Auch Amytis nickte. Yúnzi sprach weise Worte, in der Tat, und sie erkannte so durchaus, dass er ahnte, was die beiden Sklaven vor ihm bedrückte und weshalb sie überhaupt nur seine Nähe suchten. Ob und wie ihnen das helfen mochte, wusste sie aber auch nicht. "Es gibt einen Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit, das stimmt." Das waren durchaus kühne Worte. Sie atmete einmal tief ein. "Wir kennen unseren Platz, so ist es nicht, aber wir haben uns beide lange nicht mehr so ... gesehen gefühlt. Das macht alles einfacher für uns. Ich - wir - wollten, dass du das weißt, Yúnzi." Jede Pflicht fiel leicht zu erledigen, wenn man sie gerne tat.
Beiträge von Amytis
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Als Amytis sah, wie Sporus sich zu Yúnzi wagte, war sie höchst erfreut. Immerhin war dieser Mann sicher jemand, der ihm Trost spenden konnte, und sie war wirklich froh, dass der schüchterne Sklave sich zu ihm gewagt hatte. Ein seltenes Lächeln flog über ihre Züge, bevor sie sich wieder fing. Die anderen Sklaven interessierten sie nicht wirklich, auch wenn es den einen oder anderen gab, der ihr interessierte Blicke zuwarf.
Vielmehr war der so ungewöhnliche Römer in ihrem Interesse, und daher wagte sie sich schließlich auch ins Peristylum.
Schweigend und vorsichtig trat sie näher und setzte sich dann neben Sporus. "Hab Dank, Yúnzi. Für alles. Wir werden gerne heute Nacht hier bleiben." Sie zögerte kurz und legte eine Hand auf Sporus' Unterarm. Sie hoffte, er würde ihr ihre Übergriffigkeit verzeihen, wo sie doch nur in seinem Interesse gehandelt haben wollte.
"Unser Herr... Ist weitaus weniger verständig als du es bist." Nun war es heraus, und sie hoffte, dass Ahura Mazda ihr beistehen, und Yúnzi verstehen würde. -
Auch wenn sie es mittlerweile beinahe hätte erwarten können, war Amytis dennoch überrascht von der Großzügigkeit Yúnzis. Er gab ihnen frei und sogar Gelegenheit, beisammen zu sitzen und sich zu unterhalten. Das war deutlich mehr, als er auch nur aus Trauergründen hätte tun brauchen und noch dazu schien er seinen Sklaven sogar zu vertrauen. Vor allem letzteres war nun wirklich neu und erstaunlich. Tatsächlich verspürte Amytis Sympathie für den Mann, der seine Sklaven so gut behandelte, und dadurch wie von selbst für Loyalität sorgte. Sie konnte mittlerweile sehr gut nachvollziehen, dass Terpander vermutlich ein harmonischer Teil dieses Haushalts war und deshalb so betrauert wurde. Einmal mehr überkam sie dennoch Trauer, als sie an ihre eigene Situation, aber auch an Sporus, dachte. Bei ihrem eigenen Herrn war das Leben weitaus weniger erfreulich, und sie beide hatten diverse Dinge zu ertragen, welche den inunischen Sklaven sicherlich erspart blieb. Zumindest wirkte es nicht so, als sie die Versammlung schweigend vom Rand des Atriums beobachtete.
Sie würden sogar hier übernachten können! Sporus und sie zumindest, und ohne eine Rücksprache mit ihrem Mitsklaven zu halten, sprach Amytis mit besagtem Araros, um sich um eine Unterkunft zu kümmern. Ihr Herr würde wohl zornig sein, aber das war er ohnehin immer, und es war ihr deutlich wichtiger, die Gastfreundschaft Yúnzis nicht abzulehnen. Sollte jener heute noch ihre Hilfe benötigen, wäre sie zumindest sofort zur Stelle, und das sogar gerne. Ohne übergriffig sein zu wollen, entschied sie für Sporus mit, denn dieser würde die Zeit zum Trauern sicherlich benötigen. Sie sah, wie er nach einiger Zeit zum Hausherrn ins Peristylum ging, beschloss aber, die beiden zunächst nicht zu stören. -
Nun, Amytis war einer der Menschen, welcher Terpander nicht gekannt hatte. Und dennoch hatte er einen Einfluss auf ihr Leben, denn sie war Zeugin davon, wie um ihn getrauert wurde, und das war durchaus beeindruckend. Sie war sich sicher, dass er so etwas verdient hatte, alleine schon, weil er den Leuten hier so viel bedeutete.
Als es an der Zeit war, dass sie Gelegenheit für ein Gebet bekam, trat auch sie vor und sagte ein paar Worte. Das ganze recht schnörkellos, und ohne einen bestimmten Gott anzurufen.
"Terpander hat sich aus freien Stücken für den rechten Weg entschieden. Er war ein ashawan, denn sonst würde man nicht um ihn trauern und er würde diesem Haus nicht derart viel bedeuten. Seine Taten werden gewichtet werden, und er wird über die Brücke geführt werden." Es war ihr egal, ob diese Worte an diesem Ort angemessen waren oder ob man verstand, was sie sagte oder es seltsam fand.
Soweit sie verstanden hatte, glaubten auch die Römer an eine Art Übergang, und ob man diesen nun auf einem Boot oder über eine Brücke bewältigte, war sicher nur ein Detail. Auch etwas Holz entzündete sie, denn die Reinheit des Feuers war eine weitere Ähnlichkeit, die sie erkannte, auch wenn die Römer eher auf den Rauch Wert zu legen schienen. Sie verharrte einen Moment, schloss die Augen, und trat dann wieder ernsten Blickes zurück.
Eigentlich wollte sie sich schweigend an ihren Platz stellen, doch als sie Sporus vor sich sah, trat sie zu ihm und drückte ihn. Das war alles, wa sie tun konnte. -
Auch Amytis half und auch wenn sie es weniger zeigte als Sporus, war auch sie beeindruckt. Einmal, als sich die Gelegenheit ergab und Yúnzi es nicht mitbekam, lächelte sie Sporus warm zu. Sie beide hatten großes Glück, hier zu sein, aber dass diese Nachricht ausgerechnet jetzt eingetroffen war, war Glück im Unglück, denn es gab Sporus Gelegenheit, angemessen zu trauern. Und auch wenn es nichts ändern konnte, war es ein wichtiger Teil der Heilung, diese Trauer auch herauslassen zu können.
Letztlich stellte aber auch sie sich wieder schweigend und gerade neben den anderen Sklaven und wartete ab. -
Amytis überlegte kurz, und war mittlerweile schon nicht mehr gar so verwundert, dass man sie um ihren Rat fragte und wie einen Menschen behandelte. "Ein Kompromiss zwischen deiner Stellung und dem Respekt für die Götter erscheint mir sehr sinnvoll, Yúnzi." Sicherlich wäre jeder Sklave stolz, wenn er wüsste, dass man sich nach seinem Tod so viele Gedanken um ihn machte.
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Amytis war persönlich nicht betroffen, denn sie kannte keine der drei Personen, aber es war klar, dass dies ein großer Zufall war und für die mittlerweile beiden anderen Männer ein sehr wichtiger Moment war. Selbst der bisher so beherrscht und zumindest kontrolliert wirkende Yúnzi war erschüttert, und Sporus wirkte, als hätte man ihm den festen Boden unter den Füßen fortgezogen. Sie hatte keine Ahnung, wie sie etwas besser machen sollte, also trat sie schweigend zu Sporus und legte einen Arm um ihn. Eine universelle Geste des Trostes, unabhängig von Religionen und Göttern, und auch, wenn es ihre Kompetenzen als Sklavin überschreiten mochte, war sie sich sicher, dass Yúnzi nichts dagegen hatte. Sie war ein Mensch und für einen anderen Menschen da, weshalb sie nicht nur weitaus wertvoller in ihren Diensten sein würde, sondern auch loyaler, und das verstand dieser Mann offensichtlich deutlich besser als ihr eigener Herr.
Wie es schien, würden die drei Männer an der Činvat-Brücke keine Angst haben müssen, aber so genau konnte sie das natürlich nicht sagen, und es würde auch kein Trost für Sporus oder Yúnzi sein. Sie schaute letzterem, erneut etwas dreist, ins Gesicht, als er geendet hatte, und lächelte warm. Ein stiller Dank für diese tröstenden, weisen Worte. "Ich bin für dich da, wenn du möchtest.", sagte sie leise zu Sporus. "Wir werden einen Weg finden, damit du nicht bei Pinus bleiben musst.", flüsterte sie dann, noch ein wenig leiser. Sie wusste nicht wie, aber auch in der kurzen Zeit hatte sie gemerkt, dass ihr Herr ein besonderes Auge auf Sporus geworfen hatte, obwohl dieser ihm ja nicht einmal zu gehören schien. -
"Ich denke, du weißt mehr über ihn als mein Herr über mich." Amytis biss sich auf die Lippen. Das war unnötig gewesen, auch wenn es die Wahrheit war. "Es ist nicht verkehrt, die Götter darum zu bitten. Ihn für seine Arbeit und sein Dasein in diesem Haus zu loben sicher ebensowenig. Dafür könnte man Sporus oder die anderen Sklaven fragen?" Sie hob vorsichtig den Blick und war gespannt auf seine Reaktion, immerhin wäre das im Hause ihres Herrn absolut undenkbar, hier erschien es aber wie eine Möglichkeit. "Und natürlich ein Opfer, wenn man möchte." Damit erschöpfte sich auch schon ihr Wissen über griechische Totenkulte, aber letztlich war der Respekt, den man dem Andenken an Tote zollte, wohl überall ähnlich.
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Amytis folgte Yúnzi aus dem Atrium und nahm eine Stellung ein. Sie war gespannt, was er sagen würde, so ganz allein hatte sie ihn ja noch nicht erlebt. Auch wenn sie ihn bisher als gar nicht mal so unnahbar wahrgenommen hatte, sprach er nun doch nochmals freier. Sie ließ ihn ausreden, verneigte sich dann und sprach, als er ihr es erlaubte.
"Ich bin mir sicher, du wirst nicht versagen, Yunzi." Sie machte eine kurze Pause und legte sich die Worte nochmals zurecht. "Solange Terpander geehrt wird und man die ehrliche Absicht hat, ist das gar nicht möglich, glaube ich. Jeder wird sehen, das es ernst gemeint ist. Woher stammte er denn, und an welche Götter richtete er seine Gebete?" Die, für sie, entscheidende Frage, denn in ihrer Welt kam ein Felssturz in den Bergen einer Himmelsbestattung schon recht nahe, wobei das hier vermutlich anders lag. "Es ehrt mich, dass du mich auswählst." Sie gestattete sich ein zaghaftes stolzes Lächeln, welches sie rasch wieder versteckte. "Ich helfe gerne. Mein Beileid.", fügte sie, deutlich ernster, an. -
Fasziniert betrachtete Amytis das Geschehen und war wirklich überrascht von Sporus' Reaktion. Der arme Kerl tat ihr aufrichtig leid, und auch ihre Augen wurden bei seinem sichtbaren Leiden feucht. Ein schwerer Schlag, das war deutlich zu sehen, und sie nahm sich vor, ihm zu helfen, wie auch immer sie das anstellen wollte.
Sie nickte auf die Bitte Yúnzis hin und folgte jenem, ließ es sich aber nicht nehmen, Sporus im Gehen noch einmal die Hand auf die Schulter zu legen. Sie sagte nichts, denn Worte halfen hier wohl nicht mehr, aber sie war da, und das war wichtiger. -
Amytis war durchaus verwirrt von der Ansage des Herrn. Sie hatte mitbekommen, dass Sporus und er sich unterhalten hatten, aber offensichtlich steckte da mehr dahinter, als sie erwartet hatte. Yúnzi wirkte nicht wie jemand, der aus einer Laune heraus sein Programm änderte. Es blieb keine Gelegenheit, Sporus zu fragen, daher wartete sie die Erklärung ab.
Diese war dann ohne Umschweife und direkt, aber was blieb auch sonst zu sagen? Es war offensichtlich, das dies ein schwerer Schlag für das Haus war, und Amytis war sich gleichzeitig sicher, dass ihr Herr ihr kaum eine Träne nachweinen würde. Was in Anbetracht dieser Reaktion hier nur noch trauriger war.
Bei Yúnzis Bitte nickte Amytis direkt, schaute zu Sporus, dann erst verbeugte sie sich. "Jederzeit, Júnzi." Was ihr immer noch nicht bewusst war, war die Beziehung zwischen Sporus und Terpander. -
Auch Amytis war amüsiert. Vor allem, dass der Herr auch selbst mitmachte, machte ihn sympathisch, so dass sie unweigerlich lächeln musste, auch wenn sie es sich schnell wieder verkniff. Dass aber auch Sporus lächelte, war mehr wert als alles andere. Immerhin hatte sie so etwas von ihm noch nie gesehen.
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Nach diesem Tag waren Sporus und Amytis erschöpft, als sie den Heimweg antraten. Dennoch konnte zumindest Amytis kaum glauben, was sie erlebt hatte, und es fiel ihr schwer, abends Schlaf zu finden. Sie wollte diesem Mann, Yún, gefallen, sie wollte seinen Auftrag gut erledigen, und dennoch war bereits jetzt klar, dass diese Zeit begrenzt war. Früher oder später würde der schreckliche Alltag bei ihrem Herrn wieder Einzug finden, und mit dieser Aussicht war das anspruchsvolle, aber durchaus erfrischende Zwischenspiel bei Yún vielleicht sogar schlimmer, als hätte es dies nicht gegeben.
Entsprechend war sie sehr schweigsam, während sie mit Sporus am nächsten Morgen zurückkehrte, ihre Gedanken düster, obwohl sie sich auf den Tag freute. Mit ebenso düsterer Miene befolgte sie also die Anweisungen des Mannes und stellte sich in die erste Reihe. Sie war mehr als bereit, jede Anweisung zu erfüllen. -
Das Getränk, was er mitgebracht hatte, war ihr unbekannt, es schmeckte seltsam bitter, aber sie trank es. Warum auch nicht, denn bisher gab es keinen Grund, Yún zu misstrauen. Allerdings gab es recht bald darauf ein ziemliches Gedränge an der Latrine, und Amytis fragte sich, ob es etwas mit eben diesem unbekannten und ungewohnten Getränk zu tun haben mochte.
Auch Amytis lauschte aufmerksam und nickte dann. Es klang sehr theoretisch für sie, und wenn sie ehrlich war bezweifelte sie, dass da etwas dran war, aber generell stimmte sie zu. Sich gut zu verhalten und Dinge in Ordnung zu bringen, nicht nur, weil man es musste, sondern weil man es für richtig hielt, war sicher nicht verkehrt. Ob ihr Herr die Welt schlechter machte, weil er Sporus und sie oftmals quälte? Oder war dies Teil einer Ordnung? Wie Yún darüber wohl denken würde? Er war ein interessanter Mann, das ließ sich nicht abstreiten, und er hatte viel von der Welt gesehen. Amytis war sich jetzt bereits sicher, dass sie sich nach dieser Zeit hier zurücksehnen würde, und sie nahm sich vor, diese für sie milde Strenge zu genießen und dankbar zu sein. Für Sporus und sie war das hier immerhin wie eine Auszeit. -
Dass Yún sich wirklich bei ihr bedankte, passte zu seinem bisherigen Verhalten, und dennoch war es ungewohnt für Amytis, die schon lange nicht mehr erlebt hatte, dass jemand so mit ihr umging. Der Mann war anders als die Römer, und das komplette Gegenteil zu ihrem Herren, und sie war sich sicher, dass die Zeit bei ihm vielleicht anspruchsvoll, aber am Ende eine Gute werden würde. Sie würde sich anstrengen, alleine schon, um ihm zu zeigen, dass in ihr mehr steckte als ein einfaches Sklavenmädchen, welches Pinus sich als Spielzeug und Unterhaltung für seine Gäste gekauft hatte. Abgesehen davon war sie die Tochter eines āzād und ihre Eltern hatten ihr Dinge beigebracht, die sie an Fürstenhöfen hätte nutzen sollen und nicht am unteren Ende der sozialen Leiter. Es tat gut, so gefordert zu sein.
Wie gerne hätte sie ihm das gesagt, wie gerne wäre sie in seinen Besitz übergegangen, auch wenn sie natürlich ebensowenig wissen konnte, dass es bei Yún immer so und dauerhaft besser wäre. Dennoch war dies Gefühl wirklich ein starkes.
Sie verbeugte sich ebenfalls bei seinen Worten. "Ευχαριστώ, Júnschi." Das Griechische, ebenso wie deren Mythologie, wenn auch nicht in Einzelheiten, war ihr durchaus geläufig, gab es doch griechische Bürger in ihrer Heimatstadt, weshalb sie die Sprache noch vor dem Latein gelernt hatte, und über die Götterwelt der Griechen hatten man ihr ebenfalls etwas beigebracht. Auch wenn es nur darum ging, dass es konkurrierende Götter neben Ahura Mazda gab. Und da es nun einmal alles war, was sie tun konnte, brachte sie ihr Wissen wenigstens in diesem Wort ein. -
Amytis horchte auf und hob den Kopf sogar kurz, als Yún von ihrer Heimat sprach. Er war dort gewesen? Sie senkte den Kopf rasch wieder. "Es ist nur eine unbedeutende Stadt." Natürlich kannte er Dinavar nicht. "Margusch.", sagte sie dann etwas weicher als er, ohne dass ihr klar wurde, dass sie den Mann wohl kaum korrigieren zu hatte.
Sie biss sich auf die Lippen, als er ihre Eltern ansprach und fragte sich nur kurz, warum ihn das interessieren mochte. Pinus hatte danach nie gefragt, ihm war offensichtlich recht, dass die Tochter ihrer Eltern ansehnlich geraten war. "Nein, Júnschi. Sind sie nicht.", antwortete sie dann. -
Amytis war reichlich beschäftigt mit den Sklaven, aber auch sie merkte, dass ihre Konzentration nachließ. Ja, es mochte sein, dass der Herr auch an sich selbst hohe Ansprüche hatte, das hatte sie gesehen und war bemerkenswert, aber dennoch bedurfte auch seine kleine Vorführung sicher Übung, und ohne die ging es eben nicht. Aber auch Pausen waren wichtig, alleine schon, um sich danach wieder konzentrieren zu können.
"Was denkst du, Sporus?", fragte sie ihren Mitsklaven dann. Er hatte sich auch sehr gut geschlagen, fand sie, und seine Sorge war unbegründet, zumindest bisher. "Es ist ein wenig ... ungewohnt, aber kein Problem, oder?", formulierte sie dann ihre eigenen Gedanken.
Dann aber winkte der Herr sie heran, und natürlich stellte sie ihre Schüssel ab und stellte sich mit gesenktem Blick neben ihn. Sie war überrascht, nicht nur, dass er die Melodie erkannte, sondern vor allem, dass sie ihn auch interessierte. Sie zögerte kurz. "Ja, Junzi. Das ist richtig, meine Eltern sind... sie stammen aus Dinavar im Reich der Parther.", antworte sie, und es fühlte sich seltsam an, den Namen ihrer Heimat erstmal wieder auszusprechen. -
Amytis tat, wie ihr geheißen, mit einer Mischung aus Stolz und Nervosität. Immerhin, hier erkannte Jemand in Rom, dass sie mehr war als ein Stück Fleisch, und dieses Gefühl, welches sie schon fast vergessen hatte, verwirrte sie zusätzlich.
Während die Sklavenreihen sich verbeugte, schaute sie aufmerksam und besann sich dann ihrer Herkunft. Als junges Mädchen, bei ihren Eltern, hatte sie durchaus auch Untergebene kommandiert, wenn auch in anderem Rahmen, und das hier war letztlich nichts anderes.
"Ein wenig tiefer musst du.", sagte sie bei dem Einen. "Wenn du die Füße ein wenig auseinander stellst, ist es einfacher. - Nicht zu weit!", half sie bei einem Anderen nach. Auch hier ächzte man bereits leise, als der Hausherr fragte. Die zweite Reihe war ein wenig ungeordneter, aber noch stand man ja auch ganz am Anfang, nicht wahr? "Wenn man es noch einige Male übt, wird es besser aussehen, Junzi." Ganz offensichtlich waren zwei oder drei Kandidaten dabei, denen es wirklich schwer fiel, aber Amytis würde hier niemanden schlecht reden. -
Auch Amytis beobachtete die erneute Vorführung aufmerksam und nickte dann dem Mann zu. Natürlich ehrte es sie, dass er ihre Verbeugung lobte, aber dass sie direkt ein Vorbild sein sollte, machte sie nervös. Hoffentlich würde er ihr noch erklären, wie genau sie den Anderen behilflich sein sollte.
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Amytis war ehrlich irritiert, als der Mann offen zugab, dass er darüber nicht nachgedacht hatte. Ihr Herr wäre wohl eher wütend geworden, wenn man ihn auf einen Fehler hinwies, aber der Römer namens Yún schien sich sogar zu verneigen. Zwar hatte sie sich mittlerweile aufgerichtet, aber hielt den Blick immer noch gesenkt, dennoch musste sie wirklich mit sich kämpfen, um nicht zu ihm zu starren. Was ging hier nur vor? Dass es dann eine Weile ruhig war, ließ sicher nicht nur sie nur noch nervöser werden.
Dann erklärte er endlich, wie er sich das vorstellte, und die Lösung war zwar etwas umständlich, aber würde funktionieren, ohne dass man irgendwem mangelnden Respekt unterstellen könnte, während er gleichzeitig sicherstellen würde, dass man seine Lektionen verstanden hatte. Amytis fiel ein Stein vom Herzen. "Amytis, Iunschí."