Beiträge von Sporus

    Sporus fing eifrig an, die Zeichen nachzumalen. "A-I-E-U-U", sagte er laut. Dann weiter "A-E-I-U-O" , "A- E- I- O- V"

    A A A A

    I E I E

    I I j I

    o v O O

    v v v V

    Sporus kam zurück mit den wenigen Sachen, die er hatte. Mit dabei waren die Wachstafeln und Syli, sowie sein, für ihn Kostbarstes. Das Kästchen. Sporus wartete aufgeregt auf Tacitus.

    Sporus nickte, und machte sich auf den Weg, die Sachen zu holen. Ich werde lesen und schreiben lernen, dachte er sich erfreut. Sporus war in diesem Moment endlos glücklich und dankbar, dass er Tacitus getroffen hatte.

    Sporus war überrascht, dass es wieder nach Germanien gehen sollte. "Ja Yunzi, ich kann tatsächlich reiten." sagte Sporus mit einer leichten Verbeugung. Er freute sich auf eine Reise, würde diese ihm doch von all dem Vergangenen ablenken. Unwillkürlich musste er an den Medicus Scato denken, der ihn einst dort geholfen hatte.

    Sporus trank seinen Becher leer, und stand auf, um Tacitus zu folgen. Aber vorher sagte er noch traurig, und mit leicht gebrochener Stimme. "Amytis, Herrin. Es war mir eine Ehre, dich kennenlernen zu dürfen. Du bist ein guter Mensch, ein Mensch, dem ich vertrauen konnte." Sporus verbeugte sich tief vor Amytis.

    Sporus hörte nicht wirklich zu, was die anderen sprechen. Er war von dem ganzen Geschehen beeindruckt. Und immer wieder konnte man vom Weitem viele Menschen begeistert rufen hören. Irgendwas war im Kolosseum los. Ob er da irgendwann auch mal rein darf, um zuzusehen? Dann konzentrierte sich aber wieder auf die Gespräche und war gespannt, wie Amytis und Magnus reagieren würden.

    Sporus war sehr überrascht, dass er auch einen Becher Wein bekam. Sein erster Becher Wein überhaupt. Aber er hielt etwas Abstand. Das gebührte sich für ihn nicht. Er stand, neben den dreien und war begeistert, dass er teilnehmen durfte. Ebenso bedankte er sich bei Tacitus für diese Ehre.

    Sporus trottete der Herrschaft hinterher, als er plötzlich von einem Mann angesprochen wurde, der aus dem Nichts zu kommen schien. "Dich kenne ich doch, du bist der Sklave Sporus. Du hast mich schon mal bedient, auf einer Feier deines Herrn. Erinnerst du dich? Ja, das war eine schöne Zeit." Dann sprach er zu Tacitus, davon ausgehend, dass dieser nun der Herr von Sporus ist. "Ich würde den Sklaven gerne mal wieder benutzen, was verlangst du dafür?" fragte er Tacitus in einem übertrieben höflichen Ton. Sporus erschrak, als er das hörte, und wartete ängstlich auf eine Antwort von Tacitus.

    Sporus bemerkte das Geschehen zwischen Amytis und Magnus. Sie konnte jetzt selbst entscheiden, das beeindruckte ihn sehr. Wäre sie noch Sklavin gewesen, hätte er vielleicht unerlaubt etwas dazu gesagt, aber jetzt..... Und er hatte sowieso kein Recht, sich da einzumischen. Amytis tat ihm leid, aber er schwieg.

    "Ja, Yunzi", sagte Sporus, erleichtert, dass sein unerlaubtes Gerede keine Konsequenzen hatte. Er nahm die Urne, sammelte die Knochenreste ein und legte sie vorsichtig hinein. Etwas verstörend war diese Angelegenheit schon. Die Knochen seines verstorbenen Herrn in Händen zu halten, war unangenehm, ein bisschen ekelte sich Sporus, was er sich aber nicht anmerken ließ. Nachdem die Urne gefüllt war, übergab er diese an Tacitus.

    Sporus stand neben Tacitus und sagte mehr oder weniger leise vor sich hin "Mein ehemaliger Herr war böse, aber, liebe Götter, nehmt ihn trotzdem gut auf". Sporus schaute zu Tacitus, um eine Reaktion zu sehen. Er hatte ja schließlich unerlaubt gesprochen.

    Sporus war direkt hinter Tacitus. Er wollte während des Trauerzuges dicht an seiner Seite bleiben. Immer noch hatte er tatsächlich sowas wie Angst vor Pinus, obwohl dieser nun eindeutig tot war. Aber das, was er ihm angetan hatte, konnte er nicht vergessen.

    Amytis ist frei, dachte sich Sporus. Und sie denkt noch darüber nach? Für ihn kam Freiheit nicht infrage. Er war immer Sklave, er wäre gar nicht fähig alleine zu überleben.

    Das wusste er genau. Er braucht immer eine Hand, die ihn durch Leben führt. Aber Amytis?

    Sporus war noch immer geschockt, aber fasste sich. Er nahm das Kästchen in seine Hände. "Darf ich bei dir bleiben, Yunzi?" fragte er leise. Dann schaute er wieder auf das Kästchen, und hielt es ganz fest. "Ich möchte es behalten. Es ist ein Stück von mir," murmelte er vor sich hin.

    Sporus nahm das Kästchen. Es war ein hübsch gestaltetes Kästchen aus Holz, sogar etwas edel. Sporus öffnete es langsam. Es war schwer zu erkennen, was da eigentlich drin war. Etwas Einbalsamiertes. Sporus schaute genauer hin und erschrak. Er war geschockt. Aulus hatte es geschafft, in seinem Tode Sporus noch extremst zu demütigen und zu verletzten. In dem Kästchen war säuberlich einbalsamiert Sporus`s Gemächt. Sporus schrie auf, "Dieser wahnsinnige Mann", schrie er verzweifelt. "Die Götter mögen ihn verfluchen!" schrie er weiter. Dann beruhigte er sich etwas. "Verzeih mir, Yunzi. Ich bin laut geworden", sagte er leise und verzweifelt. "Verzeih mir....." Er gab das Kästchen Tacitus, damit er auch rein schauen konnte. Dann brach er heulend zusammen.

    Sporus gab den Brief an Tacitus weiter. "Bitte Yunzi, kannst du mir den Brief Vorlesen? Ich habe das nicht gelernt."


    Mein süßer Sporus

    Lass dir diese Zeile vorlesen, weil du selbst ja nicht lesen kannst. Oberhaupt kannst du so gut wie nichts. Meine Entscheidung, aus dir einen Eunuchen zu machen, war meine beste Entscheidung. Deine Vorzüge werden so auf ewig bestehen. Du bist ein hübscher Jüngling, und solltest es auch bleiben. Deine Begabungen als Eromenos sind überwältigend. Aber zu mehr reicht es nicht. Du kannst weder lesen, noch schreiben, geschweige denn musizieren oder singen. Etwas vortanzen, um mich und meine Freunde zu belustigen und zu erregen, das beherrschst du aber auch. Deshalb habe ich mich entschlossen, dich nicht, wie meine anderen Sklaven freizulassen. Du wirst weiter als Sklave und Eromenos arbeiten.

    Das Kästchen ist für dich, mein Sporus. Darin befindet sich etwas, was du seit vielen Jahren vermisst hast.

    Vale, Aulus Aurelius Pinus

    Sporus war leicht erschrocken, dass sein ehemaliger Herr gestorben ist. Leid tat ihm das allerdings nicht. Nach all dem Erlebten unter diesen Tyrannen ist das auch kein Wunder. Sporus schaute auf das Kästchen und den Brief. Er war gespannt darauf, was nun folgen würde.

    Sporus nickte und bedankte sich bei Yunzi. Zur Villa Aurelia gehen zu müssen, gefiel ihm gar nicht. Wer weiß, wie sich Aulus benehmen wird. Der Gedanke ihn gleich wiederzusehen, löste Angst in ihm aus, die er aber nicht zeigte.

    Sporus war komplett überfordert, mit dem was gesagt wurde. Aber was er verstand, machte ihn nachdenklich. Insbesondere die Aussage von Amytis: Manche ertragen Leid, ohne daran zu zerbrechen. Er schaute zu Amytis. "Ich werde versuchen, nicht daran zu zerbrechen," sagte er leise vor sich hin, obwohl seine Seele längst zerbrochen war. Aber war es ihm auch bewusst? Sporus nahm tief Luft und schaute zu Yunzi. Er verbeugte sich und sagte: "Danke für die Zeit, die ich mit dir und Amytis hier verbringen darf." Ein leichtes Schluchzen übermannte ihn.