Beiträge von Sporus

    Sporus hörte genau zu. Einiges verstand er nicht, aber der Sinn dieser Worte waren ihm klar. Es war eine Genugtuung, diese weisen Worte zu hören, und Sporus nickte zustimmend.

    Er dachte nach, über Aulus, seinem Peiniger und über Sisenna Seius Stilo, seinem eigentlichen Herrn, welcher auch verstorben war. Was wird jetzt aus mir? , dachte sich Sporus. Wie wird es weitergehen? Sporus war wieder geknickt. Jetzt erst wurde ihm klar, dass er für ihn unter Umständen böse enden könnte.....

    Er schaute zu Amytis. Auch sie war betroffen, war sie doch Eigentum von Aulus Aurelius Pinus.

    Sporus zuckte kurz, als Amytis ihre Hand auf seinen Arm legte. Es war eine motorische Reaktion, zu oft wurde er geschlagen und diese kleine Abwehr ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Doch dann ließ er sie gewähren. Er nickte zu dem, was Amytis gesagt hatte. Ihn überraschte der Mut, den sie hatte.

    "Wirklich? Ich werde ihn wiedersehen?" fragte Sporus fast erfreut. "Das tröstet mich", sagte er noch. Er hatte sich vorher nie mit dem Tod beschäftigt, vielleicht weil er noch viel zu jung war, darüber nachzudenken. "Danke, Yunzi," fügte er noch an.

    Sporus kam etwas später auch ins Perystilum, und setzte sich auf den Boden vor Tacitus. "Danke Yunzi, für die Trauerfeier", sagte Sporus mit leicht stockender Stimme. "Ist Terpander jetzt bei den Göttern?", fragte er nach, und schaute Tacitus verzweifelt an. Dann senkte er den Kopf und sagte noch."Die sind bestimmt lieb zu ihm....ganz bestimmt"

    Nachdem Sporus assistiert hatte, und das sehr gefasst überstanden hatte, betete er zu den Göttern. Wie erwähnt, war seine Ausdrucksweise sehr einfach gehalten. "Liebe Götter, die Terpander geliebt hat. Seit gut zu ihm, er ist ein guter Mensch gewesen. Er war lieb zu mir, und ich verehre ihn. Terpander gekannt zu haben, war für mich die Erfüllung meines Lebens. Passt auf ihn auf. Er hat es sich verdient, gut behandelt zu werden." sagte Sporus mit dicken Tränen in den Augen. Dann schritt er ein Stück zurück, um anderen Platz zu machen, wobei er nun wieder heulte, wie ein kleines Kind.

    Sporus tat, wie ihm geheißen und half Tacitus die Toga anzulegen. Er musterte Tacitus in dieser Trauerkleidung und war sichtlich gerührt, dass Terpander noch soviel Aufmerksamkeit bekommen würde. Dann liefen wieder ein paar Tränen über sein Gesicht. Er machte sich etwas Sorgen, ob er die folgenden Minuten gut überstehen würde. Sporus stellte sich gerade hin, und riss sich zusammen in voller Erwartung, was nun kommen wird. Er hatte noch nie einer Trauerfeier beigewohnt.

    "Danke Yunzi, dass du mich fragst.", sagte Sporus und verbeugte sich. "Ich denke, es ist eine sehr gute Idee." fügte er hinzu. Sein Wortschatz war nicht sehr groß. Deshalb auch diese einfach gestrickte Antwort. Kompromiss, dachte er sich noch, was ist das? Aber Sporus war stolz darauf, dass seine Meinung gefragt war. In seinem momentanen Gefühlschaos war dies eine Wohltat für ihn.

    Sporus nickte, während er das Gesagte versuchte zu verarbeiten. Es waren viele Worte, und Sporus war damit etwas überfordert. Noch immer liefen die Tränen, aber er fasste sich etwas wieder. Er konnte nichts sagen. Es war überwältigt von den Gefühlen und der Fürsorge, die ihm entgegengebracht wurde. Auch das, was Tacitus und auch Amytis gesagt hatten, waren weise Worte. Dass Menschen so offen und herzlich zu ihm sprachen, kannte er bis dato nicht. Er fühlte sich, wie einst bei Scato, zum zweiten mal in seinem Leben, geborgen. Dann erinnerte er sich wieder an Terpander und die Zeit, die er mit ihm verbracht hatte.

    "Mein Herr ist auch tot?", fragte Sporus, immer noch mit den Tränen kämpfend, wegen Terpander. Sporus war unerwartet gerade im Peristylium erschienen. "Verzeih mir, Yunzi. Ich habe nicht alles mitbekommen, nur deinen letzten Satz", sagte Sporus, wohl wissend, dass er sich falsch verhalten hatte. Er verbeugte sich tief vor Tacitus, während er um Verzeihung bat. Seine Trauer um Terpander saß sehr tief, so tief, dass sein Mitgefühl für Stilo nicht im Vordergrund stand. Er hatte seinen Herrn sowieso nur kurz gekannt, bevor er von ihm zu Scato geschickt wurde. Sporus erinnerte sich an seine erste Begegnung mit Stilo.

    Im Arm gehalten zu werden, tat Sporus gut. Zumal er ist nicht gewohnt war, so fürsorglich behandelt zu werden, außer von Terpander, und Scato. Und er ließ alles raus. Er heulte, wie er noch nie geheult hatte. Und langsam beruhigte er sich auch wieder.

    "Danke, Herr." sagte er zu Aias. Er nannte alle "Herr", auch wenn es ein Sklave war. Ihm wurde einst beigebracht, dass er selbst immer auf der untersten Stufe stand, und jedem anderen mit Respekt zu behandeln hatte.

    Sporus war wie versteinert. "Was ist passiert?" fragte er mit spottender Stimme. Dann brach er zusammen. Er fiel hin und fing an, bitterlich zu weinen, zu schreien. "Nein, nein....das kann nicht....." Sporus kniete auf dem Boden, nicht imstande auch nur einigermaßen Luft zu holen. Seine Verzweiflung war endlos.

    Terpander war der erste Mensch in seinem Leben, der ihm Liebe entgegengebracht hatte. Er war sein Held, seine große Liebe, sein persönlicher Gott, wenn man so will. Sporus nahm in seiner Verzweiflung einen Stein, der neben ihm auf dem Boden lag, und versuchte sich mit einer Spitze des Steines eine Pulsader aufzuschneiden. Ohne Erfolg. Es war auch eine Verzweiflungstat, nicht überlegt. Er schmiss den Stein wieder weg.

    "Ich möchte bleiben", fügte er noch leise schluchzend hinzu und gab sich seiner endlosen Trauer hin.

    "Ja,Yunzi", sagte Sporus mit fast schon mit funkelnden Augen. "Ich denke, er ist zurück nach Germania. Wir wollten eigentlich zusammen bleiben, und uns irgendwie durchschlagen. Ich liebe ihn, und ich denke, er mich auch. Er ist mein Glück, und ich freue mich, ihn vielleicht bald wieder sehen zu dürfen. Aber er hat seinen Herrn Scato und er konnte ihn nicht wirklich verlassen", sagte Sporus noch und wurde zusehens trauriger. "Ich vermisse ihn", fügte er noch hinzu. Niemals hatte Sporus so offen gesprochen, zumal er erwähnte, dass er mit Terpander flüchten wollte. Aber irgendwie hatte er Vertrauen zu Tacitus gefasst. Er würde ihn verstehen.

    "Verzeih mir, Yunzi. Ich kenne leider deine Schwester nicht. Ich habe Sie, in der Zeit, in der ich bei Scato war, nicht kennengelernt." sagte Sporus etwas ängstlich. War es schlimm, dass er nicht sagen konnte, wie es ihr geht? Yunzi wird sicherlich enttäuscht sein, über diese Antwort. "Abgereist bin ich vor einigen Wochen, glaube ich. Terpander, der Sklave von Scato, hatte mich begleitet.", fügte Sporus noch hinzu und verbeugte sich leicht. Er wollte Yunzi wohl nicht in die Augen sehen müssen, wenn dieser seine Enttäuschung zeigen würde. Sporus wollte nicht jemanden unglücklich machen. Er konnte damit auch nicht umgehen. Würde Yunzi ihn für diese unvollkommene Antwort bestrafen, so wie es Aulus machen würde?

    Sporus ging zu Tacitus, als er ihn zu sich winkte und verbeugte sich leicht. "Ja, Yunzi. Das war ich. Iunius Scato hatte mich geheilt, soweit es möglich ist. Ich habe seit dem keine Schmerzen mehr. Er ist ein guter Medicus.", sagte Sporus, etwas traurig darüber, dass er ihn lange nicht mehr gesehen hatte. Und Terpander, den Sklaven von Scato, in den sich Sporus einst verliebt hatte. Und er liebte ihn immer noch, genau wie Terpander, Sporus liebte. Auch Terpander hatte er lange nicht mehr gesehen. Er ist wahrscheinlich wieder in Germania, dachte sich Sporus.

    Tatsächlich waren Sporus, und auch die anderen nach dieser Übung wach. Auch mussten einige lächeln, aber wenn der Herr es tat, war es wohl in Ordnung, wenn einige Sklaven ebenso lächeln mussten. Auch Sporus blieb davon nicht verschont, setzte aber wieder ein ernstes Gesicht auf, als er sich wieder verbeugen musste.