Haaren liegen.“


    Er gab den besagten Brief an Prudentius Balbus zurück.


    “Tiberius Durus und die beiden Germanicii-Senatoren, also neben Germanicus Sedulus auch sein Onkel Germanicus Avarus, haben sich in letzter Zeit häufiger Wortgefechte im Senat geliefert, teilweise auch recht heftige. Daran erinnere ich mich sehr gut. Aber 'verschwenderischen Faulenzer' oder 'Erbsenzähler'... nein, ob diese Worte gefallen sind, dass vermag ich jetzt nicht zu sagen. Möglich ist es, aber ich erinnere mich nicht mehr.


    Doch selbst wenn es so war, ist es ein sehr weitgehender Schritt, dass sich Tiberius an den Imperator Caesar Augustus direkt wendet. Er weiß natürlich ganz genau, dass eine Beleidigungsklage vor einem Praetor keine Aussicht auf Erfolg hat, denn was innerhalb des Senats in der Curia Iulia gesagt wird, entzieht sich traditionell den einschlägigen Delikten über Beleidigung und übler Nachrede.“


    Quarto fuhr sich nachdenklich über den Bart.


    “Der Praefectus Urbi ist nur selten im Senat anzutreffen. Er weiß wenig über die dortigen Gepflogenheiten und macht auch stets den Eindruck, dem Senat gegenüber wenig Wertschätzung entgegen zu bringen.“, bemerkte er, scheinbar aus einer spontanen Eingebung heraus.